Die Praxis des Brahmacharya
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Inhaltsverzeichnis  -  Version: 07. Dezember 2008

3. Die Intensität der Begierden
4. Sex ist eine Einbildungskraft
5. Der verhängnisvolle Nachteil des sexuellen Genusses
6. Der Wert des Samens
Abschnitt II - Die Glorie des Brahmacharya
7. Die Bedeutung des Brahmacharya
8. Die Glorie des Brahmacharya
9. Die Bedeutung von Brahmacharya im spirituellen Leben
10. Brahmacharya für Familienväter
11. Frauen und Brahmacharya
12. Brahmacharya und die pädagogische Arbeit
13. Einige ideale Brahmachrins
Abschnitt III: Die Technik der sexuellen Sublimation
14 Unterdrückung und Sublimation
15. Heiraten oder nicht heiraten?
16. Der Umgang mit dem anderen Geschlecht
17. Stoppe das lüsterne Schauen
18. Ernährung und Sexualität
19. Feuchte Träume und Samenverlust
20. Voraussetzungen für ein erfolgreiches Brahmacharya
21. Hatha Yoga ist die Lösung
22. Einige veranschaulichende Geschichten
Abschnitt IV. Ein Symposium
23. Kommentare von Swami Chidananda
24. Die überragende Bedeutung des Brahmacharya (Swami Chidananda)
25. Brahmacharya - Ausdruck des Bewusstseins (Swami Krishnananda)
26. Geburtenkontrolle (Swami Sivananda)
27. Wird sexuelle Energie in Ojas Shakti umgewandelt?
28. Nachträge

Anmerkung des Verlegers Inhaltsverzeichnis

Instinkte und der Hunger nach sinnlicher Lust sind Teil dieser Welt. Sinnliche Impulse und biologische Antriebe sind sowohl beim Tier als auch beim Menschen vorhanden. Die Sexualität ist eine der wesentlichsten Aspekte im menschlichen, tierischen und pflanzlichen Leben. Während die Sexualität bei den Pflanzen und Tieren weitgehend durch die Natur geregelt wird (Brunftzeit, Pollenpflug), bleibt es dem Menschen selber überlassen, sie zu regeln. Die umfangreichen und alten Heiligen Schriften der Welt bieten der menschlicher Gesellschaft spezifische Richtlinien und Regelungen in dieser Hinsicht an. In Indien folgten unsere Vorfahren den vedischen Schriften, die ausführlich beschreiben, wie man sich eine gute Gesundheit, ein langes Leben und geistiges Wohlergehen erhalten kann. Aber leider werden in der heutigen Welt und besonders unter den gebildeten Leuten, in allen Schichten der Gesellschaft und in allen Altersklassen, die Normen der Führung der Heiligen Schriften abgelehnt, so dass die Zahl der körperlich und geistig Erkrankten täglich zunimmt. Ein Grund für diese traurige Sachlage, ist die Unwissenheit des modernen Menschen bezüglich der Schätze seiner Heiligen Schriften.

Swami Sivananda kam in den frühen dreißiger Jahren aus Indien, um diese Unwissenheit der Leute zu beenden, indem er die alten Weisheiten der Menschen des Altertums durch seine Schriften verbreitete. Es ist weithin bekannt, dass Sweami Sivananda, dessen Liebe für die Menschheit keine Grenzen kannte, eine Anzahl von Büchern hinsichtlich der Gesundheit, der Hygiene und der Medizin schrieb. Eines seiner Bücher war das vorliegende Buch „Die Praxis des Brahmacharya“, das sich größtenteils mit dem Thema von Ehelosigkeit (Zölibat) beschäftigt und dort, wo Ehelosigkeit nicht möglich war, sich für ein reguliertes Sexualleben einsetz. Dieses Buch ist seit der Veröffentlichung sehr populär. Die Gedanken über die Sexualität und die sexuelle Sublimation (Umwandlung) sind in diesem Buch ausführlich von Swami Sivananda beschrieben. Im vorliegenden Buch sind alle Gedanken und Empfehlungen Swamijis bezüglich der Sexualität und der Ehelosigkeit beschrieben und redigiert worden. Damit soll der Öffentlichkeit und besonders der jüngeren Generation, ein Leitfaden zum wichtigen Thema der sexuellen Sublimation in die Hand gegeben werden. Dieses sollte als ein Akt der Nächstenliebe für die moderne Jugend verstanden werden, die häufig tastend in der Dunkelheit von einer verantwortungslosen Gesellschaft allein gelassen wird. Heutzutage hören wir häufig von jugendlicher Gesetzesverletzung. Aber diese jugendliche Gesetzesverletzung ist das Resultat der Verantwortungslosigkeit der Erwachsenen. Die Jugend der Welt sehnt sich nach Anleitung, die häufig aber nicht von den Eltern, von den Lehrern oder von der Gesellschaft vermittelt wird. Wir hoffen, dass dieses Buch von Swami Sivananda die oben erwähnte Wissenslücke schließen und der Jugend der Welt das Wissen und die Anleitung bieten kann, die sie so reich in diesem lebenswichtigen Bereich verdient, der ihr körperliches, geistiges und ethisches Wohl beeinflusst. Wir beten, dass der Segen des heiligen Meisters sich auf alle ergießen kann, die es wagen wollen, die folgenden Seiten durchzulesen und ein neues Kapitel in ihrem Leben zu erschließen. Mögen alle gesund, glücklich und spirituell gesegnet sein.

8th September, 1988. - The Divine Life Society


Gebet für Reinheit Inhaltsverzeichnis

O liebevoller Lord des Mitleids! He Prabhu! (Gott) Die Seele meiner Seele, das Leben meines Lebens, Verstand meines Verstandes, das Ohr meiner Ohren, Licht der Lichter, Sonne der Sonnen! Schenk mir Licht und Reinheit. Lass mich in körperliches und geistiges Brahmacharya fest etabliert sein. Lass mich in Gedanken, Worten und in der Tat rein sein. Gib mir die Kraft, meine sinnlichen Wünsche zu beherrschen und Brahmacharya zu beachten. Schütze mich vor allen Versuchen dieser Welt. Lass alle meine Sinne auf dich gerichtet sein. Lösche alle meine sexuellen Gewohnheiten und Begierden, auch die geheimen subtilen Wünsche. Lösche das Begehren aus meinem Verstand. Mach mich zu einem aufrechten Brahmachari. Lehre mich, tugendhaft und rechtschaffend zu sein. Lehre mich die Reinheit, die du anderen Swamis vor mir gelehrt hast. Verzeihe mir alle meine Vergehen. Ich bin dein. Schütze mich, führe mich, erleuchte mich. Om.


Geweiht der Jugend der Welt


Abschnitt I: Das Phänomen der Sexualität Inhaltsverzeichnis

1. Die heutige Entartung Inhaltsverzeichnis

Es gibt eine große Verwirrung unter den Männern. Die Verwirrung liegt darin, dass sie die Frauen nicht verstehen. Es gibt eine ebenso große Verwirrung unter den Frauen. Sie liegt darin, dass sie die Männer nicht verstehen. Gleichgültig wo du auch hingehst, ob nach Amsterdam, London oder New York. überall auf der Welt wirst du die gleichen Erfahrungen machen. Du wirst nur zwei Dinge finden, Sex und Ego. Der sexuelle Instinkt ist der größte Antrieb im menschlichen Leben. Sexuelle Energie oder Sinneslust, ist der am tiefsten im Menschen verwurzelte Instinkt. Die sexuelle Energie fesselt vollständig den menschlichen Verstand, die Sinne, den ganzen Körper. Es ist der älteste Faktor, der in das menschliche Dasein eingegangen ist. Ein Mann hat viele Wünsche. Aber der stärkste Wunsch, ist der Wunsch nach sexuellen Kontakten. Der grundlegendste Wunsch, ist der Wunsch nach einer Partnerin. Alles hängt von diesem zentralen Wunsch ab. Der Wunsch nach Geld, der Wunsch nach Nachkommen, der Wunsch nach Eigentum, der Wunsch nach einem Haus, der Wunsch nach Viehhaltung und andere Wünsche kommen später.

Damit die Schöpfung weiterhin aufrecht erhalten werden kann, hat Gott den sexuellen Wunsch sehr stark ausgeprägt. Andernfalls würde es den Verwirklichten, die die Verhaftung an die Sexualität überwunden haben, nicht so leicht fallen, einen Universitätsabschluss zu erlangen. Es ist nicht schwer, einen Universitätsabschluss zu erlangen. Es verlangt ein wenig Geld, Gedächtnis, Intelligenz und ein wenig Fleiß. Aber es ist ein schwieriges Unternehmen, den sexuellen Impuls zum Stillstand zu bringen. Derjenige, der vollständig die Sinneslust abgelegt hat und geistiges Brahmacharya verwirklicht hat, ist Brahman oder Gott selbst. Diese Welt ist nichts als Sex und Ego. Ego ist die Hauptsache. Ego ist die Basis. Sex und Ego hängen zusammen. Ist das Ego durch die Beantwortung der Frage "Wer bin ich?" zerstört, nehmen die sexuellen Ideen reiß aus. Der Mensch, der Meister seines Schicksals, hat seinen göttlichen Ruhm verloren und ist durch Unwissenheit zum Sklaven, zum Werkzeug, in den Händen der Sexualität und des Egoismus geworden. Sex und Ego sind das Produkt der Unwissenheit. Der Beginn des Wissens des Selbst vernichtet diese zwei Feinde von Atman (der Seele), die zwei Räuber Sex und Ego, die uns das illusorische „Ich“ vortäuschen.

Der Mensch hat sich in hohem Grade selbst degradiert, indem er zur Marionette seiner Neigungen wurde. Leider! Er ist zu einer nachahmenden Maschine geworden. Er hat seine Kraft zur Unterscheidung verloren. Er ist in eine erniedrigende Form der Sklaverei gesunken. Was für ein trauriger Zustand. In der Tat, eine beklagenswerte Lage. Wenn er sich wünscht, seinen verlorenen göttlichen Zustand wieder zurück zu gewinnen, muss sein vollständiges Sein, müssen seine sexuellen Wünsche, vollständig durch göttliche Gedanken und regelmäßige Meditation umgewandelt werden. Die vollständige Umwandlung der sexuellen Wünsche ist eine sehr starke, wirkungsvolle und zufriedenstellende Weise, ewiges Glück zu verwirklichen.


1.1 Die Welt ist so sexy Inhaltsverzeichnis

Leidenschaften regieren die Welt. Der Verstand der Leute ist mit sexuellen Gedanken gefüllt. Die Welt ist so sexy. Die ganze Welt befindet sich in einem enormen sexuellen Rauschzustand. Alle werden permanent getäuscht und bewegen sich mit einem kollektiv pervertiertem Intellekt durch die Welt. Es gibt keine Gedanken an Gott. Es gibt kein Reden über Gott. Statt dessen wird über Mode, Restaurants, Hotels, Abendessen, Tanzen, Autorennen und Kino geredet. Es wird über Essen, Trinken und Sex gesprochen. Das ist schon fast alles, worüber die Menschen reden. Die Leidenschaft nach äußerer Schönheit hat nicht nur in London, Paris und in Lahore Einzug gehalten. Sie ist selbst in Madras unter den jungen Brahmanenfrauen der orthodoxen Familien zu finden, die ihre Gesichter mit Kirschblütenpuder und Hazeline-Schnee (Hautcreme) schminken, anstelle mit heiligem Gelbwurzpuder und die ihr Haar wie die französischen Mädchen tragen. Diese Art der Nachahmung ist in den Verstand unserer Jungen und Mädchen in Indien gekrochen. Die heiligen Empfindungen und Lehren der alten Weisen wurden total ignoriert. Was für ein bedauernswerter Zustand!

Sie nehmen alles an, wenn nur ein Johnson oder Russel etwas über die Theorie der Evolution, der Bewegung des Atoms, der Relativität oder die Transzendentalphilosophie vortragen. Beschämend in der Tat! Ihre Gehirne werden alle mit ausländischen Partikeln verstopft. Sie unterscheiden nicht zwischen gut und schlecht. Sie saugen einfach alles auf. Dadurch gibt es heutzutage eine Verkümmerung unter den jungen Leuten in Indien. Dieses ist das Zeitalter, in dem man zu bequem ist, einen kurzen Weg, ohne eine Rickschah, ein Auto, eine Straßenbahn, ein Fahrrad oder eine Kutsche, zu Fuß zu gehen. Was für ein schreckliches künstliches Leben! Junge Männer ahmen heutzutage wahllos den Westen nach. Dieses endet mitunter in ihrem Ruin. Sie werden durch die Sinneslust beeinflusst. Sie verlieren den rechten Sinn für Rechtschaffenheit. Sie unterscheiden nicht mehr zwischen richtig und falsch. Sie verlieren jedes Schamgefühl.

Seht, wie die Kriminalität zugenommen hat. Raub, Entführung, Kidnapping, Körperverletzungen, Morde. Das sind die Verbrechen, die immer öfter von den Gerichten verurteilt werden. Die Sinneslust ist die Wurzel dieses Übels. Es kann Sinneslust für Geld oder Sinneslust für sexuelles Vergnügen sein. Sinneslust ruiniert das Leben, den Glanz, die Stärke, die Vitalität, das Gedächtnis, den Reichtum, den Ruhm, die Heiligkeit, den Frieden, die Klugheit und die Hingabe. Mit einem übermütigen Intellekt sollte man vielleicht einige Lektionen von den Tieren lernen. Tiere haben oftmals mehr Selbstkontrolle als der Mensch. Es ist nur der sogenannte Mensch, der sich durch seine sinnliche Schwäche verschlechtert hat. In der Hitze der sexuellen Aufregung, wiederholt er die gleiche unwürdige Tat immer und immer wieder. Er hat kein bisschen Selbstkontrolle. Er ist ein Sklave seiner Leidenschaft. Er ist wie eine Puppe in der Hand der Leidenschaft. Wie ein Kaninchen pflanzt er sich fort und zeugt dabei unzählige Kinder, so dass die Zahl der Bettler auf der Erde immer weiter zunimmt.

Löwen, Elefanten, Stiere und andere Tiere haben oftmals eine bessere Selbstkontrolle als Menschen. Löwen kopulieren nur einmal im Jahr. Die weiblichen Tiere würden es niemals zulassen, dass die männlichen Tiere sich ihnen nähern, bis die jungen Tiere abgestillt und gesund und stark sind. (Anmerkung Übersetzer: Das gilt allerdings nur für weibliche Löwen, die soeben Kinder bekommen haben. Bei ledigen Weibchen und bei männlichen Löwen dagegen sieht es etwas anders aus. Ich gehe in Kapitel 27.1 näher darauf ein. Ende Anmerkung). Nur der Mensch verletzt diese Naturgesetze und leidet infolgedessen unter unzähligen Krankheiten. Er ist zu einem Niveau degeneriert, das in dieser Hinsicht weit niedriger als das der Tiere ist. Wie ein König kein König ist, ohne ein Finanzministerium, ohne Untertanen und ohne eine Armee, eine Blume keine Blume ist, ohne Duft, ein Fluss kein Fluss ist, ohne Wasser, so ist auch ein Mann kein Mann, ohne Brahmacharya. Nahrung, Schlaf, Furcht und Geschlechtsverkehr sind für Tiere und Menschen üblich. Das, was den Menschen von einem Tier unterscheidet, ist die Lehre Buddhas, die Unterscheidungskraft und die Kraft zur Selbsterforschung. Das Wissen und die Unterscheidungskraft können nur durch die Bewahrung von Veerya, den männlichen Samen, gesichert werden. Wenn ein Mann sich diese Qualifikation nicht erhalten hat, kann man ihn eigentlich nur als ein Tier betrachten.

Wenn die Sinneslust, die die Quelle aller Genüsse in dieser Welt ist, aufhört, dann hört alle weltliche Knechtschaft, die ihre Basis im Verstand hat, auf. Sogar das bösartigste Gift ist kein Gift, wenn es mit der Sinneslust verglichen wird. Der erste schändet nur seinen Körper, während der letzte viele Körper in den aufeinanderfolgenden Geburten verdirbt. Du wirst zum Sklaven deiner Leidenschaften, deiner Wünsche, Gefühle und von erotischen Reizen. Wann wirst du dich aus diesem miserablen Zustand erheben? Jene Personen, die trotz besseren Wissens, das Nichtvorhandsein von Glück in der unheilvollen Sinneslust nicht erkennen, haben sich bereits gedanklich tief in die Sinneslust verstrickt. Sie verdienen die Bezeichnung eines Esels. Wenn du keine Unterscheidungskraft besitzt, wenn du nicht versuchst, das Beste aus deinem Leben zu machen, wenn du dein Leben nur mit Essen, Trinken und Schlafen verbringst, dann lebst du nicht spirituell und solltest vielleicht einige Lektionen von jenen Tieren lernen, die weit mehr Selbstbeherrschung besitzen.

Die sexuelle Entartung, die die Menschheit überkommen hat, liegt in der Vorstellung der Leute, dass es so etwas wie einen natürlichen "sexuellen Instinkt" im Menschen gibt. Den gibt es aber nicht. Der natürliche Instinkt ist die Zeugungsfähigkeit. Wenn Männer und Frauen die sexuelle Hingabe nur auf den Nachwuchs beschränken, dann ist dieses bereits die Befolgung des Brahmacharya. Wird dieses als nicht möglich angesehen, wird denen, die nach den höheren Werten des Lebens streben, empfohlen, sich vollkommene Enthaltsamkeit aufzuerlegen. Wenn ein Suchender dieses brennende Verlangen in sich spürt, ist Brahmacharya die notwendige Vorraussetzung, da er es sich nicht leisten kann, seine lebenswichtige vitale Energie für die kurzfristige sinnliche Lust zu vergeuden. Die Belohnung aller weltlichen Wünsche ist sinnlich. Das Fleisch sollte aber nur der unterwürfige Sklave des Geistes sein, der sich an göttlichen Zielen orientiert. Der Mensch wurde für die spirituelle Kommunion mit Gott geboren. Er aber unterlag den Verführungen böser Dämonen, die seine Sinnesfreude nutzten, um ihn von seinen göttlichen Betrachtungen fortzulocken um ihn an ein irdisches Leben zu binden. Moralische Tugend besteht darin, alle sinnlichen Vergnügen aufgeben, wenn man die Reinheit des Geistes und die Reinheit Gottes anstrebt. Wollüstigkeit ist aber mit Klugheit und Heiligkeit nicht vereinbar. Die Kunst des Lebens ist es, Unreinheiten zu vermeiden.


1.2 Spirituelle Praxis ist die Antwort auf sexuelle Anziehungskraft Inhaltsverzeichnis

Wirkliche Kultur besteht in der Verwirklichung von physischem und geistigem Brahmacharya. Reale Kultur ist die Realisierung der Identität der individuellen Seele und die Verbindung mit Gott durch direkte Erfahrung. Für einen leidenschaftlichen, sinnlichen Menschen aber, haben die Begriffe Selbstverwirklichung, Gott, Selbst, Leidenschaftslosigkeit, Entsagung, Tod und Gräberfeld etwas abscheuliches, erschreckendes, weil er sich zu Objekten hingezogen fühlt. Das Singen, Tanzen und das Sprechen über Frauen empfindet er dagegen als angenehm. Die Anziehung für Objekte wird allmählich verschwinden, wenn man ernsthaft beginnt, über die unwirkliche Natur der Welt nachzudenken. Die Menschen verbrennen sich am Feuer der Sinneslust. Alle Maßnahmen, die erforderlich sind, diese entsetzliche Krankheit auszurotten, sollten eingeleitet und durchgeführt werden. Alle Menschen sollten mit den unterschiedlichsten Methoden ausgebildet werden, die ihnen helfen, die Sinneslust an den Wurzeln auszumerzen. Versagt die eine Methode, so hilft vielleicht eine andere. Sinneslust ist ein brutaler Instinkt in unverbesserlichen Menschen. Man sollte beschämt sein, die sinnlichen Taten immer wieder zu wiederholen, wenn man beachtet, dass das Ziel des Lebens Selbstverwirklichung, durch die Erreichung der Reinheit und die Praxis der konstanten Meditation, ist. Ein Gegner könnte beanstanden, dass diese Themen nicht öffentlich behandelt werden sollten. Das halte ich nicht für richtig. Was ist der Sinn, diese Themen zu verschweigen? Diese Themen zu verstecken, ist eine Sünde.

In der heutigen Zeit, der Zeit der modernen Kultur und Zivilisation, in dieser ära des wissenschaftlichen Fortschritts, finden solche Überlegungen möglicherweise nicht bei allen Menschen Anklang. Sie könnten beanstanden, dass einige dieser Begriffe anstößig, abscheuerregend, verletzend und unanständig sind und gegen den guten Geschmack verstoßen. Diese Vorstellung beruht aber auf einem Missverständnis. Gerade diese Offenheit hinterlässt bei vielen Wissenshungrigen einen tiefen Eindruck, die sich sehnlichst nach Befreiung sehnen. Ihre Ansichten ändern sich zum Teil vollkommen. Es gibt nämlich keine reale spirituelle Kultur unter den Leuten der modernen Gesellschaft. Die Etikette ist eine bloße Show. Überall kannst du diesen äußeren Schein erkennen, diese Scheinheiligkeit, diese vorgetäuschte Höflichkeit. Überall gibt es diese bedeutungslosen Formalitäten und Versammlungen zu sehen. Nichts kommt wirklich aus dem Herzen. Den Menschen mangelt es an Aufrichtigkeit. Die äußerungen der Upanishaden und die wertvollen Lehren der Heiligen Schriften hinterlassen keinen Eindruck im Verstand der leidenschaftlichen und weltlich orientierten Menschen. Sie sind wie die Samen, die in felsigen Boden geworfen werden, wie die Perlen, die man vor die Säue wirft.

Wenn jemand wirklich erkennt, welcher Schaden durch ein unreines Leben entsteht und sich entschließt, sein Leben an spirituellen Grundsätzen auszurichten, um das Ziel eines reinen Lebens zu erreichen, so sollte er seinen Geist mit göttlichen Gedanken beschäftigen, sich in die Meditation vertiefen, die Heiligen Schriften studieren und sich um die Nächstenliebe bemühen. Mangel an spiritueller Praxis ist der Hauptgrund für die sexuelle Anziehungskraft. Theoretische Enthaltsamkeit von der Sinneslust wird keine Erfolge bringen. Du musst gnadenlos alle sozialen Verbindungen abschneiden und ein spirituelles Leben führen, wenn du dich von der sinnlichen Verhaftung befreien möchtest. Nachgiebigkeit gegenüber sinnlichen Tendenzen wird dir Leid bescheren. Entschuldigungen sind in dieser Hinsicht nicht angebracht. Vielmehr wird Einsicht dir weiterhelfen. Du musst bei deiner Suche nach einem spirituellen Leben unbedingt aufrichtig sein. Halbherzigkeit belässt dich in dem alten Zustand deines Elends.

Wacht auf, Freunde, aus diesem illusorischen Sumpf des Rades von Tod und Wiedergeburt. Die Leidenschaft hat ebenso große Verwüstungen hinterlassen, wie die Unwissenheit, von der wir manchmal fast ertränkt wurden. Wie viele Millionen Väter, Mütter, Frauen und Söhne hast du in den vorhergehenden Geburten gehabt? Dein Körper ist voller Unreinheiten. Was für eine Schande ist es, diesen unreinen Körper zu umarmen. Es ist eine bloße Dummheit. Gib die Illusion von deinem Körper auf. Löse dich von der Identifikation mit deinem Körper und meditiere über den Ruhm des Atman, des alldurchdringenden Geistes. Beende die Anbetung des Körpers.


1.3 Brahmacharya - die Notwendigkeit der Stunde Inhaltsverzeichnis

Meine lieben Brüder! Erinnert euch daran, dass ihr nicht dieser vergängliche Körper aus Fleisch und Knochen seid. Ihr seid das unsterbliche, alles durchdringende Sat-Chit-Ananda (Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit), der Atman (die Seele). Du bist der Atman. Du bist die verkörperte Wahrheit. Du bist der Brahman (Gott). Du bist das absolute Bewusstsein. Du kannst diesen höchsten Zustand aber nur durch ein Leben als echter Brahmachari erreichen. Der Geist des Brahmacharya muss dein ganzes Leben durchdringen. Es wird zwar über Brahmacharya gesprochen, aber praktizieren tut es kaum einer. Ein Leben der Mäßigung ist wirklich umgeben von Schwierigkeiten. Aber der Weg ebnet sich, für einen Mann mit eiserner Entschlusskraft, Geduld und Ausdauer. Wir wünschen uns als Brahmacharis Männer und Frauen, die durch ihre starke Konstitution, ihr ideales Leben, ihren edlen Charakter und ihre spirituelle Stärke andere Menschen beeindrucken können. Es gibt genügend Leute, die darüber reden, es aber nicht verwirklicht haben. Mir sind die praktizierenden Brahmacharins lieber. Sie kommen allmählich voran und sind später in der Lage, die jungen Mönche durch ihr mustergültiges Vorbild und ihre spirituelle Aura zu führen. Lasst mich noch an etwas erinnern. Das Vorbild ist besser als ein Gebot.

Das durchschnittliche Lebensalter in Indien ist auf etwa vierzig Jahre gesunken. Normal aber wäre ein Leben von hundert Jahren. Jeder Liebhaber dieses Landes sollte über diese verhängnisvolle Sachlage sehr sorgfältig nachdenken. Das zukünftige Wohl dieses Landes liegt vollkommen in den Händen der Jugend. Darum ist es die Aufgabe der Sannyasins (der Entsagenden), der Heiligen, der Lehrer, der Professoren und der Eltern, die Jugend zum Brahmacharya zu ermuntern. Ich bete, dass die pädagogischen Behörden und die Autoritäten des Landes ihre besondere Aufmerksamkeit, zum Wohle der zukünftigen Generationen, auf dieses lebenswichtige Thema, auf das Brahmacharya, richten. Das zukünftige Wohl Indiens beruht vollkommen auf Brahmacharya. Es ist die Aufgabe von Sannyasins und Yogis, Studenten in Brahmacharya auszubilden, Unterricht in Asana (Yogaübungen) und Pranayama (Atemübungen) zu geben und das Wissen von Atman (Seele) zu verbreiten. Sie können viel tun, um die Situation zu verbessern, da sie ganztätig tätig sind. Sie sollten zur Verbesserung der Welt aus ihren Höhlen und Hütten herauskommen.

Wenn Indien in der Welt wieder einen bedeutenden Platz erringen möchte, dann sollten Indiens Kinder, und zwar die Jungen und die Mädchen, das wichtige Thema Brahmacharya in allen seinen Aspekten studieren, damit sie seine enorme Bedeutung vollkommen verstehen und das Gelübde streng befolgen. Als Schlussfolgerung bete ich inbrünstig, mit den gefalteten Händen, dass alle sich aufrichtig bemühen, ihre Leidenschaften, die Feinde des Friedens und Wohlstands, durch spirituelle Praxis zu kontrollieren. Ein aufrechter Brahmachari ist der reale mächtige Kaiser dieser Welt. Meine schweigende Verehrung für alle Brahmacharins! Mögest du wie der Mahameru (Götterberg), ohne irgendeinen unreinen, lüsternen Gedanken, fest im Brahmacharya verankert sein! Möge Gott die Brahmacharins mit Stärke und Energie für das Aufrechterhalten von Brahmacharya segnen! Mögest du, mit einem reinen, makellosen Verstand, die Herrlichkeit Atmans unmittelbar erkennen! Mögest du, ohne weltliche Wünsche, in der Mitte von Freude und Frieden ruhen! Möge der göttliche Glanz aus deinem Gesicht erstrahlen! Möge die göttliche Flamme in euch allen heller erstrahlen! Möge sich die göttliche Flamme und der Frieden für immer in dir ausbreiten! Om Santi! Santi! Santi!


2. Die Funktion des Geschlechtstriebs Inhaltsverzeichnis

Der Mensch möchte u.a. Kinder haben, um seinen Stammbaum aufrecht zu erhalten. Dies ist der Fortpflanzungstrieb. Der Wunsch, sich zu paaren, beruht auf diesem sexuellen Instinkt. Die Stärke nach sexuellem Wunsch, hängt vom sexuellen Antrieb ab. Entsprechend der Gita, der hinduistischen "Bibel", entspricht dieser Trieb einem Verlangen, einer Kraft. Lord Krishna sagte: „Derjenige, der von dem Wunsch getragen wird, sich von seinen körperlichen Wünschen und Leidenschaften zu befreien, der wird harmonisiert, er wird ein glücklicher Mann“. Der sexuelle Antrieb ist eine mächtige Kraft. Er beeinflusst ebenfalls den Verstand. Es ist eine Kraft, die mit dem Verstand kommuniziert. Wie der Treibstoff oder Dampf die Maschine antreibt, so treiben die Instinkte und Antriebe unseren Körper an. Instinkte sind die Primärkräfte des menschlichen Antriebes. Sie geben dem Körper einen Stoß und treiben ihn voran. Die Instinkte verursachen Gewohnheiten. Die instinktiven Impulse liefern die notwendige Energie, durch die alle Geistestätigkeiten aufrecht erhalten werden. Dieser Impuls ist eine mentale Kraft. Er wirkt durch den Intellekt. Er formt das Leben des Menschen. Das Geheimnis des Lebens liegt in ihm.

Die Anziehung zwischen Mann und Frau beruht auf Leidenschaft. Diese unbekannte Anziehung und das empfundene Glück des Mannes in weiblicher Gesellschaft, ist der Samen des sexuellen Antriebes. Diese Anziehung, ist zu Beginn wie eine Seifenblase. Später nimmt sie die Form einer beeindruckenden, unkontrollierbaren, leidenschaftlichen Welle, mit der starken Neigung eines ungezügelten sexuellen Appetits an. Vorsicht! Schütze dich mit einer spirituellen Welle der Hingabe durch Japa (Mantrameditation), Satsanga (das Zusammensein mit Weisen), Meditation und Selbsterforschung (Wer bin ich?) vor der leidenschaftlichen Welle und vernichte das sinnliche Begehren in seinen Wurzeln. Du musst die psychologische Funktion des sexuellen Impulses verstehen. Wenn sich ein Jucken am Körper einstellt, ist Kratzen ein Vergnügen. Der Seximpuls ist aber nur ein "Jucken". Die Befriedigung dieses Antriebs erzeugt ein trügerisches Vergnügen, aber es hat einen verhängnisvollen Effekt auf das geistige und körperliche Wohlbefinden der Person.


2.1 Der blumige Bogen des Amors Inhaltsverzeichnis

Sinneslust ist sehr mächtig. Sie trägt einen blumigen Bogen, der mit fünf Pfeilen ausgerüstet ist: Faszination, Betäubung, Berauschtheit, Verzehrung und Verbrennung. Der erste Pfeil verursacht in einem jungen Mann Faszination, wenn er eine hübsche Frau sieht. Der zweite Pfeil erweckt seine Aufmerksamkeit. Nach dem dritten Pfeil ist er berauscht von sinnlichem Verlangen. Der vierte Pfeil verursacht intensive Anziehung in Richtung des sinnlichen Objektes. Er verzehrt sich regelrecht danach. Der fünfte Pfeil entflammt und verbrennt das Herz. Er durchbohrt das Herz tief. Niemand auf dieser Erde hat die Kraft, dem Einfluss dieser Pfeile zu widerstehen. Diese Pfeile durchbohrten sogar das Herz von Lords Shiva und vielen Rishis (Weisen) von einst (und heute). Diese Pfeile erwogen sogar Indra (indischer Sonnen- und Kriegsgott) Ahalya (Ahalya ist in der indischen Mythologie die Ehefrau des Weisen Gautamas. Sie liebte einst Indra. Da verwandelte ihr Ehemann sie zu Stein.) sexuell zu belästigen. Amor schoss sogar einen Pfeil durch die bezaubernden Augenbrauen und die durchbohrenden flüchtigen Blicke einer jungen Dame, mit einer zarten Taille, rosigen Pobacken und roten Lippen. Eine romantische Nacht im Mondlicht, Gerüche und Düfte, Blumen und Girlanden, Sandelholzpaste, Fleisch und Alkohol, Theater und Romane sind seine mächtigen Waffen, um leidenschaftliche junge Männer zu täuschen.

Verstand und Urteilsvermögen verabschieden sich augenblicklich in dem Moment, in dem sich die Herzen mit brennender Leidenschaft füllen. Sie werden vollkommen blind. Amor macht aus intellektuellen Personen, aus großen Rednern, Ministern und Forschungsgelehrten, aus Doktoren und Rechtsanwälten, Bambys oder Kuscheltiere in den Schößen junger Frauen. Der Grund ist, dass Amor vorübergehend Platz im trockenen Intellekt eines gelehrten Pandits (religiöser Gelehrter) oder eines Professors genommen hat. Sie haben kein Stehvermögen, Amor zu widerstehen. Amor kennt seine Stärke. Er regiert überall. Er dringt in die Herzen aller ein. Er kennt das Kribbeln ihrer Nerven. Mit einem Augenaufschlag vernichtet er den Grund, das Urteilsvermögen und das Verständnis, indem er einfach die Herzen der jungen Männer entflammt. Sogar in den Träumen hat Amor vollen Einfluss, selbst wenn alle Sinne leise sind. Frauen sind sein unfehlbares Mittel! Sie folgen seinem Wink und Zuruf. Amor funktioniert durch ihr Lächeln, durch ihre bezaubernden flüchtigen Blicke und ihre süßen Wörter, durch ihre wohlklingenden Lieder und ihre verführerischen Tänze. Junge Frauen können sehr schnell den Ruin der Männer herbeiführen und den Frieden zerstören, sogar bei klugen Männern. Amor kann sogar das Nervensystem von Brahmacharins ins Delirium treiben, selbst wenn sie nur an die Abbildungen junger, hübscher Frauen denken, wenn sie die leichten Töne ihrer Armreifen und Fußketten hören oder wenn sie nur an ihre hübschen Gesichter denken. Würden sie manchmal nicht alles geben, um sie zu berühren?


2.2 Eindrücke im Unterbewusstsein Inhaltsverzeichnis

Sexuelles Handeln hinterlässt, wie jedes andere Handeln, einen Eindruck im Unterbewusstsein.Dieser Eindruck regt einen Gedanken an und dieser Gedanke wiederum, verursacht wieder einen Eindruck im Unterbewusstsein. Genuss verstärkt den Eindruck im Unterbewusstsein. Durch das Gedächtnis und die Phantasie kommt eine Wiederbelebung des sexuellen Wunsches zustande. Erinnerungen an das Bild einer Frau beunruhigen der Verstand. Wenn ein Tiger einmal menschliches Blut geschmeckt hat, versucht er immer wieder, Menschen zu töten. Er wird zum Menschenfresser. Genau so ist es, wenn ein Mann einmal ein sexuelles Vergnügen mit einer Frau hatte. Dann läuft er immer wieder den Frauen hinterher. Von den Eindrücken im Unterbewusstsein und von den Wünschen im Verstand strömen Gedanken und Phantasien aus. Dadurch entstehen Anhaftungen. Zusammen mit der Phantasie, dem Gefühl und dem sinnlichen Antrieb werden sie offenkundig. Gefühl und sinnlicher Antrieb gehen dabei immer Hand in Hand. Hinzu kommen erotische Phantasien, Begierden und ein loderndes Feuer im Verstand und im Körper. Die Irritationen und das Lodern der Flammen im Gehirn, sickern allmählich in den Körper ein. Wenn du sehr aufmerksam bist, kannst du die schädlichen Phantasien schon zu Beginn erkennen und die drohende Gefahr abwenden.

Uddyyana

Uddiyana

Selbst wenn es dem sinnlichen Dieb gelingt, durch das erste Tor zu schlüpfen, beobachte sorgfältig das zweite Tor, an der er das lodernde Feuer entzünden könnte. Hier kannst du das Feuer noch löschen. Du kannst ebenso leicht den starken sexuellen Antrieb, der von den Sinnen entfacht wird, stoppen. Ziehe die sexuelle Energie durch Uddiyana (Bild links - Hochziehen des Bauches nach der Ausatmung) und Kumbhaka (Atemanhalten) wieder hinauf zum Gehirn. Leite den Verstand um. Wiederhole konzentriert das Manta OM oder irgendein anderes Mantra. Bete, meditiere. Wenn es dir immer noch schwer fällt, dann suche Kontakt zu Weisen und bleibe nicht allein. Wenn der starke Impuls überraschend auftritt und bis zu den Geschlechtsorganen vordringt, vergisst man oftmals alle guten Vorsätze. Du wirst ein Opfer des Begehrens. Später wirst du es bereuen. Was auch immer du tust, was auch immer du denkst, ist unauslöschlich in den Schichten deines Unterbewusstseins protokolliert. Diese oftmals krankhaften Eindrücke können nur durch die Gnade des Atman, durch deine Seele, wieder geheilt werden. Wenn die sexuellen Wünsche vollständig den Verstand und den Körper füllen, nimmt das Unterbewusstsein die Form von großen erotischen Wellen an, die den Menschen immer und immer wieder bedrängen.

Er ist relativ einfach, den bewussten Verstand zu steuern. Aber es ist sehr schwer, das Unterbewusstsein zu kontrollieren. Du magst ein Sannyasin (Entsagender) sein. Du magst ein sehr moralischer Mensch sein. Aber heimlich schleichen sich unsere Wünsche in unsere Träume ein. Plötzlich beginnst du im Traum zu stehlen. Du begehst Ehebruch in deinen Träumen. Der sexuelle Impuls, der Ehrgeiz und die niedrigen Wünsche sind alle tief verwurzelt im Unterbewusstsein. Lösche die Eindrücke im Unterbewusstsein durch Unterscheidung, durch Brahma Bhavana (Liebe zum Unendlichen) und durch Meditation. Ein Mann, der im geistigen Brahmacharya fest verwurzelt ist, wird nicht durch einen einzigen bösen Traum überrascht. Er wird niemals einen bösen Traum haben. Bei einem normalen Menschen gibt es immer einen Mangel an Unterscheidungskraft in den Träumen. Das ist der Grund für schlechte Träume, obwohl du im Wachzustand durch die Kraft der Unterscheidung reine Gedanken hegst. Ein Meditierender sagte zu mir: "Wenn ich meditiere, lösen sich allmählich die Schichten der Verunreinigungen des Unterbewusstseins auf. Manchmal sind sie so stark und furchteinflößend, dass ich so fassungslos bin, dass ich nicht so recht weiß, wie ich damit umgehen soll. Ich habe Brahmacharya und die Wahrheit noch nicht vollkommen verwirklicht. Die alten Gewohnheiten der Sinneslust und der Unehrlichkeit lauern noch in mir. Die Lust bereitet mir mitunter enorme Probleme. Das Denken an Frauen beunruhigt meinen Verstand. Mein Verstand ist so empfindlich, dass ich nicht in der Lage bin, auf ihn zu hören. Sobald sinnliche Gedanken aufkommen, sind alle meine guten Vorsätze verschwunden, und der Frieden des ganzen Tages wird verdorben. Ich rate meinem Verstand, blocke alle sinnlichen Gedanken ab, erschrecke sie, aber es ist ohne Erfolg. Meine Sinne obsiegen. Ich weiß nicht, wie ich diese Leidenschaft stoppen soll. Reizbarkeit, Egoismus, Zorn, Habsucht, Hass und Verhaftungen lauern noch in mir. Die Lust aber ist mein Hauptfeind und sie ist sehr stark. Ich frage dich, ob du so freundlich bist und mir erklären kannst, wie ich diesen Feind besiegen kann."

Wenn die Verunreinigungen des Unterbewusstseins mit beeindruckender Kraft zur Oberfläche des bewussten Verstandes kommen, dann versuche nicht, ihnen zu widerstehen. Wiederhole dein persönliches Mantra. Denke nicht an deine Fehler und deine schlechten Eigenschaften. Beobachte einfach nur, sei ein aufmerksamer Zuschauer. Versuche nicht, deine schlechten Eigenschaften zu bekämpfen. Denn die werden dir eine lange Nase zeigen. Entwickle positive Tugenden. Mache dir nicht allzu oft große Sorgen: "Ich habe so viele Fehler und Schwächen." Kultiviere reine Tugenden. Durch Meditation und die Entwicklung positiver Eigenschaften und durch die Pratipaksha Bhavana Methode (die Methode der Meditation über das Gegenteil) lösen sich alle negativen Eigenschaften allmählich in Wohlgefallen auf. Dies ist der richtige Weg. Du kannst alt werden, dein Haar kann grau werden, aber dein Verstand bleibt immer jung. Die Aufnahmefähigkeit kann nachlassen, aber die Begierde bleibt, selbst wenn du bereits im Greisenalter bist. Die Begierden sind der wirkliche Same der Geburt. Diese Begierden verursachen Gedanken, Wünsche, Träume und Vorstellungen. Die Begierden halten das Rad von Tod und Wiedergeburt am laufen. Ersticke sie im Keim. Nur dann wirst du in Frieden leben können. Nur dann wirst du Erleuchtung erfahren.

Brahma-Bhavana (Liebe zum Unendlichen), Brahma-Chintana (Meditation über Gott), Meditation auf OM und Hingabe reißen allmählich die Ursachen der Begierden heraus, die tief verwurzelt sind. Du musst sie richtig ausgraben, von verschiedenen Seiten aus, und sie verbrennen, damit sie nicht wieder nachwachsen können. Nur dann werden deine Bemühungen eines Tages die Früchte der Befreiung tragen. Ein Student schrieb mir: "Das unreine Fleisch und die Haut erscheinen mir sehr rein und gut. Ich bin sehr lüstern. Ich versuche, die Liebe einer Göttin in allen Frauen zu sehen. Ich knie mich vor einer imaginären Frau nieder, von der ich denke, dass sie die Göttin Kali ist. Doch mein Verstand ist extrem lüstern. Was soll ich tun? Ich wünsche immer wieder, einen Blick auf eine hübsche Frau zu haben." Offensichtlich haben Leidenschaftslosigkeit, Wunschlosigkeit und Unterscheidungskraft in seinem Geist nicht das geringste bewirkt. Die alten lasterhaften Eindrücke im Unterbewusstsein und subtile Begierden sind immer noch sehr stark. Sogar ein reiner Brahmacharin hat zu Beginn Probleme mit der Neugier. Er ist neugierig und möchte immer noch wissen, welche Art des Glücks der sexuelle Genuss gibt. Manchmal denkt er: "Lass mich noch einmal das sinnliche Gefühl mit einer Frau erleben. Dann werde ich in der Lage sein, diesen sexuellen Impuls für immer abzulegen." Der Verstand aber, möchte den Brahmachari nur täuschen. Die Illusion richtet durch Neugier nur neuen Schaden an. Die Neugier hat sich in einen starken Wunsch verwandelt. Die Sinneslust kann diesen Wunsch aber nicht befriedigen. Vielmehr ruft sie nur neue Wünsche hervor. Der Weise löscht die Welle der Neugier durch die Unterscheidungskraft und das Nachdenken über den reinen und sexlosen Atman (Seele). Er rottet den sexuellen Wunsch durch Meditation, über das Nachdenken über den Segen des Brahmacharya und die Seligkeit eines reinen Lebens, aus.


2.3 Wie man seine geistige Reinheit misst Inhaltsverzeichnis

Der Anblick eines jungen hübschen Mädchens erzeugt in einem leidenschaftlichen jungen Mann sexuelle Anziehung und Aufregung in seinem Verstand. Sie berührt sein Herz und der Gedanke an die junge Frau berauscht ihn. Sind diese Symptome nicht bei einem Mann vorhanden, so ist das ein Zeichen dafür, dass er Brahmacharya verwirklicht hat. Der Anblick von balzenden oder paarenden Vögeln und Tieren oder der Anblick des nackten Körpers einer Frau, sollte nicht die geringste Aufregung im Geiste eines Brahmacharin hervorrufen. Wenn im Verstand eines Brahmachari der Wunsch nach einem Zusammensein mit einer Frau entsteht, wenn es einen starken Wunsch gibt, mit ihr zu sprechen, mit ihr zu spielen und zu scherzen, wenn es einen Wunsch gibt, junge schöne Mädchen zu betrachten, wenn der Blick lüstern und unkeusch ist und wenn es den Wunsch gibt, eine Frau zu berühren, dann lauert die Sinneslust noch in seinem Verstand. Dann gibt es noch sexuelle Begierden. Diese sollten ausgelöscht werden. Der alte Dieb versteckt sich noch. Solch ein Brahmachari muss sehr achtsam sein.

Er befindet sich immer noch in einer Gefahrenzone. Er hat noch nicht den Status der vollkommenen Reinheit erlangt. Selbst im Traum sollte nicht das Verlangen entstehen, eine Frau berühren zu wollen oder mit einer Frau zusammen sein zu wollen. Die Reinheit eines Brahmachari kann an der Art seiner Träume gemessen werden. Wenn ein Brahmachari vollkommen frei von sexuellen Träumen ist, dann hat er die höchste Stufe der Reinheit erreicht. Selbstanalyse und Selbstbeobachtung sind unentbehrliche Erfordernisse, um den Status der Reinheit zu ermitteln. Ein befreiter Weiser wird nicht einen feuchten Traum haben. Derjenige, der Brahmacharya verwirklicht hat, wird nicht einen schlechten Traum haben. Der Traum ist das Kriterium, um den Status unserer geistigen Reinheit zu beurteilen. Hast du keine unreinen Träume, dann nimmt deine Reinheit zu. Der Wunsch nach Sex sollte vollkommen aus dem Verstand verschwinden. Sukadeva (indischer Heiliger) hatte diese Erfahrung. Sukadeva heiratete nicht. Er verließ sein Haus und wanderte splitternackt durch die Welt. Die Trennung war für seinen Vater, Vyasa, sehr schmerzlich. Vyasa streifte umher, um seinen Sohn zu suchen. Während er an einem Wasserbecken vorbei kam, in dem weibliche Nymphen sich dem freien Spiel hingaben, erschraken diese und zogen beschämt und eilig ihre Kleider wieder an. Vyasa sagte: „Sehr merkwürdig in der Tat! Ich bin alt. Ich trage Kleidung. Aber wenn mein Sohn nackt hier vorbei kommt, dann bleibt ihr ruhig und lauft nicht davon." Und die Feen antworteten: "Oh, ehrwürdiger Weiser, dein Sohn macht keinen Unterschied zwischen einem Mann und einer Frau, du aber sehr wohl."


2.4 Die Ausrottung der Lust Inhaltsverzeichnis

Du musst diesen entsetzlichen Feind, die Sinneslust, die die Lügen sehr sorgfältig in den verschiedenen Ecken deines Herzens versteckt, sehr aufmerksam suchen. So wie der Fuchs sich in den Büschen versteckt, so versteckt die Lust sich in den Ecken des Geistes. Du kannst ihre Anwesenheit nur ermitteln, wenn du aufmerksam bist. Intensive Selbstbeobachtung ist daher sehr wichtig. Genau so wie mächtige Feinde nur besiegt werden können, wenn man sie von allen Seiten angreift, genau so kann man auch die mächtigen Sinne nur besiegen, wenn man sie ebenfalls von allen Seiten angreift, von innen und von außen, von oben und von unten. Die Sinne sind sehr unruhig. Das mächtige Virus, das Syphilis verursacht, wird vom Arzt von allen Seiten in Angriff genommen. Dabei werden die verschiedensten Methoden angewandt, wie Einölen oder lokales Reiben, Spritzen, Mixturen und Puder. Genau so müssen auch die Sinne durch verschiedene Methoden kontrolliert werden. Zu diesen Methoden zählt das Fasten, das Einhalten einer Diät, Atemübungen, Mantrameditation, das Singen religiöser Lieder, Selbsterforschung durch die Frage "Wer bin ich?", Meditation, das Zurückziehen der Sinne von der Außenwelt, Selbstbeherrschung, Yogaübungen, Bandhas (Muskelverschlüsse), Mudras (Fingeryoga), Gedankenkontrolle und die Vernichtung der subtilen Wünsche und Neigungen, helfen, die Leidenschaften zu besiegen.

Hüte dich vor der törichten Vorstellung, dass du die Lust ablegen könntest, indem du ein paar Jahre alleine lebst oder in dem du für kurze Zeit das Gefühl von Gelassenheit und Reinheit erfährst. Du solltest dich auch von der Vorstellung lösen, dass du die Sinneslust vollständig ausrottest, indem du ein wenig Diät einhälst, ein wenig Pranayama (Atemübungen) und ein wenig Japa (Mantrameditation) praktizierst, und das es sonst nichts mehr zu tun gibt. Die Versuchung kann dir jederzeit eine Falle stellen. Rigorose Wachsamkeit und permanente spirituelle Praxis sind unbedingt erforderlich. Durch begrenzte Bemühungen wirst du kein vollkommenes Brahmacharya erlangen. So wie ein Maschinengewehr notwendig ist, um einen mächtigen Feind zu besiegen, so ist auch eine konstante und sinnvolle spirituelle Praxis notwendig, um die Lust zu besiegen. Du solltest mit deinen Erfolgen im Zölibat zurückhaltend sein. Sollte dein Bestreben einem Test unterzogen werden, könnte es leicht sein, dass alle deine guten Vorsätze schnell dahinschwinden. Du solltest dir immer deiner Fehler bewusst sein, und du solltest immer bemüht sein, sie abzulegen. Dazu sind enorme Anstrengungen erforderlich. Nur dann wird sich Erfolg einstellen.

Es ist leicht, einen wilden Tiger, einen Löwen oder einen Elefanten zu zähmen. Es ist leicht mit einer Kobra zu spielen. Es ist leicht, über glühende Kohlen zu gehen. Es ist einfach, Feuer zu verschlingen und das Wasser des Ozeans zu trinken. Es ist leicht, den Himalaya zu erklimmen. Es ist einfach, einen Sieg in einem Schlachtfeld zu erlangen. Aber es ist sehr schwierig, die Sinneslust auszurotten. Im Laufe der Evolution konnte die Aufrechterhaltung der Arten nur durch die Energie der Sinneslust ermöglicht werden. Aus diesem Grund ist sie bemüht, sich allen Versuchen zu widersetzen, sie zu kontrollieren oder zu überwinden. Darum versucht die Sinneslust sich kraftvoll durchzusetzen und die Bestrebungen des Brahmachari zu bekämpfen. Aber es gibt keinen Grund zu verzweifeln. Vertraue auf Gott, in seinen Namen und auf seine Gnade. Die Lust kann nur durch die Gnade Gottes vollständig entwurzelt werden. Wenn du auf Gott vertraust, wird er dich zum Erfolg führen. Mit seiner Hilfe kannst du die Lust mit einem Augenzwinkern besiegen. Er lässt Stumme wieder sprechen und Lahme wieder steile Hügel aufsteigen. Menschliches Bemühen allein genügt nicht. Die göttliche Anmut ist erforderlich. Gott hilft denen, die sich selber helfen. Regelmäßige Meditation und Japa (Mantrameditation), eine gesunde Ernährung, das Zusammensein mit Weisen, die Praxis von Pranayama (Atemübungen), das Praktizieren des Kopfstandes und des Schulterstandes, das Studieren spiritueller Literatur, Selbstergründung und die Abgeschiedenheit für drei Monate an den Flussufern der heiligen Flüsse, vernichten völlig die Sinneslust, gleichwohl wie mächtig die alten Wünsche und Eindrücke im Unterbewusstsein auch sein mögen. Das Positive überwindet immer das Negative. Du brauchst auf keinen Fall entmutigt zu sein. Tauche ernsthaft in die Meditation ein, löse dich von falschen Vorstellungen und komme siegreich aus dem Kampf hervor. Glänze wie ein brillanter Yogi. Du bist immer reiner Atman. Vertraue darauf.

Sexuelle Impulse können nur sehr schwer kontrolliert werden. Es findet ein Aufstand statt, wenn du versuchst, diesen sexuellen Impuls zu kontrollieren. Konstantes Japa und Meditation während einer langen Periode sind notwendig, um die sexuelle Energie in spirituelle Kanäle zu leiten. Eine komplette Sublimation (Umwandlung) der sexuellen Energie in Ojas (Ojas = spirituelle, sublimierte Energie - die Sublimation wird später noch ausführlich erklärt) ist erforderlich. Nur dann kannst du vollkommen sicher sein, dass die sexuelle Energie nicht durch irgendein Schlupfloch entweicht. Nur dann wirst du in Samadhi (Erleuchtung) fest verankert sein, da der Geschmack am sinnlichen Genuss völlig verschwindet. Geduld, Wachsamkeit, Ausdauer und rigoroses Sadhana (spirituelle Praxis) sind notwendig, um die sexuellen Antriebe auszurotten und vollkommene Reinheit im Gedanken, Worten und in der Tat zu erreichen. Brahmacharya und geistige Reinheit können nur durch konstante Bemühungen erreicht werden. Sie können nicht an einem Tag oder in einer Woche erreicht werden. Die Sinneslust ist zweifellos sehr mächtig. Sie ist gewissermaßen dein Todfeind. Aber dein ebenso mächtiger Freund, ist der Name des Herrn. Er wird die Lust mitsamt seiner Wurzeln ausrotten. Darum rezitiere und singe: „Ram, Ram, Ram“. (Ram(a) ist der Name Gottes.)

Die yogische Praxis und Meditation vermindern oder verdünnen den sexuellen Wunsch in einem sehr großen Ausmaß. Aber auch die Selbstverwirklichung kann vollkommen die sexuellen Wünsche und Eindrücke des Unterbewusstseins auslöschen. Wie die Bhagavat Gita (hinduistische "Bibel") mit Recht unterstreicht: "Die Objekte der Sinne wenden sich vom abstinent lebenden Mann ab, der das sinnliche Verlangen hinter sich lässt. Aber das Verlangen verschwindet ebenso, wenn er Selbstverwirklichung erreicht." Der sexuelle Drang ist eine kreative Kraft. Wenn du nicht durch spirituelle Ideale angeleitet wirst, wird es schwierig, den sexuellen Instinkt zu kontrollieren. Leite die sexuelle Energie in höhere spirituelle Kanäle. Dieser Vorgang nennt sich Sublimation. Dabei wird sexuelle Energie in göttliche Energie umgewandelt. Die komplette Auslöschung der Sinneslust kann nicht nur durch persönliche Bemühungen erfolgen. Sie kann nur durch die Anmut Gottes vollendet werden.


3. Die Intensität der Begierden Inhaltsverzeichnis

Leidenschaft ist ein sehr starker Wunsch. Schon ein milder Wunsch wird durch häufige Wiederholung oder durch häufigen Genuss zu einer starken Leidenschaft. Im breitesten Sinne versteht man jeden starken Wunsch als Leidenschaft. Religiöse Menschen haben eine Leidenschaft zu Gott. Schriftsteller haben die Neigung, Romane zu schreiben. Sie tun das oft mit großer Leidenschaft. Ebenso gibt es die Leidenschaft, religiöse Bücher zu lesen. Aber im allgemeinen Sprachgebrauch, bedeutet Leidenschaft Sinneslust oder einen starken sexuellen Appetit. Dies ist eine physische Begierde nach sexueller oder sinnlicher Befriedigung. Wenn eine sexuelle Handlung sehr häufig wiederholt wird, wird der Wunsch nach weiteren sexuellen Handlungen sehr groß und stark. Der sexuelle Instinkt oder der Fortpflanzungsinstinkt im Mann fordert ihn auf, sich durch sexuelle Handlungen für den Fortbestand der menschlichen Rasse zu engagieren. Leidenschaft ist das instinktive Drängen zur Artenerhaltung. Leidenschaft ist aber ebenso ein Produkt der Unwissenheit. Sie ist eine negative Haltung des Unbewusstseins. Atman, die Seele, dagegen, ist ewige Reinheit und Vollkommenheit. Avidya Shakti, die göttliche Energie der Unwissenheit, hat die Gestalt der Leidenschaft angenommen, um uns das Universum, der aus göttlicher Sicht wie ein Spiel betrachtet wird, in seiner ganzen Vielfalt zu zeigen. So findet man zum Beispiel in der heiligen Schrift des "Chandipath" die Aussage: "Ich verbeuge mich vor der Göttin, die die Gestalt der Leidenschaft in allen diesen Wesen angenommen hat."

Sogar Brahma, der Schöpfer, kennt offenbar nicht den genauen Sitz, der Leidenschaft. In der Bhagavadgita findest du es erwähnt, dass die Sinne, der Verstand und der Gedanke die Sitze der Leidenschaften sind. Die Wünsche durchdringen offenbar den gesamten Körper. Jede Zelle, jedes Atom, jedes Molekül, jedes Elektron ist offensichtlich von Leidenschaften durchdrungen. Im Ozean der Leidenschaften sind offensichtlich Unterströmungen, Gegenströme und Zwischenströme zu finden. Du musst jeden von ihnen vollständig vernichten. Leidenschaft ist eine Neigung, die aus dem Verstand entsteht, wenn die Unruhe vorherrscht. Ungesunde Nahrung wie Fleisch, Fisch und Eier, aufreizende Kleider und eine unruhige Art zu Leben, betörende Gerüche, erotische Romane, Filme, Gespräche und andere sinnliche Dinge, schlechte Gesellschaft, Alkohol, Rauschmittel aller Art und Tabak regen die Leidenschaften an.


3.1 Leidenschaften in der Kindheit, in der Jugend und im Alter Inhaltsverzeichnis

Die Leidenschaften sind als Same in den Jungen und Mädchen bereits angelegt. Aber er bereitet ihnen keine Sorgen. Genau so wie der Baum bereits im Samen enthalten ist, so ist die Leidenschaft bereits in den Kindern angelegt. In alten Männern und Frauen dagegen, wird die Leidenschaft unterdrückt. So kann sie keinen Schaden anrichten. Nur den jungen Männern und Frauen bereitet die Leidenschaft Probleme. Sie werden vielfach zu Sklaven der Leidenschaft. Oft sind sie vollkommen hilflos dieser Leidenschaft ausgeliefert. Es gibt keinen großen Unterschied in der Sexualität zwischen einem Mann und einer Frau, einem Jungen und einem Mädchen, wenn sie sehr jung sind. Kommen sie aber in die Pubertät, dann gibt es eine bedeutende Veränderung. Gefühle, Gesten, Körper, Gang, Gespräche, Blicke, Bewegungen, Stimme und Benehmen, alles verändert sich. Der vollständige Mangobaum, mit allen seinen Zweigen, Blättern und Früchten, ist bereits in einer subtilen Form im Samen enthalten. Es dauert seine Zeit, bis der Baum in voller Blütenpracht erblüht. Ebenso lauert die Begierde der Sinneslust in einem jungen Mann von achtzehn Jahren, der dann bis zu seinem fünfundvierzigsten Lebensjahr seinen Leidenschaften nachgeht, um dann allmählich etwas kürzer zu treten. Verschiedene Formen falschen und unverantwortlichen Handelns ist oft bei Menschen dieser Altersgruppe anzutreffen. Dieses ist die kritischte Periode im Leben des Menschen.

Anmerkung Übersetzer:

Wie früh bei jungen Männern offensichtlich die sexuelle Fixierung eintritt, zeigt folgende Aussage: "Einige Untersuchungen ergaben, dass nur bei rund 13 Prozent aller untersuchten Pubertierenden eine erste Ejakulation als nächtliche Pollution auftrat." (siehe: Vorpubertät) Mit anderen Worten, schon vor der eigentlichen Geschlechtsreife, also quasi noch im Kindesalter sind 87 Prozent aller Jungen sexuell aktiv. Man könnte auch sagen, die Sexsucht beginnt bereits im Kindesalter und hält dann meistens ein Leben lang an. Die meisten Menschen aber glauben, diese Fixierung auf die Sexualität sei naturgegeben. Dabei haben sie sie erst durch ihr eigenes Verhalten hervorgerufen. Ein Erleuchteter hat kein erotisches Begehren. Pollution


3.2 Sexuelle Gedanken in Weisen, Spirituellen und Familienvätern
Inhaltsverzeichnis

In einem Jnani (Yogi des Wissens), einem befreiten Weisen, sind die sexuellen Wünsche vollkommen beseitigt. Bei einem Sadhaka, einem spirituellen Schüler, bleiben die sexuellen Wünsche sehr kontrolliert. Bei einem Familienvater dagegen, können die sexuellen Wünsche großen Schaden anrichten, wenn sie nicht kontrolliert werden. Die Leidenschaften äußern sich beim Familienvater in einer verstärkte Begierde, der er nicht immer widerstehen kann. Er fühlt sich immer wieder wegen seines schwachen Willens und seiner Unentschlossenheit zur Sinnlichkeit hingezogen. Bei einem Jnani, einem Weisen, treten keine sinnlichen Gedanken auf. Bei ihm gibt es keinen Unterschied in seiner Empfindung, egal ob er ein hübsches junges Mädchen, ein Kind oder eine alte Dame sieht. Er sieht ein ewiges, unsterbliches Selbst in einer Frau und einem Mann. Er hat kein unterschiedliches Empfinden, egal, ob er ein Buch, einen Stapel Holz, einen Stein oder den Körper einer Frau berührt. Es gibt keinerlei erotische Gedanken in einem Jnani. In dieser Verfassung sollte das Bewusstsein eines Menschen sein, der Brahmacharya praktiziert. Bei einem spirituellen Schüler gibt es gelegentliche sexuelle Gedanken, aber sie werden unter Kontrolle gehalten. So können sie keinen Schaden bei ihm anrichten.

Ein leidenschaftlicher Familienvater wird jedoch häufiger ein Opfer seiner Sinneslust. Ein leidenschaftlicher Mann sehnt sich nach permanenter Gesellschaft einer Frau. Der Wunsch nach Sex ist tief in ihm verwurzelt. Dieser Wunsch ist normalerweise sehr stark. Er möchte, dass seine Frau ihm alle Wünsche erfüllt. Nur dann ist er zufrieden. Dies ist das Ergebnis seiner Leidenschaft. Solche Personen sind für spirituelle Wege normalerweise vollkommen ungeeignet. Hat sich bei einem Mann Leidenschaftslosigkeit eingestellt, dann wird er nicht mehr zum Opfer der Sinneslust. Wenn man Zitronesaft oder Tamarindesaft in eine goldenen Schale füllt, dann verderben sie nicht. Füllst man sie dagegen in einen Kupfer- oder Messingbehälter, dann verdirbt der Saft und wird giftig. Erwachen in einer Person, die regelmäßig meditiert, sinnliche Gedanken, dann werden sie ihn nicht beunruhigen oder in leidenschaftliche Aufregung versetzen. Wenn solche Gedanken aber in einer Person mit unreinem Verstand auftreten, dann herrscht dort sofort große Aufregung, sollten sie zufällig auf sinnliche Objekte stoßen. In der großen Mehrheit der Menschen ist das sinnliche Begehren sehr stark ausgeprägt. Sie haben extremes sexuelles Verlangen. Bei einigem kommt der sexuelle Wunsch gelegentlich, klingt aber schnell wieder ab. Dann entsteht nur eine kurze Aufregung. Mit der geeigneten spirituellen Methode, kann auch diese Aufregung beseitigt werden.


3.3 Die Lust in Mann und Frau Inhaltsverzeichnis

Obwohl eine Frau sehr sanft und weich erscheint, kann sie dennoch sehr grob und rauh und deutlich männlich sein, wenn sie verärgert wird. Die weibliche Anmut verschwindet, wenn sie unter den Einfluss des Zorns, des Protestes, der Wut und des Grolls kommt. Hast du jemals Frauen gesehen, die in den Straßen miteinander kämpften? Frauen sind eifersüchtiger als Männer. Sie besitzen eine stärkere Bindung und Leidenschaft. Sie sind viel leidenschaftlicher als Männer. Frauen haben mehr Energie und Ausdauer. Sie sind emotionaler. Männer sind dagegen rationaler. Obwohl Frauen leidenschaftlicher sind als Männer, haben sie dennoch mehr Beherrschung als Männer. Nachdem sie einen Mann angelockt haben, halten sie auf eine Art still. Der wirklich Handelnde ist der Mann. Er ist aggressiv. Er ist es, der die verbotene Frucht zuerst kosten darf. Er ist der Aktive. Er gerät außer Kontrolle und verliert seinen Verstand und sein Urteilsvermögen, wenn er unter dem Einfluss der Leidenschaft steht. Sobald ein Mann in die Falle zappelt, in dem Netz, das von der Frau gesponnen wird, gibt es für ihn kein Entweichen. Die Frau dagegen ist passiv. Sie reizt ihn und spielt mit seinen Illusionen. Sie entflammt ihn und setzt sein Herz in brannt. Sie lächelt, blickt ihn verliebt an und hält dann still. Sie wartet. Der Mann ist der Angreifer. Er ist der wahre Schuldige.

Der Mann ist der wahre Verführer. Er übertritt die Regeln. Alle Frauen würden zu Miras, Madalasas und Sulabhas, verehrten Persönlichkeiten der Mythologie werden, gäbe es da nicht die gemeine Natur des Mannes. Er muss zuerst verbessert und geformt werden. Er hat nicht soviel Selbstbeherrschung, wie Frauen sie normalerweise besitzen. Man sagt, Frauen sind achtmal leidenschaftlicher als Männer, aber sie besitzen achtmal mehr Stärke in der Steuerung der sexuellen Antriebe. Dieses ist die Schwäche des Mannes, obwohl er einer Frau physisch und intellektuell überlegen sein kann. Frauen schmeicheln, überreden und verleiten dich. Sie sind Expertinnen in der Kunst der Schmeichelei. Sie machen dich durch ihre gewinnenden Redewendungen, Tätigkeiten, durch ihren jugendlichen Charme, ihre koketten flüchtigen Blicke und Gesten und durch ihr Lächeln zum Sklaven. Einen beträchtlichen Teil deines Lebens hast du mit der Jagd nach der Sinneslust vergeudet. Frauen können für kurze Zeit ganz bezaubernd aussehen. Diese Schönheit kann aber auch sehr schnell wieder vergehen. Vor diesen Versuchungen, die dich durch ihre Schmeicheleien einwickeln, solltest du aufpassen. Verbringe deine restlichen Tage lieber an den heiligen Sandbänken des Ganges mit leisem Japa und in der Meditation.

Das Skorpion hat das Gift in seinem Schwanzende, die Kobra in ihren Reißzähnen, der Moskito in seinem Speichel und der Phrasendrescher auf seiner Zunge. Frauen können dich mit ihren Blicken verführen. Sie senden Botschaften der Zuneigung zu lüsternen jungen Männern und durchbohren mit ihren verführerischen Blicken ihr Herz und entflammen die Leidenschaften. Aber sie können keinen Schaden bei einem aufmerksamen Weisen anrichten, dessen Aufmerksamkeit auf das Sat-Chit-Ananda (Sein-Bewusstsein-Seligkeit) und die reine Natur des Atman gerichtet ist. Es gibt Zungen und telegraphische Instrumente in den Augen junger leidenschaftlicher Frauen. Sie schicken durch ihre lächelnden flüchtigen Blicke leidenschaftlichen jungen Männern ihre Liebespfeile und Liebesbotschaften, ziehen sie dadurch in ihren Bann und bezaubern sie. Diese jungen Männer, die kein Unterscheidungsvermögen besitzen, werden durch solche Liebesbotschaften zum Opfer ihrer Leidenschaften. Sie werden zum Schoßhündchen junger Frauen, selbst wenn sie eine akademische Ausbildung, eine hohe Position und einen Titel besitzen. Was für eine Schande!

Der Grund für dieses Verhalten des Mannes liegt darin, dass sein Wille und sein Intellekt offensichtlich versagen. Oh, ihr Yogaschüler, haltet euch von den Frauen zurück, solange ihr nicht im Brahmacharya gefestigt seid. Ihr solltet euer nobles ideales Leben nicht für die flüchtigen Momente mit einer bezaubernden Frau opfern. Denkt an die Beschaffenheit des Körpers. Das, was heute noch so begehrlich erscheint, kann morgen schon allen Glanz verloren haben. Vergegenwärtigt euch das Bild des toten Körpers einer Frau oder ihres Skeletts, wann immer euch die Leidenschaft überfällt. So werdet ihr allmählich an Stärke gewinnen und die Leidenschaft besiegen. Die Leidenschaftslosigkeit wird sich immer weiter ausbreiten. Die Ursache für die sexuelle Anziehung zu den Frauen ist das Vorhandensein von unbewussten subtilen Wünschen und von sinnlichen Begierden im Verstand. Löscht sie aus. Dann haben sie keine Anziehungskraft mehr. Diejenigen, die auf Frauen und Geld verzichtet haben, haben auf die Welt verzichtet.


3.4 Die enthaltsam lebenden Dani aus Neuguinea Inhaltsverzeichnis

Die Dani sind ein Volk aus Neuguinea (Nord-Zentral-Irian Jaya, Indonesien, nördlich von Australien), mit 370.000 Einwohnern. Sie hatten in den ersten beiden Jahren nach der Heirat keinen Geschlechtsverkehr und lebten für 4 bis 6 Jahre nach der Geburt eines Kindes vollkommen enthaltsam. Vorehelicher und außerehelicher Geschlechtsverkehr sind praktisch unbekannt, und es gibt scheinbar keine Homosexualität oder andere sexuelle Formen der sexuellen Befriedigung (Onanie). Darüber hinaus scheint niemand irgendwelche Anzeichen von Unglück oder Stress zu zeigen. Übermenschen? Eine Erfindung, die der Phantasie eines Science Fiction Autors entsprungen ist? Tatsächlich leben die Dani ziemlich schön, im großartigen Tal von Westirian (früher West-Neuguinea), wo sie für 2 ½ Jahre von Karl Heider, einem Anthropologe von der Universität South Carolina (USA), studiert wurden. Heider, der an den amerikanischen Universitäten von Harvard, Brown und Stanford lehrte, beschreibt das enthaltsame sexuelle Verhalten der 5.000 Mitglieder des Stammes in der aktuellen Ausgabe des "The Journal of the Royal Anthropological Institute of Great Britain".

Er fand keine starken Bestrafungen gegen sexuelle Betätigungen oder irgendeine brauchbare Erklärung für eine unterentwickelte Libido (sexuelles Verlangen) der Dani. Nach der Befragung, sagten die Stammesangehörigen, die Verletzung der Enthaltsamkeit nach der Schwangerschaft würde Probleme mit den Geistern des Stammes verursachen. Dennoch wirkten die Dani keineswegs gezwungen gegenüber ihren Geistern, und Heider stellt fest, dass die Befolgung dieser übernatürlichen Bestimmungen als ziemlich zwanglos verstanden werden muss. Das Dani scheinen einfach keinen größeren Drang zu kennen, weder sexuell noch in anderer Weise. Es gibt kaum starke Gefühle, wenig künstlerische Ambitionen und nur wenig Streit. Anstatt seiner Wut Ausdruck zu verleihen, entfernt sich der Dani lieber von der belastenden Situation. Kriege haben, laut Heider, den emotionalen Charakter der Rotwildjagd in Amerika. Die Krieger unterhalten sich eine längere Zeit, kämpfen dann eine Stunde lang, und setzen danach die Unterhaltung fort. Wut und Rache spielen dabei nur selten eine Rolle. Die Dani wollen einfach nur ihre Geister besänftigen und den Kampf so schnell wie möglich beenden. Ihr einzig wirkliches Interesse gilt der Schweinehaltung und dem Anbau der Süßkartoffel.

Heider kann es sich nicht erklären, warum das Energieniveau der Dani so "niedrig" ist. Der Stamm scheint eine niedrige Kindsterblichkeitsrate, eine ausreichende Ernährung und keine ernsten Krankheiten zu haben. Heider glaubt nicht, dass genetische oder biologische Faktoren die Ursachen für dieses "niedrige Energiesystem" der Dani sind, sondern dass sie kulturell bedingt ist. Wenn das so ist, dann müsste die westliche Theorie über den angeborenen sexuellen Trieb, der vor allen Dingen von Freud postuliert wurde, neu überdacht werden.

Ein Bericht aus dem Time Magazine - Montag, Aug. 2, 1976

Time Magazine

Abschnitt 3.4 ist nicht aus dem Buch Swami Sivanandas. Ich habe ihn hier zur allgemeinen Information eingefügt. Der Übersetzer.


4. Sex ist eine Einbildungskraft Inhaltsverzeichnis

Sex ist der Unterschied zwischen Mann und Frau. Es ist eine mentale Schöpfung. Es ist eine Schöpfung des Geistes, eine Phantasie. In den fünf Elementen, aus denen der Körper besteht, gibt es keinen Sex. Der menschliche Körper besteht aus fünf Elementen (Erde, Wasser, Feuer, Luft und Leere bzw. äther). Woher kommt also die Idee vom Sex? Die Sexualität ist eine Illusion. Sie ist ein Trick des Geistes. Sie ist eine Gaukelei der Maya, der Täuschung. Die Idee vom Sex ist tief in uns verwurzelt. Der Mann wird niemals denken, dass er eine Frau ist. Und die Frau wird niemals denken, dass sie ein Mann ist. Für einen befreiten Weisen, besteht die Welt nur aus Brahman (Gott). Für einen leidenschaftlichen Mann ist diese Welt voller Frauen, die erobert werden wollen. Er verliebt sich in einen hölzernen Pfosten, um den ein seidenes Kleid oder ein hübsches Tuch mit einer attraktiven Umrandung gewickelt wurde. Leidenschaft ist ein schrecklicher Fluch. Steht ein Mann unter dem Einfluss der Leidenschaft, dann zerstören der sexuelle Impuls und die Aufregung sein Verständnis und machen ihn ziemlich hilflos.

Ein Familienvater, der das Leid des Samsara, des Rades von Tod und Wiedergeburt, verstanden hat, ist bemüht, das samsarische Leben zu beenden. Er wird zum Brahmachari. Ein Junggeselle dagegen, der sich vorstellt, wie einsam das Leben ohne Frau und Kinder sein könnte, wird versuchen, zu heiraten. Dahinter steht Maya, die Illusion, die uns zu täuschen versucht. Es ist ein mentaler Trick. Man sollte sich davor hüten. Ein leidenschaftlicher Junggeselle wird immer denken: "Wann kann ich endlich mit einer Frau zusammen leben." Ein leidenschaftlicher Familienvater, in dem die Unterscheidungskraft gedämmert hat, denkt: „Wann kann ich mich endlich ablösen von den sinnlichen Begierden zu meiner Frau und mich in die Wälder zur Betrachtung des Atman zurückziehen?“ Man sollte einmal über den Unterschied nachdenken.

Tausende von jungen Akademikern und jungen Doktoren kommen zu mir mit Tontöpfen in ihren Händen, bekleidet in den orangefarbenen Roben, in der Suche nach Höhlen in Uttarakashi und in Gangotri für tiefe Meditation und in der Praxis von Pranayama. Und einige junge Studenten aus der wissenschaftlichen Forschung gehen nach Punjab und Kaschmir in seidenen Hosenanzügen mit steifem Kragen auf der Suche nach Mädchen für die Heirat. Gibt es Vergnügen oder Schmerz in dieser Welt? Wenn es Vergnügen gibt, warum ziehen sich dann die jungen gebildeten Männer in Wälder zurück? Wenn es Schmerz gibt, warum laufen junge Männer dann dem Wohlstand, den Frauen und beruflichen Position hinterher? Maya ist wirklich geheimnisvoll. Versuche das Rätsel des Lebens und das Rätsel des Universums zu verstehen.


4.1 Schönheit ist ein Trick der Natur Inhaltsverzeichnis

Maya, die Illusion, die Täuschung, führt den Verstand permanent in die falsche Richtung. Die Frau ist nicht schön, aber in der Phantasie ist sie schön. Der Zucker ist nicht süß, aber in der Phantasie ist er süß. Nahrung ist nicht schmackhaft, aber in der Phantasie ist sie schmackhaft. Der Mann ist nicht schwach, aber in der Phantasie ist er schwach. Verstehe die Natur der Maya, der Täuschung und des Verstandes und lerne daraus. Zügele deine Phantasie durch Unterscheidungskraft und rechtes Denken und Ruhe im Brahman, wo es weder Phantasie noch Gedanken gibt. Schönheit und Hässlichkeit sind falsche Phantasien des Verstandes. Der Verstand selbst ist ein illusorisches Produkt. Auffassungen des Verstandes müssen folglich auch falsch sein. Sie sind wie Trugbilder in der Wüste. Was für dich schön ist, ist für andere hässlich. Schönheit und Hässlichkeit sind relative Bezeichnungen. Schönheit ist nur ein Geisteskonzept, eine Geistesprojektion. Sie ist wie ein zivilisierter Mann, der viel von der Symmetrie der Form, den guten Eigenschaften des würdevollen Ganges sowie der Eleganz von weisen und würdevollen Formen, spricht.

Ein Afrikaner hat bestimmt ganz andere Vorstellungen über Schönheit, als ein Amerikaner, ein Europäer oder ein Asiate. Wahre Schönheit ist nur im Selbst, in Gott. Schönheit liegt im Verstand und nicht in den Objekten. Mangos sind nicht süß, die Idee von der Mango ist süß. Es sind alles nur Gedanken. Es sind alles nur geistige Täuschungen, geistige Auffassungen, geistige Kreationen, geistige Schöpfungen. Zerstöre die Gedanken und die Schönheit verschwindet. Der Ehemann dehnt seine Idee der Schönheit auf seine weniger hübsche Frau aus, und findet sie dank seiner Leidenschaft auf einmal sehr attraktiv. Shakespeare hat dieses zu Recht in seinen „Mitt-Sommer-Nachts-Träumen“ ausgedrückt: „Amor wird blind gemalt. Er findet die Schönheit Helens in der Augenbraue von ägypten“. Die Wünsche und der Verstand täuschen dich jeden Moment. Sie sind deine wirklichen Feinde. Schönheit ist ein Produkt der geistigen Schöpfung. Schönheit ist ein Produkt der Phantasie. Eine hässliche Frau sieht in den Augen ihres Ehemanns vielleicht sehr schön aus. Wo ist die Schönheit, meine lieben Freunde, in der verrunzelten Haut einer alten Frau geblieben? Wo ist die Schönheit, wenn deine Frau krank und bettlägrig ist? Wo ist die Schönheit, wenn deine Frau wütend oder ängstlich ist?

Schönheit im Gesicht ist eine bloße Betrachtung. Die unverdorbene Schönheit, der Jungbrunnen der Schönheit, kann nur im Atman gefunden werden. Du hast den Ursprung der Schönheit vergessen und klammerst dich an die Scherben eines zerbrochenen Glases. Was für ein Fehltritt hat dich verleitet, das Leben durch deine unreinen Gedanken, deinen unreinen Verstand, deinen unreinen Geist und deine unreine Lebensweise zu betrachten? Hast du diesen Fehler mittlerweile erkannt? Bist du bereit, deine Augen wenigstens jetzt zu öffnen? Eine schöne Frau ist sehr bezaubernd. Sie ist sehr süß, wenn sie jung ist, wenn sie lächelt, wenn sie ein schönes Kleid trägt, wenn sie singt und auf dem Klavier oder der Violine spielt oder wenn sie tanzt. Aber sie ist schrecklich zu betrachten, wenn sie ihr Temperament verliert, wenn sie mit ihrem Ehemann streitet und hysterisch wird, weil sie keine seidenen Kleider und Goldketten bekommt, wenn sie an einer Krankheit leidet oder wenn sie alt wird.

Für einige Jahre schenkt die Natur der Frau die Schönheit, den Charm und die Eleganz, so dass sie die Herzen der Männer gefangen nehmen kann. Schönheit ist nur oberflächlich. Sie wird schon bald verblassen, das Haar wird Grau und die Haut wird bald mit Falten übersät sein. Der Schneider, der Weber, der Sticker, der Frisör, der Kosmetiker und der Goldschmied schenken uns äußere Attraktivität. In seiner Aufregung, Verliebtheit und Verblendung, übersieht der Mann mitunter diesen Punkt. Dies ist Maya, die Illusion. Vertraue niemals dieser Maya. Vorsicht, Mann, wach auf. Entdecke die Schönheit der Schönheit, die in dir ist, die dein innerstes Selbst ist. Hast du jemals darüber nachgedacht, von welcher grundlegenden Beschaffenheit die Frauen sind, die die Sinneslust in dir wachrufen? Ein Bündel Knochen, Fleisch, Blut, Urin, Fäkalien, sowie Schweiß, Schleim und anderer Schmutz! Willst du es zulassen, dass solch ein Bündel der Meister deiner Gedanken wird? Willst du dein Geburtsrecht auf ewigen Glück und Frieden für solch eine flüchtige Sinnestäuschung verschenken? Schande über dir, wenn du diese Torheit nicht erkennst. Sollten dein Wille, deine Vernunft und dein mangelndes Unterscheidungsvermögen, dir solch ein unrühmliches Ende bereiten? Hast du nicht verstanden, dass körperliche Schönheit nur äußerlich ist und an der Gnade der Gesundheit und der Jugend gebunden ist?


4.2 Irreführende Beschreibungen der Schönheit einer Frau Inhaltsverzeichnis

Poeten haben die Schönheit der Frauen beschrieben. Aber diese Dichter sind fehlgeleitete Menschen, die junge Männer auf den falschen Pfad führen. Beschreibungen wie "Jungfrauen mit dem bezaubernden Blick", "ein Gesicht wie der Mond" oder "rosige Wangen und Honiglippen" sind irreführend. Wo bleibt die Schönheit im toten Körper, bei alten oder kranken Frauen? Wo ist die Schönheit geblieben, wenn eine Frau wütend ist? Du bist dir dessen bewusst und doch haftest du ihren Körpern an! Bist du nicht ein unverbesserlicher Narr? Die Schönheit einer Frau ist falsch, künstlich und vergänglich. Wirkliche Schönheit ist rein und ewig. Der Atman ist die Quelle aller Schönheit. Seine Schönheit ist ewig und rein. Es ist der Schmuck, die seidenen Kleider mit phantasievollen Spitzen und Säumen, das Verzieren der Haare mit goldenen Haarnadeln oder Blumen, der Gebrauch von Puder und Parfüm, der Lippenstift und die Wimperntusche, die den Frauen eine vorübergehende Schönheit und ein künstliches Glitzern verleihen. Beraube sie ihres Gesichtspuders, ihres Schmuckes und ihrer farbenprächtigen Kleider und bitte sie, ein einfaches weißes Tuch zu tragen. Wo bleibt dann die Schönheit? Die äußere Schönheit ist nur eine Illusion.

Dichter beschreiben in ihren phantasievollen, leidenschaftlichen Stimmungen, dass Honig von den Lippen einer jungen, schönen Frau fließt. Entspricht das der Realität? Was siehst du wirklich? Die übelriechende Zahnspange, den unangenehmen Gerüche des Rachen, das Sabbern des Speichels in der Nacht. Ist es das, was die Poeten mit Honig und Nektar beschreiben? Und doch, der leidenschaftliche, lüsterne und sexberauschte Mann schluckt diese schmutzigen Ausscheidungen, wenn er unter dem Einfluss der sexuellen Erregung ist! Gibt es etwas, das abscheulicher ist als dieses? Sind diese Poeten nicht mit schuld, wenn sie solche falschen Beschreibungen geben, die so große Zerstörungen bei den leidenschaftlichen jungen Männern verursachen? Hinter der glänzenden Haut gibt es das rohe Fleisch. Hinter dem Lächeln einer jungen Dame ist ein verstecktes Stirnrunzeln und ärger. Hinter den rosigen Lippen lauern die Mikroben der Krankheiten. Hinter der Sanftheit und den freundlichen Worten stehen oftmals versteckte rauhe Wörter und Beschimpfungen. Das Leben ist flüchtig und, O leidenschaftlicher Mann, unsicher! Lerne die Schönheit des Atman im Herzen verwirklichen. Der Körper ist der Wohnsitz für Krankheiten. Das Netz der Zuneigung wird durch Genuss verstärkt. Es schlingt sich wie eine stark geknotete Schnur um deinen Nacken. Ohne ihre Haut, ohne ihre bunten Kleider, ohne ihren Schmuck bleibt nicht viel von der Frau. Stelle dir für einen Moment vor, sie hätte keine Haut. Du musst mit einem Stock an ihrer Seite stehen, um die Krähen und Geier fortzujagen. Körperliche Schönheit ist oberflächlich, illusorisch und vergänglich. Lass dich nicht durch äußerlichkeiten blenden. Es ist eine Gaukelei der Maya. Geh' zur Quelle, zu Atman, der Schönheit der Schönheiten, der ewigen Schönheit.


4.3 Die Leidenschaft blendet den Intellekt Inhaltsverzeichnis

Sexuelles Vergnügen ist eine Illusion. Es ist eine Täuschung. Es ist nicht wirklich ein Vergnügen. Es ist nur ein Nervenkitzel. Alle weltlichen Vergnügen erscheinen am Anfang als Nektar. Aber am Ende werden sie zu Gift. Denke darüber nach, O Saumya, mein geliebter Sohn! Lass dich nicht von sinnlichen Impulsen und von der Leidenschaft entführen. Am Ende sind die Menschen traurig. Frag' jeden Familienvater, ob er auch nur einen Jota Glück in seinem Leben findet. Die Fliege fliegt zum Feuer oder zur Lampe, denkt, dass es eine Blume ist, und verbrennt sich daran. Ebenso läuft der leidenschaftliche Mann einer hübschen Frau nach, denkt, dass er dort das wahre Glück findet, und verbrennt im Feuer der Leidenschaft. Ebenso, wie die Seidenraupe sich in ihrem selbstgesponnenen Kokon einwickelt, so hast auch du dich in die Maschen deiner sinnlichen Wünsche eingesponnen. Zerschneide die Maschen durch das Messer der Unterscheidungskraft und steige auf den Flügeln der Hingabe und des Wissens ins Reich des ewigen Friedens.

Ein leidenschaftlicher Mann ist ein blinder Mann. Obwohl er ein Intellektueller sein kann, wird er blind, wenn er unter dem Einfluss der sexuellen Erregung steht. Sein Intellekt erweist sich als unbrauchbar, wenn er unter dieser Art der Blindheit leidet. Er ist bemitleidenswert! Satsanga (das Zusammensein mit Weisen), Gebet, Japa, Studium und Meditation rotten diese entsetzliche Krankheit aus und schenken ihm das Licht der Weisheit. Es gibt kein Sex in den Körpern. Aber es gibt den Verstand im Körper, der den Sex entstehen lässt. Es gibt Geistesschöpfungen, Wünsche und Phantasien im Verstand. Und diese Phantasien, dieser Wunsch nach Sinneslust ist ein sexueller Wunsch. Bringst du dieses Bündel an Phantasien zum Schweigen, so schweigt auch die Sinneslust. Dann endet das sinnliche Begehren. Du hast die Lust besiegt. Die Sexualität ist eine geistige Schöpfung. Die Maya (Illusion) und die Unwissenheit sind nichts anderes als die Täuschung der Verkörperung der Sexualität, der Vorstellung, die Sexualität manifestiere sich im Körper. Die ganze spirituelle Praxis wird ausgeführt, um diese eine Idee zu zerstören. Allein durch die Beseitigung dieser einen Idee erlangt man Befreiung.


5. Der verhängnisvolle Nachteil des sexuellen Genusses Inhaltsverzeichnis

Das am stärksten entkräftende und entmutigende Vergnügen ist das sexuelle Vergnügen. Es geht einher mit Schmerzen, Schwächen, Anhaftungen, mit einem schwachen Willen, einer Sklavenmentalität, mit großer Anstrengung im Kampf gegen die sinnliche Begierde und mit Nervosität. Aber sinnliche Menschen kommen niemals zur Vernunft, obwohl sie harte Schläge, Tritte und Prügel aus allen Richtungen beziehen. Der streunende Straßenhund schleicht sich immer wieder in die Häuser, obwohl er dort jedes mal mit Steinen beworfen wird. Bedeutende westliche Mediziner sagen, dass verschiedene Arten von Krankheiten aus dem Verlust des Samens entstehen, besonders im jungen Alter. Sie zeigen sich als Blutgeschwüre auf dem Körper, Bläschen oder Akne auf dem Gesicht, als blaue Linien unter den Augen, als Fehlen von Barthaaren, als eingefallene Augen, als Bleichgesicht mit Blutarmut, als Gedächtnisverlust, als Verlust des Sehvermögens, als Kurzsichtigkeit, als Verlust des Samens zusammen mit dem Urin, als Vergrößerung der Hoden, als Schmerz im Hoden, als Erschöpfung, Schläfrigkeit, Trägheit, Depression, Herzklopfen, als Atemnot oder Schwierigkeit mit der Atmung, als Schwindsucht (Tuberkulose), als Rückenschmerzen, Lendenschmerzen, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, als schwache Nieren, als Urinieren im Schlaf, als Wankelmütigkeit, Denkfaulheit, als schlechte Träume, feuchte Träume (Pollutionen), als Unruhe und Rastlosigkeit.

Du solltest dir die schlechten Nachwirkungen des Samenverlustes sorgfältig merken! Die Menschen sind durch das Vergeuden der Samenenergie physisch, geistig und moralisch geschwächt. Dem Körper und dem Verstand fehlt dann die Energie um zu arbeiten. Man verfällt in physische und mentale Lethargie. Du empfindest Schwäche und Erschöpfung. Du möchtest am liebsten zu Milch, Früchten und Aphrodisiakum Zuflucht nehmen, um den Verlust der Energie wieder auszugleichen. Du solltest daran denken, dass diese Dinge diesen Energieverlust niemals ersetzen können. Einmal verloren, ist für immer verloren. Du wirst in einem trostlosen und freudlosen Leben dahinkriechen. Deine körperliche und geistige Stärke wird von Tag zu Tag abnehmen. Die, die viel von ihrem Samen verlieren, werden sehr reizbar. Schon Kleinigkeiten regen sie auf. Diejenigen, die nicht das Gelöbnis des Brahmacharya beachtet haben, werden die Sklaven des Zornes, der Eifersucht, der Trägheit und der Furcht. Wenn du deine Sinne nicht unter Kontrolle hast, riskierst du, dumme Taten zu tun. Der, der diese lebenswichtige Energie vergeudet, wird leicht erregbar, er verliert seine Ausgeglichenheit und lebt in einen Zustand der explosiven Wut.

Wenn ein Mensch wütend wird, benimmt sich er sich unkontrolliert. Er weiß nicht, was er genau tut, während er seine Energie in zornigen Wutausbrüchen und Vorwürfen vergeudet. Er tut alles, was er möchte, aber ohne zu überlegen. Er beleidigt seine Eltern, seine Freunde und selbst Respektspersonen. Es ist folglich erforderlich, dass der Brahmacharin, der versucht, spirituelle Fortschritte zu erlangen, diese lebenswichtige Energie konserviert. Die Bewahrung dieser göttlichen Energie führt zu Erreichung eines starken Willens, eines vorbildlichen Verhaltens, zu spiritueller Begeisterung und irgendwann zur Befreiung und Erleuchtung. übermäßiger sexueller Verkehr vermindert diese Energie enorm. Junge Männer kennen vielfach nicht den Wert dieser lebenswichtigen Flüssigkeit. Sie vergeuden diese dynamische Energie durch übertriebene Selbstbefriedigung oder durch übertriebenen Geschlechtsverkehr. Ihre Nerven sind köstlich darüber amüsiert. Sie werden regelrecht berauscht davon. Was für einen Fehltritt sie begehen! Es ist ein Verbrechen, das nach Bestrafung verlangt. Sie sind Mörder des Atman.

Wird diese Energie einmal vergeudet, dann kann sie nie wieder ersetzt werden. Sie ist die leistungsfähigste Energie der Welt. Eine sexuelle Tat erschüttert vollständig das Gehirn und das Nervensystem. Die Menschen glauben fälschlicherweise, dass sie die verlorene Energie zurückgewinnen können, indem sie Milch, Mandeln und Potenzmittel zu sich nehmen. Dies ist ein Irrtum. Du solltest dich bemühen, jeden Tropfen zu konservieren, selbst wenn du ein verheirateter Mann bist. Selbstverwirklichung ist das Ziel. Die Energie, die während eines sexuellen Aktes vergeudet wird, ist gleichwertig mit der Energie, die in 10 Tagen für körperliche Schwerstarbeit aufgewendet wird, oder mit der Energie, die in drei Tagen für Geistesarbeit aufgebracht wird. Erkenne, wie kostbar diese lebenswichtige Flüssigkeit ist! Verschwende diese Energie nicht sinnlos. Bewahre sie mit großer Sorgfalt. Dann wirst du eine wunderbare Vitalität besitzen. Wenn der Samen nicht vergeudet wird, wird er in Ojas Sakti oder geistige Energie umgewandelt und im Gehirn gespeichert. Westliche Mediziner wissen wenig über diesen bedeutsamen Punkt. Die meisten deiner Unpässlichkeiten liegen an der übermäßigen Samenverschwendung.


5.1 Feuchte Träume und normaler Geschlechtsverkehr Inhaltsverzeichnis

Ein sexueller Akt erschüttert das Nervensystem. Das ganze Nervensystem wird durcheinander gerüttelt und aufgewühlt. Es gibt einen enormen Verlust von Energie. Sehr viel Energie wird während des Geschlechtsaktes vergeudet. Dies ist aber nicht so, wenn der Samenerguss während des Schlafes geschieht. In einem feuchten Traum kommt es im wesentlichen nur zu einem Ausfluss der Prostataflüssigkeit.

Anmerkung des Übersetzers:

Ich bin mir nicht sicher, ob die Aussage Swami Sivanandas stimmt, dass bei einer Pollution der größte Teil des Ejakulats aus Prostataflüssigkeit besteht. Immerhin besteht beim normalen Orgasmus der größte Teil des Ejakulats aus der Drüsenflüssigkeit der Samenbläschendrüse. Das Drüsensekret aus der Samenbläschendrüse macht etwa 50 bis 70 Prozent des Ejakulats aus. Die Prostata dagegen liefert nur etwa 10 bis 33 Prozent des Ejakulats (siehe: Sperma). Vielleicht war dieses 1934, als das Buch von Swami Sivananda geschrieben wurde, noch nicht bekannt. Ich habe bei wikipedia noch etwas gefunden, was meine Vermutung bestätigt: Die Kapsel der Prostata zieht sich ebenso wie das Samenbläschen während der Ejakulation zusammen, so das die Flüssigkeit der beiden Organe vermischt und ausgestoßen wird. Unter Punkt 5.2 und 5.3 wird noch ausführlich auf die männlichen Geschlechtsorgane eingegangen.

Beim Orgasmus des Mannes steigt Samenflüssigkeit aus dem Hoden und dem Nebenhoden (Spermien) über den Samenleiter aufwärts, wird dann mit den Drüsensekreten aus der Samenleiterampulle, der Samenbläschendrüse, der Prostata und der Bulbourethraldrüse (Cowpersche Drüse) vermischt und anschließend durch die Harnröhre ausgeschieden (siehe Bilder unter 5.2 und 5.3). Die Prostata produziert ein milchig-klares Sekret, das gemeinsam mit den Samenzellen, sowie mit den Drüsensekreten aus der Samenleiterampulle, der Samenbläschendrüse und der Bulbourethraldrüse das Ejakulat bildet. Die alkalische Flüssigkeit der Vorsteherdrüse (Prostata) sorgt für die Beweglichkeit der Samenzellen. Ohne dieses Sekret könnten diese die Scheide, in der ein saures Milieu vorherrscht, nicht passieren und in die Gebärmutter aufsteigen.

Entschuldigt bitte, wenn ich zwischendurch einige Anmerkungen einfüge. Aber ich brauchte sie, um mir selber Klarheit zu verschaffen. Vielleicht erleichtert sie ja ebenfalls euer Verständnis. Darum werde ich später noch etwas ausführlicher auf die unterschiedlichen Drüsensekrete eingehen.

Ende Anmerkung Übersetzer.

Selbst wenn es bei einem nächtlichen Orgasmus (Pollution) einen Verlust der lebenswichtigen Flüssigkeit gibt, läuft nicht so viel aus. Es tritt also während der feuchten Träume nicht viel Samenflüssigkeit aus. Es ist nur die wässrige Prostataflüssigkeit mit ein wenig Samen, der während der nächtlichen Pollution entladen wird. Wenn ein nächtlicher Samenerguss stattfindet, arbeitet der Verstand auf Astralebene und entführt den physischen Körper in ein aufregendes erotisches Abenteuer. Das ist der Grund, warum der Samenerguss plötzlich stattfindet. Der nächtliche Samenerguss kann möglicherweise nicht einmal einen sexuellen Wunsch anregen. Ein freiwilliger Geschlechtsverkehr dagegen ist für einen aufrichtigen Brahmacharya für seinen geistigen Fortschritt in hohem Grade schädlich. Die Eindrücke durch den Geschlechtsakt dagegen sind normalerweise sehr tief und sie beeinflussen die bereits bestehenden Eindrücke im Unterbewusstsein und sie regen verstärkt die sexuelle Phantasie an. Es ist wie Öl, das ins Feuer gegossen wird. Jeder neue Geschlechtsverkehr wird die Verhaftung an die Sexualität noch weiter verstärken und die Arbeit erschweren, sich von diesen sinnlichen Begierden zu befreien. Du solltest den Geschlechtsverkehr vollkommen aufgeben. Dein Verstand wird versuchen, dich auf vielfältige Weise zu täuschen, indem er dir falsche Ratschläge gibt. Sei alarmiert. Höre nicht auf seine Stimme, höre auf die Stimme des Gewissens, die Stimme der Seele, die Stimme der Unterscheidung.


5.2 Jugend mit blutleeren Gesichtern Inhaltsverzeichnis

Ein großer Anteil an Energie wird während des Geschlechtsaktes vergeudet. Ein schlechtes Gedächtnis, vorzeitige Alterung, Impotenz, verschiedene Augenkrankheiten, verschiedene Nervenkrankheiten, sind die Folgen von schweren Verlust dieser lebenswichtigen Flüssigkeit. Es ist wirklich ein Schock, viele Jugendliche zu sehen, wie sie mit torkelndem Schritt, mit einem blassen und blutleeren Gesicht, infolge des Verlustes dieser lebenswichtigen Samenflüssigkeit, daher gehen, anstelle mit agilen, flinken Schritten hierhin und dorthin, mit der Stärke und der Vitalität eines Eichhörnchens, zu springen. Einige Männer sind so leidenschaftlich und schwach, das sogar der Gedanke, der Anblick oder die Berührung einer Frau einen Samenerguss bei ihnen verursacht. Ihr Los ist bemitleidenswert! Was sehen wir aber in diesen Tagen? Jungen und Mädchen, Männer und Frauen, ertrinken im Ozean unreiner Gedanken, lüsterner Wünsche und sinnlicher Vergnügen. Es ist in der Tat in hohem Grade bedauernswert. Es ist wirklich schockierend, die Geschichten von einigen dieser Jungen zu hören. Viele Schüler und Studenten kommen persönlich zu mir und berichten mir von ihrem bemitleidenswerten Leben, einem Leben aus Trübsinn und Depression durch schweren Samenverlust, resultierend aus Selbstbefriedigung und Geschlechtsverkehr. Ihre Energie der Unterscheidung ist verloren gegangen, infolge von sexuellen Ausschweifungen und lüsterner Berauschtheit. Warum verschwendest du deine Energie für ein kurzes sinnliches Vergnügen, die viele Wochen und Monate brauchte um zu wachsen?

Calcium- und Phosphormangel durch Samenerguss

Die wenigsten wissen um die chemischen Vorgänge beim Geschlechtsverkehr, genauer gesagt, beim Samenerguss, sei er willkürlich herbeigeführt oder als Pollution im Schlaf auftretend. Man hat festgestellt, dass der menschliche Same nicht nur die Hormone der Geschlechtsdrüsen enthält, sondern auch Nährstoffe wie Lecithin, Phosphor, Calcium, Eisen und Vitamin E sowie Cholesterin. Die chemische Zusammensetzung ist ähnlich wie die der Nerven- und Hirngewebe.

Dr. Raymond Bernard schreibt darüber:

»Lorand weist darauf hin, dass überaktivität der Geschlechtsdrüse mit starker Ausscheidung von Phosphor und Calcium verbunden ist. Während der Pubertät entsteht ein ähnlicher Calcium- und Phosphormangel im Blut, weil unter dem Einfluss des Wachstumshormons die Knochen wachsen und das Skelett sich streckt. Gerade diese beiden Stoffe werden dem Körper durch Samenerguss entzogen.

Havelock Ellis hat die Beobachtung gemacht, daß frühzeitig und ausgiebig Masturbierende im Wachstum zurückbleiben. Der junge Organismus wird über Gebühr beansprucht, bevor er voll entwickelt ist. Laut McCallum und Voegtlin führt Calciumentzug aus den Nervenzellen zu übererregbarkeit, die nur durch erhöhte Calciumzufuhr beigelegt werden kann. Da beim Samenerguß viel Calcium verlorengeht, erklären sich einerseits die nervösen Symptome und andererseits die schwere Müdigkeit nach dem Orgasmus. Das gleiche gilt für den Phosphorverlust. Phosphor ist wesentlich für die Ernährung der Nerven- und Hirngewebe, und ausgesprochener Mangel kann Neurosen und Psychosen verursachen.«

Lebensstrom


Energieverlust beim männlichen Orgasmus

Wie viel Energie bei einem männlichen Orgasmus verloren geht, geht aus einem Artikel von Mantak Chia hervor: »Jedes mal, wenn der Mann ejakuliert (einen Samenerguss hat), nimmt der Körper an, dass er ein neues Leben zeugen soll. Dem Tao zufolge opfern sämtliche Organe und Drüsen dafür ihre beste Energie. Ein durchschnittliches Ejakulat enthält zwischen 50 und 250 Millionen Spermien. Wenn der Körper diesen Spermavorrat nicht ständig auffüllen muss, kann er der taoistischen Lehre zufolge, die eingesparten Energien verwenden, um Körper und Geist zu stärken, um Gesundheit, Kreativität und geistiges Wachstum zu fördern.«

Das, was die Männer als Orgasmus erfahren, sind die 5 bis 10 Kontraktionen der Prostata. Der Samen, der im Hoden produziert wird, wird anschließend im Nebenhoden gelagert. Die Reifezeit der Spermien im Hoden beträgt etwa 72 Tage. Der Nebenhoden dient im wesentlichen zur Lagerung der vom Hoden produzierten Spermien und geht in den Samenleiter über. Beim Samenerguss wird ein wenig Sperma durch Kontraktion des Samenleiters von Hoden und Nebenhoden hinaufgesaugt, wird dann mit den Drüsensekreten der Samenleiterampulle, der Samenbläschendrüse, der Prostataflüssigkeit und dem Sekret der Cowperschen Drüse vermischt und als Ejakulat durch die Harnröhre ausgeschieden.

Bildliche Darstellung:

manngenital2

1. Hoden (paarig vorhanden)
2. Nebenhodengang (paarig)
3. Samenleiter (paarig)
4. Ampulla ductus deferentis (paarig)
5. Samenblase (paarig)
6. Ductus ejaculatorius (paarig)
7. Prostata (einfach)
8. Ausführungsgänge der Prostata (mehrfach vorhanden)
9. Cowpersche Drüsen (paarig)
10. Littré Drüsen (mehrfach)
11. Harnröhre (einfach)
12. Harnblase (einfach)

Vorgänge im männlichen Genitaltrakt

Zum obigen Bild: Hoden (= Bildungsort der Spermien), Nebenhoden (=Lagerplatz der Spermien). Der Ejakulationsweg der Spermien wird durch beide Samenleiter (3), beide Ductus ejaculatorii (6) und die Urethra (11) gebildet. Als Ductus ejaculatorius wird die Passage durch die Prostata in die Urethra bezeichnet. Entlang des Ejakulationsweges fügen verschiedene Drüsen (4+5+7+9+10) ihre Sekrete dem Ejakulat bei. (embryology.ch)


glandes.gif

1. Ductus deferens
2. Ampulla ductus deferentis
3. Vesicula seminalis
4. Ductus ejaculatorius
5. Prostata
6. Ausführungsgänge der Prostata
7. Cowper Drüsen
8. Littre Drüsen
9a.Pars prostatica Urethrae
9b.Pars membranacea Urethrae
9c.Pars spongiosa Urethrae

Männliche Urethra mit akzessorische Drüsen

GMann.png

01. Harnblase (Vesica urinae)
02. Schambein (Ospubis)
03. Penis
04. Schwellkörper (Corpus cavernosum)
05. Eichel (Glans penis)
06. Vorhaut (Präputium)
07. äußere Harnröhrenöffnung
08. Sigmoid
09. Mastdarm (Rectum)
10. Samenblase (Vesica seminalis)
11. Ductus ejaculatorius
12. Vorstehedrüse (Prostata)
13. Cowpersche Drüse
14. Anus
15. Samenleiter (Vas deferens)
16. Nebenhoden (Epididymis)
17. Hoden (Testis, orchis)
18. Hodensack (Scrotum)

Geschlechtsorgane Mann


Diese alkalische Flüssigkeit der Vorsteherdrüse (Prostata), ein milchig-klares Sekret, sorgt für die Beweglichkeit der Samenzellen. Ohne dieses Sekret könnten diese die Scheide, in der ein saures Milieu vorherrscht, nicht passieren und in die Gebärmutter aufsteigen. Die Prostata liefert etwa 10 bis 33 % am Volumen der Samenflüssigkeit. Ihr Sekret fungiert dabei als Nährlösung für Samenzellen und enthält alles, was diese auf ihrem beschwerlichen Weg zur Eizelle brauchen: Fruchtzucker zur Verpflegung, Wasser, um darin zu schwimmen, und Säure, welche die Spermien aus ihrer Hodenstarre erweckt. Dazu erhalten Samenzellen die Mineralstoffe Natrium, Kalium, Zink und Magnesium. Nur wenn die Prostata für die richtige Mischung im Ejakulat sorgt, ist die Fruchtbarkeit des Mannes gewährleistet.


Muskelkontraktionen beim männlichen Orgasmus

Bei der Ejakulation werden in der Regel ab Beginn der Pubertät ca. 2 bis 6 ml Sperma (Ejakulat) mit von Mann zu Mann oder Ejakulation zu Ejakulation sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit über koordinierte Kontraktionen des Nebenhodengangs (ductus epidedymidis), des Samenleiters (ductus deferens), der Bläschendrüse (vesicula seminalis), Prostata und Harnröhre (urethra) sowie über die Kontraktionen der Beckenbodenmuskulatur über die äußere Harnröhrenöffnung meist in mehreren Fraktionen - entsprechend der reflexgesteuerten Muskeltätigkeit - ausgestoßen. Bei der Ejakulation sind mehrere Kontraktionswellen der Muskeln dafür verantwortlich, dass die Ejakulation in mehreren Schüben erfolgt.

Ejakulation


5.3 Das männliche Sperma (Energieverlust) Inhaltsverzeichnis

Weil immer wieder behauptet wird, ein Orgasmus stelle keinen Energieverlust da, soll einmal der ungeheure Aufwand dargestellt werden, der betrieben wird, um das männlichen Sperma zu produzieren. Das Sperma ist geradezu ein kleines hormonelles Wunderwerk und mit einem Orgasmus wird das Sperma, an deren Produktion sehr viele Drüsen und Organe beteiligt sind, vergeudet. Der Körper muss nun alle seine Energien darauf richten, neues Sperma zu produzieren. Diese Energie geht dem Wohlbefinden, der Vitalität, verloren und der Mensch fühlt sich schlapp, müde und ausgelaugt.

Das Sperma setzt sich aus Spermien, Epithelzellen der Hodenkanälchen und der eigentlichen Samenflüssigkeit, dem Samenplasma, zusammen. Im Schnitt beträgt das Volumen einer menschlichen Ejakulation 2 bis 6ml (ca. 5 Kilokalorien), wobei 1ml durchschnittlich 20 bis 30 Millionen Spermien enthält (vgl. beim Hengst 22 Milliarden). Das sind 0,5% des gesamten Ejakulats, der Rest ist Samenflüssigkeit. Die Samenflüssigkeit ist zudem meist leicht salz- und proteinhaltig, (durch die Spermien) und enthält Dopamin, Noradrenalin, Tyrosin, die Bindungshormone Oxytocin und Vasopressin sowie verschiedene östrogene, Pheromone (Geruchsstoffe) und ß-Endorphin. Es gibt Hinweise darauf, dass Bestandteile der Samenflüssigkeit die Produktion von Zytokinen (zuckerhaltige Wachstumsproteine) in der Gebärmutter anregen. Diese begünstigen die Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut

Samenplasma

Das Samenplasma (Ejakulat) wird aus Sekreten der folgenden Geschlechtsdrüsen:

1. Hoden und Nebenhoden
2. Samenleiterampulle
3. Samenbläschen
4. Vorsteherdrüse (Prostata)
5. Cowpersche Drüse (Bulbourethraldrüse)

Hier die bildliche Darstellung: Männliche Geschlechtsorgane. Dort könnt ihr die Details anschauen.

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Männliche Geschlechtsorgane


Hoden und Nebenhoden (Testis):
Der Hoden ist die männliche Keimdrüse. Er besteht aus etwa 250 Läppchen, die durch Bindegewebe voneinander getrennt sind. Jedes Läppchen besteht aus einigen stark geschlängelten Hodenkanälchen. Im Hodenkanälchen erfolgt die Entwicklung der Spermien. Bis zur vollständigen Reife der Spermien (Spermatozoen) verbringen sie ungefähr 72 Tage im Hodenkanälchen, wo sie über verschiedene Vorstufen im Keimepithel (Keim- und Stützzellen) der Hodenkanälchen gebildet werden. Die reifen Spermien gelangen anschließend in den Nebenhoden, ihrem Speicherplatz. Der Samenleiter hat eine Länge von etwa 50 - 60 cm und führt vom Nebenhoden ausgehend, im Samenstrang durch den Leistenkanal und mündet gemeinsam mit dem Ausführungsgang der Samenbläschen innerhalb der Prostata in die Harnröhre. Im Hoden und Nebenhoden, die nur 3–5% des gesamten Volumens eines Samenergusses beisteuern, wird neben den Spermien unter anderem auch Testosteron, das regulierend auf die Produktion der Samenzellen wirkt und eine Flüssigkeit ist, die zum Reifen und Ruhigstellen der Samenzellen beiträgt, produziert.

Netdoktor:
Die Hoden - Thermoschrank für die Samenreife: Die Hoden (in der medizinischen Fachsprachrache Testis genannt) sind die männlichen Keimdrüsen. Das paarig angelegte, eier– oder pflaumenförmige Organ hat ca. fünf Zentimeter Durchmesser und ein Gewicht von 25 bis 30 Gramm. Die Hoden hängen am so genannten Samenstrang, einem Bündel aus Muskeln, Gefäßen, Nerven und Samenleitern frei beweglich im Hodensack. Sie produzieren Spermien (etwa 2.500 Stück pro Sekunde) und Testosteron. Testosteron ist das männliche Sexualhormon, das für die Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale, z.B. die männliche Stimmlage, den Bartwuchs, die Achsel-, Kopf- und Schambehaarung sowie die Muskelverteilung und den Knochenbau verantwortlich ist. Das Testosteron reguliert auch die Samenproduktion. Die Spermien (Samen) reifen in etwa 250 Kammern (Hodenläppchen) heran, in die jeder Hoden unterteilt ist. Die Hodenläppchen entstehen durch ein Knäuel von Hodenkanälchen, in denen die Spermien gebildet werden. Insgesamt machen die Kanälchen eines Hodens eine Länge von fast 200 Metern aus. Männliche Samenzellen sind während der Reifephase sehr temperaturempfindlich, weshalb sie in kühlere Regionen ausgelagert werden: Im Hodensack ist die Temperatur etwa zwei bis zweieinhalb Grad niedriger als im Bauchraum.

Nebenhoden – Basislager vor dem Einsatz: Hinter den Hoden liegt der Nebenhoden. Er besteht aus einem sechs Meter langen, zu einem engen Knäuel gewickelten Röhrensystem, in dem die von den Hoden gebildeten Spermien bis zu ihrem Einsatz aufbewahrt werden. Die Nebenhoden produzieren für die Lagerung ein bestimmtes Sekret, durch das die sehr bewegungsfreudigen Spermien vorübergehend "ruhig gestellt" werden. Wird das Basislager zu voll, hilft sich die Natur durch einen unkontrollierten Samenabgang (Pollution). Dies geschieht meist nachts im Schlaf.

Samenleiterampullen: In die Wand des Endabschnitts des Samenleiters (im Bereich der Prostata) sind Drüsenpakete eingelagert. Beim Menschen führen diese Drüseneinlagerungen auch zu einer äußerlich sichtbaren Auftreibung des Samenleiters, die als Samenleiterampulle bezeichnet wird. Die Samenleiterampulle produziert einen Teil der Samenflüssigkeit.

Samenbläschen: Die Samenbläschen sind paarig angelegte Drüsen, die aus einer verschlungenen Röhre besteht. Die Innenwand dieser Röhre besteht aus sekretorischem Drüsengewebe. Das Sekret der Samenbläschen steuert das meiste Volumen, ca. 50–70%, des Ejakulats bei. Sie dient der Verflüssigung des Ejakulats und enthält Fruktose (Fruchtzucker) und andere Stoffe die der Ernährung der Samenzellen dient, außerdem große Mengen an Prostaglandinen (Hormone mit hoher Wirkungsvielfalt, schmerzbekämpfend, gerinnungshemmend, entzündungshemmend, fiebersenkend) und Fibrinogen (gerinnungshemmendes Protein). Die Prostaglandine tragen zur Befruchtung bei, in dem sie die Gebärmutterschleimhaut empfänglicher für die befruchtete Eizelle machen, und möglicherweise in dem sie die glatte Muskulatur in der Gebärmutterwand zu peristaltischen (wellenförmige Einschnürungen von Ringmuskeln) Bewegungen anregen, die die Spermien in Richtung Eierstöcke bringen. Außerdem verhindern sie Infektionen im männlichen Geschlechtstrakt.

wikipedia: Ebenfalls als Samenblasen werden im Tierreich Behältnisse zur Aufbewahrung der Spermien benannt, die sowohl beim Weibchen (etwa bei Ameisen) als auch beim Männchen (etwa bei den Libellen) vorkommen können. Beim Menschen scheint es aber so zu sein, dass die fertigen Spermien ausschließlich im Nebenhoden gelagert werden.

Vorsteherdrüse (Prostata): Die Prostata ist ein etwa kastaniengroßes Organ, das den Anfangsteil der Harnröhre unter der Harnblase umgibt. Beim Orgasmus steuert die Prostata (Vorsteherdrüse) noch 10–33% in Form einer dünnflüssigen, milchigen Flüssigkeit bei. Die Kapsel der Prostata zieht sich ebenso wie das Samenbläschen während der Ejakulation zusammen, so das die Flüssigkeit der beiden Organe vermischt und ausgestoßen wird. Das Sekret der Prostata enthält Ionen (Natrium, Kalium, Zink und Magnesium, Kalzium, Citrationen (Zitronensäure), Phosphationen), ein Gerinnungsenzym und Profibrinolysin (zur Blutgerinnung). Der pH-Wert der Prostataflüssigkeit ist leicht basisch (pH 7,2) und dient als Ausgleich für die leicht saure Flüssigkeit aus den Samenbläschen, metabolische (stoffwechselbedingte) Abbauprodukte der Spermien, und die zu erwartende Milchsäure der Scheide. Dies ist besonders bedeutsam, da Spermien erst bei einem pH-Wert von 6.0 bis 6.5 optimal beweglich werden. Weiterhin ist PSA (Prostataspezifisches Antigen) enthalten, um die Spermien beweglich zu machen. Die Prostata entlässt außerdem weiße Blutkörperchen, verschiedene Granulozyten (dienen zur Abwehr von Bakterien, Parasiten und Pilzen) ins Samenplasma, normalerweise 1 (max. 2) Millionen pro 1ml. Daher auch die Infektiösität (Anhaften und Vermehren von Krankheitserregern) des Spermas (z. B. HIV, (Aids)).

Cowpersche Drüse (Bulbourethraldrüse): Vorab, ausgelöst durch die Erregung, innerviert (mit Nervenimpulsen versorgt) der Parasympathikus (vegetatives Nervensystem) die Cowperschen Drüsen (beim Menschen etwa 5 cm lang, der Ausführungsgang mündet in die Harnröhre) und regt sie zur Sekretion eines verhältnismäßig kleinen Anteils von 2–5% klaren Schleims, auch Lusttropfen (auch Lusttröpfchen, Vorlusttropfen, Sehnsuchtstropfen, Glückstropfen, liquor of love, medizinisch: Präejakulat, können in der späten Plateauphase, kurz vor dem Orgasmus, aus dem männlichen Glied schon vor der Ejakulation austreten.) genannt, an. Die Lusttropfen bestehen aus einem klaren Schleim aus verschiedenartigen Drüsenzellen und können schon mit Sperma vermischt sein. Deshalb können Frauen auch durch den darin enthaltenen Samen schwanger werden. Das Sekret der Bulbourethraldrüse wird meist vor der eigentlichen Ejakulation abgegeben (Vorsekret des Spermas). Das schleimige Sekret dient vermutlich vor allem der Neutralisierung von Harnresten, eventuell auch des sauren Scheidenmilieus.

Das Ejakulat setzt sich wie folgt zusammen

Drüse Prozent
Hoden und Nebenhoden

5

Samenleiterampullen

?

Samenbläschen

50 - 80

Prostata

10 - 30

Cowpersche Drüsen

2 - 5

Sperma

Abschnitt 5.3 ist vom Übersetzer nicht von Swami Sivananda.


Mantak Chia stellt die Behauptung auf, die Menschen würden keine Energie bei einem Orgasmus verlieren. Er spricht von einem Orgasmus ohne Samenverlust und tut dabei so, als hätten die Menschen, die seine taoistischen Sexualpraktiken anwenden, keinen Samenerguss. Dass dem aber nicht so ist, werden wir noch sehen. Dazu solle man, laut Mantak Chia, kurz vor dem Orgasmus den Zeige-, Mittel- und Ringfinger seiner stärkeren Hand auf den Punkt der Million Goldstücke, auf jenen Punkt, an dem sich der Samenleiter und der Harnleiter treffen (siehe Bild), so fest pressen, dass der Samenfluss gestoppt wird. Sie müssen mit Ihrem Finger bis zum ersten Fingergelenk hineinfahren, also etwa 1,5 bis zwei Zentimeter.

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Weiter sagt Mantak Chia: Spannen Sie während des Orgasmus ihren PC-Muskel (Pubo-Coccygeus-Muskel, Beckenbodenmuskel) an und ziehen Sie den Damm (zwischen Penis und Po) hoch. Pumpen sie mit dem Pomuskel und ziehen Sie die orgastische Energie gedanklich über das Rückgrat zum Gehirn hinauf. Die Kombination aus dem gleichzeitigen Anspannen des PC-Muskel, sowie dem Anspannen der Fuss- Faust- und Kiefermuskeln soll den Genitalien das Blut und die Energie entziehen, die sie für den unwillkürlichen Spasmus (ungewollte Muskelkontraktion während des Orgamus') benötigen. Wird der Druck auf die richtige Stelle ausgeübt, so tritt kein Samen aus.

Mantak Chias Theorie funktioniert zum einen nicht, weil durch das gleichzeitige Anspannen von PC-Muskel, sowie dem Anspannen der Fuss- Faust- und Kiefermuskeln, keinesfalls den Genitalien das Blut und die Energie entzogen wird, die sie für den unwillkürlichen Spasmus benötigen. Genau dieser Spasmus, den Mantak Chia eigentlich verhindern möchte, findet aber statt. Es kommt ja zu einem Orgasmus. Das Lustgefühl des Orgasmus beruht nämlich im wesentlichen aus den 5 bis 10 Muskelkontraktionen (Spasmen) der Prostata.

Dazu lesen wir bei wikipedia unter Injukalation:

"Durch den Druck auf den Punkt zwischen After und Hodensack vor dem Stimulationshöhepunkt wird – bei konsequenter Anwendung der Methode – der Samenleitereingang vor der Harnröhre abgedrückt, so dass das Sperma nicht entweichen kann. Dabei wird die Samenflüssigkeit des Spermas von der Prostata wieder aufgenommen. Das dann einsetzende wollüstige Gefühl wird durch die Kontraktion diverser (Prostata-)Muskeln hervorgerufen, die das Sperma herausstoßen wollen, was jedoch nicht geschieht. Durch diesen, dem Körper "vorgegaukelten" Samenerguss entsteht zwar eine sexuelle Befriedigung, jedoch wirkt diese Methode im Ganzen weiter stimulierend und lusterhaltend, anstatt wie bei einer echten (sexuellen) Befriedigung ermüdend. Es ist dabei wichtig, genau auf den Punkt zu drücken, nicht etwas daneben. Ansonsten wird das Sperma rückwärts in die Harnblase gespritzt, was sich durch getrübten Urin beim nächsten Wasserlassen äußert. Der Hauptnutzen der Injakulation liegt in der Trennung von Orgasmus und Ejakulation, wodurch die mit der Ejakulation verbundene Refraktionsphase aus- und die Erektion erhalten bleibt. Dies ermöglicht es Männern multiple Orgasmen zu erleben.

Die übersetzung fernöstlicher Begriffe und Vorstellungen in rational-wissenschaftliche Terminologie ist immer problematisch. Den lusterhaltenden Effekt (Taoismus) mit der in der Prostata verbleibenden Samenflüssigkeit (Schulmedizin) erklären zu wollen, ist bestenfalls unangebracht. Aus schulmedizinischer Sicht wird dem Körper kein Samenerguss "vorgegaukelt". Es finden alle Muskelkontraktionen statt, die mit einem Orgasmus verbunden sind, die Flüssigkeit wird lediglich nicht ausgeschieden. über Energiefluss und Meridiane ist damit aber nichts gesagt. Schulmedizinisch ist ein dauerhaftes Verbleiben der Samenflüssigkeit im Samenleiter gesundheitsgefährdend. Da bei der Injakulation aber keine funktionelle Störung vorliegt, wird die zurückgehaltene Flüssigkeit mit dem nächsten Harn- oder Samenfluss ausgeschieden. Eine "Wiederaufnahme" der Samenflüssigkeit durch die Prostata ist zumindest zweifelhaft. Teilweise wird sogar behauptet, die Flüssigkeit werde "durch das Blut wieder absorbiert", was völlig ausgeschlossen ist. Nährstoffe resorbiert der Organismus im Darm über die Schleimhäute, dort werden sie in die Blutbahn gelenkt. Auch die äußere Haut ist zur Resorption fähig. Drüsen, Samenleiter und Harnröhre jedoch nicht, sie produzieren und transportieren." Soweit also wikipedia.

Sämtliche Drüsen geben also, wie bei einem ganz normalen Orgasmus, ihre Drüsensekrete, aus der das Ejakulat besteht, ab. Zu diesen Drüsen gehören: 1. Hoden und Nebenhoden, 2. Samenleiterampulle, 3. Samenbläschen, 4. Vorsteherdrüse (Prostata), 5. Cowpersche Drüse (Bulbourethraldrüse). Mit anderen Worten, es findet ein ganz normaler Orgasmus statt. Das Ejakulat kann allerdings nicht durch die Harnröhre abfließen, da sowohl der Samenleiter als auch die Harnröhre durch den Druck auf den "Millionen-Dollar-Punkt"versperrt ist. Daher gelangt das Ejakulat entweder in die Harnblase oder in der Prostata. Wikipedia hat sich überwiegend an die offizielle Sichtweise des Taoismus gehalten, was aber nicht heisst, dass diese Sichtweise der Realität entspricht. So bezweifle ich, dass der Orgasmus, bei dem der Samenausstoss mittels des Drückes auf den Millionen-Dollar-Punkt verhindert wird, zu multiplen Orgasmen führt. Es findet höchstens, wie beim Tantra, eine allmähliche Steigerung der sexuellen Lust statt, die sich mit dem Orgasmus entlädt. Die zwischenzeitliche Steigerung, das zwischenzeitliche Erklimmen neuer sexueller Plateaus, sollte man aber nicht als einen Orgasmus betrachten. Darum finden auch keine multiplen Orgasmen statt, sondern nur ein ganz normaler Orgasmus, eventuell auf einem etwas höherem Niveuau, und danach ist die Luft raus, ganz genau so, wie bei einem normalen Orgasmus.

Mittlerweile aber haben sich die verschiedenen Drüsensekrete in der Prostata (falls sie nicht in der Harnblase gelandet sind) vermischt und sie werden wohl keine Möglichkeit und keine Veranlassung mehr haben, in die unterschiedlichen Drüsen zurückzuwandern. Das Hinaufleiten der Energie über das Rückenmark zum Gehirn, welches Mantak Chia einerseits durch das Pumpen des Pomuskels und andererseits gedanklich erreichen möchte, geschieht ganz von selbst, wie bei jedem normalen Orgasmus. Da braucht man überhaupt nicht nachzuhelfen. Mit anderen Worten, ich halte die taoistischen Sexualpraktiken Mantak Chia's für nichts anderes als eine gute Geschäftsidee, die sich bisher auch recht gut verkauft hat. Wie wir noch im Laufe dieses Buches erfahren, war Mantak Chia keineswegs der erste, der mit dieser Methode die Menschen auf die falsche Fährte lockte. Schon in grauer Vorzeit gab es verantwortungslose Yogis, die mit dieser Methode wohlhabenden Männern das Geld aus der Tasche zogen und sie in den gesundheitlichen Ruin trieb.

Abschnitt 5.4 ist vom Übersetzer nicht von Swami Sivananda.


Meine lieben Brüder! Die vitale Energie, der Samen, der dein Leben unterstützt, der in deinen funkelnden Augen erstrahlt, der sich in deinen lachenden Wangen wiederspiegelt, ist ein großer Schatz für dich. Bedenke diesen Punkt gut. Der Samen ist die Quintessenz des Blutes. Ein Tropfen des Samens ist aus vierzig Tropfen des Blutes hergestellt. Daran kannst du erkennen, wie wertvoll diese Flüssigkeit ist. Ein Baum bezieht seine lebenswichtige Versorgung von der Erde. Diese lebensnotwendige Essenz verteilt sich im ganzen Baum, in seinem Zweigen, Ästen, Blättern, Blüten und Früchten. Die leuchtenden Farben und das Leben in den Blättern, in den Blüten und in den Früchten sind Ausdruck göttlicher Ekstase. Der Samen, der durch die Zellen des Hodens aus dem Blut erzeugt wird, verleiht dem menschlichen Körper und seinen Organen Gesundheit, Schönheit und Vitalität.

Entsprechend Ayurveda ist der Same das letzte Körpergewebe wie z.B. Muskel- oder Fettgewebe, die aus Nahrung heraus gebildet werden. Aus der Nahrung heraus wird ein Milchsaft produziert. Aus dem Milchsaft heraus entwickelt sich Blut. Aus Blut heraus entwickelt sich Fleisch. Aus dem Fleisch entwickelt sich Fett. Aus Fett heraus entstehen Knochen. Aus Knochen heraus kommt Mark. Aus Mark heraus entsteht Samen. Dies sind die sieben Dhatus (Körpergewebearten) des Ayurveda, die unser Leben und unseren Körper unterstützen. Mark ist also ebenso wertvoll wie Samen. Aber der Samen ist die letzte Essenz. Er entspricht der letzten Umwandlungsstufe der Nahrung. Der Samen entwickelt sich aus dem Mark, der geschützt innerhalb der Knochen verborgen ist. Es gibt drei Bereiche in jedem Dhatu. Der Samen ernährt den physischen Körper, das Herz (die Liebe) und den Intellekt. Nur derjenige, der den physischen Körper, das Herz und den Intellekt benutzt, kann vollkommenes Brahmacharya verwirklichen. Ein Catcher, der nur seinen physischen Körper benutzt, aber seinen Intellekt und das Herz vernachlässigt, kann nicht erwarten, Brahmacharya zu verwirklichen. Er kann gewissermaßen nur das Brahmacharya des Körpers verwirklichen, nicht aber das Brahmacharya des Herzens und des Verstandes. Der Samen, der zum Herzen und zum Verstand gehört, fließt dabei allerdings heraus.

Praktiziert ein Schüler nur Japa (Mantrameditation) und Meditation, entwickelt dabei allerdings nicht die Liebe und vernachlässigt den Körper, so praktiziert er nur geistiges Brahmacharya. Der Teil des Samens, der eigentlich das Herz und den Körper ernähren solle, fließt heraus. Aber ein fortgeschrittener Yogi, der tief in die Meditation eintaucht, hat volles Brahmacharya, selbst wenn er keine Yogaübungen macht. Samen ist die Quintessenz der Nahrung oder des Blutes. Entsprechend der modernen medizinischen Wissenschaft wird ein Tropfen Samen aus vierzig Tropfen Blut hergestellt. Laut Ayurveda wird ein Tropfen Samen sogar aus achtzig Tropfen Blut hergestellt. Die zwei Hoden, die im Hodensack angeordnet sind, werden ausscheidende Drüsen genannt. Die Zellen dieser Hoden sind mit der eigenartigen Eigenschaft des Absonderns des Samens aus dem Blut ausgestattet. Gerade so wie Bienen Tropfen für Tropfen den Honig in Bienenwaben sammeln, genau so sammeln die Zellen des Hodens Tropfen für Tropfen des Samens aus dem Blut. Dann wird die Samenflüssigkeit durch die zwei Samenleiter zu den vesiculae seminalis (Samenbläschen) transportiert (und vermischt sich mit dem Drüsensekret des Samenbläschens). Durch einen Ejakulationsreflex (Kontraktion des Samenleiters) wird der Samen, nachdem er sich anschließend mit der Prostataflüssigkeit vermischt hat, schließlich aus der Harnröhre heraus geschleudert. Anmerkung Übersetzer: Hier erwähnt Swami Sivananda die Drüsensekrete aus den Samenleiterampullen, aber aus der Cowperschen Drüse nicht. Vielleicht hat er es vegessen. Ende Anmerkung.

Der Samen ist in einem subtilen Zustand in allen Zellen des Körpers zu finden. Genau so wie Zucker im Zuckerrohr, Butter in der Milch, so ist auch der Samen im ganzen Körper vorhanden. Gerade so wie die Buttermilch dünnflüssig wird, nachdem man ihr den Butteranteil entzogen hat, so wird auch der Samen verdünnt, wenn man ihn verschwendet. Um so mehr der Samen verschwendet wird, um so schwächer wird man. Das heißt: Der Verlust des Samens bringt den Tod; das Bewahrung des Samens schenkt das Leben. Der Same beherbergt die wahre Vitalität der Männer. Es ist der versteckte Schatz im Mann. Er verleiht dem Gesicht einen brahmischen Glanz und dem Intellekt Stärke.


Hervorragende europäische Mediziner stützen die Aussage der indischen Yogis. Dr. Nicole sagt: "Es ist eine medizinische und physiologische Tatsache, dass das beste Blut im Körper, die Elemente der Fortpflanzung (Spermien, Eizellen) in beiden Geschlechtern bilden. In einem reinen und geordneten Leben wird diese Substanz resorbiert. Es geht zurück in den Blutkreislauf, bildet ein leistungsfähiges Gehirn, starke Nerven und ein muskulöses Gewebe. Diese vitale Samenflüssigkeit diffundiert durch den männlichen Körper, macht ihn männlich, stark, tapfer und heroisch. Wird er vergeudet, macht es den Mann unmännlich, labil und physisch schwach, anfällig für sexuelle Reize, verleiht ihm ein bemitleidenswertes Nervensystem, Epilepsie, viele Krankheiten und letzten Endes den Tod. Die Enthaltsamkeit sorgt für eine bemerkenswerte Zunahme der körperlichen und geistigen Stärke.“

Wenn die Samenproduktion beim Mann kontinuierlich ist, muss er entweder ausgeschieden oder resorbiert werden. Resultierend aus geduldigen und beharrlichen wissenschaftlichen Untersuchungen kann gesagt werden, dass, wann immer der Samen konserviert wird, er vom Körper resorbiert wird. Er reichert das Blut an und stärkt das Gehirn. Dr. Dio Louis denkt, dass die Erhaltung des Samens zur Stärke des Körpers, zur Stärke des Verstandes und zur Schärfe des Intellekts beiträgt. Ein anderer Autor Dr. E. P. Miller sagt: „Jede Vergeudung von Samen, ob freiwillig oder unfreiwillig, ist eine direkte Vergeudung der Lebenskraft. Es wird allgemein zugestimmt, dass die auserlesensten Elemente des Blutes am Aufbau des Spermas beteiligt sind. Wenn diese Zusammenfassungen zutreffen, dann folgt daraus, dass ein tugendhaftes Leben wesentlich zum Wohl des Mannes ist.“


Verstand, Prana (Atmung) und Samen sind die drei Glieder einer Kette. Sie sind die drei Pfeiler der Seele. Zerstöre einen der Pfeiler, Verstand, Prana oder Samen und das Gebäude fällt in sich zusammen. Verstand, Prana und Samen sind eins. Indem du den Verstand kontrollierst, kannst du das Prana und den Samen steuern. Indem du Prana kontrollierst, kannst du den Verstand und den Samen steuern. Kontrollierst du den Samen, dann kannst du den Verstand und das Prana steuern. Verstand, Prana und Samen sind an einem göttlichen Stromkreis angeschlossen. Wenn der Verstand kontrolliert wird, dann wird auch die Atmung und der Samen automatisch gesteuert. Derjenige, der seinen Atem zurückhält, beruhigt seinen Verstand und hält ebenfalls seinen Samen zurück. Noch einmal. Wenn der Samen kontrolliert wird und wenn er durch reine Gedanken, durch die Praxis von Viparita Karani (Vorstufe zum Schulterstand), durch Sarvangasana (Schulterstand), durch Sirshasana (Kopfstand), durch Pranayama (Atemübungen) und durch Mudras (Fingeryoga) aufwärts ins Gehirn fließt, dann wird der Verstand und das Prana automatisch gesteuert.

Der Verstand wird vor allem durch zwei Dinge beunruhigt, durch die Erschütterungen des Prana und durch subtile Wünsche. Wo der Verstand beruhigt wird, wird auch das Prana zurückgehalten; und wo das Prana beruhigt ist, dort kommt auch der Verstand zur Ruhe. Verstand und Prana sind vertraute Begleiter, wie ein Mann und sein Schatten. Wenn der Verstand und das Prana nicht zurückgehalten werden, werden alle Sinne aktiviert und bringen Unruhe ins Leben. Macht sich bei einem Mann die Leidenschaft breit, dann wird das Prana durch eine erhöhte Atemfrequenz aktiv. Dann befolgt der ganze Körper die Befehle des Verstandes, genau so wie der Soldat den Befehl seines Kommandanten befolgt. Der Atem, das Prana, bewegt den Samen. Der Samen wird in Bewegung gesetzt. Er fällt abwärts, so wie die Wolken als Regen herabfallen, oder wie die Früchte, Blüten und Blätter der Bäume, durch die Kraft des tosenden Windes zu Boden fallen.

Geht der Samen verloren, dann wird die Atmung unruhig. Das Prana wird aufgewühlt. Der Mann wird nervös. Dann kann auch der Verstand nicht richtig arbeiten. Der Mann wird wankelmütig. Es stellt sich geistige Schwäche ein. Wird das Prana wieder beruhigt, dann kehrt auch wieder Ruhe im Verstand ein. Wird der Same bewahrt, dann herrscht Ruhe im Verstand. Wenn die Konzentration stetig ist, dann wird der Verstand ruhig. Folglich kontrolliere das Prana, den Samen und die Konzentration. Gott ist das Wesen der Freude. Gott ist der lebenswichtige Samen. Du kannst nur durch Gott und durch die Bewahrung des Samens ewiges Glück erlangen. Erfasse die volle Bedeutung dieser Lebensweisheit. Der Same ist eine lebenswichtige Energie. Gott selber ist dieser Same. Der Same ist Sita (Ehefrau von Rama, Sita gilt als Vorbild für eheliche Treue), Radha (Geliebte des Krishna) und Durga (Göttin der Vollkommenheit). Der Same ist dynamischer Wille, die Kraft der Seele, Gott in Bewegung, göttliche Kraft. Gott sagt in der Gita: „Ich bin der Same, die Zeugungskraft in den Männern“. Der Same ist das Wesentliche des Lebens, der Gedanken, der Intelligenz und des Bewusstseins. Daher konserviere diese lebenswichtige Flüssigkeit sehr, sehr sorgfältig!


Abschnitt 6.3 gehört nicht zum Buch von Swami Sivananda. Er ergab sich zufällig durch eine Diskussion in einem Forum und ich hielt es für angebracht, diese Information hier einzufügen. Sie stellt gewissermaßen das Ergebnis einer längeren Diskussion dar, die ich einfach einmal hier so stehen lassen möchte.

Ich stellte im Forum folgende Frage: Ich bin da eben auf etwas gestoßen, das besonders für Männer von Interesse sein könnte, die sich aus Gründen der Familienplanung sterilisieren lassen wollen. Bei der Sterilisation wird normalerweise der Samenleiter des Mannes durchtrennt, so dass der Samen nicht mehr aus dem Hoden aufsteigen kann. Und damit ist der Mann nicht mehr zeugungsfähig. Nun gibt es aber einen Umstand, der in der westlichen Medizin scheinbar nicht so bekannt ist. Nämlich das die Erleuchtung im wesentlichen auf der Umwandlung des sexuellen Energie, sprich des männlichen Samens, beruht. Wenn aber die Samenproduktion infolge der Sterilisation sich einstellt, dann wird natürlich kein Same mehr produziert. Und damit ist auch die Erleuchtung nicht mehr möglich. Im folgenden gebe ich einfach ein paar Informationen wieder, die ich über dieses Thema gesammelt habe.

Bei der Sterilisation des Mannes durchtrennt der Chirurg nur die Samenleiter, bei der Kastration dagegen werden die gesamten Hoden entfernt. Noch mehrere Monate nach der Operation können befruchtungsfähige Spermien in der Samenflüssigkeit vorhanden sein. Sie überleben beispielsweise in der Samenblase. Deshalb untersucht der Arzt nach dem Eingriff mehrmals Proben des Ejakulats und überprüft den Operationserfolg. Bis das Ejakulat frei von Spermien ist, müssen Paare zusätzlich verhüten.

Lässt sich eine Sterilisation rückgängig machen?

Theoretisch lässt sich die Durchtrennung der Samenleiter durch eine komplizierte mikrochirurgische Operation beheben. Je länger der Eingriff zurückliegt, desto geringer sind allerdings die Chancen, den Mann wieder fruchtbar zu machen. (netdoktor.de)

Vasektomie: Operatives Durchtrennen der Samenleiter bei Sterilisation des Mannes. Wobei die endgültige Zeugungsunfähigkeit erst mit der Einstellung der Samenproduktion nach neun Monaten eintritt. (Vasektomie)

So, ich habe noch einmal nachgeschaut. Es sieht einerseits so aus, als ob normalerweise der Samenleiter durchtrennt wird. Aber natürlich ist auch das Abbinden des etwa 50 bis 60 cm langen Samenleiters möglich. Andererseits können sich durch die Sterilisation Antikörper gegen die Samen bilden, die den Samen unfruchtbar machen. Dies kommt offensichtlich dadurch zustande, dass bei der Sterilisation die Blut-Sperma-Schranke (unbeabsichtigt) durchbrochen wird. Es gelangen also Spermien in die Blutbahn, die daraufhin Antikörper gegen den Samen bilden.

Sterilisation beim Mann

Nach Desinfektion und örtlicher Betäubung wird die Haut an der Stelle geöffnet, wo die beiden Samenleiter vom Hoden in den (inneren, unsichtbaren Teil des) Penis übergehen (siehe Bild unter gyn.de). Aus den Samenleitern wird ein kleines Stück herausgetrennt. Dann werden die Enden zugenäht und/oder verschweißt und der winzige Schnitt in der Haut geschlossen.

Folgen der Sterilisation

Es wird zwar kein Samen mehr abgegeben, aber es erfolgt dennoch beim Orgasmus eine Ejakulation. Das Ejakulat besteht dann aus der in der Prostata gebildeten Flüssigkeit. Insofern hat eine Sterilisation keinerlei Auswirkung auf die Qualität der Sexualität und auf den Hormonhaushalt des Mannes. Im Gegensatz zur Sterilisation der Frau ist die Möglichkeit, die Samenleiter mikrochirurgisch irgendwann wieder zu vereinigen einfacher. Allerdings sinkt die Erfolgsaussicht einer Refertilisation (Wiederfruchtbarmachung), je länger die Sterilisation zurückliegt.

Dies liegt vor allem an der zunehmenden Bildung von Autoantikörpern gegen Spermien, die bei 50-80 % der sterilisierten Männer nachgewiesen werden können. Normalerweise sind Sperma und Blutkreislauf streng getrennt (Blut-Hoden-Schranke). Gelangen jedoch nach einer Verletzung der Blut-Hoden-Schranke (z.B. bei der Sterilisation, aber auch nach Genitaltraktinfektionen, bei Hodenverletzungen oder Gefäßfehlbildungen) Spermabestandteile in den Blutkreislauf, kann dieses die Bildung von Autoantikörpern veranlassen. Je nach Art der Antikörper können diese entweder die Spermien direkt zerstören, unbeweglich machen oder die Interaktion von Spermium und Eizelle blockieren. Je länger die Sterilisation zurückliegt, umso höher ist der Antikörperspiegel und umso fraglicher der Erfolg einer Refertilisation.

Leute, ich möchte mich bei euch bedanken. Dank eurer Kritik ist es mir gelungen, das Thema Sterilisation aus mehreren Seiten zu betrachten. Gerade durch die Einwände, das Kinder und Frauen nach der Menopause (nach der letzten Menstruation) dann nämlich nicht erleuchtet sein könnten, wenn der Same bzw. die weibliche Eizelle für die Sublimation zuständig sein würden. Das aber kann nicht sein. Kinder sind im allgemeinen ohnehin erleuchtet (jedenfalls nach meinen Vorstellungen von Erleuchtung), wenn sie eine glückliche Kindheit hatten und die Gesellschaft keinen allzu schädlichen Einfluss auf sie hatte. Und Frauen können nach der Menopause selbstverständlich ebenfalls Erleuchtung erlangen. Davon gehe ich jedenfalls aus. Oder?

Für mich stellt sich die Situation jetzt also so dar, dass die Sublimation also nicht mittels des Samens bzw. der Eizelle geschieht, sondern durch sexuelle Energie, wie sie zum Beispiel bei einen Orgasmus zu spüren ist. Und darum halte ich auch die ganze taoistische Philosophie für falsch (Mantak Chia), der mittels technischer Tricks den Samen zurückhält, aber den Orgasmus zulässt. Der wesentliche Punkt, der für mich aber eigentlich von Bedeutung war, ist wohl die Erkenntnis, dass man Samen und Eizelle bzw. deren Sublimation nicht gleichsetzen darf. Hier gilt wohl eher die Formel sexuelle Energie = spirituelle Energie = Erleuchtung.


Brahmacharya setzt sich zusammen aus Achara, was Führung bedeutet, und Brahman, also Gott. Brahmacharya ist also die Realisierung des Weges, der zu Gott führt. Es bedeutet die Kontrolle des Samens, das Studium der Veden (Heiligen Schriften) und das Nachsinnen über Gott. Die technische Bedeutung von Brahmacharya ist Selbstverwirklichung, besonders die vollkommene Beherrschung der Sexualität, die Freiheit von der Sinneslust in Gedanken, im Wort und in der Tat. Brahmacharya heißt nicht nur Enthaltsamkeit im Geschlechtsverkehr, sondern auch von den Selbstbefriedigung, von homosexuellen Taten und von allen anderen sexuellen Praktiken. Es bedeutet auch die Enthaltung von allen erotischen Phantasien und lüsternen Träumen. Alle Art von erotischen Abnormalitäten und sexuelle Gewohnheiten aller Art, wie Masturbation und Sodomie (Sex mit Tieren), müssen vollständig überwunden werden. Sie führen am Ende nur zu einem vollkommenen Zusammenbruch des Nervensystems und zu unermesslichem Elend.

Brahmacharya ist Reinheit in Gedanken, im Wort und in der Tat. Es ist Zölibat und das Gelübde der Keuschheit. Die Bezeichnung "Zölibat" kommt vom lateinischen "caelebs", und bedeutet unverheiratet oder Single. Aber Brahmacharya ist nicht nur ein Junggesellendasein. Es beinhaltet nicht nur die Kontrolle über die Sexualität, sondern es umfasst die Kontrolle aller Wünsche in Gedanken, im Wort und in der Tat. Dies ist die Bedeutung von Brahmacharya im weitesten Sinne. Brahmacharya ist die Tür zum Nirwana, zur Erleuchtung. Zölibat ist der Schlüssel zum Himmelreich. Die Allee zum Wohnsitz des höchsten Friedens fängt mit Brahmacharya und Reinheit an. Brahmacharya ist absolute Freiheit von sexuellen Wünschen und Gedanken. Ein Brahmachari macht keinem Unterschied, wenn er eine Frau, ein Stück Papier oder einen Holzklotz berührt. Brahmacharya gilt sowohl für Männer als auch für Frauen. Bloße Kontrolle der Leidenschaften allein, ist nicht für Brahmacharya ausreichend. Dieses ist unvollständiges Brahmacharya. Du musst alle Organe kontrollieren. Die Ohren, die lüsterne Geschichten hören möchten, das wollüstige Auge, das fesselnde Bilder sehen möchte, die Zunge, die erregende Dinge schmecken möchte und die Haut, die aufregende Körper berühren möchte. Lüstern zu schauen, ist Ehebruch der Augen; lüstern zu hören, ist Ehebruch der Ohren; lüstern zu sprechen, ist Ehebruch der Zunge.


Du solltest als Brahmachari folgende acht Verstöße vermeiden:

1. das Betrachtens der Frauen mit leidenschaftlichem Blicken (Darshan)
2. den Wunsch, sie zu berühren (Sparshan)
3. mit ihnen zu spielen (Keli)
4. das Preisen der Qualitäten des anderen Geschlechts (Kirtan)
5. sich mit ihnen privat zu unterhalten (Guhya-Bhashan)
6. Ermittlungen über sie anzustellen (Sankalpa)
7. sich dem anderen Geschlecht mit dem Wunsch nach käuflicher Liebe zu nähern (Adhyavasaya)
8. den sexuelle Akt zu vollziehen (Kriyanivritti)

Diese acht Arten des Genusses sind acht Arten von Brüchen, die das Keuschheitsgelübde verletzen. Du solltest diese acht Verstöße mit großer Obacht, aufrichtiger Anstrengung und aufmerksamer Umsicht vermeiden. Nur der, der frei von allen diesen Verstößen ist, kann als ein Brahmachari angesehen werden. Ein Brahmachari sollte eine Frau nicht mit lüsternen Augen betrachten. Er sollte nicht den Wunsch haben, sie zu berühren oder neben ihr in sinnlicher Absicht zu gehen. Er sollte nicht mit ihr spielen, keine unanständigen Witze machen und nicht mit ihr streiten. Er sollte nicht die Qualitäten einer Frau preisen, auch nicht vor seinen Freunden. Er sollte nicht heimlich mit einer Frau sprechen. Er sollte nicht einmal an Frauen denken, solange er Brahmacharya nicht verwirklicht hat. Er sollte keinen Wunsch nach sexuellem Vergnügen haben. Ein Brahmachari sollte jeglichen sexuellen Verkehr vermeiden. Wenn er nur eine der oben genannten Regeln bricht, verstößt er gegen das Gelübde des Brahmacharya.

Obwohl die ersten sieben Arten der Verstöße gegen das Gelübde des Brahmacharya nicht zum Verlust des Samens führen, wird dennoch der Samen vom Blut getrennt oder es versucht ihm zu entgehen, wenn sich dazu die passende Gelegenheit bietet, entweder in Träumen oder auf andere Weise. Die ersten sieben Arten entsprechen vielmehr geistigen Genüssen, denen sich der Brahmachari ebenfalls enthalten sollte. Brahmachrins sollten nicht über Sex reden. Sie sollten nicht an Frauen denken. Vergegenwärtige dir das Bild deines persönlichen Gottes, wenn sich sinnliche Gedanken bei dir einschleichen. Wiederhole unaufhaltsam dein Mantra. Lüsterne Blicke, lüsternes Denken und feuchte Träume sind Verstöße gegen das Gebot des Brahmacharya. Sei tugendhaft in deinem Blick. Durch lüsterne Blicke findet eine interne Entladung statt. Samen wird aus dem System entfernt. Sieh Mutter Kali, die schwarze Göttin, in allen Frauen. Kultiviere göttliche Gedanken. Praktiziere regelmäßig Japa und Meditation. Dann wirst du Brahmacharya verwirklichen.


Es ist notwendig, dass dein Verstand rein ist, wenn du ein Brahmachari sein möchtest. Geistiges Brahmacharya ist wichtiger als körperliches Brahmacharya. Du solltest Erfolg in körperlichem Brahmacharya, aber auch in geistigem Brahmacharya anstreben. Dieser Geisteszustand, bei dem kein sexueller Gedanke mehr vorhanden ist, wird geistiges Brahmacharya genannt. Wenn die Gedanken unrein sind, ist der Geschlechtantrieb sehr stark. Brahmacharya hängt von der vollständigen Regulierung des ganzen Lebens ab. Wenn du nicht die lüsternen Gedanken kontrollieren kannst, dann kontrolliere zumindest den physischen Körper. Körperliches Brahmacharya muss anfangs streng geübt werden. Kontrolliere den Körper, wenn der sexuelle Impuls dich beunruhigt. Geistige Reinheit oder geistiges Brahmacharya wird sich dann ebenfalls allmählich einstellen. Sicher ist es besser, die Sinne zu kontrollieren, als sich dem sinnlichen Vergnügen hinzugeben. Praktizierst du ausdauernd Japa und Meditation, dann werden allmählich deine Gedanken gereinigt. Letztendlich wird auch der Verstand klein beigeben und sich der Kontrolle unterziehen.

Ein sexueller Akt belebt alle sinnlichen Ideen wieder auf's neue und gibt ihnen neue Nahrung. Darum sollte zuerst der Körper kontrolliert werden. Körperliches Brahmacharya muss zuerst verwirklicht werden. Erst danach kannst du mentale Reinheit, geistiges Brahmacharya verwirklichen. Du solltest in der Lage sein, den Geschlechtsverkehr für Monate oder Jahre zu stoppen. Aber es sollte kein sexuelles Verlangen mehr bestehen. Es sollten keine erotischen Gedanken mehr entstehen, wenn du eine Frau betrachtest oder wenn du in der Gesellschaft von Frauen bist. Hast du in dieser Richtung Erfolg, dann hast du Brahmacharya vollkommen verwirklicht. Dann hast du die Gefahrenzone durchquert. Man sollte seine Gedanken in Zaum halten. Ein schlechter Wunsch ist fast einem Ehebruch gleichzusetzen. Der Gedanke ist mitunter schlimmer als die Tat. Es ist aber ein großer Unterschied, ob man einen Mann erschießt, oder ob man nur den Gedanken hat, einen Mann zu erschießen. Genau so ist es natürlich ein Unterschied, von einer erotische Begegnung mit einer Frau zu träumen oder mit ihr realen Sexualkontakt zu haben. Wenn es auch nur einen einzelnen unreinen sexuellen Gedanken im Verstand gibt, kannst du kaum erwarten, strenges geistiges Brahmacharya zu verwirklichen.

Du kannst nicht als Oordhvaretas (ein Yogi, der die Samenenergie im Gehirn gespeichert hat) benannt werden, wenn deine Samenenergie nicht aufwärts zum Gehirn fließt, um dort als Ojas Shakti (spirituelle Energie) gespeichert zu werden. Gibt es auch nur einen einzigen unreinen Gedanken, dann hat der Samen die Tendenz, abwärts zu fließen. Der Zustand des geistigen Brahmacharya sollte auch unter erotischen Versuchungen und während einer Krankheit aufrecht erhalten werden. Nur dann bist du sicher. Die Sinne fangen an, sich während der Zeiten der Krankheit aufzulehnen und auch, wenn sie mit Sinnesobjekten in Berührung kommen. Wenn sich sinnliche Gedanken in deinen Verstand einschleichen, liegt er an unbewussten Leidenschaften. Der gerissene, diplomatische Verstand sucht leise nach sinnlicher Befriedigung, indem er eine Frau betrachtet und mit ihr spricht. Geistige Versuchungen finden heimlich und unbewusst statt. Die sexuelle Energie ist dann nicht vollkommen sublimiert worden. Das vitale Sein oder das Pranamava Kosa (die energetische, astrale Hülle, die die Emotionen und die intellektuellen Fähigkeiten des Menschen beinhaltet) ist nicht tadellos gereinigt worden. Dies ist der Grund, warum unreine Gedanken in deinen Verstand eindringen. Praktiziere mehr Japa und Meditation. Praktiziere Nächstenliebe in Form von selbstlosem Dienst für die Gesellschaft. Und schon bald wirst du geistige Reinheit erlangen.

Lerne deinen Verstand mit dem Wasser der Reinheit des Zölibats und mit der Seife der göttlichen Liebe zu reinigen. Wie kannst du erwarten, innerlich rein zu werden, wenn du bloß den äußeren Körper mit Wasser und Seife wäscht? Innere Reinheit ist ebenso wichtig wie äußere Reinheit. Das Leben eines Brahmachari fördert den spirituellen Fortschritt. Gib der Sinneslust keine neue Bestätigung durch immerwährende Wiederholung sexueller Befriedigung. Lenke den Verstand ab. Intensive Grübelei über Sinnesobjekte schadet dem spirituellen Leben ebenso wie tatsächliche Sinnesbefriedigung. Wenn der Verstand nicht durch spirituelle Praxis gereinigt wird, bringt äußere Askese nicht den gewünschten Erfolg. Wenn die äußeren Sinne kontrolliert werden, die inneren Sinne aber noch voller Energie sind, dann nehmen sie Rache am Verstand und erzeugen intensive geistige Störungen und wilde Phantasien.

Es ist der Verstand, der für diese Unruhe sorgt. Ein Wunsch entsteht in deinem Verstand und die Phantasie bekommt Flügel. Dann beginnst du zu handeln. Die Wünsche des Verstandes werden in die Tat umgesetzt. Zuerst gibt es Sankalpa (den Gedanken, den Wunsch, die Vorstellung) und dann kommt die Handlung. Darum erlaube dem sexuellen Gedanken nicht, in den Verstand einzudringen. Kein Raum ist allzeit leer. Dies ist ein Naturgesetz. Wenn eine Sache von einem Platz entfernt wird, nimmt unmittelbar eine andere ihren Platz ein. Das gleiche Gesetz hat Gott für die geistige Welt vorgesehen. Darum ist es notwendig, schlechte Gedanken durch reine Gedanken zu ersetzen. Wie du denkst, so wirst du. Dieses ist ein ungeschriebenes psychologische Gesetz. Der lüsterne Verstand wird allmählich durch göttliche Gedanken gereinigt.


Es gibt immer wieder Klagen von Männern, die keinen rechten Erfolg im Brahmacharya erlangen, obwohl sie sich ernsthaft um aufrichtiges Brahmacharya bemühen. Sie sind unnötigerweise besorgt und entmutigt. Sie unterliegen einem Irrtum. Es gibt auch im spirituellen Bereich gewissermaßen eine sehr subtile thermische Registrierung. Das spirituelle Thermometer registriert oder zeigt die geistige Reinheit sehr minuziös an. Ein geläuterter Intellekt beinhaltet einen hohen Grad an Reinheit. Intensive spirituelle Praxis, Leidenschaftslosigkeit und der brennende Wunsch nach Befreiung und Erkenntnis, bringen den höchsten Grad an geistiger Reinheit. Wenn jemand das Gayatri-Mantra oder die heilige Silbe OM für eine halbe Stunde wiederholt, dann registriert das spirituelle Thermometer sofort einen minuziösen Anstieg der geistigen Reinheit. Du wirst aber nicht imstande sein, die Veränderung des unreinen Intellekts sofort zu erkennen. Übe für ein oder zwei Jahre regelmäßig spirituelle Praktiken und vergleiche anschließend deinen Geisteszustand mit dem der vorhergehenden Jahre. Du wirst bestimmt eine beträchtliche Veränderung feststellen. Du wirst mehr Stille, mehr Reinheit und eine größere moralische Kraft und Stärke vorfinden. Daran gibt es keinen Zweifel.Sind die alten Gewohnheiten und Begierden sehr stark, wird es einige Zeit dauern, um geistige Reinheit zu erlangen. Du brauchst darum nicht entmutigt zu sein. Verzweifle nicht. Mit dem rechten Bemühen, kommt jeder ernsthafte Brahmacharya irgendwann ans Ziel.


Es kann keine Sprache ohne Vokale geben. Du kannst kein Bild ohne eine Leinwand malen. Du kannst kein Buch ohne Papier schreiben. Ebenso kannst du keine Gesundheit und kein spirituelles Leben ohne Brahmacharya verwirklichen. Brahmacharya bringt sozialen Aufstieg und gesundheitliche Verbesserungen. Es ist die Grundlage für ein moralisches Leben. Es ist die Grundlage für ein langes und gesundes Leben. Es ist eine Frühlingsblume, die Unsterblichkeit von ihren Blütenblättern ausströmt. Es ist die Basis für ein Leben des Friedens in Atman (Seele). Es ist der feste Rückhalt für Brahmanishtha (Gotteskenner), der begeistert von Weisen und Yogaschülern ersehnt wird.Brahmacharya ist das Schild für einen Kampf gegen die Sinneslust, den Zorn und die Geldgier. Es dient als Tor zum Glück. Es öffnet die Tür zur Befreiung. Es führt zur beständigen Freude, zum ununterbrochenen und reinen Glück. Sogar Rishis (weise Ratgeber), Devas (Halbgötter), Gandharvas (himmlischen Musikanten) und Kinnaras (Astralwesen, halb Mensch, halb Vogelwesen) dienen zu Füßen des Brahmachari. Sogar Isvara, der Gott des Raja Yoga, trägt auf seine Stirn den Staub der Füße eines Brahmachari. Brahmacharya ist der einzige Schlüssel, zum öffnen der Sushumna, des Hauptenergiekanals im Rückenmark, um die Kundalini zu wecken. Brahmachari bringt Glorie, Ruhm, Tugend und göttlichen Segen. Wer kann die Großherzigkeit, das Majestätische und die Glorie eines verwirklichten Brahmachari beschreiben!

Die Veden, die indischen Heiligen Schriften, erklären, dass durch Brahmacharya und die Buße der Götter der Tod besiegt wird. Wie wurde Hanuman, der Affengott, ein Mahavir (großer Krieger)? Es geschah mit der Waffe des Brahmacharya, die ihm unübertreffliche Stärke verlieh. In der Bhagavadgita wird berichtet, dass der große Bhishma, der Großvater der Pandavas und der Kauravas, den Tod durch Brahmacharya besiegte. Es ist nur Lakshman (Bruder Ramas, Rama ist die siebte Inkarnation von Vishnu), der ideale Brahmachari, ein Mann von unschätzbarer Tapferkeit, der Eroberer der drei Welten (Hölle, Erde, Himmel), der Sohn von Ravana, der Meghanada abwehrte. Sogar Gott Rama wagte nicht, sich ihm entgegen zu stellen. Nur durch die Kraft des Brahmacharya, war Lakshman in der Lage, den unbesiegbaren Meghanada zu besiegen. Der Mut und die Größe des letzten Hindukaisers Prithviraj, lagen in der Kraft, die der Brahmacharya ihm verlieh. Es gibt nichts in den drei Welten, das nicht durch einen Brahmachari erreicht werden könnte. Die Rishis von einst wussten um den Wert des Brahmacharya und das ist der Grund, warum sie in schönen Versen über die Glorie von Brahmacharya sangen.

Genau so wie Öl den Docht herauffließt und und in einem glühendem Licht verbrennt, so fließt auch der Samen (die sexuelle Energie) durch die Yogapraxis aufwärts zum Gehirn und wird dort in Ojas (spirituelle Energie) umgewandelt. Das Zölibat verleiht dem Brahmachari einen brahmischen Glanz in seinen Gesicht. Brahmacharya ist das helle Licht, das aus seinen Augen erstrahlt. Es ist die erblühte Blume des Lebens, um die die Bienen der Stärke, der Geduld, des Wissen, der Reinheit und der Gelassenheit summen, hierhin und dorthin fliegen. Mit anderen Worten, der, der Brahmacharya beachtet, wird mit den oben genannten Qualitäten ausgestattet. Die Heiligen Schriften erklären es nachdrücklich: Durch die Praxis von Brahmacharya nehmen Langlebigkeit, Ruhm, Stärke, Vitalität, Wissen, Reichtum, Berühmtheit, Tugenden und Hingabe zur Wahrheit zu.



Reine Luft, reines Wasser, gesunde Nahrung, Yoga, Joggen, Sport, Spiele im Freien, Wandern, Spazieren gehen, Fahrrad fahren, Rudern, Schwimmen, leichte Spiele wie Tennis, alles dies trägt zur Erhaltung einer guten Gesundheit bei und sorgt für eine hohe Vitalität. Es gibt in der Tat viele Wege, Gesundheit und Kraft zu erlangen. Diese körperlichen Betätigungen sind zweifellos ein unentbehrliches Erfordernis. Aber Brahmacharya ist von allen das wichtigste. Ohne Brahmacharya bleiben alle deine Übungen ohne Erfolg. Es ist das Sesamöffnedich zum öffnen der Reiche von Gesundheit und Glück. Es ist der Eckstein zum Gebäudes des Glücks und zur reinen Glückseligkeit. Brahmacharya ist das einzig Besondere, das die Männlichkeit aufrechterhält. Die Bewahrung des Samens ist das Geheimnis der Gesundheit und der Langlebigkeit. Es ist der Erfolg im körperlichen, geistigen, intellektuellen und spirituellen Wohlbefinden. Derjenige, der sogar nur ein wenig Brahmacharya praktiziert, wird über eine Krise oder eine Krankheit leichter hinwegkommen. Leidet der normale Mann beispielsweise einen Monat lang an einer Krise, so hat derjenige, der wenigstens ein wenig Brahmacharya praktiziert, die Krise vielleicht bereits nach einer Woche überwunden.

Die Srutis, die hinduistischen Schriften, halten ein Alter von 100 Jahren für einen Mann für normal. Dieses Alter kannst du aber nur erreichen, wenn du Brahmacharya praktizierst. Es gibt zwar Männer, die ein langes Leben und eine hohe intellektuelle Leistungskraft, trotz ihrer unmoralischen Lebensweise, erreichen. Aber sie wären noch leistungsfähiger und brillanter gewesen, hätten sie einen besseren Charakter und etwas mehr Mäßigkeit besessen. Nachdem Dhanvantari, der Vater des Ayurveda, seinen Schülern alle Details über Ayurveda mitgeteilt hatte, erkundigten sie sich nach dem Hauptgededanken seiner medizinischen Wissenschaft. Der Meister antwortete: „Ich sage euch, dass Brahmacharya wirklich ein kostbarer Juwel ist. Es ist in der Tat die wirkungsvollste Medizin, die Krankheit, Unglück und Zerfall zerstört. Für das Erreichen des inneren Friedens, von Freundlichkeit, Wissen, einem guten Gedächtnis, einer guten Gesundheit und zum Erlangen der Selbstverwirklichung, sollte man Brahmacharya, das höchste Dharma, die höchste Ethik, unbedingt beachten. Brahmacharya ist das höchste Wissen; Brahmacharya ist die größte Stärke. Die Natur des Brahmacharya entspricht der Natur des Atman. Atman, die Seele, hat ihren Wohnsitz im Brahmacharya. Verneige dich vor dem Brahmacharya und Heilung wird dir zuteil. Brahmacharya kann alle unheilvollen Leiden auflösen.“

Die Praxis von Brahmacharya gibt eine gute Gesundheit, innere Stärke, Frieden des Verstandes und ein langes Leben. Es kräftigt den Verstand und die Nerven. Es hilft, körperliche und mentale Energie zu konservieren. Es vergrößert das Gedächtnis, die Willenskraft und die Leistungsfähigkeit des Gehirns. Es schenkt enorme Stärke, Tapferkeit und Vitalität. Das Auge ist das Fenster der Seele. Wenn der Verstand rein und ruhig ist, ist das Auge ruhig und sicher. Der, der im Brahmacharya ruht, hat glänzende Augen, eine wohlklingende Stimme und einen schönen Teint.



Durch das Praktizieren von Brahmacharya, wird Vitalität erreicht. Der Yogi erlangt Selbstverwirklichung durch das Erreichen von geistigem und körperlichem Brahmacharya. Wenn der Verstand rein und klar ist, hilft Brahmacharya ihm, göttliches Wissen und andere Fähigkeiten zu erlangen. Dann wird die Fokussierung des Verstandes einfach. Konzentration und Reinheit gehen dabei Hand in Hand. Selbst wenn ein Weiser nur einige wenige Worte spricht, hinterlässt er meist einen tiefen Eindruck bei seinen Zuhörern. Dieses liegt an seinem Ojas Shakti, seiner spirituellen Energie, die durch die Bewahrung des Samens und seiner Umwandlung entsteht. Ein aufrechter Brahmachari, der Enthaltsamkeit in Gedanken, im Wort und in der Tat praktiziert, hat eine wundervolle Gedankenenergie. Er kann die ganze Welt verändern. Wenn du strenges Zölibat entwickelt hast, entwickelt sich eine starke Unterscheidungskraft und eine starke Konzentration. Die Unterscheidungskraft ist die Energie, die die Wahrheit erforscht. Die Konzentration ist die Energie, die die Wahrheit erfasst und sie festhält. Wenn ein Mann im Zölibat lebt, wird die Samenenergie aufwärts zum Gehirn gelenkt und wird als Ojas Shakti gespeichert. Dadurch wird die Leistung des Intellekts um einen bemerkenswerten Grad verstärkt. Durch das Zurückhalten des Samens wird der Intellekt scharf und klar. Wird der Samen noch mehr zurückgehalten, so wird die Leistung des Gedächtnisses noch weiter gesteigert. Das strenge Zölibat hat sogar im Alter ein scharfsinniges und kühnes Gedächtnis zur Folge.

Ein Mann, der die Energie von Brahmacharya besitzt, kann unermessliche geistige und physische Arbeit verrichten. Er hat eine strahlende Aura um sein Gesicht. Er kann Leute beeinflussen, indem er nur ein paar Worte spricht, oder sogar allein durch seine Anwesenheit. Er kann den Zorn lenken und die ganze Welt verrücken. Betrachte Mahatma Gandhi! Er hat diese Energie durch konstante und vorsichtige Praxis von Ahimsa (Gewaltlosigkeit), Satyam (Wahrheit) und Brahmacharya erworben. Er beeinflusste die Welt allein durch diese Energie. Durch Brahmacharya, nur durch Brahmacharya alleine, kannst du körperlichen und geistigen Aufstieg im Leben erlangen.Es ist wert, es zu wiederholen, dass ein wahrer Brahmachari enorme Energie, einen klaren Verstand, gigantische Willensenergie, ein mutiges Verständnis, ein gutes Gedächtnis und die Kraft zur Selbsterforschung besitzt. Swami Dayananda stoppte das Massaker eines Maharaja (indischer Fürst). Er zerbrach das Schwert mit seinen Händen. Dieses war auf die Energie zurückzuführen, die Brahmacharya ihm verlieh. Jesus, Sankara, Jnana Deva und Samarth Ramdas waren Brahmacharins.

Vom Übersetzer eingefügt:

Hier einige Verse aus der Bibel, die darauf hindeuten, dass auch Jesus, genau so wie Buddha, vermutlich enthaltsam lebte:

Matthäus 19,12 : 12Denn einige sind von Geburt an zur Ehe unfähig; andere sind von Menschen zur Ehe unfähig gemacht; und wieder andere haben sich selbst zur Ehe unfähig gemacht um des Himmelreichs willen. Wer es fassen kann, der fasse es!

Ermahnung und Warnungen

Im Brief an die Galater erwähnt der Apostel Paulus die Unzucht, die Unlauterkeit, die Ausschweifung und andere Laster als „Werke des Fleisches“ und weist darauf hin, daß jene, die solches tun, das Reich Gottes nicht erlangen werden.

Gal. 5, 13-26:  13-15Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder; allein gebraucht nicht die Freiheit zu einem Anlaß für das Fleisch, sondern durch die Liebe dient einander. Denn das ganze Gesetz ist in einem Worte erfüllt, in dem: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst". Wenn ihr aber einander beißt und freßt, so seht zu, dass ihr nicht voneinander verzehrt werdet.

16-26Ich sage aber: Wandelt im Geiste, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, der Geist aber wider das Fleisch; diese aber sind einander entgegengesetzt, auf dass ihr nicht das tut, was ihr wollt. Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, so seid ihr nicht unter (gegen das) Gesetz. Offenbar aber sind die Werke des Fleisches, welche sind: Hurerei, Unreinigkeit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Sekten, Neid, Totschlag, Trunkenheit, Gelage und dergleichen, von denen ich euch vorhersage, gleichwie ich auch vorhergesagt habe, dass, die solches tun, das Reich GOTTES nicht ererben werden. Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit; wider solche gibt es kein Gesetz. Die aber des CHRISTUS sind, haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Lüsten. Wenn wir durch den Geist leben, so laßt uns auch durch den Geist wandeln. Laßt uns nicht eitler Ehre geizig sein, indem wir einander herausfordern, einander beneiden.

Dieselbe Lehre wiederholt Paulus auch gegenüber den Ephesern:

Epheser 5,1-14: So seid nun Gottes Nachfolger... und wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns hat geliebt... Hurerei aber und alle Unreinigkeit oder Geiz lasset nicht von euch gesagt werden, wie den Heiligen zusteht... Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer oder Unreiner oder Geiziger, welcher ist ein Götzendiener, Erbe hat in dem Reich Christi und Gottes. Lasset euch niemand verführen mit vergeblichen Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Darum seid nicht ihr Mitgenossen. Denn ihr waret weiland Finsternis; nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts, die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit, und prüfet, was da sei wohlgefällig dem Herrn. Und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, strafet sie aber vielmehr. Denn was heimlich von ihnen geschieht, das ist auch zu sagen schändlich... Darum heißt es: "Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten."

Im ersten Brief an die Korinther weist der heilige Paulus darauf hin, daß „der Leib nicht für die Unzucht da ist, sondern für den Herrn und der Herr für den Leib:

1 Kor 6, 12-20: „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles nützt mir. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich. Die Speisen sind für den Bauch da und der Bauch für die Speisen. Gott wird beide vernichten. Der Leib ist aber nicht für die Unzucht da, sondern für den Herrn, und der Herr für den Leib. Gott hat den Herrn auferweckt; er wird durch seine Macht auch uns auferwecken. Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Darf ich nun die Glieder Christi nehmen und zu Gliedern einer Dirne machen? Auf keinen Fall! Oder wisst ihr nicht: Wer sich an eine Dirne bindet, ist ein Leib mit ihr? Denn es heißt: Die zwei werden ein Fleisch sein. Wer sich dagegen an den Herrn bindet, ist ein Geist mit ihm. Wer sich dagegen an den Herrn bindet, ist ein Geist mit ihm. Hütet euch vor der Unzucht! Jede andere Sünde, die der Mensch tut, bleibt außerhalb des Leibes. Wer aber Unzucht treibt, versündigt sich gegen den eigenen Leib. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst; denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib!“

Im Brief an die Kolosser kehrt Paulus zum selben Thema zurück:

Kolosser 3, 5: „So tötet nun eure Glieder, die auf Erden sind, Hurerei, Unreinigkeit, schändliche Brunst, böse Lust und den Geiz, welcher ist Abgötterei.“

Das Keuschheitsthema wird vom heiligen Paulus unter verschiedenen Gesichtspunkten im 7. Kapitel des ersten Briefes an die Korinther entwickelt. Es handelt sich nicht um eine „Abhandlung“ im eigentlichen Sinn, vielmehr finden wir hier Antworten auf Fragen vor, die Mitglieder der Gemeinde an den Apostel herangetragen haben. Das ganze Kapitel zeigt deutlich, daß der Apostel den sexuellen Bereich in einem engen Zusammenhang mit der ursprünglichen Beziehung eines jeden Menschen zu Gott sieht. Der heilige Paulus räumt ein, daß sowohl der Ehestand als auch der Zölibat oder die Jungfräulichkeit Gaben Gottes sind (1 Kor 7. 7-38) und daher der Ehestand durchaus legitim und heiligend ist. Aus mehreren Gründen erachtet er jedoch den geweihten Stand der Jungfräulichkeit oder des Zölibats als empfehlenswerter. Einmal, weil die Jungfräulichkeit deutlicher als die Ehe das Siegel der Wirklichkeit des Reiches Gottes trägt, gehört die Ehe doch zur „Gestalt dieser Welt, die vergeht“. Da der Stand der Enthaltung größere Freiheit für die Dinge Gottes schenkt, „möchte ich, daß ihr frei seiet von rastloser Sorge. ... Die unverheiratete Frau und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, daß sie heilig seien an Leib und Geist“. Die Verheiratete aber bemüht sich notgedrungen und aus Standespflicht darum, ihrem Gatten zu gefallen, das bedeutet Sorge um viele vergängliche Dinge. Um so schwerer fällt es unter diesen Umständen, die für einen Christen angebrachte Haltung einzunehmen, zu der der Apostel aufruft: „Seid ihr also auferweckt worden mit Christus, so sucht, was droben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Was droben ist, habt im Sinn, nicht was auf Erden ist!“ (Kol 3,1f).

In seinem ersten Brief an die Thessalonicher um 50 n.Chr. sprach sich Paulus gegen die Unzucht aus und mahnte die Christen zur Heiligung ihres Leibes:

1 Thessalonicher 4,3-8: „Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, und daß ihr meidet die Hurerei. Und ein jeglicher unter euch wisse sein Gefäß zu behalten in Heiligung und Ehren und nicht in der Brunst der Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen... Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung... Wer nun verachtet (Gottes Wille), der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen heiligen Geist gegeben hat in euch.“

Quelle: Kardinal Jorge Medina Estevez: Die Keuschheit

1.Korinther 7,7-9 : 7Ich wollte zwar lieber, alle Menschen wären, wie ich bin, aber jeder hat seine eigene Gabe von Gott, der eine so, der andere so. 8Den Ledigen und Witwen sage ich: Es ist gut für sie, wenn sie bleiben wie ich. 9Wenn sie sich aber nicht enthalten können, sollen sie heiraten; denn es ist besser, zu heiraten als sich in Begierde zu verzehren.

Römer 8,5-8 : 5Denn die da fleischlich sind, die sind fleischlich gesinnt; die aber geistlich sind, die sind geistlich gesinnt. 6Aber fleischlich gesinnt sein ist der Tod, und geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede. 7Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag's auch nicht. 8Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen.

Römer 13,13–14: Lasset uns ehrbar wandeln wie am Tag. Nicht in Fressen und Saufen, nicht in Wollust und Unzucht, nicht in Hader und Neid, sondern ziehet den Herrn Jesus Christus an und pflegt das Fleisch nicht zur Erregung eurer Lüste.

Eine zweite Version lautet

Römer 13,13-14: Lasset uns ehrbar wandeln als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid; sondern ziehet an den Herrn Jesus Christus und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde.

1 Korinther 7,29 : "Die da Weiber haben, daß sie seien, als hätten sie keine."

Wenn wir verheiratet sind, können wir es nicht vermeiden, in den Anliegen der Welt verwickelt zu sein; es wird immer schwierig sein, sich rein von weltlichen Dingen zu halten. Und dies ist der Grund, warum Jesus uns sagt, andere haben auf Heirat verzichtet, wegen des Himmelreiches. Die Führung die uns die Bibel also gibt, ist unverheiratet zu bleiben und so zu leben, als ob wir keine Frau hätten.

Kolosser 3,1-2 : "Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist."

Lukas 20,34-36 : "Die Kinder dieser Welt freien und lassen sich freien; welche aber würdig sein werden, jene Welt zu erlangen und die Auferstehung von den Toten, die werden weder freien noch sich freien lassen. Denn sie können hinfort nicht sterben; denn sie sind den Engeln gleich und Gottes Kinder, dieweil sie Kinder sind der Auferstehung."

Matthäus 24,38 : "Denn gleichwie sie waren in den Tagen vor der Sintflut, sie aßen, sie tranken, sie freiten und ließen sich freien, bis an den Tag, da Noah zu der Arche einging".

Lukas 17,26-27 : "Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohnes: sie aßen, sie tranken, sie freiten, sie ließen freien bis auf den Tag, da Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um".

Hier beschreibt Jesus ein typisches weltliches Leben, ein Leben von Leuten deren Sinn und Streben auf die Dinge hier drunten ausgerichtet sind. Ihre Herzen sind bei den Dingen dieser Erde, bei weltlichen Dingen. Und freien und sich freien lassen ist so sehr Teil dieser Art des Lebens.

Und Leute, die dieses Leben führen, werden das wirkliche Leben versäumen. Im entscheidenden Augenblick wird das Verderben sie überfallen. Sie werden das große Abendmahl verpassen. Wenn die Einladung kommt, werden sie zu sehr mit ihren weltlichen Dingen beschäftigt sein und sie werden Ausreden haben und sagen, "Ich habe ein Weib genommen, darum kann ich nicht kommen" (Lukas 14,20). Das beschäftigt sein mit dem Denken über Liebesabenteuer, mit der leiblichen Anziehungskraft andere Menschen, mit dem Wunsch nach Freundschaft zum anderen Geschlecht, mit Freien und mit dem Lesen und Sehen von Liebesgeschichten, wird uns davon abhalten, die Dinge die droben sind zu suchen. Diese Tätigkeiten werden uns daran hindern, Jesus zu folgen.

Offenbarungen des Johannes 14,3-5 : "3Und sie sangen ein neues Lied vor dem Thron und vor den vier Gestalten und den Ältesten; und niemand konnte das Lied lernen außer den Hundertvierundvierzigtausend, die erkauft sind von der Erde. 4Diese sind's, die sich mit Frauen nicht befleckt haben, denn sie sind jungfräulich; die folgen dem Lamm nach, wohin es geht. Diese sind erkauft aus den Menschen als Erstlinge für Gott und das Lamm, 5und in ihrem Mund wurde kein Falsch gefunden; sie sind untadelig."

Wenn wir wirklich des Lammes Namen und den Namen seines Vaters geschrieben an unserer Stirn haben wollen (Offenbarung 14,1), dann müssen wir uns auf das Reich Gottes konzentrieren. Wenn wir wirklich unseren Sinn und Verstand und unser Denken, das sich in unserer Stirn befindet, auf geistige Dinge ausrichten wollen, dann müssen wir schon Abstand nehmen von weltlichen Beschäftigungen und Interessen. Unser Denken muß in eine Richtung gehen und sollte nicht gespalten sein.

1 Joh 2,15-17:  "Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt, hat die Liebe zum Vater nicht. Denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen und das Prahlen mit dem Besitz, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Die Welt und ihre Begierde vergeht; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit".

1. Timotheus 5,6: "Welche aber in Wollüsten lebt, die ist lebendig tot."

Römer 13, 11-14: "Und weil wir solches wissen, nämlich die Zeit, daß die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf. So lasset uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichtes. Lasset uns ehrbar wandeln als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid; sondern ziehet an den Herrn Jesus Christus und wartet des Leibes, doch also, daß er nicht geil werde."

1. Joh 2,15-17: "Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt, hat die Liebe zum Vater nicht. Denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen und das Prahlen mit dem Besitz, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Die Welt und ihre Begierde vergeht; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit."

Gal 6,8 : "Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten."

1. Korinther 9,11: So wir euch das Geistliche säen, ist's ein großes Ding, wenn wir euer Leibliches ernten? (Der heilige Hieronymus sagte über die heilige Paula: "Sie säte im Fleische, um im Geiste zu ernten.")

Jakobus 1, 13-14: "Niemand sage, wenn er versucht wird, daß er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand. Sondern ein jeglicher wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust gereizt und gelockt wird. Darnach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert sie den Tod."

2 Petrus 2,9-19 : Der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu erlösen, die Ungerechten aber zu behalten zum Tage des Gerichts, sie zu peinigen, allermeist aber die, so da wandeln nach dem Fleisch in der unreinen Lust... Sie achten für Wollust das zeitliche Wohlleben, sie sind Schandflecken und Laster..., haben Augen voll Ehebruchs, lassen sich die Sünde nicht wehren... Sie haben verlassen den richtigen Weg und gehen irre... Das sind Brunnen ohne Wasser, und Wolken, vom Windwirbel, umgetrieben, welchen behalten ist eine dunkle Finsternis in Ewigkeit. Denn sie reden stolze Worte, dahinter nichts ist, und reizen durch Unzucht zur fleischlichen Lust... und verheißen Freiheit, ob sie wohl selbst Knechte des Verderbens sind.

Siehe auch: Was sagt die Bibel zur Enthaltsamkeit?

Ende Einfügung des Übersetzers.

Hast du, mein lieber Freund, die Bedeutung von Brahmacharya begriffen? Habt ihr, meine lieben Brüder, die wahre Bedeutung und die Glorie von Brahmacharya erkannt? Wie kannst du erwarten, stark und gesund zu sein, wenn du die sexuelle Energie, die du mit großer Schwierigkeit und unter einem hohen Preis erworben hast, täglich vergeudest? Es ist unmöglich, gesund und stark zu sein, es sei denn, Männer und Frauen, Jungen und Mädchen, praktizieren Brahmacharya oder legen das Gelübde des Zölibats ab. Sogar unter Elektronen, gibt es Junggesellen-Elektronen und verheiratete Elektronen. Verheiratete Elektronen offenbaren sich als Paare. Junggesellen-Elektronen leben einzeln. Es sind allein die Junggesellenelektronen, die magnetische Kraft erzeugen. Die Energie des Brahmacharya ist ebenfalls in Elektronen zu finden. Liebe Freunde, ihr solltet von diesen Elektronen eine Lektion lernen. Übst du Brahmacharya und entwickelst du Energie und geistige Kraft? Die Natur ist dein bester Lehrer und geistiger Führer. Erhebe dich durch Brahmacharya über das Elend des weltlichen Lebens und erlange Gesundheit, Stärke, Frieden des Verstandes, Ausdauer, Tapferkeit, materiellen Wohlstand, spirituellen Fortschritt und ein langes Leben. Wer eine perfekte Kontrolle über die sexuelle Energie hat, erreicht Energien, die durch andere Mittel unerreichbar sind. Darum verschwende nicht deine sexuelle Energie durch sinnliche Vergnügen. Bewahre die Energie. Führe ein nobles Leben und praktiziere Meditation. Und schon bald wirst du ein Supermann sein. Du wirst Göttlichkeit erreichen und mit Gott kommunizieren.



Brahmacharya ist ein göttliches Wort. Es ist die Summe und der Kern des Yoga. Durch Unwissenheit wurde es vergessen. Der Wert von Brahmacharya wurde durch die großen Rishis (Weisen) bewahrt. Es ist das höchste Yoga, das Lord Krishna wiederholt in seinem "Lied der Unsterblichkeit“ in der Bhagavad Gita (der "Bibel" des Hinduismus), aus dem ja letzten Endes der Buddhismus hervorging, besingt. Im Kapitel VI, Vers 14, wird sehr deutlich gesagt, dass das Gelübde von Brahmacharya für die Meditation unbedingt notwendig ist: "...ungestört im Geist, frei von Furcht, im Gelübde des Zölibats befindlich...." (prasantatma vigata-bhir - brahmacari-vrate sthitah).In Kapitel XVII, Vers 14 der Gita, sagt er, dass Brahmacharya eins der Erfordernisse für die Askese des Körpers ist: "... Brahmacharya und Gewaltlosigkeit sind ebenfalls Enthaltungen des Körpers." (brahma-caryam ahimsa ca - sartram tapa ucyate). Wir haben eine andere Aussage in Kapitel VIII, Vers 11, dass Yogis Brahmacharya praktizieren, um das Ziel zu erreichen, das von den Kennern der Veden als Ziel betrachtet wird: "Die mit den Veden vertraut sind, sagen, dass große Weise im Lebensstandart der Entsagung Brahmacharya praktizieren." (yad aksaram veda-vido vadanti - visanti yad yatayo vita-raga - yad icchanto brahmacaryarh caranti). Eine ähnliche Aussage wird auch im Kathopanishad (poetischer Text der Upanishaden, indische Heilige Schrift) gefunden. Im Raja Yoga von Patanjali Maharshi wird die Bedeutung des Brahmacharya ebenso betont. Yama ist der erste Schritt.Yama ist die Praxis von Ahimsa (Nichtverletzen), Satya (Ehrlichkeit), Asteya (Nichtstehlen), Brahmacharya (Enthaltsamkeit) und Aparigraha (Unbestechlichkeit). Unter diesen ist Brahmacharya das wichtigste Gebot. Im Mahabharata, dem bedeutendsten und umfangreichsten Epos der Hindus, findest man im Santi Parva: "Das Dharma, hat viele Zweige, aber Dama, die Sinneskontrolle, ist die Basis von allem." Im Jnana Yoga (Yoga des Wissens) gilt: Dama (Sinneskontrolle) ist die Grundlage für den Yogaschüler. Brahmacharya ist das lebenswichtige Thema für alle, die sich Erfolg im materiellen und geistigen Leben wünschen. Ohne Brahmacharya ist ein Mensch für die spirituelle Praxis absolut ungeeignet.

Anmerkung des Übersetzers:

Ich habe hier noch einmal die Aussagen der Bhagavat Gita, die Teil des Mahabharatas ist, zusammengefasst.  Dabei füge  ich die Sanskrittexte mit ein, weil man daraus sehr gut ersehen kann, dass die Bhagavat Gita auf das Brahmachrya(m) verweist:

Kapitel 6, Vers 14

prasantatma vigata-bhir
brahmacari-vrate sthitah
manah samyamya mac-citto
yukta asita mat-parah

Übersetzung

Mit beherrschtem Geist, ohne Furcht und völlig frei von Sexualität (fest im Gelübde des Brahmacharya) sollte man über mich meditieren und mich zum endgültigen Ziel des Lebens machen.


Kapitel 8, Vers 11

yad aksaram veda-vido vadanti
visanti yad yatayo vita-ragah
yad icchanto brahmacaryam caranti
tat te padam sangrahena pravaksye

Übersetzung

In den Veden bewanderte Persönlichkeiten, die das Omkara (Om) chanten und große Weise im Lebensstand der Entsagung sind, gehen in das Brahman ein. Mit dem Wunsch nach dieser Vollkommenheit leben sie im Zölibat. Ich werde dir jetzt diesen Vorgang erklären, durch den man Erlösung erlangen kann.

Kapitel 17, Vers 14

deva-dvija-guru-prajña
pujana. saucam arjavam
brahma-caryam ahimsa ca
sariram tapa ucyate

Übersetzung

Die Enthaltung des Körpers besteht in der Verehrung des Höchsten Herrn, der Brahmanas (heiligen Schriften), des spirituellen Meisters und Höherstehender wie Vater und Mutter. Sauberkeit, Einfachheit, sexuelle Enthaltsamkeit und Gewaltlosigkeit sind ebenfalls Enthaltungen des Körpers.

Nun sollen die Äusserungen Patanjalis etwas näher betrachtet werden. In Kapitel 2, das sich mit der spirituellen Praxis beschäftigt, ist zu finden:

Vers 27: "Erleuchtung wird durch sieben Stufen erreicht. (Yama, Nyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana)." (Tasya saptadhâ prânta-bhûmih prajnâ) - Hier ist das Brahmacharya im Yama, im Gebot der Enthaltungen, der Selbstkontrolle, enthalten. (Yama setzt sich nämlich aus folgenden Gliedern zusammen: Gewaltlosigkeit, Ehrlichkeit, Nichtstehlen, Enthaltsamkeit, Unbestechlichkeit)

Vers 29: "Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi sind die acht Glieder." (Yama-niyamâsana-prânâyâma-pratyâhâra -dhâranâ-dhyâna-samâdhayo ¢shtâv angâni) - Auch hier ist das Brahmacharya im Yama enthalten.

Vers 30: "Die Yamas (Gebote der Enthaltung, Selbstkontrolle) bestehen aus Ahimsa (Nichtverletzen), Satya (Wahrhaftigkeit), Asteya (Nichtstehlen), Brahmacharya (Enthaltsamkeit) und Aparigraha (Aufgabe von Gewinnsucht)." (Ahimsâ-satyâsteya-brahamacharyâparigrahâ yamah)

Vers 38: "Wenn Brahmacharya, sexuelle Enthaltsamkeit, fest begründet ist, wird kraftvolle Lebenskraft (Vitalität) erlangt." (Brahmacharya-pratishthâyâm vîrya-lâbhah)
Ende Anmerkung des Übersetzers.

Ende Anmerkung des Übersetzers



Durch die Jahrhunderte war das Gelübde auf sexuelle Enthaltsamkeit in jeder Religion die schwerste Prüfung. In der volkstümlichen Folklore setze sich die Idee durch, das Hellsehen und andere übernatürliche Fähigkeiten, ausschließlich das Privileg von sexuell enthaltsam lebenden Menschen ist. Edvard Alexander Westermack (1862-1939), ein finnischer Anthropologe (Völkerkundler), Philosoph und Soziologe, bevorzugte die Erklärung, dass Pollutionen (unbeabsichtigte nächtliche Samenergüsse im Schlaf) die Heiligkeit zerstören. Ein Stamm auf dem Rio Negro (Nebenfluss des Amazonas) erlegte ihren Schamanen (Medizinmännern) das Zölibat auf, weil sie glaubten, dass die Medizin wirkungslos sein würde, wenn sie durch einen verheirateten Mann verabreicht wird. In ihrer Autobiographie, schreibt die im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca bei den Mazateken lebende Schamanin, María Sabina (1894–1985), die sich selbst als Weise bezeichnet, dass sie bereits mit vierzehn Jahren heiratete, aber enthaltsam lebte, da eine Weise enthaltsam leben sollte. (Schamanismus in Südmexiko)

Lambichus (syrischer Philosoph?) gibt an, dass die Götter es nicht hören können, wenn sie von jemanden angerufen werden, der durch sexuelle Kontakte verunreinigt ist. Im Islam wird strenges Zölibat auf der Pilgerfahrt nach Mekka gefordert. Das Zölibat ist ebenso für die hebräische (jüdische) Versammlung während der göttlichen Erscheinung im Sinai (ägyptische Halbinsel) erforderlich und bevor der Tempel betreten wird. Das antike Indien, ägypten und Griechenland stellten die Regel auf, dass Kirchgänger sich vor und während der Heiligen Messe sich jeglicher sinnlicher Gedanken enthalten sollten. Im Christentum wurde das Zölibat als Vorbereitung auf die Taufe und das Abendmahl gefordert. Die höchste Form des Christentums findet sich im Zölibat. Christliche Lehrer priesen immer schon das Zölibat. In ihren Augen ist die Ehe nur ein untergeordnetes Gut, die für die bestimmt ist, die nicht imstande sind, im Zölibat zu leben. Die Bischöfe der griechischen Kirche lebten immer zölibatär und wurden aus dem Kreis der Mönche gewählt. Ein Mönch, der mit sinnlichen Gedanken eine Frau berührt, der ihre Hand umklammert, ihr Haar oder einen anderen Teil ihres Körpers in sinnlicher Absicht berührt, bringt Schande und Erniedrigung auf den Orden. Bei der gegenwärtigen Priesterweihe schwört der Priester (Mönch), sich lebenslang von jeglichem sexuellen Verkehr zu enthalten.

Die Jains, eine in Indien beheimatete Religionsgemeinschaft, fordert von ihrem Munis (Sadhu, Asket, Mönch, Einsiedler), sich aller sexuellen Beziehungen zu enthalten; nicht über Frauen zu besprechen, und sich keine Gedanken über die Schönheit der Frauen zu machen. Sinneslust wird folglich verurteilt: "Von allen Lastern, ist Sinneslust die schlechteste." Es gibt andere Regeln, die das Zölibat unterstützen. Sie sollen vor allem jene Redensarten unterbinden, die zu einem Verstoß der Keuschheit führen könnten.Ein Mönch sollte nicht mit einer Frau zusammen in einem Raum schlafen oder ihr allein in ausführlicher Form die Worte der heiligen Schrift übermitteln. Er sollte auch nicht zu den Nonnen sprechen, es sei denn, er ist dazu besonders delegiert. Ebenso sollte er nicht allein mit einer Frau verreisen. Auf seinem Bettelgang für Almosen, sollte er vorschriftsmäßig gekleidet sein und mit gesenkten Augen gehen. Er sollte nur unter ganz speziellen Bedingungen eine Robe von einer fremden Frau annehmen. Er sollte nicht an einem abgeschiedenen Platz mit einer Frau sitzen, sie in unreiner Absicht berühren oder mit ihr sprechen.

Der buddhistische "Orden der Bettelmönche" wurde durch 227 Regeln für die Mönche geregelt. Von diesen waren die ersten vier von besonderer Bedeutung. Ein Bruch einer der vier Regeln hatte den Ausschluss vom Orden zur Folge; und sie wurden folglich als die Regeln über Vergehen, die jegliches Erlösungsstreben vereiteln, bezeichnet.

Die erste Regel für die Mönche lautet:

1. Jeder Mönch, der die Übung und die Lebensweise der Mönche auf sich genommen hat und der sich von dieser Übung nicht zurückgezogen und sein Unvermögen kundgetan hat, obwohl er sich dem Geschlechtsverkehr, auch mit einem Tier hingibt, dessen Erlösungsstreben ist vereitelt; er ist aus dem Orden ausgestoßen.

Dazu sollte vielleicht erwähnt werden, dass alle Mönche an allen Vollmond- und Neumondtagen, den sogenannten Uposatha-Tagen, zusammentreten, um ihre Verfehlungen vor der versammelten Mönchsgemeinde kund zu tun. Verschweigt ein Mönch dort seine Verfehlungen, dann kann das Folgen für ihn haben. An diesen Tagen fasten die Bhikkhus (Mönche) und halten die Patimokkha-Feier ab, d. h. sie rezitieren die 227 Mönchs-Regeln, wie Buddha sie festgelegt hat. Die Laien beachten an den Uposatha-Tagen die fünf Silas (sittliche Übungsregeln) und die acht Tugendregeln. Wenn möglich, nutzen die Laien diese Tage, um ihr örtliches Kloster zu besuchen, dort Dhamma-Vorträgen der Mönche anzuhören und mit Gleichgesinnten bis spät in die Nacht hinein zu meditieren.

Die 5 Silas - sittliche Übungsregeln
1. Nichtverletzen
2. Nichtstehlen
3. Nichtlügen
4. Brahmacharya
5. keine berauschenden Mittel

Die acht Tugendregeln (Atthangasila) für den Uposatha-Feiertag ergänzen die fünf Silas um folgende 3 Vorschriften:

6. Nach 12 Uhr nichts mehr essen (bis Sonnenaufgang ca. 5 Uhr)
7. Keine Tanz-, Musik-, Gesangs-, und Theateraufführungen besuchen, keine Blumen, keine Duftstoffe, keine Kosmetika, kein Schmuck und andere Verschönerungsmittel benutzen
8. Nicht auf hohen und üppigen weichen Betten schlafen

König Numa Pompilius gründete im antiken Rom, den "Orden der vestalischen Jungfrauen". Die Priesterschaft der Vestalinnen bestand aus sechs jungfräulichen Priesterinnen, die im Alter von sechs bis zehn Jahren für eine 30-jährige Dienstzeit berufen wurden. Ihre Hauptaufgabe war das Hüten des Herdfeuers im Tempel der Vesta, der Göttin des Herdes, das niemals erlöschen durfte, sowie das Wasserholen von der heiligen Quelle der Nymphe Egeria, das zur Reinigung des Tempels verwendet wurde. Daneben stellten sie die mola salsa (eine Mischung aus Salzwasser und Getreideschrot) sowie das Suffimen (Asche ungeborener Kälber) her, die bei bestimmten Kulthandlungen benötigt wurden.Während ihrer Dienstzeit waren die Vestalinnen zu absoluter Keuschheit verpflichtet. Der Verlust der Jungfräulichkeit einer Vestalin galt als schweres Unheil für das römische Gemeinwesen. Eine unkeusche Vestalin wurde aus der Priesterschaft entfernt und lebendig begraben.

Gelegentlich wurde in der Forschung angenommen, dass die Vestalinnen ursprünglich für Menschenopfer bereitgehaltene Jungfrauen waren oder dass sie in republikanischer Zeit die kultischen Pflichten übernahmen, die zuvor die Töchter des Königs ausgeübt hatten. Diese Hypothesen werden heute jedoch als überholte Spekulation angesehen.Bereits vor der Gründung Roms existierten Vestalinnen in verschiedenen Gemeinwesen, zum Beispiel in Alba Longa (etwa 20 Kilometer süd-östlich von Rom), und auch für die historische Zeit liegen schriftliche Belege für ihre Existenz außerhalb Roms, zum Beispiel in Tibur (ungefähr 20 km östlich vom Stadtrand Roms), vor. Da keine Parallelen in nicht-italienischen Kulturen nachgewiesen werden konnten, war die Priesterschaft der Vestalinnen vermutlich eine in Italien, wahrscheinlich in Latium, eine Region in Mittelitalien, wichtigste Stadt in Latium ist die italienische Hauptstadt Rom, entstandene Institution.

In Darjeeling, im Vorder-Himalaya (Westbengalen), leben einige Hundert Ex-Lamas, die als Kulis (Lastenträger) ihre Arbeit verrichten. Ein Lama ist ein spiritueller Lehrer, ein Mönch, aus dem tibetischen Buddhismus. Die Lamas sind entweder allein, oder zusammen mit ihrer Geliebten aus Tibet geflohen, um den strengen Strafen zu entgehen, die der Bruch des Zölibats mit sich bringt. Wird der Mönch bei einer sexuellen Verfehlung erwischt oder wird er von anderen angezeigt, so fällt er in Ungnade, erfährt öffentlich körperliche Züchtigung, wird zusätzlich mit einer schweren (Geld-)Strafe bestraft und aus dem Orden entfernt.

Die peruanischen "Jungfrauen der Sonne", eine Art von Priesterinnen, wurden mit lebender Beerdigung bestraft, wenn sie beim sexuellen Fehltritt entdeckt wurden.



Brahmacharya ist eine notwendige Vorraussetzung des spirituellen Lebens. Es ist von großer Bedeutung. Ohne vollkommenes Brahmacharya wirst du keinen erheblichen spirituellen Fortschritt haben. Enthaltsamkeit ist die Basis, auf der die Erleuchtung beruht. Wenn die Basis nicht stark genug ist, dann wird der Überbau mit dem nächsten schweren Regen davon geschwemmt. Wenn du allerdings nicht fest im Brahmacharya verankert bist, wenn dein Verstand durch sinnliche Gedanken aufgeregt wird, dann sind spirituelle Fortschritte kaum möglich. Du kannst nicht den Gipfel auf der Leiter des Yoga erklimmen oder das höchste Samadhi (Erleuchtung) erreichen. Es gibt keine Hoffnung für die Selbstverwirklichung oder das Wissen um das Selbst, die Seele, wenn du nicht fest im Brahmacharya verwurzelt bist. Brahmacharya ist der Schlüssel zum ewigen Glück. Brahmacharya ist die Grundlage von Yoga. Geradezu wie ein Haus, das auf einem morschen Fundament errichtet wurde, eines Tages in sich zusammenfällt, so fällt man eines Tages von der Meditation ab, wenn keine vernünftige Basis, wenn kein Brahmacharya, vorhanden ist. Selbst wenn du zwölf Jahre meditiert hast, wirst du keinen Erfolg erlangen, wenn du nicht die subtile Sinneslust besiegt hast, die sich im Innersten deines Unterbewusstseins eingenistet hat.

Brahmacharya ist die Grundlage für körperliche Vollkommenheit. Dazu ist allerdings vollkommenes Brahmacharya erforderlich. Sie ist von überragender Bedeutung. Durch die Praxis von Yoga, wird der Samen in Ojas Shakti, in spirituelle Energie, umgewandelt. Dadurch bekommt der Yogi einen perfekten Körper. Dadurch bekommt er Charme und Anmut in seinen Bewegungen und er wird ein langes, gesundes und zufriedenes Leben führen. Die Praxis von Brahmacharya ist die wichtigste Qualifikation für einen spirituellen Menschen, egal welchen Weg er eingeschlagen hat: Karma Yoga, Bhakti Yoga, Raja Yoga, Hatha Yoga oder Vedanta. Die Disziplin der kompletten Enthaltsamkeit wird von allen verlangt. Nur ein aufrechter Brahmachari kann Bhakti, die Verehrung Gottes, richtig kultivieren. Nur ein wahrer Brahmachari wird Yoga richtig praktizieren. Nur ein echter Brahmachari kann Jnana, den Yoga des Wissens, erfassen. Ohne Brahmacharya ist kein geistiger Fortschritt möglich. Die Leidenschaften führen einen tödlichen Krieg gegen die spirituellen Bestrebungen des Menschen. Es ist nicht möglich auf dem spirituellen Pfad voran zu kommen, der zu einer Vereinigung mit Gott führt, es sei denn, man kontrolliert die Sinneslust und praktiziert Brahmacharya. Solange die Sinneslust in deinen Nasenlöchern süß riecht, kannst du keine erhabenen, göttliche Gedanken in deinem Verstand hegen. Der Mann, in dem die Leidenschaften tief verwurzelt sind, wird immer nur davon träumen, Vedanta zu verstehen, und er wird die reine Liebe Brahmans selbst in zehn Millionen von Geburten nicht erfahren. Die Wahrheit kann nicht dort verweilen, wo die Leidenschaften existieren.

Sexuelle Hingabe ist ein großes Hindernis im geistigen Weg. Sie verhindern definitiv die spirituelle Praxis. Das sexuelle Drängen muss durch erhabene Gedanken und regelmäßige Meditation kontrolliert werden. Es sollte komplette Sublimation der sexuellen Energie stattfinden. Nur dann ist der Yogaschüler absolut sicher. Die vollkommene Vernichtung des sexuellen Wunsches ist das spirituelle Ideal. Sexuelle Anziehung, sexuelle Gedanken und sexuelles Drängen sind die drei großen Hindernisse auf dem Weg zur Gottrealisierung. Selbst wenn das sexuelle Drängen verschwindet, bleibt die sexuelle Anziehung für eine lange Zeit bestehen und beunruhigt den Yogaschüler. Die sexuelle Anziehung ist sehr, sehr stark. Die sexuelle Anziehung bindet den Menschen an diese Welt. Jede Zelle im Körper eines Mannes oder einer Frau beinhaltet ein sinnliches Begehren. Der Verstand und die Sinne sind von einem sexuellen Fluidum durchtränkt.Ein Mann hat immer den Wunsch, eine Frau zu bewundern, mit ihr zu sprechen, sie kennen zu lernen. Er findet in ihrer Gesellschaft Vergnügen. Ebenso schauen die Frauen den Männern nach und haben den Wunsch, einen Mann kennen zu lernen. Sie fühlen sich in der Gesellschaft von Männern sehr geborgen. Der ist der Grund, warum es für sie oder für ihn so schwierig ist, die sexuelle Anziehung zu besiegen. Die Leidenschaften können nur durch die Gnade Gottes besiegt werden. Keine menschliche Bemühung kann die mächtige Kraft der sexuellen Anziehung besiegen. Das Sehorgan richtet dabei großen Schaden an. Vermeide lüsterne Blicke, den Ehebruch des Auges. Versuche, Gott in allen Gesichtern zu sehen. Konzentration, Unterscheidungskraft und Selbsterforschung werden Fortschritte auf dem spirituellen Wege ermöglichen. Schließlich wirst du mit Brahman, mit dem Ewigen vereint. Entwickle erhabene göttliche Gedanken und praktiziere Japa und Meditation und die sinnlichen Begierden werden allmählich verschwinden.

Von welchem Nutzen ist das Wissen der Künste und der Wissenschaften, von welchem Nutzen ist ein Titel oder das Ansehen, von welchem Nutzen ist die Wiederholung des Namen Gottes, der Meditation oder die Selbstergründung der Frage "Wer bin ich?", wenn du ein Sklave der Sinneslust bist? Kontrolliere dieses starke Bedürfnis durch ein rigoroses Zurückdrängen der Sinne. Du wirst nur in der Meditation Fortschritte erzielen, wenn du ein strenges Zölibat erfüllst. Dann werden die Bemühungen in der geistigen Keuschheit Vollkommenheit erlangen. Unter uns allen kann sich ein versteckter Shakespeare, ein Kalidasa (indischer Dichter des 4. Jahrhunderts), ein versteckter William Wordsworth (englischer Dichter - 1770 bis 1850) oder ein Valmiki (indischer Dichter des 2. Jahrhunderts), ein möglicher Jesuit wie der Heilige Francis Xavier, ein Akhanda Brahmachari (ein Brahmachari der 12 Jahre keinen Tropfen Samen abgegeben hat) wie Bhishma Pitamaha (Person aus der Mahabrarata, ein bedeutendes Epos der Hindus), ein Hanuman (Affengott) oder ein Lakshman (Bruder des Hindugottes Rama), ein Visvamitra oder ein Vasishtha (Heilige aus dem indischen Ramayana - das Ramayana ist nach dem Mahabharata das zweite indische Nationalepos), ein großer indischer Wissenschaftler wie Dr. J. C. Bose (Physiknobelpreisträger von 1977) oder Sir Chandrasekhara Venkata Raman (indischer Physiknobelpreisträger von 1930), ein Yogi wie Jnana Deva oder Gorakhnath, ein Philosoph wie Sankara oder Ramanuja, ein Bhakta (Yogi, der die Liebe zu Gott praktiziert) wie Tulsidas, Ramdas oder Eknath, befinden.

Erwache und deine versteckten Fähigkeiten, das ganze Potential deiner Möglichkeiten, wird durch Brahmacharya erweckt. So kannst du das Gottesbewusstsein schnell erreichen und dich über das Elend des irdischen Lebens mit seinen Begleitumständen wie Geburt, Tod und Leid erheben. Gesegnet sei der Brahmachari, der das Gelübde des Zölibats bis ans Ende seines Lebens auf sich genommen hat. Zweimal gesegnet sei der Brahmachari, der sich aufrichtig bemüht, die Sinneslust zu besiegen, um vollkommene Reinheit zu erreichen. Dreimal gesegnet sei der Brahmachari, der vollständig die Wurzeln des Begehrens besiegt und Selbstverwirklichung erreicht hat. Glorie solchen erhabenen Brahmacharins! Sie sind die wahren Könige der Erde. Möge ihr Segen euch alle erreichen.




An dieser Stelle soll noch ein Blick auf fernöstliche Mönchstum geworfen werden. In verschiedenen Religionen existieren verschiedene Ausprägungen des Mönchtums. Beginnen wir mit dem Mönchstum im Hinduismus. Die Mönche des Hinduismus sind die Sadhus (Sadhu = der Gute), die mit Swami angeredet werden oder mit Baba, Vater. Sadhus, die heiligen Männer Indiens, leben häufig als umherziehende, heimatlose Bettelmönche in ständiger Askese und Heimatlosigkeit. Andere dagegen bilden Gemeinschaften in einem Ashram oder einem Tempelkomplex. Sie treten in verschiedenen religiösen Ausprägungen auf. Unter den verschiedenen hinduistischen Orden gibt es z. B. Vaishnavas, die Anhänger Vishnus, nach außen hin dadurch erkennbar, dass sie ihr Haar bis auf ein Büschel am Hinterkopf rasieren, oder Shaivas, die Anhänger Shivas, die ihr Haar wild wachsen lassen. Nach seinem Entschluss zur Entsagung schließt sich der künftige Sadhu einem Guru an, der ihn in die spirituelle Lehre sowie in Techniken der Askese und Meditation (Yoga) einführt und dem er als Schüler dient. Diese Asketen werden auch Muni genannt, ein Wort, das mit dem deutschen Mönch verwandt ist.

Ein Sadhu legt ein persönliches Gelübde ab, das je nach den Vorschriften seines Gurus verschiedene Anforderungen auferlegt. Das kann Heimatlosigkeit sein, Armut, sexuelle Enthaltsamkeit, Fasten sowie völlige Bedürfnislosigkeit. Einige Sadhus dürfen keine sozialen Kontakte zu den Mitmenschen pflegen, halten sich nie lange an einem Ort auf und leben von dem, was sie von ihren Mitmenschen erhalten. Manche von ihnen fallen durch bizarres Verhalten auf, durch extreme Formen der Askese und Selbstquälung, andere sind für ihren Rauschgiftkonsum bekannt. Viele Sadhus sehen die Welt als Trugbild, der man sich entsagt und der man sich abtöten soll, um Erleuchtung in der transzendenten Wirklichkeit zu erlangen. Sie suchen Erlösung aus dem ewigen Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt.Lebten einige hinduistische Yogis zunächst bei ihrem Guru in einem unabhängigen Ashram, einem klosterähnlichen Meditationszentrum, so kamen im achten Jahrhundert die häufig mit einem Tempel verbunden Klöster hinzu. Die ersten wurden unter Shankara, einem großen Hindu-Philosophen, gegründet, der mit seinen Mönchen den theistisch (religiös) orientierten Hinduismus dem wachsenden atheistisch orientierten Buddhismus gegenüber stärken wollte. Die in den hinduistischen Klöstern lebenden Sanyassin, die 'Entsagenden', folgen noch heute dem alten Ideal der Askese, suchen spirituelles Wachstum, studieren und lehren die Heiligen Schriften. Hindumönche, beschäftigen sich neben spirituellen Aktivitäten auch mit philanthropischen (menschenfreundlichen) und humanistischen Aufgaben (Schulen, Sanitätsstationen, Armenspeisung, u.a.).

Im Buddhismus gab es die Mönchsgemeinde (Sangha) von Beginn an, also etwa seit 500 v. Chr. Zunächst nur für Mönche und später auch für Nonnen. Beide Orden wurden um 560 - 480 v. Chr. von Buddha selbst gegründet. In den ersten Jahren wurden Anwärter nur vom Buddha selbst ordiniert. Später, mit schnell wachsender Gemeinde, übertrug er das Recht, Mönche aufzunehmen, seinen Jüngern. Das buddhistische Mönchs- und Nonnenleben ist asketischer als das in christlichen Orden. Zunächst gab es nur hauslose Wandermönche, erst später wurden Aufenthaltsstätten und Unterkünfte gestiftet. Bis dahin wurden nur zur Regenzeit Hütten gebaut, die am Ende wieder abgerissen wurden. Die große Verehrung, die den buddhistischen Mönchen entgegen gebracht wird, gilt weniger der Person selbst als vielmehr dem Respekt vor dem Dharma, der Lehre Buddhas, das der Mönch oder die Nonne verkörpert bzw. repräsentiert.

In Thailand, einem Land in dem besonders der Theravada-Buddhismus verbreitet ist, gibt es etwa 18.000 Wats (buddhistische Tempelanlagen), die vor allem in ländlichen Gebieten nicht nur Zentrum des religiösen, sondern auch des sozialen Lebens sind. Die Zahl der Mönche beträgt etwa 160.000. Traditionell tritt fast jeder männliche Thai, aber nur wenige Frauen, einmal im Leben für mehrere Wochen in ein Kloster ein, um sich in der Meditation zu üben und den Regeln der Mönchs- bzw. Nonnengemeinschaft zu unterziehen. Etwa ein Drittel der männlichen Jugendlichen zwischen 12 und 18 / 20 Jahren lebt für ein bis sechs Jahre als Novize (Ordensschüler) im Tempel. Nach Beendigung der Schule legen die meisten von ihnen die Robe ab und kehren als Laien in die Gesellschaft zurück, um zu studieren, eine Lehre zu machen oder einen Job zu suchen. Sofern ein Novize mit 20 Jahren noch im Tempel ist, muss er sich entscheiden auszutreten oder Mönch zu werden. Stirbt jemand in der Familie, ist es üblich, dass ein Familienmitglied, meist ein Sohn, Enkel oder Neffe, ordiniert wird, um die Totenfeiern als Mitglied der Sangha (Mönchsgemeinschaft) zu begleiten; meistens dauert dieser Tempelaufenthalt nur drei, fünf oder sieben Tage. Ist jemand in einer persönlichen Krise, vom Geschäftsleben gestresst, hat er seine Pflichten als Familienvater erfüllt oder ist Witwer geworden, kann er bis zu dreimal Mönch auf Zeit sein, wobei er das Kloster und die Dauer seiner Ordination frei wählen kann. Dieser Rückzug hat häufig die Dauer einer Regenzeit (drei Monate) oder eines Jahres. Ältere nehmen damit auch Abschied vom Berufsleben und bleiben Mönche für den Rest ihres Lebens. Mönche, Novizen und Nonnen werden als Vorbilder gesehen und genießen in der Gesellschaft hohen Respekt.

Auch im chinesischen Daoismus gibt es Klöster, die ab dem 12. Jahrhundert nach Vorbild des Buddhismus eingerichtet wurden. Die Schule des Daoismus, in der zölibatäre Mönche und Nonnen in Klöstern ein Leben der Meditation und Askese leben, ist das Neidan (Quanzhen). Die Schule des Quanzhen betont, dass das Ziel nicht die physische Unsterblichkeit ist, wie in den früheren Schulen des Daoismus (z.B. der Himmelsmeister oder des Shangqing), sondern dass es um rein innerliche Prozesse geht, die den Geist über die Welt setzen. Die Quanzhen-Schule stellte die erste Schule des Daoismus dar, die nach Vorbild des Chan-Buddhismus Klöster errichtete und strenge Regeln des Zölibats, der Enthaltsamkeit von Alkohol, Fleisch, Begierden, Zorn und Reichtümern einführte.

Das buddhistische Shaolin-Kloster in der chinesischen Provinz Henan wurde um 500 n.Chr. gegründet. Im Jahr 527 n.Chr. kam der Legende nach der indische Mönch Bodhidharma in das Kloster und begründete dort die Lehre des Chan (japanisch: Zen)-Buddhismus. Es ist berühmt für seine Kampfkunst sowie für Quigong, eine chinesische Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform zur Kultivierung von Körper und Geist und gilt außerdem als die Geburtsstätte des historischen Chan-Buddhismus, dem Vorläufer des Zen-Buddhismus. Neben Meditation und Buddhismus pflegen Shaolin-Mönche auch Kenntnisse in traditioneller chinesischer Medizin, Qigong, Kalligrafie und natürlich Kung-Fu. Die Lebensweise eines Mönches ist streng: kein Fleisch, kein Alkohol, kein Sex. Entsprechend Letzterem gilt das Zölibat. In den häufigen Wirren der dynastischen Kämpfe um den chinesischen Kaiserthron waren diese Kampfmönche beliebte Verbündete, die sich nicht nur Überfällen von Räubern auf ihr Kloster zu erwehren wussten, sondern auch aktiv in die Kämpfe zu Gunsten ihrer kaiserlichen Förderer eingriffen. Zeitweise unterhielt das Kloster eine Armee von 2.500 Mann. Das Kloster wurde mit Landschenkungen bedacht, der Abt des Klosters wurde zum kaiserlichen General ernannt, und die Kampfmönche genossen hohes Ansehen.

Der Zen-Buddhismus oder Zen ist eine in China ab dem 5. Jahrhundert nach Christus entstandene Linie des Mahayana-Buddhismus, die wesentlich vom Daoismus beeinflusst wurde. Der chinesische Name (Chan) stammt von dem Sanskritwort Dhyana (Meditation). Ab dem 12. Jahrhundert wurde das Zen nach Japan übertragen. Die im Westen verwendeten Begriff Zen kommt aus dem Japanischen. Zentrales Element der Praxis des Zen ist die Sitzmeditation Zazen, die im Lotussitz in strenger äußerer Disziplin vor allem in Klöstern ausgeübt wird. Indem der Übende alle seine Gedanken zur Ruhe bringt, ermöglicht er die mystische Erfahrung der Erleuchtung (Satori), ein oft plötzlich eintretendes Erleben universeller Einheit und Leere, das der gesamtbuddhistischen Erleuchtung entspricht. Satori ist die plötzliche Erkenntnis vom universellen Wesen des Daseins. Es ist ein Schlüsselkonzept des Zen-Buddhismus und kann nur in der persönlichen Erfahrung verstanden werden. Satori steht im Gegensatz zum Nirvana, denn es ist kein andauernder sondern nur ein vorübergehender Zustand. In diesem Zusammenhang ist oft vom Buddha-Werden, oder der Verwirklichung der eigenen Buddhanatur die Rede.

Der Zölibat ist in fast allen in Japan verbreiteten buddhistischen Richtungen aufgehoben, die meisten Mönche haben Familie und betreiben ihre Tempel wie einen Familienbetrieb, der später an die Kinder weitergegeben wird. Solche Familientempel sind häufig von einem kleinen Friedhof umgeben und versorgen eine lokale Gemeinde von Gläubigen mit religiösen Dienstleistungen, vor allem bei Todesfällen. Eine Randstellung unter den buddhistischen Mönchen nehmen die Bergasketen (Yamabushi) ein. Sie besitzen eine eigene Tracht und eigene Riten, die stark vom esoterischen Buddhismus beeinflusst sind. Nachdem die Yamabushi unter dem Einfluss des Staatsshinto lange Zeit verboten waren, weil sie nicht eindeutig dem Buddhismus oder dem Shinto zugeordnet werden konnten, erfreuen sie sich in letzter Zeit wieder steigender Beliebtheit.

Ursprünglichen bestanden in den Zenklöstern allerdings monastische (mönchische) Regeln, die jede Berührung mit weltlichen Dingen untersagte. Allem voran stehen die beiden Hauptthemen: Besitz und Sexualität. So leben die Mönche und Nonnen der alten Regeln gemäss nicht nur im Zölibat, sondern sie vermeiden auch jede direkte Berührung mit Geld. Garten und Küchenarbeit darf deshalb nicht gemacht werden, weil dabei lebende Wesen zu schaden kommen könnten. Einige dieser Regeln wurden schon im China des 8. Jahrhunderts von Zen-Meistern wie Pai-Chang verändert, und von ihm stammt der Ausdruck: “Ein Tag ohne Arbeit – ein Tag ohne Essen“. Weitere Reformen kamen später durch Zen-Meister wie Hakuin in Japan, oder durch den japanischen Kaiser Mutsuhito, der das Zölibat, infolge der Staatsshinto in der Zeit der Meiji-Restauration, für die Zen-Mönche seines Landes aufhob. Es wird gesagt, dass der japanische Kaiser Mutsuhito das Zölibat aufhob, weil er Angst vor den selbstbewussten der enthaltsam lebenden Mönche hatte. Heute ist zwar in den Zenklöstern das Zölibat nach wie vor offiziell aufgehoben, aber es wird vielfach stillschweigend praktiziert. Genauere Kenntnisse fehlen mir allerdings.

Der Staatsshinto ist die tragende Ideologie der Regierungsform, die sich nach der sogenannten Meiji Restauration (1868) bildete und bis zur Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg (1945) Bestand hatte. Diese Regierungsform rückte die Institution und die Figur des japanischen Tenno (japanischer Kaiser) wieder ins Zentrum der politischen Macht und versuchte, diese Rückkehr zu den politischen Verhältnissen des alten Japan aus der japanischen "Urreligion", also aus dem Shinto, zu begründen. Die Ideologie des Staatsshinto fußt auf den Ideen der Kokugaku (Nationale Schule), die sich im Laufe des 19. Jh. zunehmend politisiert hatte und den Umsturz des Shogunats (Anführer aus der Kriegerkaste der Samurai) ideologisch vorbereitete. Mit der Machtübergabe an den zu dieser Zeit 15-jährigen Tennō Mutsuhito lag die Zentralgewalt seit vielen Jahrhunderten erstmals wieder in den Händen des Tennō.

Meiji-Restauration bezeichnet den politischen Umbruch im Jahr 1868 und den Beginn einer neuen Regierungsform im Kaiserreich Japan. Sie stand am Anfang einer Epoche der rasanten Modernisierung und Verwestlichung der japanischen Gesellschaft, wiewohl sie zunächst die Rückkehr zu alten japanischen Werten propagierte, insbesondere der Wiederherstellung des Kaisertums. Die Meiji-Restauration beendete somit die über 250 Jahre währende Herrschaft der Tokugawa-Shogun-Dynastie. Eine ihrer zentralen Vorstellungen war die Wiederherstellung der Einheit von religiösem Ritus und politischem System in der Person des Tenno, die den ursprünglichen japanischen Staat des Altertums angeblich geprägt hätte. Tatsächlich wurde zum ersten Mal in der japanischen Geschichte Shinto explizit zur Staatsreligion erklärt. Jeder Bürger hatte im Tenno die vergöttlichte Personifizierung des Staates anzuerkennen. War in alten Zeiten der Tenno im Ritus als höchster Repräsentant der Menschen seinen göttlichen Ahnen entgegengetreten, so sollte nun der einfache Bürger im shintoistischen Ritus dem vergöttlichten Repräsentanten des Staates Reverenz erweisen.

Der Buddhismus passte sich der Diesseitsgläubigkeit des Shinto an, indem die Askese und das Zölibat seiner Mönche aufgegeben wurde und der Weg zur Erleuchtung durch Kunstübungen (Tuschemalerei, Schrift, Musik, japanischer Garten), Teezeremonien, Bogenschießen, Kalligraphie und Dichtungen möglich wurde. Der Staatsshinto wurde nach dem Zweiten Weltkrieg unter amerikanischer Besatzung offiziell abgeschafft, die Trennung von Staat und Religion in der Verfassung verankert, sämtlichen Shinto Schreine (religiöse Stätten), wurden ihre staatlichen Förderungen entzogen. Dennoch blieb die Ideologie des Staatsshinto unaufgearbeitet. Auch in Korea, das im zweiten Weltkrieg unter japanischer Besatzung war, wurde das Zölibat verboten. Der unter japanischem Einfluss aufgehobene Zölibat für Priester wurde nach dem Krieg, nicht ohne erhebliche Diskussionen, wieder eingeführt.

Buddhistische Klöster scheinen im alten Japan bereits früh Zentren homosexueller Aktivität gewesen zu sein; der Berg Koya, der Sitz von Kukais Kloster, wurde zum Beinamen für gleichgeschlechtliche Liebe. Hingegen enthalten weder Shinto noch die japanische Lesart des Konfuzianismus irgendwelche Verbote. Genügend Mönche scheinen der Ansicht gewesen zu sein, dass ihr Keuschheitsgelübde sich nicht auf gleichgeschlechtliche Beziehungen erstreckte, so dass Geschichten, die von den Affären zwischen Mönchen und jungen Akolythen (Begleitern) erzählen. Solche Affären wurden milde bespöttelt, solange die Leidenschaften nicht bis zu körperlicher Gewalt eskalierten, was durchaus nicht ungewöhnlich war. Jesuiten berichteten entsetzt über die Verbreitung der "Sodomie" (Sexualität mit Tieren) unter buddhistischen Mönchen.

Quellen:
Engagierter Buddhismus
Staatsshinto
Meiji-Restauration
Mönchstum
Homosexualität in Japan

Kapitel 9.3 ist vom Übersetzer.



Es ist über alle Zweifel erhaben, dass ein Leben im Brahmacharya erhaben und wunderbar ist. Aber ebenso kann ein maßvolles Leben für das spirituelle Wachstum eines Familienvaters gut und nützlich sein. Beide haben ihre eigenen Vorteile. Du solltest die große Stärke haben, jedem seinen Weg gehen zu lassen.Varnashrama Dharma, die Gliederung der hinduistischen Gesellschaft in vier Kasten (Varna) und vier Lebensstadien (Ashrama), ist jetzt praktisch ausgestorben. Heutzutage ist jeder ein Vaisya (Kaste der Bauern, Kaufleute und Händler) oder ein Bania (Unterkaste der Gewürz- und Getreidehändler) mit der Gier zur Anhäufung von Reichtum durch Betteln, Leihen oder Stehlen. Fast alle Brahmanen (Kaste der Priester und Gelehrten) und Kshatriyas (Kaste der Krieger, Fürsten und Könige) sind heute Banias oder Vaisyas. Es gibt heutzutage keinen wirklichen Brahmanen oder Kshatriya mehr. Heute dreht sich alles nur noch ums Geld. Sie versuchen nicht mehr, das Dharma, die Lehre ihrer Kaste, in ihrem Leben zu praktizieren.

Dies ist die grundlegende Ursache für den moralischen Absturz der Menschen. Wenn der Familienvater seine Verpflichtungen erfüllt, wenn er ein idealer Grihasthi (ein Mensch, der im Berufs- und Familienleben steht) ist, dann besteht keine Notwendigkeit, ein Leben der Enthaltsamkeit zu führen. Die Abnahme der Anzahl der Sannyasins (Mönche), in der heutigen Zeit, ist auf das Versagen der Familienväter gegenüber ihren familiären Verpflichtungen zurückzuführen. Das Leben eines idealen Familienvaters ist genau so schwierig und anstrengend wie das Leben eines idealen Sannyasin. Der Weg des Karma-Yoga des Familienvaters, ist genau so schwierig und anstrengend wie der Weg der Entsagung der Mönche.Wenn ein Familienvater ein Leben im Zölibat führt, und nur gelegentlich, um der Nachkommen willen, mit seiner Frau intim ist, dann bringt er gesunde, intelligente, starke, schöne und selbstlose Kinder hervor. Die Asketen und Gelehrten des alten Indiens, befolgten diese Regel sehr sorgfältig, wenn sie verheiratet waren. Sie lehrten diese Regeln auch ihren Schülern und praktizierten sie, durch ihr Vorbild als Familienväter und Brahmacharins. Unsere Vorfahren folgten in der Tat den asketischen Regeln bei der Erzeugung ihrer Nachkommen.

Diejenigen, die die Srimad Bhagavata, einen indischen episch-philosophischen Klassiker, gelesen haben, kennen das Leben von Devahuti, der Tochter von Manu, dem Urvater des Menschengeschlechts, und ihres Ehemannes Kardama Rishi. Kapila Muni, der Gründer der Sankhya Philosophie, wurde von Devahuti geboren, nachdem Kardama Rishi sie einmal besuchte, um mit ihr einen Sohn zu zeugen. Der Weise Parasara besuchte die Fischerstochter Matsyagandhi, die ihm darauf Sri Vyasa, den Gründer der Vedanta Philosophie gebar.Viele große Weise von damals waren verheiratet, aber sie führten nicht das Leben der Leidenschaft und Sinneslust. Ihr Leben als Familienvater war ein Leben nach dem Dharma, nach der Lehre ihrer Religion. Wenn es für dich nicht möglich ist, ihnen nachzueifern, dann solltest du ihr Leben als ein Vorbild betrachten, als ein Ideal zur Nachahmung, um ebenfalls dem Weg der Wahrheit zu folgen. Das Leben als Familienvater sollte kein Leben der Sinneslust und des losen Lebenswandels sein. Es sollte ein strenges Leben des selbstlosen Dharmas, rein und einfach sein, von Nächstenliebe, Güte, Humanität, Freundlichkeit und Selbsthilfe geprägt. Wenn du solch ein Leben führst, ist das Leben eines Familienvaters genau so gut, wie das Leben eines Sannyasin.



Führe eine geordnete und gezügelte Ehe. Selbst als Familienvater kannst du ein Brahmachari sein, indem du am Grihastha Dharma, den sozialen und spirituellen Pflichten der Familienväter, festhälst, ein gemäßigtes Leben führst und regelmäßig zu Gott betest. Die Ehe sollte dich auf keinen Fall in deiner spirituellen Entwicklung behindern. Du solltest das spirituelle Feuer immer am lodern halten. Deine Frau sollte ebenso vom Sinn eines spirituellen Lebens überzeugt sein. Wenn beide Eheleute Brahmacharya beachten, aber zur Zeugung von Kindern miteinander intim sind, ohne es zu Ausschweifungen kommen zu lassen, dann werden sie robuste und gesunde Kinder bekommen, die der Stolz des ganzen Landes sind. Die aufbewahrte Energie kann für höhere spirituelle Zwecke verwendet werden. Die Verhinderung einer häufigen Schwangerschaft erhält außerdem die Gesundheit der Frau.Brahmacharya im Eheleben bedeutet eine absolute Mäßigung im sexuellen Verkehr. Familienvätern sollte es gestattet sein, einmal im Monat mit ihrer Frau intim zu sein, um Nachwuchs zu zeugen. Dieses entspricht ebenfalls dem Gelübde des Brahmacharya. Deshalb kann man die Eheleute, die diese Regeln einhalten, ebenfalls als Bramacharin betrachten.

Die Eheleute sollten ebenso regelmäßig fasten und Japa, Meditation und andere spirituelle Praktiken einhalten, die es ihnen ermöglichen, das Gelübde des Brahmacharya aufrecht zu erhalten. Sie sollten vielleicht zusammen die Bhagavad Gita (hinduistische "Bibel"), die Upanishaden (philosophische Schriften), die Bhagavata (ein hinduistischer Text vishnuitischer Prägung) und das Ramayana (indisches Nationalepos) studieren und die Regeln für eine gesunde Ernährung beachten.Wenn du Brahmacharya beachten möchtest, dann stelle dir vor, dass deine Frau deine Schwester ist. Legt die Idee von Ehemann und Ehefrau beiseite, und stellt euch vor, ihr seid Bruder und Schwester. Ihr werdet eine reine und starke Liebe entwickeln, weil die Unruhen, die die Sinneslust normalerweise mit sich bringen, nicht vorhanden sind. Im Mittelpunkt eures Lebens sollte die Ausrichtung auf gemeinsame spirituelle Ziele stehen. Unterhaltungen über die Geschichten der Mahabharata oder der Bhagavata könnten euer Leben bereichern. Lest an den Feiertagen und im Urlaub zusammen spirituelle Bücher. So werdet ihr gemeinsame Interessen und Freuden für spirituelle Themen entwickeln. Richtet euer Leben an gemeinsamen spirituellen Zielen aus, um euch von den Verunreinigungen des Unterbewusstseins zu befreien und die Göttlichkeit in euch zu entwickeln.

Die heutigen jungen Männer in Indien ahmen die westlichen Menschen nach, und nehmen jedes mal ihre Frauen mit, wenn sie ausgehen. Dieses Verhalten führt zu der Gewohnheit der Männern, ständig in der Gesellschaft von Frauen zu sein. So ist selbst die kleinste Trennung bereits mit Schmerzen verbunden. Darum sind viele Männer geschockt, wenn sie ihre Frau verlieren. Weiter wird es sehr schwierig für sie, das Gelübde von Brahmacharya für einen Monat auf sich zu nehmen. Armselige Schwächlinge! Dies ist ein spiritueller Bankrott! Versuche, von deinem Partner getrennt zu sein, so oft du kannst. Verbringe nicht die ganze Zeit nur mit deiner Partnerin. Entwickle eigene Interessen. Und mache Abends einen Spaziergang, damit du zur Ruhe kommst.

Persönliche Anmerkung des Übersetzers:

Einmal eine persönliche Anmerkung zu dem Text über Brahmacharya in der Ehe. Zwar ist die sexuelle Vereinigung nur für die Zeugung von Kindern gedacht. Aber ich glaube, viele Ehepaare wären mit dieser Forderung überfordert. Darum würde ich es persönlich als einen großen Erfolg betrachten, wenn man sich zunächst darauf verständigen würde, nur einmal im Monat miteinander intim zu sein. Das würde ich als großen spirituellen Erfolg betrachten. Die intimen Stunden werden dann natürlich zu etwas ganz Besonderem.

In zweiter Linie sollte man vielleicht langfristig denken und das Gebot im Hinterkopf haben, dass man ja eigentlich nur miteinander schlafen sollte, wenn man Kinder zeugen möchte. Darum halte ich es für sinnvoll, sich selber bis zur vollkommenen Verwirklichung dieses Ziels, vielleicht einen Zeitrahmen von 12? (jeder sollte den Zeitrahmen wählen, den er für richtig hält) Jahren zu setzen, wenn man wirklich keine Kinder mehr bekommen möchte. Im ersten Jahr ist man dann nur einmal im Monat miteinander intim, im zweiten Jahr nur alle zwei Monate und nach zwölf Jahren vielleicht nur noch einmal im Jahr. So kann man vielleicht langsam vollkommenes Brahmacharya verwirklichen. Ich bin mir sicher, am Ende ist man stolz darauf, es verwirklicht zu haben.

Ende des Anmerkung.



Sobald ein Kind geboren wird, wird deine Frau zur Mutter. Im Kind verkörpert sich die Liebe von Vater und Mutter. Nach der Geburt solltest du deine Geisteshaltung ändern. Betrachte deine Frau fortan als Weltenmutter. Beginne mit deiner spirituellen Praxis und besiege die Leidenschaften. Jeden Morgen, sobald du aufstehst, berühre die Füße deiner Frau (indischer Brauch), knie vor ihr nieder und verehre sie als Göttin Kali. Schäme dich nicht. Diese Praxis entfernt die Idee der "Frau" aus deinem Verstand. Wenn du dich nicht körperlich vor deiner Frau verneigen magst, dann tue es geistig.Sobald ein Kind geboren ist, und ihr keine weiteren Kinder haben möchtet, solltet ihr die Sinneslust einstellen. Dann solltet ihr vollkommenes Brahmacharya beachten. Du solltest deine Frau wie deine Mutter behandeln. Sobald sich dieser Gedanke gefestigt hat, wirst du deine Frau nicht mehr mit lüsternen Blicken betrachten. Dies ist eine große spirituelle Herausforderung für den Familienvater. Geht aus der Ehe kein Kind hervor, ist es nicht ratsam, eine zweite Frau zu heiraten. Dann sollten sich die Eheleute auf den spirituellen Weg konzentrieren und vollkommenes Brahmacharya praktizieren.

Anmerkung Übersetzer:

Eventuell könnten die Eheleute aber auch über eine Adoption nachdenken.

Ende Anmerkung Übersetzer.



Die Manu, das altindische Gesetzbuch, sagt: "Das erstgeborene Kind wird durch Dharma und die folgen Kinder durch Karma, der Sinneslust, geboren. Der sexuelle Akt zum bloßen Vergnügen ist nicht vertretbar." Familienväter, die den Weg der Selbstverwirklichung beschreiten und älter als 40 Jahre sind, sollten den sexuellen Kontakt zu ihrer Partnerin einstellen, da ein sexueller Kontakt alle sinnlichen Ideen wiederbelebt und ihnen immer wieder neue Nahrung gibt. Die Ehe sollte als ein gottgewolltes heiliges Bündnis zweier Seelen betrachtet werden, deren Lebensziel die Selbstverwirklichung ist. Die Eheleute sollten vollkommenes Brahmacharya beachten, wenn sie schnelle spirituelle Fortschritte und Selbstverwirklichung erreichen wollen.Bist du ein Familienvater von über vierzig Jahren? Dann solltest du nun ein perfekter Brahmachari werden. Deine Frau sollte am Ekadasi, am 11. Tag nach Vollmond und Neumond, fasten. Du solltest nicht sagen: "Swami, was soll ich tun? Ich bin ein Familienvater." Das ist eine faule Ausrede. Wie lange möchtest du noch wie ein leidenschaftlicher Familienvater leben? Bis an dein Lebensende? Gibt es keine edlere Mission in deinem Leben als Essen, Schlafen und sich fortzupflanzen? Hast du nicht schon genug von diesem irdischen Vergnügen gekostet? Du hast das Stadium des Familienvaters bereits überschritten.

Ich kann dich entschuldigen, wenn du ein junger Mann bist, aber jetzt nicht mehr. Nun solltest du dich vom weltlichen lösen, in das Stadium eines Vanaprastha (jemand, der sich darauf vorbereitet, allein als Sanyassin in der Waldeinsamkeit zu leben) eintreten und dein Leben der Spiritualität widmen. Bringe zuerst dein Herz zum leuchten. Es wird in der Tat ein edles Leben sein. Bereite dich auf die Waldeinsamkeit als Sannyasin vor. Diszipliniere deine Gedanken. Reales Sannyasa ist geistiges Nichtanhaften. Reales Sannyasa bedeutet, das Erlöschen der Wünsche, des Egoismus, der Anhaftung an die Kinder, an den Körper, an die Frau und an den Besitz.Du brauchst dich nicht in die Himalajahöhlen zurückzuziehen. Du solltest aber einen höheren Geisteszustand entwickeln. Lebe mit der Familie und den Kindern in Frieden und Wohlstand. Lebe in der Welt, aber lass dich nicht von ihren Verlockungen verwirren. Löse dich von der Weltlichkeit. Das ist wirkliches Sannyasa. Das ist es, was ich gerne sehen würde. Dann wirst du zum König der Könige. Ich schreie diese Botschaft seit vielen Jahren in die Welt hinaus, aber nur sehr wenige folgen meiner Bitte.

Ein wertvoller Juwel, die unendliche Anmut Gottes, ist eine Frau, die dich auf diesem Weg begleitet. Harmonie auf jedem Schritt, ist ein seltenes Geschenk Gottes für ein Ehepaar. Jeder Partner, sollte langfristig für den anderen, in jedem Sinne, der passende Begleiter sein. Grihastha Ashrama und das Führen eines spirituellen Lebens, im eigenen Haus (Wohnung), ist eine sichere Sprosse auf der Strickleiter zur Entwicklung deiner Göttlichkeit. Folge den religiösen Vorschriften und genieße dein Glück. Göttliche Erkenntnis kann nur auf spiritueller Basis erlangt werden.Beide Eheleute sollten das Ziel der Gottrealisierung anstreben. Wenn andere Paare mit anderen, um ihrem Besitz und ihr Vermögen konkurieren, und sich gegenseitig herunter ziehen, solltet ihr nicht miteinander um einen schnelleren spirituellen Fortschritt konkurrieren. Macht daraus keinen spirituellen Wettstreit. Was für ein Segen ist es, einen solchen Lebenspartner an seiner Seite zu haben!



Ein Yogaschüler schreibt: „Ich möchte gerne wissen, ob die gleiche Theorie betreffs des männlichen Samens und der Verlust desselben, entsprechend für die Frauen gilt. Sind Frauen wirklich im gleichen Umfang beeinflusst wie Männer?“ Die ist eine wichtige und angemessene Frage. Ja, die Hingabe beim sexuellen Akt erschöpft die Frau genauso wie den Mann, und führt genau so zur Abnahme der Vitalität, wie beim Mann. Die nervliche Belastung ist in der Tat sehr groß. Die weiblichen Eierstöcke, die dem männlichen Hoden entsprechen, entwickeln reife, kostbare und vitale Energie wie der männliche Samen. Das weibliche Ei, gelangt nach dem Eisprung innerhalb von 3 bis 4 Tagen von den Eierstöcken über die Eileiter zur Gebärmutter (Uterus). Obwohl die Frau dieses Ei nach dem Orgasmus nicht aus ihrem Körper verliert, wie im Falle des männlichen Samens, so verlässt es aber die Eierstöcke und wandert zur Gebärmutter und bereitet sich auf die Empfängnis eines Embryos vor. Man weiß nur zu gut, was für eine Belastung und Energieverbrauch die Schwangerschaft für eine Frau mit sich bringt. Die wiederholte Auszehrung dieser Energie und die Belastung der Geburt nagen an der Gesundheit der Frau, rauben ihr die Kraft, die Schönheit, den Anmut ihrer Jugend und ihre geistige Energie. Die Augen, die normalerweise auf die innere Stärke hindeuten, verlieren an Glanz und Ausstrahlung.

Die intensive sinnliche Aufregung des Geschlechtsaktes erschüttert das Nervensystem und verursacht Erschöpfung. Da der weibliche Körper empfindlicher und nervöser ist als der männliche Körper, werden Frauen durch den Orgasmus stärker beeinflusst als Männer. Darum sollten auch Frauen ihre kostbare vitale Energie bewahren. Das Ei und die Hormone, die durch die Eierstöcke abgesondert werden, sind für das maximale körperliche und geistige Wohlbefinden der Frau sehr wichtig. Darum sollten Frauen ebenfalls das Gelübde des Zölibats beachten. Sie können als lebenslange Brahmacharinis, wie die indische Prinzessin, Mystikerin und Dichterin Mirabai (1498 - 1546) ihr Leben dem Dienst und der Hingabe Gottes widmen. Oder sie können Brahmavichara (Gotteserforschung) wie die Yoginis Gargi und Sulabha tun.Ehe- oder Hausfrauen sollten die eheliche Moral oder das Gelübde der Keuschheit beachten. Sie sollten Lord Krishna in ihren Ehemännern sehen und Gott verwirklichen. Sie sollten sowohl Yogaübungen als auch Atemübungen praktizieren. Sie sollten häufig Mantras singen, meditieren und täglich zu Hause beten. Durch Bhakti, den Yoga der Hingabe, können sie allmählich die sinnlichen Leidenschaften auslöschen.

Viele Frauen von damals hatten übernatürliche Fähigkeiten und offenbarten so der Welt die Energie der Keuschheit. Nalayini, stoppte durch die Energie der Keuschheit das Aufgehen der Sonne, um das Leben ihres Ehemannes zu retten. Anasuya verwandelte die hinduistische Trinität, Brahma, den Gott der Schöpfung, Vishnu, den Gott der Erhaltung und Shiva, den Gott der Zerstörung, in Babys, als sie um Erleuchtung flehte. Nur durch die Energie der Keuschheit, gelang es ihr, die großen Gottheiten in Babys zu verwandeln. Savitri rettete durch ihre Keuschheit das Leben ihres Ehemannes Satyavan (Erzählungen aus der Bhagavatam). Solch eine Kraft besitzt nur das Brahmacharya. Hausfrauen und Mütter, die ein Leben in Keuschheit führen, können ebensolche Fähigkeiten entwickeln, wie Anasuya, Nalayini oder Savitri.

Zur Umwandlung sexueller Energie bei Frauen fand ich bei healingtao.org: Die alten Taoistinnen, die einem strengen Übungsprogramm folgten, sich ausgeglichen ernährten, ihre Emotionen harmonisierten und dadurch eine tiefe innere Ruhe und Zentriertheit erreichten, erlebten als Resultat dieses Lebenswandels ein Stoppen der Menstruation: "die Zähmung des roten Drachens". Der Körper wird erst vollkommen geheilt, so dass schließlich die Sexualenergie umgewandelt und von der Basis in die höheren Zentren bewegt werden kann. Ich fand es sehr interessant, von einer katholischen Nonne zu hören, dass im Kloster, hinter vorgehaltener Hand, eine Nonne die noch im gebärfähigen Alter ihre Menstruation stoppt, als "erfolgreich mit Jesus vermählt" gilt. Dies geschieht jedoch recht selten. Einerseits wird der Weg dorthin nicht erklärt und auf der anderen Seite fehlen oft die erforderlichen Lebensumstände. Notwendig sind genügend körperliche Bewegung, ausreichende Ruhe für Körper und Geist, eine ausgewogene Ernährung und als ganz wesentlicher Punkt, ausgeglichene Emotionen, die auch im Kloster nicht immer leicht zu finden bzw. zu erreichen sind.



Früher gab es Brahmacharinis in Indien. Sie waren Brahmavadinis; und am Wissen über Brahman interessiert. Sie wollten nicht das Leben einer Ehefrau führen und den ehelichen Pflichten nachkommen. Sie dienten den Rishis und Weisen in ihren Einsiedeleien und praktizierten Brahmavichara, das Einssein mit Gott. König Janasruti's Tochter diente Rishi Raikva. Du findest diese Geschichte in den Chandogya Upanishaden, eine der bekanntesten philosophischen und mystischen Schriften der indischen Kultur.Die Brahmacharini Sulabha war eine sehr gelehrte Frau. Sie wurde in einer königlichen Familie geboren. Sie wurde im Geist der Emanzipation erzogen. Sie beachtete die Praxis der Askese. Sie beschritt ihren Weg sehr konsequent und war in ihrem Gelübde sehr beharrlich. Sie äußerte nie ein Wort, ohne es auf seine Verletzlichkeit zu reflektieren. Sie war eine Yogini und führte das Leben einer Sanyassin. Sie erschien vor dem König und Asketen Janaka, in seinem Gericht, und führte mit ihm eine Diskussion über Brahmavidya, dem Wissen über Brahman, über das Selbst.Gargi war ebenso eine Brahmacharini. Sie war eine in hohem Grade kultivierte Frau. Sie hatte mit Yajnavalkya eine langatmige Diskussion über Brahmavidya. Der Dialog zwischen ihnen ist in der Brihadaranyaka Upanishad nachzulesen.

In Europa gab es viele Frauen, die zölibatär lebten und ihr Leben der Askese, dem Gebet und der Meditation weihten. Sie lebten in ihrer eigenen Einsiedelei. In Indien leben auch heute noch gebildete Frauen, die ein Leben als Brahmacharinis führen. Sie möchten nicht heiraten. Sie unterrichten die Mädchen in den Schulen, erteilen den armen Mädchen kostenlosen privaten Unterricht und bilden sie im Nähen und in anderen Hausarbeiten aus.
Sie studieren religiöse Bücher, singen Mantren und meditieren morgens und am Abend. Sie führen ein tägliches spirituelles Tagebuch, leiten spirituelle Frauengruppen und unterrichten Mädchen im Yoga und in den Atemübungen. Sie geben Darlegungen der Bhagavad-Gita und Upanishaden. Sie halten Vorträge über religiöse Texte in Englisch, Sanskrit und Hindi. Während der Feiertage und bei wichtigen Gelegenheiten halten sie im großen Stil religiöse Tagungen für die spirituelle Erweckung von Frauen ab.

Manchmal besuchen sie nahe gelegene Dörfer und verteilen kostenlos Medizin für die Armen. Sie sind mit der Ersten Hilfe, der Homöopathie, der Allopathie (Schulmedizin) und der Biochemie vertraut. Sie sind ebenfalls darin ausgebildet, Kranke zu pflegen. Es gibt gut ausgebildete Brahmacharinis, die Mädchenschulen leiten und die in Sanskrit, Englisch und in Hindi sehr erfahren sind. Sie unterhalten auf eigene Kosten eine freie private Schule für arme Mädchen. Das ist wirklich eine edle Tat.Solche Mädchen und Frauen sind wirklich ein Segen für Indien. Sie führen ein Leben in Reinheit und Nächstenliebe. Sie genießen Glück, Wohlstand und Ansehen und werden einst mit Seligkeit belohnt werden. Indien könnte mehr Brahmacharinis dieser Art gebrauchen, die ihr Leben dem Dienst am Nächsten, der Meditation und dem Gebet widmen.Es gab eine Maharani, eine weibliche Maharaja (Fürstin), in den einstigen vereinigten Provinzen, die einfache Kleidung trug, einfache Nahrung aß, Sadhus (Bettelmöche) und arme Leute bediente und unter Sannyasins (Entsagenden) lebte. Sie hatte ein großes Wissen der Heiligen Schriften und praktizierte regelmäßig Meditation und Gebet. Sie beachtete monatelang das Schweigegelübde und verbrachte einige Zeit in Abgeschiedenheit, um zu sich zu finden.Es gibt eine gebildete Frau, die eine Mennonitin (reformierte christliche Konfession) ist. Ihr Ehemann hat eine gutbezahlte Stellung. Sie behandelt die Patienten kostenlos und leistet einen sehr guten Dienst an der Gesellschaft. Sie ist frei von Besitzgier und leistet medizinische Hilfe, um ihr Herz zu reinigen, um Gott zu danken. Sie kümmert sich um das Haus, dient ihrem Ehemann, studiert religiöse Bücher, meditiert und betet. Sie ist eine ideale Frau, die ein prachtvolles und frommes Leben führt.



Die Welt hat solche idealen Frauen dringend nötig. Ich wünsche mir, die Welt hätte solche wunderbaren Frauen im Überfluss. Ich verurteile keine Frauen. Ich bin nicht dagegen, ihnen Ausbildung und Freiheit zu geben. Ich habe große Achtung vor Frauen. Ich verehre sie als Göttinnen. Aber ich befürworte nicht die Freiheit für Frauen, die sie ruiniert. Ich bin mit der Ausbildung und Kultur einverstanden, die sie prachtvoll und unsterblich macht, so wie die idealen Frauen Sulabha, Mira und Maitreyi, wie Savitri und Damayanti. Das ist es, was ich möchte. Das ist es, was jeder sich wünscht. Ein lockeres Leben bedeutet keine Freiheit. Einige Frauen aus Indien haben sich selbst ruiniert, indem sie diese falsche Freiheit nutzten. Es gibt keine Grenzen in der Freiheit, die die sogenannte gebildete Frau jetzt genießt. Diese Freiheit hat viele Familien zerstört. Sie hat viele Störungen in der Gesellschaft verursacht. Sie hat Schande über viele angesehene Familien gebracht. Die heutigen jungen Frauen, mit ihren unersättliches Begierden nach Freiheit, haben die Begrenzung überschritten und den unbezahlbaren Besitz der Reinheit, den die Frauen der Vergangenheit sich erhalten haben, verloren.

Indem sie von einem Mann zum nächsten wechselt, verliert die Frau ihre Würde, ihre Bescheidenheit, ihre weibliche Anmut und die Heiligkeit ihrer Person und ihres Charakters. Eine Frau, die häufig den Partner wechselt, kann ihre Keuschheit nicht lange aufrecht erhalten. Es kann und es wird Ausnahmen geben. Eine Frau, die frei mit Männern in der Öffentlichkeit verkehrt und dennoch rein bleiben möchte, muss zweifellos übermenschlich sein. Eine gewöhnliche Frau mit ihrer natürlichen Neigung wird schon bald den Verlockungen erliegen.Was gibt es noch im Leben einer Frau, wenn ihre Reinheit verloren ist? Sie ist nur ein lebender Leichnam, wenn es keine Reinheit in ihrem Leben gibt, obgleich sie sich im Reichtum sonnen und sich in hohen gesellschaftlichen Kreisen bewegen mag. Häufiger Partnerwechsel führt zu verheerenden Resultaten. Sogar Weise und Yoginis, die in Lumpen gekleidet und in Abgeschiedenheit leben, würden durch die dunklen Kräfte der Natur herunter gezogen werden, wenn sie unvorsichtig wären. Was soll man über Frauen sagen, die täglich Leckereien und Konfekt essen, die in parfümiertem Samt und Seide mit Spitzerändern gekleidet sind, die häufig ihre Partner wechseln, die keine Selbstkontrolle haben, keine religiöse Orientierung und Disziplin, die keine Idee des Seelenlebens und der Gleichberechtigung haben? O kluger Leser! Ich überlasse dir die Beantwortung.

Frauen sollten nichts tun, das Schmach oder Schande auf sie und ihre Familie bringt. Ohne Charakter ist ein Mann oder eine Frau so gut wie tot. Frauen sollten in der Öffentlichkeit sehr achtsam und vorsichtig sein. Sie sollten zu viel reden, zu viele männliche Kontakte, zu viel schallendes Gelächter und Gekichere vermeiden. Sie sollten sich in einer würdevollen Weise bewegen und nicht mit den Hüften schwingen. Sie sollten nie Männer mit einer musternden Geste betrachten. Ihre Kleidung sollte nicht zu eng ansitzen oder halboffen getragen werden. Verzichte auf Schminke.



O Göttinen! Verschwendet euer Leben nicht mit Mode und Leidenschaften. Öffnet eure Augen und geht einen rechten Weg. Bewahrt die eheliche Moral und seht die Göttlichkeit in euren Ehemännern. Studiert die Bhagavadgita, die Upanishaden, die Bhagavata und das Ramayana. Werdet gute Ehefrauen und Gottessucher und bringt viel Glück und Liebe hervor. Das Schicksal der Welt liegt in euren Händen. Mit eurer Liebe könnt ihr die ganze Welt verändern. Die Tür des himmlischen Glücks steht euch offen. Holt das Paradies in euer Haus. Führt eure Kinder auf den spirituellen Weg. Sät den spirituellen Samen, wenn sie noch jung sind.O, ihr Göttinnen dieser Welt! Solltet ihr euch nicht um ein höheres, um ein großartiges, erhabenes, um das einzig wahre Seelenleben bemühen? Stellen dich allein die materiellen Dinge des Lebens wirklich zufrieden? Erinnerst du dich, was Maitreyi, die Ehefrau des Weisen Yajnavalkya, zu ihm sagte? Sie sagte zu ihm: "Was soll ich mit dem Reichtum dieser ganzen Welt? Werde ich dadurch glücklich?" Wie viele Frauen dieser Welt sind klug genug, diese weise Aussage einzusehen?

Das Geburtsrecht der Frauen besteht darin, sich von den Ketten des Samsara, den Ketten der Reinkarnation, zu befreien. Das Anhaften an die Familie, die Kinder und Verwandte sollte nicht das Ideal der mutigen und intelligenten Frauen sein. Jede Mutter dieser Welt sollte es als ihre Pflicht empfinden, sich selbst, ihre Kinder, ihre Familie und ihren Ehemann, zum wahren Licht, zum Glanz des spirituellen Lebens zu führen. Was für eine wunderbare Mutter war Königin Madalasa (aus den alten Geschichten der hinduistischen Puranas). Sagte sie ihren Kindern, sie sollten sich nach beendetem Studium eine Beschäftigung suchen? "Ihr seid rein, Bewusstsein, unbefleckt, ihr seid leer von Maya (Täuschungen, Illusionen), von Samsara". Das war die Belehrung, die Madalasa ihren Kindern erteilte, als sie sie in der Wiege schaukelte.Wie viele Mütter der heutigen Zeit haben das Vermögen, ihren Kindern solch ein tiefsinniges Wissens beizubringen? Die heutigen Mütter würden vielmehr versuchen, die spirituellen Tendenzen ihrer Kinder zu unterbinden, selbst wenn sie nur gering vorhanden wären! Was für ein trauriger und bemitleidenswerter Zustand! Wacht auf, ihr Mütter und Schwestern! Wacht auf, aus eurem Tiefschlaf. Erkennt eure Verantwortlichkeit. Lebt spirituell. Führt eure Kinder, eure Ehemänner zur Spiritualität, wenn ihr in einer Familie lebt! Erinnert euch daran, wie Königin Chudala ihren Ehemann, König Shikidwaja, erleuchtete (aus der Yoga Vashishtha). Mütter, ihr seid die Schöpfer der Nation, die Schöpfer der Welt! Darum lebt ein Leben in Spiritualität. Entwickelt euch im Geiste Sulabhas, Maitreyis und Gargis. Seid mutig. Trennt euch von euren Illusionen und Eitelkeiten!

Werdet zu wahren Sannyasinis und bereichert die Welt mir eurer Glorie, mit eurer wahren Größe. Dafür braucht ihr Mut, Intelligenz und Einsicht. Eine Frau ist keine Frau, wenn in ihr nicht das spirituelle Feuer brennt, wenn ihre Seele nicht nach dem höheren Leben strebt. Die Mutter sollte es nicht nur als ihre Aufgabe ansehen, die Familie materiell zu versorgen, sondern ebenso spirituell. Ihr Interesse sollte nicht den Kleidern, dem Schmuck, den Jacken, den Pudern und den Düften gelten. Ihre Aufgabe sollte darin bestehen, das Selbst, den Atman (Seele), den Brahman, zu finden. Solch eine Frau ist ein reales Symbol Gottes. Sie sollte verehrt und angebetet werden!



Wenn du das heutige Schulsystem mit dem traditionellen Ausbildungskonzept im alten Indien vergleichst, bei dem der Schüler die Lehrinhalte seines Lehrers/Meisters dadurch verinnerlichte, indem er längere Zeit in seiner Nähe lebte, gibt es einen klaffenden Abgrund zwischen diesen zwei Unterrichtsmethoden. Das heutige Schulsystem ist sehr teuer und die moralische Seite der Erziehung, wird vollkommen vernachlässigt. Jeder Schüler im alten indischen Bildungssystem war dagegen rein und hatte eine vollkommene moralische Schulung. Dieses war eine vorherrschende Eigenschaft der alten Kultur. Jeder Schüler hatte ein Wissen über Pranayama (Atemübungen), Meditation, Yogaübungen, Verhaltensregeln, über die Bhagavad Gita, das Ramayana, das Mahabharata und die Upanishaden. Jeder Schüler besaß Bescheidenheit, Selbstbeherrschung, Gehorsam, Hingabe, Nächstenliebe, gutes Benehmen, Höflichkeit, Freundlichkeit und nicht zuletzt den Wunsch, göttliches Wissen zu erwerben.



Die Schüler von heute besitzen keine der oben genannten Tugenden. Selbstbeherrschung ist ihnen unbekannt. Das luxuriöse Leben und die Genusssucht beginnen schon in der frühen Kindheit. Arroganz, Unverschämtheit und Missachtung werden tief in ihnen verwurzelt. Sie werden im Geist des Atheismus und Materialismus erzogen. Viele sind beschämt, zu sagen, dass sie an einen Gott glauben. Sie haben kein Wissen über Brahmacharya und keine Selbstkontrolle. Modische Kleidung, ungesunde Ernährung, schlechte Gesellschaft, häufige Theater- und Kino-Besuche und die übernahme westlicher Lebensweisen, haben sie schwach und leidenschaftlich gemacht. Das Wissen über Brahmann (Gott), über die Glorie der Erleuchtung, über die Leidenschaftslosigkeit, über den Frieden und das Glück in Atman sind ihnen ziemlich fremd.Mode, moderner Lebensstil, Genusssucht, Schlemmerei und Luxus beschäftigen ihren Verstand. Es ist sehr bemitleidenswert die Lebensgeschichte einiger dieser Schüler zu hören. Die Schüler an den alten indischen Schulen waren gesund und stark und sie lebten lange. Es ist in der Tat ermittelt worden, dass sich die Gesundheit der Schüler in Indien verschlechtert hat. Bewegungsmangel, übergewicht und schlechte Gewohnheiten ruinieren zunehmend die Gesundheit der Schüler. Es gibt keine ethische Kultur mehr in den modernen Schulen und an den Hochschulen. Im heutigen Bildungssystem wird die moralische Seite der Erziehung streng vernachlässigt.

Die moderne Zivilisation hat unsere Jungen und Mädchen moralisch geschwächt. Sie führen ein künstliches Leben. Kinder zeugen Kinder. Das Kino bringt nicht nur Segen. Es erweckt Emotionen und Leidenschaften. Heutzutage werden im Kino vulgäre Szenen, Gewalt und unmoralische Spiele gezeigt, selbst wenn sie Geschichten aus der Mahabharata (indisches Epos) und vom Ramayana (bezüglich Rama) zeigen. Ich möchte mit Nachdruck darauf hinweisen, dass das gegenwärtige indische Schulsystem sofort vollständig überholt werden sollte. Jedes Bildungssystem, das nicht auf den Grundregeln von Brahmacharya basiert und keine Lehrinhalte religiöser Literatur in seinem Lehrplan hat, wird nicht gut für die Menschen sein. Es ist zum Scheitern verurteilt! Die, die für das Bildungssystem verantwortlich sind, sind in diesem wichtigen Punkt unwissend. Daraus resultieren zahlreiche unglückliche Experimente in der Erziehung.

Einige Professoren an den Hochschulen erwarten von den Studenten eine moderne Bekleidung. Sie lehnen sogar Kursteilnehmer ab, die eine saubere aber einfache Kleidung tragen. Das ist eine Schande! Sauberkeit ist eine Sache und Mode eine andere. Die sogenannte "Mode" schlägt Wurzeln im Materialismus und in der Sinnlichkeit. Sauberkeit, Reinheit, sind aber für das körperliche und spirituelle Wachstum erforderlich. Jungen und Mädchen leiden wegen dieser Unwissenheit seelisch und körperlich still vor sich hin. Dieses führt zu einem definitiven Abfluss ihrer Vitalität und Lebensfreude. Es verzögert das normale geistige und körperliche Wachstum. Wird der Mensch seiner Gesundheit beraubt, so hat darunter auch das Nervensystem zu leiden. Aus diesem Grund, entwickeln sich immer mehr Lernbehinderungen. Die Zahl seelischer und körperlicher Erkrankungen unter den Schülern nimmt zu.Junge Studenten leiden unter Anämie (Mangel an roten Blutkörperchen), schlechtem Gedächtnis und Erschöpfung. Sie müssen ihre Studien einstellen. Die Erkrankungen nehmen zu. Tausende von Spritzen sind in die Apotheken, in die Krankenhäuser und in die Armenapotheken gekommen. Tausende von Ärzten haben Kliniken und Praxen eröffnet. Jedoch erhöht sich das Elend Tag für Tag. Die Menschen haben keinen Erfolg in ihren Unternehmen und Geschäften. Was ist der Grund dafür? Nach dem Grund braucht man nicht lange suchen. Es ist die Verschwendung der vitalen Kraft, des Samens, durch schlechte Gewohnheiten und übertriebenen sexuellen Verkehr. Es entsteht durch einen unreinen Körper und durch einen unreinen Geist.



Eine große und schwere Aufgabe der Lehrer besteht darin, den Schülern und Studenten einen spirituellen Weg und richtiges Benehmen zu vermitteln, sowie ihren Charakter richtig zu formen. Brahmacharya beinhaltet die Charakterbildung. Man sagt, Wissen ist Macht. Aber ich behaupte mutig, dass Charakter Macht ist, und dass der Charakter dem Wissen sogar weit überlegen ist. Jeder sollte sich bemühen, seinen Charakter richtig zu formen. Das ganze Leben und der Erfolg im Leben, hängen vollkommen von der Entwicklung des Charakters ab. Alle Großen dieser Welt haben ihre Größe durch ihren Charakter, allein durch ihren Charakter erzielt. Die leuchtenden Gestirne dieser Welt haben die Lorbeeren ihres Ruhmes, ihr Ansehen und ihre Anerkennung, durch ihren Charakter, allein durch ihren Charakter, gewonnen.Die Lehrer selbst sollten absolut moralisch und rein sein. Sie sollten mit ethischer Vollkommenheit ausgestattet sein. Andernfalls wird es so sein, als ob der Blinde die Blinden führt. Bevor man den Beruf eines Lehrers ausübt, sollte sich jeder Lehrer der hohen pädagogischen Verantwortung seiner Position bewusst sein. Bloßer intellektueller Erfolg und der Besuch von Vorlesungen sind nicht ausreichend. Dies allein überzeugt keinen Professor.

Wenn Schüler die Geschlechtsreife erreichen, finden verschiedene Wachstumsprozesse und Veränderungen im Körper statt. Die Stimme verändert sich. Neue Gefühle und Interessen erwachen. Natürlich werden die jungen Menschen neugierig. Sie fragen ihre Freunde um Rat. Aber in der Regel werden sie schlecht beraten. Sie ruinieren ihre Gesundheit durch schlechte Gewohnheiten. Das Richtige Wissen über die sexuelle Gesundheit, über die Hygiene und über Brahmacharya sollte ihnen vermittelt werden. Sie sollten lernen, wie man ein langes glückliches Leben führt und die Leidenschaften kontrolliert. Eltern sollten ihre Kinder in den verschiedenen Geschichten der Mahabharata und Ramayana unterrichten, die sich auf Brahmacharya und eine rechte Lebensführung beziehen.Eltern sollten ihre Kinder, immer und immer wieder, bezüglich Brahmacharya beraten. Das ist ihre Pflicht. Offene Gespräche zu den Jungen und Mädchen sind notwendig, wenn sie beginnen, die ersten Zeichen der Pubertät zu zeigen. Es macht keinen Sinn, um der heißen Brei herum zu reden. Das Wissen über die Sexualität, sollte nicht versteckt gehalten werden. Es ist falsche Bescheidenheit, wenn Eltern nicht offen mit ihren Kindern über dieses wichtige Thema sprechen. Schweigen regt nur die Neugier der Jugendlichen an. Verstehen die Jugendlichen dagegen allmählich diese Dinge, können sie nicht von falschen Beratern irregeführt werden und entwickeln keine schlechte Gewohnheiten.

Eltern und Lehrer sollten den Jungen und Mädchen korrekte Ratschläge erteilen, wie sie ein reines Leben in Brahmacharya führen sollten. Sie sollten sie über die richtigen Vorstellungen von Scham und Bescheidenheit aufklären. Sie sind für das Wissen der Jungen und Mädchen mitverantwortlich. Es wurde mehr Leid durch Unwissenheit beim Thema Sexualität verursacht, als bei irgendeinem anderen Thema. Du zahlst den Preis der Unwissenheit und der falschen Scham, für die Fragen der Sexualität und der sexuellen Physiologie, die nicht besprochen wurden. Eltern und Lehrer sollten das Verhalten der jungen Leute sorgfältig beobachten, sie auf die große Bedeutung eines Lebens im Brahmacharya und die Gefahren eines zügellosen Lebens hinweisen. Aufklärungsschriften über Brahmacharya sollten frei verteilt werden.Magische Lichtspiele (mit Hilfe einer Lichtquelle, zum Beispiel einer Kerze, werden transparente Bilder auf eine Fläche projiziert) aus den Leben der Brahmacharins von einst, aus den Geschichten des Mahabharata und des Ramayana, sollten an den Schulen und Hochschulen regelmäßig geleitet werden. Dieses wird den Teilnehmern eine große Hilfe beim Ansporn zu einem hohen moralischen Standard sein.

Ihr Lehrer und Professoren! Wacht auf! Leitet die Schüler und Studenten auf dem Weg des Brahmacharya, der Rechtschaffenheit und Moral. Erzieht sie zu wahren Brahmacharins. Vernachlässigt diese göttliche Arbeit nicht. Ihr seid für diese schwere Aufgabe moralisch verantwortlich. Dies ist euer Yoga. Ihr könnt Selbstverwirklichung erlangen, wenn ihr diese Arbeit mit der rechten Aufrichtigkeit auf euch nehmt. Seid aufrichtig und zuversichtlich. Erläutert den Jungen und Mädchen den Wert von Brahmacharya und unterrichtet sie in den verschiedenen Methoden, wie sie ihren Samen erhalten können.Lehrer, die selber Brahmacharya verwirklicht haben, sollten private Gespräche mit Studenten führen und ihnen regelmäßige praktische Lektionen über Brahmacharya geben. Der Geistliche Packenham Walsh, der vor einigen Jahrzehnten Rektor an der SRG Hochschule in Tiruchirapalli, der viertgrößten Stadt des indischen Bundesstaats Tamil Nadue, war, und später dort Bischof wurde, hielt regelmäßig mit seinen Studenten Gespräche über Brahmacharya und Selbstkontrolle.Das zukünftige Schicksal der Welt untersteht vollkommen den Lehrern und Studenten. Führen die Lehrer die Studenten auf den rechten Weg, dann wird die Welt voller zuversichtlicher Bürger, Yogis und Weiser sein, die Licht, Frieden, Glück und Freude ausstrahlen. Gesegnet sei der Lehrer, der sich aufrichtig bemüht, seinen Schülern und Studenten aufrichtiges Brahmacharya zu vermitteln. Zweimal gesegnet sei der, der versucht, ein aufrichtiger Brahmachari zu werden. Möge der Segen Lord Krishnas bei ihm sein. Glorie den Professoren, Lehrern, Studenten und Schülern.



Hanuman ist eine Verkörperung Shivas. Er ist eine lebendige Verkörperung der Verehrung des Namens Ramas, ein selbstloser Diener, ein wahrer Karma-Yogi, der ohne Erwartungen dynamisch und kraftvoll handelte. Er ist das Ideal eines großen Gottesverehrers und ein vorbildlicher Brahmachari. Er diente Rama mit reiner Liebe und Hingabe, ohne irgendeine Belohnung dafür zu erwarten. Er lebte, um Rama zu dienen. Er war bescheiden, tapfer und weise und besaß alle göttlichen Eigenschaften. Er besaß Hingabe, Stärke, Wissen, den Geist des selbstlosen Dienens, die Kraft der Enthaltsamkeit und der Wunschlosigkeit. Niemals prahlte er mit seinem Mut und seiner Intelligenz.
Hanuman wurde als Sohn des Windgottes Pavana (Vayu) und seiner Mutter Anjana Devi geboren. Andere Namen für Hanuman sind Pavanasuta (Sohn des Windgottes), Marutsuta (Sohn des Windes), Pavankumar (Sohn des Windgottes), Bajrangabali (Großer Held) und Mahavira (Großer Krieger). Er wurde nach der Stadt Hanuman benannt, in der sein Onkel Parti Surya herrschte. Hanumans Körper war so hart wie Stein. Darum nannte seine Mutter Anjana ihn Vajranga (steinharte Glieder). Die Welt hat bisher keinen größeren Helden als Sri Hanuman gesehen und wird dies auch zukünftig nicht. Während seines Lebens bewirkte er Wunder und zeigte übermenschliche Kräfte und Tapferkeit. Er hat in der Welt einen Eindruck hinterlassen, der auch heute noch einen großen Einfluss auf Millionen Menschen ausübt.

Hanuman ist einer der sieben Chiranjivis (ewig Lebenden) unter den Yogis. Er ist der einzige Gelehrte, der die neun Vyakaranas (Grammatik der Veden) kennt. Er lernte die Sastras (heiligen Schriften) vom Sonnegott. Er ist die Personifizierung von Brahmacharya. Er ist der Weiseste der Weisen, der Stärkste der Starken und der Tapferste der Tapferen. Er ist die Shakti, die Energie von Rudra (ein vedischer Gott und wahrscheinlich der Vorgänger von Shiva, außerdem Gott der Stürme). Wer auf Hanuman meditiert und seinen Namen wiederholt erlangt Energie, Stärke, Ruhm, Wohlstand und Erfolg im Leben. Hanuman wird in allen Teilen Indiens angebetet, besonders im Maharashtra (Westindien).Hanuman, der weiße Affengeneral von Affenkönig Sugrivas, der wie ein Vogel durch die Luft fliegen kann, hatte die Kraft, alle Formen anzunehmen, die er wollte, seinen Körper enormen anschwellen zu lassen oder ihn auf die Größe eines Daumennagels zu verkleinern. Er besaß übernatürliche Kräfte. Er war der Schrecken der Dämonen. Er war mit den vier Veden und anderen Heiligen Schriften sehr vertraut. Sein Mut, seine Klugheit, sein Wissen über die Heiligen Schriften und seine übermenschlichen Kräfte zogen jeden an, der sich ihm näherte. Er hatte außerordentliche Fähigkeiten in der Kriegsführung.

Hanuman war der auserkorene Kurier, Krieger und Diener von Sri Rama (hinduistischen Gott). Er war ein Verehrer und eifriger Anhänger Ramas. Rama war das Ziel seiner Verehrung. Er lebte in Rama, er lebte für Rama. Er lebte, um Rama zu dienen. Er war ein Minister und ein vertrauter Freund Sugrivas (Affenkönig). Hanuman wurde am Morgen des 8. Tages des Mondmonats, an einem Dienstag geboren. Seit seiner Geburt besaß Hanuman außerordentliche körperliche Stärke und bewirkte viele Wunder. Als er ein Kind war, sprang er auf zur Sonne und hielt sie für etwas Essbares. Alle Götter wurden sehr besorgt. Sie kamen mit gefalteten Händen zum Kind und baten bescheiden, die Sonne wieder freizugeben. Nach dieser Bitte, gab Hanuman die Sonne wieder frei.Darauf sprach ein Weiser einen Fluch gegen Hanuman aus. Für sein falsches Handeln verlor Hanuman seine große Kraft und seinen Mut solange, bis er Sri Rama traf und ihm mit Hingabe diente. Hanuman traf Rama zum ersten Mal in Kishkinda (Südindien). Sri Rama und sein treuer Bruder und Freund Lakshmana kamen im Verlauf ihrer Suche nach Prinzessin Sita, der Frau Ramas, die der Dämonenkönig Ravana entführt hatte, nach Kishkinda. Sobald Hanuman Sri Rama erblickte, erlangte er wieder seine alten Kräfte und seine Energie zurück.

Hanuman brannte die Hauptstadt von Lanka (Ceylon) nieder und brachte Rama Neuigkeiten von seiner entführten Frau Prinzessin Sita. Im großen Krieg zwischen Rama und dem Dämonenkönig Ravana tötete Hanuman viele Helden der Rakshasa Armee (böse Geister). Er vollbrachte viele übermenschliche Taten. Das Forttragen eines großen Berges und andere große Taten waren nichts für Hanuman. Alles dies war auf Brahmacharya zurückzuführen. Als der große Krieg vorüber war, wurde Vibhishana (Bruder des Dämonenkönigs Ravana; stand im Krieg auf Ramas Seite) auf den Thron von Sri Lanka gesetzt. Die Zeit der Verbannung war vorrüber (Rama hatte zusammen mit seiner Frau Prinzessin Sita und seinem Bruder Lakshmana 14 Jahre lang in einer Waldeinsiedelei gelebt.). Sri Rama, Lakshmana, Sita und Hanuman flogen mit einem Pushpaka Vimana (Luftfahrzeug) und erreichten rechtzeitig Ayodhya, der Ort in dem Rama wohnte, er zählt zu den sieben heiligen Orten des Hinduismus. Die Krönungzeremonie von Lord Rama wurde mit großem Jubel und Pomp gefeiert. Prinzessin Sita schenkte Hanuman eine Halskette aus wertvollen Perlen. Aber Hanuman warf sie fort.Glorie für Hanuman, dem gesegneten Anhänger Lord Ramas. Glorie, Glorie für Sri Anjaneya (Name für Hanuman), dem mächtigen Helden, unerschrockenen Krieger und gelehrten Brahmachari, einem Yogi, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat und niemals wieder sehen wird. Mögen wir Inspirationen aus Hanumans idealem Leben für unser Brahmacharya beziehen!



König Dasaratha hatte drei Ehefrauen, Kausalya, Kaikeyi und Sumithra. Die drei Ehefrauen des Königs Dasaratha bekamen vier Söhne. Kausalya gebar Rama, Kaikeyi gebar Bharata und Sumitra schenkte dem König die Zwillingsbrüder Lakshmana und Shathrughna. Lakshmana war der Avatar (Inkarnation) von Adisesha (Adisesha ist die Schlange auf der Lord Vishnu schlief).Lakshmana war der konstante Begleiter seines älteren Bruders Rama in Freud und Leid. Rama und Lakshmana lebten, speisten, spielten und studierten zusammen. Einer konnte die Trennung vom anderen nicht ertragen. Lakshmana war ein liebevoller Diener Sri Ramas. Er führte die Anweisungen Sri Ramas genau aus. Er lebte im vollkommener Ergebenheit zu Sri Rama. Lakshmana empfand eine reine und makellose brüderliche Liebe zu Rama. Der Sinn seines Lebens war der Dienst an seinem älteren Bruder. Gehorsam zu den Befehlen seines Bruders war das Motto seines Lebens. Er wollt nichts ohne Ramas Erlaubnis tun. Er betrachtete Sri Rama als seinen Gott, seinen Guru, seinen Vater und seine Mutter. Er folgte Rama wie ein Schatten.

Lakshmana war selbstlos im Herzen. Er verließ allen königlichen Komfort, nur um in der Gesellschaft seines Bruders Rama zu sein. Er diente Rama auf vielfältige Weise. Er machte Ramas Sache zu seiner eigenen. Er opferte seine persönlichen Ansichten auf dem Altar brüderlicher Liebe. Sri Rama war sein Ein und Alles. Lakshmana würde sogar sein Leben für Rama opfern, wenn Rama dies wünschte. Lakshmana verließ von einem Moment auf den anderen seine Mutter, seine Frau und seinen königlichen Besitz, nur um Sri Rama und Ramas Frau Sita ins Exil zu folgen. Was für eine großartige Seele! Was für ein großer Tyagi (Entsagter) er war! Hier ist ein einmaliges Beispiel einer selbstlosen, edlen und ergebenen Seele aus der Vergangenheit, die nur lebte, um seinem Bruder zu dienen. Das ist der Grund, warum die Leser des Ramayana (indisches Epos), Lakshmana für seine reine und einzigartige Liebe zu seinem Bruder preisen. Einige preisen Bharata (Ramas Bruder), während andere in hohem Grade von Hanuman sprechen, aber Lakshmana war keineswegs geringer als Bharata oder Hanuman. Lakshmana folgte Sri Rama über eine lange Periode von vierzehn Jahren, obwohl er sich der Gefahren des Waldes bewusst war. Er begleitete Rama mit Pfeil und Bogen, obwohl seine Hilfe nicht von dem Weisen Visvamitra angefordert wurde, der Rama in die Waldeinsiedeleien geführt hatte. Es lag an seiner Hingabe und Liebe zu seinem Bruder Sri Rama. Sri Rama liebte Lakshmana ebenso stark. Als Lakshmana bewusstlos durch den tödlichen Pfeil von Meghanada hinfiel, war Ramas Herz gebrochen. Er weinte bitterlich. Als er seinen geliebten Bruder verlor, fasste er den Entschluss, Ayodhya nicht noch einmal zu besuchen. Er sagte, "eine Frau wie Sita kann ersetzt werden, aber ein ergebener Bruder wie Lakshmana kann nicht ersetzt werden. Die Welt bedeutet mir nichts, ohne meinen Bruder."

Lakshmana war rein in Gedanken, im Wort und in der Tat. Er führte, während der vierzehn Jahre des Exils, das Leben eines idealen Brahmachari. Er betrachtete nie das Gesicht oder den Körper von Ramas Frau Sita. Seine Augen waren immer auf ihre Lotosfüße gerichtet. Als der Affenkönig Sugriva Sitas Umhang und Juwelen holte, und sie versehentlich auf die Erde fallen ließ, sahen die Affen verschämt auf dem Berg. Rama zeigte sie Lakshmana und fragte, ob er sie erkannte. Lakshmana sagte: „Ich kenne die Armreifen und Ohrringe nicht; ich kenne nur die Fußketten, denn ich betete allein ihre Füße an." Sieh, wie Lakshmana Sita als Mutter und Göttin verehrte.Meghanada, der Sohn von Ravana, hatte sogar Indra, den König der Götter besiegt. Wegen dieses Sieges, wurde Meghanada auch als Indrajit bekannt. Er hatte über vierzehn Jahre die Gabe, für alle unbesiegbar zu sein, bis auf die, die sich aller sinnlichen Genüsse enthielten. Er war unbezwingbar. Aber Lakshmana besiegte ihn durch die Energie seiner Reinheit, durch die Energie Brahmacharyas.O Lakshmana! Wir singen zu deinem Ruhm und wiederholen "Ram Lakshman Janaki, Jai Bolo Hanuman Ki!" Führe uns zu unserem geliebten Lord Rama, deinem lieben Bruder und Meister. O Lakshmana, hilf uns, in Einklang mit Lord Rama zu kommen. Sei mit jenen barmherzig, die noch in der Dunkelheit der Unwissenheit herumtasten! Lehre uns das Geheimnis des Erfolges, und hilf uns, bis ans Ende unserer Leben standhafte Brahmacharins zu werden. Noch einmal Grüße an dich, O Lakshmana, der Liebling von Sumitra (Lakshmanas Mutter) und der Augapfel Sri Ramas!



Bhishmas Vater König Santanu, war der Herrscher von Hastinapura (heute Delhi). Seine Mutter war Ganga Devi (Ganges). Der frühere Name Bhishmas war Devavrata. Er war eine Inkarnation von Vasu Devata. Eines Tages ging König Santanu zum Jagen in die Wälder, nah bei den Sandbänken des heiligen Stromes Yamuna (heute Yumna), der dem Himalaya entspringt. Dort traf er zufällig eine hübsche Jungfrau. Er sagte zu ihr: "Wer bist du? Was machst du hier?" Sie geantwortet, „Ich bin die Tochter von Dasaraja, dem Oberfischer. Ich heiße Satyavati. Ich bin bei ihm angestellt, um die Menschen mit dem Boot über den Fluss zu rudern." Sie gefiel König Santanu so sehr, dass er sie heiraten wollte. Er ging zu ihrem Vater Dasaraja und bat um seine Zustimmung. Der Fischer antwortete: "Ich bin bereit, dir meine Tochter zur Heirat zu geben. Aber zuerst musst du mir ein Versprechen geben“. Der König antwortete: "O Dasaraja, was für ein Versprechen? Ich tue alles, was in meiner Macht liegt." Der Fischer sagte: "Der Sohn meiner Tochter soll dich beerben.“

König Santanu wollte dem Fischer dieses Versprechen aber nicht geben, weil dann sein tapferer und intelligenter Sohn Devavrata, den er sehr liebte, auf den Thron verzichten müsste. Er würde dann nicht mehr sein Erbe sein. Aber das Feuer der Liebe zu der Jungfrau brannte in ihm. Er war in einem großen Dilemma. Er wurde blass und vergaß alle Staatsangelegenheiten. Er öffnete sein Herz seinem obersten Minister, dem er vertraute. Der aber sah sich nicht in der Lage, ihn in dieser Angelegenheit zu beraten. König Santanu versuchte, seine Liebe für die Jungfrau, vor seinem Sohn Devavrata, dem späteren Bhishma, zu verbergen. Devavrata war klug und sehr stark. Er ahnte etwas und vermutete, dass sein Vater unglücklich sei. Er sagte zu seinem Vater: "O geliebter Vater! Du bist wohlhabend. Du hast alles. Es sollte keinen Grund für deine Sorgen geben. Warum bist du so betrübt? Du verlierst deine Vitalität und Stärke. Was ist der Grund für dein Leid? Ich bin bereit, alles zu tun, um es zu beseitigen.“

Der König antwortete: "O geliebter Devavrata! Du bist mein einziger Sohn. Wenn irgendein Unheil auf dich fällt, bin ich ohne Sohn. Dann werde ich meines Himmels beraubt. Du bist hundert Söhnen gleich. Folglich möchte ich nicht wieder heiraten. Aber ein Sohn ist kein Sohn, sagen die Weisen. Diese Gedanken bereiten mir Sorgen." Darauf ging Devavrata, vom Minister und einigen angesehenen Kshatriyas (Krieger und Adel) begleitet, zum Fischer Dasaraja und plädierte im Namen seines Vaters. Er bat ihn, dass Dasarajas Tochter seinen Vater heiraten möge. Der Fischer antwortete: "O freundlicher Prinz! Ich habe bereits deinem Vater erklärt, unter welchen Bedingungen meine Tochter deinen Vater heiraten kann.“ Devavrata antwortete: "O Fischer! Ich gebe die feierliche Erklärung ab, dass der Sohn deiner Tochter, meinem Vater auf dem Thron folgen soll. Ich werde alles tun, was du wünscht." Darauf sagte der Fischer: "Ich schätze deinen edlen Charakter und deine hohen Ideale. Aber deine Söhne könnten den Sohn meiner Tochter jederzeit wieder vertreiben. Ich hege Zweifel an eurer Aufrichtigkeit“.

Devavrata betete: "O Wahrheit! Verweile in mir für immer. Komm und erfülle mein ganzes Sein! Gib mir innere Stärke um das Gelübde des vollkommenen Brahmacharyas einzuhalten, das ich jetzt in Anwesenheit dieser Leute ablegen möchte!“ Dann sagte er entschlossen zum Fischer: "O Dasaraja! Höre, was ich zu sagen habe. Von heute an, bis zum Ende meines Lebens, werde ich ein strenges Brahmacharya führen. Alle Frauen dieser Welt sind von nun an meine Mütter. Ich bin der ergebenste und treueste Untertan des Königs von Hastinapura. Sterbe ich ohne Sohn, dann werde ich den Wohnsitz des ewigen Glücks und der Unsterblichkeit erreichen." Vom Himmel ließen die himmlischen Jungfrauen, die Götter und die Versammlung der Heiligen Blumen auf ihn nieder regnen und sagten: "Dieses ist der wahrhaftige Bhishma, der Schreckliche!"

Der Fischer sagte: "O Prinz! Jetzt bin ich bereit, der Heirat meiner Tochter mit deinem Vater zuzustimmen." Darauf begleiteten der Fischer und seine Tochter Devavrata zum Palast von König Santanu. Der Minister informierte den König über alles, was geschehen war. Die Monarchen, die in der Halle versammelt waren, würdigten den außerordentlichen Geist der Selbstaufopferung und Entsagung von Devavrata und sagten: "Devavrata ist wirklich Bhishma, der Schreckliche." Seitdem trägt Devavrata den Namen Bhishma. König Santanu war unermesslich erfreut über das großmütige Verhalten seines Sohns und verlieh ihm die Gabe, den Zeitpunkt seines Todes nach seinem eigenen Willen zu bestimmen. Er sagte: "Mögen die Götter dich beschützen! Der Tod soll nie zu dir kommen, solange du leben möchtest." Was für eine erhabene Seele! Dieses prächtige Beispiel ist einmalig in der Geschichte. Niemand hat in so jungen Jahren aus Pflichtgefühl solch ein großes Opfer gebracht, wie Bhishma. Bhishmas Kindespflicht und Frömmigkeit könnten mit der von Lord Rama verglichen werden.

Bhishma war seinen Prinzipien treu. Er war absolut frei von Egoismus. Er war eine Verkörperung von Selbstverleugnung und Selbstaufopferung. Seine Kraft und Ausdauer und seine Geduld in schwierigen Lebenslagen waren beispiellos. Er war unvergleichlich in seiner Tapferkeit und in seinem Mut. Alle Männer verehrten ihn. Alle Kshatriya, die Krieger und der Adel, erwiesen ihm ihre Ehrerbietung. Er war ein mächtiger Yogi und Weiser. Er lebte über dem Körperbewusstsein und ruhte in seiner Glückseligkeit. Der ist der Grund, warum er friedlich und gelassen war, obwohl er am ganzen Körper von scharfen Pfeilen durchbohrt war. Liegend auf einem Bett aus scharfen Pfeilen, das sich so weich wie ein Bett aus Blumen für ihn anfühlte, gab er König Yudhishthira wundervolle Darlegungen über politische, philosophische, religiöse, soziale und moralische Themen.

Hast du jemals von jemanden, außer von Bhishma, gehört, der in der Lage war, vornehme und erhabene Reden auf seinem Sterbebett zu halten? Bhishma lebte sein Leben für andere. Er lebte, um zu dienen und andere auf ihrem spirituellen Weg zu unterstützen. Das edle Leben, welches Bhishma durch seine starke Willenskraft führte, sollte alle die anspornen, die seine Darlegungen in der Santi Parva (Mahabharata, indisches Epos) studieren. Bhishma starb bereits vor langer, langer Zeit. Aber seine Stimme in der Santi Parva und sein ideales und erhabenes Leben, ermuntern heute noch schlummernde Gemüter zur Askese und Meditation. Ruhm für Bhishma, dessen vorbildliches Leben im Brahmacharya, unsere Herzen und unseren Verstand sogar heute noch zu den Höhen der göttlichen Glorie führen.



In der Praxis von Brahmacharya ist es erwünscht, die sexuelle Lust zu beseitigen, ohne sie zu unterdrücken. Das Unterdrücken führt nicht zur Entwurzelung der sexuellen Begierde. Du wirst niemals frei sein, wenn du diese Begierde unterdrückst. Der unterdrückte sexuelle Wunsch wird dich immer wieder heraufordern, er wird dir feuchte Träume (Pollutionen, nächtliche Orgasmen), Nervosität und Unruhe bescheren. Die Verdrängung oder Unterdrückung des sexuellen Wunsches wird dir nicht helfen. Wird die Sinneslust unterdrückt oder wird der Wille schwach, nimmt die Leidenschaftslosigkeit ab oder lässt die Meditation bzw. die spirituelle Praxis infolge einer Erkrankung nach, dann kehrt die Leidenschaft, sobald sich dazu die Gelegenheit bietet, mit doppelter Kraft zurück.

Versuche nicht, vor den Frauen davon zu laufen. Dann wird Maya, die Illusion dich verfolgen. Versuche, das Selbst (Gott) in allen Formen zu sehen und wiederhole häufig das Mantra "Om Ek Sat-Chit-Ananda Atma". Erinnere dich, dass der Atman, die Seele, geschlechtslos ist. Geistige Wiederholung dieses Mantras gibt dir Stärke. Unwissende Leute wenden unkluge Methoden an, um die sinnlichen Wünsche zu beseitigen. Sie verfehlen oft das Ziel. Einige Unwissende amputieren sogar ihr Geschlechtsorgan. Sie denken, dass die Sinneslust durch solch ein Verfahren beseitigt werden kann. Was für eine unsinnige Tat! Die Lust sitzt im Verstand. Wenn der Verstand besiegt ist, was können die Geschlechtsorgane dann noch für einen Schaden anrichten? Einige schlucken Tonnen von Nux Vomica (Brechnuss, giftige Pflanze), um ihre sexuelle Begierde zu bekämpfen. Sie verfehlen das Bestreben, im Brahmacharya zentriert zu sein. Der Zustand ihres Verstandes bleibt derselbe, obwohl sie durch die Einnahme von Nux Vomica impotent werden.

Was gewünscht wird, ist eine vernünftige Kontrolle der Sinne. Den Wünschen sollte nicht erlaubt werden, sich in den sinnlichen Spurrillen auszutoben. Es sollte ihnen nicht erlaubt werden, uns rücksichtslos in die Tümpel der Weltlichkeit hinabzustoßen, wie ein stürmisches Pferd, das den Reiter davonträgt, wohin es mag. Brahmacharya bedeutet Kontrolle, aber nicht Unterdrückung der sexuellen Wünsche. Der Verstand sollte durch Meditation, Japa (Mantrameditation), Kirtan (Mantrasingen) und Gebet gereinigt werden. Wenn der Geist mit erhabenen göttlichen Gedanken, durch Meditation, Japa, Gebet und dem Studium der heiligen Schriften, erfüllt ist, dann werden die sexuellen Wünsche allmählich entkräftet und abklingen. Der Verstand wird ausgedünnt.



Die sexuelle Energie muss durch die Praxis von Japa (Mantrameditation), Gebet, Yogaübungen, Pranayama (Yogaatmung), Meditation und durch das Studium heiliger Schriften, in spirituelle Energie (Ojas Shakti) umgewandelt werden. Du musst Hingabe entwickeln und einen brennenden Wunsch nach Befreiung in dir verspüren. Du musst ständig auf den reinen, unsterblichen, geschlechtslosen, körperlosen und wunschlosen Atman (Seele) meditieren. Nur dann wird der sexuelle Wunsch vernichtet. Der Vorgang der Umwandlung sexueller Energie in spirituelle Energie wird in der westlichen Psychologie als Sublimation bezeichnet. Sublimation ist keine Verdrängung oder Unterdrückung, sondern ein positiver, dynamischer Umwandlungsprozess. Es ist ein Prozess der Kontrolle und Konservierung der sexuellen Energie, um sie in höhere Kanäle zu leiten und um sie schließlich in spirituelle Energie umzuwandeln. Die materielle Energie wird in spirituelle Energie umgewandelt, gerade so wie Hitze in Licht und in Elektrizität umgewandelt wird. Genau so wie eine chemische Substanz durch Verdampfen und anschließendes Kondensieren gereinigt wird, so wird auch die sexuelle Energie durch die spirituelle Praxis gereinigt und in göttliche Energie umgewandelt.

Ojas ist spirituelle Energie, die im Gehirn gespeichert wird. Durch erhabene Gedanken über das Selbst und den Atman, durch Meditation, Japa, Beten und Pranayama kann die sexuelle Energie in Ojas Shakti verwandelt und im Gehirn gespeichert werden. Diese aufgespeicherte Energie kann für göttliche Betrachtungen und spirituelle Fortschritte verwendet werden. Zorn und Muskelenergie können ebenso in Ojas umgewandelt werden. Ein Mann, der einen großen Betrag von Ojas in seinem Gehirn gespeichert hat, kann immense Geistesarbeit leisten. Er ist sehr intelligent, hat glänzende Augen und eine magnetische Aura in seinem Gesicht. Er kann Leute beeinflussen, indem er nur einige Wörter spricht. Eine kurze Rede von ihm, kann einen enormen Eindruck bei den Zuhörern hinterlassen. Seine Rede ist ergreifend. Er hat eine mitreißende und beeindruckende Persönlichkeit. Sri Sankara (indischer Advaita-Philosoph), ein Akhanda Brahmachari (ein Brahmachari, der 12 Jahre keinen Tropfen Samen abgegeben hat), bewirkte Wunder durch seine Energie von Ojas. Er eroberte die Welt und hielt dank seiner Ojas-Energie in unterschiedlichen Teilen Indiens kontroverse und erhitzte Debatten mit Gelehrten. Ein Yogi richtet seine Aufmerksamkeit immer auf die Ansammlung dieser göttlichen Energie durch unversehrte Keuschheit. Im Yoga werden diese Menschen Oordhvaretas genannt. Ein Oordhvareta Yogi ist jemand, der seine Samenenergie als Ojas Shakti im Gehirn gespeichert hat. Jetzt hat der Samen keine Möglichkeit mehr, durch sexuelle Erregung abwärts zu fließen. (Anmerkung des Übersetzers: An dieser Aussage habe ich so meine Zweifel, wenn ich bedenke, dass selbst einige hochentwickelte Yogis, die bestimmt schon eine Menge Ojas in ihrem Gehirn gespeichert hatten, wieder abgestürzt sind. Ende Anmerkung.)



Entsprechend der Yoga-Wissenschaft existiert der Same in einer subtilen Form überall im ganzen Körper. Es ist in einem subtilen Zustand in allen Zellen des Körpers zu finden. Es wird unter dem Einfluss der sexuellen Begierde bzw. der sexuellen Betätigung dem Körper entzogen und den Geschlechtsorganen in Form von Samen zur Verfügung gestellt. Ein Oordhvareta Yogi, ein Yogi, der seine Samenenergie als Ojas Shakti (spirituelle Energie) im Gehirn gespeichert hat, wandelt seinen Samen durch seine yogische Kraft, durch die Reinheit seiner Gedanken, seiner Worte und Taten, nur in Ojas um und hat damit die Kontrolle über die Samenerzeugung der Hoden. Dies ist ein großes Geheimnis. Allopathen (Schulmediziner) glauben, dass bei einem Oordhvareta Yogi, die Bildung des Samens immerzu weiter geht und die Samenflüssigkeit vom Blut aufgenommen wird. Aber dieses ist ein Irrtum. Sie verstehen die inneren yogischen Geheimnisse nicht. Sie tappen im Dunkeln. Ihre Sichtweise wird durch ihre grobe (materielle) Sicht getrübt. Der Yogi aber dringt durch das yogische Auge der Weisheit in die subtile Natur der Dinge ein. Der Yogi erhält die Kontrolle über der Astralnatur des Samens und verhindert dadurch die Erzeugung des Samens selbst. Der Körper eines Mannes, der ein wirklicher Oordhvaretas ist, hat den Geruch eines Lotos.

Anmerkung des Übersetzers:

Bevor ich mit dem Text weiter mache, möchte ich ein paar Worte über den indischen Yogi und Heiligen Zipruanna aus Swami Muktanandas Buch "Spiel des Bewusstseins" einfließen lassen. Muktananda schreibt über Zipruanna: "Ich besuchte einen anderen großen Heiligen, den ich kannte. Er hieß Zipruanna und war ein großer Siddha (Weiser). Er hatte die Angewohnheit, unbekleidet herumzugehen, und er verbrachte seine Zeit damit, ziellos durch die Gassen des Dorfes Nasirabad zu streifen. Er wurde von allen als Heiliger verehrt und von jung und alt mit "Anna" angeredet. Er wohnte normalerweise dort, wo keine Menschen waren, in verfallenen Häusern und Hütten fern der Dorfbewohner. Er hatte einen sehr hohen Zustand im Yoga erreicht. Er war hellsichtig und wusste um vergangene und zukünftige Ereignisse. Sein Körper war vom Feuer des Yoga so rein gebrannt, dass ihn kein Schmutz mehr berührte. Er hatte seinen Körper in einen so hohen Zustand erhoben, dass ich ihn bewunderte. Das innere Selbst der Yogis ist frei von jedem Makel, und selbst der Körper Zipruannas hatte diese makellose Reinheit. Als ich ihn zum erstenmal besuchte, entleerte er gerade seinen Darm in einer Ecke, und als ich mich näherte, rieb er seinen ganzen Körper mit dem Kot ein. Ich setzte mich ziemlich nahe zu ihm und stellte fest, dass von ihm ein süßer Duft ausging - er roch überhaupt nicht schlecht. Als ich ihn das nächste Mal besuchte, saß er auf einem Abfallhaufen. Selbst dann berührte ihn der Schmutz nicht. Ich hatte nicht den Mut, nahe hinzugehen, also blieb ich in einiger Entfernung stehen. Nach kurzer Zeit kam er von dem Abfallhaufen herunter. Ich wusch seine Füße. Ein Duft wie Ashtagandha (Granatapfel) strömte von seinem Körper aus."

Ende Anmerkung Übersetzer.

Ein Mann, der kein Brahmachari ist, in dem grober Samen gebildet wird, riecht dagegen mitunter wie ein Ziegenbock. Der Samen verdorrt bei denen, die ernsthaft Pranayama (Atemübungen) praktizieren und die Samenenergie steigt zum Gehirn hinauf. Es wird als Ojas Shakti oder geistige Energie gespeichert und kommt als Nektar (Amrita) zurück. Der Prozess der sexuellen Sublimation ist sehr kompliziert. Er erfordert eine konstante und langwierige spirituelle Praxis und vollkommene Disziplin. Der Yogi, der vollkommene Sublimation erzielt hat, hat vollkommene Kontrolle über seine Sinneslust. Die komplette Sublimation wird durch konstante Meditation auf Atman und durch Selbstverwirklichung erzielt. Der Yogi, der das höchste Samadhi (Nirvikalpa) erreicht hat, in dem die unbewussten Wünsche erloschen sind, kann als ein vollkommener Oordhvareta betrachtet werden, der die komplette sexuelle Sublimation verwirklicht hat. Es ist nicht zu befürchten, dass er einen Absturz erleiden könnte. Er befindet sich in perfekter Sicherheit und ist vollkommen frei von Unreinheiten. Sein Zustand ist ein sehr hoher Zustand. Nur eine mikroskopische Minderheit der Menschheit hat diesen erhabenen Zustand jemals erreicht. Sankara, Dattatreya, Jnana Deva von Alandi und andere erreichten dieses Stadium.

Es gibt eine Sekte, die sich "Dhiryaretas“ nennt. Das sind Yogis, die für jeden lüsternen Gedanken ein Opfer darbringen und die sich sofort, nachdem sie dies bemerkt haben, wieder dem Brahmacharya zuwenden. Solch eine Person kann, wenn sie ein strenges Zölibat über zwölf Jahre ausübt, übernatürliche Kräfte erwerben. Medha Nadi oder Buddhi Nadi wird in ihm gebildet. (Der Medha Nadi ist ein Energiekanal, der laut Kirpal Singh, nach sieben Jahren Enthaltsamkeit zu wachsen beginnt. Dadurch gewinnt man die Kapazität in tiefere spirituelle Wahrheiten einzudringen (infinityfoundation). Buddhi Nadi (Buddhi = Intelligenz) ist dann wohl die intellektuelle Ausprägung davon.) Dies bedeutet, dass sein Gedächtnis, so lange er lebt, über eine große Kapazität und Merkfähigkeit verfügt, die es ihm ermöglicht, alles zu lernen. Durch Befolgung von Brahmacharya im Gedanken, Worten und in der Tat, während einer Periode von zwölf Jahren, wird einem sogar der Anblick Gottes geschenkt, wenn man danach strebt (siehe auch: Die Biochemie der Meditation). Er ist in der Lage, selbst die schwierigsten Probleme zu lösen. Aber diese Art der Befolgung sollte möglichst vor dem zweiunddreißigsten oder vierunddreißigsten Lebensjahr beginnen.

Der Yogi, der sich durch eine konstante spirituelle Praxis, ununterbrochene Meditation, Pranayama (Atemübungen) und Erforschung des Atman (Seele), die Praxis von Sama (Geisteskontrolle), von Dama (Sinneskontrolle), von Yama (5 Enthaltungen: Nichtverletzen, Ehrlichkeit, Nichtstehlen, Brahmacharya und Unbestechlichkeit) und von Niyama (5 Verhaltensregeln: Reinheit, Genügsamkeit, Disziplin, Selbsterforschung und Hinwendung zu Gott) diszipliniert hat, ist auch sicher, obgleich er noch nicht das Stadium der vollkommenen Sublimation erreicht hat. Frauen haben auf ihn keine erotische Anziehung mehr. Er hat diese Gedanken abgelegt.



Der Prozess der sexuellen Sublimation ist sehr schwierig, und dennoch ist er für jeden, der höhere spirituelle Ziele anstrebt, unbedingt erforderlich. Es ist die wichtigste Qualifikation für den Yogaschüler, egal ob er den Weg des Karma-Yoga (Spiritualisierung des täglichen Lebens), des Bhakti-Yoga (Hingabe an Gott), des Raja-Yoga (klassischer Yogaweg, Beherrschung des Geistes) oder von Jnana-Yoga (Yoga des Wissens, Streben nach der Erkenntnis "Ich bin Brahman" oder "Ich bin Er", Stichworte: Vedanta, Ramana Maharshi, Selbsterforschung), beschreitet. Die Sublimation ist eine grundlegende Vorbedingung für jeden Yogaschüler. Besitzt man diese Qualifikation, dann folgen alle weiteren Erfolge und heften sich ihm an. Alle guten Qualitäten stellen sich dann von selbst ein. Du solltest dieses Ziel unbedingt erreichen. Bestimmt wirst du dieses Ziel in zukünftigen Geburten erreichen. Aber warum versuchst du nicht, es bereits in diesem Leben zu verwirklichen?

Die vollkommene Auflösung aller sexuellen Wunsche ist das ultimative spirituelle Ideal. Nur die vollkommenen Sublimation schenkt dir Freiheit. Aber die Verwirklichung vollkommener Sublimation braucht Zeit. Sie erfordert für einige Zeit einen konsequenten Kampf mit Geduld und Ausdauer. Auch Familienväter sollten sich um das oben genannte Ideal bemühen und versuchen, es stufenweise zu verwirklichen. Ist der Zustand der vollkommenen Sublimation erreicht, wird Reinheit in Gedanken, im Wort und in der Tat einkehren. Dann wird kein sexueller Gedanke mehr in den Verstand eindringen. Durch konstante Selbsterforschung und Brahma Bhavana (Konzentration auf Brahman), löst sich der Verstand allmählich von den lüsternen Gedanken. Du musst nicht nur die sexuellen Begierden und Impulse, sondern auch die erotische Anziehungskraft besiegen. Denke an das Leid, das die Ehe durch die unterschiedlichsten Verstrickungen und Verpflichtungen mit sich bringt. Sieh ein, dass sexuelles Vergnügen falsch, wertlos, illusorisch und die Ursache vieler Leiden ist. Überzeuge den Verstand von den Vorteilen des Glücks, der Lebensfreude und dem Reichtum des intellektuellen Schaffens, die ein spirituelles Leben mit sich bringen.

Lass den Geist erkennen, dass ein erhabenes, langes Leben, Ausdruck des unsterblichen Atman ist. Wenn er beständig diese Suggestionen vernimmt, lässt er langsam ab von seinen alten Gewohnheiten. Die erotische Attraktion wird langsam abklingen. Nur dann findet sexuelle Sublimation statt. Nur so kannst du zum Oordhvareta werden, zum Yogi, der seine sexuelle Energie vollkommen zum Gehirn leitet. Es gibt zwei Arten von Kräften im Geist, nämlich feindliche und freundliche. Leidenschaft ist eine feindliche Kraft, die dich nach unten zieht. Reine Gedanken sind vorteilhafte Kräfte, die dich zum Göttlichen führen. Entwickle folglich reine Gedanken, um vollkommenes Glück und oberstes brahmisches (göttliches) Wissen zu erlangen. Dann werden die Leidenschaften von selbst verschwinden. Die sexuelle Sublimation ist in greifbarer Nähe, wenn du sie erreichen möchtest.

Der Weg ist ziemlich klar, geradlinig und einfach, wenn du ihn verstehst und wenn du ihn mit Geduld, Ausdauer, Beharrlichkeit und einem starkem Willen beschreitest, wenn du die Sinnesorgane disziplinierst, rechtes Benehmen, rechtes Denken, rechten Handeln, regelmäßige Meditation, Willenskraft, Autosuggestion und Selbstergründung nach der Frage "Wer bin ich?", praktizierst. Atman, die Seele, ist geschlechtslos. Atman ist unveränderlich. Kann es irgendeine Spur der Sinneslust oder der Verunreinigung im ewig reinen Atman geben? Glorie jenen Yogis die vollkommene sexuelle Sublimation erreicht haben und in der wahren Natur ihres Seins ruhen! Mögen wir alle vollkommenes Zölibat durch die Praxis von Sama (Geisteskontrolle), Dama (Sinneskontrolle), Viveka (Unterscheidungskraft), Vichara (Selbsterforschung), Vairagya (Leidenschaftslosigkeit), Pranayama (Yogaatmung), Japa (Mantrameditation) und Dhyana (Meditation) erreichen, das Ziel unseres Lebens! Möge der Bewohner unserer Herzen uns geistige Stärke gewähren, um die Sinnesorgane und den Verstand zu kontrollieren! Mögen wir alle vollendete Oordhvareta Yogis wie Sankara und Jnana Dev werden! Möge ihr Segen uns Mut, Kraft und Zuversicht schenken!



Tabelle 1
Drüse Prozent
Hoden und Nebenhoden

5

Samenleiterampullen

?

Samenbläschen

50 - 80

Prostata

10 - 30

Cowpersche Drüsen 2 - 5
Littré Drüsen

?

Tabelle 2
Zusammensetzung des Seminalplasmas
Menge 2-6ml
pH Wert 7-8 (leicht alkalischer Puffer)
Samenblasensekret 50 - 80 % des Volumens, alkalisches fructosereiches Sekret (1,5-6,5mg/ml Fructose), Phosphorylcholin, Ascorbinsäure

Das Sekret der Samenbläschen steuert das meiste Volumen, ca. 50–70%, des Ejakulats bei. Sie dient der Verflüssigung des Ejakulats und enthält Fruktose (Fruchtzucker) und andere Stoffe die der Ernährung der Samenzellen dient, ausserdem große Mengen an Prostaglandinen und Fibrinogen. Die Prostaglandine tragen zur Befruchtung bei, in dem sie die Gebärmutterschleimhaut empfänglicher für die befruchtete Eizelle machen, und möglicherweise in dem sie die glatte Muskulatur in der Gebärmutterwand zu peristaltischen Bewegungen anregen, die die Spermien in Richtung Eierstöcke bringen. Außerdem verhindern sie Infektionen im männlichen Geschlechtstrakt

Prostatasekret 20%-25% des Volumens, Biogene Amine (Spermidin, Spermin), Zitronensäure, Cholesterin, Phospholipide, Proteasen zur Verflüssigung des Ejakulats (Fibrinolysin, Fibrinogenase)
Weitere Bestandteile Phosphat und Bikarbonat als Puffer, Prostaglandine, Hyaluronidase, Zelldetritus aus Sertolizellen, Zellen aus Vorstufen der Spermiogenese, Lymphozyten.

Das männliche Ejakulat wird von folgenden 6 Drüsen gebildet:

1. Hoden und Nebenhoden (Testosteron, die Spermien werden im Hoden produziert und im Nebenhoden gelagert)
2. Samenleiterampulle (habe keine weiteren Informationen gefunden)
3. Samenbläschen (siehe Tabelle 2)
4. Vorsteherdrüse (Prostata, siehe Tabelle 2)
5. Cowpersche Drüse (Vorsekret des Spermas, Neutralisierung von Harnresten und saurem Scheidenmilieu)
6. Littré Drüsen (bilden zusammen mit den Cowperschen Drüsen den "Lusttropfen"

Bildliche Darstellung:

manngenital2

1. Hoden (paarig vorhanden)
2. Nebenhodengang (paarig)
3. Samenleiter (paarig)
4. Ampulla ductus deferentis = Samenleiterampulle (paarig)
5. Samenblase (paarig)
6. Ductus ejaculatorius (paarig)
7. Prostata (einfach)
8. Ausführungsgänge der Prostata (mehrfach vorhanden)
9. Cowpersche Drüsen (paarig)
10. Littré Drüsen (mehrfach)
11. Harnröhre (einfach)
12. Harnblase (einfach)

Vorgänge im männlichen Genitaltrakt

Zum obigen Bild: Hoden (= Bildungsort der Spermien), Nebenhoden (=Lagerplatz der Spermien). Der Ejakulationsweg der Spermien wird durch beide Samenleiter (3), beide Ductus ejaculatorii (6) und die Urethra (11) gebildet. Als Ductus ejaculatorius wird die Passage durch die Prostata in die Urethra bezeichnet. Entlang des Ejakulationsweges fügen verschiedene Drüsen (4+5+7+9+10) ihre Sekrete dem Ejakulat bei. (embryology.ch)



glandes.gif

1. Ductus deferens
2. Ampulla ductus deferentis
3. Vesicula seminalis
4. Ductus ejaculatorius
5. Prostata
6. Ausführungsgänge der Prostata
7. Cowper Drüsen
8. Littre Drüsen
9a.Pars prostatica Urethrae
9b.Pars membranacea Urethrae
9c.Pars spongiosa Urethrae

Männliche Urethra mit akzessorische Drüsen



GMann.png

01. Harnblase (Vesica urinae)
02. Schambein (Ospubis)
03. Penis
04. Schwellkörper (Corpus cavernosum)
05. Eichel (Glans penis)
06. Vorhaut (Präputium)
07. äußere Harnröhrenöffnung
08. Sigmoid
09. Mastdarm (Rectum)
10. Samenblase (Vesica seminalis)
11. Ductus ejaculatorius
12. Vorstehedrüse (Prostata)
13. Cowpersche Drüse
14. Anus
15. Samenleiter (Vas deferens)
16. Nebenhoden (Epididymis)
17. Hoden (Testis, orchis)
18. Hodensack (Scrotum)

Geschlechtsorgane Mann




Anmerkung des Übersetzers:

Die obige Darstellung zeigt zunächst einmal die anatomische Anordnung der 6 Drüsen, die an der Produktion des männlichen Ejakulats beteiligt sind, und welchen Anteil sie zum Ejakulat beitragen. Aus Tabelle 2 kann man ersehen, dass das Ejakulat fast zu 95 Prozent aus dem Samenblasensekret (75 %) und dem Prostatasekret (20 %) besteht. Die reifen Spermien, die ja für die Befruchtung der weiblichen Eizelle zuständig sind, und die im Nebenhoden aufbewahrt werden, stellen nur einen sehr geringen Teil des Ejakulats dar. Nun wird von Swami Sivananda die Behauptung aufgestellt, dass der Samen in Ojas-Shakti, also in spirituelle Energie umgewandelt wird. Er stellt sich dieses wie folgt vor:

Entsprechend der Yoga-Wissenschaft existiert der Same (Spermien) in einer subtilen Form überall im ganzen Körper. Es ist in einem subtilen Zustand in allen Zellen des Körpers zu finden. Es wird unter dem Einfluss der sexuellen Begierde bzw. der sexuellen Betätigung dem Körper entzogen und den Geschlechtsorganen in Form von Samen zur Verfügung gestellt. Genau so wie Zucker im Zuckerrohr, Butter in der Milch, so ist auch der Samen im ganzen Körper vorhanden. Gerade so wie die Buttermilch dünnflüssig wird, nachdem man ihr den Butteranteil entzogen hat, so wird auch der Samen verdünnt, wenn man ihn verschwendet. Um so mehr der Samen verschwendet wird, um so schwächer wird der Mann. Das heißt: Der Verlust des Samens bringt den Tod; das Bewahrung des Samens schenkt das Leben. Der Same beherbergt die wahre Vitalität der Männer. Es ist der versteckte Schatz im Mann.

Diese vitale Samenflüssigkeit diffundiert durch den männlichen Körper, macht ihn männlich, stark, tapfer und heroisch. Wird er vergeudet, macht es den Mann unmännlich, labil und physisch schwach, anfällig für sexuelle Reize, verleiht ihm ein bemitleidenswertes Nervensystem, viele Krankheiten und letzten Endes den Tod. Die zwei Hoden sind mit der eigenartigen Eigenschaft der Aufnahme des Samens aus dem Blut (aus den Zellen) ausgestattet. So sammeln die Zellen des Hodens Tropfen für Tropfen des Samens aus dem Blut. Wann immer der Samen bewahrt wird, wird er vom Körper wieder resorbiert. Also wieder vom Blut (den Zellen) aufgenommen. Es geht zurück in den Blutkreislauf, bildet ein leistungsfähiges Gehirn, starke Nerven und ein muskulöses Gewebe.

Anmerkung des Übersetzers:

Der Samen wird nicht aus dem Blut aufgenommen. Hier irrt Swami Sivananda. Aber das konnte er 1934, als dieses Buch geschrieben wurde, wohl auch nicht wissen. Der Samen (Spermien) entsteht durch die Spermatogenese. Die Urkeimzellen,  die die geschlechtliche Fortpflanzung erst ermöglichen, wandern vom primären Ektoderm ausgehend, in der dritten Schwangerschaftswoche, entlang der Dottersackwand zum Dottergang und in die Wand des Enddarms, um bis zur vierten bis sechsten Woche zur Genitalleiste (Gonaden = Hoden bzw. Gebärmutter) zu gelangen.

Urkeimzellen

Wie werden Keimzellen (pränatal - vor der Geburt - resp. postnatal - nach der Geburt) gebildet? Keimzellen (Geschlechtszellen, Gameten, Spermien) entstehen aus Urkeimzellen. Diese Urkeimzellen wiederum werden im Verlaufe der Embryogenese (von der Befruchtung bis zur Organentwicklung, beim Menschen ist die Embryogenese nach 8 Enwicklungswochen beendet.) von den Körperzellen ausgesondert und in einem speziellen Organ, der Keimdrüse (Keimstock, Gonade), gelagert, wo sie sich prä- (vorgeburtlich) und insbesondere postnatal (nachgeburtlich) zu funktionsfähigen Keimzellen (Spermien, Eizellen) weiterentwickeln. Urkeimzellen sind ab etwa der dritten Woche post conceptionem (nach der Empfängnis) in der Dottersackwand nachweisbar.

Mein Netdoktor meint: Ausgehend von einer Stammzellen-Teilung während der Embryonalentwicklung werden bis zur Pubertät Vorstufen der Spermien (Spermatogonien) gebildet. Mit Eintritt der Pubertät werden durch Teilung und Differenzierung dieser Vorstufen schließlich die reifen Spermien (Spermatozoen) entwickelt. Die Bildung der Spermien wird das ganze Leben lang fortgesetzt, kann aber im Alter oder nach schweren Krankheiten unterbrochen sein. Auch verschiedene Substanzen/Gifte können die Spermienentwicklung unterdrücken.

Und jetzt noch ein wenig fachchinesisch. Es erklärt den Vorgang, wie die Urkeimzellen zwischen der 4. und 6. Woche der Schwangerschaft vom Dottergang zur Genitalleiste (Hoden, Gebärmutter) wandern: Durch die kraniokaudale Krümmung und die laterale Abfaltung des Embryos begünstigt, wandern die Urkeimzellen zwischen der vierten und sechsten Woche wieder zurück in den Embryo. Sie bewegen sich entlang der Dottersackwand zum Dottergang und in die Wand des Enddarms. Nach der Durchquerung des dorsalen Mesenteriums treffen sie in der Genitalleiste ein. Während ihrer Wanderung, aber auch noch in der Genitalleiste, vermehren sich die Urkeimzellen durch mitotische Teilungen. Dieser Vorgang ist auf der Seite über den Ursprung der Keimzelle und über die Genitalleiste auch bildlich dargestellt.

Bei der Geburt enthalten die Eierstöcke der Frau etwa 1 bis 2 Millionen weibliche Keimzellen (Eizellen); in der Pubertät sind davon nur noch 400.000-500.000 vorhanden. Nur 400-500 werden bis zum Eisprung heranreifen, eine jeden Monat, bis zur Menopause. Alle anderen degenerieren in verschiedenen Entwicklungsstadien.

aus: Keimzellen

Ende Der Anmerkung.

Der Samen verdorrt bei denen, die ernsthaft Pranayama (Atemübungen) praktizieren und die Samenenergie steigt zum Gehirn hinauf. Es wird als Ojas Shakti oder geistige Energie gespeichert und kommt als Nektar (Amrita) zurück.Für Frauen gilt ähnliches. Hier übernehmen allerdings die Eierstöcke die Aufnahme der Eizellen aus dem Blut.

Dann stelle ich mir allerdings die Frage, wie verhält es sich eigentlich mit dem Samenbläschensekret, das ja selber keine Spermien enthält, sondern zur Verflüssigung des Ejakulats, zur Ernährung der Samenzellen und für andere Aufgaben vorgesehen ist, und welches immerhin 75 % des Ejakulats ausmacht. Wird das Samenbläschensekret etwa auch in Ojas-Shakti umgewandelt, obwohl es keine Samenzellen (Spermien) enthält oder wird es doch regelmäßig mittels Pollutionen ausgestoßen? Die gleiche Frage betrifft natürlich das Prostata-Sekret (immerhin 20 % des Ejakulats) und die restlichen Drüsensekrete (Cowperschen Drüse, Samenleiterampulle, Samenbläschen und Littredrüsen) die ebenfalls keine Samenzellen enthalten.

Darum stelle ich mir die Frage, ob die Erzeugung spiritueller Energie nicht eher eine Frage der sexuellen Energie, also eines elektrischen Potentials ist, nämlich genau jenes elektrischen Potentials, welches beim Orgasmus die Muskelreflexe auslöst und für die biochemischen Reaktionen verantwortlich ist, die den sexuellen Rausch (Orgasmus) auslösen, als eine Umwandlung des Samens. Abschnitt 14.4 ist nicht aus dem Buch Swami Sivanandas, sondern beruht auf überlegungen des Übersetzers.

Ende Anmerkung Übersetzer.

Nachträgliche Anmerkung zur Sublimation:

In dem Text The physiological value of continence schreibt Dr. Raymond W. Bernard:

Sowohl der Samen als auch das Gehirn bestehen größtenteils aus phosphorisierten Fetten oder Phospholipiden, zu deren Klasse Lecithin zählt. Lecithin ist eine Substanz, von großer Bedeutung für das Nervengewebe. Dass der Samen Substanzen von großem physiologischen Wert enthält, speziell in Bezug auf die Ernährung des Nervensystems, zeigt die chemische Analyse. Sie zeigt, dass der Samen sehr reich an Lecithin, Cholesterin und Phosphor ist, die wichtigsten Bestandteile der Nervenzellen und des Gehirngewebes. Daraus folgt, dass der Entzug dieser Substanzen aus dem Blutkreislauf  durch den Samenerguss (freiwillig oder unfreiwillig), einen negativen Effekt auf die Ernährung von Nerven und Gehirn hat und zu Funktionsstörungen führen kann. Solche biochemischen Betrachtungen unterstützen die Ansicht, dass der Verlust der Samenflüssigkeit eine verminderte Versorgung von Nerven und Gehirn zur Folge hat. Geschieht dies übertrieben, so kann es zu nervlichen und psychischen Störungen kommen. Die bemerkenswerte Ähnlichkeit in der chemischen Zusammensetzung zwischen dem Samen und dem zentrale Nervensystem deutet auf eine Beziehung zwischen ihnen hin. Ältere Physiologen sind von dieser Tatsache überzeugt.

Diese Überlegungen deuten darauf hin, dass jeder Verlust von Lipoiden durch Samenerguss, entweder durch Koitus, Masturbation oder nächtlichen Samenverlust, auf Kosten des Gehirns geht. Dieser Effekt ist besonders in der Kindheit und in den Reifejahren (in der Jugend) schädlich, wenn sich das Gehirn noch im Wachstumsprozess befindet. Chakraberty schreibt über die negativen Auswirkungen des Samenverlustes auf das Gehirn: "Der Verlust der Konzentration an Lecithin und Phosphaten führt zu einer schweren Belastung des Nervensysstems, denn sie sind die wichtigsten Komponenten in der Struktur des Gehirns."

Enthaltsamkeit führt zu einer besseren Versorgung von Lecithin, Cholesterin  und Phosphaten im Blut und damit im Gehirn. Brown-Sequard hat gezeigt, dass testikuläre Sekrete (Spermien) die Vitalität von Nerven und Gehirn verbessern. Chakraberty bemerkt, dass das Essen von getrockneten Hoden eine stimulierende Wirkung auf das zentrale Nervensystem hat. Hoden sind reich an Lecithin, Cholesterin und Phosphor. Dies sind auch wichtige Bestandteile des Nervensystems und Gehirns. Allerdings besteht nicht die Notwendigkeit getrocknete Hoden zu essen, weil jeder Mann in der Lage ist, seine kostbaren Sexualsekrete zu bewahren und zu resorbieren. Laut Fischer, können die Keimdrüsen (Hoden) als ein Reservoir an Lipoiden betrachtet werden, die sie über die Freisetzung ins Blut an das Gehirn und das Nervensystem weiterleiten. Umgekehrt können die Lipoide infolge sexueller Aktivität (Samenerguss) dem Blut und damit auch indirekt dem Gehirn entzogen werden.

Es kann kein angemessenes Verständnis über die Sexualität aufkommen, ohne das Verständnis der chemischen Zusammensetzung des Samens und der Spermien. Wenn verstanden wird, dass der Samen und die Spermien eine hohe Konzentration von Phospholipiden enthält, die sehr wichtig für die Ernährung und das Funktionieren des Nervensystems sind, dann wird klar, dass der Entzug dieser Substanzen durch den Samenerguss einen negativen Effekt auf die Ernährung von Nerven und Gehirn hat. Dies kann die Ursache für Neurasthenie (Nervenschwäche) und anderen Nerven- und Geistesstörungen sein. Diese Überlegungen bilden die Grundlage für eine neue Neurologie und Psychiatrie.

An diesem Beispiel wird deutlich, worum es bei der Kundalini in Wirklichkeit geht. Es geht nämlich um die Aufnahme von Substanzen der Sexualdrüsen (Lecithin, Cholesterin und Phosphor)  die dann über den Blutkreislauf dem Gehirn zur Verfügung gestellt werden. Deshalb ist die Annahme, dass es eine göttliche Kundalinienergie im Basisichakra gibt, die zunächst wie eine zusammengerollte Schlange schläft, dann aber durch spirituelle Praktiken geweckt wird und beginnt, über die Wirbelsäule zum Kronenchakra aufzusteigen, eher symbolisch zu verstehen. Dies ist traditionell dadurch bedingt, dass die Menschen, die die Veden schrieben, einerseits sehr religiös waren und diesen Dingen einen göttlichen Ursprung zuschrieben und dass sie andererseits kaum etwas von physiologischen Abläufen wussten. Somit ruhte also die göttliche Kundalini im Basischakra. Und das Kronenchakra, auch Scheitelchakra genannt, war gewissermaßen die direkte Verbindung zu Gott. Viele sehen die Kundalini auch als göttliche Pranaenergie. In Wirklichkeit aber sind es Sexualsekrete, die über den Blutstrom zum Nervensystem und Gehirn tranportiert werden. Das Kronenchakra ist deshalb nichts anderes als eine religiöse Interpretation der seligmachenden Wirkung, die die Sexualsekrete auf das Gehirn bzw. auf den Menschen haben.

Ende der Anmerkung.



14.5 Der Vorgang der sexuellen Sublimierung     Inhaltsverzeichnis

Yogis gehen im allgemeinen davon aus, dass der verwirklichte Yogi keinerlei Pollutionen mehr hat. An diese Stelle möchte ich einmal Swami Sivanandas Vorstellung über die Sublimation wiedergeben. In seinem Text behauptet Swami Sivananda, dass die Samenproduktion eines Urdhvareto Yogi vollkommen zum Stillstand kommt. Ich habe da so meine Zweifel. Vielmehr bin ich davon überzeugt, dass die Vitamine, Mineralien, Proteine, Spurenelemete, Hormone, etc., die sonst beim Orgasmus vergeudet werden, über die Blutbahn den Nerven und dem Gehirn zur Verfügung gestellt werden. Welche Theorie ist die richtige? Sehen wir uns einmal Swami Sivanandas Vorstellungen an:

Wenn die Sexualenergie durch reine Gedanken in spirituelle Energie umgeformt wird, heißt das in der westlichen Psychologie sexuelle Sublimierung. So wie eine chemische Substanz sublimiert oder gereinigt wird, wenn sie durch Erhitzen in Dampf umgewandelt wird, der sich wieder verfestigt, so wird auch die Sexualenergie gereinigt und durch spirituelles Sadhana und die Pflege erhabener und erhebender Gedanken an das Selbst oder den Atman in göttliche Energie umgewandelt.

Sublimierung ist keine Frage von Unterdrückung oder Verdrängung, sondern es ist ein positiver und dynamischer Umformungsvorgang. Die materielle Energie wird umgewandelt in spirituelle Energie, so wie Hitze in Licht und Elektrizität umgewandelt wird. Wenn die Fortpflanzungsenergie kontrolliert, umgeformt und sublimiert wird, wirst Du ungeheure Gehirnkraft, Ojas, erwerben. Ojas ist spirituelle Energie, die im Gehirn gespeichert wird. Durch erhabene Gedanken, Meditation, Japa, Gottesverehrung und Pranayama kann die Sexualenergie in Ojas Shakti umgewandelt werden. So wie Öl im Docht hochsteigt und mit gleißendem Licht brennt, genauso fließt Virya, die Geschlechtsenergie, durch die Praxis von Yoga Sadhana nach oben und wird in Tejas oder Ojas umgewandelt. Dieses Ojas ist für Dich sehr hilfreich für lange, tiefe Meditation. Es wird im Gehirn gespeichert. Es hilft der Kontemplation. Selbst im fortgeschrittenen Alter ist es von Nutzen. Du wirst ein gutes Gedächtnis haben. Du kannst Bücher schreiben und ungeheure Gehirnarbeit leisten.

Ein Urdhvareto Yogi ist ein Mensch, dessen Geschlechtsenergie nach oben zum Gehirn fließt, als Ojas Shakti gespeichert wird und für die Zwecke der Kontemplation in der Praxis von Dhyana Verwendung findet. Er verwandelt die Geschlechtsenergie in Ojas. Das ist ein großes Geheimnis.

Allopathen (Schulmediziner) meinen, daß selbst in einem Urdhvareto Yogi die Samenbildung ununterbrochen weitergeht, und daß die Flüssigkeit wieder ins Blut aufgenommen wird. Das ist ein Irrtum. Sie verstehen nicht die inneren yogischen Geheimnisse und Mysterien. Sie sind in der Dunkelheit. Ihre Sicht bezieht sich nur auf die grobstofflichen Dinge des Universums. Der Yogi dringt in die subtile verborgene Natur der Dinge durch yogische Sicht und die innere Sicht der Weisheit ein. Der Yogi erlangt Kontrolle über die Astralnatur der Geschlechtsenergie und verhindert dadurch die Bildung der Flüssigkeit an sich.

Der Körper eines Menschen, der wirklich ein Urdhvaretas ist, riecht nach Rosen. Ein Mensch, der kein Brahmachari ist, und in dem sich der grobstoffliche Samen bildet, kann andererseits den Geruch eines Ziegenbocks haben.

Der Vorgang der sexuellen Sublimierung ist sehr schwierig, und doch ist sie überaus notwendig für den Aspiranten am spirituellen Weg. Sie ist die wichtigste Voraussetzung für den Sadhaka sowohl am Weg des Karma Yoga, Upasana, Raja Yoga oder Vedanta. Sie muß um jeden Preis erreicht werden. Der Mensch, in dem der Sexualgedanke tief verwurzelt ist, kann nie davon träumen, Vedanta zu verstehen und Brahman zu verwirklichen, nicht einmal in hunderttausend Geburten. Die Wahrheit kann nicht sein, wo Leidenschaft ist.

Quelle: Brahmacharya



Es ist natürlich auch für einen Mann, der mitten im Leben steht und damit den verschiedensten Versuchungen und Zerstreuungen unterliegt, möglich, das Zölibat zu praktizieren. Früher haben dies viele Männer praktiziert. Aber auch in der heutigen Zeit praktizieren es noch viele Männer. Ein diszipliniertes Leben, eine gesunde Ernährung, das Studium heiliger Schriften, Satsanga (das Zusammensein mit Weisen), Japa (Mantrameditation), Dhyana (Meditation), Pranayama (Atemübungen), tägliche Selbstergründung (Wer bin ich?), Selbstanalyse und Selbstkorrektur, Sadachara (spirituelle Lebensführung), die Praxis von Yama (5 Enthaltungen: Nichtverletzen, Ehrlichkeit, Nichtstehlen, Brahmacharya und Unbestechlichkeit) und Niyama (5 Verhaltensregeln: Reinheit, Genügsamkeit, Disziplin, Selbsterforschung und Hingabe an Gott) physisches, verbales und geistiges Tapas (Askese), in übereinstimmung mit dem 17. Kapitel der Bhagavad Gita (Verschiedene Arten des Glaubens.), alles dies wird uns dem Ziel näher bringen.

Die Menschen haben ein unregelmäßiges, unredliches, maßloses, unreligiöses und undiszipliniertes Leben. Folglich leiden sie und verlieren das Ziels des Lebens aus den Augen. Gerade so, wie der Elefant, der sich Sand auf seinem eigenen Kopf wirft, so bereiten sich die Menschen, durch ihre Ignoranz und Unwissenheit selber Schwierigkeiten und Sorgen in ihren Köpfen. Die, die Brahmacharya praktizieren, beklagen sich im Allgemeinen darüber, dass sie sich infolge der Enthaltsamkeit geistig ermattet fühlen. Dies ist aber nur eine Täuschung des Verstandes. Du bekommst manchmal einen Pseudohunger, wenn du an einem reich gedeckten Tisch sitzt, aber eigentlich keinen wirklichen Appetit hast und vorher auch eigentlich nichts essen wolltest. So gibt es auch eine falsche geistige Ermattung. Wenn du Brahmacharya praktizierst, musst du über riesige mentale Stärke verfügen. Du wirst nicht immer imstande sein, darüber zu verfügen. Aber du wirst diese Stärke entwickeln, sobald du sie benötigst, genauso wie ein Ringkämpfer seine körperliche Stärke in der Arena entwickelt, obwohl er sich im normalen Leben, wie ein normaler Mann empfindet.

Enthaltsamkeit ist nicht ungesund. Es bewahrt die Energie. Es gibt unermessliche Stärke und Frieden. Sexuelle Hingabe dagegen führt zu moralischen und spirituellem Bankrott, zu vorzeitigen Tod und zum Verlust der Fähigkeiten, der Talente und der Kapazitäten. Die Praxis des Zölibats ist nicht mit irgendeiner Gefahr oder irgendeiner Krankheit oder einem anderen unerwünschten Nebeneffekten verbunden, wie man es gelegentlich von den westlichen Psychologen zu hören bekommt. Genau das Gegenteil ist der Fall. Das Zölibat wird sehr viele Krankheiten heilen. Die westlichen Mediziner und Psychologen besitzen kein praktisches Wissen über das Zölibat. Sie haben den falschen, unbegründeten Verdacht, die unbefriedigte sexuelle Energie, würde sich in den verschiedenen Formen psychischer Erkrankungen bemerkbar machen. Dabei ist es genau umgekehrt. Erst der permanente Abfluss von sexueller Energie, vermindert die Gesamtenergiebilanz des Menschen dramatisch und hat psychische und somatische Erkrankungen zur Folge. Sexuelle Ausschweifungen haben Eifersucht, Hass, Zorn, Leid und Depression zur Folge.

Umgekehrt ist ein wenig Selbstbeherrschung oder ein wenig Enthaltsamkeit ein ideales Stärkungsmittel. Es schenkt innere Stärke und inneren Frieden. Es stärkt den Verstand und die Nerven. Es hilft, die physische und geistige Energie zu bewahren. Es vergrößert das Gedächtnis, die Willenskraft und die Intelligenz. Es verleiht enorme Kraft und Vitalität. Es stärkt die körperliche Verfassung, erfrischt die Zellen und das Gewebe, regt die Verdauung an und schenkt Energie, um die Schwierigkeiten im täglichen Leben zu meistern. Die Tugenden von Ausdauer und Tapferkeit entwickeln sich mit einem Leben in Keuschheit. Ein vollkommener Brahmachary kann die Welt bewegen, die Wellen des Ozeans stoppen, so wie Jesus es konnte, er kann Berge fortblasen, und er kann die Natur und die fünf Elemente wie der Yogi Jnana Dev beherrschen. Es gibt nichts in den drei Welten (physikalische, astrale, kausale Welt), was er nicht erreichen könnte. Alle übernatürlichen Kräfte liegen ihm zu Füßen.



Einige ignorante Menschen sagen: "Es ist nicht recht, die Leidenschaften zu zähmen. Wir sollten nicht gegen die Natur angehen. Warum hat Gott junge hübsche Frauen geschaffen? Seine Schöpfung muss doch einen Sinn haben. Wir sollten uns daran erfreuen und uns fleißig fortpflanzen. Wir sollten Nachkommen zeugen, damit unser Stammbaum erhalten bleibt. Wenn alle Leute Sannyasins (Entsagende) werden und in die Wäldern gehen, was würde dann aus dieser Welt werden? Dann würde unsere Rasse irgendwann aussterben. Wenn wir die Leidenschaften kontrollieren, werden wir krank. Wir müssen viele Kinder zeugen. Es gibt Glück im Haus, wenn wir viele Kinder haben. Das Glück einer Ehe kann nicht mit Worten beschrieben werden, so sagen die Leute. Kinder sind ihr Ein-und-Alles im Leben. Ich mag kein Vairagya (Leidenschaftslosigkeit), kein Tyaga (Entsagung), kein Sannyasa (Gelübde der Entsagung) und kein Nivritti (Weg der Entsagung).“ Dies ist ihre simple Philosophie. Sie sind direkte Nachkommen von Charvaka, dem Gründer der materialistischen Schule der Philosophie, und von Virochana, dem vedantischen Anführer der Dämonen, der die Philosophie der Fleischeslust vertritt. Sie sind Anhänger der epikureischen1 Gedankenschule, die die Lust in den Mittelpunkt des Lebens stellte. Konsum ist das Ziel ihres Lebens. Dieser gedankenlose Konsum hat eine große Anhängerschaft. Sie sind Freunde Satans. Ihre Philosophie ist bedauernswert! Wenn sie ihren Besitz, ihre Frau und ihre Kinder verlieren, wenn sie an einer unheilbaren Krankheit leiden, sagen sie: "O Gott, befreie mich von dieser schrecklichen Krankheit. Vergib mir meine Sünden. Ich bin ein großer Sünder." Aber vorher verschwenden sie keinen Gedanken an Gott.

Anmerkung Übersetzer:

1Ich stelle mir gerade die Frage, ob Swami Sivananda hier nicht den Epikureismus mit dem Hedonismus verwechselt, denn Epikur ging es nicht um den Konsum von oberflächlicher sinnlicher Lust, sondern um Genüsse, die durch Erkenntnis, Gleichmut und Selbstdisziplin für eine heitere Seelenruhe sorgen. Im Hedonismus dagegen steht die Lust für materielle und sinnliche Genüsse im Vordergrund, die mit einer egoistischen Lebenseinstellung verbunden sind.

Ende Anmerkung.

Die Leidenschaft sollte um jeden Preis kontrolliert werden. Nicht eine einzige Krankheit entsteht, wenn die Leidenschaften kontrolliert werden. Ganz im Gegenteil erhältst du durch die Sinneskontrolle, unermessliche Energie, Freude und Frieden. Es gibt wirkungsvolle Methoden, die Leidenschaften zu kontrollieren. Man sollte sich dem Atman (Seele) zuwenden, wenn man seine Begierden besiegen möchte. Genau so wie ein Fisch gegen den Strom schwimmt, so solltest auch du gegen die sinnlichen Ströme angehen. Nur dann kannst du Selbstverwirklichung erreichen. Leidenschaft ist eine sehr unangenehme Eigenschaft. Sie sollte kontrolliert werden, wenn du das Glück des Atman genießen möchtest. Sexuelles Vergnügen ist in Wirklichkeit kein Vergnügen. Es ist eine geistige Täuschung. Es ist mit Gefahren, Schmerzen, Furcht, Anstrengung und Ekel verbunden. Wenn du Yoga oder die Wissenschaft von Atman kennst, kannst du die entsetzlichen Krankheiten, die durch die Leidenschaften entstehen, leicht kontrollieren. Gott wünscht, dass du das Glück von Atman genießt, das durch den Verzicht auf weltliche Vergnügen erlangt werden kann. Die schönen Frauen und der Reichtum sind die Instrumente der Maya, der Illusion, um dich zu täuschen und in ihre Netze zu verstricken. Wenn du also ein weltlich orientierter Mensch mit niedriger Gesinnung und niederen Wünschen bleiben möchtest, dann kannst du natürlich so handeln. Du hast die Freiheit zu wählen.

Du kannst 350 Frauen heiraten und viele Kinder zeugen. Niemand wird dich kontrollieren. Aber du wirst bald feststellen, dass dieses Leben dir keine Zufriedenheit geben kann, weil alle Dinge in Zeit, Raum und in ihren Ursachen voneinander abhängen. Es gibt Tod, Krankheit, Alter, Sorgen, Ärger, Ängste, Furcht, Verluste, Enttäuschung, Misserfolge, Hitze, Kälte, Schlangebisse, Skorpionstiche, Erdbeben und Unfälle. Du wirst nicht eine ruhige Minute finden. Wenn dein Verstand mit Leidenschaften und Unreinheiten besetzt ist, wird dein Verständnis bewölkt und dein Intellekt verliert an Leistungskraft. Dann bist du nicht mehr in der Lage, die illusorische Natur des Universums und das ewige Glück des Atman zu erkennen. Die Leidenschaft kann effektiv geprüft werden. Es gibt wirksame Methoden. Nach dem Sieg über deine Leidenschaften genießt du inneres Glück durch Atman. Nicht alle Männer können Sannyasins (Mönche) werden. Sie haben verschiedene Bindungen und Verpflichtungen. Sie sind in ihren Leidenschaften gefangen und können daher nicht ihr Heim verlassen. Sie sind an ihre Frauen, ihre Kinder und ihr Vermögen gebunden. Hast du jemals in den Chroniken der Weltgeschichte gelesen, dass alle Männer Sannyasins wurden? Das ist unmöglich. Warum glaubst du dann an die absurde Idee, die Weltbevölkerung könnte schrumpfen, wenn einige Sannyasins sich zur Meditation in die Waldeinsamkeit, in die Klöster oder in die Höhlen des Himalaya zurückziehen? Dieses ist ein scharfsinniger Trick deines Verstandes, um deine unsinnigen Argumente und deine sinnlichen Begierden zu unterstützen, die die sexuelle Befriedigung als eine Lebensnotwendigkeit betrachtet.

Dieses zeigt deine Unwissenheit und verdeutlicht deine leidenschaftliche Natur. Rege dich nicht über diese Welt auf. Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten. Gott ist allmächtig. Und selbst wenn diese Welt vollständig evakuiert ist, selbst wenn sich alle Leute in die Wälder zurückziehen, wird Gott mit einem bloßen Augenzwinkern Millionen neue Menschen erschaffen, um wieder ein Gleichgewicht herzustellen. Darüber solltest du dir keine Gedanken machen. Finde lieber Methoden um deine Leidenschaften zu besiegen. Wir stehen heute vor dem Problem der Überbevölkerung und nicht vor dem Problem einer abnehmenden Bevölkerungsdichte. Außerdem haben die meisten Yogis, die sich in die Einsamkeit einer Himalayahöhle, in ein Kloster, in die Wüste oder in einen Wald zurückziehen, um dort zu sich und zu Gott zu finden, ihre familiären Pflichten bereits hinter sich gebracht. Nicht jeder möchte sich ehelich binden. Besonders ein Yogaschüler sollte sich von den ehelichen Fesseln fern halten. Für den Yogaschüler bedeutet Heirat ein Fluch. Für einen Mann mit einer lüsternen Einstellung, ist es extrem schwierig, seine sinnliche Leidenschaften abzulegen, weil sie eine Art Gitter der schützenden Wölbung seiner moralischen Rücksichtslosigkeit ist. Darum ist die Heirat für die große Mehrheit der Menschheit sinnvoller, die für ein Leben in absoluter Selbstbeherrschung noch nicht bereit sind. Von ihnen wird die Ehe als ein Sakrament betrachtet. Aber sie sollte nicht als eine Lizenz zur Genusssucht betrachtet werden.

Nicht jeder, der geboren wird, möchte sich binden. Die Heirat bedeutet, sein Leben in einer gewissen Weise zu ordnen. Aber heute hat die Ehe in der Gesellschaft einiges von der moralischen Haltung verloren, die sie einst besaß. Dort, wo es keine Leidenschaften im Herzen gibt, wo der Wunsch nach Gott vorhanden ist, wo es ein spirituelles Streben gibt, ist eine Ehe nicht unbedingt erforderlich. Ein junger Mann, der sein Leben nach diesen Zielen ausrichtet, kann das Leben eines Naishthik Brahmacharis führen, eines Brahmachari, der das Brahmacharya bereits seit seiner Kindheit praktiziert. Eltern sollten ihre Kinder nicht zur Heirat zwingen. Sie sollten das spirituelle Interesse ihrer Kinder nicht unterbinden. Viele junge Männer, in denen es ein spirituelles Erwachen gibt, schreiben zu mir in bemitleidenswerten Wörtern: "Lieber Swamiji, mein Herz schlägt für höhere spirituelle Dinge. Ich habe für weltliche Dinge kein Interesse. Der materielle Leben interessiert mich nicht. Ich bin bereits in den Maschen einer Heirat verwickelt. Meine Eltern zwingen mich, gegen meinen Willen zu heiraten. Eigentlich müsste ich dem Willen meiner Eltern folgen. Sie bedrohten mich auf unterschiedlichste Weise. Nun weine ich. Was soll ich jetzt tun?"

Jungen, die kein Wissen über diese Welt und dieses Lebens haben, werden mit 8 oder 10 Jahren verheiratet. Wir sehen Kinder, die Kinder zeugen. Die Mütter sind Kindermütter. Ein junger Mann mit 18 Jahren hat 3 Kinder. Was für ein schrecklicher Zustand! Frühe Heiraten führen zu einem frühen Verlust des Samens. Das führt zu körperlichem und geistigem Abbau und zum frühen Tod. Sie leben alle sehr kurz. Häufiges Gebären zerstört außerdem die Gesundheit der Frauen und bringt eine Menge anderer Nachteile mit sich. Wir haben in Indien verschiedene Gewohnheiten vom Westen, in Bezug auf Kleidung und Mode übernommen. Dadurch sind wir zu gemeinen Nachahmern verkommen. Aber im Westen heiraten die Menschen erst, wenn sie in der Lage sind, eine Familie ordentlich zu versorgen. Sie haben mehr Selbstbestimmung. Sie sichern sich zuerst eine annehmbare berufliche Position, verdienen Geld, sparen etwas und denken dann über eine Heirat nach. Wenn sie nicht genügend Geld verdienen, bleiben sie mitunter ihr Leben lang Junggesellen. Sie möchten keine Bettler in die Welt setzen, wie dies in Indien geschieht. Wer dieses menschliche Leid verstanden hat, möchte kein Kind mehr in die Welt setzen.



Die Liebe zwischen Eheleuten ist vor allem körperlich, egoistisch und scheinheilig. Sie ist nicht konstant. Sie ist von einer kurzlebigen Natur und wird von sinnlichen Leidenschaften und sexueller Begierde getragen. Sie ist mit niedrigeren Gefühlen verbunden, mit einer lieblosen Natur. Und sie ist sehr begrenzt. Aber göttliche Liebe ist endlos, rein, erfüllend und ewig. Hier gibt es keine Scheidung. In der Wirklichkeit gibt es vielfach keine innere Verbindung zwischen Eheleuten. Prinzessin Savitri und Prinz Satyavan aus der Mahabharata (indisches Epos), sowie der gebildete aber gelähmte Weise und Gelehrte Atri und seine Frau Anasuya, aus dem Ramayana, die sich aufopferungsvoll um ihn kümmerte, sind sehr, sehr selten in diesen Tagen. Viele Eheleute sind nur aus egoistischen Gründen miteinander vereint. Selbst das Lächeln ist oft nicht echt. Was bleibt, sind die praktischen Dinge des Lebens und die körperliche Liebe.

Wenn es keine Vereinigung zweier Herzen gibt, gibt es immer wieder Reibereien und Trennungen, misstrauische Blicke und Streitereien. Wenn der Ehemann seine Frau nicht ins Kino führt, gibt es Streit. Kann man dies Liebe nennen? Es ist vielmehr ein kommerzielles Geschäft. Wegen der Sinneslust haben die Männer ihren Stolz, ihre Unabhängigkeit und Würde verloren. Sie werden zu Sklaven der Frauen. Was für ein bemitleidenswertes Schauspiel! Der Schlüssel liegt bei der Frau. Aber für einen bestimmten Geldbetrag zeigt sie Entgegenkommen. Und dennoch beteuert er, unter Selbsttäuschung und der Berauschtheit seiner Sinne, was er für eine süße und liebevolle Frau hat: "Sie ist wirklich anbetungswürdig, sie ist eine Göttin!" In der käuflichen Liebe kann es kein wirkliches Glück zwischen dem Liebhaber und seiner Geliebten geben. Liegt der Ehemann im sterben, nimmt die Ehefrau das Sparbuch und geht damit ruhig zum Haus ihrer Mutter. Wenn der Ehemann seinen Job verliert, ist sie böse mit ihm, beschimpft ihn und verweigert ihm ihre Liebe. Das ist egoistische Liebe. Es gibt keine wirkliche Zuneigung. So gibt es immer nur Streit, Kämpfe und Ruhelosigkeit in der Ehe. Ehemann und Ehefrau sind nicht wirklich vereint. Sie ziehen sich gegenseitig runter und führen eine freudlose und trostlose Existenz.

Leidenschaft ist keine Liebe. Es ist ein animalischer Instinkt, sinnliche Liebe, körperliche Liebe. Verliert die Frau ihre Schönheit, dann lässt der Ehemann sich scheiden und heiratet eine zweite Frau. Diese Sachlage charakterisiert die Welt. Ein Ehemann liebt seine Frau nicht um ihrer Selbst willen, sondern um seines eigenen Selbst willen. Er ist egoistisch. Er erwartet sinnliches Vergnügen von ihr. Wenn eine Krankheit ihre Schönheit zerstört, endet seine Liebe zu ihr. Wenn die Frau stirbt, ertrinkt der Ehemann in Sorgen. Aber nicht wegen des Verlustes seiner liebevollen Partnerin, sondern weil er jetzt kein sexuelles Vergnügen mehr von ihr bekommt.Wenn deine Frau jung und schön ist, bewunderst du ihr lockiges Haar, ihre rosigen Wangen, ihre feine Nase, ihre glänzende Haut und ihre strahlenden Zähne. Wenn sie ihre Schönheit aber wegen irgendeiner chronisch unheilbaren Krankheit verliert, dann wendest du dich anderen Frauen zu. Hättest du deine Frau aber mit dem Bewusstsein geheiratet, das alles göttlich ist, hättest du verstanden, dass das Selbst in dir und in deiner Frau dasselbe ist, dann wäre deine Liebe für sie rein, selbstlos, dauerhaft und unzerstörbar. Genau so wie du alten Kandiszucker oder alten Reis liebst, die erst mit einem gewissen Alter ihr Aroma entfalten, so würdest du auch deine Frau immer mehr lieben, wenn sie älter wird. Das Wissen über Gott verstärkt die Liebe und vereint sie für immer.

Körperliche Liebe ist animalisch. Liebe des Körpers oder der Haut sind nur eine Leidenschaft. Sie ist nur eine überspannte sexuelle Leidenschaft. Sie ist grob und sinnlich. Die Leidenschaft für das Fleisch oder den Körper ist keine reine oder wirkliche Liebe. Es ist nur eine sexuelle Verhaftung, eine Verliebtheit, die von der Unwissenheit getragen wird. Du frönst deinen sexuellen Leidenschaften und tötest dabei deine Seele. Sogar berühmte Popstars zeigen ihren Fans eine Zeit lang ihre Liebe im überfluss, ihr süßes Lächeln und ihre honigsüßen Worte. Sie tun es so lange, wie sie damit Geld verdienen können. Kannst du dies Liebe und wirkliches Glück nennen? Erkläre es mir aufrichtig. Du wirst Klugheit, Diplomatie, Gerissenheit, Unehrlichkeit und Scheinheiligkeit finden. Es wirst kein Element der Aufopferung in dieser Liebe zu finden sein.



Für leidenschaftliche Männer, die ihre Sinneslust nicht kontrollieren können, ist es besser, ein Leben als Familienvater zu führen. Wird jemand mit entsprechenden spirituellen Eigenschaften, mit einer angeborenen Unterscheidungskraft und Leidenschaftslosigkeit, wie die Yogis Sankara oder Sadasiva Brahman geboren, so wird er kein Familienvater. Er wird bereits als Kind nach den Regeln des Brahmacharya leben. Die Srutis (indische Offenbarungen) unterstützen das. Sie sagen: "Verzichte von dem Tag an auf die Welt, an dem du leidenschaftslos wirst“. Bei einigen behindert eine Heirat den spirituellen Fortschritt; anderen hilft sie. Für den Sanskrit Dichter Raja Bhartrihari, der "Hundert Gedichte über die Liebe und über die Entsagung" schrieb, war es eine Behinderung. Für den heiligen Dichter und reichen Kaufmann Tukaram, der während einer großen Hungersnot seinen Besitz an Hungernde verschenkte, dadurch verarmte, seine Familie verließ und in Tempeln lebte, war es eine Hilfe. Tukaram erreichte langfristig das gleiche Ziel. Man sollte allerdings versuchen, den kürzesten Weg zu finden.

Ein Leben im Zölibat ist hundertmal besser als das Leben eines Ehemannes. Ich glaube an das Zölibat, weil es die versteckte Energie im Mann entfaltet. Brahmacharya ist die Schnellstraße zur Gottesverwirklichung; Heirat ist der gewundene Weg. Der erste Weg ist dem letzteren auf alle Fälle vorzuziehen. Manch einer bevorzugt aber den zweiten Weg, um seine Leidenschaften zu reduzieren. Natürlich ist es auch dem Verheirateten möglich, Selbstverwirklichung zu erlangen, obwohl er die Last einer Familie auf seinen Schultern trägt. Der Heilige Tukaram war zweimal verheiratet und hatte Kinder. Er erreichte sein letztes Ziel, das Reich Gottes, in einem Vimana (Raumfahrzeug). Wenn du bereit bist, ein einfaches Leben zu führen, treu und ehrlich, und wenn dein Partner fromm ist und dich in allen Angelegenheiten unterstützt, dann ist gegen eine Heirat nichts einzuwenden. Fühlt sich aber jemand nicht vom Eheleben angezogen, dann sollte er nicht heiraten.

Wenn du striktes Zölibat leben möchtest, dann solltest du nicht heiraten. Tricks dich nicht selber aus, indem du sagst: "Ich praktiziere das Zölibat nach der Ehe.“ Am Ende wirst du dann womöglich das Zölibat doch nicht beachten. Du solltest es aber als deine Lebensaufgabe betrachten, dich selbst in Gott zu verwirklichen. Hast du nicht schon ausreichend sexuelle Erfahrungen gesammelt? Sexualität und Schlemmerei gehören zu den animalischen Trieben des Menschen. Sollten wir uns nicht davon lösen und spirituelle Ziele anstreben? Warum verbrennst du den edlen Sandelholzbaum, um daraus Holzkohle zu machen? Unser Leben ist sehr kostbar. Darum beneiden uns sogar die Götter. Ist das Leben einmal verloren, dann ist auch die Chance vertan, seine eigene Göttlichkeit zu verwirklichen. Sinnliches Vergnügen ist verlockend. Solange eine Person nicht das Objekt der Begierde besitzt, solange ist er davon verzaubert. Befindet sich dieses Objekt aber in seinem Besitz, schon hat er sich darin verheddert. Der Junggeselle denkt tagein, tagaus, an eine Heirat. Aber erotisches Vergnügen wird ihm keine Zufriedenheit schenken. Es verschlimmert und intensiviert nur seine Wünsche und macht den Geist, durch die Verstrickung in die Leidenschaft, noch ruheloser und begieriger. Irgendwie hat er das Gefühl, in Gefangenschaft zu sein. Dies ist ein Gaukelspiel der Maya, der Illusion, der Täuschung. Die Welt ist voller Versuchungen.

Du kannst durch weltliche Objekte kein Glück erlangen. Es ist nur materialistisches Gift. Außerdem ist die Heirat eine lebenslängliche Gefangenschaft. Es ist die größte Knechtschaft auf der Erde. Der Junggeselle, der einst frei war, liegt im Joch. Seine Hände und Füße liegen in Ketten. Dies ist die Erfahrung vieler verheirateter Leute. überlege dir also sehr genau, was du möchtest. Ein Entkommen ist nach der Heirat kaum noch möglich. Erkenne den Glanz eines spirituellen Pfades und die großen Schwierigkeiten, Probleme, Sorgen und Mühen, die eine Heirat mit sich bringt. Darum intensiviere deine Leidenschaftslosigkeit. Du hast ein Geburtsrecht auf göttliches Bewusstsein. Eine Heirat ist ein scharfer Einschnitt im Leben eines Menschen. Folglich sei mit dem Frieden vermählt. Die Leidenschaftslosigkeit sei dein ehrenwerter Sohn, die Unterscheidungskraft, deine großartige Tochter. Iss die köstliche Frucht der göttlichen Weisheit, die dir ein langes und glückliches Leben beschert. Wenn du kannst, dann heirate nicht. Ein Entweichen ist nach der Heirat nicht mehr möglich. Eine Heirat hat sehr angenehme Seiten, sie bringt aber auch viele Verpflichtungen mit sich. Was aber taten Buddha, Pattinattu Swami, Bhartrihari und Gopichand? Hatten sie nicht ein angenehmes und friedliches Leben?

Die Lust ist der größte Feind auf Erden. Sie verschlingt einen Mann. Nach dem Geschlechtsakt folgt die Depression. Dein Intellekt ist dann nicht mehr so leistungsfähig. Wegen des permanenten Samenverlustes, leidest du schon bald unter Krankheiten, Depressionen, Schwächegefühl und dem Verlust deiner Vitalität. Folglich wirst du einen frühen Tod erleiden. Darum rate ich dir, praktiziere ein lebenslanges Zölibat. Befreie dich selbst aus deinem Elend, von deinen Sorgen und Beschwerden. Dort, wo Licht ist, kann kein Schatten sein. Dort, wo sinnliches Vergnügen herrscht, kann nicht das Glück des Atman (Seele) sein. Weltliche Menschen wollen beides zugleich, sinnliches Vergnügen und das Glück des Atman. Das ist aber absolut unmöglich. Sie wollen nicht auf das sinnliche Vergnügen verzichten. Sie besitzen keine Leidenschaftslosigkeit in ihrem Herzen. Weltliche Männer glauben, dass sie glücklich sind, wenn sie einige Ingwerkekse, etwas Geld und eine Frau besitzen. Alle weltlichen Vergnügungen sehen am Anfang wie Nektar aus, aber werden am Ende zu Gift. Ist man erst einmal verheiratet, dann kann es sehr schwer sein, sich von den Fesseln der sinnlichen Verhaftung zu lösen. Sei furchtlos. Löse dich von diesen Illusionen, löse dich von deinen sinnlichen Verhaftungen. Kontrolliere deine Wünsche und deinen Verstand. Dann wirst du allmählich Wunschlosigkeit entwickeln und ein perfekter Brahmachari sein.



Ein Akhanda Brahmachari, ist ein Brahmachari, der 12 Jahre keinen Tropfen Samen abgegeben hat. Praktizierst du über 12 Jahre ununterbrochen Brahmacharya, dann erfährst du, ohne weitere spirituelle Praktiken Erleuchtung. Die Samenenergie ist ein starke Shakti (kosmische Kraft, Kundalini). Der Samen ist Brahman (Gott) selbst. Ein Brahmachari, der über zwölf Jahre das Zölibat praktiziert, erreicht Nirvikalpa (Erleuchtung) in dem Moment, indem er das Mahavakya (vier wichtige vedantische Sätze) hört: „Tat Tvam Asi“ (Das bist du), weil sein Verstand dann extrem rein, stark und einpünktig ist.

Mahavakya

Vier Sätze der Upanishaden, die die höchste vedantische Wahrheit oder die Identität von individueller Seele (Atman) und absoluter Seele (Brahman) ausdrücken:

1. Prajnanam Brahma - Bewusstsein ist Brahman
2. Aham Brahmasmi - Ich bin Brahman
3. Tat Tvam Asi - DAS bist du
4. Ayam Atma Brahma - Dieses Selbst ist Brahman

Ein Akhanda Brahmachari, der während einer Periode von zwölf Jahren nicht einen Tropfen Samen vergeudet, erreicht ohne weitere Bemühungen Samadhi. Prana (Atmung) und Verstand sind unter seiner vollkommenen Kontrolle. Akhanda Brahmacharya wird ebenfalls als Bala Brahmacharya bezeichnet. Ein Akhanda Brahmachari hat eine starke Konzentrationskraft, Erinnerungskraft und Unterscheidungskraft. Er braucht keine intellektuelle Reflexion (Nachdenken) und keine tiefe Meditation zu üben. Selbst wenn er das Mahavakya nur einmal hört, erfährt er sofort Selbstverwirklichung. Sein Intellekt ist rein und sein Verständnis ist extrem klar. Akhanda Brahmacharins sind sehr, sehr selten; aber es gibt einige. Du kannst ebenfalls ein Akhanda Brahmachari werden, wenn du es ernsthaft versuchst. Du musst sehr sorgfältig auf Gegenreaktionen achten. Die Sinne werden einige Monate oder vielleicht auch ein oder zwei Jahre lang rebellieren, wenn du nicht aufmerksam und vorsichtig bist. Sie rebellieren und leisten Widerstand, wenn sich die Gelegenheit bietet. Schließlich wurde die Sexualität meist über Jahrzehnte in Richtung sexueller Befriedigung konditioniert. Einige Leute, die ein oder zwei Jahre lang Brahmacharya praktizieren, begehen den Fehler, dass sie unachtsam werden, und vergeuden am Ende wieder ihre ganze Energie. Verfilzte Haare und das Auftragen von Asche auf der Stirn und dem Körper, wie es von Yogis praktiziert wird, kennzeichnen keinen Akhanda Brahmachari. Der Brahmachari, der den Körper und die Sinnesorgane kontrolliert, dabei aber ständig sexuelle Gedanken in seinem Kopf hat, hat das Ziel noch nicht erreicht. Er sollte seinen Weg weiter fortsetzen. Dann verschwinden auch die sinnlichen Gedanken.



Sei nicht mit jedem gleich zu vertraut. Vertrautheit erzeugt Verachtung. Habe nicht zu viele Freunde. Buhle als Sannyasin (Mönch) nicht um Freundschaften mit Frauen und halte ein wenig Distanz, wenn du nicht frei von lüsternen Gedanken bist. Es könnte sonst dein Untergang sein. Vergiss niemals, aus "Freunde" werden mitunter die ärgsten Feinde. Verkehre möglichst nicht mit Mitgliedern des anderen Geschlechts. Maya, die Illusion, arbeitet sehr unterschwellig, so dass dir dein Sturz gar nicht bewusst wird. Die subtilen sexuelle Begierden können sich mitunter ohne Vorankündigung urplötzlich einstellen. Erst begehst du Ehebruch, und danach bereust du es. Dann löst sich dein Charakter und dein guter Ruf in Luft auf. Ein schlechter Ruf kann schlimme Folgen haben. Ehebruch bedeutet eine tiefe Verletzung des Partners. Es gibt keine Buße, die dieses Tat ungeschehen machen könnte. Pass also auf, sei vorsichtig. Bhagavan Dattatreya, eine hinduistische Gottheit, der die drei Aspekte des Brahma (Schöpfung), des Vishnu (Erhaltung) und des Shiva (Zerstörung) in sich vereint, hat die Frau mit einer brennenden Grube aus Feuer und den Mann mit einem Topf Büffelbutter verglichen. Wenn die Büffelbutter mit dem Feuer in Berührung kommt, verbrennt sie. Folglich ist es besser, solche Feuerspiele zu vermeiden. übernachtest du in einer öffentlichen Wohlfahrtseinrichtung, und in einem benachbarten Raum übernachtet eine alleinstehende Frau, dann übernachte woanders. Du weißt sonst nicht, was geschehen wird. Es ist ratsam, die Gefahrenzone rechtzeitig zu verlassen, gleichwohl wie stark du durch die Praxis von Tapas (Askese) und Meditation sein magst. Setze dich nicht der Versuchung aus.

Prüfe deine spirituelle Stärke und Reinheit nicht, wenn du ein Anfänger auf dem spirituellen Weg bist. Begib dich nicht in schlechte Gesellschaft, wenn du ein spiritueller Anfänger bist, um zu zeigen, dass du den Mut hast, der Sünde und Unreinheit entgegen zu treten. Es ist ein gravierender Fehler. Sonst wirst du in eine Gefahr laufen. Du wirst einen schnellen Absturz erleben. Ein kleines Feuer kann sehr leicht gelöscht werden. Sogar Yogis, die große Fortschritte im Yoga gemacht haben, sollten sehr achtsam sein. Sie sollten Frauen möglichst meiden. Sie sollten nicht so töricht sein, zu glauben, sie seien bereits große Yogameister. Ein großer Heiliger erlebte einmal einen Absturz. Er lebte mit Frauen zusammen und bildete Schülerinnen aus, denen er erlaubte, seine Beine zu massieren. Da die sexuelle Energie nicht vollständig sublimiert war, und die Sinneslust immer noch in einer subtilen Form in seinem Verstand lauerte, wurde er ein Opfer seiner Leidenschaften. Er verlor sein Ansehen. Der sexuelle Wunsch war immer noch bei ihm vorhanden und als eine passende Gelegenheit kam, hatte er nicht die Stärke und Willenskraft, der Versuchung zu widerstehen. Eine andere große Seele, die von seinen Schülern als ein Avatar angesehen wurde, wurde ein Yoga Bhrashta, ein vom Yoga gefallener. Er vertrieb seine Zeit mit Frauen und verübte einen Fehltritt. Er wurde ein Opfer seiner Lust. Was für ein trauriges Unglück! Yogis klettern unter großen Mühen die Sprossen des Yoga empor. Sie können aber sehr schnell wieder abstürzen, wenn sie leichtsinnig, unachtsam oder überheblich sind.



Die Anwesenheit einer Frau, oder die Erinnerung an eine Frau, sorgen normalerweise beim Einsiedler, der diese Welt zur spirituellen Läuterung verlassen hat, für sinnliche Gedanken und berauben ihn um die Früchte seiner Entbehrungen. Es ist sehr schwer, das Vorhandensein der subtilen Sinneslust im Verstand von anderen, besonders bei einem spirituellen Einsiedler zu erkennen, aber der Blick, die Stimme, die Gesten, der Gang und das Verhalten können einen Anhaltspunkt geben. Bedenke, wie Yogi Bhartrihari weinend während seiner spirituellen Praxis zu Gott flehte: "O mein Gott! Ich verließ meine Frau, mein Heim. Ich lebe von Blättern, Früchten und Wurzeln. Die Erde ist mein Sofa. Der blaue Himmel ist mein Baldachin. Die Unterkunft ist meine Bekleidung. Aber die Leidenschaft hat mich nicht verlassen." So ist die Energie der Leidenschaft.

Einfügung vom Übersetzer.

Die Heilige Julia Eustochium
Eustochium, Julia, Heilige, um 368 nach Christus in Rom aus altadeligem Geschlecht, † 28.9. 420 nach Christus in Bethlehem. Eustochium wurde von ihrer Mutter, der heiligen Paula, und deren Freundin Marcella fromm erzogen. Sie fasste früh den Entschluß, jungfräulich zu leben, und wurde darin bestärkt durch den Heiligen Hieronymus, der während seines Aufenthalts in Rom (382-385 n.Chr.) in ihrem Haus wohnte und für sie seine Abhandlung »De virginitate« schrieb. Als Hieronymus 385 nach Antiochia (heute: Antakya in der Türkei) reiste, folgte ihm dorthin etwas später Paula mit ihrer Tochter Eustochium.

Unter seiner Einwirkung hatten die beiden beschlossen, ihre vornehme Umgebung in der Weltstadt des Westens ganz zu verlassen und in der Nähe der heiligen Stätten (Bethlehem), wo der Herr gelebt und gelitten hatte, ihre Tage zu beschließen. Mit Hieronymus unternahmen sie 385/86 eine Pilgerfahrt in das Heilige Land und nach Ägypten, wo sie die Einsiedler der nitrischen Wüste aufsuchten. Paula und ihre Tochter Eustochium ließen sich für dauernd in Bethlehem nieder und lebten dort in regem Umgang mit ihrem geistlichen Berater Hieronymus. Paula gründete außer mehreren Pilgerhospizen ein Mönchs- und drei Nonnenklöster, von denen sie eines leitete. Als ihre Mutter 404 nach Christus starb, übernahm Eustochium die Leitung der drei Nonnenklöster. Sie wird als Heilige verehrt. Ihr Fest ist der 28. September.


Die Heilige Julia Eustochium

Der Heilige Hieronymus

Der Heilige Hieronymus (347 n. Chr. - 30. September 420 n.Chr.) wurde in Stridon (heute Kroatien) geboren, studierte in Mailand und Rom Grammatik, Rhetorik und Philosophie und setzte sein Studium in Trier fort, wo er das Klosterleben kennen lernte, dann in Aquileia (Norditalien), wo er sich 373 n.Chr. dem asketischen Bund "Chor der Seligen" anschloss. Eine Wallfahrt ins Heilige Land führte ihn für fünf Jahre zu Einsiedlern in die Wüste Chalkis bei Aleppo, dem heutigen Halab in Syrien.

35 Jahre lang wirkte der Heilige Hieronymus zurückgezogen als Mönch, aber mit intensiver schriftstellerischer Tätigkeit. Er wurde zu einem der bedeutendsten Theologen aller Zeiten, oft in seiner Gelehrsamkeit mit Augustinus verglichen; seiner Briefe an diesen sind erhalten. Auf Hieronymus zurück geht die Unterscheidung der Mönche in Anachoreten - das sind die urchristlichen Asketen, die sich aus allen menschlichen Bindungen lösen, um allein in Askese und Gebet zu leben - und Eremiten - das sind jene, die gemeinsam in einer Mönchssiedlung leben und gewisse Regeln befolgen.

Der Heilige Hieronymus

Jerome (Hieronymus, bürgerlicher Name: Eusebius Sophronius Hieronymus, franz.: Jerome, Kirchenlehrer, Heiliger) schreibt über die jungfräuliche Heilige Eustochium, über ihren Kampf mit der Enthaltsamkeit und die Energie der Sinneslust: "Wie oft stellte ich mir in der Wüste, in dieser unermesslichen Einsamkeit, die durch die Hitze der Sonne verbrannte, in einem schrecklichen Kloster lebend vor, an den Wonnen Roms teilzuhaben! Aber ich war allein. Meine Glieder wurden durch einen erbärmlichen Sack bedeckt und meine Haut war so schwarz wie die der Äthiopier (Ostafrika). Täglich weinte und stöhnte ich. Und wenn mich wiederwillig der Schlaf überkam, lag mein magerer Körper auf der bloßen Erde. Gar nicht zu sprechen erst von meiner Ernährung und den Getränken in der Wüste. Auch Invaliden haben keine Getränke, aber sie haben kaltes Wasser. Da ich mich aus Furcht vor der Hölle selbst zu diesem Gefängnis, zu deren Gesellschaft Skorpione und wilden Tieren gehören, verurteilt hatte, hatte ich häufig die Phantasie, mitten unter einer Gruppe Mädchen zu sein. Mein Gesicht war blass vom Fasten und in meinem Verstand entflammte das Feuer der Sinneslust, welches bereits tot zu sein schien.“ So ist die Energie der Sinneslust.

Ende Einfügung Übersetzer.

Der Verstand ist der Same der Welt. Es ist der Verstand, der diese Welt gestaltet. Die Welt existiert hauptsächlich innerhalb deines Verstandes. Die Bilder der Objekte werden von deinem Verstand entworfen. Der Verstand erzeugt Wünsche und Phantasien, wenn er diese Objekte nicht erhalten kann und richtet damit großen Schaden an. Sind deine Gedanken aber vollständig auf Gott gerichtet, dann stirbt die Verhaftung an alle sinnlichen Objekte. Lebten die Yogis meist in den Wäldern, in den Höhlen des Himalaya oder in Klöstern, so lebten Jesus und Mohammed zur Kontemplation und um zu fasten für längere Zeit in der Wüste. Auch die ersten moslemischen Sufis und frühchristlichen Mönche lebten meist in der Wüste. Die jüdischen Rabbiner werden niemals müde, die Bedeutung dessen zu unterstreichen, dass ihnen die Zehn Gebote und die Tora am Berge Sinai in der öden Wüste geschenkt wurden.



Gott unterwirft dem spirituellen Aspiranten einige Versuchungen, um seine spirituelle Stärke zu prüfen. Er gibt ihm aber auch die Stärke, diese Versuchungen zu besiegen. Die stärkste Versuchung in der Welt ist die Sinneslust. Alle Heiligen haben diesen Versuchungen widerstanden. Sogar Buddha wurde auf seine geistige Reinheit geprüft. Er musste Versuchungen jeder Art widerstehen. Und zwar nicht nur als er Erleuchtung unter dem Bodhibaum in Gaya fand. Der Satan versuchte Jesus auf verschiedene Weise. Die Leidenschaft ist sehr stark. Viele können ihr nicht widerstehen. Man muss sehr acht geben. Der Yogaschüler muss einen sehr hohen Standard an geistiger Reinheit entwickeln. Dann alleine wird er in der Lage sein, solche Prüfungen zu bestehen. Gott versetzt den Yogi in sehr ungünstige Umfelder, um ihn zu prüfen. Sie werden z. B. von jungen Mädchen versucht. Ist der Yogi zu Ruhm gekommen, dann hat er oft Kontakt mit normalen Menschen. Frauen fangen an, sie anzubeten. Sie werden zu ihren Schülerinnen. Dann müssen die Yogis sehr achtsam sein, um keine Fehler zu begehen. Solche Abstürze gab es leider schon viele. Yogis sollten unauffällig leben und sich den normalen Leuten anpassen.Obwohl sich der Weise Visvamitra in den Veden strengen Entbehrungen unterzog, wurde er durch seine unruhigen Sinne davongetragen, als er zufällig auf eine himmlische Nymphe stieß, die ihm vom Kriegsgott Indra gesandt wurde, um seine Askese zu stören.Wenn selbst Visvamitra, der von Blättern, Luft und Wasser lebte, Opfer der Sinneslust wurde, wie erst mag dann das Leben weltlich gesinnter Menschen sein, die über ein reiches Nahrungsangebot verfügen? Bevor sie ihre Leidenschaften kontrollieren, schwimmt das Vindhyagebirge (Gebirgszug in Nordindien) auf den Ozean und Feuer brennt abwärts.

Der sexuelle Instinkt ist sehr stark. Der sexuelle Drang ist beeindruckend. Er kann sich selbst in den hintersten Regionen des Verstandes verstecken und dich überfallen. Bist du einmal nicht aufmerksam, dann greift er dich mit doppelter Kraft an. Visvamitra wurde ein Opfer der Nymphe Menaka, einer himmlischen Tänzerin aus dem Palast des Kriegsgottes Indra. Ein anderer großer Rishi (Weiser) wurde ein Opfer der Nymphe Rambha. Die Asparas sind Nymphen aus der hinduistischen Mythologie. Unter allen Nymphen nehmen Rambha, Urvashi, Menaka und Tilottama eine besondere Stellung ein. Diese vier Nymphen werden von Indra wiederholt zu den Menschen auf der Erde gesandt, um Weise, die mit ihrer Enthaltsamkeit und ihrem Streben nach spiritueller Perfektion eine Gefahr für Indras oder anderer Götter Vormachtstellung zu werden drohen, zu verführen, und sie von ihrem Weg abzubringen. Der Gelehrte Jaimini (2./3. Jh. n.Chr.), der Verfasser der Mimansa-Sutren, die sich mit vedischen Opferritualen beschäftigt, wurde durch die unaufrichtige Masa versucht. Ein anderer mächtiger Weiser wurde durch den Anblick des Paarungsverhaltens von Fischen ermuntert. Ein Yogaschüler wurde gar von der Frau seines Gurus mitgerissen. Viele Yogis sind sich dieser geheimen Bedrängnis, dieses heimtückischen Feindes, nicht bewusst. Sie denken, dass sie sicher und rein sind. Werden sie aber versucht, dann werden sie zu hoffnungslosen Opfern. Darum bleibe lieber alleine, meditiere und beseitige dieses Verlangen.

Geld und Frauen glänzen heller als Gott für einen unwissenden, leidenschaftlichen Mann. Maya, die Illusion ist sehr stark. Adam verfiel wegen eines unachtsamen Augenblicks der Versuchung. Die verbotene Frucht sah in den Augen der Menschen immer schon sehr verführerisch aus. Eine Säule sieht wie eine himmlische Göttin aus und veranlasst dich, in Ehrfurcht vor ihr zu verneigen. Die Ketten aus Gold können zerschnitten werden, aber nicht die seidenen Maschen der Illusion. Ein einzelner unachtsamer Moment reicht aus, das ganze Schmuckkästchen der Perlen der guten Vorsätze, in den dunklen Abgrund der Leidenschaften und der Sinneslust zu stoßen.Verschiebt man Moos in einem Blumenkübel ein wenig, so hat es schon nach einem winzig kleinen Moment seine Ausgangsposition wieder eingenommen. So ähnlich wickelt die Illusion selbst den Klügsten ein, wenn er auch nur eine Minute unachtsam ist. Darum ist stete Wachsamkeit auf dem spirituellen Pfad erforderlich. Ein Sprichwort sagt: "Zwischen Glas und Lippe gibt’s manche Klippe.“ Bevor du anfängst, die Frucht der Weisheit zu essen, hat der Affe der Täuschung (Maya) sie dir schon aus der Hand geschnappt. Selbst wenn du sie schluckst, kann sie dir im Halse stecken bleiben. Darum solltest du wachsam und vorsichtig sein, bis du die höchste Erkenntnis erlangt hast. Du solltest deine spirituelle Praxis, nicht unter der falschen Annahme beenden, dass du das Ziel bereits erreicht hast.

Der, der in Abgeschiedenheit lebt, ist Versuchungen und Gefahren stärker ausgesetzt. Er muss sehr vorsichtig und aufmerksam sein. Der Verstand wird versuchen, ihn zu verführen, da es niemanden gibt, der ihn zur Besinnung ermahnt. Alle unterdrückten und verdrängten Gedanken warten nur auf eine Gelegenheit, um mit doppelter Kraft anzugreifen. Er ist wie ein Mann, der sich mit einem Tiger, einer Schlange und einem Bären in einem Käfig befindet. Die Feinde Wut, Sinneslust und Geldgier werden listig versuchen, dich zu besiegen. Wenn du den spirituellen Weg allein beschreitest, dann werden sie versuchen, dich zu überfallen, so wie der Dieb den einsamen Reisenden im dichten Wald überfällt. Darum lebe lieber in der Gesellschaft von Weisen. So kannst du dich nicht verirren.



Ein Mann, der das Rauchen und das Trinken aufgegeben hatte, wollte Brahmacharya praktizieren, obwohl er verheiratet war. Seine Frau hatte nichts dagegen einzuwenden, aber er selbst hatte einige Mühe damit. Besonders schwer fiel es ihm, seine Blicke zu kontrollieren. "Die Straße ist mein Hauptfeind", sagte er vor kurzem zu mir. Das heißt, dass der Blick von hübschen Frauen angezogen wird. Ein anderer Yogaschüler sagte: "Während ich Pranayama (Atemübungen), Japa (Mantrameditation) und Meditation übte, war mein Verstand rein, selbst wenn ich halbnackte junge Frauen sah. Aber als ich die Praxis nachließ, war ich nicht in der Lage, mein Schauen zu kontrollieren. Dann wurde mein Blick magisch von hübschen Frauen und den erotischen Bildern in den Straßen angezogen. Der Strand und die Einkaufsstraßen sind meine Feinde.“ Die, die Brahmacharya üben, sollten ihre Blicke kontrollieren. Dieser Impuls kann sonst zu einer Gefahr werden, da er die Neugier und die sexuellen Wünsche anregt. Durch lüsterne Blicke erwachen subtile Begierden. Das Betrachten einer hübschen Frau verursacht den Wunsch, mit ihr zu sprechen. Die Unterhaltung mit einer hübschen Frau verursacht den Wunsch, sie zu berühren. Vielleicht hast du unreine Gedanken und wirst zum Opfer deiner Lust. Darum betrachte keine Frau mit lüsternen Blicken. Sprich mit ihr nicht über intime Dinge. Sei nicht zu vertraut.



Es hat keinen Nachteil, wenn man einen schönen Gegenstand betrachtet; aber du musst ein göttliches Gefühl entwickeln. Du solltest glauben, dass alles eine Erscheinungsform Gottes ist. Reinige deine Gedanken und Gefühle. Reinheit ist Brahman, Reinheit ist Gott. Sei eine Verkörperung der Reinheit. Wiederhole geistig das Mantra: "Reinheit, Reinheit. Ich bin Reinheit, ich bin Reinheit" und versuche diesen unvergleichlichen Zustand der Reinheit zu erreichen. Du hast keinen lüsternen Blick, wenn du deine Mutter oder deine Schwester siehst, obwohl sie hübsch, gut gekleidet und mit Blumen geschmückt sind. Du betrachtest sie mit Zuneigung und Liebe. In deinem Kopf sind keine lustvollen Gedanken. Du solltest solche reinen Gedanken auch entwickeln, wenn du andere Frauen betrachtest. Gibt es Unreinheiten hinter deinen Blicken, dann gleicht dies einem Ehebruch. Eine Frau mit lüsternem Herzen zu betrachten, gleicht einem sexuellem Vergnügen. Es ist eine Art Geschlechtsverkehr. Dies ist der Grund, warum Jesus sagte: "Wenn du eine Frau mit lüsternem Blick betrachtest, hast du bereits Ehebruch in deinem Herzen begangen."

Du wirst keinen Schaden haben, wenn du eine Frau mit tugendhaftem Blick betrachtest. Wenn du eine junge Dame betrachtest, dann solltest du denken: "Ich verneige mich vor dir, O Mutter". Betrachte sie als eine Erscheinung der Göttin Kali. Wer hat diesen hübschen Körper geschaffen? Dahinter gibt es einen allmächtigen, alles durchdringenden und barmherzigen Schöpfer. Der Körper aber besitzt nur eine vorübergehende Schönheit. Gott der Schöpfer ist ewige Schönheit. Er ist die Verkörperung der wahren Schönheit. Er ist die Urquelle der Schönheit. Erkenne seine Schönheit durch Meditation. Du solltest Gefühle der Hingabe, der Bewunderung und der Ehrfurcht entwickeln, wenn du auf den Schöpfer dieser Schönheiten schaust. So kommst du nicht in Versuchung. Studierst du die Vedanta, die wichtigste Schrift der indischen Philosophie, dann weißt du: "Alles ist das Selbst (Gott). Die Namen und Formen der äußeren Dinge sind nur Illusionen. Sie haben keine unabhängige Existenz neben dem Selbst." Wie sollten die Weisen von einst, den Frauen das Wissen über Atman (Seele) vermitteln, wenn sie die Frauen nicht anschauten? Viele Frauen betrachteten es außerdem als eine Ehre, einem Yogi zu dienen. Die Maxime, betrachte kein Bild von einer Frau, gilt für leidenschaftliche Männer, die keine Selbstkontrolle besitzen. Der Weise Yajnavalkya lehrte seiner Frau Maitreyi das Wissen über Atman. Die Tochter von König Janasruti diente dem Weisen Raikva. Raikva war ein Naishthik Brahmachari, ein Brahmachari, der das Brahmacharya bereits seit seiner Kindheit praktizierte.

Sogar der befreite Weise, richtet seine Augen aus Gewohnheit auf die Objekte. Er betrachtet das Innere der Frau als Ausdruck des Atman. Er empfindet kein sinnliches Verlangen. Der weltliche Mann dagegen betrachtet das äußere der Frau und entwickelt lustvolle Gedanken. Er denkt nicht an den Atman, der hinter der äußeren Schönheit ist. Der normale Mann fühlt sich von der Schönheit der Frau angezogen. Das ist der Unterschied zwischen einem weltlich orientierten Mann und einem Weisen. Bei einem Weisen gibt es keine Voreingenommenheit und keine sinnlichen Gedanken, wenn er eine Frau betrachtet. Der Weise bewundert die Schönheit einer Frau genau so, wie die Schönheit einer Rose, die Schönheit des Meeres, der Sterne oder die Schönheit einer Landschaft. Denke daran, dass die Schönheit einer Frau zur Schönheit der Natur gehört, einer Natur, die Ausdruck Gottes ist. Wann immer du eine Frau siehst, stelle dir die Frage: "Wer ist der Schöpfer dieser hübschen Frau?" Und sofort stellt sich Bewunderung, Demut und Hingabe bei dir ein. Wirfst du aber lüsterne Blicke auf die Frau, dann beginnt es in dir zu brodeln. Du begehst Ehebruch im Herzen. Lüsterne Gedanken haben Knechtschaft und Elend zur Folge.

Die Schönheit in den Gesichtern der Frauen, ist die Schönheit Gottes. In dieser Weise solltest du sie bewundern. Dann wirst du keinen Schaden nehmen. Frauen sind ein Symbol der Schönheit. Sie sind ein Symbol der Stärke. Sie sprechen zu dir in der Sprache des Schweigens: "Ich bin eine Repräsentantin der Adi Sakti, der göttlichen Energie. Sieh Gott in mir. Sieh die göttliche Mutter Kali in mir. Verwirkliche Gott durch mich. Bete Gott als Verkörperung der Schönheit an. Verehre ihn als Verkörperung der Energie. Erkenne seine Allmacht." Denke immer und immer wieder daran, dass die Schönheit eines Gesichtes, die Schönheit Gottes ist. Göttliche Gefühle sollten in dir aufsteigen, wenn du in das hübsche Gesicht einer Frau blickst. Studiere das zehnte Kapitel der Bhagavad Gita, Vibhuti Yoga (Der erhabene Schatz des Absoluten), immer und immer wieder.



Unreine Gedanken, die beim Anblick einer Frau entstehen, verschwinden allmählich, wenn deine Reinheit durch regelmäßiges Japa und Meditation wächst. Es dauert einige Zeit, bis die alten lüsternen Eindrücke im Unterbewusstsein beseitigt sind und sich ein neues Bewusstsein gebildet hat. Dann steigen allmählich reine Gedanken auf. Richte deinen Blick auf Gott. Versuche immer wieder, die Frauen als Göttinnen zu betrachten, dich von der sexuellen Vorstellung zu lösen und nicht im Körperlichen zu verhaften.Wann immer sich lüsterne Gedanken einstellen, dann denke daran, dass selbst die hübscheste Frau nur aus Fleisch, Knochen, Urin, Schweiß und Fäkalien besteht. Dieses verursacht Abscheu und Leidenschaftslosigkeit. Dann wirst du nie wieder einen unkeuschen Blick auf eine Frau richten. Frauen, die ebenfalls das Brahmacharya praktizieren, sollten in ähnlicher Weise vorgehen.

Du solltest nicht nur Abscheu entwickeln, sondern dich auch von der sexuellen Verhaftung befreien. Bist du nicht extrem erschrocken, wenn eine Kobra direkt auf dich zukommt? Die gleiche Einstellung solltest du besitzen, wenn lüsterne Gedanken in deinen Verstand eindringen. Dann nur wird die sexuelle Anziehung allmählich nachlassen. Selbst auferlegte Bußen sollen helfen, sich lüsternen Gedanken hinzugeben. Verzichte auf das Abendessen, wenn du dich lüsternen Gedanken hingegeben hast. Mache zwanzig Japas (Mantrameditation) mehr auf der Mala (Gebetskette). Trage einen Lendenschurz oder ein Langoti (eine Art Tanga) um Buße zu tun. Betrachte eine Frau nicht mit lüsternem Auge. Wenn sie alt ist, betrachte sie als deine Mutter. Wenn sie jung ist, als deine Schwester. Und wenn sie sehr jung, als dein Kind. Du kannst das Gefühl entwickeln, das alle Frauen deine Mütter und Schwestern sind. Befolge eisern diese Praxis. Wenn du auf der Straße gehst, dann schaue nicht wie ein Affe hierhin und dorthin. Gehe in dich gekehrt mit würdigen Schritten durch die Straße, in der Haltung eines Guru. Dies wird es dir erleichtern, nicht gegen die Gebote des Brahmacharya zu verstoßen.

O Kind von unsterblichem Wesen! Du bist lange Zeit mit lüsternen Augen durch die Welt gegangen. Kultiviere dein Urteilsvermögen und lerne die Kunst der Unterscheidung. So gewinnst du ein großmütiges Sehvermögen. Dann wird dir die ganze Welt als eine Masse kristallisierten Glücks erscheinen. Dann wirst du kein Übel und keine Hässlichkeit finden. Es ist nicht zu leugnen, dass die Sinneslust die mächtigste Kraft ist, die man überwinden sollte. Äußerlich kannst du sagen: "Ich sehe die Frau als meine Mutter, ich betrachte sie als meine Schwester." Aber selbst wenn du dich bemühst, alle guten Vorsätze zu beachten, so spielt dir dein Geist doch immer wieder einen Streich. Es zieht ihn immer wieder in die falsche Richtung. Immer wieder schleichen sich sinnliche Wünsche und Gedanken in den Verstand. Sie sind fast ebenso schlimm wie die Tat. Solltest du einmal auf die Probe gestellt werden, dann wirst du vielleicht hoffnungslos versagen, da du keine Kontrolle über deine Sinne hast.

Es gibt nichts, was der Yogi nicht erreichen könnte, wenn er seinen Verstand kontrolliert. Je größer die Schwierigkeit, desto größer ist der Glanz des Erfolges. Versuche es immer wieder. Betrachte die Frau nicht als Sexualobjekt. Wenn du dazu nicht in der Lage bist, und die Frauen weiterhin mit lüsternem Blicken betrachtest, dann stelle dir in deiner Phantasie das Bild einer Leiche, eines Skeletts oder einer verrunzelten, kranken und alten Frau vor und behalte es solange in deinem Gedächtnis, bis du mit Ekel erfüllt bist. Dieses wird dir ermöglichen, deine Leidenschaften zu überwinden. Gleichzeitig nimm Zuflucht zu den Lotosfüßen der Göttin Devi, die alle anderen Göttinnen in sich vereint. Bete zu ihr und bitte sie um die Stärke, den Versuchungen der Leidenschaft zu widerstehen und sie zu besiegen. Durch eine aufmerksame und konstante spirituelle Praxis, wird es dir gelingen, allmählich Fortschritte zu erzielen.

Anmerkung des Übersetzers:

Die Betrachtung der Frau als Leiche oder Skelett, sowie als alte, verrunzelte und kranke Frau, geht vermutlich auf Buddha zurück. Buddha ersann insgesamt 40 Meditationsmethoden, wobei sich zehn Meditationsmethoden auf die Unreinheiten des Körpers bezogen. Detailliert kann man dies im Palikanon unter "Der Weg zur Erlösung" nachlesen.

Ende Anmerkung Übersetzer.



Die Ernährung spielt beim Brahmacharya eine wichtige Rolle. Eine reine und gesunde Ernährung hat einen reinen Geist zur Folge. Verschiedene Arten der Ernährung haben unterschiedliche Auswirkungen auf dem Verstand. Es gibt bestimmte Arten der Nahrung, die den Verstand und den Körper sehr stark machen. Darum ist es sehr wichtig, dass wir reine und natürliche Nahrung zu uns nehmen. Die Ernährung und das Brahmacharya stehen in sehr enger Verbindung. Schenkt man einer gesunden Ernährung die rechte Aufmerksamkeit, so kann dies das Zölibat erleichtern. Der Einfluss der Nahrungsmittel auf die Gehirnzellen, das Gefühl und die Leidenschaften ist bemerkenswert. Es gibt unterschiedliche Bereiche im Gehirn. Jede Nahrung erzeugt in jedem Bereich des Gehirns seine eigene Wirkung und einen Einfluss auf den gesamten Körper. Eine Praline hat eine aphrodisierende Wirkung. Sie stimuliert die Fortpflanzungsorgane. Knoblauch, Zwiebeln, Fleisch, Fisch, Eier und scharfe Gewürze regen ebenfalls die Leidenschaften an.

Es ist bezeichnend, wie ruhig und friedlich Elefanten und Kühe sind, die nur vom Gras leben. Tiger und andere fleischfressende Tiere sind dagegen sehr wild und unruhig. (Anmerkung des Übersetzers: Löwen und Tiger schlafen 16 bis 20 Stunden am Tag. Ende Anmerkung.) Dein Instinkt und deine innere Stimme werden dir helfen, die Nahrungsmittel auszuwählen, die für das Brahmacharya förderlich sind. Setzt man sich mit der gesunden Ernährung ein wenig auseinander, so weiß man nach einiger Zeit, welche Lebensmittel das Brahmacharya unterstützen und welche eher die Leidenschaften entfachen. Dabei kann man sich auch von erfahrenen Personen beraten lassen.



Cheru (gekochter weißer Reis mit Büffelbutter, Zucker und Milch), Havis Annam (gekochter weißer Reis nur mit Büffelbutter), Milch, Weizen, Gerste, Brot, Büffelbutter, Butter, getrockneter Ingwer, grüne Sojabohnen, Kartoffeln, Datteln, Bananen, Quark, Mandeln und Früchte sind gesunde Lebensmittel. Diese Lebensmittel sind für Yogaschüler sehr hilfreich. Milch ist eine vollkommene Nahrung. Sie enthält die unterschiedlichsten nahrhaften Bestandteile in sehr ausgewogenen Anteilen. Früchte sind sehr gute Energielieferanten. Bananen, Trauben, Orangen, Äpfel, Granatäpfel und Mangos sind gesund und nahrhaft. Trockene Früchte wie Trauben, Rosinen, Datteln und Feigen, süße frische Früchte wie Bananen, Mangos, Breiäpfel (Sapotilla-Äpfel oder Manilafrucht), Melonen, Zitronen (Limetten), Ananas, Äpfel, Holzäpfel (Wildäpfel, Stammform des Kulturapfels), süße Granatäpfel, Zucker und Süßigkeiten, Honig, Sago, Pfeilwurz (Mehl), Milch, Butter und Büffelbutter, zartes Kokosnusswasser, Kokosnuss, Mandeln, Pistazien, Erbsen, Hirse, Gerste, Mais, Weizen, Reis des roten Paddys (ungeschälter Reis), dessen Kleie nur teilweise entfernt wurde, gut riechender Reis mit süßem Geschmack, alle Zubereitungen von irgendwelchen Getreidekörnern (Müsli) und weißer Kürbis sind reine Lebensmittel, die dem Aufrechterhalten des Brahmacharya dienen.



Vor allem stark gewürzte Gerichte, wie heiße Currygerichte mit Gemüse, Fleisch und Reis, Chutney (eine würzige süß-saure Soße, häufig werden Mango, Tomaten oder Zwiebeln als Hauptzutaten verwendet), Paprika, Fleisch, Fisch, Eier, Tabak, Alkohol, saure Lebensmittel (Brathering, Mixed Pickles), Öle jeder Art, Knoblauch, Zwiebeln, bittere Lebensmittel, saurer Quark, veraltete Lebensmittel, Säuren (Essig, Zitronensaft), Schleimhäute zusammenziehende Lebensmittel (saure Früchtetees, Soda mit Zitronensaft), scharfe oder gebratene Lebensmittel, überreife und unausgereifte Früchte, schweres Gemüse und Salz sind für den Brahmachari nicht zu empfehlen. Zwiebeln und Knoblauch sind schlimmer als Fleisch. Salz ist der schlimmste Feind. Zu viel Salz regt die Leidenschaft an. Viele Lebensmittel enthalten Salz. Selbst wenn du keinen Salz nimmst, holt der Körper sich das notwendige Salz von anderen Lebensmitteln. Der Verzicht auf Salz hilft dir, deinen Gaumen zu kontrollieren. Dadurch kannst du auch besser deinen Verstand und deine Sinne kontrollieren.

Alle Arten Erbsen und Bohnen, frisch und gekocht, Urdbohne (Linsenbohne), Kichererbse, Pferdebohne (Ackerbohne), gekeimtes Getreide (Weizen, Dinkel, Karmut), Senf, alle Sorten Paprika, Asant (Gewürz, wegen seines Geruchs auch Teufelsdreck genannt), Linsen, Auberginen, Okra (Gemüse), Gurken, Malabar Spinat (Basellaceae, weiß und rot), Bambusspossen, Papaya (Melonen), Moringabaum, alle Arten von Kürbissen, auch weißer Kürbis und Schlangenkürbis, Rettich, Lauch, Pilze aller Arten, in Öl oder in Büffelbutter gebratene Lebensmittel, Essiggurken aller Art, gebratener Reis, Sesamsamen, Tee, Kaffee und Kakao sollten gemieden werden.Weiter sollten alle Arten von Gemüse, Blätter, Wurzeln, Früchte und Nahrungsmittel, die Blähungen oder Verdauungsbeschwerden, Leid, Schmerz, Verstopfung oder andere Krankheiten hervorrufen, vermieden werden. Ebenfalls abzuraten ist von Gebäckzutaten (Füllungen, Zuckergüssen, Desserts), von Nahrungsmitteln, die trocken und brennend, bitter, scharf, sauer, salzig, und heiß sind. Von Tabak sowie Nahrungsmitteln und Getränken, die Alkohol oder narkotische Drogen wie Opium oder Haschisch enthalten. Lebensmittel, die verjährt sind, die übermäßig der Kälte ausgesetzt waren, sowie aufgewärmte Speisen, die ihren natürlichen Geschmack und Geruch, ihre natürliche Farbe oder Form verloren haben, sollte man nicht essen. Essensreste, die bereits von anderen Personen, Tieren, Vögeln oder Insekten gegessen wurden, die staubig sind, die Haare, Stroh oder anderen Abfall enthalten, sowie die Milch des Büffels, der Ziege oder der Schafe sollten vermieden werden. Zitronesaft, Steinsalz, Ingwer und weißer Pfeffer sollte nur in Maßen benutzt werden.



Der Magen sollte zur Hälfte mit gesunden Lebensmitteln gefüllt werden. Ein Viertel sollte mit reinem Wasser gefüllt werden. Das letzte Viertel sollte frei bleiben. Brahmacharins sollten diese Regel streng beachten. Sie sollten besonders abends wenig Essen und den Magen nicht überlasten. Man bedenke, dass in den Klöstern bereits um 10.30 zu Mittag gegessen wird. Nach 12 Uhr mittags sollten die Mönche den ganzen Tag nichts mehr essen. Gegen 17 Uhr gibt es eventuell noch einen Saft zu trinken. Ein Vielfraß kann nur davon träumen, ein Brahmachari zu werden. Die Kontrolle des Gaumens ist eine notwendige Voraussetzung, die Sinneslust zu kontrollieren, wenn man das Gelübde des Brahmacharya beachten möchte. Zuerst muss der Gaumen kontrolliert werden. Dann wird es leicht, die Leidenschaft zu kontrollieren. Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Gaumen und den Geschlechtsorganen.

Der Gaumen ist das Organ des Wissens. Er wird getragen vom reinen Teil des Urelements Wassers. Das Zeugungsorgan dagegen ist ein Organ der Tätigkeit. Es wird getragen vom belebenden Teil des Urelements Wasser. Sie sind verschwisterte Organe, die derselben Quelle entspringen. Wenn der Gaumen mit anregender Nahrung stimuliert wird, werden auch die Geschlechtsorgane angeregt. Darum sollte bei der Ernährung eine bewusste Auswahl und Begrenzung getroffen werden. Die Nahrung eines Brahmachari sollte einfach, schonend, ungewürzt und nicht anregend sein. Das Maßhalten bei der Ernährung ist sehr wichtig. Den Magen zu überfüllen ist in hohem Grade gesundheitsschädlich. Besonders der Verzehr von Früchten ist sehr vorteilhaft. Man sollte nur Essen, wenn man wirklich Hunger hat. Der Magen neigt mitunter dazu, dich zu überlisten. Dann hast du das Gefühl, du hättest Hunger. Setzt du dich dann aber hin, um etwas zu essen, hast du keinen Appetit mehr. Das Fasten kann ein sehr nützlicher Helfer bei einer gesunden Ernährung und bei der Praktizierung von Brahmacharya sein. Du solltest das Fasten nicht ignorieren und dich einmal damit auseinander setzen.



Das Fasten kontrolliert die Leidenschaft. Es beseitigt die sexuelle Erregung, beruhigt die Emotionen und kontrolliert die Sinne. Leidenschaftliche junge Männer und Frauen sollten gelegentlich Zuflucht zum Fasten nehmen. Es erweist sich als sehr vorteilhaft. Das Fasten ist eine gute Bußübung. Es reinigt den Verstand und vernichtet sehr viele Sünden. Die Shastras, die heiligen Schriften, schreiben Chandrayana Vrata (Vrata = Gelübde), Krichara Vrata, Ekadasi Vrata und Pradosha Vrata für die Reinigung des Verstandes vor. Chandrayana Vrata ist eine Essensregel, die mit fünfzehn Bissen Nahrung am Tage des Vollmondes beginnt. Von da an soll das Essen tagtäglich bis zum Neumond um einen Bissen verringert, ab dem Neumond täglich wieder um einen Bissen vermehrt werden, bis die fünfzehn Bissen zum Vollmond wieder erreicht sind. Unter dem Ekadasi Vrata versteht man das Fasten am Ekadasi-Tag: Das ist der 11. Tag nach Vollmond und der 11. Tag nach Neumond. An diesen Tagen sollten man sich nur von Obst und Milch ernähren. Das Pradosha Vrata ist die Anrufung Shivas mit der Bitte um Erfolg in allen Unternehmungen und die Erfüllung aller Herzenswünsche, in der Abenddämmerung des 13. Tages jeder Mondhälfte. Auch am Pradosha-Tag sollte man fasten.

Das Fasten kontrolliert den Gaumen, den großen Feind der Enthaltsamkeit. Wenn du fastest, dann erlaube dem Verstand nicht, an köstliche Gerichte zu denken, weil du sonst keinen Erfolg beim Fasten haben wirst. Das Fasten regeneriert die Atemwege, den Kreislauf, das Verdauungssystem und die Harnwege. Es scheidet alle Verunreinigungen, Harnsäuren und Gifte des Körpers aus. So wie unreines Gold durch Schmelzen gereinigt wird, so wird der unreine Verstand durch Fasten gereinigt. Junge und robuste Brahmacharins sollten fasten, wenn sie von der Leidenschaft bedrängt werden. Du kannst während des Fastens sehr gut meditieren, da der Verstand ruhig und gelassen ist. Du solltest die Fastenperiode für eine konsequente Meditation nutzen, da die Sinne sehr ruhig sind. Du solltest alle Sinne zurückziehen und den Verstand auf Gott richten. Bete zu Gott und bitte ihn um seine Führung, dass er deinen Weg mit seinem Licht erleuchte. Bitte in Andacht: "O Gott! Mögest du mich erleuchten. Führe mich, schütze mich. Ich bin dein, mein Gott!“ Du wirst Reinheit, Licht, Stärke und Wissen erhalten. Das Fasten ist eine der 10 religiösen Vorschriften des Yoga. Vermeide übertriebenes Fasten. Es erzeugt Schwäche. Benutze deinen gesunden Menschenverstand. Die, die nicht in der Lage sind, einen ganzen Tag zu fasten, sollten neun oder zwölf Stunden lang fasten. Abends oder Nachts können sie dann Milch und Früchte zu sich nehmen.

Während des Fastens haben die Verdauungsorgane wie der Magen, die Leber und die Bauchspeicheldrüse Ruhe. Schlemmerer und unermüdliche Esser erlauben diesen Organen nicht, wenigstens einmal für ein paar Minuten zu ruhen. Folglich sind diese Organe häufiger krank. Diabetes (gestörte Insulinproduktion), Verdauungsstörungen und Hepatitis (Leberentzündungen) haben ihre Ursachen in der Überfettung. Neunzig Prozent aller Menschen essen mehr, als der Körper eigentlich braucht. Das Überessen ist zu ihrer Gewohnheit geworden. Das hat sehr viele Krankheiten zur Folge. Gelegentliches Fasten ist sehr sinnvoll, um eine gute Gesundheit zu erhalten, die inneren Organe zu entlasten und Brahmacharya zu praktizieren. Krankheiten, die von den Medizinern mitunter als unheilbar eingestuft wurden, wurden oft durch Fasten kuriert. Das Fasten erzeugt Willensenergie und Ausdauer. Manu, das hinduistische Gesetzbuch, betrachtet das Fasten als Hilfsmittel, um sich von den fünf Todsünden (Gier, Hass, Nichtwissen, Stolz und Neid) zu befreien.

Es ist besser, während des Fastens, entsprechend der Temperatur und Neigung, eine große Menge kaltes oder lauwarmes Wasser zu trinken. Es spült die Nieren, entfernt das Gift und alle Verunreinigungen des Körpers. Du kannst dem Wasser auch einen halben Teelöffel Backpulver (Natron, Soda Bicarbonat) hinzufügen. Natron wirkt entgiftend. Die, die zwei oder drei Tage fasten, sollten ihr Fasten nicht durch eine feste Nahrung unterbrechen. Sie sollten einen Fruchtsaft nehmen, entweder Orangensaft oder Granatapfelsaft. Sie sollten den Saft in kleinen Schlücken trinken. Das Reinigen des Darmes bringt alle Giftstoffe, die sich seit Jahren im Darm abgelagert haben, nach außen. Ein reiner Darm nimmt dann die Vitamine und Mineralien wesentlich besser auf. Beginne am Anfang an einem Tag zu fasten. Dann erhöhe langsam die Anzahl der Tage, entsprechend deiner inneren Stärke. Es kann sein, dass du am Anfang eine leichte Schwäche fühlst. Der erste Tag kann sehr ermüdend sein. Am zweiten oder dritten Tag fühlst du dich sehr glücklich. Der Körper fühlt sich sehr leicht an.

Während des Fastens fällt das geistige Arbeiten dir leichter. Die, die häufiger fasten, haben ihre Freude daran. Am ersten Tag möchte der Verstand dich auf vielfältige Art verleiten, etwas zu essen. Bleibe standhaft und trotze der Versuchung. Praktiziere während des Fastens mehr Japa (Mantrameditation) mit dem Gayatri-Mantra oder einem anderen Mantra. Fasten ist eher ein geistiges als ein körperliches Handeln. Du solltest das Fasten für höhere spirituelle Zwecke nutzen. Richte deine Gedanken auf Gott und denke über den Sinn des Lebens nach. Stelle dir die Fragen "Wer bin ich?" und "Was ist Atman (Seele) oder Brahman (Gott)?" Was sind die Mittel und Wege, um Gott zu erreichen? Seid ohne Furcht und Sorgen und ruht in der Reinheit für immer und ewig. Meine lieben Brüder! Haben dich diese Zeilen zum Fasten ermutigt? Dann beginne sofort damit. Friede euch allen!



Viele junge Männer sind mit feuchten Träumen (nächtliche Orgasmen, Pollutionen) und unfreiwilligem Samenverlust ohne Orgasmus (Spermatorrhoe) konfrontiert. Zu Spermatorrhoe kommt es bei Menschen, die statt natürlicher Nahrung Nüsse, Cerealien (Müsli, Frucht- und Müsliriegel, Extrudaten (Snack- oder Frühstückserzeugnisse aus Maisgrieß, Maismehl, Reis-, Hafer-, Hirse-, Roggen-, Weizenmehl und Kartoffelstärke, z.B. Erdnussflips, Kleieflips), Loops, Crisps und Cornflakes), Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Salz, Tee, Kaffee und alkoholische Getränke zu sich nehmen und die rauchen. Die erste Wirkung dieser Reizmittel besteht darin, dass der Mann seine Geschlechtskraft überschätzt, da er aufgeputscht ist. Das führt zu übertriebenem Sexualverkehr oder zu Masturbation (Selbstbefriedigung), mit dem Ergebnis, dass die Organe geschwächt werden. Anfangs treten Pollutionen durch wollüstige Träume und Erektionen auf; doch mit der fortschreitenden Schwächung kommt es auch beim Urinieren und beim Stuhlgang zur ungewollten Samenabgabe. Infolge der unnatürlichen Reiznahrung hat sich Spermatorrhoe entwickelt. Aus all dem ist zu ersehen, wie wichtig eine natürliche Ernährung für das Geschlechtsleben des Mannes ist.

Die Spermatorrhoe, diese entsetzliche Krankheit, hat viele brillante Jugendliche unglücklich gemacht, die einst gute Schüler waren und denen sonst eine glänzende akademische Laufbahn bevorgestanden hätte. Diese schreckliche Krankheit hat vielen Schülern und auch Erwachsenen die Vitalität geraubt, sie ausgelaugt und sie körperlich, moralisch und geistig zu Grunde gerichtet. Sie hat das Wachstum vieler junger Leute gehemmt und sie zu unwissenden und lasterhaften Menschen werden lassen. Diese bemitleidenswerte Krankheit hat die Hoffnungen vieler junger Männer vereitelt und Verzweiflung, Trübsinn, eine zerrüttete Gesundheit und eine ruinierte seelische Verfassung hinterlassen. Ich erhalte zahlreiche Briefe mit mitleiderregenden Geschichten von ausschweifenden und verlorenen Jugendlichen. Die kulturelle Entwicklung besteht in der Zunahme von billiger pornographischer und erotischer Literatur und von obszönen Filmen, die zum seelischen und gesundheitlichen Ruin der fehlgeleiteten Jugend beitragen. Der Verlust der lebenswichtigen Energie erzeugt große Angst. Der Körper wird schwach, das Gedächtnis lässt nach, das Gesicht verliert an Ausstrahlung und der junge Mann ist irgendwann nicht mehr in der Lage, seinen bemitleidenswerten Zustand zu beenden. Aber es gibt keinen Anlass zum Verzweifeln. Wenn du die Tipps der folgenden Seiten beachtest, entwickelst du eine vernünftige Haltung zum Leben, führst ein diszipliniertes, spirituelles Leben und erreichst schließlich höchstes Glück.



Spermatorrhoe ist eine ungewollte Samenabgabe. Der Patient führt den Samen zusammen mit dem Urin während der Harnentleerung ab. Wenn es gelegentlich zu einer ungewollten Samenabgabe kommt, dann brauchst man nicht weiter beunruhigt zu sein. Die ungewollte Samenabgabe kann auf eine erhöhte Körperwärme, auf den Druck der gefüllten Därme oder auf eine gefüllte Blase zurück zu führen sein, die auf die Prostata bzw. auf die Samenbläschen drückt. Dieses sind keine krankhaften Zustände. Nächtliche Orgasmen, Pollutionen und feuchte Träume sind synonyme Bezeichnungen. In einigen Fällen findet auch tagsüber ein Samenerguss statt. Ein Orgasmus kann auch in körperlichen Extremsituationen auftreten, verursacht etwa durch exzessives Beten oder Hungern, extreme körperliche Betätigung (Leistungssport), bei körperlichen Schmerzen (auch außerhalb sexuell betonter Sado/Maso-Praktiken), in massiven Angst- oder Bedrohungssituation, oder durch Gewalterlebnisse bei Opfern oder Tätern. Der Orgasmus könnte hierbei die Funktion haben, eine Überreizung des Nervensystems vorzubeugen und emotional aus der überfordernden Situation auszusteigen (Orgasmus).

Es gibt zwei Arten von Pollutionen, nämlich normale und krankhafte. Bei der normalen Pollution findet eine Auffrischung statt. Du solltest über diesen Vorgang nicht weiter besorgt sein, wenn die Samenentleerung nur gelegentlich geschieht. Dies ist ein geringfügiger periodischer Abfluss des Samens, um die Vorratsspeicher, in der das Ejakulat aufbewahrt wird, zu reinigen und vor dem Überlauf zu schützen. Wegen dieses Vorganges braucht man kein schlechtes Gewissen zu haben. Möglicherweise bemerkt man den nächtlichen Orgasmus, der ja im Schlaf geschieht, nicht einmal. Bei krankhaften Pollutionen allerdings, wird der Samenerguss von sexuellen Gedanken begleitet. Depressionen sind die Folge. Es stellen sich Reizbarkeit, Trägheit, Faulheit, und die Unfähigkeit zu arbeiten und sich zu konzentrieren, ein. Gelegentliche Pollutionen dieser Art sind ohne Konsequenz. Aber häufige Pollutionen dieser Art verursachen Depressionen, Erschöpfung, Verdauungsstörungen, Niedergeschlagenheit, Vergesslichkeit, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Augenbrennen, Schläfrigkeit und ein brennenden Empfinden beim Harnlassen und beim Samenfluss. Der Samen wird außerdem dünnflüssig.



Feuchte Träume und ungewollter Samenverlust können die verschiedensten Ursachen haben: Verstopfung, ein überfüllter Magen, Lebensmittel, die zu stark reizen (scharfe Gewürze) oder Gase erzeugen, unreine Gedanken und häufige Selbstbefriedigung aus Unwissenheit und Gewohnheit. Samenverlust, nächtliche Orgasmen, wollüstige Träume und alle anderen Auswirkungen eines unsittlichen Lebenswandels, führen zum Unglücklichsein, wenn sie nicht durch eine verantwortungsbewusste Medizin erkannt wird. Aber die Medizin kann dem Patienten keine dauerhafte Heilung bescheren. Ein Patient kann eine vorübergehende Erleichterung erfahren, wenn er eine Medizin nimmt. Selbst westliche Ärzte sagen, dass solch eine Medizin keine dauerhafte Heilung bewirken kann. Von dem Moment an, wo die Medizin wieder abgesetzt wird, treten die alten Leiden wieder auf.

In einigen Fällen wird der Patient durch den Gebrauch von Medikamenten sogar impotent. Die einzig erfolgversprechende und dauerhafte Heilung kann nur durch Yoga erreicht werden. Nasti Yogat Param Balam (Keine Kraft ist größer als Yoga.) Die unterschiedlichen Methoden, die in diesem Buch beschrieben werden, führen zum Erfolg, wenn du sie regelmäßig praktizierst. Lass dich nicht durch die bombastischen Anzeigen beirren, die von den Wunderdoktoren und Scharlatanen veröffentlicht werden. Führe ein einfaches natürliches Leben. Und bald wird es dir wieder gut gehen. Gib dein Geld nicht für sogenannte Wundermedizin oder irgendwelche Besonderheiten aus. Sie sind wertlos. Die Wunderdoktoren versuchen nur die Leichtgläubigen und Unwissenden auszunutzen. Gehe nicht zu solchen Ärzten. Trachte danach, dein eigener Arzt zu sein. Bemühe dich darum, die Naturgesetze, die Grundregeln der Hygiene und Gesundheit zu verstehen. Verstoße nicht gegen die Gesetze der Gesundheit.



Vermeide alle Arten von Selbstbefriedigung. Sie berauben dich deiner lebenswichtigen Energien. Hinterher fühlst du dich wie ein toter Mann oder wie ein ausgepresstes Zuckerrohr. Der Samen ist in der Tat ein unbezahlbarer Schatz. Vergeude ihn nicht für eine momentare Erregung und Sinneslust.Beende sofort diese schlechten Gewohnheiten. Du wirst dich sonst nur selber ruinieren, wenn du diese Praxis weiter fortsetzt. Öffne deine Augen. Wache auf. Werde weise. Meide schlechte Gesellschaft und lerne tugendhaft zu sein. Bis heute warst du blind und unwissend, in der Dunkelheit gefangen. Du hattest keine Ahnung von den unheilvollen Auswirkungen der Masturbation (masturbieren = selbstbefriedigen). Du verlierst dein Sehvermögen. Deine Sehkraft wird getrübt. Du bekommst zerrüttete Nerven. Richte deine Aufmerksamkeit nicht immer wieder auf die Sexualorgane. Berühre sie nicht immer wieder mit den Händen. Dieses wird nur immer wieder deine Leidenschaften erwecken. Hast du eine Erektion, dann praktiziere Mula Bandha (Zusammenziehen des Schließmuskels) und Uddiyana Bandha (Bauchverschluss).

Unter Mula Bandha versteht man das Zusammenziehen der Anusschließmuskeln. Es zieht das Prana nach oben und öffnet den Sushumna, den feinstoffliches Energiekanal in der Wirbelsäule. Uddiyana Bandha besteht aus einem Einsaugen des unteren Bauchs. Dazu atme vollständig aus und presse auch das letzte bisschen Luft aus deinen Lungen. Nun stütze deine Hände auf deine leicht gebeugten Knie, die Arme sind gerade und ziehe den Unterbauch mehrmals ein. Uddhiyana Bandha hilft, das Prana in die Sushumna zu bringen und das Prana in der Sushumna über das Manipura Chakra (Solarplexus, Sonnengeflecht, Sitz der Emotionen) hinaus nach oben fließen zu lassen. Wiederhole mehrmals aufmerksam das Mantra "OM". Denke an die Reinheit. Mache zwanzig Atemübungen. Und die lüsterne Wolke wird sich bald verzogen haben. Sexuelle Ausschweifungen und Zornesausbrüche sind eng miteinander verwandt. Beendet man die sexuellen Ausschweifungen, dann legen sich allmählich auch die Wutausbrüche. Ist der Verstand ruhig und ausgeglichen, dann hast du eine wundervolle Gesundheit, Kraft und Potenz. Durch den Zorn wird die Energie nur unnötig verbraucht und die Zellen und das Gewebe mit krankhaften Giftstoffen belastet. Das wird verschiedene Arten von Unpässlichkeiten zur Folge haben. Das Blut wird heiß und dünnflüssig. Das kann nächtliche Pollutionen zur Folge haben. Verschiedene Arten von nervösen Krankheiten sind auf den Verlust der Samenenergie zurückzuführen. Es ist häufig die Ursache von Wut und Zorn.



Die meisten Krankheiten haben ihren Ursprung in der Völlerei. Darum achte auf eine maßvolle Ernährung. Vermeide vor allem späte Abendessen. Die Abendmahlzeit sollte leicht verdaulich sein und zwischen 18 und 19 Uhr eingenommen werden. Wenn möglich, nimm Abends nur Milch und Früchte zu dir. Nach dem Sonnenuntergang sollte man möglichst keine feste oder flüssige Nahrung mehr zu sich nehmen. Wenn du Milch trinkst, mische etwas Ingwer (Gewürz) unter. Oder koche etwas frisch zerdrücktes Ingwer mit Milch, bevor du sie trinkst. Iss möglichst kein Chutney (eine würzige süß-saure Soße), kein Knoblauch, keine Zwiebel und keine scharfen Gewürze. Heißer Curry, Chili (scharfe Paprika) und Chutney machen den Samen wässrig und führen häufig zu feuchten Träumen. Iss milde, beruhigende, nichtreizende, einfache Nahrung. Gib das Rauchen und den Alkohol auf. Trink weder schwarzen Tee noch Kaffee. Iss weder Fleisch noch Fisch. Hast du nachts den Drang zur Harnentleerung, dann stehe sofort auf, um die Blase zu leeren. Eine gefüllte Blase kann eine Ursache für feuchte Träume sein. Darum sollte man, bevor man zu Bett geht, die Blase entleeren. Bei einer Verstopfung und gefüllten Därmen, findet ein Druck auf die Samenbläschen statt, die sich zwischen der Blase und dem Darm befinden und in denen sich etwa 45 bis 80 % des Ejakulats befindet. Dadurch kann es zu einer Pollution kommen.

Einer Verstopfung kann mit einer Darmspülung am wirkungsvollsten begegnet werden. Der Gebrauch von Abführmitteln ist bei einer Verstopfung nicht zu empfehlen, da es Hitze im Körper erzeugt. Hitze begünstigt ebenfalls Pollutionen. Darum ignoriere nicht das Drängen der Natur, wenn der Körper sich entleeren möchte. Sind Würmer im Darm, dann entferne sie durch eine Wurmkur, einem Abführmittel oder durch Rizinusöl. Dies hält die Därme gesund. Manchmal geschehen Pollutionen auch durch einen überfluss an Wärme im Körper. Dieses kann durch langes Gehen oder Reisen geschehen, durch das Essen großer Mengen Konfekts oder durch den Genuss von Chili und Salz. Verzichte auf Tee, Kaffee, Chili und nimm nur wenig Bonbons und Zucker zu dir. Vermeide leckere Gerichte, Soßen, Käsetörtchen, kleine Toasts oder kleine Pastetchen (die besonders in Großbritannien und den USA als Vorspeise oder als Ende einer Hauptmahlzeit statt der sonst üblichen Käseplatte gereicht werden) und Gebäck. Faste gelegentlich, sagen wir einmal wöchentlich. Trinke am Fastentag nicht einmal Wasser. Und fahre nicht zu viel Fahrrad. Kaue häufig Stücke der gelben Arura (Terminalia chebula, Myrobalanenbaum). Kommt es nachts häufiger zu Pollutionen, dann solltest du zwei zerdrückte Campfer (Campherbaum, auch Campherlorbeer genannt, Cinnamomum camphora, die Früchte sind erbsengross, oval und schwarz) in einer Schale Milch auflösen und sie nachts gelegentlich nehmen. Trink davon die eine Hälfte in der Nacht und die andere Hälfte am frühen Morgen.



Nächtliche Pollutionen treten im Allgemeinen im vierten Viertel der Nacht auf. Die, die es gewohnt sind, zwischen 3 und 4 Uhr morgens aufzustehen, und die, die ihren Tag mit Japa (Mantrameditation) und Meditation beginnen, können daher kein Opfer von nächtlichen Pollutionen werden. Mache es dir zur Angewohnheit, jeden Morgen um 4 Uhr aufzustehen. Schlafe möglichst auf einer rauhen Unterlage. Benutze am besten rauhe Matten. Schlafe auf der linken Seite. Erlaube dem Sonnen-Nadi, Pingala, während der Nacht durch das rechte Nasenloch zu atmen. In medizinisch bedingten Fällen, schlafe bis zur Genesung auf dem Rücken. Es gibt auf jeder Seite der Wirbelsäule einen Energiekanal. Der linke wird als Ida bezeichnet und der rechte als Pingala. Diese sind zwei der drei wichtigsten Energiekanäle (Nadis), subtile Kanäle, die das Prana (Lebensenergie) leiten. Im Ida Nadi bewegt sich die Mondenergie, im Pingala Nadi die Sonnenenergie. Ida (Mondenergie) ist kühlend, Pingala (Sonnenenergie) ist erhitzend. Ida fließt durch das linke Nasenloch und Pingala durch das rechte Nasenloch. Der Mond (Ida, links) hat die Natur des Tamas (Trägheit oder Faulheit) und die Sonne (Pingala, rechts) die Natur von Rajas (Leidenschaft oder Aktivität). Gift hat Eigenschaften der Sonne und Nektar solche des Mondes.

Der Atem fließt 1-2 Stunden lang überwiegend durch das rechte Nasenloch. Dann ist Pingala Nadi (Sonne, Leidenschaft) aktiv. Anschließend fließt der Atem 1-2 Stunden lang überwiegend durch das linke Nasenloch. Dann ist Ida Nadi (Mond, Trägheit) aktiv. Man ist emsig mit weltlichen Dingen beschäftigt, wenn das Prana durch Ida und Pingala fließt. Wenn die Sushumna (Zentralkanal in der Wirbelsäule) aktiv wird, ist man wie tot für die Welt und tritt in Samadhi (Überbewußtsein) ein. Ein Yogi gibt sein Bestes, um das Prana in der Sushumna, die auch als das zentrale Brahman Nadi bekannt ist, zum Fließen zu bringen. Bist du verheiratetet, dann schlafe in einem getrennten Raum. Du solltest deiner Frau niemals erlauben, nachts deine Beine zu massieren. Das wäre eine unvorsichtige Praxis. Um den Samen zu schützen, ist es unerlässlich, die Geschlechtsteile nachts zu bekleiden. So vermeidet man nächtliche Samenergüsse und den Wachstum der Hoden. Darum trage immer ein Langoti (eine Art Tanga) oder ein Kaupin (Lendenschurz). So bekommst du keine Blasenentzündung oder eine Hodenerkrankung. Dies hilft dir, das Brahmacharya aufrecht zu erhalten. Lege dich mit einem nassen Lendenschurz ins Bett, wenn die Krankheit sehr unangenehm ist. Die Feuchtigkeit saugt die Gifte aus dem Körper.Es ist für den Brahmachari sinnvoll, hölzerne Sandalen zu tragen. Dadurch wird der Samen konserviert, das Sehvermögen gefördert, das Leben verlängert und die Heiligkeit und der Glanz werden erhöht.



Sobald du morgens aufgestanden bist, praktiziere für eine oder zwei Stunden Japa (Mantrameditation) und Meditation. Mache dies auch, bevor du um 22 Uhr Abends schlafen gehst. Dies ist eine gute Reinigungsübung. Dieses wird den Verstand und die Nerven stärken. Es bewirkt die beste Heilung. Wiederhole das Mantra: "Punarmamaitu Indriyam" (Stelle meine verlorene Stärke wieder her.). Bete am frühen Morgen vor Sonnenaufgang zur Sonne: "Oh Gott, Suryanarayana, Auge der Welt, Auge der universellen Seele, gib mir Gesundheit, Stärke, Kraft und Lebensenergie." Wiederhole diese Mantras und Anrufungen der Sonne bei Sonnenaufgang früh am Morgen. Du wirst gesund, stark und vital sein und sehr gut sehen.

Gebet zu Gott

Oh anbetungswürdiger, mitleidiger Gott. Gegrüßt seist Du. Gib’ mir innere Kraft, Versuchungen zu widerstehen. Lass dieses Ego, das härter ist als Granit oder Diamanten, schmelzen und in Dir aufgehen. Lass mich immer Dein auserwählter Spielgefährte sein in Deinem wundervollen Spiel des Universums. Lass mich Dein geheimnisvolles Spiel verstehen. Mache mich immer zu einem Kanal Deiner Liebe zu allen Deinen Kindern. Benutze meinen Körper, meine Sinne und meinen Geist als Instrumente für Dein ungehindertes Spiel. Oh heimliche Liebe! Oh unvergängliche Schönheit! Lass meine Seele friedvoll in Dir ruhen in alle Ewigkeit.

Oh Licht der Lichter! Oh Strahlender! Ich lebe für Dich. Ich sehe Dich im Lächeln der Kinder, in den Tränen der Betrübten, in meinen Gedanken und Gefühlen, im Morgentau des Himalaya und in den Strahlen der Sonne. Mein Zimmer ist erfüllt von Deiner süßen Gegenwart. Ich nehme Deine gütige Gnade mit meiner täglichen Nahrung zu mir. Ich koste Deine strahlende Liebe mit meinen täglichen Getränken. Du bist ein Ozean voll Liebe und Mitleid. Lass meine Liebe zu Dir eine stürmische Flamme werden. Nimm jedes Übel von mir. Erfülle mein Herz mit Reinheit, Güte, Liebe und höchsten Tugenden. Mache mich unsterblich.

Oh Gott! Enthülle mir Deine bezaubernde Form. Lass mich Deine lebendige Gegenwart spüren. Erfülle mein Herz mit Liebe. Lass mich in Dir aufgehen. Lass mich auf dem Pfad der Rechtschaffenheit wandeln. Reinige meinen Geist von allen schlechten Gedanken. Hilf mir, meinen Geist auf Deine Lotusfüße zu richten. Umarme mich und mache mich rein. Lehre mich, in die Stille zu gehen und Deine Herrlichkeit zu genießen. Erleuchte meinen Geist mit dem Licht wahrer Erkenntnis. Bringe mein versteinertes Herz zum Schmelzen und lasse es Dir zufließen.



Bei schwereren Erkrankungen dauert die Heilung mindestens einen bis sechs Monate, entsprechend der schwere der Krankheit. Ist die Krankheit langjährig, kann die Heilung länger dauern. Die Natur arbeitet langsam, aber sicher. Wann immer du durch sinnliche Gedanken verfolgt wirst, solltest du versuchen, sie durch heilige Gedanken zu ersetzen. Beachte die Krankheit einfach nicht. Ignoriere sie. Leugne sie. Denke und meditiere über das reine Selbst. Suche dir eine Beschäftigung, die dich ausfüllt. Gib dem Verstand keine Gelegenheit, sich mit der Krankheit zu beschäftigen. So sollte man alle Krankheiten behandeln. Singe Gottes Namen auf verschiedene Art und Weise oder lies ein wenig in den heiligen Schriften. Hilf selbstlos anderen Menschen. Jogge in der frischen Luft. Schwimme im See. Schreibe dein persönliches Mantra eine Stunde lang in dein Notizbuch.

Reinige deinen Verstand, indem du Hingabe zu Gott kultivierst. Praktiziere Japa und meditiere. Lies religiöse Bücher. Bete zu Gott und beachte das Brahmacharya. Halte dich nicht unnötigerweise mit Frauen auf. Sieh' in allen Frauen die heilige Mutter. Richte deine Aufmerksamkeit auf das Selbst: "Ich bin Dein, mein Herr. Alles ist Dein. Dein Wille geschehe." Vermeide Kinos, Romane, Zeitungen, schlechte Gesellschaft, oberflächliche Gespräche. Sei nicht eitel und schaue nicht unentwegt in den Spiegel. Benutze keine Parfüms und verzichte auf extravagante Mode. Vermeide Tanz- und Musikveranstaltungen. Schaue keinen Tieren bei der Paarung zu. Vermeide Faulheit, Trägheit und Bequemlichkeit. Überwinde die Denkfaulheit und beschäftige den Verstand mit nützlicher Arbeit. Halte den Verstand mit den großen Geheimnisse des Brahmacharya beschäftigt. Führe ein diszipliniertes Leben und denke nicht zu viel über deine Krankheit nach. Dann wird sie bald verschwinden. Wenn sich schlechte Gedanken einschleichen, dann wiederhole den Namen Gottes und bete zu ihm. Schließlich ist die Gnade Gottes, seine helfende Hand, die sicherste Heilung von allen Krankheiten. Vertraue auf Gott. Ergebe dich in Liebe der Reinheit und Frömmigkeit. Pflege erhabene Gedanken und lies in den heiligen Schriften. Und nichts wird dir Kummer bereiten.

Bald wird deine Krankheit verschwunden sein. Sei darum nicht ängstlich, besorgt und deprimiert. Deprimierende Gedanken sind gefährlich. Die Sorge belastet dich nur noch mehr. Brüte nicht zu sehr über Vergangenes. Ändere deinen Blickwinkel. Meditiere über die Vorteile des Zölibats. Denke über das Leben der Akhanda Brahmacharins, wie Hanuman, Bhishma und anderer nach, die während einer Periode von zwölf Jahren nicht einen Tropfen Samen vergeudet haben. Denke über die Nachteile eines sinnlichen Lebens nach, an den Verlust der Gesundheit, das Schamgefühl, die Krankheiten und den frühen Tod. Entwickle Unterscheidungsvermögen. Du bist ein Kind Gottes im Universum. Das Glück ist in dir. Es gibt in Wahrheit kein Körnchen Vergnügen in sinnlichen Objekten. Identifiziere dich nicht mit deinem Körper, identifiziere dich mit Gott. Wenn dein Verstand rein und gesund ist, wird auch dein Körper rein und gesund sein. Darum vergiss die Vergangenheit und nimm Zuflucht zu einem neuem Leben der Keuschheit und der Spiritualität, der Liebe zu Gott und dem Streben nach einem göttlichen Leben. Lerne Geschmack am göttlichen Leben zu finden. Intensiviere deine spirituelle Praxis. Und du wirst zu einem vollständig geänderten und gesegneten Menschen.



Du wirst beim Brahmacharya keinen Erfolg haben, wenn du nicht die Rahmenbedingungen beachtest. Du solltest auf deine Ernährung und die Gesellschaft achten, in der du verkehrst. Eine schlechte Gesellschaft verseucht den Verstand mit unreinen Gedanken. Entferne dich schleunigst von diesen weltlich gesinnten Menschen. Entferne dich aus der hektischen Stadt, aus der aufgeregten Welt. Die, die immer nur über weltliche Angelegenheiten reden, werden dich sonst verunreinigen. Dein Verstand wird zaudern und zu wandern beginnen. Lies keine erotischen Geschichten oder Romane. Besuche kein Kino und kein Theater. Pflege keinen Umgang mit falschen Freunden. Was du benötigst, ist eine komplette Veränderung deines Blickwinkels, deiner Einstellung gegenüber dem anderen Geschlecht. Erblicke in jeder Frau die göttliche Mutter und betrachte jede Frau als deine eigene Mutter.



Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen der sexuellen Selbstkontrolle und der Kontrolle des Gaumens. Derjenige, der den Gaumen kontrolliert, hat damit bereits alle anderen Sinne kontrolliert. Köstliche und belebende Nahrung regt die Zeugungsorgane an. Verzichte auf Fleisch, Fisch, Kaffee, schwarzem Tee, Alkohol und auf das Rauchen. Fleisch kann aus dir einen Wissenschaftler, aber keinen Philosophen, keinen Weisen, machen. Fleisch regt die Leidenschaften an. Salz und Tamarinde (auch indische Dattel oder Sauerdattel genannt, erinnert an Zitronensaft) sollte man möglichst meiden. Salz erregt die Leidenschaften, die Sinne und die Emotionen. Der Verzicht auf Salz beruhigt den Verstand und die Nerven. Dies hilft bei der Meditation. Zu Beginn wird dir der Verzicht auf Salz vielleicht noch schwer fallen. Später solltest die vollkommen salzlos leben. Probiere es einmal sechs Monate lang. So wirst du die wahre Natur des Seins schnell verwirklichen. Alles, was von dir erwartet wird, ist das aufrichtige und ernsthafte Bemühen. Möge Sri Krishna dir Mut und Kraft geben, den spirituellen Weg zu beschreiten, um das Ziel des Lebens zu erreichen! Überlaste deinen Magen nachts nicht. Das Abendessen sollte sehr leicht sein. Ein halber Liter Milch und einige Früchte sind ein gutes Abendessen. Für das Brahmacharya und zur Kontrolle des Gaumens, nimm morgens einige Basilikum-Blätter und abends einige Blätter des Niembaums. Beginne mit einem Blatt und erhöhe sie bis auf zehn. Nimm jeden Tag eins mehr. Nimm einige Monate lang jeden Tag 10 Blätter. Dann kannst du es auf zwanzig Blätter am Tag erhöhen. Das ist sehr gut.



Obszöne Bilder, vulgäre Worte und erotische Literatur, regen die Leidenschaften an und erwecken niedrige, unerwünschte Empfindungen. Dagegen erzeugt der Anblick eines Bildes von Krishna, Rama oder Jesus und das Hören eines erhabenen Liedes von Surdas (indischer Poet und Musiker, 1479 - 1581), Tulasidas (indischer Heiliger und Dichter, 1532-1623) und Thyagaraja (indischer Musiker, 1767 - 1847) edle Gefühle und aufrichtige Hingabe im Herzen, göttliche Wonneschauer, Freudentränen und Gottesliebe und erhebt den Geist augenblicklich zur Vereinigung mit Gott. Erkennst du den Unterschied? In welchem Zustand bist du, wenn du an einem Ballspiel oder an einer Tanzparty teilnimmst oder wenn du einen Kriminalroman liest? In was für einen Geisteszustand bist du dagegen, wenn du an einem Treffen mit Swami Jayendrapuriji Maharaj von Benares teilnimmst, wenn du bei Rishikesh an den Sandbänken des Ganges an einem abgelegenen Platz bist, oder wenn du die, die Seele beflügelnden, klassischen Upanishaden studierst? Erkenne den Gegensatz in deinem geistigen Zustand.

Erinnere dich daran, mein Freund, dass es nichts gibt, was die Seele so sehr verdirbt, wie eine schlechte Gesellschaft. Yogis sollten schlechte Gesellschaft unbedingt meiden. Sie sollten nicht den Geschichten über die Frauen, über den luxuriösen Lebenswandel der Reichen, über scharfe Gerichte, Autos, Politik, seidene Kleidung, Blumen, Parfüms usw. zuhören, weil der Verstand sonst in die falsche Richtung gelenkt wird. Er fängt sonst an, die Weisen der reichen Leute nachzuahmen. Wünsche und Erwartungen werden geweckt. Das Kino erweckt falsche Hoffnungen. Am liebsten möchtest du jeden Tag ins Kino gehen. Deine Augen möchten halbnackte Frauen und viele bunte Farben sehen, und deine Ohren möchten sich an der Musik berauschen. In jungen Mädchen und Jungen wird die Leidenschaft geweckt, wenn die Schauspieler in den Filmen sich umarmen und küssen. Die, die sich spirituell entwickeln möchten, sollten das Kino meiden. Sie sollten selbst die sogenannten religiösen Filme nicht ansehen. Sie sind nicht wirklich religiös. Es ist ein Trick, um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Welches spirituelle Format besitzen die Schauspieler? Nur spirituelle Menschen können eindrucksvolle Geschichten mit einer guten Moral darstellen, die den Geist der Zuschauer inspiriert.

Du solltest nicht mehr zu diesen aufregenden Filmen gehen, wenn du es dir zur Gewohnheit gemacht hast. Meide diese ordinären, sinnlichen Szenen, wo immer sie auch zu sehen sind. Vermeide es, Bilder von nackten Frauen zu betrachten. Dieses weckt nur die Leidenschaften und führt zum Verlust des Samens. Das solltest du unbedingt vermeiden. Das Lesen von erotischen Romanen ist eine andere schlechte Angewohnheit. Die, die gerne erotische Romane lesen, verbringen jede freie Minute damit. Sie wollen ihre Nerven mit diesem sensationell prickelndem Gefühl erfreuen. Das Lesen erotischer Romane füllt den Geist mit niedrigen, lüsternen Gedanken und erweckt die Leidenschaft. Es ist ein großer Feind des Friedens. Viele Leute betreiben Wanderbüchereien, um Romane gegen ein kleines Entgeld zu verleihen. Sie wissen gar nicht, wie viel Schaden sie dem Land zufügen. Es wäre besser, sie würden ihren Lebensunterhalt auf andere Weise verdienen. Sie verderben die Moral der jungen Leute, durch die Verteilung dieser wertlosen Romane, die nur die Leidenschaften anregen. Die ganze Atmosphäre dieser Romane ist verunreinigend. Strenge Bestrafung erwartet sie im Yama Loka, dem Königreich des Todes, aus welchem sie wiedergeboren werden.

Lies keine erotischen Romane. Sie verderben den Charakter. Erotische Romane sind die Ketten der westlichen Zivilisation, die ihre ahnungslosen Opfer in den glitzernden Fesseln der Leidenschaft gefangen hält. Lies nicht jene Zeitschriften, die die niederen Instinkte anregen. Auch unmoralische Lieder hinterlassen einen negativen Eindruck. Begib dich nicht an Orte, an denen solche Lieder gesungen werden. Bemühe dich, dich von Orten fern zu halten, die die sexuellen Wünsche anregen. Lass deine Phantasie nicht durch erotische Romane, lüsterne Gespräche oder durch eine schlechte Gesellschaft verunreinigen. Verkehre nicht mit denen, die deinen Geist mit erotischen Irritationen vergiften. Pflege Umgang mit spirituell fortgeschrittenen Menschen und lies nur Bücher, die deinen spirituellen Fortschritt begünstigen. Stellt sich die Sinneslust ein, dann versuche nicht, sie nieder zu ringen. Das beste ist, sie einfach zu ignorieren. Das muss man natürlich erst einmal lernen. Wirst du aber von der Leidenschaft bedrängt und beherrscht du diese Technik noch nicht, dann hole dir bei jemandem Hilfe, der diese Technik beherrscht. Gehst du in die Einsamkeit, dann wird der Verstand dich quälen und dich mit sinnlichen Gedanken nieder werfen. Du wirst dein Gleichgewicht verlieren. Sei vorsichtig. Die sinnlichen Gedanken werden aber mit ein wenig Wachsamkeit von dir weichen.



Durch schlechte Gedanken werden die Sinne angeregt. Ist das ein Wunder? Weil dir das sehr oft passiert, ist es dir schon zur Gewohnheit geworden. Du hast diesen wichtigen Punkt wegen deiner Unachtsamkeit einfach ignoriert. Der Verstand ist eine große elektrische Batterie, er ist ein großer Dynamo, ein Elektrizitätswerk. Die Nerven sind die isolierten Leitungen, die den elektrischen Strom als Nervenimpuls zu den verschiedenen Organen, dem Gewebe, und zu den Händen, Beinen und Füßen übermitteln. Infolge einer Schwingung des psychischen Pranas, der psychischen Lebensenergi