Inhaltsverzeichnis
0. Der Brief Paulus an die Galater Top Beginnen möchte ich mit
einem Brief aus dem Neuen Testament der Bibel, nämlich mit dem
Brief Paulus an die Galater, den er um etwa 50 n.Chr. schrieb. Dies
soll zeigen, dass das Zölibat nicht nur im Hinduismus/Buddhismus
eine große Tradition hat, sondern auch im Christentum.
Ermahnung und Warnungen 13-15Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder; allein gebraucht nicht die Freiheit zu einem Anlaß für das Fleisch, sondern durch die Liebe dient einander. Denn das ganze Gesetz ist in einem Worte erfüllt, in dem: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst". Wenn ihr aber einander beißt und freßt, so seht zu, dass ihr nicht voneinander verzehrt werdet. 16-26Ich
sage aber: Wandelt im
Geiste, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen. Denn
das Fleisch gelüstet wider den Geist, der Geist aber wider das
Fleisch; diese aber sind einander entgegengesetzt, auf dass ihr nicht
das tut, was ihr wollt. Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet,
so seid ihr nicht unter (gegen das) Gesetz. Offenbar aber sind die
Werke des
Fleisches, welche sind: Hurerei, Unreinigkeit,
Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader,
Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Sekten, Neid, Totschlag,
Trunkenheit, Gelage und dergleichen, von denen ich euch vorhersage,
gleichwie ich auch vorhergesagt habe, dass, die solches tun, das Reich
Gottes nicht ererben werden. Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe,
Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue,
Sanftmut, Enthaltsamkeit; wider solche gibt es kein Gesetz. Die aber
des Christus sind, haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften
und Lüsten. Wenn wir durch den Geist leben, so laßt uns auch durch den Geist wandeln. Laßt uns nicht eitler Ehre geizig sein,
indem wir einander herausfordern, einander beneiden.
Quelle: Gal. 5, 13-26: 1. Einige Zitate zum Zölibat Top Ich frage mich, woher die Lust
kommt? Sollte man ihr nachgeben oder sie überwinden? (The The)
Wir sprechen normalerweise vom Sexualtrieb. Muss dieser Sexualtrieb wie der Hunger befriedigt werden oder sterben wir sonst? Es gibt keine Beweise dafür, dass Zölibat in irgendeiner Weise schädlich für die Gesundheit ist. Es ist bekannt, dass viele enthaltsam lebende Menschen ein langen und glücklichen Leben führen. Das Zölibat sollte als alternativer sexueller Lebensstil anerkannt werden, auch wenn er vielleicht nicht jedem behagt. (Janet S. Hyde, Professorin der Psychology an der Universität Berkley in Kalifornien) Das Zölibat ist erblich. Wenn deine Eltern keinen Sex hatten, besteht die Chance, dass du ebenfalls enthaltsam leben möchtest. (anonym) Die Position ist würdelos, die Kosten ruinös und die Freude nur eine momentane. (The Duke of Wellington) Shopping ist besser als Sex.
Zumindest können sie, wenn sie mit dem Einkauf nicht zufrieden
sind, die Waren anschliessend mit dem austauschen, was sie wirklich
mögen. (Adrienne Gusoff, Schriftsteller, New York)
Diese FAQ (Englisch: FAQ =
Frequently Asked Questions = häufig
gestellte Fragen) ist die
Arbeit von Martin Poulter (Home Page)
(E-mail). Sie wurde
von ihm in einschlägigen
Newsgroups veröffentlicht, wann immer er es für sinnvoll
hielt, dies zu tun. Der Text ist in englischer Sprache auf der Webseite
http://www.glandscape.com/celibate.html zu finden. Der Text
ist eine Reaktion auf den Mangel an Information über das
Zölibat außerhalb religiöser Zusammenhänge im
Internet und die im Internet weitverbreitete (gelinde gesagt)
antizölibatäre Voreingenommennheit.
Martin Poulter: Ich brauche Material für diese FAQ. Bitte senden Sie mir:
3. Wer lebt enthaltsam? Top Ein zölibatär
lebender Mensch verzichtet freiwillig auf Sex.
Lebst du unfreiwillig zölibatär, dann gibt es eine eigene Webseite
für deine Zwangslage. Lies aber trotzdem weiter. Oft, wenn jemand
eine bewusste Entscheidung für das Zölibat trifft, geschieht
es aus einem religiösen Motiv heraus. Aber es gibt auch viele
andere Gründe dies zu tun.
Zusammenfassend lässt sich
sagen, es gibt zwei Hauptgründe für das freiwillige
Zölibat. Es gibt negative
Gründe, einschließlich der sexuellen
Enttäuschung, dem Mangel an Sexualtrieb, aber auch medizinische
und emotionale Gründe. Für diejenigen mit speziellen
medizinischen Problemen, gibt es eine eigene Website, der Medical
Celibates Network (Medizinisches Zölibat Netzwerk). Es gibt
auch positive Gründe, wie
mehr Aufrichtigkeit, eine stärkere und weniger flüchtigere
Beziehung, sowie spiritueller Fortschritt, der die Sublimation
hormoneller Energien in höhere spirituelle Erfahrungen anstrebt.
Allgemein wird oft geglaubt, dass die Menschen auf den Sex verzichten,
weil sie sexuell unterdrückt sind oder ein tiefsitzendes Problem
haben. Aber dies ist ein unglückliches Vorurteil. Meine eigene
Erfahrung und mein Kontakt mit Dutzenden von anderen
zölibatär lebenden Menschen haben mir gezeigt, dass
zölibatär lebende Menschen weitaus glücklicher,
ausgeglichener und zufriedener sind, als nach diesem Vorurteil zu
erwarten wäre.
Das folgende stammt aus dem
Buch
"The
girls of Gen X" von der amerikanischen Schriftstellerin Barbara Dafoe
Whitehead (1. Januar 1998):
Laut der
Psychologin Joanna
Gutmann, einer Beraterin an der University von Chicago, sind
ungeschlechtliche Beziehungen immer häufiger anzutreffen.
Männer und Frauen der Generation X teilen sich das Bett, ohne
jemals Sex miteinander zu haben. Oder sie beginnen mit einer sexuellen
Beziehung und gehen dann allmählich, zum Wohl des gemeinsamen
Miteinanders, zu einer gemütlichen, ungeschlechtlichen Beziehung
über. Leidenschaftliche, romantische Liebe zwischen jungen
Männern und Frauen wird immer seltener, sagt Gutmann.
Anmerkung Übersetzeri: Das letztere mag ich nicht so recht glauben, nämlich dass die leidenschaftlichen Beziehungen zwischen jungen Männern und Frauen immer seltener werden. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass manche Paare sich nach einigen Jahren überlegen, enthaltsam zu leben. Wenn dies geschieht, um die sexuellen Energien für den spirituellen Fortschritt zu nutzen, dann habe ich dafür sehr großes Verständnis. Ende Anmerkung. Die westliche Gesellschaft ist
durchgehend heterosexuell orientiert.
Dieses Bild vermittelt uns die Botschaft, dass die Qualität im
Leben eines Mannes, sehr von der Qualität der Frau abhängt,
die er zur Partnerin erwählt und umgekehrt. Lebt man dagegen
zölibatär, schwul oder lesbisch, dann lebt man
außerhalb dieser Bedingungen. Man begegnet daher oft der
weitverbreiteten Vorstellung, dass mit den Menschen, die sich für
das Zölibat entscheiden, etwas nicht stimmen kann oder dass sie
Sex als schmutzig betrachten. Will man sich also als
zölibatär lebender Mensch ausdrücken, so ist man damit
einem großen öffentlichen Druck ausgesetzt. Während
einige Menschen das Zölibat lieber innerhalb einer sozialen
Gruppe, besonders in einem religiösen Zusammenhang, praktizieren,
nutzen andere das Zölibat als Ausdruck von Individualität und
Unabhängigkeit.
Eine
Verbindung zwischen
Zölibat und Exzentrizität wird in David Weeks und Jamie
James' Buch "Eccentrics" (Exzentriker) vorgeschlagen, eine Studie
über die geistige Gesundheit und Fremdheit:
"Exzentriker
sind in der Regel
freundliche Menschen. Sie sind froh darüber, wenn sie ihr
Steckenpferd mit jemandem teilen können, der dieselben Interessen
hat. Sie sind von Natur aus Individualisten und finden es manchmal
schwierig, mit anderen intim zu sein. Dennoch pflegen die meisten von
ihnen die Romantik, und wenn es so kommt, dann sind sie Hals über
Kopf verliebt. Aber wenn die erste Begeisterung schwindet, dann
fällt es ihnen schwer, die Beziehung weiter aufrecht zu halten.
Wir haben aber auch festgestellt, dass eine ziemlich große Anzahl
dieser modernen Individualisten scheinbar kein besonderes Interesse am
Sex hat. Einzelgänger wie Anita, die Künstlerin, haben das
Zölibat gewählt und scheinen mit dieser Lebensweise sehr
zufrieden zu sein."
5. Einige andere Meinungen zum Zölibat Top Im Folgenden finden sie
Auszüge aus meiner Seite First-hand
accounts of sexual abstinence
(Aus erster Hand bezogene Erfahrungen mit der sexuellen Enthaltsamkeit.
Dort berichten Menschen von ihren Erfahrungen mit dem Zölibat.)
Diese
Erfahrungen sind eine sehr interessante Lektüre.
"Ich hatte
mit den Vorurteilen anderer Menschen zu kämpfen, als
ich meine Vorliebe zur Enthaltsamkeit erwähnte. Denn es schmerzte
mich,
wenn andere Menschen davon ausgingen, dass ich psychisch krank bin.
Entschuldige, aber es schmerzte mich genau so, als ob ich meine Hand
auf eine brennende Herdplatte gelegt hatte. Es war allerdings ein
psychischer Schmerz. Dieses Gefühl war natürlich nicht
vorhanden, wenn
ich diesen Leuten aus dem Weg ging. Sie rieten mir, eine Therapie zu
machen. Warum? Sie sagten, wenn erst
einmal der sexuelle Antrieb da wäre, würde ich medizinische
Hilfe gegen
meine Schmerzen bekommen. Aber ich hatte kein
Verlangen und keine Schmerzen. Ich vermute, sie meinten, es wäre
gut
für mich, wenn ich eine Hormontherapie für den Trieb
bekäme. Aber mein
Gott, meine Freunde bekamen keinen Termin und waren ganz verzweifelt.
Will ich aber wirklich so sein wie sie?"
"Sex wird furchtbar überschätzt. Er ist banaler als viele Leute glauben. Die "Lösung", die "Heilung", von dieser Banalität, besteht für manche Leute darin, im ständigen Wechsel neue Partner zu finden, um das "Flitterwochen-Gefühl" wieder und wieder zu erleben. Es erscheint mir als unmoralisch, gefährlich und traurig, im Sex etwas zu suchen, was nie dagewesen ist." "Ich sehe eine große Voreingenommenheit, die die Gesellschaft mit dem Sex hat. Er ist überall, in der Werbung, usw.. Als Gesellschaft legen wir viel Energie in die Sexualität. Ich gehöre zwar einer Minderheit an, aber der Sex erscheint mir wie eine Verschwendung, er erscheint mit langweilig. Zu welchem Zweck soll der Sex gut sein? Er ist ein vorübergehendes Vergnügen, das bereits nach einigen Minuten vorbei ist. Es muss sinnvollere Wege geben, um miteinander umzugehen. Ich möchte lieber am Aufbau besserer Freundschaften arbeiten." "Soziale Ironie: Ich bin in der Lage, mich hübschen Frauen viel freier zu nähern, denn ich habe keine Absichten. Ich begebe mich, offen gesagt, in soziale Umstände, die ich normalerweise vermeiden würde, denn die umgewandelte sexuelle Energie, verleiht mir den Mut, dies zu tun." "Es ist eine enorme Freiheit, nicht auf der Liebe/Sex-Achterbahn zu reiten. Ich habe sehr ernste berufliche Ziele, die eine Menge Energie, Konzentration und Zeit in Anspruch nehmen. Das letzte was ich will, ist meine Freizeit damit zu verbringen, irgendeinem Witzbold in einer Bar zuzuhören, wenn er weitschweifend über BlablaSexblablaSexblablaSexblabla redet. - Igitt!" 6. Wie sagst du anderen, dass du enthaltsam lebst? Top "Ich habe keine erotische Veranlagung." "Ich bin kein Mitglied der Sexual-Gewerkschaft." "Ich bin nicht im Vagina-Business." (Zitat aus dem Film "Peter's Friends") "Ich habe nicht die Absicht, meine Säfte zu entfesseln." 7. Vorurteile über enthaltsam lebende Menschen Top Im Kampf um die Akzeptanz in
der modernen westlichen Gesellschaft,
mussten Homosexuelle gegen die öffentliche Meinung ankämpfen,
dass sie die sexuelle Einstellung der Menschen verändern wollten
und dass sie Pädophile sind (Pädophilie bezeichnet die
sexuelle Orientierung auf Kinder), die die kleinen Kinder "umpolen"
wollen. Auch Transvestiten (Unter Transvestitismus wird das Tragen der
Bekleidung des anderen Geschlechts als Ausdruck der eigenen
Geschlechtsidentität verstanden.) hatten mit der falschen Annahme
zu kämpfen, dass sie homosexuell sind. Menschen mit einer
Neigung zum Sadomasochismus, wurden oft als potentielle Vergewaltiger
betrachtet.
Im Vergleich zu der Behandlung, mit der die oben genannten Minderheiten zu tun hatten, gibt es zwar keine Verfolgung von zölibatär lebenden Menschen, aber es gibt in der Bevölkerung immer noch Vorurteile, die vor allen Dingen darauf zurückzuführen sind, dass die Mehrheit der freiwillig enthaltsam lebenden Menschen sehr ruhig ist. Darum ist das einzige, was die Menschen über zölibatär lebende Menschen zu hören bekommen, oftmals das, was sich im Rahmen der Religion oder der sexuellen Unterdrückung bewegt. Wir, die zölibatär lebenden Menschen, wären sehr froh, wenn andere Menschen von den folgenden Vorurteilen frei wären.
8. Was ist der Vorteil des Zölibats? Top
9. Was sind die Nachteile des Zölibats? Top
10. Berühmte Menschen, die enthaltsam leben. Top
11. Alternativen zum Sex Top Es gibt einen großen
Nachteil für das Zölibat, der beachtet werden
sollte: Menschen suchen nach Sex, um die Sinne zu befriedigen, um etwas
Anderes, etwas Verbotenes zu tun. Sie berauschen sich am Adrenalinkick
und am Gefühl frech oder unanständig zu sein. Um ein
zölibatäres Leben
zu führen, musst du einen zuverlässigen Weg finden, dieses
Gefühl zu
entwickeln. Tanzen, Yoga und gefährliche Sportarten sind
körperlich und
beglückend. Eine weniger offensichtliche Möglichkeit besteht
darin,
sich einmal im Monat den Bauch mit Cocktails und Vanilleeis mit
Karamellsauce vollzuschlagen. Schlemme aber nicht zu üppig und
mach
hinterher ein wenig Bungee-Jumping um die Kalorien wieder loszuwerden.
Alles, was dich aus der Routine herausholt und dir das Gefühl
gibt,
lebendig zu sein, ist eine gute Idee. Ein anderes Beispiel ist ein
langes Bad. Setze dich in ein warmes und wohlduftendes Kräuterbad
(Eukalyptus, Lavendel, Rosmarin, Rosen, Jasmin Salbei, u.a.) und
und
entspanne dich bei deiner Lieblingsmusik. Hin und wieder eine
würzige
Bloody Mary (Longdrink: Wodka mit Tomatensaft) zu trinken, ist eine
andere Art, der Routine zu entfliehen.
Die moderne Kultur erwartet von uns, dass wir alles, was wir in der Öffentlichkeit tun, mit einer tristen Routine tun. Auch darum benutzen die Menschen den Sex, um aus dieser Routine auszubrechen. Wir sollten erkennen, dass es nicht der Wahrheit entspricht, dass nur der Sex dieses Hochgefühl, diese Lebendigkeit, erzeugen kann. Eine andere Möglichkeit, das Leben interessant zu machen, ist, Kontakt mit anderen Menschen zu haben. Normalerweise sollte man die Intimsphäre anderer Menschen beachten. Solch eine emotionale Distanz bringt aber auch Nachteile mit sich und einige zölibatär lebende Menschen meines Bekanntenkreises, empfinden das als Nachteil in ihrer Situation. Es gibt die soziale Erwartung, dass du, wenn du jemanden etwas länger liebevoll berührst, mit ihm Sex haben möchtest. Umgekehrt besteht die Vorstellung, dass du dann, wenn du ihn nicht berühst, nicht mit ihm intim sein möchtest. Wie kann man eine freundschaftliche Beziehung herstellen? Dies ist eine schwierige Frage und ich möchte nicht behaupten, dass ich Experte auf diesem Gebiet bin, aber der gesunde Menschenverstand sagt mir, dass man dabei bedenken sollte, dass der Mensch einer liebevollen Umarmung eigentlich nicht abgeneigt ist. Ich bin ein wenig skeptisch, wenn jemand sagt, er mag es nicht. Von vielen Menschen habe ich gehört, dass sie gerne enthaltsam leben, aber manch einer von ihnen sehnt sich doch nach emotionaler Zuwendung. Du tust also keine unerhörte Sache, sondern vielleicht sogar etwas Gutes, wenn du jemanden, der dich lange genug kennt, um zu wissen, wie die freudschaftliche Geste gemeint ist, liebevoll umarmst. 12. Lasst uns über klebriges Zeug reden Top Früher oder später dreht sich jede Diskussion über das Zölibat um die Frage, wie du mit den grundlegenden biologischen Bedürfnissen umgehst. Dies ist ein Bereich, bei dem es keinen Unterschied zwischen religiösen und säkularen (nicht kirchlich, sondern weltlich orientiert) zölibatären Menschen gibt. Das Interesse richtet sich vor allem an männliche Zölibatäre: Wie lange kannst du es vermeiden... ggrrr... du weißt schon... ohne zu explodieren... das klebrige Zeug. Ich weiß nicht, ob es Studien zu diesem Thema gibt, aber ich kann sagen, dass solche Fragesteller regelmäßig... umm... Dingsda ist für die Gesundheit nicht so wichtig, wie du denkst. Es wurde von einigen behauptet, vor allem von dem berühmten Pseudowissenschaftler Wilhelm Reich, dass Sex wichtig für die geistige und/oder körperliche Gesundheit ist. Es gibt aber keine gewichtigen Nachweise für diese Annahme, denn viele Zölibatäre sind offensichtlich bester geistiger und körperlicher Gesundheit. Einer meiner zölibatären Freunde, mit dem ich in schriftlichem Kontakt bin, schrieb mir, dass er seit acht Jahren enthaltsam lebt und sehr glücklich ist. Ein Grund, warum zölibatär lebende Menschen in der modernen westlichen Kultur als so seltsam angesehen werden, liegt darin, dass die westliche Kultur den Sex als eine biologische Notwendigkeit betrachtet. Aber es unterliegt deinem eigenen Willen, ob du deine sexuellen Bedürfnisse befriedigst oder ob du dich ihrer enthälst. Wenn du aber erkennst, dass Sex nicht nur ein biologischer Akt ist, sondern eine sehr komplexe Interaktion mit allerlei psychologischen, wirtschaftlichen, medizinischen und sozialen Folgen, dann ist es kein Widerspruch, auf Sex zu verzichten, denn sonst... umm... klebrig. 13. Bücher über das Zölibat Top Dies ist eine Auswahl von englischen und deutschen Büchern, die das Zölibat im säkularen (weltlichen) Zusammenhang behandeln. Bücher, die für das christliche Zölibat relevant sind, werden im unteren Teil dieses Kapitels aufgelistet. Es gibt eine große Anzahl an Büchern über das priesterliche Zölibat, die ich nicht mit aufgelistet habe. Eine Suche mit dem Stichwort "Zölibat" auf der Webseite von Amazon.de ist ein guter Weg, diese Bücher zu finden. Einige dieser Bücher wurden von zölibatär lebenden Menschen geprüft. Um die Bücher zu bewerten, habe ich mir folgendes Bewertungssystem ausgedacht:
14. Bücher über das christliche Zölibat Top Zölibat und Beziehungen The Body and Society by Paul Brown Sexualität (behandelt
auch das Thema Masturbation) Sexual Morality byPhillip s. Keane, SS Gewaltlosigkeit Bible of the Oppressed by Elsa Tamez Beziehungen Are You the One For Me? by Barbara DeAngelis Ph.D. 15. Andere Quellen Top Wenn du diese FAQ (FAQ = Frequently Ask Question = Häufig gestellte Fragen) nützlich fandest, dann empfehle ich dir die ähnlich geartete Seite russischer Zölibatäre einmal zu besuchen: Antisex FAQ Ich stimme nicht in allen Dingen mit ihnen überein. Zum Beispiel erscheint mir die Betonung von "Anti-Sex" statt "Pro-Zölibatär" nicht angebracht zu sein, aber ihr Schwerpunkt ist ein durchdachtes Argument und sie überzeugen durch einen gesunden Menschenverstand. Derek J. Wojciech's Seite Virginity FAQ (Jungfräulichkeit FAQ) gibt
eine Reihe von Argumenten für die Jungfräulichkeit und die
sexuelle Abstinenz, zumindest bis zur Ehe.
Teri Lester's Webseite Healthy Love (Gesunde Liebe) ist eine Seite in einem Frage-und-Antwort-Format, um die Abstinenz vor der Ehe zu fördern. Einige Jahre habe ich mit dem Philosophiestudium verbracht, dennoch war ich sehr überrascht, dass jemand, nämlich Ralph E. Kenyon, ein Essay über die Philosophie der Erregung (Philosophy of Arousal) mit dem Untertitel "Was ich mir gewünscht hätte, über den Sex zu sagen, als ich noch jung war." (What I wish I had been told about sex when I was young) geschrieben hat. Dieser Artikel beschreibt die Natur der sexuellen Erregung und die sozialen und ethischen Fragen, die sich daraus ergeben. Mindy Hung's Artikel Waiting
to be unzipped (Warten bis der Reisverschluss geöffnet wird)
drückt ihre Gedanken einer 24jährigen Studentin aus,
die immer noch Jungfrau ist. Ihr
Zölibat ist nicht freiwillig, aber ihr Artikel fasst, mit einer
Prise
Humor, die Vorurteile zusammen, die zölibatär lebenden
Menschen
begegnen.
16. Schlussbemerkung Top Wenn du einen starken Sexualtrieb* hast, kann das Zölibat die Hölle sein. Hast du dagegen einen niedrigen Sexualtrieb, dann ist das Zölibat eine gute Idee. Einige sagen, je größer die Anstrengung ist, die Abstinenz zu erreichen, um so mehr wird man belohnt, wenn man es schafft. (Das wiederum spricht dafür, dass besonders die Menschen mit einem starken Sexualtrieb, am meisten belohnt werden.) *Starker Sexualtrieb: Für Menschen mit einem starken Sexualtrieb ist die Enthaltsamkeit nicht leicht, da sie trotz der Enthaltsamkeit noch längere Zeit von sexuellen Begierden bedrängt werden. Widerstehen sie aber diesen Begierden, dann klingen sie allmählich ab, bis sie eines Tages vollkommen verschwunden sind. Dies ist besonders für Menschen, die sehr unter der permanenten Bedrängnis zu leiden hatten, ein sehr angenehmer Zustand. Menschen, deren Gehirne den Genitalien gehorchen und deren Stimme in der westlichen Gesellschaft nicht zu überhören ist, verkünden immer wieder lauthals, dass das Zölibat eine ungewöhnliche und abartige Sache ist. Menschen, die dagegen zölibatär leben, haben in der Regel nicht das Bedürfnis, der Welt von ihrer zölibatären Lebensweise zu berichten. Diese Zurückhaltung macht es schwierig, für andere zu erkennen, dass das Zölibat Teil ihrer Identität ist. Um so mehr Menschen sich also zu ihrer zölibatären Haltung bekennen, um so leichter fällt es anderen Menschen, sich ebenfalls dazu zu bekennen. Dieser Text ist ein kleiner Beitrag, um dem Zölibat im öffentlichen Leben ein höheres Ansehen zu geben. Zölibaterfahrungen aus erster Hand Top Einige Personen haben mir freundlicherweise erlaubt, ihre persönlichen Erfahrungen mit einem Leben ohne Sex zu veröffentlichen. Ich habe die identifizierenden Details in den meisten Fällen fortgelassen, aber ich versichere, dass dies Mitteilungen sind, die ich von anderen Menschen erhalten habe. Unabhängig davon, ob du mit unserer Lebensart einverstanden bist oder nicht, musst du dennoch zugeben, dass dies eine sehr interessante Gruppe von Leuten ist. Den Anfang macht Eve. 1. Eve Top Ich lebe fast mein ganzes Leben lang enthaltsam, da die Hormone sich bei mir nicht melden. Das bedeutet nicht, dass ich noch keinen Sex versucht hätte. Aber mein Motiv war rein sozial. Ich empfand es jedoch als einen schmutzigen und beschämenden Sport. Ohne die erforderliche Lust, erscheint mir alles sinnlos. Vor etwa zwanzig Jahren, ich bin jetzt 43 Jahre alt, habe ich deshalb beschlossen, auf Sex zu verzichten. Diese Entscheidung hatte viele Vorteile für mich. Zum einen mochte ich die Männer lieber, weil ich mich nicht mehr um die eine Sache zu kümmern brauchte, die mir buchstäblich Kummer bereitete. Um so weniger mich jemand auf Sex ansprach, um so wohler fühlte ich mich. Mit einigen Männern hatte ich über mehrere Beziehungen Kontakt. Nicht einmal ihre Freundinnen waren eifersüchtig. Ich hatte sie zur Unterhaltung und ihre Freundinnen hatten mit ihnen Sex. Das klingt wie ein Abkommen für mich! :-) Auf der anderen Seite fühlte ich mich wie eine Perverse. Ich interessiere mich (bin ich besessen?) für News.groups und Internetpolitik. Eine Reihe von sexuellen Spielarten, wie Fesselspiele, Spanking (das Schlagen auf das bekleidete oder entblößte Gesäß) und Brutalität werden im Usenet diskutiert. (Das Usenet ist ein weltweites, Internet-Netzwerk, das Diskussionsforen, sogenannte Newsgroups, aller Art bereitstellt, an dem jeder teilnehmen kann.) So habe ich mich auch in der "alt.sex" Newsgroup umgeschaut. Dort gibt es Perversionen aller Art. Aber nicht von mir, denn es ist wohl auch eine Schande, so etwas zuzugeben, vermute ich. :-) Dort stieß ich auf die Vorurteile anderer Menschen, als ich meine besondere Orientierung erwähnte. Es verletzte mich, wenn andere Menschen annahmen, ich sei psychisch krank. Entschuldigt, aber es verletzte mich ebenso, als ob ich meine Hand auf eine heiße Herdplatte gelegt hatte. Es schmerzte mich genau so, wie ein physischer Schmerz. Die Leute meinten, ich solle eine Therapie machen. Warum? Wenn erst einmal der sexuelle Antrieb da wäre, würde ich medizinische Hilfe gegen meine Schmerzen bekommen. Aber ich hatte keine Schmerzen. Ich glaubte, ich könnte eine Hormontherapie gegen meinen schwachen Trieb machen, aber mein Gott, meine Freunde konnten keinen Termin bekommen und waren ganz verzweifelt. Wollte ich aber so sein wie sie?! Es wurde auch davon ausgegangen,
dass
ich eine bittere alte Jungfer sei. Aber die alte Jungfer ist fit. (Ich
liebe diesen Term in diesem Zusammenhang, weil ich das Gefühl
hatte,
von Freaks umgeben zu sein.) Ich lachte über viele Dinge und mit
vielen
Menschen. Die Bitterkeit aber reservierte ich für die Politik und
die
Regierung, denn ich bin Anarchistin aus Überzeugung.
2. Ken: Warum ich enthaltsam lebe? Top Diese Frage wurde mir so oft gestellt, dass ich sie mit diesem kurzen Beitrag beantworten möchte. Hier ist meine Antwort auf diese Frage: 1. Zwei Beziehungen, die schlecht endeten, lehrten mich mehr über die hässliche Seite der menschlichen Natur, als ich jemals wissen wollen. Die Erfahrung einer tiefen Liebe zu zwei Menschen in den vergangenen fünf Jahren, die dann aber mit Grausamkeit, Egoismus und Gleichgültigkeit gegenüber meinem Wohlbefinden, meiner Gesundheit und meinem Leben endeten, heilten mich für immer von der jugendlichen Romantik.Ja, ich weiß, dass nicht alle Beziehungen so sind, aber jetzt weiß ich, dass viele von ihnen so sind. 2. Ich möchte eine Pause von der intensiven Suche nach einer geeigneten Partnerin machen. Die Suche nach der richtigen Partnerin ist eine Menge Arbeit, aber sie ist nicht unbedingt die enorme Investition von Zeit, Geld und Energie wert, die man in die Hoffnung investiert, um erfolgreich zu sein. Ich bin müde vom Suchen! 3. Ich besuche eine Hochschule und brauche viel freie Zeit, um mein Diplom abzuschließen. 4. Als ich noch jünger war, genoß ich die Einsamkeit sehr. Ich möchte erneut den Geist der Nachdenklichkeit, Achtsamkeit, das intellektuelle und spirituelle Suchen zurückgewinnen, die das Zölibat ermöglicht. Ich vermisse diesen Teil in meinem jetzigen Leben. 5. Sex wird furchtbar überschätzt. Er ist banaler als viele Leute glauben. Die "Lösung", die "Heilung", von dieser Banalität, besteht für manche Leute darin, im ständigen Wechsel neue Partner zu finden, um das "Flitterwochen-Gefühl" wieder und wieder zu erleben. Es erscheint mir als unmoralisch, gefährlich und traurig, im Sex etwas zu suchen, was von Beginn an nie da war. 6. Ich bin anglikanischer Christ. (Die anglikanische Kirche ist eine weltweite christliche Kirchengemeinschaft, die in ihrer Tradition evangelische und katholische Glaubenselemente vereinigt.) Wenn ich enthaltsam lebe, dann halte ich mich an die moralischen Normen meines Glaubens. Ich habe nicht immer enthaltsam gelebt, aber es ist ein tolles Gefühl und ich habe ein gutes Gewissen, weil ich das Gefühl habe, das richtige zu tun und nicht weil ich meine Handlung rationalisiert oder entschuldigt habe. 7. Ich bin ein introvertierter Mensch. Ohne einen gewissen Raum für mich und meine Gedanken, kommt mein Verstand nicht zur Ruhe. Schweigen ist ein heilsames Balsam. 8. Ich habe keine Kinder und möchte auch keine Kinder haben. Einige Singles in meinem Alter, ich bin jetzt Anfang vierzig, beklagen die Tatsache, dass sie keine Kinder haben. Ich habe ehrlich gesagt, nie darüber nachgedacht. Ich mag Kinder, anderer Leute Kinder. 9. Ich bin sehr an kultivierten Freundschaften mit anderen hochgesinnten Menschen interessiert, die ebenfalls enthaltsam leben. Ich glaube, dass es in der "Subkultur des Zölibats" eine Menge faszinierender Menschen gibt, die mehr in ihrem Leben tun, als über Beziehungen (das meist überstrapazierte Wort), ihre Frauen, Ehemänner, Freundinnen, Freunde, Kinder und Enkelkinder zu plappern und ich würde sie gerne kennen lernen. Ich habe den anderen Weg kennen gelernt. Es ist an der Zeit, einen anderen Teil der Menschheit zu erforschen. 10. Die Ehe erfordert nicht nur die Fähigkeit einer Person, um individuelles Glück zu erlangen, sondern die zusätzliche Anstrengung einer zweiten Person. Ist dagegen der zölibatäre Mensch unglücklich, dann ist niemand anderes daran Schuld, als er selber. Ich hoffe, dies beantwortet die oben gestellte Frage. Ich bin erstaunt, wie viele Leute mein Zölibat als eine Bedrohung empfinden. Meine Vermutung ist, dass es eine Menge Leute gibt, die selber nicht enthaltsam leben, aber das Gefühl haben, etwas unrechtes zu tun und sich deshalb schuldig fühlen. Du kannst natürlich Buße tun, wenn dich diese Sorge plagt. Einige Leute kritisieren, diese Gründen seien nicht spirituell genug. Ich kann nur so spirituell sein, wie ich in Wirklichkeit bin. So zu tun, als sei ich spiritueller, ist unehrlich.Meine Gründe sind ehrlich, nicht unbedingt inspirierend. Ich weiß, dies gilt nicht für jeden. Dies ist nicht der Versuch zu werben, sondern nur eine Erklärung. Ich wünsche dir Frieden und Glück in deinem Leben. 3. John Top Es gibt mehrere Gründe, warum mich das Zölibat interessiert. Erstens praktiziere ich eine Art von Tai Chi, eine chinesische Kampfkunst, die die Minimierung oder Enthaltsamkeit von sexuellen Beziehungen betont. Dies mag ein wenig radikal erscheinen, aber prinzipiell ist die Erhaltung der sexuellen Energie (oder "Chi", wie sie im chinesischen Daoismus genannt wird) für eine bessere Gesundheit und Langlebigkeit, seit Tausenden von Jahren ein wesentlicher Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin und des Tai Chi. Zweitens macht es mir große Sorgen, wie sehr sich die Gesellschaft mit Sex beschäftigt. Er ist überall, in der Werbung, usw.. Die Gesellschaft investiert sehr viel Energie in die Sexualität. Auch wenn ich einer Minderheit angehöre, so kommt es mir wie eine Verschwendung vor. Wozu das alles? Sex ist nur ein temporäres Vergnügen, welches nach ein paar Minuten vorbei ist. Es muss sinnvollere Wege geben, um miteinander umzugehen. Ich möchte meine Arbeit lieber in festere Freundschaften investieren. Drittens erscheint mir das Zölibat, mit der immer stärker werdenden Verbreitung von Geschlechtskrankheiten, nicht nur durch Aids, sondern auch durch viele andere Geschlechtskrankheiten, keine schlechte Idee zu sein. 4. Stuart Top Meine erste Notiz vom Zölibat nahm ich vor 17 Jahren bei einem Besuch im nahegelegenen Kloster. Die Mönche hatten so einen geschmeidigen Körper und waren so auffallend transluzent (lichtdurchlässig), heiter und lebendig. Davon nahm ich geistig Notiz. Als Nicht-Katholik idealisierte ich diese Mönche anfangs vielleicht ein wenig. In den letzten neun Jahren habe ich viele von ihnen kennen gelernt und ich sehe, dass es eine Nahrungs- und Koffein-Abhängigkeit sowie eine offenkundige Co-Abhängigkeit* gibt. Weiter gibt es eine Armut, die bestenfalls trügerisch ist. Aber sie sind nicht alle Narren oder soziale Feiglinge. Sie bekommen etwas vom Zölibat, dass man auf keine andere Weise bekommen kann. *Unter Co-Abhängigkeit versteht man ein zwanghaftes Bedürfnis nach Zuwendung, Aufmerksamkeit und Bestätigung. Solche Menschen machen ihr gesamtes Selbstwertgefühl von den Reaktionen ihrer Umwelt abhängig. Zum ersten Mal wurde ich nach meiner Scheidung vor 9 Jahren persönlich mit dem Zölibat konfrontiert. Ich dachte, ich sollte meinen Kopf ein wenig frei machen. Ich stellte fest, dass sich ein Gefühl von Klarheit, Kraft, emotionalem Reichtum und eine starke Intuition (Kreativität) einstellte, die über keinen anderen Weg erreichbar ist. Ich muss sagen, dass es mir unmöglich ist, diesen Zustand beizubehalten, ohne ihn mit den anderen zu teilen. Ich habe das Gefühl, dass ich besser bei der Arbeit bin, weil ich sie nicht mehr als Belastung empfinde. Ich habe meine Einstellung verändert und dadurch wurde es besser. Die Leute spüren es. Sie wissen nicht, was die Ursache ist, aber sie bemerken es. Ich gebe auch sportlich mehr acht, investiere mehr Zeit und achte auf eine größere Vielfalt der Sportarten, die ich ausübe. Statt nur zu Laufen und zu Segeln, schwimme ich zusätzlich, mache Yoga, Fahrradtouren und wandere. Ich singe mehr, komponiere mehr und spiele häufiger Gitarre. Der französische Schrifsteller Balzac erkannte das Maß seiner Liebesaffairen daran, wieviele Novellen (kürzere Erzählungen) er nicht schrieb. Die soziale Ironie besteht darin, dass ich mich hübschen Frauen viel freier nähern kann, da ich keine Absichten habe. Ich begebe mich, offen gesagt, in soziale Umstände, die ich normalerweise vermeiden würde, denn die umgewandelte sexuelle Energie, verleiht mir den Mut, dies zu tun. Der wahrscheinlich deutlichste, nützlichste und wichtigste Nutzen der Enthaltsamkeit ist meine Beziehung zu meiner 10jährigen Tochter. Durch das Zölibat bin ich in der Lage, mehr für sie emotional dazusein, sie mit meiner Liebe zu beschenken. Ist das allein nicht den Preis des Zölibats wert, um ein besserer Vater, Künstler, Sportler und Freund zu sein, der dabei auch innerlich beschenkt wird? 5. Cara Top Ich bin kein emotionales Wrack, keine Feministin und auch keine religiöse Fanatikerin, aber ich lebe seit 5 Jahren im Zölibat und es ist nicht alles schlecht. Es ist definitiv sicher. Das Schlimmste, was mir passieren kann, ist es, mir einen Fingernagel abzubrechen (böses und gemeines Grinsen). Es ist eine enorme Freiheit, nicht auf der Liebe/Sex-Achterbahn zu reiten. Ich habe sehr ernste berufliche Ziele, die eine Menge Energie, Konzentration und Zeit in Anspruch nehmen. Das letzte was ich will, ist meine Freizeit damit zu verbringen, irgendeinem Witzbold in einer Bar zuzuhören, wenn er weitschweifend über Blabla-Sex-blabla-Sex-blabla-Sex-blabla redet. - Igitt! Ich schaue die X-Files (Fernsehserie) an, wenn es mich bedrängt und gelegentlich trinke ich eine extra würzige Bloody Mary (Longdrink aus Wodka und Tomatensaft mit schwarzem Pfeffer, Salz, Tabasco und Worcestershiresauce). - Martin, das Leben ist wunderbar! 6. Martin Top Ich drehe mich immer im Kreis, wenn ich gefragt werde, warum ich keinen Sex möchte. Ich habe keinen großen sexuellen Antrieb und deswegen erscheint mir die sexuelle Erregung so unbegründet. Die Frage nach Sex macht für mich kaum mehr Sinn als die Frage "Warum stehst du nicht regelmäßig in einer großen Wanne Joghurt." Ich bin durchaus von der Schönheit einer Frau beeindruckt, ja sogar bewegt, aber ich habe nicht den Wunsch, mit ihr intim zu sein. Wenn du eine schöne Blume siehst, hast du dann den Wunsch, sie zu lecken? Um ein behagliches Leben als Zölibatär zu führen, habe ich einen allmählichen Prozess durchschritten, in dem ich die Vorstellungen über die Sexualität, mit denen ich aufgewachsen bin, allmählich abgelegt habe. Dieser Prozess begann nach der Pubertät und setzt sich bis in die Gegenwart fort (ich bin nun Mitte zwanzig). Ich hatte die Idee, der mich umgebenden Kultur aufgesogen, dass die gesamte Lebensqualität vom Sex abhängt. Allmählich durchschaute ich diese falsche Vorstellung und erkannte den Vorteil des Zölibats. Fortan war ich nicht mehr "auf der Jagd" und betrachtete Frauen nicht mehr als "Beute". An der Universität war ich auf einer Männeretage und lernte von den heterosexuellen Burschen jeden kleinen Aspekt der Liebe. Die Tatsachen aber, dass sie ziemlich traurig und unzufrieden waren, auch wenn sie das bekamen, hinter dem sie so her waren, überzeugte mich, dass der Verzicht auf Sex kein großer Verlust ist. Mir scheint, das ganze Vergnügen der Sexualität besteht aus dem Vorfreude der köstlichen Erwartungen. Ob du aber das Vergnügen in der Realität wirklich erlebst, scheint unerheblich zu sein. Warst du schon einmal auf einer Party, die langweilig war, auf der nichts wirklich Interessantes passierte? Aber jeder ist hinterher begeistert und überdreht, nur weil es eine Party war. Es ist nur meine (eher uninformierte) Wahrnehmung, dass das sexuelle Vergnügen ebenso funktioniert. Ich wünschte, ich hätte in meinen späten Teenagerjahren ein zölibatäres Vorbild gehabt. Da meine Reaktion auf Frauen nicht mit der Reaktion meiner heterosexuellen Freunde übereinstimmte, war meine erste Reaktion darauf, dass etwas mit mir nicht stimmen konnte. Schließlich wurde mir klar, dass die Gesellschaft überproportional die Einstellung der sexuellen Menschen wiederspiegelt. Das ist der Grund, warum ich mich nun offen zum Zölibat bekenne. 7. Jay Top Ich bin ein Mann in den Vierzigern. Ich wuchs nördlich von Detroit auf und lebe heute in Oklahoma. Ich habe einige Hochschuldiplome, bin Single und habe niemals geheiratet. Es war nicht immer so, aber das Zölibat ist heute meine sexuelle Vorliebe. Lange Zeit praktizierte ich das Zölibat nur, weil ich keine Partnerin hatte. Aber seit mehr als zehn Jahren praktiziere ich das Zölibat aus Überzeugung. Die Gründe, dass das Zölibat richtig für mich ist, haben sich allmählich entwickelt. Es war eine bewusste Entscheidung, die ich für die Zukunft traf. Ich hatte bereits lange vorher festgestellt, dass der Sex für mich nicht den höchsten Stellenwert hatte. Darum konnte ich den Sex auch niemals mit der Liebe gleichsetzen. Ich akzeptiere, dass der Geschlechtsverkehr für die meisten Menschen ein Akt der Liebe, eine äusserst liebevolle und wunderbare Tätigkeit für die sogenannten "normalen Menschen", ist. Aber dies gilt nicht für mich. Mit dieser Art von "Liebe machen" kann ich nicht viel anfangen. Die genitalen Sensationen, haben meinem Empfinden nach, nichts mit den Gefühlen der Liebe zu tun. Sie lassen jedes Gefühl der Intimität und Zusammengehörigkeit vermissen. Früher hatte ich angenommen, dass das Zölibat nur etwas für religiöse, puritanische oder prüde Menschen sei. Ich bin immer noch misstrauisch, denn ich halte mich für aufgeschlossen. Nein zum Sex zu sagen, erscheint mir irgendwie engstirnig. In meiner letzten sexuellen Beziehung, die ich hatte, war ich sehr verliebt. Ich genoss das Zusammensein mit meiner Freundin. Wir kannten uns seit Jahren und wir beschlossen das Datum, an dem wir Sex haben wollten, bereits Monate vorher. Wir waren oft zusammen im Bett, ohne Sex zu haben. Das Interessante, wenn ich mit ihr zusammen war und keinen Sex mit ihr hatte, war, dass es akzeptabel für mich war. Es war sehr angenehm. Wir schmusten, kuschelten, streichelten und neckten uns und sprachen über viele wunderbare Dinge, die uns wichtig waren. Es war Liebe und es war wunderbar. Dann geschah das Unvermeidliche, der Geschlechtsverkehr. Es war vorüber, gerade erst, als es begonnen hatte. Es war ein Misserfolg, eine totale Enttäuschung. Ich konnte das intime Zusammensein nicht als Liebe empfinden und verlor meine Errektion nicht durch einen Orgasmus. 8. Koralee Top Ich bin 31, wohne etwas
außerhalb von
Seattle und habe eine 3 Jahre alte Tochter. Schon bald, nachdem ich
sexuell aktiv wurde, stellte ich fest, dass ich in die "Sex ist den
ganzen Streit nicht wert"-Kategorie fiel. Aber ich praktizierte
weiterhin Sex, weil ich einerseits in einer langjährigen Beziehung
war
und andererseits, weil meine Mutter mich an meine "ehelichen Pflichten"
erinnerte. Ja, wirklich. Als die Beziehung endete, probierte ich die
Promiskuität* aus. Es machte Spass auf irgendeine Art und Weise,
aber
es kostete mich zwei gute Freunde und so hörte ich auf damit.
*Promiskuität wird die Praxis nicht an langfristigen Bindungen orientierter sexueller Kontakte mit verschiedenen Partnern bezeichnet; promiskuitiv (adj.) wird auch verwendet für „sexuell freizügig oder offenherzig“. Von dort an erkannte ich, dass ich zukünftig wohl keine Ehe mehr eingehen und mit meinem Baby allein leben würde. Das gab mir eine völlig neue Lebensperspektive. Sex als eheliche Pflichterfüllung war erniedrigend. Geschieht Sex dagegen aus Spass, aus Lust an der Gefahr, dann ist es eine schlimme Art des Machtmissbrauchs über das andere Geschlecht. Ich hatte zuviel Respekt, das eine, sowie das andere, zu tun und ich wollte meine Tochter nicht über meine Fehler belehren. Das Zölibat wurde mir durch die Mutterschaft auferlegt, aber schon bald entdeckte ich, dass ich das Leben viel mehr liebte als zuvor. Ich fühle mich frei, ich fühle mich so frei. 9. Jason Top Zunächst einmal, ich bin schwul. Obwohl ich starke sexuelle Begierden habe, hatte ich noch nie ein ausgeprägtes Sexualleben. Ich verlor meine Unschuld recht spät, mit 22 Jahren. Für eine ganze Weile, als ich noch jünger war, dachte ich, ich sei "cool", weil ich noch Jungfrau war. Ein Teil von mir war traurig, sie (die Unschuld) zu verlieren. Ich kann gar nicht sagen, was mein Interesse für das Zölibat geweckt hat. Ich war besonders an einem Buch über Piercing interessiert, in dem das Profil eines Typen aus den USA abgebildet war, der zölibatär lebte. Er sprach viel über einen Stamm in Indien, wo bestimmte Männer, bevor sie in die Pubertät kommen, die Bänder des Penis so weit strecken, so dass sie nach der Pubertät unfähig sind, einen Orgasmus zu bekommen.* Dies zwingt sie, ein Leben lang ein zölibatäres Leben zu führen. Ich dachte mir, das ist von Interesse. Und als ich in Großbritanien lebte, fand ich einen Freund mit ähnlichen Interessen. Wir hatten eine Wette, um zu sehen, wer am längsten ohne Orgasmus auskommt. Ich empfand diese Erfahrung sehr faszinierend. Sie gab mir das Gefühl, sehr sexy zu sein. Ich verlor schliesslich nach 5 Wochen. Mein Freund hielt 13 Wochen durch. *Ich habe mich einmal im Internet nach dieser Penisverlängerung umgesehen. Dabei habe ich auf folgendes gefunden: Es gibt Beispiele ritueller Penisverlängerungen, die sich auf der ganzen Welt finden lassen. Zwei bekannte Beispiele stammen aus Indien und Afrika. Die Sadhus (Die Sadhus sind hinduistische Mönche, die das weltliche Leben aufgegeben haben und sich einem strengen religiösen und asketischem Leben verschrieben haben.) der Naga-Sekte, eine umherziehende Gruppe von heiligen Männern, die zu Fuss kreuz und quer durch Indien wandern, dehnen ihren Penis durch den Einsatz von schweren Steinen. Sie erreichen Penislängen von bis zu 18 Zoll (etwa 46 cm). Diese Bemühungen haben einen rein spirituellen Zweck. Die Sadhus haben kein Interesse am Sex und schädigen ihren Penis absichtlich unheilbar, um spirituelle Erleuchtung zu erlangen. Der afrikanische Stamm der Karamojong, aus dem Nordosten Ugandas, sind für ähnliche Penisverlängerungen bekannt. Von früher Jugend an, hängen sie eine stets anwachsende Zahl von kreisförmigen Steinen an das Ende ihres Penis und im Laufe einer Reihe von Jahren erreichen sie Penislängen, die mit denen der indischen Sadhus vergleichbar sind. Um ihre imposanten und unpraktischen Anhängsel besser zu handhaben, binden die Karamojong ihren Penis zu einem Knoten. Es ist anzumerken, dass sowohl die Karamojong und die Sadhus unglaubliche Penisgrößen erreichen. Aber sie fügen ihrem Penis einen dauerhaften Schaden zu, der nicht mehr geheilt werden kann. Solche extremen Praktiken führen zu Nerven- und Gewebeschäden, die eine normale Erektionsfähigkeit verhindern. Diese Beispiele geben einen Einblick in die Penisverlängerung. Durch eine kontrollierte und angemessene Nutzung können auch maßvolle Penisverlängerungen ohne die Gefahr einer Verletzung erreicht werden. The facts about penis stratching (Die Fakten
über
Penisverlängerungen) How penis stretching works (Wie die
Penisverlängerung funktioniert)
10. Susan Top Ich bin eine Frau Anfang
vierzig. Ich wurde im südöstlichen Teil der
Vereinigten Staaten geboren und lebe auch heute noch dort. Seit etwas
mehr als 10 Jahre lebe ich im Zölibat. Wie es zum Zölibat
kam? Gut, ich
war verheiratet, hatte die zwei gewünschten Kinder bekommen und
verlor
das Interesse am Sex. Er hatte mir ohnehin nie den Spaß bereitet,
für
die Mühe die er machte. Und mit den Kindern, die ich zu versorgen
hatte, verlor er jede positive Motivation.
Ich hatte sexuelle Angebote von Menschen, die ich mag und die frei von Krankheiten sein dürften. Aber es erschein mir nie verlockend genug, um die Aufregung und das Risiko auf mich zu nehmen. Ich glaube nicht, dass sich jemals an dieser Einstellung etwas ändern wird. Es ist sehr entspannend sein Leben zu leben und sich frei von dieser speziellen Besessenheit zu fühlen. 11. Kerry Top Ich lebe zölibatär, aber nicht aus einem säkularen oder wirklich bewusstem Grund. Ich habe erst vor kurzem meine Situation in den Griff bekommen und mich entschieden, enthaltsam zu leben. Ich tue, was ich tue oder eben nicht, weil ich keine besonderen Wünsche nach Sex habe. Ich finde Menschen attraktiv, aber der Geschlechtsverkehr spricht mich nicht an. Ich handle in sexueller Weise mit meinen Freunden, indem ich mit ihnen flirte. Ich flirte mit ihnen, um ihnen auf diese Weise meine Zuneigung zu zeigen und um ihnen nahe zu sein. Einige Leute haben mir gesagt, dass ich mich verweigere, aber in Wirklichkeit Sex haben möchte. Natürlich können sie mich nicht verstehen. Sie leben nicht mein Leben und sie wissen nicht, wie ich fühle. Aber genug davon. Ein aufgeschlossener Freund hat mich als einen asexuellen Schäker (Ein Schäker ist eine Person, die sich munter und scherzhaft äußert.) bezeichnet. Ich kenne andere Menschen, die sich ebenso verhalten. Wir mögen keinen Sex, wir wollen keinen Sex und wir denken auch nicht darüber nach. Wir empfinden es als angenehm, mit Menschen zu reden, ohne darüber nachzudenken, ob diese Menschen uns begehren. Die Sache wird aber unangenehm, wenn die Menschen Sex mit uns haben möchten. Es ist ein angenehmer Lebensstil, den ich aber zuerst nicht mochte. Es war nicht meine Wahl, so zu sein. Ich habe den sexuellen Antrieb im Laufe der Zeit verloren, bis er ganz verschwunden war. 12. Cecily Top Ich lebe seit eineinhalb Jahren im Zölibat. Vor etwa vier Jahren verlor ich das Interesse am Sex. Das klingt wie eine lange Zeit, aber ich habe es nicht so empfunden. Ich höre dich fragen: "Warum lebst du enthaltsam?" Die Wahrheit ist für mich, dass um den Sex viel zu viel Theater gemacht wird. Ich habe deswegen enormen psychischen Stress, wütende Dramen und hässliche Situationen erlebt. Ich sage nicht, dass ich nie wieder Sex haben möchte, aber jetzt ist der Zeitpunkt in meinem Leben, wo es sinnvoll ist, nein zu sagen. Es geht nicht um Moral oder um ein Urteil über andere. Ich identifiziere mich auch nicht mit Donna Martin aus der Fernsehserie "Beverly Hills 90210" (die zuerst mit verschiedenen Männern zusammen war, sich dann aber entschied, enthaltsam zu sein). Ich möchte nicht neben einem Psychopathen aufwachen, neben Leuten die so tun, als ob sie dich nicht kennen oder neben Menschen, die dir am nächsten Tag unsympathisch erscheinen. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass ich keine Lust habe, meine Zahnbürste mit irgendjemandem zu teilen. 13. Rachel Top Ich bin noch relativ jung (22) und um ehrlich zu sein, ich bin mir nicht sicher, ob ich für den Rest meines Lebens enthaltsam leben möchte. Ich weiß, dass dies im Moment die richtige Entscheidung für mich ist, aber ich weiß nicht, ob ich dies in zehn Jahren auch noch so sehe. Das Zölibat ist keine moralische oder religiöse Frage für mich. Obwohl mich die Frage interessiert, warum einige Menschen, speziell die Frauen, als Sexualobjekte betrachtet werden, ist das Zölibat eine persönliche Entscheidung von mir. Selbst wenn das Zölibat nur eine vorübergehende Phase meines Lebens ist und auch, wenn ich mich in einigen Jahren entscheiden sollte, es aufzugeben, so ist es doch die rechte Zeit, es zu erfüllen, bis ich den richtigen Partner treffe. Die Menschen neigen dazu, zu denken, da die zölibatär lebenden Menschen nichts tun, muss das Zölibat etwas Negatives sein. Aber für mich ist das Zölibat eine positive Sache. Es gibt mir die Möglichkeit, mich zu befreien, nicht nur vom Sex, sondern von allen Dingen, die damit verbunden sind: die Ernährung, das Makeup, das dürftige Qutfit, die hässlichen "Frischfleisch"-Nachtclubs, die alle die Ziele verfolgen, die mich nicht interessieren. Das Zölibat gibt mir die Ruhe und den Raum zum Nachdenken. Es erlaubt mir, meine Individualität zu entwickeln, um der Mensch zu werden, der ich sein möchte. Dies würde mir bestimmt nicht so gut gelingen, wenn ich versuchen würde, dem gegenwärtigen Ideal einer sexuell begehrenswerten Frau zu entsprechen. 14. Phil Top Ich bin Diskjockey und Ende zwanzig. Früher wohnte ich in einer weltberühmten Hazienda (lateinamerikanisches Landgut). Mein Sexleben, so nehme ich an, ist ähnlich wie das der meisten meiner Generation. Es begann als später Teen und setzte sich dann fort... Irgendwie erreichte der Sex dann einen Punkt, dass er zum wichtigsten Teil der Beziehung wurde. Ja, so war es. Wohin du auch gehst, die erotischen Gedanken folgen dir. Es waren diese Folgen, die mich einhalten und nachdenken ließen. Ich hatte immer ein großes Interesse am Zölibat, vor allem betrachtete ich es als eine Herausforderung. Ich liebe Herausforderungen und es ist eine äußerste Herausforderung, nach Jahren einer auschweifenden Jugend, inmitten einer Gesellschaft und Generation, die aktiv die Promiskuität (promiskuitiv = sexuell freizügig oder offenherzig) fördert und die verächtlich auf Jungfrauen herabblickt (ich glaube nicht einmal, dass viele Menschen ein Zölibat außerhalb der Jungfräulichkeit kennen), zölibatär zu leben. Das Zölibat ist viel schwerer, als ich es mir vorstellte. So sehr dir eine Frau auch Respekt zollt, wenn du nicht gleich mit ihr bei der ersten Gelegenheit ins Bett springst, so hält sie dich doch zunächst für sonderbar und nach einer Weile, in der Regel nach einer sehr kurzen Zeit, denkt sie, dass du dir deine sexuelle Befriedigung woanders holst. Die positive Seite davon ist jedoch, dass ich dadurch zahlreiche ausgezeichnete weibliche Freundinnen habe. Hatten wir Sex, dann wurde die Beziehung schwierig. Es gab immer irgendwelche Spannungen, die sich nie ganz auflösten. Hatten wir dagegen keinen Sex, dann stellte sich meist eine sehr intime Freundschaft ein. Beim Sex bleibt oft eine sexuelle Spannung zurück, durch eine zölibatäre Freundschaft aber stellt sich eine positive Energie ein, die beide miteinander verbindet. Es wird gesagt, dass der Reiz an der Verfolgungsjagd größer ist als das Erlegen der Beute. Dem stimme ich zu. Darum ist die Beziehung zum Fuchs nach der Jagd besser, wenn du ihn nicht fängst und tötest. 15. Matt Top Einige haben das Zölibat gewählt, andere haben es beiseite geschoben. Oder so ähnlich. Ich würde in die zweite Kategorie fallen, obwohl ich glaube, dass es eine gewisse Wahlfreiheit gibt. Ich bin ein interessantes medizinisches Beispiel, das seinen Endokrinologen (Endokrinologie = Lehre der Hormone) mit Stunden vergnügter Unterhaltung und veröffentlichbaren Anektoden versorgt, weil ich meine Hypophyse (Hirnanhangdrüse) nur mit der halben Zuteilung versah. Für diejenigen unter euch, die nicht mit endokrinologischen Details vertraut sind: die Hypophyse, dieser kleine Kerl, befindet sich in eurem Gehirn, etwa zwischen den Augen und kontrolliert das chemische Gleichgewicht, was eine Menge mit dem Sexualtrieb zu tun hat. Nach einer langen Ehe, in der zwei phantastische Kinder geboren wurden, wurde meine Libido in der Tat einkassiert, als ich mich meinem 40. Geburtstag näherte. Ich nahm, durch wöchentliche Selbstinjektion, eine Vielzahl von lebenserhaltenden Hormonen. Außer dass ich ein unheilbares Desinteresse am Geschlechtsverkehr hatte, fühlte ich mich fit wie ein Turnschuh. Leider stimmte meine neue Orientierung nicht mit der meines geliebten Gatten überein, dessen vollkommene und unversehrte Hypophyse sehr schnell nach aktiven Alternativen Ausschau hielt. Interessant ist jedoch, dass die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen uns wesentlich glücklicher wurden, da wir herausgefunden hatten, was los war. Ich denke, dies ist ein gutes Zeichen, für eine vertraute, feste Beziehung und für alle möglichen Leute, die so wie ich, nicht davonlaufen wollen, denn davon gibt es in diesen Zeiten genug. Ich denke, ich selber befinde mich gegenüber jemandem, der mit dem Zölibat zu kämpfen hat, in einer beneidenswerten Situation. (Ich habe immer noch meine Probleme mit der Idee des Zölibats, da ich mich auf der anderen Seite befand und dann die Seite wechselte.) Aber für mich bietet das Zölibat eine Möglichkeit zum Aufbau lohnender und lebendiger Beziehungen; die frei vom Druck und den Erwartungen des Geschlechtsverkehrs sind; in der die Menschen frei sind und sich wohl fühlen, um miteinander zu spielen; die nicht darüber nachdenken, wie man den anderen ins Bett bekommt (oder die bewusst ihre Konversation und Beziehung schützen und strukturieren, um dieses Geschehen zu erleichtern oder zu vermeiden); zu experimentieren, mit anderen Worten, um sich gut mit Menschen zu verstehen. Ich denke, dass ich eine Wahl treffe: ich versuche nicht zu verändern, was nicht zu ändern ist und ich versuche, die Situation mit Humor zu akzeptieren. Dadurch wird das Zölibat zu einem respektierten und akzeptierten alternativen Lebensstil. Ich denke, wir solten achtsam bei der Definition des Zölibats sein. Wir sollten es nicht nur negativ definieren, indem wir sagen, was wir nicht tun, sondern wir sollten es ebenso positiv definieren, indem wir erklären, wovon es uns befreit. 16 Stephen Top Ich habe in den letzten 5 Jahren zölibatär gelebt. Zwei Jahre davon lebte ich in einem buddhistischen Kloster. Als Mönch blickte ich kaum nach dem anderen Geschlecht und enthielt mich der Masturbation (Selbstbefriedigung). Ich sehe viele Vorteile im Zölibat. So braucht man sich keine Sorgen über problematische Beziehungen, über Krankheiten, Kosten und ungewollte Schwangerschaften zu machen, man braucht nicht "cool" zu sein, usw.. (Lasst uns ehrlich sein, in jeder sexuellen Beziehung ist ein manipulatives Element.) Das Zölibat eröffnete mir, außer in der Zeit, in der ich als Mönch im Kloster war, eine neue Dimension für die Kommunikation mit Frauen. Entscheidet man sich bewusst für das Zölibat, so stellt sich eine Energie ein, die zur Klarheit führt. Diese Klarheit geht sehr schnell verloren, sobald das sexuelle Interesse erwacht, egal wie sehr man sich auch bemüht, es zu verbergen. Um wirklich zölibatär zu sein, muss man es wollen, auch wenn die Begierden immer noch vorhanden sind. Aber es tritt ein anderer Teil deiner Persönlichkeit hervor, der die Menschen berührt. Dies kann eine Art von Geschenk sein. Aber es kann auch sehr gefährlich sein, da es dich oft attraktiver für das andere Geschlecht macht. Ich wählte bewusst das Zölibat, nachdem ich ein Jahr mit einer Frau zusammenlebte und erkannte, wohin mich der unrealistische Sexualtrieb trieb. Ich erkannte, dass der Wunsch nach Gemeinsamkeit, verbunden mit sexueller Befriedigung, ein sehr hoher Preis für das emotionale Wohlbefinden ist. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass eine Beziehung mit einer passenderen Partnerin, mir nicht dieses Gefühl gegeben hätte. Gleichzeitig bin ich viel realistischer in Bezug auf Sex und intime Beziehungen geworden und betrachte sie nicht mehr als das "Ein und Alles" meiner Existenz auf diesem Planeten. Die Zeit, in der ich als Mönch lebte, war für mich sehr hilfreich, da ich lernte, wie man die Kontrolle über den Sexualtrieb gewinnt und nicht von ihm kontrolliert wird. Dies scheint eine Menge geistiger Energie freizusetzen. Es gab allerdings auch Zeiten, in denen die Sehnsucht nach menschlichem Kontakt in der Tat sehr groß war. Sexualität ist etwas, das nicht unterdrückt werden kann, aber sie ist etwas, das transformiert (umgewandelt) werden kann. Ich bin immer noch in Zwietracht mit meiner sexuellen Wahl. Ich frage mich, ob ich, wenn ich mit jemandem zusammentreffe, mit dem ich mich freundschaftlich verbunden fühle und das sexuelle Interesse erwacht, auf ihn reagieren würde. Ich glaube, dass ich mich nicht als eingefleischten Zölibatär betrachten kann, da ich mich gedanklich immer noch mit der Idee einer Beziehung befasse. Es bleibt ein "was wäre wenn"-Szenario. Vielleicht gibt es eine Zeit für beide Lebensstile*. *Anmerkung Übersetzer: Obwohl Stephen, wie er selber sagt, seit mittlerweile 5 Jahren im Zölibat lebt, wird er immer noch so sehr von sinnlichen (erotischen) Wünschen bedrängt, dass er nicht weiß, wie er reagieren würde, wenn dieses "was wäre wenn" eintreten würde, wenn sich ihm also die Gelegenheit böte, seine sinnlichen Wünsche auszuleben. Ich habe fast das Gefühl, Stephen hat das Zölibat nicht immer beachtet. Dadurch entfacht man jedesmal die erotische Glut von neuem. Swami Sivananda sagt hierzu: "Viele Yogis sind sich dieser geheimen Bedrängnis, dieses heimtückischen Feindes, nicht bewusst. Sie denken, dass sie sicher und rein sind. Werden sie aber versucht, dann werden sie zu hoffnungslosen Opfern. Darum bleibe lieber alleine, meditiere und beseitige dieses Verlangen." Eines Tages wird auch dieses heimliche Verlangen verschwinden, bei dem einen früher, bei dem anderen später und dann ist man ein vollendeter Brahmachari. Man sollte sich also nicht von vorübergehenden sinnlichen Irritationen beeindrucken lassen, sondern sie auf der Stelle verscheuchen. Dies ist ein Prozess, den es gilt zu lernen. Ende Anmerkung. An diesem Punkt bin ich auf der Suche nach dem Gleichgewicht. Ich bin mit der spirituellen Tradition vertraut, die die spirituelle Energie mittels der sexuellen Energie gewinnt. Die Erschöpfung durch die Ejakulation (Samenerguss) wird nicht nur spirituell als kontraproduktiv (nachteilig) angesehen, sondern auch als eine Gefahr für die Gesundheit, wenn sie häufiger stattfindet. Ich bin mir auch darüber im Klaren, dass die Unterdrückung der sexuellen Wünsche nicht unbedingt der gesündeste Weg ist. (Anmerkung Übersetzer: Kommen hier wieder die Zweifel durch? Ende Anmerkung) Ich wundere mich über die intimen Bedürfnisse. Zu versuchen, die Ursachen dieser Gefühle herauszufinden, ist keine leichte Aufgabe. Darum möchte ich jemanden bitten, der ähnliche Erfahrungen/Bedenken hat, sie auf diese Seite zu posten. Sie könnte in dieser einseitigen Welt vielen zölibatär lebenden Menschen helfen. 17. Erica Top Ich bin eine 28jährige alleinerziehende Mutter. Mein Sohn ist 7 Jahre alt. So ist es ziemlich offensichtlich für andere, dass ich keine Jungfrau bin. Im städtischen Umfeld, in dem ich wohne (Los Angeles, Kalifornien, USA) nehmen einige Männer dies als ein Zeichen dafür, dass ich mal mit diesem, mal mit jenem, schlafe. Zugegeben, für eine Weile tat ich es. Von dem Zeitpunkt an, an dem ich meine Jungfräulichkeit verlor, bis zu dem Zeitpunkt, als ich mit meinem Sohn schwanger wurde, etwa fünf Jahre lang, habe ich mal mit diesem, mal mit jenem, geschlafen. Doch mit der Geburt meines Sohnes, entschloss ich mich, besser zu werden. Ich wollte nicht, dass er mich mit einem Mann nach dem anderen sieht. Während sein Vater anderen Frauen nachjagde, hoffte ich, eine andere Beziehung zu finden. Aber es kam nicht dazu. Ich lernte nur Männer kennen, die das "Hit and run"-Spiel spielten (Hit and run = schlaf mit ihr und dann auf und davon). Aber ich realisierte nicht, dass ich der Sache nicht half, wenn ich den berechtigten Respekt verlangte. Dies alles bendete ich mit einem kreischenden Halt, als ich im Frühjahr 1996 erneut schwanger wurde. Zum zweiten Mal in meinem Leben war ich von jemandem schwanger, den ich kaum kannte und ich verdiente nicht genug Geld, um für ein zweites Kind zu sorgen. Was aus der Schwangerschaft wurde, ist nicht wichtig. Was in diesem Moment für mich wichtig war, war die Entscheidung für das Zölibat. Ich entschloss mich, so lange enthaltsam zu leben, bis ich eine gute dauerhafte Beziehung auf der Grundlage des gegenseitigen Vertrauens, der Liebe und Zuneigung aufgebaut hatte. Dies schien mir das Beste für mich zu sein. Verstehen sie mich nicht falsch. Es ist nicht so, dass ich nicht gerne wieder von dem zölibatären Zug abgesprungen wäre, aber die Männer, die ich kennen lernte, waren nicht an einer festen Beziehung interessiert. Durch das Zölibat war ich vor mir selber geschützt. Das Zölibat ist eine gute Wahl für Menschen, die in einer Anzahl schlechter Beziehungen stecken. Während dieser Zeit analysierte ich meine Lage und dachte über meine Motive nach. Ich versuchte herauszufinden, was ich wirklich will, anstatt auf all die Magazine zu hören, die mir immer wieder sagten, wie ich sein sollte. Dadurch habe ich mich spirituell zentriert, denn es gab die anderen Zerstreuungen nicht mehr. Die sexuelle Anziehung ist immer noch da und ich flirte immer noch sehr gerne, aber ich fühle mich nicht mehr gezwungen, diesem Drängen nachzugeben. Das Zölibat hat mich mehr über mich und über Selbstkontrolle gelehrt, als ich mir je vorstellen konnte. 18. Jude Top Ich bin Mitte vierzig, weiblich, und lebe seit fast zwei Jahren zölibatär. Ich habe entschieden, dass mir meine Intimsphäre wichtiger ist, als mich der öffentlichen Meinung anzupassen und nachzukommen. Ich habe mich in Beziehungen immer irgendwie überfordert gefühlt und suchte die Einsamkeit. Nachdem ich meine Neugier über den Sex befriedigt hatte, legte sich mein Interesse am Sex. Ich habe all die Sozialkontakte, die ich brauche, viele davon auf meiner Arbeit. Ich bin auch viel gereist und habe die großen Religionen und Kulturen erforscht. Dabei wurde ich am stärksten durch die Muslime inspiriert, die ich kenne. Sie haben ein weitaus höher entwickeltes Verständnis für Kunst und menschliche Werte, als die Menschen des Westens. Ich möchte betonen, dass mein sexueller Status nichts mit religiösen Gründen zu tun hat. Deshalb stimme ich nicht mit denen überein, die das Zölibat wie ein religiöses Schwert vor sich herschwingen. Im Gegenteil, ich trage mein Zölibat als Aussage; eine Reaktion gegen das, was ich als Unsinn empfinde. Und ich weiß, dass fast niemand es verstehen kann. 19. Yamandu Top Ich bin 35, männlich, Uruguayer, lebe aber in Bolivien, praktiziere das Zölibat seit 35 Jahren und fühle mich immer noch stark. Ich lebe zölibatär, weil ich neben der Gefahr durch Aids und Schwangerschaften, der wechselnden sexuellen Beziehungen müde bin. Ich kann eine Frau nicht so wie einen guten Freund abends zu mir nach Hause einladen, weil sie Angst haben könnte, dass ich mich nicht benehme. Und wenn sie kommt, dann erwartet sie von mir, dass ich mich nicht benehme. Wenn mich jemand besucht, dann ist es also gut, wenn es ein Mann ist. Hat man allerdings zu häufig Männerbesuche, dann könnten die Nachbarn besorgt sein. Die Dinge sind so viel leichter, wenn du nicht von der Sexualität bedrängt wirst, im Büro, auf dem Campingplatz, wo auch immer. Ich kann es mir emotional nicht leisten. Sehen sie, ich bin ein sehr loyaler Mensch und der Sex in einer Zweierbeziehung ist weitaus komplizierter als die Hydraulik eines Autos. Ich nehme nicht an, dass ich für immer zölibatär lebe, obwohl mich jemand darauf hinwies, dass man mit dem Alter manche Dinge anders sieht. Aber ich möchte eines Tages eine feine, altmodische, monogame, kuschelige Familie an meiner Seite haben. Das sollte eigentlich keine Probleme bereiten. Sex würde jetzt nur bedeuten, dass ich für Menschen sorgen müsste, um die ich mich jetzt nicht sorge. Darum möchte ich Sex nicht so beiläufig haben. Ich bin für eine sehr enge (im Sinne von Zusammengehörigkeit) Freundschaft und Liebe. Ich bin davon überzeugt, dass eine Familie eine viel engere Bindung zwischen den Menschen und kein Bedürfnis nach Sex haben sollte. Ohne Sex können wir viel mehr gemeinsame Zeit miteinander verbringen. Durch die Liebe können wir über die Angst und Einsamkeit hinauswachsen, die uns vielleicht umgibt, wenn wir alt und gebrechlich sind. Wir sollten uns als Familie auch von der sexuellen Unterwürfigkeit befreien. Heute erforsche ich die nichtsexuelle Beziehung. Es ist hart, das Konzept durchzuhalten, aber auch sehr angenehm, so nahe, im eigentliche Sinne der Bedeutung von Intimität, miteinander sein zu können, ohne miteinander Sex zu haben. Ich kann sagen, dass es immer noch schwer für mich ist, jemanden liebevoll zu umarmen und mich nicht wie ein Raubtier schuldig zu fühlen (welches auf Sexualkontakte lauert). Aber gleichgeschlechtliche Umarmungen sind OK. 20. Marie Top Ich könnte vom Zölibat berichten, aber der Begriff antisexuell beschreibt am besten, was ich meine. Asexuell ist ebenfalls OK, aber dies beschreibt nicht ganz so treffend, was ich meine. Aber du fragst dich, warum ich hier schreibe? Nun, es bedeutet, dass ich in meinem ganzen Leben keinen Sex haben möchte. Aber Vorsicht, es bedeutet nicht, dass ich eine Nonne oder so etwas werden möchte. Es ist nur so, dass ich völlig desinteressiert am Sex bin. In der Tat, ich finde ihn abscheulich. Es ist mir klar, dass ich ihn nicht genießen kann, er ist mir sehr unangenehm. Ich bin noch nie mit jemandem ausgegangen (ich bin jetzt 19) und ich möchte dies nur, wenn ich weiß, dass es zu einer sexlosen Ehe kommt. Ich möchte gerne heiraten. Wie alle anderen Menschen brauche ich es zu lieben und geliebt zu werden, denn ich bin ein Mensch und ich habe Gefühle. Nun zurück zu meiner Antisexualität oder Asexualität. Bitte erzählt mir nicht, ich bräuchte eine Therapie oder ich hätte traumatische Erfahrungen in meinem Leben gehabt. Dies ist nicht der Fall. Ich hatte schon immer das Gefühl, ich sei nicht normal. Als ich ein Teenager war, bin ich davon ausgegangen, dass ich all die Dinge fühlen würde, die all die anderen Teens um mich herum fühlen würden. Aber dies war nicht der Fall. Da war nichts. Darum wartete ich. Wieder nichts. Ich weiß, ich bin nicht lesbisch, das war mir klar. Aber was zum Teufel ist falsch mit mir? Schon seitdem ich ein kleines Kind war, wusste ich, dass es nicht kommen würde. Es war schon immer in meinem Hinterkopf. Ich konnte mit niemandem darüber sprechen und habe mich deswegen geschämt. Ich hatte nie besonders viel Selbstbewusstsein. Dadurch war es noch schwieriger für mich. In diesen Tagen ist der Sex überall. Die Leute reden die ganze Zeit davon. Er ist im Fernsehen, in den Liedertexten, in der Werbung und Illustrierten, ÜBERALL! Ist der Sex wirklich so wichtig? Ich hatte noch niemals Sex und ich fühle mich großartig. Was sollte also mit mir nicht stimmen? 21. Zoe Top Ich bin stolz darauf, asexuell zu sein. Asexuelle Menschen sind eine kleine Minderheit, die ebenso wie alle anderen anerkannt werden wollen. Wir wollen ein farbiges Band, einen Nationalfeiertag und Gutscheine für Fastfood-Restaurants. (Ich bevorzuge vegetarische Restaurants.) Wir wollen die Welt wissen lassen, dass es uns gibt. Was den Rest der Welt betrifft, asexuelle Organismen mit mehr als eine Zelle gibt es nicht. Das macht es ziemlich schwierig, für Menschen, denen es an der sexuellen Lust mangelt. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die großes Aufsehen über ihre mangelnde Lust an der Sexualität machen. Ich atme nicht die Luft der Selbstgerechten und verbringe meine Freizeit nicht damit, darüber nachzudenken, wie ich Sex haben kann. Ich mache mir über dieses Thema keine Gedanken. |