1.
Ramakrishna und Brahmacharya Top
"Keine Kraft kann erschaffen
werden; sie kann nur gesteuert werden.
Folglich sollten wir lernen, die großartigen Energien zu steuern,
die bereits in unseren Händen sind. Wir sollten lernen, diese
Energien, mittels unseres Willens, spirituell, anstatt sinnlich, zu
nutzen. Damit wird offenbar, daß Keuschheit der Grundstein aller
Sittlichkeit und aller Religion ist", sagt Swami Vivekananda (ein
Schüler Ramakrishna's).
Der folgende Artikel über Brahmacharya oder Enthaltsamkeit liefert
ein komplettes und umfassendes Bild zu dem Thema und kann als
authentische Anleitung für jeden dienen, der sich über die
Enthaltsamkeit informieren möchte. Dieser Artikel erhält
dadurch einen besonderen Wert, daß er von Swami Trigunatitananda,
einem direkter Schüler von Sri Ramakrishna, geschrieben wurde. Er
erschien zuerst 1935 im Udbodhan-Verlag, in einer bengalischen
Monatszeitschrift des Ramakrishna Ordens. Jetzt ist dieser Artikel Teil
des Buches „Religion and Its Practice“, das vom Advaita-Ashrama-Verlag
in Kalkutta (der Hauptstadt des Bundesstaates Westbengalen in Indien)
veröffentlicht wird. Es ist nicht bekannt, wer den Artikel ins
Englische übersetzte. Die Untertitel im Text sind, zum besseren
Verständniss, im Vedanta-Kesari-Büro hinzugefügt worden.
Swami Trigunatitananda war ein im hohem Grade geachteter Mönch und
bekannt für seine tiefe Gelehrsamkeit, sein Pflichtgefühl und
seine enorme Energie und Ausdauer. Er war weit in Indien umhergereist
und der erste Herausgeber im Udbodhan-Verlag. 1902 ging er, auf
Veranlassung von Swami Vivekananda, in die USA. Er war der Kopf der
Vedanta Gesellschaft in San Francisco, Nordkalifornien, und
unterrichtete, bis zu seinem vorzeitigem Tod 1915, zahlreiche
aufrichtige Yogaschüler.
Top
2. Die menschliche
Geburt: eine seltene Gelegenheit Top
In der Tat sagte Shankara (hinduistischer Philosoph des Advaita
Vedante, etwa 788-820 n.Chr.), daß eine menschliche Geburt in der
Tat sehr selten ist. Die menschliche Form ist das höchste und das
Menschsein das größte Sein, weil in dieser Form allein die
größte und beste Wahrscheinlichkeit liegt, Wissen und
Befreiung zu erlangen. Alle anderen Geschöpfe, seien es
Götter, oder Engel, müssen zu dieser Welt zurück kommen,
um Befreiung durch einen menschlichen Körper zu erreichen. Dieses
ist ein seltenes Privileg unseres menschlichen Lebens, welches wir
allerdings törichterweise missbrauchen. Ohne den Wert solch eines
Privilegs zu schätzen, fügen wir, durch unser
unüberlegtes Handeln, uns selber unermessliches Leid zu. Kann es
eine grössere Ironie des Schicksals geben? Kann es einen
Unwissenderen geben, als den, der diese seltene Gelegenheit zur
Befreiung, mit der Beschäftigung von weltlichen Dingen vergeudet,
anstatt nach Wissen zu streben? Weit entfernt von der Bemühung um
Wissen, sind wir vom Gegenteil, von Unwissenheit durchdrungen. Was ist
der Grund dieser Unwissenheit?
Der Mensch, der einst frei von Krankheiten war, der tat, was immer er
tun wollte. Er pflegt zu singen: „Ich habe keine Furcht vor dem Tod,
etc.“. Davon war er vollkommen überzeugt. Warum aber wird der
heutige Mensch, von tausenden Ängsten geplagt? Er wird von
störenden Gedanken beunruhigt und versinkt in den abgründigen
Ozean der Unzufriedenheit. Warum ist das so? Es liegt am Mangel an
Enthaltsamkeit. Sollten wir uns nicht um Antworten bemühen, wie es
einst die Weisen Nachiketas und Shukadeva taten? Warum findet in
unserer Gesellschaft kein Nachdenken über die tieferen Gründe
der weit verbreiteten Unzufriedenheit mehr statt? Es liegt daran, weil
wir, durch den Mangel an Enthaltsamkeit, dieses historische Feuer,
diese ursprüngliche Kraft in uns, verloren haben. Ohne
Enthaltsamkeit kann nichts Großes erreicht werden.
Anmerkung
Leider kann sich auch die Ramakrishna-Organisation nicht von den
Vorstellungen des Advaita Vedanta trennen, die im Grunde genommen auf
der vedischen Philosophie beruht. Der vedischen Philosophie zufolge,
wird der Mensch nach seinem Tod, entsprechend seinem Karma, im Bereich
der Götter, der eifersüchtigen Götter, der Menschen, der
Tiere, der hungrigen Geister oder im Bereich der Hölle
wiedergeboren. Ebenso, wie der Mensch sich als die Krone der
Schöpfung betrachtet und sich entsprechend gegenüber seiner
Umwelt, gegenüber den Tieren und Pflanzen verhält, sieht er
sich natürlich als den Mittelpunkt des Universums, dem eine ganz
besondere Stellung zukommt. Leider stimmt nur sein Verhalten nicht mit
diesem Anspruch überein. Sonst käme der Mensch wohl nicht auf
die Idee, dass man nur als Mensch von dieser Erde aus, Befreiung
erlangen könne. Vielleicht gibt es ja auf anderen Planeten weit
entwickeltere Lebewesen, die vielleicht nur mitleidig auf die
Menschheit herabblicken würden.
Sollten wir nicht lieber die ganze Reinkarnations-Philosophie als eine
mystische Marotte aus vedischer Vorzeit betrachten? Die Veden haben
sicherlich manches Sinnvolle hervorgebracht. Aber nicht alles, was in
vedischen Zeiten hervorgebracht wurde, erweist sich heute als sinnvoll.
Oder was würdet ihr sagen, wenn man versuchen würde, das
Kastenwesen und die brutale Unterdrückung der Frauen, die ja
ebenfalls von den Veden hervorgebracht wurden, heute noch aufrecht zu
erhalten?
Ende Anmerkung.
Top
3. Was ist Brahmacharya?
Top
Was versteht man unter Brahmacharya oder Enthaltsamkeit? Es ist die
Bewahrung der sexuellen Energie. In allen Bereichen des Lebens, egal ob
sie spirituell oder materiell sind, ob sie diese Welt oder eine andere
betreffen, ist die Erhaltung der sexuellen Energie absolut notwendig,
um Erfolg zu haben. Ohne Enthaltsamkeit wirst du weder eine vollkommene
Gesundheit haben, noch Gutes für andere tun, oder Erkenntnis
erlangen. Der berühmte Dr. Nichols sagte: „Geringe sexuelle
Aktivität führt zu einer bemerkenswerten Zunahme der
körperlichen und geistigen Vitalität und zu einer
spirituellen Lebenseinstellung.“ Folglich gibt es auch keine Hoffnung
auf Erfolg im Lebens, sei er materiell oder spirituell, wenn man nicht
Enthaltsamkeit praktiziert. Sri Ramakrishna pflegte zu sagen: „Wenn ein
Mann die Erhaltung seiner sexuellen Energie befolgt, dann spiegelt sein
Intellekt das Bild von Brahman (Gott), ebenso wie ein Glas ein
vollkommenes Spiegelbild ergibt, wenn man seine Rückseite mit
einer Quecksilberlösung bemalt. (Seit dem Ende des Mittelalters
stellte man so genannte Quecksilber-Spiegel - 75 % Zinn, 25 %
Quecksilber - her. Die Herstellung dieser Spiegel wurde fast vier
Jahrhunderte lang angewandt.) Der Mann, der dieses Bild von Brahman in
seinem Herzen trägt, ist fähig, alles zu erreichen. Er wird
in allen Tätigkeiten, die er ausübt, Erfolg haben.“ Darum ist
unser Leben ohne Enthaltsamkeit nutzlos.
Anmerkung: Mythologische "Wahrheiten"
Es ist natürlich nicht richtig, wenn man demjenigen, der kein
Brahmacharya praktiziert, jeden Erfolg im Leben abspricht. Vielleicht
sollte man lieber sagen, dass demjenigen, der kein Brahmacharya
praktiziert, die Tür zum Paradies verschlossen bleibt. Derjenige,
der das Bild Brahmans in seinem Herzen trägt, ist natürlich
auch nicht in der Lage, übersinnliche Fähigkeiten zu
erwerben, auch wenn dieses immer wieder behauptet wird. Aber solche
mythologischen "Wahrheiten", werden immer wieder gerne gehört und
sie werden deshalb immer wieder gerne erzählt. Deshalb haben sie
eine fast unbegrenzte Lebensdauer, denn Leichtgläubigkeit und
Unwissenheit, sind weit verbreitet. Ich würde nicht sagen, dass
unser Leben ohne Enthaltsamkeit nutzlos ist. Aber in einem Leben ohne
Enthaltsamkeit fehlt die Seligkeit, die das Leben erst lebenswert
macht. Es ist vom Leid gekennzeichnet.
Ende Anmerkung
Im Wörterbuch wird Brahmacharya als das Ashrama, der
Lebensabschnitt, betrachtet, in der der Mensch sich dem Studium
Brahmans und der Veden zuwendet. Die Veden werden in Indien
normalerweise im Knabenalter studiert. Darum wird der erste der vier Ashramas
(1. Schüler, 2. Verheirateter, 3 Einsiedler, 4. Mönch), also
der Lebensabschnitt, in dem das Kind als Schüler lebt, als das
Brahmacharya Ashrama bezeichnet. Das Praktizieren des Brahmacharya
Ashrama war in Indien für alle Kasten verbindlich vorgeschrieben.
Besonders für die Brahmanen (Priester, Gelehrter), Kshatriyas
(König, Prinz, Krieger, höherer Beamter) und den Vaishyas
(Landwirt, Kaufmann, Händler).
Warum wurde es für alle vorgeschrieben? Weil alle großen und
edlen Qualitäten des Charakters in dieser Periode des Lebens
leicht erlangt werden können. Heutzutage ist es in vielen
Ländern der Welt üblich, die Kinder auf die berufliche
Laufbahn vorzubereiten. Man nimmt sich kaum die Zeit, die moralischen
und spirituellen Qualitäten der Kinder zu fördern. In
früheren Zeiten legte man auf diese Dinge besonderen Wert. Der
größte Wert wurde auf die Bildung des Charakters gelegt.
Danach erfolgte die spirituelle Ausbildung. Und zuletzt erfolgte die
berufliche Ausbildung. Denn jeder wusste, daß Charakter und
Wissen Dinge sind, die am meisten benötigt werden. Geld und alles
andere kommt von selbst, wenn man diese beiden Dinge besitzt. Charakter
und Wissen sind dem Geld keineswegs untergeordnet. Man sollte diese
Wahrheit keineswegs gering schätzen.
Das Brahmacharya Ashrama, das Lebensstadium des Schülers, war
besonders deswegen so wichtig, weil der Schüler in diesem Alter
vortreffliche menschliche Qualitäten entwickeln konnte. Manu, das
indische Gesetzbuch, sagt: „Um den Charakter zu stärken, sollte
ein Brahmachari (Schüler) im Haus eines Gurus oder Lehrers leben
und vollkommene Kontrolle über seine sinnlichen Leidenschaften
gewinnen. Er sollte lernen, dem Lehrer zu dienen, die mystischen Silben
(Mantras) zu wiederholen, genügsam und nachsichtig zu sein und
niemanden zu verletzen.“ Dieses Lebensstadium ist die Grundlage aller
weiteren Lebensstadien. Die anderen Stadien, nämlich die Zeit der
Ehe, die Zeit des Einsidlers und des Sannyasin (Mönches), alle
diese Stadien des Lebens, hängen völlig von der Periode des
Brahmacharya (Schülers) ab. Ebenso wie ein Gebäude, dass,
obwohl es groß und schön ist, instabil ist, wenn es auf
einem unsicherem Fundament errichtet wurde, so können auch die
Aufgaben in einem späteren Lebensabschnitt nicht mit Erfolg
bewältigt werden, wenn die Periode des Brahmacharya nicht
vollständig beherrscht wird. (zu deutsch: Was Hänschen nicht
lernt, lernt Hans nimmer mehr.)
Lord Krishna sagt im Bhagavata: „Wenn der Brahmachari (der
Schüler, der das Brahmacharya praktiziert) wegen seiner
Enthaltsamkeit, wie ein Feuer erstrahlt, wenn seine Sünden und
schlechten Eigenschaften, durch die Enthaltsamkeit niedergebrannt
worden sind, und er Liebe für mich (Krishna) entwickelt hat, dann
wird der Lehrer ihn, in Bezug auf sein Wissen, prüfen. Sollte der
Schüler diese Prüfung bestehen, so nimmt er mit der Erlaubnis
des Lehrers ein reinigendes Bad, und dann kann dieser gute Spross, frei
nach seiner Wahl, in das Leben eines Familienvaters, eines Einsiedlers
oder unverzüglich zum vierten Lebensstadium, in das Leben eines
Sannyasin (Mönches), überwechseln.“ Wir sehen also, dass alle
Schüler das Stadium des Brahmacharya durchlaufen haben.
Top
4. Enthaltsamkeit und
Charakter Top
Enthaltsamkeit erzeugt solch eine große Energie, die so
wertvoll, so notwendig ist für alle, daß sie nicht nur
auf das erste Stadium des Lebens, auf die Zeit des
Schülers, begrenzt werden sollte. Es ist falsch, zu denken,
daß die Enthaltsamkeit nur im Knabenalter wichtig
ist. Die Enthaltsamkeit sollte nicht nach
dem Vermitteln des Grundwissens des Lebens an den
Schüler beendet werden; sie sollte nicht mit
dem Erklimmen des ersten Schrittes auf der Lebensleiter
abgeschlossen sein. Sie ist für das ganze Leben von
Bedeutung. Ohne Brahmacharya ist es unmöglich, einen
anständigen Charakter zu bilden. Ebenso ist es
unmöglich, ein Gebäude ohne Mörtel zu
errichten. Genauso wie ein bestimmter Teil eines
Gebäudes wackelt, wenn die Stärke des Mörtels
geschwächt ist oder verloren ging, so ist auch der Teil
unseres Lebens Gefahren ausgesetzt, wo es an Stärke von
Brahmacharya mangelt.
Die Qualitäten, die im ersten Stadium des Lebens geübt
werden, sind ebenfalls in allen weiteren Stadien des Lebens
erforderlich. Sogar im Leben eines Familienvaters,
ist Brahmacharya von großen Wert. Dieses gilt
selbstverständlich auch in den übrigen zwei
Lebensstadien (Einsiedler, Mönch). Ohne Brahmacharya ist
es unmöglich, das Leben eines Familienvaters
entsprechend den Pflichten der heiligen Schriften zu
führen. Ohne Selbstkontrolle können Verheiratete ihre
Ideale nicht verwirklichen. Sri Ramakrishna wendete sich an alle,
dabei waren die Familienväter nicht ausgenommen, und sagte:
„Mache zuerst die Erfahrung des Einsseins mit dir selbst und dann
erledige deine Pflichten. Suche zuerst festen Halt bei Gott und dann
lass' dich treiben. Fixiere den größeren Teil deines
Verstandes auf Gott und erledige mit dem Rest deines Verstandes die
täglich anfallenden Pflichten.“ Mit diesen und vielen anderen
schönen Gleichnissen, pflegte er den
Verheitateten beizubringen, wie sie ihr Leben führen
sollten. Es ist ratsam, als Verheirateter nach diesen
Anweisungen zu leben. Deshalb ist Brahmacharya die erste
Sache, die erforderlich ist.
Anmerkung: Glauben
Sicher wird sich derjenige der gläubig ist, auf Gott
konzentrieren. Aber nicht jeder ist gläubig und nicht jeder
möchte sich auf Gott konzentrieren. Der Weg mit Gott, ist ein
möglicher Weg. Der Weg ohne Gott, ein anderer. Da aber niemand
weiß, ob es wirklich einen Gott gibt, ist mir persönlich der
zweite Weg der ehrlichere. Weiter ist anzumerken, dass Verheirateten
nach den Vorstellungen des Varnashrama-Dharma, welches einerseits die
Kastenzugehörigkeit (Varna) und andererseits die 4
Lebensabschnitte (Ashrama) beschreibt, das auf den Veden
beruht, ist der Geschlechtsverkehr zwischen Eheleuten keineswegs
verboten. Er sollte allerdings nur zur Zeugung des Nachwuchses
praktiziert werden.
Ende Anmerkung.
Zuallerst ist also eine
Kontrolle der Sinne erforderlich. Man sollte lernen, die Sinne durch
den Willen zu zügeln. Mit anderen Worten, du solltest perfekte
Selbstkontrolle beherrschen. Dies ist der Grund, warum einige den
Lebensabschnitt der Verheirateten, als den schwersten Lebensabschnitt
bezeichnen. Es ist in der Tat ein sehr reiner Lebensabschnitt. Er ist
nichts für Rohlinge, sondern für die, die rein im Herzen sind
und das Brahmacharya perfekt meistern. Für die
menschlichen Rohlinge hat der Lord keinen Ashrama
(Lebensabschnitt) vorgeschrieben. In keiner heiligen Schrift ist
aber zu lesen, dass der Verheiratete die Zügel schleifen lassen
sollte, um seinen Leidenschaften zu frönen. Stelle dir für
einen Moment vor, wie rein der Lebensabschnitt der Heiligen und
Mönche und sogar der des Lords ist, und in welcher Reinheit sie
wiedergeboren werden. Welch eine große Vorsicht müssen
sie ausüben. Es kann kein Wohlergehen ohne Brahmacharya
geben, weder für einen Yogaschüler, noch
für einen Verheirateten, einen Einsiedler im Wald
oder für einen Bettelmönch. Ohne Brahmacharya wird es in
der Gesellschaft weder Wohlergehen noch Frieden geben.
Top
Es ist nicht nur in Indien
oder im Hinduismus so, daß
Brahmacharya so hervorgehoben wird und solch einen großen
Einfluß hat. Alle Länder und alle Religionen der Welt
preisen sie. In der antiken Zeit wurde die Enthaltsamkeit aber nicht in
anderen Teilen der Welt beobachtet. Es waren die vedischen Rishis
(Seher, Weisen, Seher deshalb, weil sie die vedischen heiligen
Schriften angeblich "direkt von Gott" übermittelt bekamen, weil
sie also "Gott gesehen" hatten.), die das Brahmacharya zuerst in Indien
praktizierten.
Anmerkung: Pythagoras
Mit der Antike wird die Epoche des Altertums im Mittelmeerraum etwa
zwischen 1.200 v.Chr. und 600 n.Chr. bezeichnet. Im engeren Sinne
bezeichnet man mit der Antike die Geschichte des klassischen
Griechenlands und des römischen Reiches, das nach dem ersten
Jahrhundert nach Christus eine politische und kulturelle Einheit
bildete. Insofern ist die Aussage nicht richtig, dass allein die
indischen Rishis das Brahmacharya (Zölibat) in der Antike
praktizierten. Erinnern wir uns daran, dass der jüdische
Weisheitslehrer Jesus Sirach sich bereits 180 Jahre vor Christus
für ein Zölibat im Judentum aussprach.
Es ist auch bekannt, dass die Anhänger des griechische Philosophen
Pythagoras im Zölibat lebten. Pythagoras reiste etwa 600 Jahre vor
Christus, wie ein Tramper in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts,
40 Jahre lang durch die Weite des Mittelsmeerraumes, um Wissen von
Mystikern und Priestern zu erwerben. Er hielt sich in Ägypten auf,
tauchte dann in die schamanistischen Gebiete Asiens ein, reiste zu den
Magiern in Persien (Iran) und Arabien und schließlich nach
Indien, wo gerade zwei neue Upanishaden (heilige Schriften) in den
Wäldern wiederentdeckt worden waren, und in dem der zwanzig Jahre
jüngere Buddha seine Lehren verbreitete.
Wieder in Griechenland angekommen verordnete Pythagoras seinen
Anhängern zahlreiche Regeln. So durften die Pythagoräer zum
Beispiel kein Fleisch, keinen Fisch und keine Bohnen essen, da in
Bohnenkernen, nach Ansicht Pythagoras, menschliche Seelen
reinkarnieren. Diese Ansicht soll damit zusammenhängen, dass
Bohnenkerne, in der Form menschlichen Föten ähneln. Ausserdem
sollten sie keinen Wein trinken. Die Anführer mussten im
Zölibat leben, sollten Wollkleidung vermeiden und weiße
Leinenkleidung tragen, weil Wollkleidung aus tierischen Produkten
hergestellt ist.
Ende Anmerkung
In der Prashna Upanishad, einer heiligen indischen Schrift, steht, das
einst sechs Rishis, nämlich, Sukesha Bharadwaja und fünf
andere, die alle ihr Leben Brahman geopfert hatten, zu Rishi Pippalada
kamen, um von ihm das höchste Wissen zu erwerben. Rishi Pippalada
aber forderte sie auf, für ein Jahr das Brahmacharya zu beachten,
dann werde er ihnen das höchste Wissen vermitteln. In einer
anderen heiligen Schrift, dem Chhandogya Upanishad, wird von einem
Dialog zwischen Indra (Kriegsgott), Virochana (Anführer der
Dämonen, Sinnbild der Sinneslust) und Brahma berichtet, in dem
Brahma Indra das Wissen von Brahman unterrichtete, nachdem er ihn
gebeten hatte, 101 Jahre hindurch das Brahmacharya zu beachten.
In der Spätantike verbreitete sich die Idee des Brahmacharya von
Indien aus nach Ägypten und mit Beginn des Neoplatonismus nach
Griechenland unter den Pythagoräern aus. Zu einem etwas
späteren Zeitpunkt, breitete sich die Idee der Enthaltsamkeit auch
in den Ländern Europas aus. Von Indien ausgehend verbreitete sich
die Idee des Brahmacharya auch in verschiedenen Ländern Asiens.
Die Perser übernahmen sie direkt aus Indien. Die Buddhisten trugen
sie weit in die Welt hinaus. Die Essener übernahmen das
Brahmacharya von den Buddhisten und die Christen (Juden)
übernahmen es teilweise von den Neoplatonisten und den Essenern.
Die Christen wiederum verbreiteten es in vielen Ländern. Alle
Länder, in denen das Brahmacharya praktiziert wurde, brachte
große Männer nervor. Niemand hat seinem Land und der Welt
größere Dienste erwiesen, als die Männer, die das
Brahmacharya praktizierten. Wir können St. Paul und den englische
Physiker, Mathematiker, Astronomen, Theologen und Philosophen Sir Isaac
Newton, der die Gravitation (Erdanziehung) entdeckte und damit den
Grundstein für die klassische Mechanik legte, als Beispiele
nehmen. Darum sage ich, daß die, die etwas gutes für sich
selbst oder für ihr Land tun möchten, ungeachtet ihres
Alters, Brahmacharya praktizieren sollten.
Anmerkung: St. Paul
Wenn ich das richtig sehe, verbirgt sich hinter St. Paul der Apostel
Paulus, mit bürgerlichem Namen Paulus von Tarsus (hebräisch:
Saulus). Paulus war griechisch gebildeter Jude und Sohn
vermögender jüdischer Eltern mit römischem
Bürgerrecht. Er erlernte den Beruf seines Vaters als
Zeltteppichweber und war Anhänger der glaubenstreuen
jüdischen Gruppe der Pharisäer, ein jüdischer Theologe
im Laienstand. Zu seiner weiteren theologischen Ausbildung ging er nach
Jerusalem. Er war Jesus von Nazareth nie begegnet und hatte als
gesetzestreuer Pharisäer zunächst die Anhänger Jesus
verfolgt, weil er glaubte, es handele sich um eine jüdische Sekte,
die vom Gesetz abwich und deshalb zerstört werden müsse.
Die Bibel erzählt, Paulus habe im Jahr 35/36 n.Chr. beim Tod des
Stephanus, dem ersten christlichen Märtyrer, der zu Tode
gesteinigt wurde, die Kleider der Steiniger bewacht. Paulus (Saulus)
erhiet den Auftrag, in Damaskus weitere Christenverfolgungen zu leiten,
aber eine wunderbare Begegnung mit dem auferstandenen Christus vor
Damaskus veränderte sein Leben von Grund auf. Paulus selbst
bezeichnete dieses Ereignis nicht als Bekehrung, sondern als
Offenbarung von Jesus Christus. Von der übermächtigen
Erscheinung Christi getroffen, fiel Saulus zu Boden und wurde -
erblindet - nach Damaskus geführt. Ananias heilte ihn und taufte
ihn, er wurde Christ, Apostel und Missionar, predigte in der Synagoge
von Damaskus und wurde bald schon selbst verfolgt; Freunde halfen ihm,
im Jahre 38 in einem Korb über die Stadtmauer zu entfliehen.
Weiteres aus dem Leben Paulus im Heiligenlexikon.
Ende Anmerkung
Anmerkung: Jesus und die Essener
Heute ist es unter Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Theologie eine
allgemein akzeptierte Tatsache, dass Jesus Christus der Gemeinschaft
der Nazarener angehörte, welche ein Zweig der Essener
Glaubensgemeinschaft war (aus diesem Grunde müsste sein Beiname
"Jesus von Nazareth" korrigiert werden zur wohl richtigeren Bezeichnung
"Jesus der Nazarener", da zudem keinerlei Hinweise gefunden werden
können, dass ein Dorf namens Nazareth in Jesus' Tagen existierte).
1974 wurden in den Höhlen der Quaratania-Bergen über dem
Toten Meer Pergamenthandschriften und Papyrusrollen entdeckt, welche
nachweisliche Überreste einer großen Schriftensammlung
dieser religiösen Gemeinschaft der Essener sind. Obwohl die
Schriften bis heute noch nicht vollständig übersetzt und
ausgewertet worden sind, kann man eine große Ähnlichkeit
zwischen der Lehre der Essener und der Lehre Jesu finden. Die Essener
sagten sich vom Tempel und seinem Opferdienst los. Sie lebten meist
ehelos in Klostergemeinschaften zusammen und mussten sich vielen
Reinheitsvorschriften unterziehen. Voll Eifer in einem Leben des
Gebetes, der Enthaltsamkeit und der Arbeit erwarteten sie die nahe
Ankunft des Messias. War Jesus also einer der ersten jüdischen
Mönche (Yogis)?
Quellen:
yoga-vidya journal
Die Essener
Ende Anmerkung.
Top
Anmerkung: Jesus Sirach
Es wird zwar immer wieder gesagt, dass die Enthaltsamkeit im Judentum
und im Islam keine Bedeutung hätten. Das ist aber nicht richtig.
Erinnern wir uns an die Worte die der jüdische
Weisheitslehrer Jesus Sirach, der sich für ein Zölibat im
Judentum aussprach, sagte. Das Buch von Jesus Sirach ist ein Buch
der Weisheitsliteratur, das ungefähr 180 v.Chr. von dem in
Jerusalem lebenden Juden Jesus ben Eleazar ben Sira auf
hebräisch verfasst wurde. Obwohl das Buch nicht in den
jüdischen Kanon aufgenommen wurde, wird es im
Talmud zitiert, was die Hochschätzung des Buches durch die
Rabbiner bezeugt. Es ist Teil der Septuaginta, der altgriechischen
Übersetzung des hebräischen Alten Testaments und die
älteste durchgehende Bibelübersetzung
überhaupt, und wird von Katholiken und orthodoxen Christen,
jedoch nicht von Protestanten und den meisten freikirchlichen Christen,
als Teil der Bibel angesehen. Jesus Sirach schreibt:
Jesus Sirach 23, 16-18
: „Zwei Gruppen von Menschen häufen die Sünden, drei ziehen
den Zorn herbei: Leidenschaftliche Begierde, sie brennt wie Feuer und
erlischt nicht, bis sie sich verzehrt hat; der Mensch, der am eigenen
Leib Unzucht treibt und nicht aufhört, bis das Feuer
verglüht; der Wollüstige, dem jedes Brot süß
schmeckt, der nicht aufhört, bis er tot ist; der Mensch, der
Ehebruch treibt auf seinem Lager, der bei sich denkt: Wer sieht mich?“
An diesem Beispiel kann man
erkennen, wie die Heiligen Schriften oftmals durch den Zufall
entstehen. Hätte man die Weisheiten des Jesus Sirach mit in den
jüdischen Kanon aufgenommen, dann sähe der Talmud
und mit ihm die Bibel heute anders aus. Dann wäre die
Enthaltsamkeit ein selbstverständlicher Bestandteil dieser
heiligen Schriften. Es wäre also interessant, zu erfahren, warum
man diese Weisheiten nicht mit in den jüdischen Kanon aufgenommen
hat.
Ende Anmerkung
Anmerkung: Der Sufismus
Im Islam gibt es die Bewegung der
Sufis, den Sufismus, wobei betont wird, dass die Sufis eigentlich
unabhängig von einer Religionszugehörigkeit sind und diese
Bewegung schon weitaus älter ist als der geschichtliche Islam. Die
Sufis selber betonen jedoch, dass sich der Sufismus zu seiner vollen
Blüte erst ab dem Auftreten des Propheten Mohammed entwickelt hat.
Die ersten Sufis sollen aus dem Jemen kommen, wo sie in der Wüste
gelebt haben sollen. Die meisten Sufis bewegen sich aber innerhalb des
orthodoxen Islams von Sunna und Schia und sind somit entweder Sunniten
oder Schiiten. Ihr Weg folgt vier Stufen, die auf die Prägung aus
dem indischen Raum verweisen; bis heute ist jedoch offen, wie und in
welche Richtung diese Beeinflussung historisch verlief:
1. Auslöschen der sinnlichen Wahrnehmung.
2. Aufgabe des Verhaftetseins an individuelle Eigenschaften.
3. Sterben des Ego.
4. Auflösung in das göttliche Prinzip.
Das oberste Ziel der Sufis ist,
Gott so nahe zu kommen wie möglich und dabei die eigenen
Wünsche zurückzulassen, wobei der Suchende danach strebt, die
Wahrheit schon in diesem Leben zu erfahren und nicht erst auf das
Jenseits zu warten. Dies spiegelt sich klar in dem Prinzip "zu sterben
bevor man stirbt" (Wiedergeburt im jetzigen Leben) wieder. Hierzu
versuchen die Sufis, die Triebe der niederen Seele bzw. des
tyrannischen Ego so zu bekämpfen, dass sie in positive
Eigenschaften umgeformt werden. Auf diese Weise kann man einzelne
Stationen durchlaufen, deren höchste die reine Seele ist. Diese
letzte Stufe bleibt jedoch ausschließlich den Propheten und den
vollkommensten Heiligen vorbehalten.
Die Sufis suchen durch tägliche regelmäßige Meditation
Gott nahe zu kommen oder mit Gott bereits im irdischen Leben eins zu
werden. Kommen Sufis einem solchen Zustand nahe, geraten sie oft in
Trance. Ein bekanntes Beispiel für Trancezustände bei Sufis
sind die so genannten drehenden Derwische aus Konya in der heutigen
Türkei, die sich um ihre eigene Achse drehen und dadurch in Trance
geraten. Während iher Meditation (Anrufung Gottes) rezitieren die
Sufis immerwährend, wie bei der Mantrameditation, bestimmte
Stellen aus dem Koran und eine bestimmte Anzahl der göttlichen
Attribute (im Islam: 99).
Vor allem Osho übernahm in seinen auf den westlichen Menschen
zugeschnittenen Mediationen und Therapien zahlreiche Elemente aus dem
Sufismus. So ist seine für alle Sannyasins vorgeschriebene
Dynamische Mediation eine Kombination sufischer Techniken. Bei der
Dynamischen Mediation praktizieren die Sannyasins sufische Techniken
wie kathartisches Atmen, stossweise Intonierung der Silbe "Hu" ("HU"
gilt den Sufis als besonders mächtiger Name Gottes) sowie der
anschliessenden Stop-Technik, bei der die Initianten für einen
längeren Zeitraum regungslos verharren müssen. Auch beim
"Sufi-Whirling" übernehmen die Sannyasins die sufische Technik des
Kreistanzes, um ihr Bewusstsein zu klären.
Wie bereits in den vorhergehenden Kapiteln angedeutet wurde, war die
Askese eines der zentralen Mittel, von dem sich die Sufisten einen
Einblick in das Wesen Gottes erhofften, da diese Lebensweise sie
automatisch von allen weltlichen Belangen und Problemen loslöste
und sie sich somit ganzzeitlich dem Gottesgedenken widmen konnten. Das
Sichbefreien von allen weltlichen Gegenständen ging laut Schimmel
(Schimmel, Annemarie: Mystische Dimensionen des Islam. Die Geschichte
des Sufismus. Köln: Diedrichs. 1985.) soweit, daß sich die
Sufisten - bis auf die in den Regeln für die rituelle Reinheit
vorgeschriebenen religiösen Waschungen - niemals wuschen, und mit
Stolz auf ihren Schmutz und ihre vor Ungeziefer starrenden Kleider
blickten; die Verwendung von Steinen als Kopfkissen oder - als
extremeren Schritt - das Sichenthalten von jeglichem Schlaf sind
Beispiele für die totale Ablehnung von weltlichem "Luxus" seitens
der sufistischen Heiligen.
Die Blütezeit der asketischen Strömung innerhalb des Sufismus
kann man laut Schimmel im 9. Jhd. ausmachen, hier entstanden auch erste
theoretische Schriften über die richtige Praxis und den Sinn und
Zweck der Askese. So schildert eine von einem Mann namens Ibrahim
stammende Definition die in drei verschiedenen aufeinanderfolgenden
Stufen erfolgende Abkehr von der Welt und die Zuwendung zum totalen
Gottesgedenken folgendermaßen: im ersten Schritt erfolgt die
Aufgabe der Welt, im zweiten die Aufgabe des Glücksgefühls,
das aufgrund der Erfüllung des ersten Schritts im Sufisten
aufgekommen war und im dritten Schritt erreicht man einen "Zustand, in
dem der Asket die Welt für so unwichtig ansieht, daß er sich
nicht mehr um sie oder die eigene Weltabkehr kümmert". - Warum
lehnten die Sufisten überhaupt jeglichen weltlichen Luxus ab?
Diese Frage kann man in ganz ähnlicher Weise beantworten, wie die
Frage danach, warum die Sufisten weltliches Wissen ablehnten: Alle
Dinge des täglichen Lebens sind eine Last für den wahren
Gläubigen, da sie ihn von dem absoluten und immerwährenden
Gottesgedenken abhalten und damit - wie im 9. Jhd. ein Mann namens
Bishr glaubte - einen "Schleier zwischen Gläubigen und Gott
bilden"; mit weltlichem Luxus - oder schlimmer noch - eindeutig
sündigem Verhalten ist eine wahre Gotteserkenntnis unmöglich.
Vermutet man jetzt jedoch, die Sufisten hofften in einem nach dem Tode
beginnenden Leben in einer Art Paradies ungehemmt den von Gott dort zur
Verfügung gestellten Luxus - quasi als Entschädigung für
ihr irdisches Entsagen - genießen zu können, irrt man: die
Sufisten leugnen zwar die Existenz eines von Gott geschaffenen
Paradieses - ebenso wie die Existenz der Hölle - nicht, das
Gelangen zu diesem Ort ist jedoch nicht das Ziel einen wirklichen
Sufisten, da dieser Ort - weil "geschaffen" - nicht mit Gott identisch
ist und der wahre Sufi erst dann am Ziel ist, wenn er Eins geworden ist
mit seinem Herrn: "Wenn er deine Sinne mit Paradies und
Huris füllt, dann wisse, daß er dich fern von sich
hält." Dabei bedeuten die Huris Jungfrauen im Paradies, die nach
islamischem Glauben zur Belohnung der Seligen dienen. Vielfach wird
dabei eine Anzahl von 72 angenommen.. Sie stehen also für die
erotische Lust im Paradies.
Eine der Askese ganz ähnliche Funktion hat auch das Zölibat
in der sufistischen Lehre: Obwohl der Prophet ursprünglich seine
Anhänger immer dazu angehalten hatte, "Familien zu gründen,
herrschte unter den frühen Asketen eine Vorliebe für das
zölibate Leben": ebenso wie im weltlichen Wissen und im irdischen
Luxus erblickten die Sufisten im Familienleben eine Gefahr, die sie von
Gott entfremden könne, da einem verheirateten Menschen immer ein
guter Teil seiner Zeit, nämlich der, den er mit der Versorgung
seiner Familie zubringen muß, an der totalen Gottergebenheit
fehlt und er sich somit nicht absolut der Gläubigkeit hingeben
kann. Außerdem stand das Heiraten und Gründen von Familien
immer in dem Ruf, eine Art "legalisierte Sünde" zu sein; das
Familienleben war so eines der "größten Hindernisse auf dem
mystischen Pfad".
Die sehr negative Einstellung zur Familie ging bei manchen Sufis
soweit, daß sie den Tod eines nahen Verwandten als
glückliches Zeichen von Gott auffaßten und sich sogar
über den Tod der eigenen Kinder freuten. Zölibates Leben ist
ein Ausdruck der Gläubigkeit, den sowohl männliche als auch
weibliche Sufisten praktizieren konnten; anders sah es jedoch mit der
im Islam - und damit auch im Sufismus - weit verbreiteten Abscheu gegen
alles Weibliche aus, eine Tatsache, die sicher nicht in direktem
Zusammenhang mit der tiefen Religiosität zu sehen ist sondern
wahrscheinlich einen mehr sozial-ideologischen Hintergrund hatte und
noch immer hat: Beispielsweise berichten viele Überlieferungen,
wie schrecklich das Eheleben - oft bedingt durch die reine Anwesenheit
der Frau - doch sei und wie "frech, unerzogen, redselig" und damit
unnütz die Frau sei.
Noch extremere Sichtweisen finden sich in den Darstellungen, wo Heilige
es vermeiden, mit Dingen in Berührung zu kommen, die bereits von
einer Frau berührt wurden oder wo alle weltliche Verdorbenheit und
Sündhaftigkeit umfassend mit dem Begriff "Frau" identifiziert
wird. Ausnahmen von dieser Regel der Verdammung alles Weiblichen finden
sich im Islam und auch im Sufismus nur sehr wenige, zwei der
bekanntesten und verehrtesten Frauen innerhalb der islamischen Welt
sind die in sexueller Hinsicht unberührte Maryam (die Maria der
Christen) und die Heilige Rabi'a al-Adawiyya.
Ein sehr einflussreicher früher Sufi war der Asket Hasan al-Basri
(642–728 n.Chr.). Seine Vorstellung von einem spirituellen Leben waren:
wenig Schlaf, sich weder über Hitze noch über Kälte zu
beklagen, keinen festen Wohnsitz zu haben und stets zu fasten. In Basra
(im heutigen Irak) lebte und wirkte Rabia al-Adawiyya (etwa 714-801
n.Chr.), eine der bedeutendsten weiblichen Sufi-Heiligen. Es wird
angenommen, dass sie nie einen Lehrer hatte und sie wird als eine
„trunkene Gottesliebende“ bezeichnet, die als eine strenge Asketin
lebte: zum Trinken und für ihre rituellen Waschungen soll sie
einen zerbrochenen Krug, eine alte Schilfrohrmatte zum Liegen und einen
Flussstein als Kopfkissen verwendet haben. Im 9. Jahrhundert war
Dhu'n-Nun al-Misri († 859) einer der ersten Sufis, der eine Theorie
über „Fana“ (arab. für Auflösung) und „Baqa“ (arab.
für Bestehen) entwickelte, eine Lehre über die Vernichtung
bzw. Auflösung des Selbst. Außerdem formulierte er die
Theorie von Ma'rifa (intuitive Gotteserkenntnis).
Bayazid Bistami (803-875 n.Chr.), aus Bistam in dem heutigen Iran,
hielt vor allem die Liebe für das Wichtigste, um die Einheit mit
Gott zu erreichen. Darüber hinaus erlangte er den Zustand von
absolutem Einssein mit dem Schöpfer durch strenge Selbstkasteiung
und Entbehrungen. Ein wichtiger Vertreter des Sufismus ist al-Ghazali
(† 1111). Er war einer der ersten Perser (Iraner), der seine Ideen zu
einem mystischen System ordnete. Der ursprüngliche Rechtsgelehrte
erkannte eines Tages, dass er nur durch eine der Welt entsagende
Lebensweise wirklich zu Gott finden könne. Er gab deshalb seinen
Lehrstuhl an der Universität in Bagdad auf, um als wandernder
Derwisch viele Jahre in der Abgeschiedenheit zu verbringen. Der Lehre
al-Ghazalis gemäß besitzen die Menschen in ihrer Brust ein
"feinstoffliches Herz", das in der Welt der Engel beheimatet ist.
Dieses Organ ist in der grobstofflichen Welt im Asyl und weist den
Menschen den Weg ins Paradies zurück.
Dass der Sufismus innnerhalb des Islams größte
Schwierigkeiten hatte, und heute noch hat, liegt zum einen darin, dass
die lebensfrohen Tänze den orthodoxen Islamisten immer schon ein
Dorn im Auge waren. Ausserdem fand die asketische Lebensweise der
Sufisten nicht die Zustimmung der Islamisten. So ist z.B. von Mohammed
bekannt, dass er einen Harem von neun Frauen und drei Konkubinen.
(Beischläferinnen, Prostituierte) hinterließ.
Loveparade für Allah: Viele (Sufi-)Mystiker des
Spätmittelalters bis in die Anfänge dieses Jahrhunderts waren geradezu
Sozialrevolutionäre, die den leibeigenen Bauern gegen die Willkür der
Feudalherren zur Seite standen. Ihre Waffen waren Spott und Ironie, mit
denen sie die Herrschenden in ihren Gedichten karikierten. Gewalt oder
politische Aktion haben sie immer abgelehnt. Ihr Medium ist
traditionell die Musik, die vielfach an Heiligengräbern aufgeführt
wird, teilweise seit Jahrhunderten zu immer denselben Zeiten am selben
Ort.
"Doch als spirituelle Kraft ist der Sufismus tot", glaubt Nabi Baksh
Balosh. "Er ist nicht länger eine Quelle geistiger und religiöser
Erneuerung. Die Bevölkerungsexplosion, die Urbanisierung (die
Verstädterung) und die Landflucht (in die Städte), auch das
grassierende Analphabetentum haben in den letzten Jahrzehnten die
Profanierung (die Entweihung spiritueller Werte) und
Instrumentalisierung religiöser Mystik bewirkt. Gleichzeitig befindet
sich der islamische Fundamentalismus im Aufwind. Früher fühlte sich die
intellektuelle Elite vom Sufismus angezogen. Heute ist er in erster
Linie eine Ausdrucksform des Subproletariats (der sozialen
Unterschichten)."
Der richtige Dreh: Als Keimzelle für Verschwörung
und Revolte galt der Orden (der Sufis in der Türkei). Kemal Atatürk,
der Vater des modernen türkischen Staates, ließ Klöster und Tekkes
(Versammlungsorte) 1928 schließen.
Mit den schwarzen Holzgefäßen an einer silbernen Kette haben Derwische
(genau so wie die indischen Mönche) früher Almosen erbettelt.
Nun noch eine Anmerkung zum Tanz der Sufis (Derwische), dem Sema-Ritual:
Sema erfordert Disziplin. Traditionell wurde er mit Hilfe eines
Holzbretts erlernt: Aus dessen Mitte ragte ein Metallstift, den man
sich zwischen die Zehen schieben musste. Wer sich ohne Unterbrechung
1001-mal um den Stift drehen konnte, durfte am Sema-Ritual teilnehmen.
Hasan Dede hat die Regel abgeschafft. »Aber am Anfang ist Sema dennoch
ein Kampf«, sagt Carole. Manche müssen sich übergeben, so schwindelig
wird ihnen. Nur wer regelmäßig trainiert, erreicht Anmut und
Leichtigkeit in der Bewegung. »Und wenn dann noch die Seele bereit ist,
Gott in uns zu entdecken, wird der Tanz zur Ekstase.« Sheikh Hasan Dede
ist kein akademisch geschulter Korangelehrter, sondern pensionierter
Gürtelmacher. Ein Sufi solle danach streben, niedere Triebe abzulegen
und das Herz für die Liebe Gottes zu öffnen, predigt er.
Sufismus I
Sufismus II
Geschichte des Islam
Ende Anmerkung.
Top
6.
Die sechs Schätze des Brahmacharya
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Man sollte nicht denken, daß
Brahmacharya nur von religiösen Menschen beachtet werden sollte.
Brahmacharya ist unabhängig von Glauben und Religion. Es ist auch
unabhängig davon, ob jemand an die Seele, die Wiedergeburt oder an die
Veden glaubt. Im Brahmacharya sind folgende „sechs Schätze“ enthalten:
1. Sinneskontrolle
2. Verstandeskontrolle
3. Nachsicht
4. Enthaltsamkeit
5. Vertrauen
6. Konzentration
Diese sechs Schätze sind auch für den von
höchstem Wert, der nur an sein eigenes Wohl oder an das Wohlergehen
seines Landes interessiert ist. Dieses gilt sowohl für materialistisch
orientierte Menschen, als auch für Menschen, die nicht nach der
Erleuchtung streben oder an das Jenseits glauben. Diejenigen unter den
Materialisten, die es zu Ruhm und Ansehen gebracht haben, haben eine
sehr hohe Meinung von diesen „sechs Schätzen“. Besitzt jemand einen
dieser sechs Schätze nicht, dann wird er nicht in der Lage sein, etwas
Großes in seinem Leben zu erreichen.
Wie viele Wohltaten verdankt die Menschheit nicht den Menschen, die die
Kontrolle über ihre Sinne und ihren Verstand besassen? Selbst ein
Kaiser ist arm wie ein Bettler, wenn er nicht diese sechs Schätze
erworben hat. Ein wohlhabender Mann ist stets um sein Vermögen besorgt.
Aber der Besitzer dieser sechs Tugenden ist grösser als ein Monarch. Er
wird sogar von den Göttern verehrt. Er wird von Glück und Zufriedenheit
durchströmt. Aus der Fülle dieser von ihm erworbenen sechs Schätze,
kann er sie freigiebig an andere verschenken. Was könnte mehr Freude
bereiten? In Zeiten der Gefahr entfliehen die Reichen ihrem Leben. Sie
überlassen ihre Freunde und Verwandten ihrem Schicksal. Diejenigen
aber, die im Besitz dieser sechs Schätze sind, verbringen ihre Tage
ohne die geringste Spur von Furcht. Sie ermuntern sie und bieten
anderen ihre Hilfe an. Diejenigen, die das Brahmacharya verwirlicht
haben, leisten ihrem Land wertvolle Dienste und werden dafür geachtet
und geliebt. Es sind in der Tat, gesegnete Menschen.
Top
7. Antworten
auf einige
Fragen Top
Es wird mitunter der Einwand
erhoben, dass die weltabgewandten Brahmacharins oder Mönche, gegen
die Gebote des Herrn verstossen, da sie nicht heiraten und das
Leben eines Familienvaters führen. Seit Beginn der Schöpfung
sind zwei Wege zum Erreichens Gottes bekannt, nämlich
durch zurückgehaltenen Genuss und komplette Entsagung. Der Herr hat es
so gewollt. Die Veden sagen, wann immer der Wunsch nach
Entsagung kommt, sollte man auf die Welt verzichten und ein Mönch
werden, egal, ob vor oder nach der Hochzeit. „Man
sollte zur höchsten Reise antreten (d.h. man sollte
ein Mönch, ein Sannyasin, werden), sogar vom ersten
Lebensstadium, dem Stadium eines Schülers, an, aber auch vom
Stadium eines Haushälters (Verheirateten), oder vom Stadium eines
Waldeinsiedlers, aus. Man sollte von dem Tag an, die höchste Reise
antreten, an dem man vom Geist der Entsagung ergriffen wird.“ Sanaka,
Sananda, Sanatana, Sanatkumara, Shuka und andere, waren von Geburt
an Mönche.
Einige könnten sagen, daß man dann, wenn man auf die Welt, auf die
Heirat und auf das Zeugen von Kindern verzichtet, man nicht
von der natürlichen Schuld freigesprochen ist und keine Befreiung
erlangen kann. Aber im Bhagavata (11.5.41) sagt Karabhajana zu Janaka:
„Der Mann, der alle seine Aufgaben und Pflichten aufgibt und sich von
ganzem Herzen zur Anbetung Gottes bekennt, hat keine Schuld
auf sich geladen, weder gegenüber den Göttern, noch gegenüber den
Rishis (Weisen), der Familie, den Verwandten oder anderen
gegenüber.“ Im Mahabharata (167.26) sagt der Weise Narada zu
Shukadeva: „Ohne zu heiraten, sei der Herr deiner Sinne.“ Jesus sagt in
Matthäus 19,12 : „Denn einige sind von Geburt
an zur Ehe unfähig; andere sind von Menschen zur Ehe unfähig gemacht;
und wieder andere haben sich selbst zur Ehe unfähig gemacht, um des
Himmelreiches willen. Wer es fassen kann, der fasse es!“
Anmerkung:
Man mag früher der Meinung gewesen sein, man könne Befreiung nur in der
Einsamkeit erlangen, so sieht man dieses heute anders. Niemand braucht
in den Wald, ins Kloster oder in die Einsamkeit zu gehen, um Erlösung
zu erlangen. Dies ist auch möglich, wenn man den Weg der
Kontemplation und Entsagung ins normale Leben integriert. Man kann also
weiterhin in der Famile leben, einer geregelten Arbeit nachgehen, sich
um seine Kinder kümmern, aber man sollte sich auch Zeit für seine
spirituelle Praxis nehmen. Ich halte dieses für viel besser und
mutiger, weil man dadurch seine spirituellen Fortschritte viel besser
beobachten und erkennen kann. Ist der Weg in die Einsamkeit nicht
auch immer eine Flucht aus der Welt, aus der Realität, der man nicht
gewachsen ist? Es spricht aber auch nichts dagegen, sich zeitweise an
einen Ort der Ruhe, der Besinnung, zurückzuziehen, um neue Anregungen
zu sammeln und sich von den Anstrengungen des Alltags zu erholen.
Ende Anmerkung
Einige glauben, daß man dann, wenn man ein zölibatäres Leben führt, zu
vielen Krankheiten neigt. Das ist falsch. Dr. Nichols sagt: „Es ist
eine medizinische, eine physiologische Tatsache, daß das beste Blut im
Körper die Elemente der Fortpflanzung (Eizellen, Spermien) bilden, und
zwar in beiden Geschlechtern. In einem reinem und geordneten Leben, ist
dieser Prozess gedämpft. Das Blut bleibt im Kreislauf, um Gehirn- und
Nerven-Zellen, sowie Muskelgewebe zu bilden. Das Leben des Mannes, bei
dem das Blut weiterhin von seinem Körper aufgenommen wird und nicht zur
Produktion neuer Keimzellen benötigt wird, macht ihn männlich, stark,
tapfer und heldenhaft.“ (dies gilt im übertragenen Sinne ebenfalls für
die Frau) Wenn dieses Blut aber für die Samenproduktion vergeudet wird,
verweichlicht der Mann, es macht ihn schwach und unentschlossen. Es
schwächt ihn intellektuell und physisch. Er wird ein Opfer sexueller
Begierden. Er neigt zu krankhaften und depressiven Empfindungen, zu
psychosamatischen Erkrankungen, zu einem bemitleidenswertem
Nervensystem, zur Epilepsie, zu psychischen Auffälligkeiten und sogar
zum Suizid (Tod). Im Jnana-Sankalini Tantra sagt Shiva: „Den Körper zu
quälen ist keine Entbehrung. Brahmacharaya ist die beste Entbehrung.
Ein Mann, der ununterbrochen Brahmacharya praktiziert, wird zum Gott.“
Wir sehen es häufig vor unseren Augen, wie schwach, ängstlich, ja,
geradezu engherzig, engstirnig, kleinlich und boshaft die Menschen
sind, die zu Sklaven ihrer sinnlichen Lust geworden sind. Ihr Leben
sieht düster und miserabel aus. Wie stark, kräftig, mutig und selig
sieht dagegen das Leben der Tugendhaften aus, die ihre sinnlichen
Leidenschaften unter Kontrolle haben.
Sri Ramakrishna pflegte zu sagen: „Wer immer sich der Sexualität
enthalten kann, kann die Welt (das Weltliche) verschmähen.“ Der, der
die Sinnesfreuden aufgegeben hat, der seine erotischen Leidenschaften
durch seinen Verstand gestoppt hat, ist sich sicher, daß Gott nicht
weit von seinem Herzen entfernt ist. Der Schatten Gottes fällt bereits
auf ihn. Er wird den Verehrer reich beschenken, der sich für nichts
anderes mehr interessiert. Und dann empfindet er eine ekstatische
Freude, in jeder Pore seines Körpers. Die Intensität der Freude, die er
empfindet, ist so groß, dass er jedes Bewusstsein für die Aussenwelt
verliert. Er fällt in Trance und geniesst diese unbeschreibliche
Freude, als einen kontinuierlichen Strom des Bewusstseins.
Wenn dieses höchste Glück, kontinuierlich erhalten und genossen werden
soll, sollte das flüchtige Vergnügen der erotischen Sinnesbefriedigung
unbedingt vermieden werden. Es verursacht nur schreckliches Leid. Damit
ist nicht die scheinheilige Entsagung gemeint, die vielleicht ein oder
zwei Tage andauert, sondern die vollständige Entwurzelung aller
sinnlichen Begierden. Beschreitet man diesen Weg mit Erfolg, dann wird
man fühlen, dass die Freude, die man bisher empfinden durfte, nur ein
kleiner Teil des Ozeans des Glücks war, der nun durch jede Zelle des
Körpers strömt und endlose Seligkeit verbreitet. Er wird erfahren, dass
sein Fleisch und Blut sich in etwas Göttliches verwandelt hat, um die
göttliche Seligkeit in sich aufnehmen zu können. Kann es also etwas
Törichteres geben, als dieses endlose Glück für die unbedeutenden
Momente sinnlicher Freude zu verschenken?
Top
8. Wie man die Sinneslust
besiegt Top
Die einzige Weise, die Sinneslust zu besiegen, besteht
darin, alle Frauen als die eigene Mutter, als Ebenbild der göttlichen
Mutter zu betrachten. Ebenso wie man von Hingabe erfüllt ist und dazu
neigt, das Bild der göttlichen Mutter anzubeten, sobald man es
erblickt, sollte man von Hingabe erfüllt sein und den Wunsch haben,
eine Frau anzubeten, wenn man sie sieht. Niemals sollten wir unserem
Verstand erlauben, das Bild einer Frau zu verinnerlichen. Eine Frau als
sinnliches Wesen zu betrachten, öffnet das Tor zur Hölle. Betrachtet
man sie dagegen als göttliche Mutter, so ist dieses unsere Rettung, die
uns vor dem Verfall in sinnliche Begierden bewahrt. Wir sollten also
unseren Blickwinkel verändern. Wenn wir das machen, sind wir von
sinnlicher Versuchung befreit.
Anmerkung
Es ist natürlich nicht der einzige Weg, die Sinneslust zu besiegen,
wenn man alle Frauen als Mütter betrachtet. Diese Einstellung spiegelt
allerdings die Haltung der Inder wieder. In den meisten Ländern der
Welt, wird die Frau als individuelles Wesen, als Frau soundso,
betrachtet. In Indien dagegen betrachtet man alle Frauen, ausser die
eigene, als Mutter. Die Betrachtung der Frau als ein Ebenbild der
Mutter Gottes zeugt von der Zwiegespaltenheit der indischen
(hinduistischen) Gesellschaft. Einerseits hat man ihr über Jahrtausende
jegliche Gleichberechtigung abgesprochen und sie als untergeordnetes
Anhängsel des Mannes betrachtet, was die grausamsten Folgen für die
Frauen mit sich brachte, und andererseits wird sie auf einen göttlichen
Sockel gehoben, was den Frauen aber nicht wirklich half.
Ende Anmerkung
Wir sind immer und wieder geboren worden. Aber was haben wir getan, um
unser innerstes Selbst zu
entwickeln, um göttlich zu werden? Wir sind immer und immer wieder den
Sinnesfreuden nachgelaufen und erlitten unsägliche Qualen. Aber es ist
nie zu spät, dies zu erkennen und dieses Verhalten zu verändern. Die
aufrichtige Resignation eines einzigen Augenblicks, über das eigene
Verhalten, kann genügen, um Befreiung von der sexuellen Besessenheit,
durch die Kraft Gottes zu erbitten. Aber dieser Wunsch sollte
aufrichtig sein. Allein dieser eine Wunsch, wird die ganze
Lebenseinstellung verändern. Man unterscheidet die Menschen nicht mehr
in Mann und Frau, sondern betrachtet alle als göttliche Wesen. Dann
wird jegliche Anhaftung an die Sexualität und an alle weltlichen
Genüsse verschwinden. Stattdessen stellt sich eine Freude ein, die in
ihrer Glückseligkeit allen weltlichen Freuden unendlich überlegen ist.
Schlusswort
Die Welt, so wie sie ist, ist voller Elend. Aber es liegt innerhalb der
Kraft eines jeden Menschen, sie in Seligkeit umzuwandeln. Jeder Mann
besitzt etwas Göttliches. Jede Frau gleicht der heiligen Mutter.
Änderst du deine Einstellung zum Leben, dann wirst du das Königreich
des Himmels, bereits auf Erden finden. Brahmacharya ist der Schlüssel
dazu.