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Anmerkung des Verlegers Inhaltsverzeichnis Instinkte und der Hunger nach sinnlicher Lust sind Teil dieser Welt. Sinnliche Impulse und biologische Antriebe sind sowohl beim Tier als auch beim Menschen vorhanden. Die Sexualität ist eine der wesentlichsten Aspekte im menschlichen, tierischen und pflanzlichen Leben. Während die Sexualität bei den Pflanzen und Tieren weitgehend durch die Natur geregelt wird (Brunftzeit, Pollenpflug), bleibt es dem Menschen selber überlassen, sie zu regeln. Die umfangreichen und alten Heiligen Schriften der Welt bieten der menschlicher Gesellschaft spezifische Richtlinien und Regelungen in dieser Hinsicht an. In Indien folgten unsere Vorfahren den vedischen Schriften, die ausführlich beschreiben, wie man sich eine gute Gesundheit, ein langes Leben und geistiges Wohlergehen erhalten kann. Aber leider werden in der heutigen Welt und besonders unter den gebildeten Leuten, in allen Schichten der Gesellschaft und in allen Altersklassen, die Normen der Führung der Heiligen Schriften abgelehnt, so dass die Zahl der körperlich und geistig Erkrankten täglich zunimmt. Ein Grund für diese traurige Sachlage, ist die Unwissenheit des modernen Menschen bezüglich der Schätze seiner Heiligen Schriften. Swami Sivananda kam in den frühen dreißiger Jahren aus Indien, um diese Unwissenheit der Leute zu beenden, indem er die alten Weisheiten der Menschen des Altertums durch seine Schriften verbreitete. Es ist weithin bekannt, dass Sweami Sivananda, dessen Liebe für die Menschheit keine Grenzen kannte, eine Anzahl von Büchern hinsichtlich der Gesundheit, der Hygiene und der Medizin schrieb. Eines seiner Bücher war das vorliegende Buch „Die Praxis des Brahmacharya“, das sich größtenteils mit dem Thema von Ehelosigkeit (Zölibat) beschäftigt und dort, wo Ehelosigkeit nicht möglich war, sich für ein reguliertes Sexualleben einsetz. Dieses Buch ist seit der Veröffentlichung sehr populär. Die Gedanken über die Sexualität und die sexuelle Sublimation (Umwandlung) sind in diesem Buch ausführlich von Swami Sivananda beschrieben. Im vorliegenden Buch sind alle Gedanken und Empfehlungen Swamijis bezüglich der Sexualität und der Ehelosigkeit beschrieben und redigiert worden. Damit soll der Öffentlichkeit und besonders der jüngeren Generation, ein Leitfaden zum wichtigen Thema der sexuellen Sublimation in die Hand gegeben werden. Dieses sollte als ein Akt der Nächstenliebe für die moderne Jugend verstanden werden, die häufig tastend in der Dunkelheit von einer verantwortungslosen Gesellschaft allein gelassen wird. Heutzutage hören wir häufig von jugendlicher Gesetzesverletzung. Aber diese jugendliche Gesetzesverletzung ist das Resultat der Verantwortungslosigkeit der Erwachsenen. Die Jugend der Welt sehnt sich nach Anleitung, die häufig aber nicht von den Eltern, von den Lehrern oder von der Gesellschaft vermittelt wird. Wir hoffen, dass dieses Buch von Swami Sivananda die oben erwähnte Wissenslücke schließen und der Jugend der Welt das Wissen und die Anleitung bieten kann, die sie so reich in diesem lebenswichtigen Bereich verdient, der ihr körperliches, geistiges und ethisches Wohl beeinflusst. Wir beten, dass der Segen des heiligen Meisters sich auf alle ergießen kann, die es wagen wollen, die folgenden Seiten durchzulesen und ein neues Kapitel in ihrem Leben zu erschließen. Mögen alle gesund, glücklich und spirituell gesegnet sein. 8th September, 1988. - The Divine Life Society Gebet für Reinheit Inhaltsverzeichnis O liebevoller Lord des Mitleids! He Prabhu! (Gott) Die Seele meiner Seele, das Leben meines Lebens, Verstand meines Verstandes, das Ohr meiner Ohren, Licht der Lichter, Sonne der Sonnen! Schenk mir Licht und Reinheit. Lass mich in körperliches und geistiges Brahmacharya fest etabliert sein. Lass mich in Gedanken, Worten und in der Tat rein sein. Gib mir die Kraft, meine sinnlichen Wünsche zu beherrschen und Brahmacharya zu beachten. Schütze mich vor allen Versuchen dieser Welt. Lass alle meine Sinne auf dich gerichtet sein. Lösche alle meine sexuellen Gewohnheiten und Begierden, auch die geheimen subtilen Wünsche. Lösche das Begehren aus meinem Verstand. Mach mich zu einem aufrechten Brahmachari. Lehre mich, tugendhaft und rechtschaffend zu sein. Lehre mich die Reinheit, die du anderen Swamis vor mir gelehrt hast. Verzeihe mir alle meine Vergehen. Ich bin dein. Schütze mich, führe mich, erleuchte mich. Om. Geweiht der Jugend der Welt Abschnitt I: Das Phänomen der Sexualität Inhaltsverzeichnis 1. Die heutige Entartung Inhaltsverzeichnis Es gibt eine große Verwirrung unter den Männern. Die Verwirrung liegt darin, dass sie die Frauen nicht verstehen. Es gibt eine ebenso große Verwirrung unter den Frauen. Sie liegt darin, dass sie die Männer nicht verstehen. Gleichgültig wo du auch hingehst, ob nach Amsterdam, London oder New York. überall auf der Welt wirst du die gleichen Erfahrungen machen. Du wirst nur zwei Dinge finden, Sex und Ego. Der sexuelle Instinkt ist der größte Antrieb im menschlichen Leben. Sexuelle Energie oder Sinneslust, ist der am tiefsten im Menschen verwurzelte Instinkt. Die sexuelle Energie fesselt vollständig den menschlichen Verstand, die Sinne, den ganzen Körper. Es ist der älteste Faktor, der in das menschliche Dasein eingegangen ist. Ein Mann hat viele Wünsche. Aber der stärkste Wunsch, ist der Wunsch nach sexuellen Kontakten. Der grundlegendste Wunsch, ist der Wunsch nach einer Partnerin. Alles hängt von diesem zentralen Wunsch ab. Der Wunsch nach Geld, der Wunsch nach Nachkommen, der Wunsch nach Eigentum, der Wunsch nach einem Haus, der Wunsch nach Viehhaltung und andere Wünsche kommen später. Damit die Schöpfung weiterhin aufrecht erhalten werden kann, hat Gott den sexuellen Wunsch sehr stark ausgeprägt. Andernfalls würde es den Verwirklichten, die die Verhaftung an die Sexualität überwunden haben, nicht so leicht fallen, einen Universitätsabschluss zu erlangen. Es ist nicht schwer, einen Universitätsabschluss zu erlangen. Es verlangt ein wenig Geld, Gedächtnis, Intelligenz und ein wenig Fleiß. Aber es ist ein schwieriges Unternehmen, den sexuellen Impuls zum Stillstand zu bringen. Derjenige, der vollständig die Sinneslust abgelegt hat und geistiges Brahmacharya verwirklicht hat, ist Brahman oder Gott selbst. Diese Welt ist nichts als Sex und Ego. Ego ist die Hauptsache. Ego ist die Basis. Sex und Ego hängen zusammen. Ist das Ego durch die Beantwortung der Frage "Wer bin ich?" zerstört, nehmen die sexuellen Ideen reiß aus. Der Mensch, der Meister seines Schicksals, hat seinen göttlichen Ruhm verloren und ist durch Unwissenheit zum Sklaven, zum Werkzeug, in den Händen der Sexualität und des Egoismus geworden. Sex und Ego sind das Produkt der Unwissenheit. Der Beginn des Wissens des Selbst vernichtet diese zwei Feinde von Atman (der Seele), die zwei Räuber Sex und Ego, die uns das illusorische „Ich“ vortäuschen. Der Mensch hat sich in hohem Grade selbst degradiert, indem er zur Marionette seiner Neigungen wurde. Leider! Er ist zu einer nachahmenden Maschine geworden. Er hat seine Kraft zur Unterscheidung verloren. Er ist in eine erniedrigende Form der Sklaverei gesunken. Was für ein trauriger Zustand. In der Tat, eine beklagenswerte Lage. Wenn er sich wünscht, seinen verlorenen göttlichen Zustand wieder zurück zu gewinnen, muss sein vollständiges Sein, müssen seine sexuellen Wünsche, vollständig durch göttliche Gedanken und regelmäßige Meditation umgewandelt werden. Die vollständige Umwandlung der sexuellen Wünsche ist eine sehr starke, wirkungsvolle und zufriedenstellende Weise, ewiges Glück zu verwirklichen. 1.1 Die Welt ist so sexy Inhaltsverzeichnis Leidenschaften regieren die Welt. Der Verstand der Leute ist mit sexuellen Gedanken gefüllt. Die Welt ist so sexy. Die ganze Welt befindet sich in einem enormen sexuellen Rauschzustand. Alle werden permanent getäuscht und bewegen sich mit einem kollektiv pervertiertem Intellekt durch die Welt. Es gibt keine Gedanken an Gott. Es gibt kein Reden über Gott. Statt dessen wird über Mode, Restaurants, Hotels, Abendessen, Tanzen, Autorennen und Kino geredet. Es wird über Essen, Trinken und Sex gesprochen. Das ist schon fast alles, worüber die Menschen reden. Die Leidenschaft nach äußerer Schönheit hat nicht nur in London, Paris und in Lahore Einzug gehalten. Sie ist selbst in Madras unter den jungen Brahmanenfrauen der orthodoxen Familien zu finden, die ihre Gesichter mit Kirschblütenpuder und Hazeline-Schnee (Hautcreme) schminken, anstelle mit heiligem Gelbwurzpuder und die ihr Haar wie die französischen Mädchen tragen. Diese Art der Nachahmung ist in den Verstand unserer Jungen und Mädchen in Indien gekrochen. Die heiligen Empfindungen und Lehren der alten Weisen wurden total ignoriert. Was für ein bedauernswerter Zustand! Sie nehmen alles an, wenn nur ein Johnson oder Russel etwas über die Theorie der Evolution, der Bewegung des Atoms, der Relativität oder die Transzendentalphilosophie vortragen. Beschämend in der Tat! Ihre Gehirne werden alle mit ausländischen Partikeln verstopft. Sie unterscheiden nicht zwischen gut und schlecht. Sie saugen einfach alles auf. Dadurch gibt es heutzutage eine Verkümmerung unter den jungen Leuten in Indien. Dieses ist das Zeitalter, in dem man zu bequem ist, einen kurzen Weg, ohne eine Rickschah, ein Auto, eine Straßenbahn, ein Fahrrad oder eine Kutsche, zu Fuß zu gehen. Was für ein schreckliches künstliches Leben! Junge Männer ahmen heutzutage wahllos den Westen nach. Dieses endet mitunter in ihrem Ruin. Sie werden durch die Sinneslust beeinflusst. Sie verlieren den rechten Sinn für Rechtschaffenheit. Sie unterscheiden nicht mehr zwischen richtig und falsch. Sie verlieren jedes Schamgefühl. Seht, wie die Kriminalität zugenommen hat. Raub, Entführung, Kidnapping, Körperverletzungen, Morde. Das sind die Verbrechen, die immer öfter von den Gerichten verurteilt werden. Die Sinneslust ist die Wurzel dieses Übels. Es kann Sinneslust für Geld oder Sinneslust für sexuelles Vergnügen sein. Sinneslust ruiniert das Leben, den Glanz, die Stärke, die Vitalität, das Gedächtnis, den Reichtum, den Ruhm, die Heiligkeit, den Frieden, die Klugheit und die Hingabe. Mit einem übermütigen Intellekt sollte man vielleicht einige Lektionen von den Tieren lernen. Tiere haben oftmals mehr Selbstkontrolle als der Mensch. Es ist nur der sogenannte Mensch, der sich durch seine sinnliche Schwäche verschlechtert hat. In der Hitze der sexuellen Aufregung, wiederholt er die gleiche unwürdige Tat immer und immer wieder. Er hat kein bisschen Selbstkontrolle. Er ist ein Sklave seiner Leidenschaft. Er ist wie eine Puppe in der Hand der Leidenschaft. Wie ein Kaninchen pflanzt er sich fort und zeugt dabei unzählige Kinder, so dass die Zahl der Bettler auf der Erde immer weiter zunimmt. Löwen, Elefanten, Stiere und andere Tiere haben oftmals eine bessere Selbstkontrolle als Menschen. Löwen kopulieren nur einmal im Jahr. Die weiblichen Tiere würden es niemals zulassen, dass die männlichen Tiere sich ihnen nähern, bis die jungen Tiere abgestillt und gesund und stark sind. (Anmerkung Übersetzer: Das gilt allerdings nur für weibliche Löwen, die soeben Kinder bekommen haben. Bei ledigen Weibchen und bei männlichen Löwen dagegen sieht es etwas anders aus. Ich gehe in Kapitel 27.1 näher darauf ein. Ende Anmerkung). Nur der Mensch verletzt diese Naturgesetze und leidet infolgedessen unter unzähligen Krankheiten. Er ist zu einem Niveau degeneriert, das in dieser Hinsicht weit niedriger als das der Tiere ist. Wie ein König kein König ist, ohne ein Finanzministerium, ohne Untertanen und ohne eine Armee, eine Blume keine Blume ist, ohne Duft, ein Fluss kein Fluss ist, ohne Wasser, so ist auch ein Mann kein Mann, ohne Brahmacharya. Nahrung, Schlaf, Furcht und Geschlechtsverkehr sind für Tiere und Menschen üblich. Das, was den Menschen von einem Tier unterscheidet, ist die Lehre Buddhas, die Unterscheidungskraft und die Kraft zur Selbsterforschung. Das Wissen und die Unterscheidungskraft können nur durch die Bewahrung von Veerya, den männlichen Samen, gesichert werden. Wenn ein Mann sich diese Qualifikation nicht erhalten hat, kann man ihn eigentlich nur als ein Tier betrachten. Wenn die Sinneslust, die die Quelle aller Genüsse in dieser Welt ist, aufhört, dann hört alle weltliche Knechtschaft, die ihre Basis im Verstand hat, auf. Sogar das bösartigste Gift ist kein Gift, wenn es mit der Sinneslust verglichen wird. Der erste schändet nur seinen Körper, während der letzte viele Körper in den aufeinanderfolgenden Geburten verdirbt. Du wirst zum Sklaven deiner Leidenschaften, deiner Wünsche, Gefühle und von erotischen Reizen. Wann wirst du dich aus diesem miserablen Zustand erheben? Jene Personen, die trotz besseren Wissens, das Nichtvorhandsein von Glück in der unheilvollen Sinneslust nicht erkennen, haben sich bereits gedanklich tief in die Sinneslust verstrickt. Sie verdienen die Bezeichnung eines Esels. Wenn du keine Unterscheidungskraft besitzt, wenn du nicht versuchst, das Beste aus deinem Leben zu machen, wenn du dein Leben nur mit Essen, Trinken und Schlafen verbringst, dann lebst du nicht spirituell und solltest vielleicht einige Lektionen von jenen Tieren lernen, die weit mehr Selbstbeherrschung besitzen. Die sexuelle Entartung, die die Menschheit überkommen hat, liegt in der Vorstellung der Leute, dass es so etwas wie einen natürlichen "sexuellen Instinkt" im Menschen gibt. Den gibt es aber nicht. Der natürliche Instinkt ist die Zeugungsfähigkeit. Wenn Männer und Frauen die sexuelle Hingabe nur auf den Nachwuchs beschränken, dann ist dieses bereits die Befolgung des Brahmacharya. Wird dieses als nicht möglich angesehen, wird denen, die nach den höheren Werten des Lebens streben, empfohlen, sich vollkommene Enthaltsamkeit aufzuerlegen. Wenn ein Suchender dieses brennende Verlangen in sich spürt, ist Brahmacharya die notwendige Vorraussetzung, da er es sich nicht leisten kann, seine lebenswichtige vitale Energie für die kurzfristige sinnliche Lust zu vergeuden. Die Belohnung aller weltlichen Wünsche ist sinnlich. Das Fleisch sollte aber nur der unterwürfige Sklave des Geistes sein, der sich an göttlichen Zielen orientiert. Der Mensch wurde für die spirituelle Kommunion mit Gott geboren. Er aber unterlag den Verführungen böser Dämonen, die seine Sinnesfreude nutzten, um ihn von seinen göttlichen Betrachtungen fortzulocken um ihn an ein irdisches Leben zu binden. Moralische Tugend besteht darin, alle sinnlichen Vergnügen aufgeben, wenn man die Reinheit des Geistes und die Reinheit Gottes anstrebt. Wollüstigkeit ist aber mit Klugheit und Heiligkeit nicht vereinbar. Die Kunst des Lebens ist es, Unreinheiten zu vermeiden. 1.2 Spirituelle Praxis ist die Antwort auf sexuelle Anziehungskraft Inhaltsverzeichnis Wirkliche Kultur besteht in der Verwirklichung von physischem und geistigem Brahmacharya. Reale Kultur ist die Realisierung der Identität der individuellen Seele und die Verbindung mit Gott durch direkte Erfahrung. Für einen leidenschaftlichen, sinnlichen Menschen aber, haben die Begriffe Selbstverwirklichung, Gott, Selbst, Leidenschaftslosigkeit, Entsagung, Tod und Gräberfeld etwas abscheuliches, erschreckendes, weil er sich zu Objekten hingezogen fühlt. Das Singen, Tanzen und das Sprechen über Frauen empfindet er dagegen als angenehm. Die Anziehung für Objekte wird allmählich verschwinden, wenn man ernsthaft beginnt, über die unwirkliche Natur der Welt nachzudenken. Die Menschen verbrennen sich am Feuer der Sinneslust. Alle Maßnahmen, die erforderlich sind, diese entsetzliche Krankheit auszurotten, sollten eingeleitet und durchgeführt werden. Alle Menschen sollten mit den unterschiedlichsten Methoden ausgebildet werden, die ihnen helfen, die Sinneslust an den Wurzeln auszumerzen. Versagt die eine Methode, so hilft vielleicht eine andere. Sinneslust ist ein brutaler Instinkt in unverbesserlichen Menschen. Man sollte beschämt sein, die sinnlichen Taten immer wieder zu wiederholen, wenn man beachtet, dass das Ziel des Lebens Selbstverwirklichung, durch die Erreichung der Reinheit und die Praxis der konstanten Meditation, ist. Ein Gegner könnte beanstanden, dass diese Themen nicht öffentlich behandelt werden sollten. Das halte ich nicht für richtig. Was ist der Sinn, diese Themen zu verschweigen? Diese Themen zu verstecken, ist eine Sünde. In der heutigen Zeit, der Zeit der modernen Kultur und Zivilisation, in dieser ära des wissenschaftlichen Fortschritts, finden solche Überlegungen möglicherweise nicht bei allen Menschen Anklang. Sie könnten beanstanden, dass einige dieser Begriffe anstößig, abscheuerregend, verletzend und unanständig sind und gegen den guten Geschmack verstoßen. Diese Vorstellung beruht aber auf einem Missverständnis. Gerade diese Offenheit hinterlässt bei vielen Wissenshungrigen einen tiefen Eindruck, die sich sehnlichst nach Befreiung sehnen. Ihre Ansichten ändern sich zum Teil vollkommen. Es gibt nämlich keine reale spirituelle Kultur unter den Leuten der modernen Gesellschaft. Die Etikette ist eine bloße Show. Überall kannst du diesen äußeren Schein erkennen, diese Scheinheiligkeit, diese vorgetäuschte Höflichkeit. Überall gibt es diese bedeutungslosen Formalitäten und Versammlungen zu sehen. Nichts kommt wirklich aus dem Herzen. Den Menschen mangelt es an Aufrichtigkeit. Die äußerungen der Upanishaden und die wertvollen Lehren der Heiligen Schriften hinterlassen keinen Eindruck im Verstand der leidenschaftlichen und weltlich orientierten Menschen. Sie sind wie die Samen, die in felsigen Boden geworfen werden, wie die Perlen, die man vor die Säue wirft. Wenn jemand wirklich erkennt, welcher Schaden durch ein unreines Leben entsteht und sich entschließt, sein Leben an spirituellen Grundsätzen auszurichten, um das Ziel eines reinen Lebens zu erreichen, so sollte er seinen Geist mit göttlichen Gedanken beschäftigen, sich in die Meditation vertiefen, die Heiligen Schriften studieren und sich um die Nächstenliebe bemühen. Mangel an spiritueller Praxis ist der Hauptgrund für die sexuelle Anziehungskraft. Theoretische Enthaltsamkeit von der Sinneslust wird keine Erfolge bringen. Du musst gnadenlos alle sozialen Verbindungen abschneiden und ein spirituelles Leben führen, wenn du dich von der sinnlichen Verhaftung befreien möchtest. Nachgiebigkeit gegenüber sinnlichen Tendenzen wird dir Leid bescheren. Entschuldigungen sind in dieser Hinsicht nicht angebracht. Vielmehr wird Einsicht dir weiterhelfen. Du musst bei deiner Suche nach einem spirituellen Leben unbedingt aufrichtig sein. Halbherzigkeit belässt dich in dem alten Zustand deines Elends. Wacht auf, Freunde, aus diesem illusorischen Sumpf des Rades von Tod und Wiedergeburt. Die Leidenschaft hat ebenso große Verwüstungen hinterlassen, wie die Unwissenheit, von der wir manchmal fast ertränkt wurden. Wie viele Millionen Väter, Mütter, Frauen und Söhne hast du in den vorhergehenden Geburten gehabt? Dein Körper ist voller Unreinheiten. Was für eine Schande ist es, diesen unreinen Körper zu umarmen. Es ist eine bloße Dummheit. Gib die Illusion von deinem Körper auf. Löse dich von der Identifikation mit deinem Körper und meditiere über den Ruhm des Atman, des alldurchdringenden Geistes. Beende die Anbetung des Körpers. 1.3 Brahmacharya - die Notwendigkeit der Stunde Inhaltsverzeichnis Meine lieben Brüder! Erinnert euch daran, dass ihr nicht dieser vergängliche Körper aus Fleisch und Knochen seid. Ihr seid das unsterbliche, alles durchdringende Sat-Chit-Ananda (Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit), der Atman (die Seele). Du bist der Atman. Du bist die verkörperte Wahrheit. Du bist der Brahman (Gott). Du bist das absolute Bewusstsein. Du kannst diesen höchsten Zustand aber nur durch ein Leben als echter Brahmachari erreichen. Der Geist des Brahmacharya muss dein ganzes Leben durchdringen. Es wird zwar über Brahmacharya gesprochen, aber praktizieren tut es kaum einer. Ein Leben der Mäßigung ist wirklich umgeben von Schwierigkeiten. Aber der Weg ebnet sich, für einen Mann mit eiserner Entschlusskraft, Geduld und Ausdauer. Wir wünschen uns als Brahmacharis Männer und Frauen, die durch ihre starke Konstitution, ihr ideales Leben, ihren edlen Charakter und ihre spirituelle Stärke andere Menschen beeindrucken können. Es gibt genügend Leute, die darüber reden, es aber nicht verwirklicht haben. Mir sind die praktizierenden Brahmacharins lieber. Sie kommen allmählich voran und sind später in der Lage, die jungen Mönche durch ihr mustergültiges Vorbild und ihre spirituelle Aura zu führen. Lasst mich noch an etwas erinnern. Das Vorbild ist besser als ein Gebot. Das durchschnittliche Lebensalter in Indien ist auf etwa vierzig Jahre gesunken. Normal aber wäre ein Leben von hundert Jahren. Jeder Liebhaber dieses Landes sollte über diese verhängnisvolle Sachlage sehr sorgfältig nachdenken. Das zukünftige Wohl dieses Landes liegt vollkommen in den Händen der Jugend. Darum ist es die Aufgabe der Sannyasins (der Entsagenden), der Heiligen, der Lehrer, der Professoren und der Eltern, die Jugend zum Brahmacharya zu ermuntern. Ich bete, dass die pädagogischen Behörden und die Autoritäten des Landes ihre besondere Aufmerksamkeit, zum Wohle der zukünftigen Generationen, auf dieses lebenswichtige Thema, auf das Brahmacharya, richten. Das zukünftige Wohl Indiens beruht vollkommen auf Brahmacharya. Es ist die Aufgabe von Sannyasins und Yogis, Studenten in Brahmacharya auszubilden, Unterricht in Asana (Yogaübungen) und Pranayama (Atemübungen) zu geben und das Wissen von Atman (Seele) zu verbreiten. Sie können viel tun, um die Situation zu verbessern, da sie ganztätig tätig sind. Sie sollten zur Verbesserung der Welt aus ihren Höhlen und Hütten herauskommen. Wenn Indien in der Welt wieder einen bedeutenden Platz erringen möchte, dann sollten Indiens Kinder, und zwar die Jungen und die Mädchen, das wichtige Thema Brahmacharya in allen seinen Aspekten studieren, damit sie seine enorme Bedeutung vollkommen verstehen und das Gelübde streng befolgen. Als Schlussfolgerung bete ich inbrünstig, mit den gefalteten Händen, dass alle sich aufrichtig bemühen, ihre Leidenschaften, die Feinde des Friedens und Wohlstands, durch spirituelle Praxis zu kontrollieren. Ein aufrechter Brahmachari ist der reale mächtige Kaiser dieser Welt. Meine schweigende Verehrung für alle Brahmacharins! Mögest du wie der Mahameru (Götterberg), ohne irgendeinen unreinen, lüsternen Gedanken, fest im Brahmacharya verankert sein! Möge Gott die Brahmacharins mit Stärke und Energie für das Aufrechterhalten von Brahmacharya segnen! Mögest du, mit einem reinen, makellosen Verstand, die Herrlichkeit Atmans unmittelbar erkennen! Mögest du, ohne weltliche Wünsche, in der Mitte von Freude und Frieden ruhen! Möge der göttliche Glanz aus deinem Gesicht erstrahlen! Möge die göttliche Flamme in euch allen heller erstrahlen! Möge sich die göttliche Flamme und der Frieden für immer in dir ausbreiten! Om Santi! Santi! Santi! 2. Die Funktion des Geschlechtstriebs Inhaltsverzeichnis Der Mensch möchte u.a. Kinder haben, um seinen Stammbaum aufrecht zu erhalten. Dies ist der Fortpflanzungstrieb. Der Wunsch, sich zu paaren, beruht auf diesem sexuellen Instinkt. Die Stärke nach sexuellem Wunsch, hängt vom sexuellen Antrieb ab. Entsprechend der Gita, der hinduistischen "Bibel", entspricht dieser Trieb einem Verlangen, einer Kraft. Lord Krishna sagte: „Derjenige, der von dem Wunsch getragen wird, sich von seinen körperlichen Wünschen und Leidenschaften zu befreien, der wird harmonisiert, er wird ein glücklicher Mann“. Der sexuelle Antrieb ist eine mächtige Kraft. Er beeinflusst ebenfalls den Verstand. Es ist eine Kraft, die mit dem Verstand kommuniziert. Wie der Treibstoff oder Dampf die Maschine antreibt, so treiben die Instinkte und Antriebe unseren Körper an. Instinkte sind die Primärkräfte des menschlichen Antriebes. Sie geben dem Körper einen Stoß und treiben ihn voran. Die Instinkte verursachen Gewohnheiten. Die instinktiven Impulse liefern die notwendige Energie, durch die alle Geistestätigkeiten aufrecht erhalten werden. Dieser Impuls ist eine mentale Kraft. Er wirkt durch den Intellekt. Er formt das Leben des Menschen. Das Geheimnis des Lebens liegt in ihm. Die Anziehung zwischen Mann und Frau beruht auf Leidenschaft. Diese unbekannte Anziehung und das empfundene Glück des Mannes in weiblicher Gesellschaft, ist der Samen des sexuellen Antriebes. Diese Anziehung, ist zu Beginn wie eine Seifenblase. Später nimmt sie die Form einer beeindruckenden, unkontrollierbaren, leidenschaftlichen Welle, mit der starken Neigung eines ungezügelten sexuellen Appetits an. Vorsicht! Schütze dich mit einer spirituellen Welle der Hingabe durch Japa (Mantrameditation), Satsanga (das Zusammensein mit Weisen), Meditation und Selbsterforschung (Wer bin ich?) vor der leidenschaftlichen Welle und vernichte das sinnliche Begehren in seinen Wurzeln. Du musst die psychologische Funktion des sexuellen Impulses verstehen. Wenn sich ein Jucken am Körper einstellt, ist Kratzen ein Vergnügen. Der Seximpuls ist aber nur ein "Jucken". Die Befriedigung dieses Antriebs erzeugt ein trügerisches Vergnügen, aber es hat einen verhängnisvollen Effekt auf das geistige und körperliche Wohlbefinden der Person. 2.1 Der blumige Bogen des Amors Inhaltsverzeichnis Sinneslust ist sehr mächtig. Sie trägt einen blumigen Bogen, der mit fünf Pfeilen ausgerüstet ist: Faszination, Betäubung, Berauschtheit, Verzehrung und Verbrennung. Der erste Pfeil verursacht in einem jungen Mann Faszination, wenn er eine hübsche Frau sieht. Der zweite Pfeil erweckt seine Aufmerksamkeit. Nach dem dritten Pfeil ist er berauscht von sinnlichem Verlangen. Der vierte Pfeil verursacht intensive Anziehung in Richtung des sinnlichen Objektes. Er verzehrt sich regelrecht danach. Der fünfte Pfeil entflammt und verbrennt das Herz. Er durchbohrt das Herz tief. Niemand auf dieser Erde hat die Kraft, dem Einfluss dieser Pfeile zu widerstehen. Diese Pfeile durchbohrten sogar das Herz von Lords Shiva und vielen Rishis (Weisen) von einst (und heute). Diese Pfeile erwogen sogar Indra (indischer Sonnen- und Kriegsgott) Ahalya (Ahalya ist in der indischen Mythologie die Ehefrau des Weisen Gautamas. Sie liebte einst Indra. Da verwandelte ihr Ehemann sie zu Stein.) sexuell zu belästigen. Amor schoss sogar einen Pfeil durch die bezaubernden Augenbrauen und die durchbohrenden flüchtigen Blicke einer jungen Dame, mit einer zarten Taille, rosigen Pobacken und roten Lippen. Eine romantische Nacht im Mondlicht, Gerüche und Düfte, Blumen und Girlanden, Sandelholzpaste, Fleisch und Alkohol, Theater und Romane sind seine mächtigen Waffen, um leidenschaftliche junge Männer zu täuschen. Verstand und Urteilsvermögen verabschieden sich augenblicklich in dem Moment, in dem sich die Herzen mit brennender Leidenschaft füllen. Sie werden vollkommen blind. Amor macht aus intellektuellen Personen, aus großen Rednern, Ministern und Forschungsgelehrten, aus Doktoren und Rechtsanwälten, Bambys oder Kuscheltiere in den Schößen junger Frauen. Der Grund ist, dass Amor vorübergehend Platz im trockenen Intellekt eines gelehrten Pandits (religiöser Gelehrter) oder eines Professors genommen hat. Sie haben kein Stehvermögen, Amor zu widerstehen. Amor kennt seine Stärke. Er regiert überall. Er dringt in die Herzen aller ein. Er kennt das Kribbeln ihrer Nerven. Mit einem Augenaufschlag vernichtet er den Grund, das Urteilsvermögen und das Verständnis, indem er einfach die Herzen der jungen Männer entflammt. Sogar in den Träumen hat Amor vollen Einfluss, selbst wenn alle Sinne leise sind. Frauen sind sein unfehlbares Mittel! Sie folgen seinem Wink und Zuruf. Amor funktioniert durch ihr Lächeln, durch ihre bezaubernden flüchtigen Blicke und ihre süßen Wörter, durch ihre wohlklingenden Lieder und ihre verführerischen Tänze. Junge Frauen können sehr schnell den Ruin der Männer herbeiführen und den Frieden zerstören, sogar bei klugen Männern. Amor kann sogar das Nervensystem von Brahmacharins ins Delirium treiben, selbst wenn sie nur an die Abbildungen junger, hübscher Frauen denken, wenn sie die leichten Töne ihrer Armreifen und Fußketten hören oder wenn sie nur an ihre hübschen Gesichter denken. Würden sie manchmal nicht alles geben, um sie zu berühren? 2.2 Eindrücke im Unterbewusstsein Inhaltsverzeichnis Sexuelles Handeln hinterlässt, wie jedes andere Handeln, einen Eindruck im Unterbewusstsein.Dieser Eindruck regt einen Gedanken an und dieser Gedanke wiederum, verursacht wieder einen Eindruck im Unterbewusstsein. Genuss verstärkt den Eindruck im Unterbewusstsein. Durch das Gedächtnis und die Phantasie kommt eine Wiederbelebung des sexuellen Wunsches zustande. Erinnerungen an das Bild einer Frau beunruhigen der Verstand. Wenn ein Tiger einmal menschliches Blut geschmeckt hat, versucht er immer wieder, Menschen zu töten. Er wird zum Menschenfresser. Genau so ist es, wenn ein Mann einmal ein sexuelles Vergnügen mit einer Frau hatte. Dann läuft er immer wieder den Frauen hinterher. Von den Eindrücken im Unterbewusstsein und von den Wünschen im Verstand strömen Gedanken und Phantasien aus. Dadurch entstehen Anhaftungen. Zusammen mit der Phantasie, dem Gefühl und dem sinnlichen Antrieb werden sie offenkundig. Gefühl und sinnlicher Antrieb gehen dabei immer Hand in Hand. Hinzu kommen erotische Phantasien, Begierden und ein loderndes Feuer im Verstand und im Körper. Die Irritationen und das Lodern der Flammen im Gehirn, sickern allmählich in den Körper ein. Wenn du sehr aufmerksam bist, kannst du die schädlichen Phantasien schon zu Beginn erkennen und die drohende Gefahr abwenden. Selbst wenn es dem sinnlichen Dieb gelingt, durch das erste Tor zu schlüpfen, beobachte sorgfältig das zweite Tor, an der er das lodernde Feuer entzünden könnte. Hier kannst du das Feuer noch löschen. Du kannst ebenso leicht den starken sexuellen Antrieb, der von den Sinnen entfacht wird, stoppen. Ziehe die sexuelle Energie durch Uddiyana (Bild links - Hochziehen des Bauches nach der Ausatmung) und Kumbhaka (Atemanhalten) wieder hinauf zum Gehirn. Leite den Verstand um. Wiederhole konzentriert das Manta OM oder irgendein anderes Mantra. Bete, meditiere. Wenn es dir immer noch schwer fällt, dann suche Kontakt zu Weisen und bleibe nicht allein. Wenn der starke Impuls überraschend auftritt und bis zu den Geschlechtsorganen vordringt, vergisst man oftmals alle guten Vorsätze. Du wirst ein Opfer des Begehrens. Später wirst du es bereuen. Was auch immer du tust, was auch immer du denkst, ist unauslöschlich in den Schichten deines Unterbewusstseins protokolliert. Diese oftmals krankhaften Eindrücke können nur durch die Gnade des Atman, durch deine Seele, wieder geheilt werden. Wenn die sexuellen Wünsche vollständig den Verstand und den Körper füllen, nimmt das Unterbewusstsein die Form von großen erotischen Wellen an, die den Menschen immer und immer wieder bedrängen. Er ist relativ einfach, den bewussten Verstand zu steuern. Aber es ist sehr schwer, das Unterbewusstsein zu kontrollieren. Du magst ein Sannyasin (Entsagender) sein. Du magst ein sehr moralischer Mensch sein. Aber heimlich schleichen sich unsere Wünsche in unsere Träume ein. Plötzlich beginnst du im Traum zu stehlen. Du begehst Ehebruch in deinen Träumen. Der sexuelle Impuls, der Ehrgeiz und die niedrigen Wünsche sind alle tief verwurzelt im Unterbewusstsein. Lösche die Eindrücke im Unterbewusstsein durch Unterscheidung, durch Brahma Bhavana (Liebe zum Unendlichen) und durch Meditation. Ein Mann, der im geistigen Brahmacharya fest verwurzelt ist, wird nicht durch einen einzigen bösen Traum überrascht. Er wird niemals einen bösen Traum haben. Bei einem normalen Menschen gibt es immer einen Mangel an Unterscheidungskraft in den Träumen. Das ist der Grund für schlechte Träume, obwohl du im Wachzustand durch die Kraft der Unterscheidung reine Gedanken hegst. Ein Meditierender sagte zu mir: "Wenn ich meditiere, lösen sich allmählich die Schichten der Verunreinigungen des Unterbewusstseins auf. Manchmal sind sie so stark und furchteinflößend, dass ich so fassungslos bin, dass ich nicht so recht weiß, wie ich damit umgehen soll. Ich habe Brahmacharya und die Wahrheit noch nicht vollkommen verwirklicht. Die alten Gewohnheiten der Sinneslust und der Unehrlichkeit lauern noch in mir. Die Lust bereitet mir mitunter enorme Probleme. Das Denken an Frauen beunruhigt meinen Verstand. Mein Verstand ist so empfindlich, dass ich nicht in der Lage bin, auf ihn zu hören. Sobald sinnliche Gedanken aufkommen, sind alle meine guten Vorsätze verschwunden, und der Frieden des ganzen Tages wird verdorben. Ich rate meinem Verstand, blocke alle sinnlichen Gedanken ab, erschrecke sie, aber es ist ohne Erfolg. Meine Sinne obsiegen. Ich weiß nicht, wie ich diese Leidenschaft stoppen soll. Reizbarkeit, Egoismus, Zorn, Habsucht, Hass und Verhaftungen lauern noch in mir. Die Lust aber ist mein Hauptfeind und sie ist sehr stark. Ich frage dich, ob du so freundlich bist und mir erklären kannst, wie ich diesen Feind besiegen kann." Wenn die Verunreinigungen des Unterbewusstseins mit beeindruckender Kraft zur Oberfläche des bewussten Verstandes kommen, dann versuche nicht, ihnen zu widerstehen. Wiederhole dein persönliches Mantra. Denke nicht an deine Fehler und deine schlechten Eigenschaften. Beobachte einfach nur, sei ein aufmerksamer Zuschauer. Versuche nicht, deine schlechten Eigenschaften zu bekämpfen. Denn die werden dir eine lange Nase zeigen. Entwickle positive Tugenden. Mache dir nicht allzu oft große Sorgen: "Ich habe so viele Fehler und Schwächen." Kultiviere reine Tugenden. Durch Meditation und die Entwicklung positiver Eigenschaften und durch die Pratipaksha Bhavana Methode (die Methode der Meditation über das Gegenteil) lösen sich alle negativen Eigenschaften allmählich in Wohlgefallen auf. Dies ist der richtige Weg. Du kannst alt werden, dein Haar kann grau werden, aber dein Verstand bleibt immer jung. Die Aufnahmefähigkeit kann nachlassen, aber die Begierde bleibt, selbst wenn du bereits im Greisenalter bist. Die Begierden sind der wirkliche Same der Geburt. Diese Begierden verursachen Gedanken, Wünsche, Träume und Vorstellungen. Die Begierden halten das Rad von Tod und Wiedergeburt am laufen. Ersticke sie im Keim. Nur dann wirst du in Frieden leben können. Nur dann wirst du Erleuchtung erfahren. Brahma-Bhavana (Liebe zum Unendlichen), Brahma-Chintana (Meditation über Gott), Meditation auf OM und Hingabe reißen allmählich die Ursachen der Begierden heraus, die tief verwurzelt sind. Du musst sie richtig ausgraben, von verschiedenen Seiten aus, und sie verbrennen, damit sie nicht wieder nachwachsen können. Nur dann werden deine Bemühungen eines Tages die Früchte der Befreiung tragen. Ein Student schrieb mir: "Das unreine Fleisch und die Haut erscheinen mir sehr rein und gut. Ich bin sehr lüstern. Ich versuche, die Liebe einer Göttin in allen Frauen zu sehen. Ich knie mich vor einer imaginären Frau nieder, von der ich denke, dass sie die Göttin Kali ist. Doch mein Verstand ist extrem lüstern. Was soll ich tun? Ich wünsche immer wieder, einen Blick auf eine hübsche Frau zu haben." Offensichtlich haben Leidenschaftslosigkeit, Wunschlosigkeit und Unterscheidungskraft in seinem Geist nicht das geringste bewirkt. Die alten lasterhaften Eindrücke im Unterbewusstsein und subtile Begierden sind immer noch sehr stark. Sogar ein reiner Brahmacharin hat zu Beginn Probleme mit der Neugier. Er ist neugierig und möchte immer noch wissen, welche Art des Glücks der sexuelle Genuss gibt. Manchmal denkt er: "Lass mich noch einmal das sinnliche Gefühl mit einer Frau erleben. Dann werde ich in der Lage sein, diesen sexuellen Impuls für immer abzulegen." Der Verstand aber, möchte den Brahmachari nur täuschen. Die Illusion richtet durch Neugier nur neuen Schaden an. Die Neugier hat sich in einen starken Wunsch verwandelt. Die Sinneslust kann diesen Wunsch aber nicht befriedigen. Vielmehr ruft sie nur neue Wünsche hervor. Der Weise löscht die Welle der Neugier durch die Unterscheidungskraft und das Nachdenken über den reinen und sexlosen Atman (Seele). Er rottet den sexuellen Wunsch durch Meditation, über das Nachdenken über den Segen des Brahmacharya und die Seligkeit eines reinen Lebens, aus. 2.3 Wie man seine geistige Reinheit misst Inhaltsverzeichnis Der Anblick eines jungen hübschen Mädchens erzeugt in einem leidenschaftlichen jungen Mann sexuelle Anziehung und Aufregung in seinem Verstand. Sie berührt sein Herz und der Gedanke an die junge Frau berauscht ihn. Sind diese Symptome nicht bei einem Mann vorhanden, so ist das ein Zeichen dafür, dass er Brahmacharya verwirklicht hat. Der Anblick von balzenden oder paarenden Vögeln und Tieren oder der Anblick des nackten Körpers einer Frau, sollte nicht die geringste Aufregung im Geiste eines Brahmacharin hervorrufen. Wenn im Verstand eines Brahmachari der Wunsch nach einem Zusammensein mit einer Frau entsteht, wenn es einen starken Wunsch gibt, mit ihr zu sprechen, mit ihr zu spielen und zu scherzen, wenn es einen Wunsch gibt, junge schöne Mädchen zu betrachten, wenn der Blick lüstern und unkeusch ist und wenn es den Wunsch gibt, eine Frau zu berühren, dann lauert die Sinneslust noch in seinem Verstand. Dann gibt es noch sexuelle Begierden. Diese sollten ausgelöscht werden. Der alte Dieb versteckt sich noch. Solch ein Brahmachari muss sehr achtsam sein. Er befindet sich immer noch in einer Gefahrenzone. Er hat noch nicht den Status der vollkommenen Reinheit erlangt. Selbst im Traum sollte nicht das Verlangen entstehen, eine Frau berühren zu wollen oder mit einer Frau zusammen sein zu wollen. Die Reinheit eines Brahmachari kann an der Art seiner Träume gemessen werden. Wenn ein Brahmachari vollkommen frei von sexuellen Träumen ist, dann hat er die höchste Stufe der Reinheit erreicht. Selbstanalyse und Selbstbeobachtung sind unentbehrliche Erfordernisse, um den Status der Reinheit zu ermitteln. Ein befreiter Weiser wird nicht einen feuchten Traum haben. Derjenige, der Brahmacharya verwirklicht hat, wird nicht einen schlechten Traum haben. Der Traum ist das Kriterium, um den Status unserer geistigen Reinheit zu beurteilen. Hast du keine unreinen Träume, dann nimmt deine Reinheit zu. Der Wunsch nach Sex sollte vollkommen aus dem Verstand verschwinden. Sukadeva (indischer Heiliger) hatte diese Erfahrung. Sukadeva heiratete nicht. Er verließ sein Haus und wanderte splitternackt durch die Welt. Die Trennung war für seinen Vater, Vyasa, sehr schmerzlich. Vyasa streifte umher, um seinen Sohn zu suchen. Während er an einem Wasserbecken vorbei kam, in dem weibliche Nymphen sich dem freien Spiel hingaben, erschraken diese und zogen beschämt und eilig ihre Kleider wieder an. Vyasa sagte: „Sehr merkwürdig in der Tat! Ich bin alt. Ich trage Kleidung. Aber wenn mein Sohn nackt hier vorbei kommt, dann bleibt ihr ruhig und lauft nicht davon." Und die Feen antworteten: "Oh, ehrwürdiger Weiser, dein Sohn macht keinen Unterschied zwischen einem Mann und einer Frau, du aber sehr wohl." 2.4 Die Ausrottung der Lust Inhaltsverzeichnis Du musst diesen entsetzlichen Feind, die Sinneslust, die die Lügen sehr sorgfältig in den verschiedenen Ecken deines Herzens versteckt, sehr aufmerksam suchen. So wie der Fuchs sich in den Büschen versteckt, so versteckt die Lust sich in den Ecken des Geistes. Du kannst ihre Anwesenheit nur ermitteln, wenn du aufmerksam bist. Intensive Selbstbeobachtung ist daher sehr wichtig. Genau so wie mächtige Feinde nur besiegt werden können, wenn man sie von allen Seiten angreift, genau so kann man auch die mächtigen Sinne nur besiegen, wenn man sie ebenfalls von allen Seiten angreift, von innen und von außen, von oben und von unten. Die Sinne sind sehr unruhig. Das mächtige Virus, das Syphilis verursacht, wird vom Arzt von allen Seiten in Angriff genommen. Dabei werden die verschiedensten Methoden angewandt, wie Einölen oder lokales Reiben, Spritzen, Mixturen und Puder. Genau so müssen auch die Sinne durch verschiedene Methoden kontrolliert werden. Zu diesen Methoden zählt das Fasten, das Einhalten einer Diät, Atemübungen, Mantrameditation, das Singen religiöser Lieder, Selbsterforschung durch die Frage "Wer bin ich?", Meditation, das Zurückziehen der Sinne von der Außenwelt, Selbstbeherrschung, Yogaübungen, Bandhas (Muskelverschlüsse), Mudras (Fingeryoga), Gedankenkontrolle und die Vernichtung der subtilen Wünsche und Neigungen, helfen, die Leidenschaften zu besiegen. Hüte dich vor der törichten Vorstellung, dass du die Lust ablegen könntest, indem du ein paar Jahre alleine lebst oder in dem du für kurze Zeit das Gefühl von Gelassenheit und Reinheit erfährst. Du solltest dich auch von der Vorstellung lösen, dass du die Sinneslust vollständig ausrottest, indem du ein wenig Diät einhälst, ein wenig Pranayama (Atemübungen) und ein wenig Japa (Mantrameditation) praktizierst, und das es sonst nichts mehr zu tun gibt. Die Versuchung kann dir jederzeit eine Falle stellen. Rigorose Wachsamkeit und permanente spirituelle Praxis sind unbedingt erforderlich. Durch begrenzte Bemühungen wirst du kein vollkommenes Brahmacharya erlangen. So wie ein Maschinengewehr notwendig ist, um einen mächtigen Feind zu besiegen, so ist auch eine konstante und sinnvolle spirituelle Praxis notwendig, um die Lust zu besiegen. Du solltest mit deinen Erfolgen im Zölibat zurückhaltend sein. Sollte dein Bestreben einem Test unterzogen werden, könnte es leicht sein, dass alle deine guten Vorsätze schnell dahinschwinden. Du solltest dir immer deiner Fehler bewusst sein, und du solltest immer bemüht sein, sie abzulegen. Dazu sind enorme Anstrengungen erforderlich. Nur dann wird sich Erfolg einstellen. Es ist leicht, einen wilden Tiger, einen Löwen oder einen Elefanten zu zähmen. Es ist leicht mit einer Kobra zu spielen. Es ist leicht, über glühende Kohlen zu gehen. Es ist einfach, Feuer zu verschlingen und das Wasser des Ozeans zu trinken. Es ist leicht, den Himalaya zu erklimmen. Es ist einfach, einen Sieg in einem Schlachtfeld zu erlangen. Aber es ist sehr schwierig, die Sinneslust auszurotten. Im Laufe der Evolution konnte die Aufrechterhaltung der Arten nur durch die Energie der Sinneslust ermöglicht werden. Aus diesem Grund ist sie bemüht, sich allen Versuchen zu widersetzen, sie zu kontrollieren oder zu überwinden. Darum versucht die Sinneslust sich kraftvoll durchzusetzen und die Bestrebungen des Brahmachari zu bekämpfen. Aber es gibt keinen Grund zu verzweifeln. Vertraue auf Gott, in seinen Namen und auf seine Gnade. Die Lust kann nur durch die Gnade Gottes vollständig entwurzelt werden. Wenn du auf Gott vertraust, wird er dich zum Erfolg führen. Mit seiner Hilfe kannst du die Lust mit einem Augenzwinkern besiegen. Er lässt Stumme wieder sprechen und Lahme wieder steile Hügel aufsteigen. Menschliches Bemühen allein genügt nicht. Die göttliche Anmut ist erforderlich. Gott hilft denen, die sich selber helfen. Regelmäßige Meditation und Japa (Mantrameditation), eine gesunde Ernährung, das Zusammensein mit Weisen, die Praxis von Pranayama (Atemübungen), das Praktizieren des Kopfstandes und des Schulterstandes, das Studieren spiritueller Literatur, Selbstergründung und die Abgeschiedenheit für drei Monate an den Flussufern der heiligen Flüsse, vernichten völlig die Sinneslust, gleichwohl wie mächtig die alten Wünsche und Eindrücke im Unterbewusstsein auch sein mögen. Das Positive überwindet immer das Negative. Du brauchst auf keinen Fall entmutigt zu sein. Tauche ernsthaft in die Meditation ein, löse dich von falschen Vorstellungen und komme siegreich aus dem Kampf hervor. Glänze wie ein brillanter Yogi. Du bist immer reiner Atman. Vertraue darauf. Sexuelle Impulse können nur sehr schwer kontrolliert werden. Es findet ein Aufstand statt, wenn du versuchst, diesen sexuellen Impuls zu kontrollieren. Konstantes Japa und Meditation während einer langen Periode sind notwendig, um die sexuelle Energie in spirituelle Kanäle zu leiten. Eine komplette Sublimation (Umwandlung) der sexuellen Energie in Ojas (Ojas = spirituelle, sublimierte Energie - die Sublimation wird später noch ausführlich erklärt) ist erforderlich. Nur dann kannst du vollkommen sicher sein, dass die sexuelle Energie nicht durch irgendein Schlupfloch entweicht. Nur dann wirst du in Samadhi (Erleuchtung) fest verankert sein, da der Geschmack am sinnlichen Genuss völlig verschwindet. Geduld, Wachsamkeit, Ausdauer und rigoroses Sadhana (spirituelle Praxis) sind notwendig, um die sexuellen Antriebe auszurotten und vollkommene Reinheit im Gedanken, Worten und in der Tat zu erreichen. Brahmacharya und geistige Reinheit können nur durch konstante Bemühungen erreicht werden. Sie können nicht an einem Tag oder in einer Woche erreicht werden. Die Sinneslust ist zweifellos sehr mächtig. Sie ist gewissermaßen dein Todfeind. Aber dein ebenso mächtiger Freund, ist der Name des Herrn. Er wird die Lust mitsamt seiner Wurzeln ausrotten. Darum rezitiere und singe: „Ram, Ram, Ram“. (Ram(a) ist der Name Gottes.) Die yogische Praxis und Meditation vermindern oder verdünnen den sexuellen Wunsch in einem sehr großen Ausmaß. Aber auch die Selbstverwirklichung kann vollkommen die sexuellen Wünsche und Eindrücke des Unterbewusstseins auslöschen. Wie die Bhagavat Gita (hinduistische "Bibel") mit Recht unterstreicht: "Die Objekte der Sinne wenden sich vom abstinent lebenden Mann ab, der das sinnliche Verlangen hinter sich lässt. Aber das Verlangen verschwindet ebenso, wenn er Selbstverwirklichung erreicht." Der sexuelle Drang ist eine kreative Kraft. Wenn du nicht durch spirituelle Ideale angeleitet wirst, wird es schwierig, den sexuellen Instinkt zu kontrollieren. Leite die sexuelle Energie in höhere spirituelle Kanäle. Dieser Vorgang nennt sich Sublimation. Dabei wird sexuelle Energie in göttliche Energie umgewandelt. Die komplette Auslöschung der Sinneslust kann nicht nur durch persönliche Bemühungen erfolgen. Sie kann nur durch die Anmut Gottes vollendet werden. 3. Die Intensität der Begierden Inhaltsverzeichnis Leidenschaft ist ein sehr starker Wunsch. Schon ein milder Wunsch wird durch häufige Wiederholung oder durch häufigen Genuss zu einer starken Leidenschaft. Im breitesten Sinne versteht man jeden starken Wunsch als Leidenschaft. Religiöse Menschen haben eine Leidenschaft zu Gott. Schriftsteller haben die Neigung, Romane zu schreiben. Sie tun das oft mit großer Leidenschaft. Ebenso gibt es die Leidenschaft, religiöse Bücher zu lesen. Aber im allgemeinen Sprachgebrauch, bedeutet Leidenschaft Sinneslust oder einen starken sexuellen Appetit. Dies ist eine physische Begierde nach sexueller oder sinnlicher Befriedigung. Wenn eine sexuelle Handlung sehr häufig wiederholt wird, wird der Wunsch nach weiteren sexuellen Handlungen sehr groß und stark. Der sexuelle Instinkt oder der Fortpflanzungsinstinkt im Mann fordert ihn auf, sich durch sexuelle Handlungen für den Fortbestand der menschlichen Rasse zu engagieren. Leidenschaft ist das instinktive Drängen zur Artenerhaltung. Leidenschaft ist aber ebenso ein Produkt der Unwissenheit. Sie ist eine negative Haltung des Unbewusstseins. Atman, die Seele, dagegen, ist ewige Reinheit und Vollkommenheit. Avidya Shakti, die göttliche Energie der Unwissenheit, hat die Gestalt der Leidenschaft angenommen, um uns das Universum, der aus göttlicher Sicht wie ein Spiel betrachtet wird, in seiner ganzen Vielfalt zu zeigen. So findet man zum Beispiel in der heiligen Schrift des "Chandipath" die Aussage: "Ich verbeuge mich vor der Göttin, die die Gestalt der Leidenschaft in allen diesen Wesen angenommen hat." Sogar Brahma, der Schöpfer, kennt offenbar nicht den genauen Sitz, der Leidenschaft. In der Bhagavadgita findest du es erwähnt, dass die Sinne, der Verstand und der Gedanke die Sitze der Leidenschaften sind. Die Wünsche durchdringen offenbar den gesamten Körper. Jede Zelle, jedes Atom, jedes Molekül, jedes Elektron ist offensichtlich von Leidenschaften durchdrungen. Im Ozean der Leidenschaften sind offensichtlich Unterströmungen, Gegenströme und Zwischenströme zu finden. Du musst jeden von ihnen vollständig vernichten. Leidenschaft ist eine Neigung, die aus dem Verstand entsteht, wenn die Unruhe vorherrscht. Ungesunde Nahrung wie Fleisch, Fisch und Eier, aufreizende Kleider und eine unruhige Art zu Leben, betörende Gerüche, erotische Romane, Filme, Gespräche und andere sinnliche Dinge, schlechte Gesellschaft, Alkohol, Rauschmittel aller Art und Tabak regen die Leidenschaften an. 3.1 Leidenschaften in der Kindheit, in der Jugend und im Alter Inhaltsverzeichnis Die Leidenschaften sind als Same in den Jungen und Mädchen bereits angelegt. Aber er bereitet ihnen keine Sorgen. Genau so wie der Baum bereits im Samen enthalten ist, so ist die Leidenschaft bereits in den Kindern angelegt. In alten Männern und Frauen dagegen, wird die Leidenschaft unterdrückt. So kann sie keinen Schaden anrichten. Nur den jungen Männern und Frauen bereitet die Leidenschaft Probleme. Sie werden vielfach zu Sklaven der Leidenschaft. Oft sind sie vollkommen hilflos dieser Leidenschaft ausgeliefert. Es gibt keinen großen Unterschied in der Sexualität zwischen einem Mann und einer Frau, einem Jungen und einem Mädchen, wenn sie sehr jung sind. Kommen sie aber in die Pubertät, dann gibt es eine bedeutende Veränderung. Gefühle, Gesten, Körper, Gang, Gespräche, Blicke, Bewegungen, Stimme und Benehmen, alles verändert sich. Der vollständige Mangobaum, mit allen seinen Zweigen, Blättern und Früchten, ist bereits in einer subtilen Form im Samen enthalten. Es dauert seine Zeit, bis der Baum in voller Blütenpracht erblüht. Ebenso lauert die Begierde der Sinneslust in einem jungen Mann von achtzehn Jahren, der dann bis zu seinem fünfundvierzigsten Lebensjahr seinen Leidenschaften nachgeht, um dann allmählich etwas kürzer zu treten. Verschiedene Formen falschen und unverantwortlichen Handelns ist oft bei Menschen dieser Altersgruppe anzutreffen. Dieses ist die kritischte Periode im Leben des Menschen. Anmerkung Übersetzer: Wie früh bei jungen Männern offensichtlich die sexuelle Fixierung eintritt, zeigt folgende Aussage: "Einige Untersuchungen ergaben, dass nur bei rund 13 Prozent aller untersuchten Pubertierenden eine erste Ejakulation als nächtliche Pollution auftrat." (siehe: Vorpubertät) Mit anderen Worten, schon vor der eigentlichen Geschlechtsreife, also quasi noch im Kindesalter sind 87 Prozent aller Jungen sexuell aktiv. Man könnte auch sagen, die Sexsucht beginnt bereits im Kindesalter und hält dann meistens ein Leben lang an. Die meisten Menschen aber glauben, diese Fixierung auf die Sexualität sei naturgegeben. Dabei haben sie sie erst durch ihr eigenes Verhalten hervorgerufen. Ein Erleuchteter hat kein erotisches Begehren. Pollution 3.2 Sexuelle Gedanken
in Weisen, Spirituellen und Familienvätern In einem Jnani (Yogi des Wissens), einem befreiten Weisen, sind die sexuellen Wünsche vollkommen beseitigt. Bei einem Sadhaka, einem spirituellen Schüler, bleiben die sexuellen Wünsche sehr kontrolliert. Bei einem Familienvater dagegen, können die sexuellen Wünsche großen Schaden anrichten, wenn sie nicht kontrolliert werden. Die Leidenschaften äußern sich beim Familienvater in einer verstärkte Begierde, der er nicht immer widerstehen kann. Er fühlt sich immer wieder wegen seines schwachen Willens und seiner Unentschlossenheit zur Sinnlichkeit hingezogen. Bei einem Jnani, einem Weisen, treten keine sinnlichen Gedanken auf. Bei ihm gibt es keinen Unterschied in seiner Empfindung, egal ob er ein hübsches junges Mädchen, ein Kind oder eine alte Dame sieht. Er sieht ein ewiges, unsterbliches Selbst in einer Frau und einem Mann. Er hat kein unterschiedliches Empfinden, egal, ob er ein Buch, einen Stapel Holz, einen Stein oder den Körper einer Frau berührt. Es gibt keinerlei erotische Gedanken in einem Jnani. In dieser Verfassung sollte das Bewusstsein eines Menschen sein, der Brahmacharya praktiziert. Bei einem spirituellen Schüler gibt es gelegentliche sexuelle Gedanken, aber sie werden unter Kontrolle gehalten. So können sie keinen Schaden bei ihm anrichten. Ein leidenschaftlicher Familienvater wird jedoch häufiger ein Opfer seiner Sinneslust. Ein leidenschaftlicher Mann sehnt sich nach permanenter Gesellschaft einer Frau. Der Wunsch nach Sex ist tief in ihm verwurzelt. Dieser Wunsch ist normalerweise sehr stark. Er möchte, dass seine Frau ihm alle Wünsche erfüllt. Nur dann ist er zufrieden. Dies ist das Ergebnis seiner Leidenschaft. Solche Personen sind für spirituelle Wege normalerweise vollkommen ungeeignet. Hat sich bei einem Mann Leidenschaftslosigkeit eingestellt, dann wird er nicht mehr zum Opfer der Sinneslust. Wenn man Zitronesaft oder Tamarindesaft in eine goldenen Schale füllt, dann verderben sie nicht. Füllst man sie dagegen in einen Kupfer- oder Messingbehälter, dann verdirbt der Saft und wird giftig. Erwachen in einer Person, die regelmäßig meditiert, sinnliche Gedanken, dann werden sie ihn nicht beunruhigen oder in leidenschaftliche Aufregung versetzen. Wenn solche Gedanken aber in einer Person mit unreinem Verstand auftreten, dann herrscht dort sofort große Aufregung, sollten sie zufällig auf sinnliche Objekte stoßen. In der großen Mehrheit der Menschen ist das sinnliche Begehren sehr stark ausgeprägt. Sie haben extremes sexuelles Verlangen. Bei einigem kommt der sexuelle Wunsch gelegentlich, klingt aber schnell wieder ab. Dann entsteht nur eine kurze Aufregung. Mit der geeigneten spirituellen Methode, kann auch diese Aufregung beseitigt werden. 3.3 Die Lust in Mann und Frau Inhaltsverzeichnis Obwohl eine Frau sehr sanft und weich erscheint, kann sie dennoch sehr grob und rauh und deutlich männlich sein, wenn sie verärgert wird. Die weibliche Anmut verschwindet, wenn sie unter den Einfluss des Zorns, des Protestes, der Wut und des Grolls kommt. Hast du jemals Frauen gesehen, die in den Straßen miteinander kämpften? Frauen sind eifersüchtiger als Männer. Sie besitzen eine stärkere Bindung und Leidenschaft. Sie sind viel leidenschaftlicher als Männer. Frauen haben mehr Energie und Ausdauer. Sie sind emotionaler. Männer sind dagegen rationaler. Obwohl Frauen leidenschaftlicher sind als Männer, haben sie dennoch mehr Beherrschung als Männer. Nachdem sie einen Mann angelockt haben, halten sie auf eine Art still. Der wirklich Handelnde ist der Mann. Er ist aggressiv. Er ist es, der die verbotene Frucht zuerst kosten darf. Er ist der Aktive. Er gerät außer Kontrolle und verliert seinen Verstand und sein Urteilsvermögen, wenn er unter dem Einfluss der Leidenschaft steht. Sobald ein Mann in die Falle zappelt, in dem Netz, das von der Frau gesponnen wird, gibt es für ihn kein Entweichen. Die Frau dagegen ist passiv. Sie reizt ihn und spielt mit seinen Illusionen. Sie entflammt ihn und setzt sein Herz in brannt. Sie lächelt, blickt ihn verliebt an und hält dann still. Sie wartet. Der Mann ist der Angreifer. Er ist der wahre Schuldige. Der Mann ist der wahre Verführer. Er übertritt die Regeln. Alle Frauen würden zu Miras, Madalasas und Sulabhas, verehrten Persönlichkeiten der Mythologie werden, gäbe es da nicht die gemeine Natur des Mannes. Er muss zuerst verbessert und geformt werden. Er hat nicht soviel Selbstbeherrschung, wie Frauen sie normalerweise besitzen. Man sagt, Frauen sind achtmal leidenschaftlicher als Männer, aber sie besitzen achtmal mehr Stärke in der Steuerung der sexuellen Antriebe. Dieses ist die Schwäche des Mannes, obwohl er einer Frau physisch und intellektuell überlegen sein kann. Frauen schmeicheln, überreden und verleiten dich. Sie sind Expertinnen in der Kunst der Schmeichelei. Sie machen dich durch ihre gewinnenden Redewendungen, Tätigkeiten, durch ihren jugendlichen Charme, ihre koketten flüchtigen Blicke und Gesten und durch ihr Lächeln zum Sklaven. Einen beträchtlichen Teil deines Lebens hast du mit der Jagd nach der Sinneslust vergeudet. Frauen können für kurze Zeit ganz bezaubernd aussehen. Diese Schönheit kann aber auch sehr schnell wieder vergehen. Vor diesen Versuchungen, die dich durch ihre Schmeicheleien einwickeln, solltest du aufpassen. Verbringe deine restlichen Tage lieber an den heiligen Sandbänken des Ganges mit leisem Japa und in der Meditation. Das Skorpion hat das Gift in seinem Schwanzende, die Kobra in ihren Reißzähnen, der Moskito in seinem Speichel und der Phrasendrescher auf seiner Zunge. Frauen können dich mit ihren Blicken verführen. Sie senden Botschaften der Zuneigung zu lüsternen jungen Männern und durchbohren mit ihren verführerischen Blicken ihr Herz und entflammen die Leidenschaften. Aber sie können keinen Schaden bei einem aufmerksamen Weisen anrichten, dessen Aufmerksamkeit auf das Sat-Chit-Ananda (Sein-Bewusstsein-Seligkeit) und die reine Natur des Atman gerichtet ist. Es gibt Zungen und telegraphische Instrumente in den Augen junger leidenschaftlicher Frauen. Sie schicken durch ihre lächelnden flüchtigen Blicke leidenschaftlichen jungen Männern ihre Liebespfeile und Liebesbotschaften, ziehen sie dadurch in ihren Bann und bezaubern sie. Diese jungen Männer, die kein Unterscheidungsvermögen besitzen, werden durch solche Liebesbotschaften zum Opfer ihrer Leidenschaften. Sie werden zum Schoßhündchen junger Frauen, selbst wenn sie eine akademische Ausbildung, eine hohe Position und einen Titel besitzen. Was für eine Schande! Der Grund für dieses Verhalten des Mannes liegt darin, dass sein Wille und sein Intellekt offensichtlich versagen. Oh, ihr Yogaschüler, haltet euch von den Frauen zurück, solange ihr nicht im Brahmacharya gefestigt seid. Ihr solltet euer nobles ideales Leben nicht für die flüchtigen Momente mit einer bezaubernden Frau opfern. Denkt an die Beschaffenheit des Körpers. Das, was heute noch so begehrlich erscheint, kann morgen schon allen Glanz verloren haben. Vergegenwärtigt euch das Bild des toten Körpers einer Frau oder ihres Skeletts, wann immer euch die Leidenschaft überfällt. So werdet ihr allmählich an Stärke gewinnen und die Leidenschaft besiegen. Die Leidenschaftslosigkeit wird sich immer weiter ausbreiten. Die Ursache für die sexuelle Anziehung zu den Frauen ist das Vorhandensein von unbewussten subtilen Wünschen und von sinnlichen Begierden im Verstand. Löscht sie aus. Dann haben sie keine Anziehungskraft mehr. Diejenigen, die auf Frauen und Geld verzichtet haben, haben auf die Welt verzichtet. 3.4 Die enthaltsam lebenden Dani aus Neuguinea Inhaltsverzeichnis Die Dani sind ein Volk aus Neuguinea (Nord-Zentral-Irian Jaya, Indonesien, nördlich von Australien), mit 370.000 Einwohnern. Sie hatten in den ersten beiden Jahren nach der Heirat keinen Geschlechtsverkehr und lebten für 4 bis 6 Jahre nach der Geburt eines Kindes vollkommen enthaltsam. Vorehelicher und außerehelicher Geschlechtsverkehr sind praktisch unbekannt, und es gibt scheinbar keine Homosexualität oder andere sexuelle Formen der sexuellen Befriedigung (Onanie). Darüber hinaus scheint niemand irgendwelche Anzeichen von Unglück oder Stress zu zeigen. Übermenschen? Eine Erfindung, die der Phantasie eines Science Fiction Autors entsprungen ist? Tatsächlich leben die Dani ziemlich schön, im großartigen Tal von Westirian (früher West-Neuguinea), wo sie für 2 ½ Jahre von Karl Heider, einem Anthropologe von der Universität South Carolina (USA), studiert wurden. Heider, der an den amerikanischen Universitäten von Harvard, Brown und Stanford lehrte, beschreibt das enthaltsame sexuelle Verhalten der 5.000 Mitglieder des Stammes in der aktuellen Ausgabe des "The Journal of the Royal Anthropological Institute of Great Britain". Er fand keine starken Bestrafungen gegen sexuelle Betätigungen oder irgendeine brauchbare Erklärung für eine unterentwickelte Libido (sexuelles Verlangen) der Dani. Nach der Befragung, sagten die Stammesangehörigen, die Verletzung der Enthaltsamkeit nach der Schwangerschaft würde Probleme mit den Geistern des Stammes verursachen. Dennoch wirkten die Dani keineswegs gezwungen gegenüber ihren Geistern, und Heider stellt fest, dass die Befolgung dieser übernatürlichen Bestimmungen als ziemlich zwanglos verstanden werden muss. Das Dani scheinen einfach keinen größeren Drang zu kennen, weder sexuell noch in anderer Weise. Es gibt kaum starke Gefühle, wenig künstlerische Ambitionen und nur wenig Streit. Anstatt seiner Wut Ausdruck zu verleihen, entfernt sich der Dani lieber von der belastenden Situation. Kriege haben, laut Heider, den emotionalen Charakter der Rotwildjagd in Amerika. Die Krieger unterhalten sich eine längere Zeit, kämpfen dann eine Stunde lang, und setzen danach die Unterhaltung fort. Wut und Rache spielen dabei nur selten eine Rolle. Die Dani wollen einfach nur ihre Geister besänftigen und den Kampf so schnell wie möglich beenden. Ihr einzig wirkliches Interesse gilt der Schweinehaltung und dem Anbau der Süßkartoffel. Heider kann es sich nicht erklären, warum das Energieniveau der Dani so "niedrig" ist. Der Stamm scheint eine niedrige Kindsterblichkeitsrate, eine ausreichende Ernährung und keine ernsten Krankheiten zu haben. Heider glaubt nicht, dass genetische oder biologische Faktoren die Ursachen für dieses "niedrige Energiesystem" der Dani sind, sondern dass sie kulturell bedingt ist. Wenn das so ist, dann müsste die westliche Theorie über den angeborenen sexuellen Trieb, der vor allen Dingen von Freud postuliert wurde, neu überdacht werden. Ein Bericht aus dem Time Magazine - Montag, Aug. 2, 1976 Abschnitt 3.4 ist nicht aus dem Buch Swami Sivanandas. Ich habe ihn hier zur allgemeinen Information eingefügt. Der Übersetzer. 4. Sex ist eine Einbildungskraft Inhaltsverzeichnis Sex ist der Unterschied zwischen Mann und Frau. Es ist eine mentale Schöpfung. Es ist eine Schöpfung des Geistes, eine Phantasie. In den fünf Elementen, aus denen der Körper besteht, gibt es keinen Sex. Der menschliche Körper besteht aus fünf Elementen (Erde, Wasser, Feuer, Luft und Leere bzw. äther). Woher kommt also die Idee vom Sex? Die Sexualität ist eine Illusion. Sie ist ein Trick des Geistes. Sie ist eine Gaukelei der Maya, der Täuschung. Die Idee vom Sex ist tief in uns verwurzelt. Der Mann wird niemals denken, dass er eine Frau ist. Und die Frau wird niemals denken, dass sie ein Mann ist. Für einen befreiten Weisen, besteht die Welt nur aus Brahman (Gott). Für einen leidenschaftlichen Mann ist diese Welt voller Frauen, die erobert werden wollen. Er verliebt sich in einen hölzernen Pfosten, um den ein seidenes Kleid oder ein hübsches Tuch mit einer attraktiven Umrandung gewickelt wurde. Leidenschaft ist ein schrecklicher Fluch. Steht ein Mann unter dem Einfluss der Leidenschaft, dann zerstören der sexuelle Impuls und die Aufregung sein Verständnis und machen ihn ziemlich hilflos. Ein Familienvater, der das Leid des Samsara, des Rades von Tod und Wiedergeburt, verstanden hat, ist bemüht, das samsarische Leben zu beenden. Er wird zum Brahmachari. Ein Junggeselle dagegen, der sich vorstellt, wie einsam das Leben ohne Frau und Kinder sein könnte, wird versuchen, zu heiraten. Dahinter steht Maya, die Illusion, die uns zu täuschen versucht. Es ist ein mentaler Trick. Man sollte sich davor hüten. Ein leidenschaftlicher Junggeselle wird immer denken: "Wann kann ich endlich mit einer Frau zusammen leben." Ein leidenschaftlicher Familienvater, in dem die Unterscheidungskraft gedämmert hat, denkt: „Wann kann ich mich endlich ablösen von den sinnlichen Begierden zu meiner Frau und mich in die Wälder zur Betrachtung des Atman zurückziehen?“ Man sollte einmal über den Unterschied nachdenken. Tausende von jungen Akademikern und jungen Doktoren kommen zu mir mit Tontöpfen in ihren Händen, bekleidet in den orangefarbenen Roben, in der Suche nach Höhlen in Uttarakashi und in Gangotri für tiefe Meditation und in der Praxis von Pranayama. Und einige junge Studenten aus der wissenschaftlichen Forschung gehen nach Punjab und Kaschmir in seidenen Hosenanzügen mit steifem Kragen auf der Suche nach Mädchen für die Heirat. Gibt es Vergnügen oder Schmerz in dieser Welt? Wenn es Vergnügen gibt, warum ziehen sich dann die jungen gebildeten Männer in Wälder zurück? Wenn es Schmerz gibt, warum laufen junge Männer dann dem Wohlstand, den Frauen und beruflichen Position hinterher? Maya ist wirklich geheimnisvoll. Versuche das Rätsel des Lebens und das Rätsel des Universums zu verstehen. 4.1 Schönheit ist ein Trick der Natur Inhaltsverzeichnis Maya, die Illusion, die Täuschung, führt den Verstand permanent in die falsche Richtung. Die Frau ist nicht schön, aber in der Phantasie ist sie schön. Der Zucker ist nicht süß, aber in der Phantasie ist er süß. Nahrung ist nicht schmackhaft, aber in der Phantasie ist sie schmackhaft. Der Mann ist nicht schwach, aber in der Phantasie ist er schwach. Verstehe die Natur der Maya, der Täuschung und des Verstandes und lerne daraus. Zügele deine Phantasie durch Unterscheidungskraft und rechtes Denken und Ruhe im Brahman, wo es weder Phantasie noch Gedanken gibt. Schönheit und Hässlichkeit sind falsche Phantasien des Verstandes. Der Verstand selbst ist ein illusorisches Produkt. Auffassungen des Verstandes müssen folglich auch falsch sein. Sie sind wie Trugbilder in der Wüste. Was für dich schön ist, ist für andere hässlich. Schönheit und Hässlichkeit sind relative Bezeichnungen. Schönheit ist nur ein Geisteskonzept, eine Geistesprojektion. Sie ist wie ein zivilisierter Mann, der viel von der Symmetrie der Form, den guten Eigenschaften des würdevollen Ganges sowie der Eleganz von weisen und würdevollen Formen, spricht. Ein Afrikaner hat bestimmt ganz andere Vorstellungen über Schönheit, als ein Amerikaner, ein Europäer oder ein Asiate. Wahre Schönheit ist nur im Selbst, in Gott. Schönheit liegt im Verstand und nicht in den Objekten. Mangos sind nicht süß, die Idee von der Mango ist süß. Es sind alles nur Gedanken. Es sind alles nur geistige Täuschungen, geistige Auffassungen, geistige Kreationen, geistige Schöpfungen. Zerstöre die Gedanken und die Schönheit verschwindet. Der Ehemann dehnt seine Idee der Schönheit auf seine weniger hübsche Frau aus, und findet sie dank seiner Leidenschaft auf einmal sehr attraktiv. Shakespeare hat dieses zu Recht in seinen „Mitt-Sommer-Nachts-Träumen“ ausgedrückt: „Amor wird blind gemalt. Er findet die Schönheit Helens in der Augenbraue von ägypten“. Die Wünsche und der Verstand täuschen dich jeden Moment. Sie sind deine wirklichen Feinde. Schönheit ist ein Produkt der geistigen Schöpfung. Schönheit ist ein Produkt der Phantasie. Eine hässliche Frau sieht in den Augen ihres Ehemanns vielleicht sehr schön aus. Wo ist die Schönheit, meine lieben Freunde, in der verrunzelten Haut einer alten Frau geblieben? Wo ist die Schönheit, wenn deine Frau krank und bettlägrig ist? Wo ist die Schönheit, wenn deine Frau wütend oder ängstlich ist? Schönheit im Gesicht ist eine bloße Betrachtung. Die unverdorbene Schönheit, der Jungbrunnen der Schönheit, kann nur im Atman gefunden werden. Du hast den Ursprung der Schönheit vergessen und klammerst dich an die Scherben eines zerbrochenen Glases. Was für ein Fehltritt hat dich verleitet, das Leben durch deine unreinen Gedanken, deinen unreinen Verstand, deinen unreinen Geist und deine unreine Lebensweise zu betrachten? Hast du diesen Fehler mittlerweile erkannt? Bist du bereit, deine Augen wenigstens jetzt zu öffnen? Eine schöne Frau ist sehr bezaubernd. Sie ist sehr süß, wenn sie jung ist, wenn sie lächelt, wenn sie ein schönes Kleid trägt, wenn sie singt und auf dem Klavier oder der Violine spielt oder wenn sie tanzt. Aber sie ist schrecklich zu betrachten, wenn sie ihr Temperament verliert, wenn sie mit ihrem Ehemann streitet und hysterisch wird, weil sie keine seidenen Kleider und Goldketten bekommt, wenn sie an einer Krankheit leidet oder wenn sie alt wird. Für einige Jahre schenkt die Natur der Frau die Schönheit, den Charm und die Eleganz, so dass sie die Herzen der Männer gefangen nehmen kann. Schönheit ist nur oberflächlich. Sie wird schon bald verblassen, das Haar wird Grau und die Haut wird bald mit Falten übersät sein. Der Schneider, der Weber, der Sticker, der Frisör, der Kosmetiker und der Goldschmied schenken uns äußere Attraktivität. In seiner Aufregung, Verliebtheit und Verblendung, übersieht der Mann mitunter diesen Punkt. Dies ist Maya, die Illusion. Vertraue niemals dieser Maya. Vorsicht, Mann, wach auf. Entdecke die Schönheit der Schönheit, die in dir ist, die dein innerstes Selbst ist. Hast du jemals darüber nachgedacht, von welcher grundlegenden Beschaffenheit die Frauen sind, die die Sinneslust in dir wachrufen? Ein Bündel Knochen, Fleisch, Blut, Urin, Fäkalien, sowie Schweiß, Schleim und anderer Schmutz! Willst du es zulassen, dass solch ein Bündel der Meister deiner Gedanken wird? Willst du dein Geburtsrecht auf ewigen Glück und Frieden für solch eine flüchtige Sinnestäuschung verschenken? Schande über dir, wenn du diese Torheit nicht erkennst. Sollten dein Wille, deine Vernunft und dein mangelndes Unterscheidungsvermögen, dir solch ein unrühmliches Ende bereiten? Hast du nicht verstanden, dass körperliche Schönheit nur äußerlich ist und an der Gnade der Gesundheit und der Jugend gebunden ist? 4.2 Irreführende Beschreibungen der Schönheit einer Frau Inhaltsverzeichnis Poeten haben die Schönheit der Frauen beschrieben. Aber diese Dichter sind fehlgeleitete Menschen, die junge Männer auf den falschen Pfad führen. Beschreibungen wie "Jungfrauen mit dem bezaubernden Blick", "ein Gesicht wie der Mond" oder "rosige Wangen und Honiglippen" sind irreführend. Wo bleibt die Schönheit im toten Körper, bei alten oder kranken Frauen? Wo ist die Schönheit geblieben, wenn eine Frau wütend ist? Du bist dir dessen bewusst und doch haftest du ihren Körpern an! Bist du nicht ein unverbesserlicher Narr? Die Schönheit einer Frau ist falsch, künstlich und vergänglich. Wirkliche Schönheit ist rein und ewig. Der Atman ist die Quelle aller Schönheit. Seine Schönheit ist ewig und rein. Es ist der Schmuck, die seidenen Kleider mit phantasievollen Spitzen und Säumen, das Verzieren der Haare mit goldenen Haarnadeln oder Blumen, der Gebrauch von Puder und Parfüm, der Lippenstift und die Wimperntusche, die den Frauen eine vorübergehende Schönheit und ein künstliches Glitzern verleihen. Beraube sie ihres Gesichtspuders, ihres Schmuckes und ihrer farbenprächtigen Kleider und bitte sie, ein einfaches weißes Tuch zu tragen. Wo bleibt dann die Schönheit? Die äußere Schönheit ist nur eine Illusion. Dichter beschreiben in ihren phantasievollen, leidenschaftlichen Stimmungen, dass Honig von den Lippen einer jungen, schönen Frau fließt. Entspricht das der Realität? Was siehst du wirklich? Die übelriechende Zahnspange, den unangenehmen Gerüche des Rachen, das Sabbern des Speichels in der Nacht. Ist es das, was die Poeten mit Honig und Nektar beschreiben? Und doch, der leidenschaftliche, lüsterne und sexberauschte Mann schluckt diese schmutzigen Ausscheidungen, wenn er unter dem Einfluss der sexuellen Erregung ist! Gibt es etwas, das abscheulicher ist als dieses? Sind diese Poeten nicht mit schuld, wenn sie solche falschen Beschreibungen geben, die so große Zerstörungen bei den leidenschaftlichen jungen Männern verursachen? Hinter der glänzenden Haut gibt es das rohe Fleisch. Hinter dem Lächeln einer jungen Dame ist ein verstecktes Stirnrunzeln und ärger. Hinter den rosigen Lippen lauern die Mikroben der Krankheiten. Hinter der Sanftheit und den freundlichen Worten stehen oftmals versteckte rauhe Wörter und Beschimpfungen. Das Leben ist flüchtig und, O leidenschaftlicher Mann, unsicher! Lerne die Schönheit des Atman im Herzen verwirklichen. Der Körper ist der Wohnsitz für Krankheiten. Das Netz der Zuneigung wird durch Genuss verstärkt. Es schlingt sich wie eine stark geknotete Schnur um deinen Nacken. Ohne ihre Haut, ohne ihre bunten Kleider, ohne ihren Schmuck bleibt nicht viel von der Frau. Stelle dir für einen Moment vor, sie hätte keine Haut. Du musst mit einem Stock an ihrer Seite stehen, um die Krähen und Geier fortzujagen. Körperliche Schönheit ist oberflächlich, illusorisch und vergänglich. Lass dich nicht durch äußerlichkeiten blenden. Es ist eine Gaukelei der Maya. Geh' zur Quelle, zu Atman, der Schönheit der Schönheiten, der ewigen Schönheit. 4.3 Die Leidenschaft blendet den Intellekt Inhaltsverzeichnis Sexuelles Vergnügen ist eine Illusion. Es ist eine Täuschung. Es ist nicht wirklich ein Vergnügen. Es ist nur ein Nervenkitzel. Alle weltlichen Vergnügen erscheinen am Anfang als Nektar. Aber am Ende werden sie zu Gift. Denke darüber nach, O Saumya, mein geliebter Sohn! Lass dich nicht von sinnlichen Impulsen und von der Leidenschaft entführen. Am Ende sind die Menschen traurig. Frag' jeden Familienvater, ob er auch nur einen Jota Glück in seinem Leben findet. Die Fliege fliegt zum Feuer oder zur Lampe, denkt, dass es eine Blume ist, und verbrennt sich daran. Ebenso läuft der leidenschaftliche Mann einer hübschen Frau nach, denkt, dass er dort das wahre Glück findet, und verbrennt im Feuer der Leidenschaft. Ebenso, wie die Seidenraupe sich in ihrem selbstgesponnenen Kokon einwickelt, so hast auch du dich in die Maschen deiner sinnlichen Wünsche eingesponnen. Zerschneide die Maschen durch das Messer der Unterscheidungskraft und steige auf den Flügeln der Hingabe und des Wissens ins Reich des ewigen Friedens. Ein leidenschaftlicher Mann ist ein blinder Mann. Obwohl er ein Intellektueller sein kann, wird er blind, wenn er unter dem Einfluss der sexuellen Erregung steht. Sein Intellekt erweist sich als unbrauchbar, wenn er unter dieser Art der Blindheit leidet. Er ist bemitleidenswert! Satsanga (das Zusammensein mit Weisen), Gebet, Japa, Studium und Meditation rotten diese entsetzliche Krankheit aus und schenken ihm das Licht der Weisheit. Es gibt kein Sex in den Körpern. Aber es gibt den Verstand im Körper, der den Sex entstehen lässt. Es gibt Geistesschöpfungen, Wünsche und Phantasien im Verstand. Und diese Phantasien, dieser Wunsch nach Sinneslust ist ein sexueller Wunsch. Bringst du dieses Bündel an Phantasien zum Schweigen, so schweigt auch die Sinneslust. Dann endet das sinnliche Begehren. Du hast die Lust besiegt. Die Sexualität ist eine geistige Schöpfung. Die Maya (Illusion) und die Unwissenheit sind nichts anderes als die Täuschung der Verkörperung der Sexualität, der Vorstellung, die Sexualität manifestiere sich im Körper. Die ganze spirituelle Praxis wird ausgeführt, um diese eine Idee zu zerstören. Allein durch die Beseitigung dieser einen Idee erlangt man Befreiung. 5. Der verhängnisvolle Nachteil des sexuellen Genusses Inhaltsverzeichnis Das am stärksten entkräftende und entmutigende Vergnügen ist das sexuelle Vergnügen. Es geht einher mit Schmerzen, Schwächen, Anhaftungen, mit einem schwachen Willen, einer Sklavenmentalität, mit großer Anstrengung im Kampf gegen die sinnliche Begierde und mit Nervosität. Aber sinnliche Menschen kommen niemals zur Vernunft, obwohl sie harte Schläge, Tritte und Prügel aus allen Richtungen beziehen. Der streunende Straßenhund schleicht sich immer wieder in die Häuser, obwohl er dort jedes mal mit Steinen beworfen wird. Bedeutende westliche Mediziner sagen, dass verschiedene Arten von Krankheiten aus dem Verlust des Samens entstehen, besonders im jungen Alter. Sie zeigen sich als Blutgeschwüre auf dem Körper, Bläschen oder Akne auf dem Gesicht, als blaue Linien unter den Augen, als Fehlen von Barthaaren, als eingefallene Augen, als Bleichgesicht mit Blutarmut, als Gedächtnisverlust, als Verlust des Sehvermögens, als Kurzsichtigkeit, als Verlust des Samens zusammen mit dem Urin, als Vergrößerung der Hoden, als Schmerz im Hoden, als Erschöpfung, Schläfrigkeit, Trägheit, Depression, Herzklopfen, als Atemnot oder Schwierigkeit mit der Atmung, als Schwindsucht (Tuberkulose), als Rückenschmerzen, Lendenschmerzen, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, als schwache Nieren, als Urinieren im Schlaf, als Wankelmütigkeit, Denkfaulheit, als schlechte Träume, feuchte Träume (Pollutionen), als Unruhe und Rastlosigkeit. Du solltest dir die schlechten Nachwirkungen des Samenverlustes sorgfältig merken! Die Menschen sind durch das Vergeuden der Samenenergie physisch, geistig und moralisch geschwächt. Dem Körper und dem Verstand fehlt dann die Energie um zu arbeiten. Man verfällt in physische und mentale Lethargie. Du empfindest Schwäche und Erschöpfung. Du möchtest am liebsten zu Milch, Früchten und Aphrodisiakum Zuflucht nehmen, um den Verlust der Energie wieder auszugleichen. Du solltest daran denken, dass diese Dinge diesen Energieverlust niemals ersetzen können. Einmal verloren, ist für immer verloren. Du wirst in einem trostlosen und freudlosen Leben dahinkriechen. Deine körperliche und geistige Stärke wird von Tag zu Tag abnehmen. Die, die viel von ihrem Samen verlieren, werden sehr reizbar. Schon Kleinigkeiten regen sie auf. Diejenigen, die nicht das Gelöbnis des Brahmacharya beachtet haben, werden die Sklaven des Zornes, der Eifersucht, der Trägheit und der Furcht. Wenn du deine Sinne nicht unter Kontrolle hast, riskierst du, dumme Taten zu tun. Der, der diese lebenswichtige Energie vergeudet, wird leicht erregbar, er verliert seine Ausgeglichenheit und lebt in einen Zustand der explosiven Wut. Wenn ein Mensch wütend wird, benimmt sich er sich unkontrolliert. Er weiß nicht, was er genau tut, während er seine Energie in zornigen Wutausbrüchen und Vorwürfen vergeudet. Er tut alles, was er möchte, aber ohne zu überlegen. Er beleidigt seine Eltern, seine Freunde und selbst Respektspersonen. Es ist folglich erforderlich, dass der Brahmacharin, der versucht, spirituelle Fortschritte zu erlangen, diese lebenswichtige Energie konserviert. Die Bewahrung dieser göttlichen Energie führt zu Erreichung eines starken Willens, eines vorbildlichen Verhaltens, zu spiritueller Begeisterung und irgendwann zur Befreiung und Erleuchtung. übermäßiger sexueller Verkehr vermindert diese Energie enorm. Junge Männer kennen vielfach nicht den Wert dieser lebenswichtigen Flüssigkeit. Sie vergeuden diese dynamische Energie durch übertriebene Selbstbefriedigung oder durch übertriebenen Geschlechtsverkehr. Ihre Nerven sind köstlich darüber amüsiert. Sie werden regelrecht berauscht davon. Was für einen Fehltritt sie begehen! Es ist ein Verbrechen, das nach Bestrafung verlangt. Sie sind Mörder des Atman. Wird diese Energie einmal vergeudet, dann kann sie nie wieder ersetzt werden. Sie ist die leistungsfähigste Energie der Welt. Eine sexuelle Tat erschüttert vollständig das Gehirn und das Nervensystem. Die Menschen glauben fälschlicherweise, dass sie die verlorene Energie zurückgewinnen können, indem sie Milch, Mandeln und Potenzmittel zu sich nehmen. Dies ist ein Irrtum. Du solltest dich bemühen, jeden Tropfen zu konservieren, selbst wenn du ein verheirateter Mann bist. Selbstverwirklichung ist das Ziel. Die Energie, die während eines sexuellen Aktes vergeudet wird, ist gleichwertig mit der Energie, die in 10 Tagen für körperliche Schwerstarbeit aufgewendet wird, oder mit der Energie, die in drei Tagen für Geistesarbeit aufgebracht wird. Erkenne, wie kostbar diese lebenswichtige Flüssigkeit ist! Verschwende diese Energie nicht sinnlos. Bewahre sie mit großer Sorgfalt. Dann wirst du eine wunderbare Vitalität besitzen. Wenn der Samen nicht vergeudet wird, wird er in Ojas Sakti oder geistige Energie umgewandelt und im Gehirn gespeichert. Westliche Mediziner wissen wenig über diesen bedeutsamen Punkt. Die meisten deiner Unpässlichkeiten liegen an der übermäßigen Samenverschwendung. 5.1 Feuchte Träume und normaler Geschlechtsverkehr Inhaltsverzeichnis Ein sexueller Akt erschüttert das
Nervensystem. Das ganze Nervensystem wird durcheinander gerüttelt
und
aufgewühlt. Es gibt einen enormen Verlust von Energie. Sehr viel
Energie wird während des Geschlechtsaktes vergeudet. Dies ist aber
nicht so, wenn der Samenerguss während des Schlafes geschieht. In
einem
feuchten Traum kommt es im wesentlichen nur zu einem Ausfluss der
Prostataflüssigkeit. Beim Orgasmus des Mannes steigt Samenflüssigkeit aus dem Hoden und dem Nebenhoden (Spermien) über den Samenleiter aufwärts, wird dann mit den Drüsensekreten aus der Samenleiterampulle, der Samenbläschendrüse, der Prostata und der Bulbourethraldrüse (Cowpersche Drüse) vermischt und anschließend durch die Harnröhre ausgeschieden (siehe Bilder unter 5.2 und 5.3). Die Prostata produziert ein milchig-klares Sekret, das gemeinsam mit den Samenzellen, sowie mit den Drüsensekreten aus der Samenleiterampulle, der Samenbläschendrüse und der Bulbourethraldrüse das Ejakulat bildet. Die alkalische Flüssigkeit der Vorsteherdrüse (Prostata) sorgt für die Beweglichkeit der Samenzellen. Ohne dieses Sekret könnten diese die Scheide, in der ein saures Milieu vorherrscht, nicht passieren und in die Gebärmutter aufsteigen. Entschuldigt bitte, wenn ich zwischendurch einige Anmerkungen einfüge. Aber ich brauchte sie, um mir selber Klarheit zu verschaffen. Vielleicht erleichtert sie ja ebenfalls euer Verständnis. Darum werde ich später noch etwas ausführlicher auf die unterschiedlichen Drüsensekrete eingehen. Ende Anmerkung Übersetzer. Selbst wenn es bei einem nächtlichen Orgasmus (Pollution) einen Verlust der lebenswichtigen Flüssigkeit gibt, läuft nicht so viel aus. Es tritt also während der feuchten Träume nicht viel Samenflüssigkeit aus. Es ist nur die wässrige Prostataflüssigkeit mit ein wenig Samen, der während der nächtlichen Pollution entladen wird. Wenn ein nächtlicher Samenerguss stattfindet, arbeitet der Verstand auf Astralebene und entführt den physischen Körper in ein aufregendes erotisches Abenteuer. Das ist der Grund, warum der Samenerguss plötzlich stattfindet. Der nächtliche Samenerguss kann möglicherweise nicht einmal einen sexuellen Wunsch anregen. Ein freiwilliger Geschlechtsverkehr dagegen ist für einen aufrichtigen Brahmacharya für seinen geistigen Fortschritt in hohem Grade schädlich. Die Eindrücke durch den Geschlechtsakt dagegen sind normalerweise sehr tief und sie beeinflussen die bereits bestehenden Eindrücke im Unterbewusstsein und sie regen verstärkt die sexuelle Phantasie an. Es ist wie Öl, das ins Feuer gegossen wird. Jeder neue Geschlechtsverkehr wird die Verhaftung an die Sexualität noch weiter verstärken und die Arbeit erschweren, sich von diesen sinnlichen Begierden zu befreien. Du solltest den Geschlechtsverkehr vollkommen aufgeben. Dein Verstand wird versuchen, dich auf vielfältige Weise zu täuschen, indem er dir falsche Ratschläge gibt. Sei alarmiert. Höre nicht auf seine Stimme, höre auf die Stimme des Gewissens, die Stimme der Seele, die Stimme der Unterscheidung. 5.2 Jugend mit blutleeren Gesichtern Inhaltsverzeichnis Ein großer Anteil an Energie wird während des Geschlechtsaktes vergeudet. Ein schlechtes Gedächtnis, vorzeitige Alterung, Impotenz, verschiedene Augenkrankheiten, verschiedene Nervenkrankheiten, sind die Folgen von schweren Verlust dieser lebenswichtigen Flüssigkeit. Es ist wirklich ein Schock, viele Jugendliche zu sehen, wie sie mit torkelndem Schritt, mit einem blassen und blutleeren Gesicht, infolge des Verlustes dieser lebenswichtigen Samenflüssigkeit, daher gehen, anstelle mit agilen, flinken Schritten hierhin und dorthin, mit der Stärke und der Vitalität eines Eichhörnchens, zu springen. Einige Männer sind so leidenschaftlich und schwach, das sogar der Gedanke, der Anblick oder die Berührung einer Frau einen Samenerguss bei ihnen verursacht. Ihr Los ist bemitleidenswert! Was sehen wir aber in diesen Tagen? Jungen und Mädchen, Männer und Frauen, ertrinken im Ozean unreiner Gedanken, lüsterner Wünsche und sinnlicher Vergnügen. Es ist in der Tat in hohem Grade bedauernswert. Es ist wirklich schockierend, die Geschichten von einigen dieser Jungen zu hören. Viele Schüler und Studenten kommen persönlich zu mir und berichten mir von ihrem bemitleidenswerten Leben, einem Leben aus Trübsinn und Depression durch schweren Samenverlust, resultierend aus Selbstbefriedigung und Geschlechtsverkehr. Ihre Energie der Unterscheidung ist verloren gegangen, infolge von sexuellen Ausschweifungen und lüsterner Berauschtheit. Warum verschwendest du deine Energie für ein kurzes sinnliches Vergnügen, die viele Wochen und Monate brauchte um zu wachsen?
5.3 Das männliche Sperma (Energieverlust) Inhaltsverzeichnis Weil immer wieder behauptet wird, ein Orgasmus
stelle keinen Energieverlust da, soll einmal der ungeheure Aufwand
dargestellt werden, der betrieben wird, um das männlichen Sperma
zu
produzieren. Das Sperma ist geradezu ein kleines hormonelles Wunderwerk
und mit einem Orgasmus wird das Sperma, an deren Produktion sehr viele
Drüsen und Organe beteiligt sind, vergeudet. Der Körper muss
nun alle
seine Energien darauf richten, neues Sperma zu produzieren. Diese
Energie geht dem Wohlbefinden, der Vitalität, verloren und der
Mensch
fühlt sich schlapp, müde und ausgelaugt. Samenplasma
Das Samenplasma (Ejakulat) wird aus Sekreten
der folgenden Geschlechtsdrüsen:
1. Hoden und Nebenhoden
2. Samenleiterampulle 3. Samenbläschen 4. Vorsteherdrüse (Prostata) 5. Cowpersche Drüse (Bulbourethraldrüse) Hier die bildliche Darstellung:
Männliche
Geschlechtsorgane. Dort könnt ihr die Details anschauen.
Hoden und Nebenhoden (Testis): Der Hoden ist die männliche Keimdrüse. Er besteht aus etwa 250 Läppchen, die durch Bindegewebe voneinander getrennt sind. Jedes Läppchen besteht aus einigen stark geschlängelten Hodenkanälchen. Im Hodenkanälchen erfolgt die Entwicklung der Spermien. Bis zur vollständigen Reife der Spermien (Spermatozoen) verbringen sie ungefähr 72 Tage im Hodenkanälchen, wo sie über verschiedene Vorstufen im Keimepithel (Keim- und Stützzellen) der Hodenkanälchen gebildet werden. Die reifen Spermien gelangen anschließend in den Nebenhoden, ihrem Speicherplatz. Der Samenleiter hat eine Länge von etwa 50 - 60 cm und führt vom Nebenhoden ausgehend, im Samenstrang durch den Leistenkanal und mündet gemeinsam mit dem Ausführungsgang der Samenbläschen innerhalb der Prostata in die Harnröhre. Im Hoden und Nebenhoden, die nur 3–5% des gesamten Volumens eines Samenergusses beisteuern, wird neben den Spermien unter anderem auch Testosteron, das regulierend auf die Produktion der Samenzellen wirkt und eine Flüssigkeit ist, die zum Reifen und Ruhigstellen der Samenzellen beiträgt, produziert. Netdoktor: Die Hoden - Thermoschrank für die Samenreife: Die Hoden (in der medizinischen Fachsprachrache Testis genannt) sind die männlichen Keimdrüsen. Das paarig angelegte, eier– oder pflaumenförmige Organ hat ca. fünf Zentimeter Durchmesser und ein Gewicht von 25 bis 30 Gramm. Die Hoden hängen am so genannten Samenstrang, einem Bündel aus Muskeln, Gefäßen, Nerven und Samenleitern frei beweglich im Hodensack. Sie produzieren Spermien (etwa 2.500 Stück pro Sekunde) und Testosteron. Testosteron ist das männliche Sexualhormon, das für die Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale, z.B. die männliche Stimmlage, den Bartwuchs, die Achsel-, Kopf- und Schambehaarung sowie die Muskelverteilung und den Knochenbau verantwortlich ist. Das Testosteron reguliert auch die Samenproduktion. Die Spermien (Samen) reifen in etwa 250 Kammern (Hodenläppchen) heran, in die jeder Hoden unterteilt ist. Die Hodenläppchen entstehen durch ein Knäuel von Hodenkanälchen, in denen die Spermien gebildet werden. Insgesamt machen die Kanälchen eines Hodens eine Länge von fast 200 Metern aus. Männliche Samenzellen sind während der Reifephase sehr temperaturempfindlich, weshalb sie in kühlere Regionen ausgelagert werden: Im Hodensack ist die Temperatur etwa zwei bis zweieinhalb Grad niedriger als im Bauchraum. Nebenhoden – Basislager vor dem Einsatz: Hinter den Hoden liegt der Nebenhoden. Er besteht aus einem sechs Meter langen, zu einem engen Knäuel gewickelten Röhrensystem, in dem die von den Hoden gebildeten Spermien bis zu ihrem Einsatz aufbewahrt werden. Die Nebenhoden produzieren für die Lagerung ein bestimmtes Sekret, durch das die sehr bewegungsfreudigen Spermien vorübergehend "ruhig gestellt" werden. Wird das Basislager zu voll, hilft sich die Natur durch einen unkontrollierten Samenabgang (Pollution). Dies geschieht meist nachts im Schlaf. Samenleiterampullen: In die Wand des
Endabschnitts des Samenleiters (im Bereich der Prostata) sind
Drüsenpakete eingelagert. Beim Menschen führen diese
Drüseneinlagerungen auch zu einer äußerlich
sichtbaren Auftreibung des Samenleiters, die als Samenleiterampulle
bezeichnet wird. Die Samenleiterampulle produziert einen Teil der
Samenflüssigkeit.
Samenbläschen: Die
Samenbläschen sind
paarig angelegte Drüsen, die aus einer verschlungenen Röhre
besteht.
Die Innenwand dieser Röhre besteht aus sekretorischem
Drüsengewebe. Das
Sekret der Samenbläschen steuert das meiste Volumen, ca. 50–70%,
des
Ejakulats bei. Sie dient der Verflüssigung des Ejakulats und
enthält
Fruktose (Fruchtzucker) und andere Stoffe die der Ernährung der
Samenzellen dient, außerdem große Mengen an Prostaglandinen
(Hormone
mit hoher Wirkungsvielfalt, schmerzbekämpfend, gerinnungshemmend,
entzündungshemmend, fiebersenkend) und Fibrinogen
(gerinnungshemmendes
Protein). Die Prostaglandine tragen zur Befruchtung bei, in dem sie die
Gebärmutterschleimhaut empfänglicher für die befruchtete
Eizelle
machen, und möglicherweise in dem sie die glatte Muskulatur in der
Gebärmutterwand zu peristaltischen (wellenförmige
Einschnürungen von
Ringmuskeln) Bewegungen anregen, die die Spermien in Richtung
Eierstöcke bringen. Außerdem verhindern sie Infektionen im
männlichen
Geschlechtstrakt.
wikipedia:
Ebenfalls als Samenblasen werden im Tierreich Behältnisse zur
Aufbewahrung der Spermien benannt, die sowohl beim Weibchen (etwa bei
Ameisen) als auch beim Männchen (etwa bei den Libellen) vorkommen
können. Beim Menschen scheint es aber so zu sein, dass die
fertigen
Spermien ausschließlich im Nebenhoden gelagert werden.
Vorsteherdrüse (Prostata): Die Prostata ist ein etwa kastaniengroßes
Organ,
das den Anfangsteil der Harnröhre unter der Harnblase umgibt. Beim
Orgasmus steuert die Prostata (Vorsteherdrüse) noch 10–33% in Form
einer dünnflüssigen, milchigen Flüssigkeit bei. Die
Kapsel der Prostata
zieht sich ebenso wie das Samenbläschen während der
Ejakulation
zusammen, so das die Flüssigkeit der beiden Organe vermischt und
ausgestoßen wird. Das Sekret der Prostata enthält Ionen
(Natrium,
Kalium, Zink und Magnesium, Kalzium, Citrationen (Zitronensäure),
Phosphationen), ein Gerinnungsenzym und Profibrinolysin (zur
Blutgerinnung). Der pH-Wert der Prostataflüssigkeit ist leicht
basisch
(pH 7,2) und dient als Ausgleich für die leicht saure
Flüssigkeit aus
den Samenbläschen, metabolische (stoffwechselbedingte)
Abbauprodukte
der Spermien, und die zu erwartende Milchsäure der Scheide. Dies
ist
besonders bedeutsam, da Spermien erst bei einem pH-Wert von 6.0 bis 6.5
optimal beweglich werden. Weiterhin ist PSA (Prostataspezifisches
Antigen) enthalten, um die Spermien beweglich zu machen. Die Prostata
entlässt außerdem weiße Blutkörperchen,
verschiedene Granulozyten
(dienen zur Abwehr von Bakterien, Parasiten und Pilzen) ins
Samenplasma, normalerweise 1 (max. 2) Millionen pro 1ml. Daher auch die
Infektiösität (Anhaften und Vermehren von Krankheitserregern)
des
Spermas (z. B. HIV, (Aids)).
Cowpersche Drüse
(Bulbourethraldrüse):
Vorab, ausgelöst durch die Erregung, innerviert (mit
Nervenimpulsen
versorgt) der Parasympathikus (vegetatives Nervensystem) die
Cowperschen Drüsen (beim Menschen etwa 5 cm lang, der
Ausführungsgang
mündet in die Harnröhre) und regt sie zur Sekretion eines
verhältnismäßig kleinen Anteils von 2–5% klaren
Schleims, auch
Lusttropfen (auch Lusttröpfchen, Vorlusttropfen,
Sehnsuchtstropfen,
Glückstropfen, liquor of love, medizinisch: Präejakulat,
können in der
späten Plateauphase, kurz vor dem Orgasmus, aus dem
männlichen Glied
schon vor der Ejakulation austreten.) genannt, an. Die Lusttropfen
bestehen aus einem klaren Schleim aus verschiedenartigen
Drüsenzellen
und können schon mit Sperma vermischt sein. Deshalb können
Frauen auch
durch den darin enthaltenen Samen schwanger werden. Das Sekret der
Bulbourethraldrüse wird meist vor der eigentlichen Ejakulation
abgegeben (Vorsekret des Spermas). Das schleimige Sekret dient
vermutlich vor allem der Neutralisierung von Harnresten, eventuell auch
des sauren Scheidenmilieus.
Abschnitt 5.3 ist vom Übersetzer nicht von Swami Sivananda. Mantak Chia stellt die Behauptung auf, die
Menschen würden keine Energie bei einem Orgasmus verlieren. Er
spricht
von einem Orgasmus ohne Samenverlust und tut dabei so, als hätten
die
Menschen, die seine taoistischen Sexualpraktiken anwenden, keinen
Samenerguss. Dass dem aber nicht so ist, werden wir noch sehen. Dazu
solle man, laut Mantak Chia, kurz vor dem Orgasmus den Zeige-, Mittel-
und Ringfinger seiner stärkeren Hand auf den Punkt der Million
Goldstücke, auf jenen Punkt, an dem sich der Samenleiter und der
Harnleiter treffen (siehe Bild), so fest pressen, dass der Samenfluss
gestoppt wird. Sie müssen mit Ihrem Finger bis zum ersten
Fingergelenk
hineinfahren, also etwa 1,5 bis zwei Zentimeter.
Weiter sagt Mantak Chia: Spannen Sie
während
des Orgasmus ihren PC-Muskel (Pubo-Coccygeus-Muskel, Beckenbodenmuskel)
an und ziehen Sie den Damm (zwischen Penis und Po) hoch. Pumpen sie mit
dem Pomuskel und ziehen Sie die orgastische Energie gedanklich
über das
Rückgrat zum Gehirn hinauf. Die Kombination aus dem gleichzeitigen
Anspannen des PC-Muskel, sowie dem Anspannen der Fuss- Faust- und
Kiefermuskeln soll den Genitalien das Blut und die Energie entziehen,
die sie für den unwillkürlichen Spasmus (ungewollte
Muskelkontraktion
während des Orgamus') benötigen. Wird der Druck auf die
richtige Stelle
ausgeübt, so tritt kein Samen aus. Abschnitt 5.4 ist vom Übersetzer nicht von Swami Sivananda. Meine lieben Brüder! Die vitale
Energie, der
Samen, der dein Leben unterstützt, der in deinen funkelnden Augen
erstrahlt, der sich in deinen lachenden Wangen wiederspiegelt, ist ein
großer Schatz für dich. Bedenke diesen Punkt gut. Der Samen
ist die
Quintessenz des Blutes. Ein Tropfen des Samens ist aus vierzig Tropfen
des Blutes hergestellt. Daran kannst du erkennen, wie wertvoll diese
Flüssigkeit ist. Ein Baum bezieht seine lebenswichtige Versorgung
von
der Erde. Diese lebensnotwendige Essenz verteilt sich im ganzen Baum,
in seinem Zweigen, Ästen, Blättern, Blüten und
Früchten. Die
leuchtenden Farben und das Leben in den Blättern, in den
Blüten und in
den Früchten sind Ausdruck göttlicher Ekstase. Der Samen, der
durch die
Zellen des Hodens aus dem Blut erzeugt wird, verleiht dem menschlichen
Körper und seinen Organen Gesundheit, Schönheit und
Vitalität.
Entsprechend Ayurveda ist der Same das letzte Körpergewebe wie z.B. Muskel- oder Fettgewebe, die aus Nahrung heraus gebildet werden. Aus der Nahrung heraus wird ein Milchsaft produziert. Aus dem Milchsaft heraus entwickelt sich Blut. Aus Blut heraus entwickelt sich Fleisch. Aus dem Fleisch entwickelt sich Fett. Aus Fett heraus entstehen Knochen. Aus Knochen heraus kommt Mark. Aus Mark heraus entsteht Samen. Dies sind die sieben Dhatus (Körpergewebearten) des Ayurveda, die unser Leben und unseren Körper unterstützen. Mark ist also ebenso wertvoll wie Samen. Aber der Samen ist die letzte Essenz. Er entspricht der letzten Umwandlungsstufe der Nahrung. Der Samen entwickelt sich aus dem Mark, der geschützt innerhalb der Knochen verborgen ist. Es gibt drei Bereiche in jedem Dhatu. Der Samen ernährt den physischen Körper, das Herz (die Liebe) und den Intellekt. Nur derjenige, der den physischen Körper, das Herz und den Intellekt benutzt, kann vollkommenes Brahmacharya verwirklichen. Ein Catcher, der nur seinen physischen Körper benutzt, aber seinen Intellekt und das Herz vernachlässigt, kann nicht erwarten, Brahmacharya zu verwirklichen. Er kann gewissermaßen nur das Brahmacharya des Körpers verwirklichen, nicht aber das Brahmacharya des Herzens und des Verstandes. Der Samen, der zum Herzen und zum Verstand gehört, fließt dabei allerdings heraus. Praktiziert ein Schüler nur Japa
(Mantrameditation) und Meditation, entwickelt dabei allerdings nicht
die Liebe und vernachlässigt den Körper, so praktiziert er
nur
geistiges Brahmacharya. Der Teil des Samens, der eigentlich das Herz
und den Körper ernähren solle, fließt heraus. Aber ein
fortgeschrittener Yogi, der tief in die Meditation eintaucht, hat
volles Brahmacharya, selbst wenn er keine Yogaübungen macht. Samen
ist
die Quintessenz der Nahrung oder des Blutes. Entsprechend der modernen
medizinischen Wissenschaft wird ein Tropfen Samen aus vierzig Tropfen
Blut hergestellt. Laut Ayurveda wird ein Tropfen Samen sogar aus
achtzig Tropfen Blut hergestellt. Die zwei Hoden, die im Hodensack
angeordnet sind, werden ausscheidende Drüsen genannt. Die Zellen
dieser
Hoden sind mit der eigenartigen Eigenschaft des Absonderns des Samens
aus dem Blut ausgestattet. Gerade so wie Bienen Tropfen für
Tropfen den
Honig in Bienenwaben sammeln, genau so sammeln die Zellen des Hodens
Tropfen für Tropfen des Samens aus dem Blut. Dann wird die
Samenflüssigkeit durch die zwei Samenleiter zu den vesiculae
seminalis
(Samenbläschen) transportiert (und vermischt sich mit dem
Drüsensekret
des Samenbläschens). Durch einen Ejakulationsreflex (Kontraktion
des
Samenleiters) wird der Samen, nachdem er sich anschließend mit
der
Prostataflüssigkeit vermischt hat, schließlich aus der
Harnröhre heraus
geschleudert. Anmerkung Übersetzer: Hier erwähnt Swami
Sivananda die
Drüsensekrete aus den Samenleiterampullen, aber aus der
Cowperschen
Drüse nicht. Vielleicht hat er es vegessen. Ende Anmerkung.
Der Samen ist in einem subtilen Zustand in
allen Zellen des Körpers zu finden. Genau so wie Zucker im
Zuckerrohr,
Butter in der Milch, so ist auch der Samen im ganzen Körper
vorhanden.
Gerade so wie die Buttermilch dünnflüssig wird, nachdem man
ihr den
Butteranteil entzogen hat, so wird auch der Samen verdünnt, wenn
man
ihn verschwendet. Um so mehr der Samen verschwendet wird, um so
schwächer wird man. Das heißt: Der Verlust des Samens bringt
den Tod;
das Bewahrung des Samens schenkt das Leben. Der Same beherbergt die
wahre Vitalität der Männer. Es ist der versteckte Schatz im
Mann. Er
verleiht dem Gesicht einen brahmischen Glanz und dem Intellekt
Stärke.
Hervorragende europäische Mediziner
stützen
die Aussage der indischen Yogis. Dr. Nicole sagt: "Es ist eine
medizinische und physiologische Tatsache, dass das beste Blut im
Körper, die Elemente der Fortpflanzung (Spermien, Eizellen) in
beiden
Geschlechtern bilden. In einem reinen und geordneten Leben wird diese
Substanz resorbiert. Es geht zurück in den Blutkreislauf, bildet
ein
leistungsfähiges Gehirn, starke Nerven und ein muskulöses
Gewebe. Diese
vitale Samenflüssigkeit diffundiert durch den männlichen
Körper, macht
ihn männlich, stark, tapfer und heroisch. Wird er vergeudet, macht
es
den Mann unmännlich, labil und physisch schwach, anfällig
für sexuelle
Reize, verleiht ihm ein bemitleidenswertes Nervensystem, Epilepsie,
viele Krankheiten und letzten Endes den Tod. Die Enthaltsamkeit sorgt
für eine bemerkenswerte Zunahme der körperlichen und
geistigen Stärke.“
Wenn die Samenproduktion beim Mann
kontinuierlich ist, muss er entweder ausgeschieden oder resorbiert
werden. Resultierend aus geduldigen und beharrlichen wissenschaftlichen
Untersuchungen kann gesagt werden, dass, wann immer der Samen
konserviert wird, er vom Körper resorbiert wird. Er reichert das
Blut
an und stärkt das Gehirn. Dr. Dio Louis denkt, dass die Erhaltung
des
Samens zur Stärke des Körpers, zur Stärke des Verstandes
und zur
Schärfe des Intellekts beiträgt. Ein anderer Autor Dr. E. P.
Miller
sagt: „Jede Vergeudung von Samen, ob freiwillig oder unfreiwillig, ist
eine direkte Vergeudung der Lebenskraft. Es wird allgemein zugestimmt,
dass die auserlesensten Elemente des Blutes am Aufbau des Spermas
beteiligt sind. Wenn diese Zusammenfassungen zutreffen, dann folgt
daraus, dass ein tugendhaftes Leben wesentlich zum Wohl des Mannes ist.“
Verstand, Prana (Atmung) und Samen sind die
drei Glieder einer Kette. Sie sind die drei Pfeiler der Seele.
Zerstöre
einen der Pfeiler, Verstand, Prana oder Samen und das Gebäude
fällt in
sich zusammen. Verstand, Prana und Samen sind eins. Indem du den
Verstand kontrollierst, kannst du das Prana und den Samen steuern.
Indem du Prana kontrollierst, kannst du den Verstand und den Samen
steuern. Kontrollierst du den Samen, dann kannst du den Verstand und
das Prana steuern. Verstand, Prana und Samen sind an einem
göttlichen
Stromkreis angeschlossen. Wenn der Verstand kontrolliert wird, dann
wird auch die Atmung und der Samen automatisch gesteuert. Derjenige,
der seinen Atem zurückhält, beruhigt seinen Verstand und
hält ebenfalls
seinen Samen zurück. Noch einmal. Wenn der Samen kontrolliert wird
und
wenn er durch reine Gedanken, durch die Praxis von Viparita Karani
(Vorstufe zum Schulterstand), durch Sarvangasana (Schulterstand), durch
Sirshasana (Kopfstand), durch Pranayama (Atemübungen) und durch
Mudras
(Fingeryoga) aufwärts ins Gehirn fließt, dann wird der
Verstand und das
Prana automatisch gesteuert.
Der Verstand wird vor allem durch zwei Dinge
beunruhigt, durch die Erschütterungen des Prana und durch subtile
Wünsche. Wo der Verstand beruhigt wird, wird auch das Prana
zurückgehalten; und wo das Prana beruhigt ist, dort kommt auch der
Verstand zur Ruhe. Verstand und Prana sind vertraute Begleiter, wie ein
Mann und sein Schatten. Wenn der Verstand und das Prana nicht
zurückgehalten werden, werden alle Sinne aktiviert und bringen
Unruhe
ins Leben. Macht sich bei einem Mann die Leidenschaft breit, dann wird
das Prana durch eine erhöhte Atemfrequenz aktiv. Dann befolgt der
ganze
Körper die Befehle des Verstandes, genau so wie der Soldat den
Befehl
seines Kommandanten befolgt. Der Atem, das Prana, bewegt den Samen. Der
Samen wird in Bewegung gesetzt. Er fällt abwärts, so wie die
Wolken als
Regen herabfallen, oder wie die Früchte, Blüten und
Blätter der Bäume,
durch die Kraft des tosenden Windes zu Boden fallen.
Geht der Samen verloren, dann wird die
Atmung unruhig. Das Prana wird aufgewühlt. Der Mann wird
nervös. Dann
kann auch der Verstand nicht richtig arbeiten. Der Mann wird
wankelmütig. Es stellt sich geistige Schwäche ein. Wird das
Prana
wieder beruhigt, dann kehrt auch wieder Ruhe im Verstand ein. Wird der
Same bewahrt, dann herrscht Ruhe im Verstand. Wenn die Konzentration
stetig ist, dann wird der Verstand ruhig. Folglich kontrolliere das
Prana, den Samen und die Konzentration. Gott ist das Wesen der Freude.
Gott ist der lebenswichtige Samen. Du kannst nur durch Gott und durch
die Bewahrung des Samens ewiges Glück erlangen. Erfasse die volle
Bedeutung dieser Lebensweisheit. Der Same ist eine lebenswichtige
Energie. Gott selber ist dieser Same. Der Same ist Sita (Ehefrau von
Rama, Sita gilt als Vorbild für eheliche Treue), Radha (Geliebte
des
Krishna) und Durga (Göttin der Vollkommenheit). Der Same ist
dynamischer Wille, die Kraft der Seele, Gott in Bewegung,
göttliche
Kraft. Gott sagt in der Gita: „Ich bin der Same, die Zeugungskraft in
den Männern“. Der Same ist das Wesentliche des Lebens, der
Gedanken,
der Intelligenz und des Bewusstseins. Daher konserviere diese
lebenswichtige Flüssigkeit sehr, sehr sorgfältig!
Abschnitt 6.3 gehört nicht zum Buch von
Swami Sivananda. Er ergab sich zufällig durch eine Diskussion in
einem
Forum und ich hielt es für angebracht, diese Information hier
einzufügen. Sie stellt gewissermaßen das Ergebnis einer
längeren
Diskussion dar, die ich einfach einmal hier so stehen lassen
möchte.
Ich stellte im Forum folgende Frage: Ich bin da eben auf etwas gestoßen, das besonders für Männer von Interesse sein könnte, die sich aus Gründen der Familienplanung sterilisieren lassen wollen. Bei der Sterilisation wird normalerweise der Samenleiter des Mannes durchtrennt, so dass der Samen nicht mehr aus dem Hoden aufsteigen kann. Und damit ist der Mann nicht mehr zeugungsfähig. Nun gibt es aber einen Umstand, der in der westlichen Medizin scheinbar nicht so bekannt ist. Nämlich das die Erleuchtung im wesentlichen auf der Umwandlung des sexuellen Energie, sprich des männlichen Samens, beruht. Wenn aber die Samenproduktion infolge der Sterilisation sich einstellt, dann wird natürlich kein Same mehr produziert. Und damit ist auch die Erleuchtung nicht mehr möglich. Im folgenden gebe ich einfach ein paar Informationen wieder, die ich über dieses Thema gesammelt habe. Bei der Sterilisation des Mannes durchtrennt der Chirurg nur die Samenleiter, bei der Kastration dagegen werden die gesamten Hoden entfernt. Noch mehrere Monate nach der Operation können befruchtungsfähige Spermien in der Samenflüssigkeit vorhanden sein. Sie überleben beispielsweise in der Samenblase. Deshalb untersucht der Arzt nach dem Eingriff mehrmals Proben des Ejakulats und überprüft den Operationserfolg. Bis das Ejakulat frei von Spermien ist, müssen Paare zusätzlich verhüten. Lässt sich eine Sterilisation rückgängig machen? Theoretisch lässt sich die Durchtrennung der Samenleiter durch eine komplizierte mikrochirurgische Operation beheben. Je länger der Eingriff zurückliegt, desto geringer sind allerdings die Chancen, den Mann wieder fruchtbar zu machen. (netdoktor.de) Vasektomie: Operatives Durchtrennen der Samenleiter bei Sterilisation des Mannes. Wobei die endgültige Zeugungsunfähigkeit erst mit der Einstellung der Samenproduktion nach neun Monaten eintritt. (Vasektomie) So, ich habe noch einmal nachgeschaut. Es
sieht einerseits so aus, als ob normalerweise der Samenleiter
durchtrennt wird. Aber natürlich ist auch das Abbinden des etwa 50
bis
60 cm langen Samenleiters möglich. Andererseits können sich
durch die
Sterilisation Antikörper gegen die Samen bilden, die den Samen
unfruchtbar machen. Dies kommt offensichtlich dadurch zustande, dass
bei der Sterilisation die Blut-Sperma-Schranke (unbeabsichtigt)
durchbrochen wird. Es gelangen also Spermien in die Blutbahn, die
daraufhin Antikörper gegen den Samen bilden.
Sterilisation beim Mann Nach Desinfektion und örtlicher Betäubung wird die Haut an der Stelle geöffnet, wo die beiden Samenleiter vom Hoden in den (inneren, unsichtbaren Teil des) Penis übergehen (siehe Bild unter gyn.de). Aus den Samenleitern wird ein kleines Stück herausgetrennt. Dann werden die Enden zugenäht und/oder verschweißt und der winzige Schnitt in der Haut geschlossen. Folgen der Sterilisation Es wird zwar kein Samen mehr abgegeben, aber es erfolgt dennoch beim Orgasmus eine Ejakulation. Das Ejakulat besteht dann aus der in der Prostata gebildeten Flüssigkeit. Insofern hat eine Sterilisation keinerlei Auswirkung auf die Qualität der Sexualität und auf den Hormonhaushalt des Mannes. Im Gegensatz zur Sterilisation der Frau ist die Möglichkeit, die Samenleiter mikrochirurgisch irgendwann wieder zu vereinigen einfacher. Allerdings sinkt die Erfolgsaussicht einer Refertilisation (Wiederfruchtbarmachung), je länger die Sterilisation zurückliegt. Dies liegt vor allem an der zunehmenden Bildung von Autoantikörpern gegen Spermien, die bei 50-80 % der sterilisierten Männer nachgewiesen werden können. Normalerweise sind Sperma und Blutkreislauf streng getrennt (Blut-Hoden-Schranke). Gelangen jedoch nach einer Verletzung der Blut-Hoden-Schranke (z.B. bei der Sterilisation, aber auch nach Genitaltraktinfektionen, bei Hodenverletzungen oder Gefäßfehlbildungen) Spermabestandteile in den Blutkreislauf, kann dieses die Bildung von Autoantikörpern veranlassen. Je nach Art der Antikörper können diese entweder die Spermien direkt zerstören, unbeweglich machen oder die Interaktion von Spermium und Eizelle blockieren. Je länger die Sterilisation zurückliegt, umso höher ist der Antikörperspiegel und umso fraglicher der Erfolg einer Refertilisation. Leute, ich möchte mich bei euch bedanken. Dank eurer Kritik ist es mir gelungen, das Thema Sterilisation aus mehreren Seiten zu betrachten. Gerade durch die Einwände, das Kinder und Frauen nach der Menopause (nach der letzten Menstruation) dann nämlich nicht erleuchtet sein könnten, wenn der Same bzw. die weibliche Eizelle für die Sublimation zuständig sein würden. Das aber kann nicht sein. Kinder sind im allgemeinen ohnehin erleuchtet (jedenfalls nach meinen Vorstellungen von Erleuchtung), wenn sie eine glückliche Kindheit hatten und die Gesellschaft keinen allzu schädlichen Einfluss auf sie hatte. Und Frauen können nach der Menopause selbstverständlich ebenfalls Erleuchtung erlangen. Davon gehe ich jedenfalls aus. Oder? Für mich stellt sich die Situation jetzt also so dar, dass die Sublimation also nicht mittels des Samens bzw. der Eizelle geschieht, sondern durch sexuelle Energie, wie sie zum Beispiel bei einen Orgasmus zu spüren ist. Und darum halte ich auch die ganze taoistische Philosophie für falsch (Mantak Chia), der mittels technischer Tricks den Samen zurückhält, aber den Orgasmus zulässt. Der wesentliche Punkt, der für mich aber eigentlich von Bedeutung war, ist wohl die Erkenntnis, dass man Samen und Eizelle bzw. deren Sublimation nicht gleichsetzen darf. Hier gilt wohl eher die Formel sexuelle Energie = spirituelle Energie = Erleuchtung. Brahmacharya setzt sich zusammen aus Achara,
was Führung bedeutet, und Brahman, also Gott. Brahmacharya ist
also die
Realisierung des Weges, der zu Gott führt. Es bedeutet die
Kontrolle
des Samens, das Studium der Veden (Heiligen Schriften) und das
Nachsinnen über Gott. Die technische Bedeutung von Brahmacharya
ist
Selbstverwirklichung, besonders die vollkommene Beherrschung der
Sexualität, die Freiheit von der Sinneslust in Gedanken, im Wort
und in
der Tat. Brahmacharya heißt nicht nur Enthaltsamkeit im
Geschlechtsverkehr, sondern auch von den Selbstbefriedigung, von
homosexuellen Taten und von allen anderen sexuellen Praktiken. Es
bedeutet auch die Enthaltung von allen erotischen Phantasien und
lüsternen Träumen. Alle Art von erotischen
Abnormalitäten und sexuelle
Gewohnheiten aller Art, wie Masturbation und Sodomie (Sex mit Tieren),
müssen vollständig überwunden werden. Sie führen am
Ende nur zu einem
vollkommenen Zusammenbruch des Nervensystems und zu unermesslichem
Elend.
Brahmacharya ist Reinheit in Gedanken, im
Wort und in der Tat. Es ist Zölibat und das Gelübde der
Keuschheit. Die
Bezeichnung "Zölibat" kommt vom lateinischen "caelebs", und
bedeutet
unverheiratet oder Single. Aber Brahmacharya ist nicht nur ein
Junggesellendasein. Es beinhaltet nicht nur die Kontrolle über die
Sexualität, sondern es umfasst die Kontrolle aller Wünsche in
Gedanken,
im Wort und in der Tat. Dies ist die Bedeutung von Brahmacharya im
weitesten Sinne. Brahmacharya ist die Tür zum Nirwana, zur
Erleuchtung.
Zölibat ist der Schlüssel zum Himmelreich. Die Allee zum
Wohnsitz des
höchsten Friedens fängt mit Brahmacharya und Reinheit an.
Brahmacharya
ist absolute Freiheit von sexuellen Wünschen und Gedanken. Ein
Brahmachari macht keinem Unterschied, wenn er eine Frau, ein Stück
Papier oder einen Holzklotz berührt. Brahmacharya gilt sowohl
für
Männer als auch für Frauen. Bloße Kontrolle der
Leidenschaften allein,
ist nicht für Brahmacharya ausreichend. Dieses ist
unvollständiges
Brahmacharya. Du musst alle Organe kontrollieren. Die Ohren, die
lüsterne Geschichten hören möchten, das wollüstige
Auge, das fesselnde
Bilder sehen möchte, die Zunge, die erregende Dinge schmecken
möchte
und die Haut, die aufregende Körper berühren möchte.
Lüstern zu
schauen, ist Ehebruch der Augen; lüstern zu hören, ist
Ehebruch der
Ohren; lüstern zu sprechen, ist Ehebruch der Zunge.
Du solltest als Brahmachari folgende acht
Verstöße vermeiden:
1. das Betrachtens der Frauen mit leidenschaftlichem Blicken (Darshan) 2. den Wunsch, sie zu berühren (Sparshan) 3. mit ihnen zu spielen (Keli) 4. das Preisen der Qualitäten des anderen Geschlechts (Kirtan) 5. sich mit ihnen privat zu unterhalten (Guhya-Bhashan) 6. Ermittlungen über sie anzustellen (Sankalpa) 7. sich dem anderen Geschlecht mit dem Wunsch nach käuflicher Liebe zu nähern (Adhyavasaya) 8. den sexuelle Akt zu vollziehen (Kriyanivritti) Diese acht Arten des Genusses sind acht
Arten von Brüchen, die das Keuschheitsgelübde verletzen. Du
solltest
diese acht Verstöße mit großer Obacht, aufrichtiger
Anstrengung und
aufmerksamer Umsicht vermeiden. Nur der, der frei von allen diesen
Verstößen ist, kann als ein Brahmachari angesehen werden.
Ein
Brahmachari sollte eine Frau nicht mit lüsternen Augen betrachten.
Er
sollte nicht den Wunsch haben, sie zu berühren oder neben ihr in
sinnlicher Absicht zu gehen. Er sollte nicht mit ihr spielen, keine
unanständigen Witze machen und nicht mit ihr streiten. Er sollte
nicht
die Qualitäten einer Frau preisen, auch nicht vor seinen Freunden.
Er
sollte nicht heimlich mit einer Frau sprechen. Er sollte nicht einmal
an Frauen denken, solange er Brahmacharya nicht verwirklicht hat. Er
sollte keinen Wunsch nach sexuellem Vergnügen haben. Ein
Brahmachari
sollte jeglichen sexuellen Verkehr vermeiden. Wenn er nur eine der oben
genannten Regeln bricht, verstößt er gegen das Gelübde
des Brahmacharya.
Obwohl die ersten sieben Arten der
Verstöße
gegen das Gelübde des Brahmacharya nicht zum Verlust des Samens
führen,
wird dennoch der Samen vom Blut getrennt oder es versucht ihm zu
entgehen, wenn sich dazu die passende Gelegenheit bietet, entweder in
Träumen oder auf andere Weise. Die ersten sieben Arten entsprechen
vielmehr geistigen Genüssen, denen sich der Brahmachari ebenfalls
enthalten sollte. Brahmachrins sollten nicht über Sex reden. Sie
sollten nicht an Frauen denken. Vergegenwärtige dir das Bild
deines
persönlichen Gottes, wenn sich sinnliche Gedanken bei dir
einschleichen. Wiederhole unaufhaltsam dein Mantra. Lüsterne
Blicke,
lüsternes Denken und feuchte Träume sind Verstöße
gegen das Gebot des
Brahmacharya. Sei tugendhaft in deinem Blick. Durch lüsterne
Blicke
findet eine interne Entladung statt. Samen wird aus dem System
entfernt. Sieh Mutter Kali, die schwarze Göttin, in allen Frauen.
Kultiviere göttliche Gedanken. Praktiziere regelmäßig
Japa und
Meditation. Dann wirst du Brahmacharya verwirklichen.
Es ist notwendig, dass dein Verstand rein
ist, wenn du ein Brahmachari sein möchtest. Geistiges Brahmacharya
ist
wichtiger als körperliches Brahmacharya. Du solltest Erfolg in
körperlichem Brahmacharya, aber auch in geistigem Brahmacharya
anstreben. Dieser Geisteszustand, bei dem kein sexueller Gedanke mehr
vorhanden ist, wird geistiges Brahmacharya genannt. Wenn die Gedanken
unrein sind, ist der Geschlechtantrieb sehr stark. Brahmacharya
hängt
von der vollständigen Regulierung des ganzen Lebens ab. Wenn du
nicht
die lüsternen Gedanken kontrollieren kannst, dann kontrolliere
zumindest den physischen Körper. Körperliches Brahmacharya
muss anfangs
streng geübt werden. Kontrolliere den Körper, wenn der
sexuelle Impuls
dich beunruhigt. Geistige Reinheit oder geistiges Brahmacharya wird
sich dann ebenfalls allmählich einstellen. Sicher ist es besser,
die
Sinne zu kontrollieren, als sich dem sinnlichen Vergnügen
hinzugeben.
Praktizierst du ausdauernd Japa und Meditation, dann werden
allmählich
deine Gedanken gereinigt. Letztendlich wird auch der Verstand klein
beigeben und sich der Kontrolle unterziehen.
Ein sexueller Akt belebt alle sinnlichen
Ideen wieder auf's neue und gibt ihnen neue Nahrung. Darum sollte
zuerst der Körper kontrolliert werden. Körperliches
Brahmacharya muss
zuerst verwirklicht werden. Erst danach kannst du mentale Reinheit,
geistiges Brahmacharya verwirklichen. Du solltest in der Lage sein, den
Geschlechtsverkehr für Monate oder Jahre zu stoppen. Aber es
sollte
kein sexuelles Verlangen mehr bestehen. Es sollten keine erotischen
Gedanken mehr entstehen, wenn du eine Frau betrachtest oder wenn du in
der Gesellschaft von Frauen bist. Hast du in dieser Richtung Erfolg,
dann hast du Brahmacharya vollkommen verwirklicht. Dann hast du die
Gefahrenzone durchquert. Man sollte seine Gedanken in Zaum halten. Ein
schlechter Wunsch ist fast einem Ehebruch gleichzusetzen. Der Gedanke
ist mitunter schlimmer als die Tat. Es ist aber ein großer
Unterschied,
ob man einen Mann erschießt, oder ob man nur den Gedanken hat,
einen
Mann zu erschießen. Genau so ist es natürlich ein
Unterschied, von
einer erotische Begegnung mit einer Frau zu träumen oder mit ihr
realen
Sexualkontakt zu haben. Wenn es auch nur einen einzelnen unreinen
sexuellen Gedanken im Verstand gibt, kannst du kaum erwarten, strenges
geistiges Brahmacharya zu verwirklichen.
Du kannst nicht als Oordhvaretas (ein Yogi,
der die Samenenergie im Gehirn gespeichert hat) benannt werden, wenn
deine Samenenergie nicht aufwärts zum Gehirn fließt, um dort
als Ojas
Shakti (spirituelle Energie) gespeichert zu werden. Gibt es auch nur
einen einzigen unreinen Gedanken, dann hat der Samen die Tendenz,
abwärts zu fließen. Der Zustand des geistigen Brahmacharya
sollte auch
unter erotischen Versuchungen und während einer Krankheit aufrecht
erhalten werden. Nur dann bist du sicher. Die Sinne fangen an, sich
während der Zeiten der Krankheit aufzulehnen und auch, wenn sie
mit
Sinnesobjekten in Berührung kommen. Wenn sich sinnliche Gedanken
in
deinen Verstand einschleichen, liegt er an unbewussten Leidenschaften.
Der gerissene, diplomatische Verstand sucht leise nach sinnlicher
Befriedigung, indem er eine Frau betrachtet und mit ihr spricht.
Geistige Versuchungen finden heimlich und unbewusst statt. Die sexuelle
Energie ist dann nicht vollkommen sublimiert worden. Das vitale Sein
oder das Pranamava Kosa (die energetische, astrale Hülle, die die
Emotionen und die intellektuellen Fähigkeiten des Menschen
beinhaltet)
ist nicht tadellos gereinigt worden. Dies ist der Grund, warum unreine
Gedanken in deinen Verstand eindringen. Praktiziere mehr Japa und
Meditation. Praktiziere Nächstenliebe in Form von selbstlosem
Dienst
für die Gesellschaft. Und schon bald wirst du geistige Reinheit
erlangen.
Lerne deinen Verstand mit dem Wasser der
Reinheit des Zölibats und mit der Seife der göttlichen Liebe
zu
reinigen. Wie kannst du erwarten, innerlich rein zu werden, wenn du
bloß den äußeren Körper mit Wasser und Seife
wäscht? Innere Reinheit
ist ebenso wichtig wie äußere Reinheit. Das Leben eines
Brahmachari
fördert den spirituellen Fortschritt. Gib der Sinneslust keine
neue
Bestätigung durch immerwährende Wiederholung sexueller
Befriedigung.
Lenke den Verstand ab. Intensive Grübelei über Sinnesobjekte
schadet
dem spirituellen Leben ebenso wie tatsächliche Sinnesbefriedigung.
Wenn
der Verstand nicht durch spirituelle Praxis gereinigt wird, bringt
äußere Askese nicht den gewünschten Erfolg. Wenn die
äußeren Sinne
kontrolliert werden, die inneren Sinne aber noch voller Energie sind,
dann nehmen sie Rache am Verstand und erzeugen intensive geistige
Störungen und wilde Phantasien.
Es ist der Verstand, der für diese
Unruhe
sorgt. Ein Wunsch entsteht in deinem Verstand und die Phantasie bekommt
Flügel. Dann beginnst du zu handeln. Die Wünsche des
Verstandes werden
in die Tat umgesetzt. Zuerst gibt es Sankalpa (den Gedanken, den
Wunsch, die Vorstellung) und dann kommt die Handlung. Darum erlaube dem
sexuellen Gedanken nicht, in den Verstand einzudringen. Kein Raum ist
allzeit leer. Dies ist ein Naturgesetz. Wenn eine Sache von einem Platz
entfernt wird, nimmt unmittelbar eine andere ihren Platz ein. Das
gleiche Gesetz hat Gott für die geistige Welt vorgesehen. Darum
ist es
notwendig, schlechte Gedanken durch reine Gedanken zu ersetzen. Wie du
denkst, so wirst du. Dieses ist ein ungeschriebenes psychologische
Gesetz. Der lüsterne Verstand wird allmählich durch
göttliche Gedanken
gereinigt.
Es gibt immer wieder Klagen von
Männern, die
keinen rechten Erfolg im Brahmacharya erlangen, obwohl sie sich
ernsthaft um aufrichtiges Brahmacharya bemühen. Sie sind
unnötigerweise
besorgt und entmutigt. Sie unterliegen einem Irrtum. Es gibt auch im
spirituellen Bereich gewissermaßen eine sehr subtile thermische
Registrierung. Das spirituelle Thermometer registriert oder zeigt die
geistige Reinheit sehr minuziös an. Ein geläuterter Intellekt
beinhaltet einen hohen Grad an Reinheit. Intensive spirituelle Praxis,
Leidenschaftslosigkeit und der brennende Wunsch nach Befreiung und
Erkenntnis, bringen den höchsten Grad an geistiger Reinheit. Wenn
jemand das Gayatri-Mantra oder die heilige Silbe OM für eine halbe
Stunde wiederholt, dann registriert das spirituelle Thermometer sofort
einen minuziösen Anstieg der geistigen Reinheit. Du wirst aber
nicht
imstande sein, die Veränderung des unreinen Intellekts sofort zu
erkennen. Übe für ein oder zwei Jahre regelmäßig
spirituelle Praktiken
und vergleiche anschließend deinen Geisteszustand mit dem der
vorhergehenden Jahre. Du wirst bestimmt eine beträchtliche
Veränderung
feststellen. Du wirst mehr Stille, mehr Reinheit und eine
größere
moralische Kraft und Stärke vorfinden. Daran gibt es keinen
Zweifel.Sind die alten Gewohnheiten und Begierden sehr stark, wird es
einige Zeit dauern, um geistige Reinheit zu erlangen. Du brauchst darum
nicht entmutigt zu sein. Verzweifle nicht. Mit dem rechten
Bemühen,
kommt jeder ernsthafte Brahmacharya irgendwann ans Ziel.
Es kann keine Sprache ohne Vokale geben. Du
kannst kein Bild ohne eine Leinwand malen. Du kannst kein Buch ohne
Papier schreiben. Ebenso kannst du keine Gesundheit und kein
spirituelles Leben ohne Brahmacharya verwirklichen. Brahmacharya bringt
sozialen Aufstieg und gesundheitliche Verbesserungen. Es ist die
Grundlage für ein moralisches Leben. Es ist die Grundlage für
ein
langes und gesundes Leben. Es ist eine Frühlingsblume, die
Unsterblichkeit von ihren Blütenblättern ausströmt. Es
ist die Basis
für ein Leben des Friedens in Atman (Seele). Es ist der feste
Rückhalt
für Brahmanishtha (Gotteskenner), der begeistert von Weisen und
Yogaschülern ersehnt wird.Brahmacharya ist das Schild für
einen Kampf
gegen die Sinneslust, den Zorn und die Geldgier. Es dient als Tor zum
Glück. Es öffnet die Tür zur Befreiung. Es führt
zur beständigen
Freude, zum ununterbrochenen und reinen Glück. Sogar Rishis (weise
Ratgeber), Devas (Halbgötter), Gandharvas (himmlischen Musikanten)
und
Kinnaras (Astralwesen, halb Mensch, halb Vogelwesen) dienen zu
Füßen
des Brahmachari. Sogar Isvara, der Gott des Raja Yoga, trägt auf
seine
Stirn den Staub der Füße eines Brahmachari. Brahmacharya ist
der
einzige Schlüssel, zum öffnen der Sushumna, des
Hauptenergiekanals im
Rückenmark, um die Kundalini zu wecken. Brahmachari bringt Glorie,
Ruhm, Tugend und göttlichen Segen. Wer kann die
Großherzigkeit, das
Majestätische und die Glorie eines verwirklichten Brahmachari
beschreiben!
Die Veden, die indischen Heiligen Schriften,
erklären, dass durch Brahmacharya und die Buße der
Götter der Tod
besiegt wird. Wie wurde Hanuman, der Affengott, ein Mahavir
(großer
Krieger)? Es geschah mit der Waffe des Brahmacharya, die ihm
unübertreffliche Stärke verlieh. In der Bhagavadgita wird
berichtet,
dass der große Bhishma, der Großvater der Pandavas und der
Kauravas,
den Tod durch Brahmacharya besiegte. Es ist nur Lakshman (Bruder Ramas,
Rama ist die siebte Inkarnation von Vishnu), der ideale Brahmachari,
ein Mann von unschätzbarer Tapferkeit, der Eroberer der drei
Welten
(Hölle, Erde, Himmel), der Sohn von Ravana, der Meghanada
abwehrte.
Sogar Gott Rama wagte nicht, sich ihm entgegen zu stellen. Nur durch
die Kraft des Brahmacharya, war Lakshman in der Lage, den unbesiegbaren
Meghanada zu besiegen. Der Mut und die Größe des letzten
Hindukaisers
Prithviraj, lagen in der Kraft, die der Brahmacharya ihm verlieh. Es
gibt nichts in den drei Welten, das nicht durch einen Brahmachari
erreicht werden könnte. Die Rishis von einst wussten um den Wert
des
Brahmacharya und das ist der Grund, warum sie in schönen Versen
über
die Glorie von Brahmacharya sangen.
Genau so wie Öl den Docht
herauffließt und
und in einem glühendem Licht verbrennt, so fließt auch der
Samen (die
sexuelle Energie) durch die Yogapraxis aufwärts zum Gehirn und
wird
dort in Ojas (spirituelle Energie) umgewandelt. Das Zölibat
verleiht
dem Brahmachari einen brahmischen Glanz in seinen Gesicht. Brahmacharya
ist das helle Licht, das aus seinen Augen erstrahlt. Es ist die
erblühte Blume des Lebens, um die die Bienen der Stärke, der
Geduld,
des Wissen, der Reinheit und der Gelassenheit summen, hierhin und
dorthin fliegen. Mit anderen Worten, der, der Brahmacharya beachtet,
wird mit den oben genannten Qualitäten ausgestattet. Die Heiligen
Schriften erklären es nachdrücklich: Durch die Praxis von
Brahmacharya
nehmen Langlebigkeit, Ruhm, Stärke, Vitalität, Wissen,
Reichtum,
Berühmtheit, Tugenden und Hingabe zur Wahrheit zu.
Reine Luft, reines Wasser, gesunde Nahrung,
Yoga, Joggen, Sport, Spiele im Freien, Wandern, Spazieren gehen,
Fahrrad fahren, Rudern, Schwimmen, leichte Spiele wie Tennis, alles
dies trägt zur Erhaltung einer guten Gesundheit bei und sorgt
für eine
hohe Vitalität. Es gibt in der Tat viele Wege, Gesundheit und
Kraft zu
erlangen. Diese körperlichen Betätigungen sind zweifellos ein
unentbehrliches Erfordernis. Aber Brahmacharya ist von allen das
wichtigste. Ohne Brahmacharya bleiben alle deine Übungen ohne
Erfolg.
Es ist das Sesamöffnedich zum öffnen der Reiche von
Gesundheit und
Glück. Es ist der Eckstein zum Gebäudes des Glücks und
zur reinen
Glückseligkeit. Brahmacharya ist das einzig Besondere, das die
Männlichkeit aufrechterhält. Die Bewahrung des Samens ist das
Geheimnis
der Gesundheit und der Langlebigkeit. Es ist der Erfolg im
körperlichen, geistigen, intellektuellen und spirituellen
Wohlbefinden.
Derjenige, der sogar nur ein wenig Brahmacharya praktiziert, wird
über
eine Krise oder eine Krankheit leichter hinwegkommen. Leidet der
normale Mann beispielsweise einen Monat lang an einer Krise, so hat
derjenige, der wenigstens ein wenig Brahmacharya praktiziert, die Krise
vielleicht bereits nach einer Woche überwunden.
Die Srutis, die hinduistischen Schriften,
halten ein Alter von 100 Jahren für einen Mann für normal.
Dieses Alter
kannst du aber nur erreichen, wenn du Brahmacharya praktizierst. Es
gibt zwar Männer, die ein langes Leben und eine hohe
intellektuelle
Leistungskraft, trotz ihrer unmoralischen Lebensweise, erreichen. Aber
sie wären noch leistungsfähiger und brillanter gewesen,
hätten sie
einen besseren Charakter und etwas mehr Mäßigkeit besessen.
Nachdem
Dhanvantari, der Vater des Ayurveda, seinen Schülern alle Details
über
Ayurveda mitgeteilt hatte, erkundigten sie sich nach dem
Hauptgededanken seiner medizinischen Wissenschaft. Der Meister
antwortete: „Ich sage euch, dass Brahmacharya wirklich ein kostbarer
Juwel ist. Es ist in der Tat die wirkungsvollste Medizin, die
Krankheit, Unglück und Zerfall zerstört. Für das
Erreichen des inneren
Friedens, von Freundlichkeit, Wissen, einem guten Gedächtnis,
einer
guten Gesundheit und zum Erlangen der Selbstverwirklichung, sollte man
Brahmacharya, das höchste Dharma, die höchste Ethik,
unbedingt
beachten. Brahmacharya ist das höchste Wissen; Brahmacharya ist
die
größte Stärke. Die Natur des Brahmacharya entspricht
der Natur des
Atman. Atman, die Seele, hat ihren Wohnsitz im Brahmacharya. Verneige
dich vor dem Brahmacharya und Heilung wird dir zuteil. Brahmacharya
kann alle unheilvollen Leiden auflösen.“
Die Praxis von Brahmacharya gibt eine gute
Gesundheit, innere Stärke, Frieden des Verstandes und ein langes
Leben.
Es kräftigt den Verstand und die Nerven. Es hilft,
körperliche und
mentale Energie zu konservieren. Es vergrößert das
Gedächtnis, die
Willenskraft und die Leistungsfähigkeit des Gehirns. Es schenkt
enorme
Stärke, Tapferkeit und Vitalität. Das Auge ist das Fenster
der Seele.
Wenn der Verstand rein und ruhig ist, ist das Auge ruhig und sicher.
Der, der im Brahmacharya ruht, hat glänzende Augen, eine
wohlklingende
Stimme und einen schönen Teint.
Durch das Praktizieren von Brahmacharya,
wird Vitalität erreicht. Der Yogi erlangt Selbstverwirklichung
durch
das Erreichen von geistigem und körperlichem Brahmacharya. Wenn
der
Verstand rein und klar ist, hilft Brahmacharya ihm, göttliches
Wissen
und andere Fähigkeiten zu erlangen. Dann wird die Fokussierung des
Verstandes einfach. Konzentration und Reinheit gehen dabei Hand in
Hand. Selbst wenn ein Weiser nur einige wenige Worte spricht,
hinterlässt er meist einen tiefen Eindruck bei seinen
Zuhörern. Dieses
liegt an seinem Ojas Shakti, seiner spirituellen Energie, die durch die
Bewahrung des Samens und seiner Umwandlung entsteht. Ein aufrechter
Brahmachari, der Enthaltsamkeit in Gedanken, im Wort und in der Tat
praktiziert, hat eine wundervolle Gedankenenergie. Er kann die ganze
Welt verändern. Wenn du strenges Zölibat entwickelt hast,
entwickelt
sich eine starke Unterscheidungskraft und eine starke Konzentration.
Die Unterscheidungskraft ist die Energie, die die Wahrheit erforscht.
Die Konzentration ist die Energie, die die Wahrheit erfasst und sie
festhält. Wenn ein Mann im Zölibat lebt, wird die
Samenenergie aufwärts
zum Gehirn gelenkt und wird als Ojas Shakti gespeichert. Dadurch wird
die Leistung des Intellekts um einen bemerkenswerten Grad
verstärkt.
Durch das Zurückhalten des Samens wird der Intellekt scharf und
klar.
Wird der Samen noch mehr zurückgehalten, so wird die Leistung des
Gedächtnisses noch weiter gesteigert. Das strenge Zölibat hat
sogar im
Alter ein scharfsinniges und kühnes Gedächtnis zur Folge.
Ein Mann, der die Energie von Brahmacharya
besitzt, kann unermessliche geistige und physische Arbeit verrichten.
Er hat eine strahlende Aura um sein Gesicht. Er kann Leute
beeinflussen, indem er nur ein paar Worte spricht, oder sogar allein
durch seine Anwesenheit. Er kann den Zorn lenken und die ganze Welt
verrücken. Betrachte Mahatma Gandhi! Er hat diese Energie durch
konstante und vorsichtige Praxis von Ahimsa (Gewaltlosigkeit), Satyam
(Wahrheit) und Brahmacharya erworben. Er beeinflusste die Welt allein
durch diese Energie. Durch Brahmacharya, nur durch Brahmacharya
alleine, kannst du körperlichen und geistigen Aufstieg im Leben
erlangen.Es ist wert, es zu wiederholen, dass ein wahrer Brahmachari
enorme Energie, einen klaren Verstand, gigantische Willensenergie, ein
mutiges Verständnis, ein gutes Gedächtnis und die Kraft zur
Selbsterforschung besitzt. Swami Dayananda stoppte das Massaker eines
Maharaja (indischer Fürst). Er zerbrach das Schwert mit seinen
Händen.
Dieses war auf die Energie zurückzuführen, die Brahmacharya
ihm
verlieh. Jesus, Sankara, Jnana Deva und Samarth Ramdas waren
Brahmacharins.
Vom Übersetzer eingefügt: Hier einige Verse aus der Bibel, die darauf hindeuten, dass auch Jesus, genau so wie Buddha, vermutlich enthaltsam lebte: Matthäus 19,12 : 12Denn einige sind von Geburt an zur Ehe unfähig; andere sind von Menschen zur Ehe unfähig gemacht; und wieder andere haben sich selbst zur Ehe unfähig gemacht um des Himmelreichs willen. Wer es fassen kann, der fasse es! Ermahnung und Warnungen Im Brief an die Galater erwähnt der Apostel Paulus die Unzucht, die Unlauterkeit, die Ausschweifung und andere Laster als „Werke des Fleisches“ und weist darauf hin, daß jene, die solches tun, das Reich Gottes nicht erlangen werden. Gal. 5, 13-26: 13-15Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder; allein gebraucht nicht die Freiheit zu einem Anlaß für das Fleisch, sondern durch die Liebe dient einander. Denn das ganze Gesetz ist in einem Worte erfüllt, in dem: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst". Wenn ihr aber einander beißt und freßt, so seht zu, dass ihr nicht voneinander verzehrt werdet. 16-26Ich sage aber: Wandelt im Geiste, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, der Geist aber wider das Fleisch; diese aber sind einander entgegengesetzt, auf dass ihr nicht das tut, was ihr wollt. Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, so seid ihr nicht unter (gegen das) Gesetz. Offenbar aber sind die Werke des Fleisches, welche sind: Hurerei, Unreinigkeit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Sekten, Neid, Totschlag, Trunkenheit, Gelage und dergleichen, von denen ich euch vorhersage, gleichwie ich auch vorhergesagt habe, dass, die solches tun, das Reich GOTTES nicht ererben werden. Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit; wider solche gibt es kein Gesetz. Die aber des CHRISTUS sind, haben das Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Lüsten. Wenn wir durch den Geist leben, so laßt uns auch durch den Geist wandeln. Laßt uns nicht eitler Ehre geizig sein, indem wir einander herausfordern, einander beneiden. Dieselbe Lehre wiederholt Paulus auch gegenüber den Ephesern: Epheser 5,1-14: So seid nun Gottes Nachfolger... und wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns hat geliebt... Hurerei aber und alle Unreinigkeit oder Geiz lasset nicht von euch gesagt werden, wie den Heiligen zusteht... Denn das sollt ihr wissen, daß kein Hurer oder Unreiner oder Geiziger, welcher ist ein Götzendiener, Erbe hat in dem Reich Christi und Gottes. Lasset euch niemand verführen mit vergeblichen Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens. Darum seid nicht ihr Mitgenossen. Denn ihr waret weiland Finsternis; nun aber seid ihr ein Licht in dem Herrn. Wandelt wie die Kinder des Lichts, die Frucht des Geistes ist allerlei Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit, und prüfet, was da sei wohlgefällig dem Herrn. Und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, strafet sie aber vielmehr. Denn was heimlich von ihnen geschieht, das ist auch zu sagen schändlich... Darum heißt es: "Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten." Im ersten Brief an die Korinther weist der heilige Paulus darauf hin, daß „der Leib nicht für die Unzucht da ist, sondern für den Herrn und der Herr für den Leib: 1 Kor 6, 12-20: „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles nützt mir. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich. Die Speisen sind für den Bauch da und der Bauch für die Speisen. Gott wird beide vernichten. Der Leib ist aber nicht für die Unzucht da, sondern für den Herrn, und der Herr für den Leib. Gott hat den Herrn auferweckt; er wird durch seine Macht auch uns auferwecken. Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Darf ich nun die Glieder Christi nehmen und zu Gliedern einer Dirne machen? Auf keinen Fall! Oder wisst ihr nicht: Wer sich an eine Dirne bindet, ist ein Leib mit ihr? Denn es heißt: Die zwei werden ein Fleisch sein. Wer sich dagegen an den Herrn bindet, ist ein Geist mit ihm. Wer sich dagegen an den Herrn bindet, ist ein Geist mit ihm. Hütet euch vor der Unzucht! Jede andere Sünde, die der Mensch tut, bleibt außerhalb des Leibes. Wer aber Unzucht treibt, versündigt sich gegen den eigenen Leib. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst; denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib!“ Im Brief an die Kolosser kehrt Paulus zum selben Thema zurück: Kolosser 3, 5: „So tötet nun eure Glieder, die auf Erden sind, Hurerei, Unreinigkeit, schändliche Brunst, böse Lust und den Geiz, welcher ist Abgötterei.“ Das Keuschheitsthema wird vom heiligen Paulus unter verschiedenen Gesichtspunkten im 7. Kapitel des ersten Briefes an die Korinther entwickelt. Es handelt sich nicht um eine „Abhandlung“ im eigentlichen Sinn, vielmehr finden wir hier Antworten auf Fragen vor, die Mitglieder der Gemeinde an den Apostel herangetragen haben. Das ganze Kapitel zeigt deutlich, daß der Apostel den sexuellen Bereich in einem engen Zusammenhang mit der ursprünglichen Beziehung eines jeden Menschen zu Gott sieht. Der heilige Paulus räumt ein, daß sowohl der Ehestand als auch der Zölibat oder die Jungfräulichkeit Gaben Gottes sind (1 Kor 7. 7-38) und daher der Ehestand durchaus legitim und heiligend ist. Aus mehreren Gründen erachtet er jedoch den geweihten Stand der Jungfräulichkeit oder des Zölibats als empfehlenswerter. Einmal, weil die Jungfräulichkeit deutlicher als die Ehe das Siegel der Wirklichkeit des Reiches Gottes trägt, gehört die Ehe doch zur „Gestalt dieser Welt, die vergeht“. Da der Stand der Enthaltung größere Freiheit für die Dinge Gottes schenkt, „möchte ich, daß ihr frei seiet von rastloser Sorge. ... Die unverheiratete Frau und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, daß sie heilig seien an Leib und Geist“. Die Verheiratete aber bemüht sich notgedrungen und aus Standespflicht darum, ihrem Gatten zu gefallen, das bedeutet Sorge um viele vergängliche Dinge. Um so schwerer fällt es unter diesen Umständen, die für einen Christen angebrachte Haltung einzunehmen, zu der der Apostel aufruft: „Seid ihr also auferweckt worden mit Christus, so sucht, was droben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Was droben ist, habt im Sinn, nicht was auf Erden ist!“ (Kol 3,1f). In seinem ersten Brief an die Thessalonicher um 50 n.Chr. sprach sich Paulus gegen die Unzucht aus und mahnte die Christen zur Heiligung ihres Leibes: 1 Thessalonicher 4,3-8: „Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, und daß ihr meidet die Hurerei. Und ein jeglicher unter euch wisse sein Gefäß zu behalten in Heiligung und Ehren und nicht in der Brunst der Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen... Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung... Wer nun verachtet (Gottes Wille), der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen heiligen Geist gegeben hat in euch.“ Quelle: Kardinal Jorge Medina Estevez: Die Keuschheit Römer 8,5-8 : 5Denn die da fleischlich sind, die sind fleischlich gesinnt; die aber geistlich sind, die sind geistlich gesinnt. 6Aber fleischlich gesinnt sein ist der Tod, und geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede. 7Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag's auch nicht. 8Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen. Römer 13,13–14: Lasset uns ehrbar wandeln wie
am Tag. Nicht
in Fressen und Saufen, nicht in Wollust und Unzucht, nicht in Hader und
Neid, sondern ziehet den Herrn Jesus Christus an und pflegt das Fleisch
nicht zur Erregung eurer Lüste. Eine zweite Version lautet 1 Korinther 7,29 : "Die da Weiber haben, daß sie seien, als hätten sie keine." Wenn wir verheiratet
sind, können wir es nicht vermeiden, in den Anliegen der Welt
verwickelt zu sein; es wird immer schwierig sein, sich rein von
weltlichen Dingen zu halten. Und dies ist der Grund, warum Jesus uns
sagt, andere haben auf Heirat verzichtet, wegen des Himmelreiches. Die
Führung die uns die Bibel also gibt, ist unverheiratet zu bleiben
und
so zu leben, als ob wir keine Frau hätten. Hier beschreibt Jesus
ein typisches weltliches Leben, ein Leben von Leuten deren Sinn und
Streben auf die Dinge hier drunten ausgerichtet sind. Ihre Herzen sind
bei den Dingen dieser Erde, bei weltlichen Dingen. Und freien und sich
freien lassen ist so sehr Teil dieser Art des Lebens. 1 Joh 2,15-17: "Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt, hat die Liebe zum Vater nicht. Denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen und das Prahlen mit dem Besitz, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Die Welt und ihre Begierde vergeht; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit". 1. Timotheus 5,6: "Welche aber in Wollüsten lebt, die ist lebendig tot." Römer 13, 11-14: "Und weil wir solches
wissen, nämlich die Zeit, daß die Stunde da ist, aufzustehen
vom Schlaf. So lasset uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen
die Waffen des Lichtes. Lasset uns ehrbar wandeln als am Tage, nicht in
Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und
Neid; sondern ziehet an den Herrn Jesus Christus und wartet des Leibes,
doch also, daß er nicht geil werde." 1. Joh 2,15-17: "Liebt nicht die Welt und was in
der Welt ist! Wer
die Welt liebt, hat die Liebe zum Vater nicht. Denn
alles, was in der Welt ist, die Begierde des
Fleisches, die Begierde der Augen und das Prahlen mit dem Besitz, ist
nicht vom Vater, sondern von der Welt. Die
Welt und ihre Begierde vergeht; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt
in Ewigkeit." Gal 6,8 : "Wer auf sein Fleisch sät, der wird
von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät,
der wird von dem Geist das ewige Leben ernten." Jakobus 1,
13-14:
"Niemand sage, wenn er versucht wird, daß er von Gott versucht
werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er
selbst versucht niemand. Sondern ein jeglicher wird versucht, wenn er
von seiner eigenen Lust gereizt und gelockt wird. Darnach, wenn die
Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber,
wenn sie vollendet ist, gebiert sie den Tod." 2 Petrus 2,9-19 : Der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu erlösen, die Ungerechten aber zu behalten zum Tage des Gerichts, sie zu peinigen, allermeist aber die, so da wandeln nach dem Fleisch in der unreinen Lust... Sie achten für Wollust das zeitliche Wohlleben, sie sind Schandflecken und Laster..., haben Augen voll Ehebruchs, lassen sich die Sünde nicht wehren... Sie haben verlassen den richtigen Weg und gehen irre... Das sind Brunnen ohne Wasser, und Wolken, vom Windwirbel, umgetrieben, welchen behalten ist eine dunkle Finsternis in Ewigkeit. Denn sie reden stolze Worte, dahinter nichts ist, und reizen durch Unzucht zur fleischlichen Lust... und verheißen Freiheit, ob sie wohl selbst Knechte des Verderbens sind. Siehe
auch: Was sagt die Bibel zur Enthaltsamkeit? Hast du, mein lieber Freund, die Bedeutung
von Brahmacharya begriffen? Habt ihr, meine lieben Brüder, die
wahre
Bedeutung und die Glorie von Brahmacharya erkannt? Wie kannst du
erwarten, stark und gesund zu sein, wenn du die sexuelle Energie, die
du mit großer Schwierigkeit und unter einem hohen Preis erworben
hast,
täglich vergeudest? Es ist unmöglich, gesund und stark zu
sein, es sei
denn, Männer und Frauen, Jungen und Mädchen, praktizieren
Brahmacharya
oder legen das Gelübde des Zölibats ab. Sogar unter
Elektronen, gibt es
Junggesellen-Elektronen und verheiratete Elektronen. Verheiratete
Elektronen offenbaren sich als Paare. Junggesellen-Elektronen leben
einzeln. Es sind allein die Junggesellenelektronen, die magnetische
Kraft erzeugen. Die Energie des Brahmacharya ist ebenfalls in
Elektronen zu finden. Liebe Freunde, ihr solltet von diesen Elektronen
eine Lektion lernen. Übst du Brahmacharya und entwickelst du
Energie
und geistige Kraft? Die Natur ist dein bester Lehrer und geistiger
Führer. Erhebe dich durch Brahmacharya über das Elend des
weltlichen
Lebens und erlange Gesundheit, Stärke, Frieden des Verstandes,
Ausdauer, Tapferkeit, materiellen Wohlstand, spirituellen Fortschritt
und ein langes Leben. Wer eine perfekte Kontrolle über die
sexuelle
Energie hat, erreicht Energien, die durch andere Mittel unerreichbar
sind. Darum verschwende nicht deine sexuelle Energie durch sinnliche
Vergnügen. Bewahre die Energie. Führe ein nobles Leben und
praktiziere
Meditation. Und schon bald wirst du ein Supermann sein. Du wirst
Göttlichkeit erreichen und mit Gott kommunizieren.
Brahmacharya ist ein göttliches Wort.
Es ist
die Summe und der Kern des Yoga. Durch Unwissenheit wurde es vergessen.
Der Wert von Brahmacharya wurde durch die großen Rishis (Weisen)
bewahrt. Es ist das höchste Yoga, das Lord Krishna wiederholt in
seinem
"Lied der Unsterblichkeit“ in der Bhagavad Gita (der "Bibel" des
Hinduismus), aus dem ja letzten Endes der Buddhismus hervorging,
besingt. Im Kapitel VI, Vers 14, wird sehr deutlich gesagt, dass das
Gelübde von Brahmacharya für die Meditation unbedingt
notwendig ist:
"...ungestört im Geist, frei von Furcht, im Gelübde des
Zölibats
befindlich...." (prasantatma vigata-bhir - brahmacari-vrate sthitah).In
Kapitel XVII, Vers 14 der Gita, sagt er, dass Brahmacharya eins der
Erfordernisse für die Askese des Körpers ist: "...
Brahmacharya und
Gewaltlosigkeit sind ebenfalls Enthaltungen des Körpers."
(brahma-caryam ahimsa ca - sartram tapa ucyate). Wir haben eine andere
Aussage in Kapitel VIII, Vers 11, dass Yogis Brahmacharya praktizieren,
um das Ziel zu erreichen, das von den Kennern der Veden als Ziel
betrachtet wird: "Die mit den Veden vertraut sind, sagen, dass
große
Weise im Lebensstandart der Entsagung Brahmacharya praktizieren." (yad
aksaram veda-vido vadanti - visanti yad yatayo vita-raga - yad icchanto
brahmacaryarh caranti). Eine ähnliche Aussage wird auch im
Kathopanishad (poetischer Text der Upanishaden, indische Heilige
Schrift) gefunden. Im Raja Yoga von Patanjali Maharshi wird die
Bedeutung des Brahmacharya ebenso betont. Yama ist der erste
Schritt.Yama ist die Praxis von Ahimsa (Nichtverletzen), Satya
(Ehrlichkeit), Asteya (Nichtstehlen), Brahmacharya (Enthaltsamkeit) und
Aparigraha (Unbestechlichkeit). Unter diesen ist Brahmacharya das
wichtigste Gebot. Im Mahabharata, dem bedeutendsten und umfangreichsten
Epos der Hindus, findest man im Santi Parva: "Das Dharma, hat viele
Zweige, aber Dama, die Sinneskontrolle, ist die Basis von allem." Im
Jnana Yoga (Yoga des Wissens) gilt: Dama (Sinneskontrolle) ist die
Grundlage für den Yogaschüler. Brahmacharya ist das
lebenswichtige
Thema für alle, die sich Erfolg im materiellen und geistigen Leben
wünschen. Ohne Brahmacharya ist ein Mensch für die
spirituelle Praxis
absolut ungeeignet.
Anmerkung des Übersetzers:
Ich habe hier noch einmal die Aussagen der Bhagavat Gita, die Teil des Mahabharatas ist, zusammengefasst. Dabei füge ich die Sanskrittexte mit ein, weil man daraus sehr gut ersehen kann, dass die Bhagavat Gita auf das Brahmachrya(m) verweist: Kapitel 6, Vers 14 prasantatma vigata-bhir Vers 27:
"Erleuchtung wird durch sieben Stufen erreicht. (Yama, Nyama, Asana,
Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana)." (Tasya saptadhâ
prânta-bhûmih
prajnâ) - Hier ist das Brahmacharya im Yama, im Gebot der
Enthaltungen,
der Selbstkontrolle, enthalten. (Yama setzt sich nämlich aus
folgenden
Gliedern zusammen: Gewaltlosigkeit, Ehrlichkeit, Nichtstehlen,
Enthaltsamkeit, Unbestechlichkeit)
Vers
29: "Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana
und Samadhi sind die acht Glieder."
(Yama-niyamâsana-prânâyâma-pratyâhâra
-dhâranâ-dhyâna-samâdhayo ¢shtâv
angâni) - Auch hier ist das Brahmacharya im Yama enthalten.
Vers
30: "Die Yamas (Gebote der Enthaltung, Selbstkontrolle) bestehen
aus Ahimsa (Nichtverletzen), Satya (Wahrhaftigkeit), Asteya
(Nichtstehlen), Brahmacharya (Enthaltsamkeit) und Aparigraha (Aufgabe
von Gewinnsucht)."
(Ahimsâ-satyâsteya-brahamacharyâparigrahâ yamah)
Vers 38:
"Wenn Brahmacharya, sexuelle Enthaltsamkeit, fest begründet ist,
wird
kraftvolle Lebenskraft (Vitalität) erlangt."
(Brahmacharya-pratishthâyâm vîrya-lâbhah)
Ende Anmerkung des Übersetzers.
Ende Anmerkung des Übersetzers Durch die Jahrhunderte war das Gelübde
auf
sexuelle Enthaltsamkeit in jeder Religion die schwerste Prüfung.
In der
volkstümlichen Folklore setze sich die Idee durch, das Hellsehen
und
andere übernatürliche Fähigkeiten, ausschließlich
das Privileg von
sexuell enthaltsam lebenden Menschen ist. Edvard Alexander Westermack
(1862-1939), ein finnischer Anthropologe (Völkerkundler),
Philosoph und
Soziologe, bevorzugte die Erklärung, dass Pollutionen
(unbeabsichtigte
nächtliche Samenergüsse im Schlaf) die Heiligkeit
zerstören. Ein Stamm
auf dem Rio Negro (Nebenfluss des Amazonas) erlegte ihren Schamanen
(Medizinmännern) das Zölibat auf, weil sie glaubten, dass die
Medizin
wirkungslos sein würde, wenn sie durch einen verheirateten Mann
verabreicht wird. In ihrer Autobiographie, schreibt die im
mexikanischen Bundesstaat Oaxaca bei den Mazateken lebende Schamanin,
María Sabina (1894–1985), die sich selbst als Weise bezeichnet,
dass
sie bereits mit vierzehn Jahren heiratete, aber enthaltsam lebte, da
eine Weise enthaltsam leben sollte. (Schamanismus in Südmexiko)
Lambichus (syrischer Philosoph?) gibt an, dass die Götter es nicht hören können, wenn sie von jemanden angerufen werden, der durch sexuelle Kontakte verunreinigt ist. Im Islam wird strenges Zölibat auf der Pilgerfahrt nach Mekka gefordert. Das Zölibat ist ebenso für die hebräische (jüdische) Versammlung während der göttlichen Erscheinung im Sinai (ägyptische Halbinsel) erforderlich und bevor der Tempel betreten wird. Das antike Indien, ägypten und Griechenland stellten die Regel auf, dass Kirchgänger sich vor und während der Heiligen Messe sich jeglicher sinnlicher Gedanken enthalten sollten. Im Christentum wurde das Zölibat als Vorbereitung auf die Taufe und das Abendmahl gefordert. Die höchste Form des Christentums findet sich im Zölibat. Christliche Lehrer priesen immer schon das Zölibat. In ihren Augen ist die Ehe nur ein untergeordnetes Gut, die für die bestimmt ist, die nicht imstande sind, im Zölibat zu leben. Die Bischöfe der griechischen Kirche lebten immer zölibatär und wurden aus dem Kreis der Mönche gewählt. Ein Mönch, der mit sinnlichen Gedanken eine Frau berührt, der ihre Hand umklammert, ihr Haar oder einen anderen Teil ihres Körpers in sinnlicher Absicht berührt, bringt Schande und Erniedrigung auf den Orden. Bei der gegenwärtigen Priesterweihe schwört der Priester (Mönch), sich lebenslang von jeglichem sexuellen Verkehr zu enthalten. Die Jains, eine in Indien beheimatete
Religionsgemeinschaft, fordert von ihrem Munis (Sadhu, Asket,
Mönch,
Einsiedler), sich aller sexuellen Beziehungen zu enthalten; nicht
über
Frauen zu besprechen, und sich keine Gedanken über die
Schönheit der
Frauen zu machen. Sinneslust wird folglich verurteilt: "Von allen
Lastern, ist Sinneslust die schlechteste." Es gibt andere Regeln, die
das Zölibat unterstützen. Sie sollen vor allem jene
Redensarten
unterbinden, die zu einem Verstoß der Keuschheit führen
könnten.Ein
Mönch sollte nicht mit einer Frau zusammen in einem Raum schlafen
oder
ihr allein in ausführlicher Form die Worte der heiligen Schrift
übermitteln. Er sollte auch nicht zu den Nonnen sprechen, es sei
denn,
er ist dazu besonders delegiert. Ebenso sollte er nicht allein mit
einer Frau verreisen. Auf seinem Bettelgang für Almosen, sollte er
vorschriftsmäßig gekleidet sein und mit gesenkten Augen
gehen. Er
sollte nur unter ganz speziellen Bedingungen eine Robe von einer
fremden Frau annehmen. Er sollte nicht an einem abgeschiedenen Platz
mit einer Frau sitzen, sie in unreiner Absicht berühren oder mit
ihr
sprechen.
Der buddhistische "Orden der
Bettelmönche"
wurde durch 227 Regeln für die Mönche geregelt. Von
diesen
waren die ersten vier von besonderer Bedeutung. Ein Bruch einer der
vier Regeln hatte den Ausschluss vom Orden zur Folge; und sie wurden
folglich als die Regeln über Vergehen, die jegliches
Erlösungsstreben
vereiteln, bezeichnet.
Die erste Regel für die Mönche
lautet:
1. Jeder Mönch, der die Übung und
die
Lebensweise der Mönche auf sich genommen hat und der sich von
dieser
Übung nicht zurückgezogen und sein Unvermögen kundgetan
hat, obwohl er
sich dem Geschlechtsverkehr, auch mit einem Tier hingibt, dessen
Erlösungsstreben ist vereitelt; er ist aus dem Orden
ausgestoßen.
Dazu sollte vielleicht erwähnt werden,
dass
alle Mönche an allen Vollmond- und Neumondtagen, den sogenannten
Uposatha-Tagen, zusammentreten, um ihre Verfehlungen vor der
versammelten Mönchsgemeinde kund zu tun. Verschweigt ein
Mönch dort
seine Verfehlungen, dann kann das Folgen für ihn haben. An diesen
Tagen
fasten die Bhikkhus (Mönche) und halten die Patimokkha-Feier ab,
d. h.
sie rezitieren die 227 Mönchs-Regeln, wie Buddha sie festgelegt
hat.
Die Laien beachten an den Uposatha-Tagen die fünf Silas (sittliche
Übungsregeln) und die acht Tugendregeln. Wenn möglich, nutzen
die Laien
diese Tage, um ihr örtliches Kloster zu besuchen, dort
Dhamma-Vorträgen
der Mönche anzuhören und mit Gleichgesinnten bis spät in
die Nacht
hinein zu meditieren.
Die acht Tugendregeln (Atthangasila) für den Uposatha-Feiertag ergänzen die fünf Silas um folgende 3 Vorschriften:
König Numa Pompilius gründete im antiken Rom, den "Orden der vestalischen Jungfrauen". Die Priesterschaft der Vestalinnen bestand aus sechs jungfräulichen Priesterinnen, die im Alter von sechs bis zehn Jahren für eine 30-jährige Dienstzeit berufen wurden. Ihre Hauptaufgabe war das Hüten des Herdfeuers im Tempel der Vesta, der Göttin des Herdes, das niemals erlöschen durfte, sowie das Wasserholen von der heiligen Quelle der Nymphe Egeria, das zur Reinigung des Tempels verwendet wurde. Daneben stellten sie die mola salsa (eine Mischung aus Salzwasser und Getreideschrot) sowie das Suffimen (Asche ungeborener Kälber) her, die bei bestimmten Kulthandlungen benötigt wurden.Während ihrer Dienstzeit waren die Vestalinnen zu absoluter Keuschheit verpflichtet. Der Verlust der Jungfräulichkeit einer Vestalin galt als schweres Unheil für das römische Gemeinwesen. Eine unkeusche Vestalin wurde aus der Priesterschaft entfernt und lebendig begraben. Gelegentlich wurde in der Forschung
angenommen, dass die Vestalinnen ursprünglich für
Menschenopfer
bereitgehaltene Jungfrauen waren oder dass sie in republikanischer Zeit
die kultischen Pflichten übernahmen, die zuvor die Töchter
des Königs
ausgeübt hatten. Diese Hypothesen werden heute jedoch als
überholte
Spekulation angesehen.Bereits vor der Gründung Roms existierten
Vestalinnen in verschiedenen Gemeinwesen, zum Beispiel in Alba Longa
(etwa 20 Kilometer süd-östlich von Rom), und auch für
die historische
Zeit liegen schriftliche Belege für ihre Existenz außerhalb
Roms, zum
Beispiel in Tibur (ungefähr 20 km östlich vom Stadtrand
Roms), vor. Da
keine Parallelen in nicht-italienischen Kulturen nachgewiesen werden
konnten, war die Priesterschaft der Vestalinnen vermutlich eine in
Italien, wahrscheinlich in Latium, eine Region in Mittelitalien,
wichtigste Stadt in Latium ist die italienische Hauptstadt Rom,
entstandene Institution.
In Darjeeling, im Vorder-Himalaya
(Westbengalen), leben einige Hundert Ex-Lamas, die als Kulis
(Lastenträger) ihre Arbeit verrichten. Ein Lama ist ein
spiritueller
Lehrer, ein Mönch, aus dem tibetischen Buddhismus. Die Lamas sind
entweder allein, oder zusammen mit ihrer Geliebten aus Tibet geflohen,
um den strengen Strafen zu entgehen, die der Bruch des Zölibats
mit
sich bringt. Wird der Mönch bei einer sexuellen Verfehlung
erwischt
oder wird er von anderen angezeigt, so fällt er in Ungnade,
erfährt
öffentlich körperliche Züchtigung, wird zusätzlich
mit einer schweren
(Geld-)Strafe bestraft und aus dem Orden entfernt.
Die peruanischen "Jungfrauen der Sonne",
eine Art von Priesterinnen, wurden mit lebender Beerdigung bestraft,
wenn sie beim sexuellen Fehltritt entdeckt wurden.
Brahmacharya ist eine notwendige
Vorraussetzung des spirituellen Lebens. Es ist von großer
Bedeutung.
Ohne vollkommenes Brahmacharya wirst du keinen erheblichen spirituellen
Fortschritt haben. Enthaltsamkeit ist die Basis, auf der die
Erleuchtung beruht. Wenn die Basis nicht stark genug ist, dann wird der
Überbau mit dem nächsten schweren Regen davon geschwemmt.
Wenn du
allerdings nicht fest im Brahmacharya verankert bist, wenn dein
Verstand durch sinnliche Gedanken aufgeregt wird, dann sind spirituelle
Fortschritte kaum möglich. Du kannst nicht den Gipfel auf der
Leiter
des Yoga erklimmen oder das höchste Samadhi (Erleuchtung)
erreichen. Es
gibt keine Hoffnung für die Selbstverwirklichung oder das Wissen
um das
Selbst, die Seele, wenn du nicht fest im Brahmacharya verwurzelt bist.
Brahmacharya ist der Schlüssel zum ewigen Glück. Brahmacharya
ist die
Grundlage von Yoga. Geradezu wie ein Haus, das auf einem morschen
Fundament errichtet wurde, eines Tages in sich zusammenfällt, so
fällt
man eines Tages von der Meditation ab, wenn keine vernünftige
Basis,
wenn kein Brahmacharya, vorhanden ist. Selbst wenn du zwölf Jahre
meditiert hast, wirst du keinen Erfolg erlangen, wenn du nicht die
subtile Sinneslust besiegt hast, die sich im Innersten deines
Unterbewusstseins eingenistet hat.
Brahmacharya ist die Grundlage für
körperliche Vollkommenheit. Dazu ist allerdings vollkommenes
Brahmacharya erforderlich. Sie ist von überragender Bedeutung.
Durch
die Praxis von Yoga, wird der Samen in Ojas Shakti, in spirituelle
Energie, umgewandelt. Dadurch bekommt der Yogi einen perfekten
Körper.
Dadurch bekommt er Charme und Anmut in seinen Bewegungen und er wird
ein langes, gesundes und zufriedenes Leben führen. Die Praxis von
Brahmacharya ist die wichtigste Qualifikation für einen
spirituellen
Menschen, egal welchen Weg er eingeschlagen hat: Karma Yoga, Bhakti
Yoga, Raja Yoga, Hatha Yoga oder Vedanta. Die Disziplin der kompletten
Enthaltsamkeit wird von allen verlangt. Nur ein aufrechter Brahmachari
kann Bhakti, die Verehrung Gottes, richtig kultivieren. Nur ein wahrer
Brahmachari wird Yoga richtig praktizieren. Nur ein echter Brahmachari
kann Jnana, den Yoga des Wissens, erfassen. Ohne Brahmacharya ist kein
geistiger Fortschritt möglich. Die Leidenschaften führen
einen
tödlichen Krieg gegen die spirituellen Bestrebungen des Menschen.
Es
ist nicht möglich auf dem spirituellen Pfad voran zu kommen, der
zu
einer Vereinigung mit Gott führt, es sei denn, man kontrolliert
die
Sinneslust und praktiziert Brahmacharya. Solange die Sinneslust in
deinen Nasenlöchern süß riecht, kannst du keine
erhabenen, göttliche
Gedanken in deinem Verstand hegen. Der Mann, in dem die Leidenschaften
tief verwurzelt sind, wird immer nur davon träumen, Vedanta zu
verstehen, und er wird die reine Liebe Brahmans selbst in zehn
Millionen von Geburten nicht erfahren. Die Wahrheit kann nicht dort
verweilen, wo die Leidenschaften existieren.
Sexuelle Hingabe ist ein großes
Hindernis im
geistigen Weg. Sie verhindern definitiv die spirituelle Praxis. Das
sexuelle Drängen muss durch erhabene Gedanken und
regelmäßige
Meditation kontrolliert werden. Es sollte komplette Sublimation der
sexuellen Energie stattfinden. Nur dann ist der Yogaschüler
absolut
sicher. Die vollkommene Vernichtung des sexuellen Wunsches ist das
spirituelle Ideal. Sexuelle Anziehung, sexuelle Gedanken und sexuelles
Drängen sind die drei großen Hindernisse auf dem Weg zur
Gottrealisierung. Selbst wenn das sexuelle Drängen verschwindet,
bleibt
die sexuelle Anziehung für eine lange Zeit bestehen und beunruhigt
den
Yogaschüler. Die sexuelle Anziehung ist sehr, sehr stark. Die
sexuelle
Anziehung bindet den Menschen an diese Welt. Jede Zelle im Körper
eines
Mannes oder einer Frau beinhaltet ein sinnliches Begehren. Der Verstand
und die Sinne sind von einem sexuellen Fluidum durchtränkt.Ein
Mann hat
immer den Wunsch, eine Frau zu bewundern, mit ihr zu sprechen, sie
kennen zu lernen. Er findet in ihrer Gesellschaft Vergnügen.
Ebenso
schauen die Frauen den Männern nach und haben den Wunsch, einen
Mann
kennen zu lernen. Sie fühlen sich in der Gesellschaft von
Männern sehr
geborgen. Der ist der Grund, warum es für sie oder für ihn so
schwierig
ist, die sexuelle Anziehung zu besiegen. Die Leidenschaften können
nur
durch die Gnade Gottes besiegt werden. Keine menschliche Bemühung
kann
die mächtige Kraft der sexuellen Anziehung besiegen. Das Sehorgan
richtet dabei großen Schaden an. Vermeide lüsterne Blicke,
den Ehebruch
des Auges. Versuche, Gott in allen Gesichtern zu sehen. Konzentration,
Unterscheidungskraft und Selbsterforschung werden Fortschritte auf dem
spirituellen Wege ermöglichen. Schließlich wirst du mit
Brahman, mit
dem Ewigen vereint. Entwickle erhabene göttliche Gedanken und
praktiziere Japa und Meditation und die sinnlichen Begierden werden
allmählich verschwinden.
Von welchem Nutzen ist das Wissen der
Künste
und der Wissenschaften, von welchem Nutzen ist ein Titel oder das
Ansehen, von welchem Nutzen ist die Wiederholung des Namen Gottes, der
Meditation oder die Selbstergründung der Frage "Wer bin ich?",
wenn du
ein Sklave der Sinneslust bist? Kontrolliere dieses starke
Bedürfnis
durch ein rigoroses Zurückdrängen der Sinne. Du wirst nur in
der
Meditation Fortschritte erzielen, wenn du ein strenges Zölibat
erfüllst. Dann werden die Bemühungen in der geistigen
Keuschheit
Vollkommenheit erlangen. Unter uns allen kann sich ein versteckter
Shakespeare, ein Kalidasa (indischer Dichter des 4. Jahrhunderts), ein
versteckter William Wordsworth (englischer Dichter - 1770 bis 1850)
oder ein Valmiki (indischer Dichter des 2. Jahrhunderts), ein
möglicher
Jesuit wie der Heilige Francis Xavier, ein Akhanda Brahmachari (ein
Brahmachari der 12 Jahre keinen Tropfen Samen abgegeben hat) wie
Bhishma Pitamaha (Person aus der Mahabrarata, ein bedeutendes Epos der
Hindus), ein Hanuman (Affengott) oder ein Lakshman (Bruder des
Hindugottes Rama), ein Visvamitra oder ein Vasishtha (Heilige aus dem
indischen Ramayana - das Ramayana ist nach dem Mahabharata das zweite
indische Nationalepos), ein großer indischer Wissenschaftler wie
Dr. J.
C. Bose (Physiknobelpreisträger von 1977) oder Sir Chandrasekhara
Venkata Raman (indischer Physiknobelpreisträger von 1930), ein
Yogi wie
Jnana Deva oder Gorakhnath, ein Philosoph wie Sankara oder Ramanuja,
ein Bhakta (Yogi, der die Liebe zu Gott praktiziert) wie Tulsidas,
Ramdas oder Eknath, befinden.
Erwache und deine versteckten
Fähigkeiten,
das ganze Potential deiner Möglichkeiten, wird durch Brahmacharya
erweckt. So kannst du das Gottesbewusstsein schnell erreichen und dich
über das Elend des irdischen Lebens mit seinen
Begleitumständen wie
Geburt, Tod und Leid erheben. Gesegnet sei der Brahmachari, der das
Gelübde des Zölibats bis ans Ende seines Lebens auf sich
genommen hat.
Zweimal gesegnet sei der Brahmachari, der sich aufrichtig bemüht,
die
Sinneslust zu besiegen, um vollkommene Reinheit zu erreichen. Dreimal
gesegnet sei der Brahmachari, der vollständig die Wurzeln des
Begehrens
besiegt und Selbstverwirklichung erreicht hat. Glorie solchen erhabenen
Brahmacharins! Sie sind die wahren Könige der Erde. Möge ihr
Segen euch
alle erreichen.
An dieser Stelle soll noch ein Blick auf fernöstliche Mönchstum geworfen werden. In verschiedenen Religionen existieren verschiedene Ausprägungen des Mönchtums. Beginnen wir mit dem Mönchstum im Hinduismus. Die Mönche des Hinduismus sind die Sadhus (Sadhu = der Gute), die mit Swami angeredet werden oder mit Baba, Vater. Sadhus, die heiligen Männer Indiens, leben häufig als umherziehende, heimatlose Bettelmönche in ständiger Askese und Heimatlosigkeit. Andere dagegen bilden Gemeinschaften in einem Ashram oder einem Tempelkomplex. Sie treten in verschiedenen religiösen Ausprägungen auf. Unter den verschiedenen hinduistischen Orden gibt es z. B. Vaishnavas, die Anhänger Vishnus, nach außen hin dadurch erkennbar, dass sie ihr Haar bis auf ein Büschel am Hinterkopf rasieren, oder Shaivas, die Anhänger Shivas, die ihr Haar wild wachsen lassen. Nach seinem Entschluss zur Entsagung schließt sich der künftige Sadhu einem Guru an, der ihn in die spirituelle Lehre sowie in Techniken der Askese und Meditation (Yoga) einführt und dem er als Schüler dient. Diese Asketen werden auch Muni genannt, ein Wort, das mit dem deutschen Mönch verwandt ist. Ein Sadhu legt ein persönliches
Gelübde
ab, das je nach den Vorschriften seines Gurus verschiedene
Anforderungen auferlegt. Das kann Heimatlosigkeit sein, Armut, sexuelle
Enthaltsamkeit, Fasten sowie völlige Bedürfnislosigkeit.
Einige Sadhus
dürfen keine sozialen Kontakte zu den Mitmenschen pflegen, halten
sich
nie lange an einem Ort auf und leben von dem, was sie von ihren
Mitmenschen erhalten. Manche von ihnen fallen durch bizarres Verhalten
auf, durch extreme Formen der Askese und Selbstquälung, andere
sind für
ihren Rauschgiftkonsum bekannt. Viele Sadhus sehen die Welt als
Trugbild, der man sich entsagt und der man sich abtöten soll,
um Erleuchtung in der transzendenten Wirklichkeit zu erlangen. Sie
suchen Erlösung aus dem ewigen Kreislauf von Leben, Tod und
Wiedergeburt.Lebten einige hinduistische Yogis
zunächst bei
ihrem Guru in einem unabhängigen Ashram, einem
klosterähnlichen
Meditationszentrum, so kamen im achten Jahrhundert die
häufig
mit einem Tempel verbunden Klöster hinzu. Die ersten wurden unter
Shankara, einem großen Hindu-Philosophen, gegründet, der mit
seinen
Mönchen den theistisch (religiös) orientierten
Hinduismus dem
wachsenden atheistisch orientierten Buddhismus gegenüber
stärken
wollte. Die in den hinduistischen Klöstern lebenden
Sanyassin, die 'Entsagenden', folgen noch heute dem alten Ideal der
Askese, suchen spirituelles Wachstum, studieren und lehren die Heiligen
Schriften. Hindumönche, beschäftigen sich neben spirituellen
Aktivitäten auch mit philanthropischen
(menschenfreundlichen) und
humanistischen Aufgaben (Schulen, Sanitätsstationen,
Armenspeisung,
u.a.). In Thailand, einem Land in dem besonders der Theravada-Buddhismus verbreitet ist, gibt es etwa 18.000 Wats (buddhistische Tempelanlagen), die vor allem in ländlichen Gebieten nicht nur Zentrum des religiösen, sondern auch des sozialen Lebens sind. Die Zahl der Mönche beträgt etwa 160.000. Traditionell tritt fast jeder männliche Thai, aber nur wenige Frauen, einmal im Leben für mehrere Wochen in ein Kloster ein, um sich in der Meditation zu üben und den Regeln der Mönchs- bzw. Nonnengemeinschaft zu unterziehen. Etwa ein Drittel der männlichen Jugendlichen zwischen 12 und 18 / 20 Jahren lebt für ein bis sechs Jahre als Novize (Ordensschüler) im Tempel. Nach Beendigung der Schule legen die meisten von ihnen die Robe ab und kehren als Laien in die Gesellschaft zurück, um zu studieren, eine Lehre zu machen oder einen Job zu suchen. Sofern ein Novize mit 20 Jahren noch im Tempel ist, muss er sich entscheiden auszutreten oder Mönch zu werden. Stirbt jemand in der Familie, ist es üblich, dass ein Familienmitglied, meist ein Sohn, Enkel oder Neffe, ordiniert wird, um die Totenfeiern als Mitglied der Sangha (Mönchsgemeinschaft) zu begleiten; meistens dauert dieser Tempelaufenthalt nur drei, fünf oder sieben Tage. Ist jemand in einer persönlichen Krise, vom Geschäftsleben gestresst, hat er seine Pflichten als Familienvater erfüllt oder ist Witwer geworden, kann er bis zu dreimal Mönch auf Zeit sein, wobei er das Kloster und die Dauer seiner Ordination frei wählen kann. Dieser Rückzug hat häufig die Dauer einer Regenzeit (drei Monate) oder eines Jahres. Ältere nehmen damit auch Abschied vom Berufsleben und bleiben Mönche für den Rest ihres Lebens. Mönche, Novizen und Nonnen werden als Vorbilder gesehen und genießen in der Gesellschaft hohen Respekt. Auch im chinesischen Daoismus gibt es Klöster, die ab dem 12. Jahrhundert nach Vorbild des Buddhismus eingerichtet wurden. Die Schule des Daoismus, in der zölibatäre Mönche und Nonnen in Klöstern ein Leben der Meditation und Askese leben, ist das Neidan (Quanzhen). Die Schule des Quanzhen betont, dass das Ziel nicht die physische Unsterblichkeit ist, wie in den früheren Schulen des Daoismus (z.B. der Himmelsmeister oder des Shangqing), sondern dass es um rein innerliche Prozesse geht, die den Geist über die Welt setzen. Die Quanzhen-Schule stellte die erste Schule des Daoismus dar, die nach Vorbild des Chan-Buddhismus Klöster errichtete und strenge Regeln des Zölibats, der Enthaltsamkeit von Alkohol, Fleisch, Begierden, Zorn und Reichtümern einführte.Das buddhistische Shaolin-Kloster in der
chinesischen Provinz Henan wurde um 500 n.Chr. gegründet. Im
Jahr
527 n.Chr. kam der Legende nach der indische Mönch
Bodhidharma in
das Kloster und begründete dort die Lehre des Chan (japanisch:
Zen)-Buddhismus. Es ist berühmt für seine Kampfkunst sowie
für Quigong, eine chinesische Meditations-, Konzentrations-
und
Bewegungsform zur Kultivierung von Körper und Geist und gilt
außerdem als die Geburtsstätte des historischen
Chan-Buddhismus, dem
Vorläufer des Zen-Buddhismus. Neben Meditation und Buddhismus
pflegen Shaolin-Mönche auch Kenntnisse in traditioneller
chinesischer
Medizin, Qigong, Kalligrafie und natürlich Kung-Fu.
Die Lebensweise eines Mönches ist streng: kein Fleisch, kein
Alkohol,
kein Sex. Entsprechend Letzterem gilt das Zölibat. In den
häufigen
Wirren der dynastischen Kämpfe um den chinesischen Kaiserthron
waren
diese Kampfmönche beliebte Verbündete, die sich nicht nur
Überfällen
von Räubern auf ihr Kloster zu erwehren wussten, sondern auch
aktiv in die Kämpfe zu Gunsten ihrer kaiserlichen Förderer
eingriffen.
Zeitweise unterhielt das Kloster eine Armee von 2.500 Mann. Das Kloster
wurde mit Landschenkungen bedacht, der Abt des Klosters wurde zum
kaiserlichen General ernannt, und die Kampfmönche genossen hohes
Ansehen. Der Staatsshinto ist die tragende
Ideologie der Regierungsform, die sich nach der sogenannten Meiji
Restauration (1868) bildete und bis zur Niederlage Japans im Zweiten
Weltkrieg (1945) Bestand hatte. Diese Regierungsform rückte die
Institution und die Figur des japanischen Tenno (japanischer Kaiser)
wieder ins Zentrum der politischen Macht und versuchte, diese
Rückkehr
zu den politischen Verhältnissen des alten Japan aus der
japanischen
"Urreligion", also aus dem Shinto, zu begründen. Die Ideologie des
Staatsshinto fußt auf den Ideen der Kokugaku (Nationale Schule),
die
sich im Laufe des 19. Jh. zunehmend politisiert hatte und den Umsturz
des Shogunats (Anführer aus der Kriegerkaste der Samurai)
ideologisch
vorbereitete. Mit der Machtübergabe an den zu dieser Zeit
15-jährigen
Tennō Mutsuhito lag die Zentralgewalt seit vielen Jahrhunderten
erstmals wieder in den Händen des Tennō. Quellen: Es ist über alle Zweifel erhaben, dass
ein
Leben im Brahmacharya erhaben und wunderbar ist. Aber ebenso kann ein
maßvolles Leben für das spirituelle Wachstum eines
Familienvaters gut
und nützlich sein. Beide haben ihre eigenen Vorteile. Du solltest
die
große Stärke haben, jedem seinen Weg gehen zu
lassen.Varnashrama
Dharma, die Gliederung der hinduistischen Gesellschaft in vier Kasten
(Varna) und vier Lebensstadien (Ashrama), ist jetzt praktisch
ausgestorben. Heutzutage ist jeder ein Vaisya (Kaste der Bauern,
Kaufleute und Händler) oder ein Bania (Unterkaste der Gewürz-
und
Getreidehändler) mit der Gier zur Anhäufung von Reichtum
durch Betteln,
Leihen oder Stehlen. Fast alle Brahmanen (Kaste der Priester und
Gelehrten) und Kshatriyas (Kaste der Krieger, Fürsten und
Könige) sind
heute Banias oder Vaisyas. Es gibt heutzutage keinen wirklichen
Brahmanen oder Kshatriya mehr. Heute dreht sich alles nur noch ums
Geld. Sie versuchen nicht mehr, das Dharma, die Lehre ihrer Kaste, in
ihrem Leben zu praktizieren.
Dies ist die grundlegende Ursache für
den
moralischen Absturz der Menschen. Wenn der Familienvater seine
Verpflichtungen erfüllt, wenn er ein idealer Grihasthi (ein
Mensch, der
im Berufs- und Familienleben steht) ist, dann besteht keine
Notwendigkeit, ein Leben der Enthaltsamkeit zu führen. Die Abnahme
der
Anzahl der Sannyasins (Mönche), in der heutigen Zeit, ist auf das
Versagen der Familienväter gegenüber ihren familiären
Verpflichtungen
zurückzuführen. Das Leben eines idealen Familienvaters ist
genau so
schwierig und anstrengend wie das Leben eines idealen Sannyasin. Der
Weg des Karma-Yoga des Familienvaters, ist genau so schwierig und
anstrengend wie der Weg der Entsagung der Mönche.Wenn ein
Familienvater
ein Leben im Zölibat führt, und nur gelegentlich, um der
Nachkommen
willen, mit seiner Frau intim ist, dann bringt er gesunde,
intelligente, starke, schöne und selbstlose Kinder hervor. Die
Asketen
und Gelehrten des alten Indiens, befolgten diese Regel sehr
sorgfältig,
wenn sie verheiratet waren. Sie lehrten diese Regeln auch ihren
Schülern und praktizierten sie, durch ihr Vorbild als
Familienväter und
Brahmacharins. Unsere Vorfahren folgten in der Tat den asketischen
Regeln bei der Erzeugung ihrer Nachkommen.
Diejenigen, die die Srimad Bhagavata, einen
indischen episch-philosophischen Klassiker, gelesen haben, kennen das
Leben von Devahuti, der Tochter von Manu, dem Urvater des
Menschengeschlechts, und ihres Ehemannes Kardama Rishi. Kapila Muni,
der Gründer der Sankhya Philosophie, wurde von Devahuti geboren,
nachdem Kardama Rishi sie einmal besuchte, um mit ihr einen Sohn zu
zeugen. Der Weise Parasara besuchte die Fischerstochter Matsyagandhi,
die ihm darauf Sri Vyasa, den Gründer der Vedanta Philosophie
gebar.Viele große Weise von damals waren verheiratet, aber sie
führten
nicht das Leben der Leidenschaft und Sinneslust. Ihr Leben als
Familienvater war ein Leben nach dem Dharma, nach der Lehre ihrer
Religion. Wenn es für dich nicht möglich ist, ihnen
nachzueifern, dann
solltest du ihr Leben als ein Vorbild betrachten, als ein Ideal zur
Nachahmung, um ebenfalls dem Weg der Wahrheit zu folgen. Das Leben als
Familienvater sollte kein Leben der Sinneslust und des losen
Lebenswandels sein. Es sollte ein strenges Leben des selbstlosen
Dharmas, rein und einfach sein, von Nächstenliebe, Güte,
Humanität,
Freundlichkeit und Selbsthilfe geprägt. Wenn du solch ein Leben
führst,
ist das Leben eines Familienvaters genau so gut, wie das Leben eines
Sannyasin.
Führe eine geordnete und gezügelte
Ehe.
Selbst als Familienvater kannst du ein Brahmachari sein, indem du am
Grihastha Dharma, den sozialen und spirituellen Pflichten der
Familienväter, festhälst, ein gemäßigtes Leben
führst und regelmäßig zu
Gott betest. Die Ehe sollte dich auf keinen Fall in deiner spirituellen
Entwicklung behindern. Du solltest das spirituelle Feuer immer am
lodern halten. Deine Frau sollte ebenso vom Sinn eines spirituellen
Lebens überzeugt sein. Wenn beide Eheleute Brahmacharya beachten,
aber
zur Zeugung von Kindern miteinander intim sind, ohne es zu
Ausschweifungen kommen zu lassen, dann werden sie robuste und gesunde
Kinder bekommen, die der Stolz des ganzen Landes sind. Die aufbewahrte
Energie kann für höhere spirituelle Zwecke verwendet werden.
Die
Verhinderung einer häufigen Schwangerschaft erhält
außerdem die
Gesundheit der Frau.Brahmacharya im Eheleben bedeutet eine absolute
Mäßigung im sexuellen Verkehr. Familienvätern sollte es
gestattet sein,
einmal im Monat mit ihrer Frau intim zu sein, um Nachwuchs zu zeugen.
Dieses entspricht ebenfalls dem Gelübde des Brahmacharya. Deshalb
kann
man die Eheleute, die diese Regeln einhalten, ebenfalls als Bramacharin
betrachten.
Die Eheleute sollten ebenso
regelmäßig
fasten und Japa, Meditation und andere spirituelle Praktiken einhalten,
die es ihnen ermöglichen, das Gelübde des Brahmacharya
aufrecht zu
erhalten. Sie sollten vielleicht zusammen die Bhagavad Gita
(hinduistische "Bibel"), die Upanishaden (philosophische Schriften),
die Bhagavata (ein hinduistischer Text vishnuitischer Prägung) und
das
Ramayana (indisches Nationalepos) studieren und die Regeln für
eine
gesunde Ernährung beachten.Wenn du Brahmacharya beachten
möchtest, dann
stelle dir vor, dass deine Frau deine Schwester ist. Legt die Idee von
Ehemann und Ehefrau beiseite, und stellt euch vor, ihr seid Bruder und
Schwester. Ihr werdet eine reine und starke Liebe entwickeln, weil die
Unruhen, die die Sinneslust normalerweise mit sich bringen, nicht
vorhanden sind. Im Mittelpunkt eures Lebens sollte die Ausrichtung auf
gemeinsame spirituelle Ziele stehen. Unterhaltungen über die
Geschichten der Mahabharata oder der Bhagavata könnten euer Leben
bereichern. Lest an den Feiertagen und im Urlaub zusammen spirituelle
Bücher. So werdet ihr gemeinsame Interessen und Freuden für
spirituelle
Themen entwickeln. Richtet euer Leben an gemeinsamen spirituellen
Zielen aus, um euch von den Verunreinigungen des Unterbewusstseins zu
befreien und die Göttlichkeit in euch zu entwickeln.
Die heutigen jungen Männer in Indien
ahmen
die westlichen Menschen nach, und nehmen jedes mal ihre Frauen mit,
wenn sie ausgehen. Dieses Verhalten führt zu der Gewohnheit der
Männern, ständig in der Gesellschaft von Frauen zu sein. So
ist selbst
die kleinste Trennung bereits mit Schmerzen verbunden. Darum sind viele
Männer geschockt, wenn sie ihre Frau verlieren. Weiter wird es
sehr
schwierig für sie, das Gelübde von Brahmacharya für
einen Monat auf
sich zu nehmen. Armselige Schwächlinge! Dies ist ein spiritueller
Bankrott! Versuche, von deinem Partner getrennt zu sein, so oft du
kannst. Verbringe nicht die ganze Zeit nur mit deiner Partnerin.
Entwickle eigene Interessen. Und mache Abends einen Spaziergang, damit
du zur Ruhe kommst.
Persönliche Anmerkung des Übersetzers: Einmal eine persönliche Anmerkung zu dem Text über Brahmacharya in der Ehe. Zwar ist die sexuelle Vereinigung nur für die Zeugung von Kindern gedacht. Aber ich glaube, viele Ehepaare wären mit dieser Forderung überfordert. Darum würde ich es persönlich als einen großen Erfolg betrachten, wenn man sich zunächst darauf verständigen würde, nur einmal im Monat miteinander intim zu sein. Das würde ich als großen spirituellen Erfolg betrachten. Die intimen Stunden werden dann natürlich zu etwas ganz Besonderem. In zweiter Linie sollte man vielleicht langfristig denken und das Gebot im Hinterkopf haben, dass man ja eigentlich nur miteinander schlafen sollte, wenn man Kinder zeugen möchte. Darum halte ich es für sinnvoll, sich selber bis zur vollkommenen Verwirklichung dieses Ziels, vielleicht einen Zeitrahmen von 12? (jeder sollte den Zeitrahmen wählen, den er für richtig hält) Jahren zu setzen, wenn man wirklich keine Kinder mehr bekommen möchte. Im ersten Jahr ist man dann nur einmal im Monat miteinander intim, im zweiten Jahr nur alle zwei Monate und nach zwölf Jahren vielleicht nur noch einmal im Jahr. So kann man vielleicht langsam vollkommenes Brahmacharya verwirklichen. Ich bin mir sicher, am Ende ist man stolz darauf, es verwirklicht zu haben. Ende des Anmerkung.
Sobald ein Kind geboren wird, wird deine
Frau zur Mutter. Im Kind verkörpert sich die Liebe von Vater und
Mutter. Nach der Geburt solltest du deine Geisteshaltung ändern.
Betrachte deine Frau fortan als Weltenmutter. Beginne mit deiner
spirituellen Praxis und besiege die Leidenschaften. Jeden Morgen,
sobald du aufstehst, berühre die Füße deiner Frau
(indischer Brauch),
knie vor ihr nieder und verehre sie als Göttin Kali. Schäme
dich nicht.
Diese Praxis entfernt die Idee der "Frau" aus deinem Verstand. Wenn du
dich nicht körperlich vor deiner Frau verneigen magst, dann tue es
geistig.Sobald ein Kind geboren ist, und ihr keine weiteren Kinder
haben möchtet, solltet ihr die Sinneslust einstellen. Dann solltet
ihr
vollkommenes Brahmacharya beachten. Du solltest deine Frau wie deine
Mutter behandeln. Sobald sich dieser Gedanke gefestigt hat, wirst du
deine Frau nicht mehr mit lüsternen Blicken betrachten. Dies ist
eine
große spirituelle Herausforderung für den Familienvater.
Geht aus der
Ehe kein Kind hervor, ist es nicht ratsam, eine zweite Frau zu
heiraten. Dann sollten sich die Eheleute auf den spirituellen Weg
konzentrieren und vollkommenes Brahmacharya praktizieren.
Anmerkung Übersetzer: Eventuell könnten die Eheleute aber auch über eine Adoption nachdenken. Ende Anmerkung Übersetzer. Die Manu, das altindische Gesetzbuch, sagt:
"Das erstgeborene Kind wird durch Dharma und die folgen Kinder durch
Karma, der Sinneslust, geboren. Der sexuelle Akt zum bloßen
Vergnügen
ist nicht vertretbar." Familienväter, die den Weg der
Selbstverwirklichung beschreiten und älter als 40 Jahre sind,
sollten
den sexuellen Kontakt zu ihrer Partnerin einstellen, da ein sexueller
Kontakt alle sinnlichen Ideen wiederbelebt und ihnen immer wieder neue
Nahrung gibt. Die Ehe sollte als ein gottgewolltes heiliges
Bündnis
zweier Seelen betrachtet werden, deren Lebensziel die
Selbstverwirklichung ist. Die Eheleute sollten vollkommenes
Brahmacharya beachten, wenn sie schnelle spirituelle Fortschritte und
Selbstverwirklichung erreichen wollen.Bist du ein Familienvater von
über vierzig Jahren? Dann solltest du nun ein perfekter
Brahmachari
werden. Deine Frau sollte am Ekadasi, am 11. Tag nach Vollmond und
Neumond, fasten. Du solltest nicht sagen: "Swami, was soll ich tun? Ich
bin ein Familienvater." Das ist eine faule Ausrede. Wie lange
möchtest
du noch wie ein leidenschaftlicher Familienvater leben? Bis an dein
Lebensende? Gibt es keine edlere Mission in deinem Leben als Essen,
Schlafen und sich fortzupflanzen? Hast du nicht schon genug von diesem
irdischen Vergnügen gekostet? Du hast das Stadium des
Familienvaters
bereits überschritten.
Ich kann dich entschuldigen, wenn du ein
junger Mann bist, aber jetzt nicht mehr. Nun solltest du dich vom
weltlichen lösen, in das Stadium eines Vanaprastha (jemand, der
sich
darauf vorbereitet, allein als Sanyassin in der Waldeinsamkeit zu
leben) eintreten und dein Leben der Spiritualität widmen. Bringe
zuerst
dein Herz zum leuchten. Es wird in der Tat ein edles Leben sein.
Bereite dich auf die Waldeinsamkeit als Sannyasin vor. Diszipliniere
deine Gedanken. Reales Sannyasa ist geistiges Nichtanhaften. Reales
Sannyasa bedeutet, das Erlöschen der Wünsche, des Egoismus,
der
Anhaftung an die Kinder, an den Körper, an die Frau und an den
Besitz.Du brauchst dich nicht in die Himalajahöhlen
zurückzuziehen. Du
solltest aber einen höheren Geisteszustand entwickeln. Lebe mit
der
Familie und den Kindern in Frieden und Wohlstand. Lebe in der Welt,
aber lass dich nicht von ihren Verlockungen verwirren. Löse dich
von
der Weltlichkeit. Das ist wirkliches Sannyasa. Das ist es, was ich
gerne sehen würde. Dann wirst du zum König der Könige.
Ich schreie
diese Botschaft seit vielen Jahren in die Welt hinaus, aber nur sehr
wenige folgen meiner Bitte.
Ein wertvoller Juwel, die unendliche Anmut
Gottes, ist eine Frau, die dich auf diesem Weg begleitet. Harmonie auf
jedem Schritt, ist ein seltenes Geschenk Gottes für ein Ehepaar.
Jeder
Partner, sollte langfristig für den anderen, in jedem Sinne, der
passende Begleiter sein. Grihastha Ashrama und das Führen eines
spirituellen Lebens, im eigenen Haus (Wohnung), ist eine sichere
Sprosse auf der Strickleiter zur Entwicklung deiner Göttlichkeit.
Folge
den religiösen Vorschriften und genieße dein Glück.
Göttliche
Erkenntnis kann nur auf spiritueller Basis erlangt werden.Beide
Eheleute sollten das Ziel der Gottrealisierung anstreben. Wenn andere
Paare mit anderen, um ihrem Besitz und ihr Vermögen konkurieren,
und
sich gegenseitig herunter ziehen, solltet ihr nicht miteinander um
einen schnelleren spirituellen Fortschritt konkurrieren. Macht daraus
keinen spirituellen Wettstreit. Was für ein Segen ist es, einen
solchen
Lebenspartner an seiner Seite zu haben!
Ein Yogaschüler schreibt: „Ich
möchte gerne
wissen, ob die gleiche Theorie betreffs des männlichen Samens und
der
Verlust desselben, entsprechend für die Frauen gilt. Sind Frauen
wirklich im gleichen Umfang beeinflusst wie Männer?“ Die ist eine
wichtige und angemessene Frage. Ja, die Hingabe beim sexuellen Akt
erschöpft die Frau genauso wie den Mann, und führt genau so
zur Abnahme
der Vitalität, wie beim Mann. Die nervliche Belastung ist in der
Tat
sehr groß. Die weiblichen Eierstöcke, die dem
männlichen Hoden
entsprechen, entwickeln reife, kostbare und vitale Energie wie der
männliche Samen. Das weibliche Ei, gelangt nach dem Eisprung
innerhalb
von 3 bis 4 Tagen von den Eierstöcken über die Eileiter zur
Gebärmutter
(Uterus). Obwohl die Frau dieses Ei nach dem Orgasmus nicht aus ihrem
Körper verliert, wie im Falle des männlichen Samens, so
verlässt es
aber die Eierstöcke und wandert zur Gebärmutter und bereitet
sich auf
die Empfängnis eines Embryos vor. Man weiß nur zu gut, was
für eine
Belastung und Energieverbrauch die Schwangerschaft für eine Frau
mit
sich bringt. Die wiederholte Auszehrung dieser Energie und die
Belastung der Geburt nagen an der Gesundheit der Frau, rauben ihr die
Kraft, die Schönheit, den Anmut ihrer Jugend und ihre geistige
Energie.
Die Augen, die normalerweise auf die innere Stärke hindeuten,
verlieren
an Glanz und Ausstrahlung.
Die intensive sinnliche Aufregung des
Geschlechtsaktes erschüttert das Nervensystem und verursacht
Erschöpfung. Da der weibliche Körper empfindlicher und
nervöser ist als
der männliche Körper, werden Frauen durch den Orgasmus
stärker
beeinflusst als Männer. Darum sollten auch Frauen ihre kostbare
vitale
Energie bewahren. Das Ei und die Hormone, die durch die Eierstöcke
abgesondert werden, sind für das maximale körperliche und
geistige
Wohlbefinden der Frau sehr wichtig. Darum sollten Frauen ebenfalls das
Gelübde des Zölibats beachten. Sie können als
lebenslange
Brahmacharinis, wie die indische Prinzessin, Mystikerin und Dichterin
Mirabai (1498 - 1546) ihr Leben dem Dienst und der Hingabe Gottes
widmen. Oder sie können Brahmavichara (Gotteserforschung) wie die
Yoginis Gargi und Sulabha tun.Ehe- oder Hausfrauen sollten die eheliche
Moral oder das Gelübde der Keuschheit beachten. Sie sollten Lord
Krishna in ihren Ehemännern sehen und Gott verwirklichen. Sie
sollten
sowohl Yogaübungen als auch Atemübungen praktizieren. Sie
sollten
häufig Mantras singen, meditieren und täglich zu Hause beten.
Durch
Bhakti, den Yoga der Hingabe, können sie allmählich die
sinnlichen
Leidenschaften auslöschen.
Viele Frauen von damals hatten
übernatürliche Fähigkeiten und offenbarten so der Welt
die Energie der
Keuschheit. Nalayini, stoppte durch die Energie der Keuschheit das
Aufgehen der Sonne, um das Leben ihres Ehemannes zu retten. Anasuya
verwandelte die hinduistische Trinität, Brahma, den Gott der
Schöpfung,
Vishnu, den Gott der Erhaltung und Shiva, den Gott der Zerstörung,
in
Babys, als sie um Erleuchtung flehte. Nur durch die Energie der
Keuschheit, gelang es ihr, die großen Gottheiten in Babys zu
verwandeln. Savitri rettete durch ihre Keuschheit das Leben ihres
Ehemannes Satyavan (Erzählungen aus der Bhagavatam). Solch eine
Kraft
besitzt nur das Brahmacharya. Hausfrauen und Mütter, die ein Leben
in
Keuschheit führen, können ebensolche Fähigkeiten
entwickeln, wie
Anasuya, Nalayini oder Savitri.
Zur Umwandlung sexueller Energie bei Frauen
fand ich bei healingtao.org: Die alten Taoistinnen, die einem
strengen Übungsprogramm folgten, sich ausgeglichen ernährten,
ihre
Emotionen harmonisierten und dadurch eine tiefe innere Ruhe und
Zentriertheit erreichten, erlebten als Resultat dieses Lebenswandels
ein Stoppen der Menstruation: "die Zähmung des roten Drachens".
Der
Körper wird erst vollkommen geheilt, so dass schließlich die
Sexualenergie umgewandelt und von der Basis in die höheren Zentren
bewegt werden kann. Ich fand es sehr interessant, von einer
katholischen Nonne zu hören, dass im Kloster, hinter vorgehaltener
Hand, eine Nonne die noch im gebärfähigen Alter ihre
Menstruation
stoppt, als "erfolgreich mit Jesus vermählt" gilt. Dies geschieht
jedoch recht selten. Einerseits wird der Weg dorthin nicht erklärt
und
auf der anderen Seite fehlen oft die erforderlichen
Lebensumstände.
Notwendig sind genügend körperliche Bewegung, ausreichende
Ruhe für
Körper und Geist, eine ausgewogene Ernährung und als ganz
wesentlicher
Punkt, ausgeglichene Emotionen, die auch im Kloster nicht immer leicht
zu finden bzw. zu erreichen sind.
Früher gab es Brahmacharinis in Indien.
Sie
waren Brahmavadinis; und am Wissen über Brahman interessiert. Sie
wollten nicht das Leben einer Ehefrau führen und den ehelichen
Pflichten nachkommen. Sie dienten den Rishis und Weisen in ihren
Einsiedeleien und praktizierten Brahmavichara, das Einssein mit Gott.
König Janasruti's Tochter diente Rishi Raikva. Du findest diese
Geschichte in den Chandogya Upanishaden, eine der bekanntesten
philosophischen und mystischen Schriften der indischen Kultur.Die
Brahmacharini Sulabha war eine sehr gelehrte Frau. Sie wurde in einer
königlichen Familie geboren. Sie wurde im Geist der Emanzipation
erzogen. Sie beachtete die Praxis der Askese. Sie beschritt ihren Weg
sehr konsequent und war in ihrem Gelübde sehr beharrlich. Sie
äußerte
nie ein Wort, ohne es auf seine Verletzlichkeit zu reflektieren. Sie
war eine Yogini und führte das Leben einer Sanyassin. Sie erschien
vor
dem König und Asketen Janaka, in seinem Gericht, und führte
mit ihm
eine Diskussion über Brahmavidya, dem Wissen über Brahman,
über das
Selbst.Gargi war ebenso eine Brahmacharini. Sie war eine in hohem Grade
kultivierte Frau. Sie hatte mit Yajnavalkya eine langatmige Diskussion
über Brahmavidya. Der Dialog zwischen ihnen ist in der
Brihadaranyaka
Upanishad nachzulesen.
In Europa gab es viele Frauen, die
zölibatär
lebten und ihr Leben der Askese, dem Gebet und der Meditation weihten.
Sie lebten in ihrer eigenen Einsiedelei. In Indien leben auch heute
noch gebildete Frauen, die ein Leben als Brahmacharinis führen.
Sie
möchten nicht heiraten. Sie unterrichten die Mädchen in den
Schulen,
erteilen den armen Mädchen kostenlosen privaten Unterricht und
bilden
sie im Nähen und in anderen Hausarbeiten aus.
Sie studieren religiöse Bücher,
singen
Mantren und meditieren morgens und am Abend. Sie führen ein
tägliches
spirituelles Tagebuch, leiten spirituelle Frauengruppen und
unterrichten Mädchen im Yoga und in den Atemübungen. Sie
geben
Darlegungen der Bhagavad-Gita und Upanishaden. Sie halten Vorträge
über
religiöse Texte in Englisch, Sanskrit und Hindi. Während der
Feiertage
und bei wichtigen Gelegenheiten halten sie im großen Stil
religiöse
Tagungen für die spirituelle Erweckung von Frauen ab.
Manchmal besuchen sie nahe gelegene
Dörfer
und verteilen kostenlos Medizin für die Armen. Sie sind mit der
Ersten
Hilfe, der Homöopathie, der Allopathie (Schulmedizin) und der
Biochemie
vertraut. Sie sind ebenfalls darin ausgebildet, Kranke zu pflegen. Es
gibt gut ausgebildete Brahmacharinis, die Mädchenschulen leiten
und die
in Sanskrit, Englisch und in Hindi sehr erfahren sind. Sie unterhalten
auf eigene Kosten eine freie private Schule für arme Mädchen.
Das ist
wirklich eine edle Tat.Solche Mädchen und Frauen sind wirklich ein
Segen für Indien. Sie führen ein Leben in Reinheit und
Nächstenliebe.
Sie genießen Glück, Wohlstand und Ansehen und werden einst
mit
Seligkeit belohnt werden. Indien könnte mehr Brahmacharinis dieser
Art
gebrauchen, die ihr Leben dem Dienst am Nächsten, der Meditation
und
dem Gebet widmen.Es gab eine Maharani, eine weibliche Maharaja
(Fürstin), in den einstigen vereinigten Provinzen, die einfache
Kleidung trug, einfache Nahrung aß, Sadhus (Bettelmöche) und
arme Leute
bediente und unter Sannyasins (Entsagenden) lebte. Sie hatte ein
großes
Wissen der Heiligen Schriften und praktizierte regelmäßig
Meditation
und Gebet. Sie beachtete monatelang das Schweigegelübde und
verbrachte
einige Zeit in Abgeschiedenheit, um zu sich zu finden.Es gibt eine
gebildete Frau, die eine Mennonitin (reformierte christliche
Konfession) ist. Ihr Ehemann hat eine gutbezahlte Stellung. Sie
behandelt die Patienten kostenlos und leistet einen sehr guten Dienst
an der Gesellschaft. Sie ist frei von Besitzgier und leistet
medizinische Hilfe, um ihr Herz zu reinigen, um Gott zu danken. Sie
kümmert sich um das Haus, dient ihrem Ehemann, studiert
religiöse
Bücher, meditiert und betet. Sie ist eine ideale Frau, die ein
prachtvolles und frommes Leben führt.
Die Welt hat solche idealen Frauen dringend
nötig. Ich wünsche mir, die Welt hätte solche
wunderbaren Frauen im
Überfluss. Ich verurteile keine Frauen. Ich bin nicht dagegen,
ihnen
Ausbildung und Freiheit zu geben. Ich habe große Achtung vor
Frauen.
Ich verehre sie als Göttinnen. Aber ich befürworte nicht die
Freiheit
für Frauen, die sie ruiniert. Ich bin mit der Ausbildung und
Kultur
einverstanden, die sie prachtvoll und unsterblich macht, so wie die
idealen Frauen Sulabha, Mira und Maitreyi, wie Savitri und Damayanti.
Das ist es, was ich möchte. Das ist es, was jeder sich
wünscht. Ein
lockeres Leben bedeutet keine Freiheit. Einige Frauen aus Indien haben
sich selbst ruiniert, indem sie diese falsche Freiheit nutzten. Es gibt
keine Grenzen in der Freiheit, die die sogenannte gebildete Frau jetzt
genießt. Diese Freiheit hat viele Familien zerstört. Sie hat
viele
Störungen in der Gesellschaft verursacht. Sie hat Schande
über viele
angesehene Familien gebracht. Die heutigen jungen Frauen, mit ihren
unersättliches Begierden nach Freiheit, haben die Begrenzung
überschritten und den unbezahlbaren Besitz der Reinheit, den die
Frauen
der Vergangenheit sich erhalten haben, verloren.
Indem sie von einem Mann zum nächsten
wechselt, verliert die Frau ihre Würde, ihre Bescheidenheit, ihre
weibliche Anmut und die Heiligkeit ihrer Person und ihres Charakters.
Eine Frau, die häufig den Partner wechselt, kann ihre Keuschheit
nicht
lange aufrecht erhalten. Es kann und es wird Ausnahmen geben. Eine
Frau, die frei mit Männern in der Öffentlichkeit verkehrt und
dennoch
rein bleiben möchte, muss zweifellos übermenschlich sein.
Eine
gewöhnliche Frau mit ihrer natürlichen Neigung wird schon
bald den
Verlockungen erliegen.Was gibt es noch im Leben einer Frau, wenn ihre
Reinheit verloren ist? Sie ist nur ein lebender Leichnam, wenn es keine
Reinheit in ihrem Leben gibt, obgleich sie sich im Reichtum sonnen und
sich in hohen gesellschaftlichen Kreisen bewegen mag. Häufiger
Partnerwechsel führt zu verheerenden Resultaten. Sogar Weise und
Yoginis, die in Lumpen gekleidet und in Abgeschiedenheit leben,
würden
durch die dunklen Kräfte der Natur herunter gezogen werden, wenn
sie
unvorsichtig wären. Was soll man über Frauen sagen, die
täglich
Leckereien und Konfekt essen, die in parfümiertem Samt und Seide
mit
Spitzerändern gekleidet sind, die häufig ihre Partner
wechseln, die
keine Selbstkontrolle haben, keine religiöse Orientierung und
Disziplin, die keine Idee des Seelenlebens und der Gleichberechtigung
haben? O kluger Leser! Ich überlasse dir die Beantwortung.
Frauen sollten nichts tun, das Schmach oder
Schande auf sie und ihre Familie bringt. Ohne Charakter ist ein Mann
oder eine Frau so gut wie tot. Frauen sollten in der
Öffentlichkeit
sehr achtsam und vorsichtig sein. Sie sollten zu viel reden, zu viele
männliche Kontakte, zu viel schallendes Gelächter und
Gekichere
vermeiden. Sie sollten sich in einer würdevollen Weise bewegen und
nicht mit den Hüften schwingen. Sie sollten nie Männer mit
einer
musternden Geste betrachten. Ihre Kleidung sollte nicht zu eng ansitzen
oder halboffen getragen werden. Verzichte auf Schminke.
O Göttinen! Verschwendet euer Leben
nicht
mit Mode und Leidenschaften. Öffnet eure Augen und geht einen
rechten
Weg. Bewahrt die eheliche Moral und seht die Göttlichkeit in euren
Ehemännern. Studiert die Bhagavadgita, die Upanishaden, die
Bhagavata
und das Ramayana. Werdet gute Ehefrauen und Gottessucher und bringt
viel Glück und Liebe hervor. Das Schicksal der Welt liegt in euren
Händen. Mit eurer Liebe könnt ihr die ganze Welt
verändern. Die Tür des
himmlischen Glücks steht euch offen. Holt das Paradies in euer
Haus.
Führt eure Kinder auf den spirituellen Weg. Sät den
spirituellen Samen,
wenn sie noch jung sind.O, ihr Göttinnen dieser Welt! Solltet ihr
euch
nicht um ein höheres, um ein großartiges, erhabenes, um das
einzig
wahre Seelenleben bemühen? Stellen dich allein die materiellen
Dinge
des Lebens wirklich zufrieden? Erinnerst du dich, was Maitreyi, die
Ehefrau des Weisen Yajnavalkya, zu ihm sagte? Sie sagte zu ihm: "Was
soll ich mit dem Reichtum dieser ganzen Welt? Werde ich dadurch
glücklich?" Wie viele Frauen dieser Welt sind klug genug, diese
weise
Aussage einzusehen?
Das Geburtsrecht der Frauen besteht darin,
sich von den Ketten des Samsara, den Ketten der Reinkarnation, zu
befreien. Das Anhaften an die Familie, die Kinder und Verwandte sollte
nicht das Ideal der mutigen und intelligenten Frauen sein. Jede Mutter
dieser Welt sollte es als ihre Pflicht empfinden, sich selbst, ihre
Kinder, ihre Familie und ihren Ehemann, zum wahren Licht, zum Glanz des
spirituellen Lebens zu führen. Was für eine wunderbare Mutter
war
Königin Madalasa (aus den alten Geschichten der hinduistischen
Puranas). Sagte sie ihren Kindern, sie sollten sich nach beendetem
Studium eine Beschäftigung suchen? "Ihr seid rein, Bewusstsein,
unbefleckt, ihr seid leer von Maya (Täuschungen, Illusionen), von
Samsara". Das war die Belehrung, die Madalasa ihren Kindern erteilte,
als sie sie in der Wiege schaukelte.Wie viele Mütter der heutigen
Zeit
haben das Vermögen, ihren Kindern solch ein tiefsinniges Wissens
beizubringen? Die heutigen Mütter würden vielmehr versuchen,
die
spirituellen Tendenzen ihrer Kinder zu unterbinden, selbst wenn sie nur
gering vorhanden wären! Was für ein trauriger und
bemitleidenswerter
Zustand! Wacht auf, ihr Mütter und Schwestern! Wacht auf, aus
eurem
Tiefschlaf. Erkennt eure Verantwortlichkeit. Lebt spirituell.
Führt
eure Kinder, eure Ehemänner zur Spiritualität, wenn ihr in
einer
Familie lebt! Erinnert euch daran, wie Königin Chudala ihren
Ehemann,
König Shikidwaja, erleuchtete (aus der Yoga Vashishtha).
Mütter, ihr
seid die Schöpfer der Nation, die Schöpfer der Welt! Darum
lebt ein
Leben in Spiritualität. Entwickelt euch im Geiste Sulabhas,
Maitreyis
und Gargis. Seid mutig. Trennt euch von euren Illusionen und
Eitelkeiten!
Werdet zu wahren Sannyasinis und bereichert
die Welt mir eurer Glorie, mit eurer wahren Größe.
Dafür braucht ihr
Mut, Intelligenz und Einsicht. Eine Frau ist keine Frau, wenn in ihr
nicht das spirituelle Feuer brennt, wenn ihre Seele nicht nach dem
höheren Leben strebt. Die Mutter sollte es nicht nur als ihre
Aufgabe
ansehen, die Familie materiell zu versorgen, sondern ebenso spirituell.
Ihr Interesse sollte nicht den Kleidern, dem Schmuck, den Jacken, den
Pudern und den Düften gelten. Ihre Aufgabe sollte darin bestehen,
das
Selbst, den Atman (Seele), den Brahman, zu finden. Solch eine Frau ist
ein reales Symbol Gottes. Sie sollte verehrt und angebetet werden!
Wenn du das heutige Schulsystem mit dem
traditionellen Ausbildungskonzept im alten Indien vergleichst, bei dem
der Schüler die Lehrinhalte seines Lehrers/Meisters dadurch
verinnerlichte, indem er längere Zeit in seiner Nähe lebte,
gibt es
einen klaffenden Abgrund zwischen diesen zwei Unterrichtsmethoden. Das
heutige Schulsystem ist sehr teuer und die moralische Seite der
Erziehung, wird vollkommen vernachlässigt. Jeder Schüler im
alten
indischen Bildungssystem war dagegen rein und hatte eine vollkommene
moralische Schulung. Dieses war eine vorherrschende Eigenschaft der
alten Kultur. Jeder Schüler hatte ein Wissen über Pranayama
(Atemübungen), Meditation, Yogaübungen, Verhaltensregeln,
über die
Bhagavad Gita, das Ramayana, das Mahabharata und die Upanishaden. Jeder
Schüler besaß Bescheidenheit, Selbstbeherrschung, Gehorsam,
Hingabe,
Nächstenliebe, gutes Benehmen, Höflichkeit, Freundlichkeit
und nicht
zuletzt den Wunsch, göttliches Wissen zu erwerben.
Die Schüler von heute besitzen keine
der
oben genannten Tugenden. Selbstbeherrschung ist ihnen unbekannt. Das
luxuriöse Leben und die Genusssucht beginnen schon in der
frühen
Kindheit. Arroganz, Unverschämtheit und Missachtung werden tief in
ihnen verwurzelt. Sie werden im Geist des Atheismus und Materialismus
erzogen. Viele sind beschämt, zu sagen, dass sie an einen Gott
glauben.
Sie haben kein Wissen über Brahmacharya und keine Selbstkontrolle.
Modische Kleidung, ungesunde Ernährung, schlechte Gesellschaft,
häufige
Theater- und Kino-Besuche und die übernahme westlicher
Lebensweisen,
haben sie schwach und leidenschaftlich gemacht. Das Wissen über
Brahmann (Gott), über die Glorie der Erleuchtung, über die
Leidenschaftslosigkeit, über den Frieden und das Glück in
Atman sind
ihnen ziemlich fremd.Mode, moderner Lebensstil, Genusssucht,
Schlemmerei und Luxus beschäftigen ihren Verstand. Es ist sehr
bemitleidenswert die Lebensgeschichte einiger dieser Schüler zu
hören.
Die Schüler an den alten indischen Schulen waren gesund und stark
und
sie lebten lange. Es ist in der Tat ermittelt worden, dass sich die
Gesundheit der Schüler in Indien verschlechtert hat.
Bewegungsmangel,
übergewicht und schlechte Gewohnheiten ruinieren zunehmend die
Gesundheit der Schüler. Es gibt keine ethische Kultur mehr in den
modernen Schulen und an den Hochschulen. Im heutigen Bildungssystem
wird die moralische Seite der Erziehung streng vernachlässigt.
Die moderne Zivilisation hat unsere Jungen
und Mädchen moralisch geschwächt. Sie führen ein
künstliches Leben.
Kinder zeugen Kinder. Das Kino bringt nicht nur Segen. Es erweckt
Emotionen und Leidenschaften. Heutzutage werden im Kino vulgäre
Szenen,
Gewalt und unmoralische Spiele gezeigt, selbst wenn sie Geschichten aus
der Mahabharata (indisches Epos) und vom Ramayana (bezüglich Rama)
zeigen. Ich möchte mit Nachdruck darauf hinweisen, dass das
gegenwärtige indische Schulsystem sofort vollständig
überholt werden
sollte. Jedes Bildungssystem, das nicht auf den Grundregeln von
Brahmacharya basiert und keine Lehrinhalte religiöser Literatur in
seinem Lehrplan hat, wird nicht gut für die Menschen sein. Es ist
zum
Scheitern verurteilt! Die, die für das Bildungssystem
verantwortlich
sind, sind in diesem wichtigen Punkt unwissend. Daraus resultieren
zahlreiche unglückliche Experimente in der Erziehung.
Einige Professoren an den Hochschulen
erwarten von den Studenten eine moderne Bekleidung. Sie lehnen sogar
Kursteilnehmer ab, die eine saubere aber einfache Kleidung tragen. Das
ist eine Schande! Sauberkeit ist eine Sache und Mode eine andere. Die
sogenannte "Mode" schlägt Wurzeln im Materialismus und in der
Sinnlichkeit. Sauberkeit, Reinheit, sind aber für das
körperliche und
spirituelle Wachstum erforderlich. Jungen und Mädchen leiden wegen
dieser Unwissenheit seelisch und körperlich still vor sich hin.
Dieses
führt zu einem definitiven Abfluss ihrer Vitalität und
Lebensfreude. Es
verzögert das normale geistige und körperliche Wachstum. Wird
der
Mensch seiner Gesundheit beraubt, so hat darunter auch das Nervensystem
zu leiden. Aus diesem Grund, entwickeln sich immer mehr
Lernbehinderungen. Die Zahl seelischer und körperlicher
Erkrankungen
unter den Schülern nimmt zu.Junge Studenten leiden unter
Anämie (Mangel
an roten Blutkörperchen), schlechtem Gedächtnis und
Erschöpfung. Sie
müssen ihre Studien einstellen. Die Erkrankungen nehmen zu.
Tausende
von Spritzen sind in die Apotheken, in die Krankenhäuser und in
die
Armenapotheken gekommen. Tausende von Ärzten haben Kliniken und
Praxen
eröffnet. Jedoch erhöht sich das Elend Tag für Tag. Die
Menschen haben
keinen Erfolg in ihren Unternehmen und Geschäften. Was ist der
Grund
dafür? Nach dem Grund braucht man nicht lange suchen. Es ist die
Verschwendung der vitalen Kraft, des Samens, durch schlechte
Gewohnheiten und übertriebenen sexuellen Verkehr. Es entsteht
durch
einen unreinen Körper und durch einen unreinen Geist.
Eine große und schwere Aufgabe der
Lehrer
besteht darin, den Schülern und Studenten einen spirituellen Weg
und
richtiges Benehmen zu vermitteln, sowie ihren Charakter richtig zu
formen. Brahmacharya beinhaltet die Charakterbildung. Man sagt, Wissen
ist Macht. Aber ich behaupte mutig, dass Charakter Macht ist, und dass
der Charakter dem Wissen sogar weit überlegen ist. Jeder sollte
sich
bemühen, seinen Charakter richtig zu formen. Das ganze Leben und
der
Erfolg im Leben, hängen vollkommen von der Entwicklung des
Charakters
ab. Alle Großen dieser Welt haben ihre Größe durch
ihren Charakter,
allein durch ihren Charakter erzielt. Die leuchtenden Gestirne dieser
Welt haben die Lorbeeren ihres Ruhmes, ihr Ansehen und ihre
Anerkennung, durch ihren Charakter, allein durch ihren Charakter,
gewonnen.Die Lehrer selbst sollten absolut moralisch und rein sein. Sie
sollten mit ethischer Vollkommenheit ausgestattet sein. Andernfalls
wird es so sein, als ob der Blinde die Blinden führt. Bevor man
den
Beruf eines Lehrers ausübt, sollte sich jeder Lehrer der hohen
pädagogischen Verantwortung seiner Position bewusst sein.
Bloßer
intellektueller Erfolg und der Besuch von Vorlesungen sind nicht
ausreichend. Dies allein überzeugt keinen Professor.
Wenn Schüler die Geschlechtsreife
erreichen,
finden verschiedene Wachstumsprozesse und Veränderungen im
Körper
statt. Die Stimme verändert sich. Neue Gefühle und Interessen
erwachen.
Natürlich werden die jungen Menschen neugierig. Sie fragen ihre
Freunde
um Rat. Aber in der Regel werden sie schlecht beraten. Sie ruinieren
ihre Gesundheit durch schlechte Gewohnheiten. Das Richtige Wissen
über
die sexuelle Gesundheit, über die Hygiene und über
Brahmacharya sollte
ihnen vermittelt werden. Sie sollten lernen, wie man ein langes
glückliches Leben führt und die Leidenschaften kontrolliert.
Eltern
sollten ihre Kinder in den verschiedenen Geschichten der Mahabharata
und Ramayana unterrichten, die sich auf Brahmacharya und eine rechte
Lebensführung beziehen.Eltern sollten ihre Kinder, immer und immer
wieder, bezüglich Brahmacharya beraten. Das ist ihre Pflicht.
Offene
Gespräche zu den Jungen und Mädchen sind notwendig, wenn sie
beginnen,
die ersten Zeichen der Pubertät zu zeigen. Es macht keinen Sinn,
um der
heißen Brei herum zu reden. Das Wissen über die
Sexualität, sollte
nicht versteckt gehalten werden. Es ist falsche Bescheidenheit, wenn
Eltern nicht offen mit ihren Kindern über dieses wichtige Thema
sprechen. Schweigen regt nur die Neugier der Jugendlichen an. Verstehen
die Jugendlichen dagegen allmählich diese Dinge, können sie
nicht von
falschen Beratern irregeführt werden und entwickeln keine
schlechte
Gewohnheiten.
Eltern und Lehrer sollten den Jungen und
Mädchen korrekte Ratschläge erteilen, wie sie ein reines
Leben in
Brahmacharya führen sollten. Sie sollten sie über die
richtigen
Vorstellungen von Scham und Bescheidenheit aufklären. Sie sind
für das
Wissen der Jungen und Mädchen mitverantwortlich. Es wurde mehr
Leid
durch Unwissenheit beim Thema Sexualität verursacht, als bei
irgendeinem anderen Thema. Du zahlst den Preis der Unwissenheit und der
falschen Scham, für die Fragen der Sexualität und der
sexuellen
Physiologie, die nicht besprochen wurden. Eltern und Lehrer sollten das
Verhalten der jungen Leute sorgfältig beobachten, sie auf die
große
Bedeutung eines Lebens im Brahmacharya und die Gefahren eines
zügellosen Lebens hinweisen. Aufklärungsschriften über
Brahmacharya
sollten frei verteilt werden.Magische Lichtspiele (mit Hilfe einer
Lichtquelle, zum Beispiel einer Kerze, werden transparente Bilder auf
eine Fläche projiziert) aus den Leben der Brahmacharins von einst,
aus
den Geschichten des Mahabharata und des Ramayana, sollten an den
Schulen und Hochschulen regelmäßig geleitet werden. Dieses
wird den
Teilnehmern eine große Hilfe beim Ansporn zu einem hohen
moralischen
Standard sein.
Ihr Lehrer und Professoren! Wacht auf!
Leitet die Schüler und Studenten auf dem Weg des Brahmacharya, der
Rechtschaffenheit und Moral. Erzieht sie zu wahren Brahmacharins.
Vernachlässigt diese göttliche Arbeit nicht. Ihr seid
für diese schwere
Aufgabe moralisch verantwortlich. Dies ist euer Yoga. Ihr könnt
Selbstverwirklichung erlangen, wenn ihr diese Arbeit mit der rechten
Aufrichtigkeit auf euch nehmt. Seid aufrichtig und zuversichtlich.
Erläutert den Jungen und Mädchen den Wert von Brahmacharya
und
unterrichtet sie in den verschiedenen Methoden, wie sie ihren Samen
erhalten können.Lehrer, die selber Brahmacharya verwirklicht
haben,
sollten private Gespräche mit Studenten führen und ihnen
regelmäßige
praktische Lektionen über Brahmacharya geben. Der Geistliche
Packenham
Walsh, der vor einigen Jahrzehnten Rektor an der SRG Hochschule in
Tiruchirapalli, der viertgrößten Stadt des indischen
Bundesstaats Tamil
Nadue, war, und später dort Bischof wurde, hielt
regelmäßig mit seinen
Studenten Gespräche über Brahmacharya und Selbstkontrolle.Das
zukünftige Schicksal der Welt untersteht vollkommen den Lehrern
und
Studenten. Führen die Lehrer die Studenten auf den rechten Weg,
dann
wird die Welt voller zuversichtlicher Bürger, Yogis und Weiser
sein,
die Licht, Frieden, Glück und Freude ausstrahlen. Gesegnet sei der
Lehrer, der sich aufrichtig bemüht, seinen Schülern und
Studenten
aufrichtiges Brahmacharya zu vermitteln. Zweimal gesegnet sei der, der
versucht, ein aufrichtiger Brahmachari zu werden. Möge der Segen
Lord
Krishnas bei ihm sein. Glorie den Professoren, Lehrern, Studenten und
Schülern.
Hanuman ist eine Verkörperung Shivas.
Er ist
eine lebendige Verkörperung der Verehrung des Namens Ramas, ein
selbstloser Diener, ein wahrer Karma-Yogi, der ohne Erwartungen
dynamisch und kraftvoll handelte. Er ist das Ideal eines großen
Gottesverehrers und ein vorbildlicher Brahmachari. Er diente Rama mit
reiner Liebe und Hingabe, ohne irgendeine Belohnung dafür zu
erwarten.
Er lebte, um Rama zu dienen. Er war bescheiden, tapfer und weise und
besaß alle göttlichen Eigenschaften. Er besaß Hingabe,
Stärke, Wissen,
den Geist des selbstlosen Dienens, die Kraft der Enthaltsamkeit und der
Wunschlosigkeit. Niemals prahlte er mit seinem Mut und seiner
Intelligenz.
Hanuman wurde als Sohn des Windgottes Pavana
(Vayu) und seiner Mutter Anjana Devi geboren. Andere Namen für
Hanuman
sind Pavanasuta (Sohn des Windgottes), Marutsuta (Sohn des Windes),
Pavankumar (Sohn des Windgottes), Bajrangabali (Großer Held) und
Mahavira (Großer Krieger). Er wurde nach der Stadt Hanuman
benannt, in
der sein Onkel Parti Surya herrschte. Hanumans Körper war so hart
wie
Stein. Darum nannte seine Mutter Anjana ihn Vajranga (steinharte
Glieder). Die Welt hat bisher keinen größeren Helden als Sri
Hanuman
gesehen und wird dies auch zukünftig nicht. Während seines
Lebens
bewirkte er Wunder und zeigte übermenschliche Kräfte und
Tapferkeit. Er
hat in der Welt einen Eindruck hinterlassen, der auch heute noch einen
großen Einfluss auf Millionen Menschen ausübt.
Hanuman ist einer der sieben Chiranjivis
(ewig Lebenden) unter den Yogis. Er ist der einzige Gelehrte, der die
neun Vyakaranas (Grammatik der Veden) kennt. Er lernte die Sastras
(heiligen Schriften) vom Sonnegott. Er ist die Personifizierung von
Brahmacharya. Er ist der Weiseste der Weisen, der Stärkste der
Starken
und der Tapferste der Tapferen. Er ist die Shakti, die Energie von
Rudra (ein vedischer Gott und wahrscheinlich der Vorgänger von
Shiva,
außerdem Gott der Stürme). Wer auf Hanuman meditiert und
seinen Namen
wiederholt erlangt Energie, Stärke, Ruhm, Wohlstand und Erfolg im
Leben. Hanuman wird in allen Teilen Indiens angebetet, besonders im
Maharashtra (Westindien).Hanuman, der weiße Affengeneral von
Affenkönig
Sugrivas, der wie ein Vogel durch die Luft fliegen kann, hatte die
Kraft, alle Formen anzunehmen, die er wollte, seinen Körper
enormen
anschwellen zu lassen oder ihn auf die Größe eines
Daumennagels zu
verkleinern. Er besaß übernatürliche Kräfte. Er
war der Schrecken der
Dämonen. Er war mit den vier Veden und anderen Heiligen Schriften
sehr
vertraut. Sein Mut, seine Klugheit, sein Wissen über die Heiligen
Schriften und seine übermenschlichen Kräfte zogen jeden an,
der sich
ihm näherte. Er hatte außerordentliche Fähigkeiten in
der Kriegsführung.
Hanuman war der auserkorene Kurier, Krieger
und Diener von Sri Rama (hinduistischen Gott). Er war ein Verehrer und
eifriger Anhänger Ramas. Rama war das Ziel seiner Verehrung. Er
lebte
in Rama, er lebte für Rama. Er lebte, um Rama zu dienen. Er war
ein
Minister und ein vertrauter Freund Sugrivas (Affenkönig). Hanuman
wurde
am Morgen des 8. Tages des Mondmonats, an einem Dienstag geboren. Seit
seiner Geburt besaß Hanuman außerordentliche
körperliche Stärke und
bewirkte viele Wunder. Als er ein Kind war, sprang er auf zur Sonne und
hielt sie für etwas Essbares. Alle Götter wurden sehr
besorgt. Sie
kamen mit gefalteten Händen zum Kind und baten bescheiden, die
Sonne
wieder freizugeben. Nach dieser Bitte, gab Hanuman die Sonne wieder
frei.Darauf sprach ein Weiser einen Fluch gegen Hanuman aus. Für
sein
falsches Handeln verlor Hanuman seine große Kraft und seinen Mut
solange, bis er Sri Rama traf und ihm mit Hingabe diente. Hanuman traf
Rama zum ersten Mal in Kishkinda (Südindien). Sri Rama und sein
treuer
Bruder und Freund Lakshmana kamen im Verlauf ihrer Suche nach
Prinzessin Sita, der Frau Ramas, die der Dämonenkönig Ravana
entführt
hatte, nach Kishkinda. Sobald Hanuman Sri Rama erblickte, erlangte er
wieder seine alten Kräfte und seine Energie zurück.
Hanuman brannte die Hauptstadt von Lanka
(Ceylon) nieder und brachte Rama Neuigkeiten von seiner entführten
Frau
Prinzessin Sita. Im großen Krieg zwischen Rama und dem
Dämonenkönig
Ravana tötete Hanuman viele Helden der Rakshasa Armee (böse
Geister).
Er vollbrachte viele übermenschliche Taten. Das Forttragen eines
großen
Berges und andere große Taten waren nichts für Hanuman.
Alles dies war
auf Brahmacharya zurückzuführen. Als der große Krieg
vorüber war, wurde
Vibhishana (Bruder des Dämonenkönigs Ravana; stand im Krieg
auf Ramas
Seite) auf den Thron von Sri Lanka gesetzt. Die Zeit der Verbannung war
vorrüber (Rama hatte zusammen mit seiner Frau Prinzessin Sita und
seinem Bruder Lakshmana 14 Jahre lang in einer Waldeinsiedelei
gelebt.). Sri Rama, Lakshmana, Sita und Hanuman flogen mit einem
Pushpaka Vimana (Luftfahrzeug) und erreichten rechtzeitig Ayodhya, der
Ort in dem Rama wohnte, er zählt zu den sieben heiligen Orten des
Hinduismus. Die Krönungzeremonie von Lord Rama wurde mit
großem Jubel
und Pomp gefeiert. Prinzessin Sita schenkte Hanuman eine Halskette aus
wertvollen Perlen. Aber Hanuman warf sie fort.Glorie für Hanuman,
dem
gesegneten Anhänger Lord Ramas. Glorie, Glorie für Sri
Anjaneya (Name
für Hanuman), dem mächtigen Helden, unerschrockenen Krieger
und
gelehrten Brahmachari, einem Yogi, wie ihn die Welt noch nie gesehen
hat und niemals wieder sehen wird. Mögen wir Inspirationen aus
Hanumans
idealem Leben für unser Brahmacharya beziehen!
König Dasaratha hatte drei Ehefrauen,
Kausalya, Kaikeyi und Sumithra. Die drei Ehefrauen des Königs
Dasaratha
bekamen vier Söhne. Kausalya gebar Rama, Kaikeyi gebar Bharata und
Sumitra schenkte dem König die Zwillingsbrüder Lakshmana und
Shathrughna. Lakshmana war der Avatar (Inkarnation) von Adisesha
(Adisesha ist die Schlange auf der Lord Vishnu schlief).Lakshmana war
der konstante Begleiter seines älteren Bruders Rama in Freud und
Leid.
Rama und Lakshmana lebten, speisten, spielten und studierten zusammen.
Einer konnte die Trennung vom anderen nicht ertragen. Lakshmana war ein
liebevoller Diener Sri Ramas. Er führte die Anweisungen Sri Ramas
genau
aus. Er lebte im vollkommener Ergebenheit zu Sri Rama. Lakshmana
empfand eine reine und makellose brüderliche Liebe zu Rama. Der
Sinn
seines Lebens war der Dienst an seinem älteren Bruder. Gehorsam zu
den
Befehlen seines Bruders war das Motto seines Lebens. Er wollt nichts
ohne Ramas Erlaubnis tun. Er betrachtete Sri Rama als seinen Gott,
seinen Guru, seinen Vater und seine Mutter. Er folgte Rama wie ein
Schatten.
Lakshmana war selbstlos im Herzen. Er
verließ allen königlichen Komfort, nur um in der
Gesellschaft seines
Bruders Rama zu sein. Er diente Rama auf vielfältige Weise. Er
machte
Ramas Sache zu seiner eigenen. Er opferte seine persönlichen
Ansichten
auf dem Altar brüderlicher Liebe. Sri Rama war sein Ein und Alles.
Lakshmana würde sogar sein Leben für Rama opfern, wenn Rama
dies
wünschte. Lakshmana verließ von einem Moment auf den anderen
seine
Mutter, seine Frau und seinen königlichen Besitz, nur um Sri Rama
und
Ramas Frau Sita ins Exil zu folgen. Was für eine großartige
Seele! Was
für ein großer Tyagi (Entsagter) er war! Hier ist ein
einmaliges
Beispiel einer selbstlosen, edlen und ergebenen Seele aus der
Vergangenheit, die nur lebte, um seinem Bruder zu dienen. Das ist der
Grund, warum die Leser des Ramayana (indisches Epos), Lakshmana
für
seine reine und einzigartige Liebe zu seinem Bruder preisen. Einige
preisen Bharata (Ramas Bruder), während andere in hohem Grade von
Hanuman sprechen, aber Lakshmana war keineswegs geringer als Bharata
oder Hanuman. Lakshmana folgte Sri Rama über eine lange Periode
von
vierzehn Jahren, obwohl er sich der Gefahren des Waldes bewusst war. Er
begleitete Rama mit Pfeil und Bogen, obwohl seine Hilfe nicht von dem
Weisen Visvamitra angefordert wurde, der Rama in die Waldeinsiedeleien
geführt hatte. Es lag an seiner Hingabe und Liebe zu seinem Bruder
Sri
Rama. Sri Rama liebte Lakshmana ebenso stark. Als Lakshmana bewusstlos
durch den tödlichen Pfeil von Meghanada hinfiel, war Ramas Herz
gebrochen. Er weinte bitterlich. Als er seinen geliebten Bruder verlor,
fasste er den Entschluss, Ayodhya nicht noch einmal zu besuchen. Er
sagte, "eine Frau wie Sita kann ersetzt werden, aber ein ergebener
Bruder wie Lakshmana kann nicht ersetzt werden. Die Welt bedeutet mir
nichts, ohne meinen Bruder."
Lakshmana war rein in Gedanken, im Wort und
in der Tat. Er führte, während der vierzehn Jahre des Exils,
das Leben
eines idealen Brahmachari. Er betrachtete nie das Gesicht oder den
Körper von Ramas Frau Sita. Seine Augen waren immer auf ihre
Lotosfüße
gerichtet. Als der Affenkönig Sugriva Sitas Umhang und Juwelen
holte,
und sie versehentlich auf die Erde fallen ließ, sahen die Affen
verschämt auf dem Berg. Rama zeigte sie Lakshmana und fragte, ob
er sie
erkannte. Lakshmana sagte: „Ich kenne die Armreifen und Ohrringe nicht;
ich kenne nur die Fußketten, denn ich betete allein ihre
Füße an."
Sieh, wie Lakshmana Sita als Mutter und Göttin verehrte.Meghanada,
der
Sohn von Ravana, hatte sogar Indra, den König der Götter
besiegt. Wegen
dieses Sieges, wurde Meghanada auch als Indrajit bekannt. Er hatte
über
vierzehn Jahre die Gabe, für alle unbesiegbar zu sein, bis auf
die, die
sich aller sinnlichen Genüsse enthielten. Er war unbezwingbar.
Aber
Lakshmana besiegte ihn durch die Energie seiner Reinheit, durch die
Energie Brahmacharyas.O Lakshmana! Wir singen zu deinem Ruhm und
wiederholen "Ram Lakshman Janaki, Jai Bolo Hanuman Ki!" Führe uns
zu
unserem geliebten Lord Rama, deinem lieben Bruder und Meister. O
Lakshmana, hilf uns, in Einklang mit Lord Rama zu kommen. Sei mit jenen
barmherzig, die noch in der Dunkelheit der Unwissenheit herumtasten!
Lehre uns das Geheimnis des Erfolges, und hilf uns, bis ans Ende
unserer Leben standhafte Brahmacharins zu werden. Noch einmal
Grüße an
dich, O Lakshmana, der Liebling von Sumitra (Lakshmanas Mutter) und der
Augapfel Sri Ramas!
Bhishmas Vater König Santanu, war der
Herrscher von Hastinapura (heute Delhi). Seine Mutter war Ganga Devi
(Ganges). Der frühere Name Bhishmas war Devavrata. Er war eine
Inkarnation von Vasu Devata. Eines Tages ging König Santanu zum
Jagen
in die Wälder, nah bei den Sandbänken des heiligen Stromes
Yamuna
(heute Yumna), der dem Himalaya entspringt. Dort traf er zufällig
eine
hübsche Jungfrau. Er sagte zu ihr: "Wer bist du? Was machst du
hier?"
Sie geantwortet, „Ich bin die Tochter von Dasaraja, dem Oberfischer.
Ich heiße Satyavati. Ich bin bei ihm angestellt, um die Menschen
mit
dem Boot über den Fluss zu rudern." Sie gefiel König Santanu
so sehr,
dass er sie heiraten wollte. Er ging zu ihrem Vater Dasaraja und bat um
seine Zustimmung. Der Fischer antwortete: "Ich bin bereit, dir meine
Tochter zur Heirat zu geben. Aber zuerst musst du mir ein Versprechen
geben“. Der König antwortete: "O Dasaraja, was für ein
Versprechen? Ich
tue alles, was in meiner Macht liegt." Der Fischer sagte: "Der Sohn
meiner Tochter soll dich beerben.“
König Santanu wollte dem Fischer dieses
Versprechen aber nicht geben, weil dann sein tapferer und intelligenter
Sohn Devavrata, den er sehr liebte, auf den Thron verzichten
müsste. Er
würde dann nicht mehr sein Erbe sein. Aber das Feuer der Liebe zu
der
Jungfrau brannte in ihm. Er war in einem großen Dilemma. Er wurde
blass
und vergaß alle Staatsangelegenheiten. Er öffnete sein Herz
seinem
obersten Minister, dem er vertraute. Der aber sah sich nicht in der
Lage, ihn in dieser Angelegenheit zu beraten. König Santanu
versuchte,
seine Liebe für die Jungfrau, vor seinem Sohn Devavrata, dem
späteren
Bhishma, zu verbergen. Devavrata war klug und sehr stark. Er ahnte
etwas und vermutete, dass sein Vater unglücklich sei. Er sagte zu
seinem Vater: "O geliebter Vater! Du bist wohlhabend. Du hast alles. Es
sollte keinen Grund für deine Sorgen geben. Warum bist du so
betrübt?
Du verlierst deine Vitalität und Stärke. Was ist der Grund
für dein
Leid? Ich bin bereit, alles zu tun, um es zu beseitigen.“
Der König antwortete: "O geliebter
Devavrata! Du bist mein einziger Sohn. Wenn irgendein Unheil auf dich
fällt, bin ich ohne Sohn. Dann werde ich meines Himmels beraubt.
Du
bist hundert Söhnen gleich. Folglich möchte ich nicht wieder
heiraten.
Aber ein Sohn ist kein Sohn, sagen die Weisen. Diese Gedanken bereiten
mir Sorgen." Darauf ging Devavrata, vom Minister und einigen
angesehenen Kshatriyas (Krieger und Adel) begleitet, zum Fischer
Dasaraja und plädierte im Namen seines Vaters. Er bat ihn, dass
Dasarajas Tochter seinen Vater heiraten möge. Der Fischer
antwortete:
"O freundlicher Prinz! Ich habe bereits deinem Vater erklärt,
unter
welchen Bedingungen meine Tochter deinen Vater heiraten kann.“
Devavrata antwortete: "O Fischer! Ich gebe die feierliche
Erklärung ab,
dass der Sohn deiner Tochter, meinem Vater auf dem Thron folgen soll.
Ich werde alles tun, was du wünscht." Darauf sagte der Fischer:
"Ich
schätze deinen edlen Charakter und deine hohen Ideale. Aber deine
Söhne
könnten den Sohn meiner Tochter jederzeit wieder vertreiben. Ich
hege
Zweifel an eurer Aufrichtigkeit“.
Devavrata betete: "O Wahrheit! Verweile in
mir für immer. Komm und erfülle mein ganzes Sein! Gib mir
innere Stärke
um das Gelübde des vollkommenen Brahmacharyas einzuhalten, das ich
jetzt in Anwesenheit dieser Leute ablegen möchte!“ Dann sagte er
entschlossen zum Fischer: "O Dasaraja! Höre, was ich zu sagen
habe. Von
heute an, bis zum Ende meines Lebens, werde ich ein strenges
Brahmacharya führen. Alle Frauen dieser Welt sind von nun an meine
Mütter. Ich bin der ergebenste und treueste Untertan des
Königs von
Hastinapura. Sterbe ich ohne Sohn, dann werde ich den Wohnsitz des
ewigen Glücks und der Unsterblichkeit erreichen." Vom Himmel
ließen die
himmlischen Jungfrauen, die Götter und die Versammlung der
Heiligen
Blumen auf ihn nieder regnen und sagten: "Dieses ist der wahrhaftige
Bhishma, der Schreckliche!"
Der Fischer sagte: "O Prinz! Jetzt bin ich
bereit, der Heirat meiner Tochter mit deinem Vater zuzustimmen." Darauf
begleiteten der Fischer und seine Tochter Devavrata zum Palast von
König Santanu. Der Minister informierte den König über
alles, was
geschehen war. Die Monarchen, die in der Halle versammelt waren,
würdigten den außerordentlichen Geist der Selbstaufopferung
und
Entsagung von Devavrata und sagten: "Devavrata ist wirklich Bhishma,
der Schreckliche." Seitdem trägt Devavrata den Namen Bhishma.
König
Santanu war unermesslich erfreut über das großmütige
Verhalten seines
Sohns und verlieh ihm die Gabe, den Zeitpunkt seines Todes nach seinem
eigenen Willen zu bestimmen. Er sagte: "Mögen die Götter dich
beschützen! Der Tod soll nie zu dir kommen, solange du leben
möchtest."
Was für eine erhabene Seele! Dieses prächtige Beispiel ist
einmalig in
der Geschichte. Niemand hat in so jungen Jahren aus Pflichtgefühl
solch
ein großes Opfer gebracht, wie Bhishma. Bhishmas Kindespflicht
und
Frömmigkeit könnten mit der von Lord Rama verglichen werden.
Bhishma war seinen Prinzipien treu. Er war
absolut frei von Egoismus. Er war eine Verkörperung von
Selbstverleugnung und Selbstaufopferung. Seine Kraft und Ausdauer und
seine Geduld in schwierigen Lebenslagen waren beispiellos. Er war
unvergleichlich in seiner Tapferkeit und in seinem Mut. Alle
Männer
verehrten ihn. Alle Kshatriya, die Krieger und der Adel, erwiesen ihm
ihre Ehrerbietung. Er war ein mächtiger Yogi und Weiser. Er lebte
über
dem Körperbewusstsein und ruhte in seiner Glückseligkeit. Der
ist der
Grund, warum er friedlich und gelassen war, obwohl er am ganzen
Körper
von scharfen Pfeilen durchbohrt war. Liegend auf einem Bett aus
scharfen Pfeilen, das sich so weich wie ein Bett aus Blumen für
ihn
anfühlte, gab er König Yudhishthira wundervolle Darlegungen
über
politische, philosophische, religiöse, soziale und moralische
Themen.
Hast du jemals von jemanden, außer von
Bhishma, gehört, der in der Lage war, vornehme und erhabene Reden
auf
seinem Sterbebett zu halten? Bhishma lebte sein Leben für andere.
Er
lebte, um zu dienen und andere auf ihrem spirituellen Weg zu
unterstützen. Das edle Leben, welches Bhishma durch seine starke
Willenskraft führte, sollte alle die anspornen, die seine
Darlegungen
in der Santi Parva (Mahabharata, indisches Epos) studieren. Bhishma
starb bereits vor langer, langer Zeit. Aber seine Stimme in der Santi
Parva und sein ideales und erhabenes Leben, ermuntern heute noch
schlummernde Gemüter zur Askese und Meditation. Ruhm für
Bhishma,
dessen vorbildliches Leben im Brahmacharya, unsere Herzen und unseren
Verstand sogar heute noch zu den Höhen der göttlichen Glorie
führen.
In der Praxis von Brahmacharya ist es
erwünscht, die sexuelle Lust zu beseitigen, ohne sie zu
unterdrücken.
Das Unterdrücken führt nicht zur Entwurzelung der sexuellen
Begierde.
Du wirst niemals frei sein, wenn du diese Begierde unterdrückst.
Der
unterdrückte sexuelle Wunsch wird dich immer wieder heraufordern,
er
wird dir feuchte Träume (Pollutionen, nächtliche Orgasmen),
Nervosität
und Unruhe bescheren. Die Verdrängung oder Unterdrückung des
sexuellen
Wunsches wird dir nicht helfen. Wird die Sinneslust unterdrückt
oder
wird der Wille schwach, nimmt die Leidenschaftslosigkeit ab oder
lässt
die Meditation bzw. die spirituelle Praxis infolge einer Erkrankung
nach, dann kehrt die Leidenschaft, sobald sich dazu die Gelegenheit
bietet, mit doppelter Kraft zurück.
Versuche nicht, vor den Frauen davon zu
laufen. Dann wird Maya, die Illusion dich verfolgen. Versuche, das
Selbst (Gott) in allen Formen zu sehen und wiederhole häufig das
Mantra
"Om Ek Sat-Chit-Ananda Atma". Erinnere dich, dass der Atman, die Seele,
geschlechtslos ist. Geistige Wiederholung dieses Mantras gibt dir
Stärke. Unwissende Leute wenden unkluge Methoden an, um die
sinnlichen
Wünsche zu beseitigen. Sie verfehlen oft das Ziel. Einige
Unwissende
amputieren sogar ihr Geschlechtsorgan. Sie denken, dass die Sinneslust
durch solch ein Verfahren beseitigt werden kann. Was für eine
unsinnige
Tat! Die Lust sitzt im Verstand. Wenn der Verstand besiegt ist, was
können die Geschlechtsorgane dann noch für einen Schaden
anrichten?
Einige schlucken Tonnen von Nux Vomica (Brechnuss, giftige Pflanze), um
ihre sexuelle Begierde zu bekämpfen. Sie verfehlen das Bestreben,
im
Brahmacharya zentriert zu sein. Der Zustand ihres Verstandes bleibt
derselbe, obwohl sie durch die Einnahme von Nux Vomica impotent werden.
Was gewünscht wird, ist eine
vernünftige
Kontrolle der Sinne. Den Wünschen sollte nicht erlaubt werden,
sich in
den sinnlichen Spurrillen auszutoben. Es sollte ihnen nicht erlaubt
werden, uns rücksichtslos in die Tümpel der Weltlichkeit
hinabzustoßen,
wie ein stürmisches Pferd, das den Reiter davonträgt, wohin
es mag.
Brahmacharya bedeutet Kontrolle, aber nicht Unterdrückung der
sexuellen
Wünsche. Der Verstand sollte durch Meditation, Japa
(Mantrameditation),
Kirtan (Mantrasingen) und Gebet gereinigt werden. Wenn der Geist mit
erhabenen göttlichen Gedanken, durch Meditation, Japa, Gebet und
dem
Studium der heiligen Schriften, erfüllt ist, dann werden die
sexuellen
Wünsche allmählich entkräftet und abklingen. Der
Verstand wird
ausgedünnt.
Die sexuelle Energie muss durch die Praxis
von Japa (Mantrameditation), Gebet, Yogaübungen, Pranayama
(Yogaatmung), Meditation und durch das Studium heiliger Schriften, in
spirituelle Energie (Ojas Shakti) umgewandelt werden. Du musst Hingabe
entwickeln und einen brennenden Wunsch nach Befreiung in dir
verspüren.
Du musst ständig auf den reinen, unsterblichen, geschlechtslosen,
körperlosen und wunschlosen Atman (Seele) meditieren. Nur dann
wird der
sexuelle Wunsch vernichtet. Der Vorgang der Umwandlung sexueller
Energie in spirituelle Energie wird in der westlichen Psychologie als
Sublimation bezeichnet. Sublimation ist keine Verdrängung oder
Unterdrückung, sondern ein positiver, dynamischer
Umwandlungsprozess.
Es ist ein Prozess der Kontrolle und Konservierung der sexuellen
Energie, um sie in höhere Kanäle zu leiten und um sie
schließlich in
spirituelle Energie umzuwandeln. Die materielle Energie wird in
spirituelle Energie umgewandelt, gerade so wie Hitze in Licht und in
Elektrizität umgewandelt wird. Genau so wie eine chemische
Substanz
durch Verdampfen und anschließendes Kondensieren gereinigt wird,
so
wird auch die sexuelle Energie durch die spirituelle Praxis gereinigt
und in göttliche Energie umgewandelt.
Ojas ist spirituelle Energie, die im Gehirn
gespeichert wird. Durch erhabene Gedanken über das Selbst und den
Atman, durch Meditation, Japa, Beten und Pranayama kann die sexuelle
Energie in Ojas Shakti verwandelt und im Gehirn gespeichert werden.
Diese aufgespeicherte Energie kann für göttliche
Betrachtungen und
spirituelle Fortschritte verwendet werden. Zorn und Muskelenergie
können ebenso in Ojas umgewandelt werden. Ein Mann, der einen
großen
Betrag von Ojas in seinem Gehirn gespeichert hat, kann immense
Geistesarbeit leisten. Er ist sehr intelligent, hat glänzende
Augen und
eine magnetische Aura in seinem Gesicht. Er kann Leute beeinflussen,
indem er nur einige Wörter spricht. Eine kurze Rede von ihm, kann
einen
enormen Eindruck bei den Zuhörern hinterlassen. Seine Rede ist
ergreifend. Er hat eine mitreißende und beeindruckende
Persönlichkeit.
Sri Sankara (indischer Advaita-Philosoph), ein Akhanda Brahmachari (ein
Brahmachari, der 12 Jahre keinen Tropfen Samen abgegeben hat), bewirkte
Wunder durch seine Energie von Ojas. Er eroberte die Welt und hielt
dank seiner Ojas-Energie in unterschiedlichen Teilen Indiens
kontroverse und erhitzte Debatten mit Gelehrten. Ein Yogi richtet seine
Aufmerksamkeit immer auf die Ansammlung dieser göttlichen Energie
durch
unversehrte Keuschheit. Im Yoga werden diese Menschen Oordhvaretas
genannt. Ein Oordhvareta Yogi ist jemand, der seine Samenenergie als
Ojas Shakti im Gehirn gespeichert hat. Jetzt hat der Samen keine
Möglichkeit mehr, durch sexuelle Erregung abwärts zu
fließen.
(Anmerkung des Übersetzers: An dieser Aussage habe ich so meine
Zweifel, wenn ich bedenke, dass selbst einige hochentwickelte Yogis,
die bestimmt schon eine Menge Ojas in ihrem Gehirn gespeichert hatten,
wieder abgestürzt sind. Ende Anmerkung.)
Entsprechend der Yoga-Wissenschaft existiert
der Same in einer subtilen Form überall im ganzen Körper. Es
ist in
einem subtilen Zustand in allen Zellen des Körpers zu finden. Es
wird
unter dem Einfluss der sexuellen Begierde bzw. der sexuellen
Betätigung
dem Körper entzogen und den Geschlechtsorganen in Form von Samen
zur
Verfügung gestellt. Ein Oordhvareta Yogi, ein Yogi, der seine
Samenenergie als Ojas Shakti (spirituelle Energie) im Gehirn
gespeichert hat, wandelt seinen Samen durch seine yogische Kraft, durch
die Reinheit seiner Gedanken, seiner Worte und Taten, nur in Ojas um
und hat damit die Kontrolle über die Samenerzeugung der Hoden.
Dies ist
ein großes Geheimnis. Allopathen (Schulmediziner) glauben, dass
bei
einem Oordhvareta Yogi, die Bildung des Samens immerzu weiter geht und
die Samenflüssigkeit vom Blut aufgenommen wird. Aber dieses ist
ein
Irrtum. Sie verstehen die inneren yogischen Geheimnisse nicht. Sie
tappen im Dunkeln. Ihre Sichtweise wird durch ihre grobe (materielle)
Sicht getrübt. Der Yogi aber dringt durch das yogische Auge der
Weisheit in die subtile Natur der Dinge ein. Der Yogi erhält die
Kontrolle über der Astralnatur des Samens und verhindert dadurch
die
Erzeugung des Samens selbst. Der Körper eines Mannes, der ein
wirklicher Oordhvaretas ist, hat den Geruch eines Lotos.
Anmerkung des Übersetzers: Bevor ich mit dem Text weiter mache,
möchte
ich ein paar Worte über den indischen Yogi und Heiligen Zipruanna
aus
Swami Muktanandas Buch "Spiel des Bewusstseins" einfließen
lassen.
Muktananda schreibt über Zipruanna: "Ich besuchte einen anderen
großen
Heiligen, den ich kannte. Er hieß Zipruanna und war ein
großer Siddha
(Weiser). Er hatte die Angewohnheit, unbekleidet herumzugehen, und er
verbrachte seine Zeit damit, ziellos durch die Gassen des Dorfes
Nasirabad zu streifen. Er wurde von allen als Heiliger verehrt und von
jung und alt mit "Anna" angeredet. Er wohnte normalerweise dort, wo
keine Menschen waren, in verfallenen Häusern und Hütten fern
der
Dorfbewohner. Er hatte einen sehr hohen Zustand im Yoga erreicht. Er
war hellsichtig und wusste um vergangene und zukünftige
Ereignisse.
Sein Körper war vom Feuer des Yoga so rein gebrannt, dass ihn kein
Schmutz mehr berührte. Er hatte seinen Körper in einen so
hohen Zustand
erhoben, dass ich ihn bewunderte. Das innere Selbst der Yogis ist frei
von jedem Makel, und selbst der Körper Zipruannas hatte diese
makellose
Reinheit. Als ich ihn zum erstenmal besuchte, entleerte er gerade
seinen Darm in einer Ecke, und als ich mich näherte, rieb er
seinen
ganzen Körper mit dem Kot ein. Ich setzte mich ziemlich nahe zu
ihm und
stellte fest, dass von ihm ein süßer Duft ausging - er roch
überhaupt
nicht schlecht. Als ich ihn das nächste Mal besuchte, saß er
auf einem
Abfallhaufen. Selbst dann berührte ihn der Schmutz nicht. Ich
hatte
nicht den Mut, nahe hinzugehen, also blieb ich in einiger Entfernung
stehen. Nach kurzer Zeit kam er von dem Abfallhaufen herunter. Ich
wusch seine Füße. Ein Duft wie Ashtagandha (Granatapfel)
strömte von
seinem Körper aus."
Ende Anmerkung Übersetzer. Ein Mann, der kein Brahmachari ist, in dem
grober Samen gebildet wird, riecht dagegen mitunter wie ein Ziegenbock.
Der Samen verdorrt bei denen, die ernsthaft Pranayama
(Atemübungen)
praktizieren und die Samenenergie steigt zum Gehirn hinauf. Es wird als
Ojas Shakti oder geistige Energie gespeichert und kommt als Nektar
(Amrita) zurück. Der Prozess der sexuellen Sublimation ist sehr
kompliziert. Er erfordert eine konstante und langwierige spirituelle
Praxis und vollkommene Disziplin. Der Yogi, der vollkommene Sublimation
erzielt hat, hat vollkommene Kontrolle über seine Sinneslust. Die
komplette Sublimation wird durch konstante Meditation auf Atman und
durch Selbstverwirklichung erzielt. Der Yogi, der das höchste
Samadhi
(Nirvikalpa) erreicht hat, in dem die unbewussten Wünsche
erloschen
sind, kann als ein vollkommener Oordhvareta betrachtet werden, der die
komplette sexuelle Sublimation verwirklicht hat. Es ist nicht zu
befürchten, dass er einen Absturz erleiden könnte. Er
befindet sich in
perfekter Sicherheit und ist vollkommen frei von Unreinheiten. Sein
Zustand ist ein sehr hoher Zustand. Nur eine mikroskopische Minderheit
der Menschheit hat diesen erhabenen Zustand jemals erreicht. Sankara,
Dattatreya, Jnana Deva von Alandi und andere erreichten dieses Stadium.
Es gibt eine Sekte, die sich "Dhiryaretas“
nennt. Das sind Yogis, die für jeden lüsternen Gedanken ein
Opfer
darbringen und die sich sofort, nachdem sie dies bemerkt haben, wieder
dem Brahmacharya zuwenden. Solch eine Person kann, wenn sie ein
strenges Zölibat über zwölf Jahre ausübt,
übernatürliche Kräfte
erwerben. Medha Nadi oder Buddhi Nadi wird in ihm gebildet. (Der Medha
Nadi ist ein Energiekanal, der laut Kirpal Singh, nach sieben Jahren
Enthaltsamkeit zu wachsen beginnt. Dadurch gewinnt man die
Kapazität in
tiefere spirituelle Wahrheiten einzudringen (infinityfoundation). Buddhi Nadi (Buddhi =
Intelligenz) ist dann wohl die intellektuelle Ausprägung davon.)
Dies
bedeutet, dass sein Gedächtnis, so lange er lebt, über eine
große
Kapazität und Merkfähigkeit verfügt, die es ihm
ermöglicht, alles zu
lernen. Durch Befolgung von Brahmacharya im Gedanken, Worten und in der
Tat, während einer Periode von zwölf Jahren, wird einem sogar
der
Anblick Gottes geschenkt, wenn man danach strebt (siehe auch: Die Biochemie der Meditation). Er ist in der Lage,
selbst die schwierigsten Probleme zu lösen. Aber diese Art der
Befolgung sollte möglichst vor dem zweiunddreißigsten oder
vierunddreißigsten Lebensjahr beginnen.
Der Yogi, der sich durch eine konstante
spirituelle Praxis, ununterbrochene Meditation, Pranayama
(Atemübungen)
und Erforschung des Atman (Seele), die Praxis von Sama
(Geisteskontrolle), von Dama (Sinneskontrolle), von Yama (5
Enthaltungen: Nichtverletzen, Ehrlichkeit, Nichtstehlen, Brahmacharya
und Unbestechlichkeit) und von Niyama (5 Verhaltensregeln: Reinheit,
Genügsamkeit, Disziplin, Selbsterforschung und Hinwendung zu Gott)
diszipliniert hat, ist auch sicher, obgleich er noch nicht das Stadium
der vollkommenen Sublimation erreicht hat. Frauen haben auf ihn keine
erotische Anziehung mehr. Er hat diese Gedanken abgelegt.
Der Prozess der sexuellen Sublimation ist
sehr schwierig, und dennoch ist er für jeden, der höhere
spirituelle
Ziele anstrebt, unbedingt erforderlich. Es ist die wichtigste
Qualifikation für den Yogaschüler, egal ob er den Weg des
Karma-Yoga
(Spiritualisierung des täglichen Lebens), des Bhakti-Yoga (Hingabe
an
Gott), des Raja-Yoga (klassischer Yogaweg, Beherrschung des Geistes)
oder von Jnana-Yoga (Yoga des Wissens, Streben nach der Erkenntnis "Ich
bin Brahman" oder "Ich bin Er", Stichworte: Vedanta, Ramana Maharshi,
Selbsterforschung), beschreitet. Die Sublimation ist eine grundlegende
Vorbedingung für jeden Yogaschüler. Besitzt man diese
Qualifikation,
dann folgen alle weiteren Erfolge und heften sich ihm an. Alle guten
Qualitäten stellen sich dann von selbst ein. Du solltest dieses
Ziel
unbedingt erreichen. Bestimmt wirst du dieses Ziel in zukünftigen
Geburten erreichen. Aber warum versuchst du nicht, es bereits in diesem
Leben zu verwirklichen?
Die vollkommene Auflösung aller
sexuellen
Wunsche ist das ultimative spirituelle Ideal. Nur die vollkommenen
Sublimation schenkt dir Freiheit. Aber die Verwirklichung vollkommener
Sublimation braucht Zeit. Sie erfordert für einige Zeit einen
konsequenten Kampf mit Geduld und Ausdauer. Auch Familienväter
sollten
sich um das oben genannte Ideal bemühen und versuchen, es
stufenweise
zu verwirklichen. Ist der Zustand der vollkommenen Sublimation
erreicht, wird Reinheit in Gedanken, im Wort und in der Tat einkehren.
Dann wird kein sexueller Gedanke mehr in den Verstand eindringen. Durch
konstante Selbsterforschung und Brahma Bhavana (Konzentration auf
Brahman), löst sich der Verstand allmählich von den
lüsternen Gedanken.
Du musst nicht nur die sexuellen Begierden und Impulse, sondern auch
die erotische Anziehungskraft besiegen. Denke an das Leid, das die Ehe
durch die unterschiedlichsten Verstrickungen und Verpflichtungen mit
sich bringt. Sieh ein, dass sexuelles Vergnügen falsch, wertlos,
illusorisch und die Ursache vieler Leiden ist. Überzeuge den
Verstand
von den Vorteilen des Glücks, der Lebensfreude und dem Reichtum
des
intellektuellen Schaffens, die ein spirituelles Leben mit sich bringen.
Lass den Geist erkennen, dass ein erhabenes,
langes Leben, Ausdruck des unsterblichen Atman ist. Wenn er
beständig
diese Suggestionen vernimmt, lässt er langsam ab von seinen alten
Gewohnheiten. Die erotische Attraktion wird langsam abklingen. Nur dann
findet sexuelle Sublimation statt. Nur so kannst du zum Oordhvareta
werden, zum Yogi, der seine sexuelle Energie vollkommen zum Gehirn
leitet. Es gibt zwei Arten von Kräften im Geist, nämlich
feindliche und
freundliche. Leidenschaft ist eine feindliche Kraft, die dich nach
unten zieht. Reine Gedanken sind vorteilhafte Kräfte, die dich zum
Göttlichen führen. Entwickle folglich reine Gedanken, um
vollkommenes
Glück und oberstes brahmisches (göttliches) Wissen zu
erlangen. Dann
werden die Leidenschaften von selbst verschwinden. Die sexuelle
Sublimation ist in greifbarer Nähe, wenn du sie erreichen
möchtest.
Der Weg ist ziemlich klar, geradlinig und
einfach, wenn du ihn verstehst und wenn du ihn mit Geduld, Ausdauer,
Beharrlichkeit und einem starkem Willen beschreitest, wenn du die
Sinnesorgane disziplinierst, rechtes Benehmen, rechtes Denken, rechten
Handeln, regelmäßige Meditation, Willenskraft,
Autosuggestion und
Selbstergründung nach der Frage "Wer bin ich?", praktizierst.
Atman,
die Seele, ist geschlechtslos. Atman ist unveränderlich. Kann es
irgendeine Spur der Sinneslust oder der Verunreinigung im ewig reinen
Atman geben? Glorie jenen Yogis die vollkommene sexuelle Sublimation
erreicht haben und in der wahren Natur ihres Seins ruhen! Mögen
wir
alle vollkommenes Zölibat durch die Praxis von Sama
(Geisteskontrolle),
Dama (Sinneskontrolle), Viveka (Unterscheidungskraft), Vichara
(Selbsterforschung), Vairagya (Leidenschaftslosigkeit), Pranayama
(Yogaatmung), Japa (Mantrameditation) und Dhyana (Meditation)
erreichen, das Ziel unseres Lebens! Möge der Bewohner unserer
Herzen
uns geistige Stärke gewähren, um die Sinnesorgane und den
Verstand zu
kontrollieren! Mögen wir alle vollendete Oordhvareta Yogis wie
Sankara
und Jnana Dev werden! Möge ihr Segen uns Mut, Kraft und Zuversicht
schenken!
Tabelle 1
Tabelle 2
Das männliche Ejakulat wird von folgenden 6 Drüsen gebildet: 1. Hoden und Nebenhoden (Testosteron, die
Spermien werden im Hoden produziert und im Nebenhoden gelagert)
2. Samenleiterampulle (habe keine weiteren Informationen gefunden) 3. Samenbläschen (siehe Tabelle 2) 4. Vorsteherdrüse (Prostata, siehe Tabelle 2) 5. Cowpersche Drüse (Vorsekret des Spermas, Neutralisierung von Harnresten und saurem Scheidenmilieu) 6. Littré Drüsen (bilden zusammen mit den Cowperschen Drüsen den "Lusttropfen" Bildliche Darstellung:
Vorgänge im männlichen Genitaltrakt
Zum obigen Bild: Hoden (= Bildungsort der Spermien), Nebenhoden (=Lagerplatz der Spermien). Der Ejakulationsweg der Spermien wird durch beide Samenleiter (3), beide Ductus ejaculatorii (6) und die Urethra (11) gebildet. Als Ductus ejaculatorius wird die Passage durch die Prostata in die Urethra bezeichnet. Entlang des Ejakulationsweges fügen verschiedene Drüsen (4+5+7+9+10) ihre Sekrete dem Ejakulat bei. (embryology.ch)
Männliche Urethra mit akzessorische
Drüsen
Anmerkung des Übersetzers:
Die obige Darstellung zeigt zunächst einmal die anatomische Anordnung der 6 Drüsen, die an der Produktion des männlichen Ejakulats beteiligt sind, und welchen Anteil sie zum Ejakulat beitragen. Aus Tabelle 2 kann man ersehen, dass das Ejakulat fast zu 95 Prozent aus dem Samenblasensekret (75 %) und dem Prostatasekret (20 %) besteht. Die reifen Spermien, die ja für die Befruchtung der weiblichen Eizelle zuständig sind, und die im Nebenhoden aufbewahrt werden, stellen nur einen sehr geringen Teil des Ejakulats dar. Nun wird von Swami Sivananda die Behauptung aufgestellt, dass der Samen in Ojas-Shakti, also in spirituelle Energie umgewandelt wird. Er stellt sich dieses wie folgt vor: Entsprechend der Yoga-Wissenschaft existiert der Same (Spermien) in einer subtilen Form überall im ganzen Körper. Es ist in einem subtilen Zustand in allen Zellen des Körpers zu finden. Es wird unter dem Einfluss der sexuellen Begierde bzw. der sexuellen Betätigung dem Körper entzogen und den Geschlechtsorganen in Form von Samen zur Verfügung gestellt. Genau so wie Zucker im Zuckerrohr, Butter in der Milch, so ist auch der Samen im ganzen Körper vorhanden. Gerade so wie die Buttermilch dünnflüssig wird, nachdem man ihr den Butteranteil entzogen hat, so wird auch der Samen verdünnt, wenn man ihn verschwendet. Um so mehr der Samen verschwendet wird, um so schwächer wird der Mann. Das heißt: Der Verlust des Samens bringt den Tod; das Bewahrung des Samens schenkt das Leben. Der Same beherbergt die wahre Vitalität der Männer. Es ist der versteckte Schatz im Mann. Diese vitale Samenflüssigkeit diffundiert durch den männlichen Körper, macht ihn männlich, stark, tapfer und heroisch. Wird er vergeudet, macht es den Mann unmännlich, labil und physisch schwach, anfällig für sexuelle Reize, verleiht ihm ein bemitleidenswertes Nervensystem, viele Krankheiten und letzten Endes den Tod. Die zwei Hoden sind mit der eigenartigen Eigenschaft der Aufnahme des Samens aus dem Blut (aus den Zellen) ausgestattet. So sammeln die Zellen des Hodens Tropfen für Tropfen des Samens aus dem Blut. Wann immer der Samen bewahrt wird, wird er vom Körper wieder resorbiert. Also wieder vom Blut (den Zellen) aufgenommen. Es geht zurück in den Blutkreislauf, bildet ein leistungsfähiges Gehirn, starke Nerven und ein muskulöses Gewebe. Anmerkung des Übersetzers: Der Samen wird nicht aus dem Blut aufgenommen. Hier irrt Swami Sivananda. Aber das konnte er 1934, als dieses Buch geschrieben wurde, wohl auch nicht wissen. Der Samen (Spermien) entsteht durch die Spermatogenese. Die Urkeimzellen, die die geschlechtliche Fortpflanzung erst ermöglichen, wandern vom primären Ektoderm ausgehend, in der dritten Schwangerschaftswoche, entlang der Dottersackwand zum Dottergang und in die Wand des Enddarms, um bis zur vierten bis sechsten Woche zur Genitalleiste (Gonaden = Hoden bzw. Gebärmutter) zu gelangen. Urkeimzellen Wie werden Keimzellen
(pränatal -
vor der Geburt - resp. postnatal - nach der Geburt) gebildet?
Keimzellen (Geschlechtszellen, Gameten, Spermien) entstehen aus
Urkeimzellen. Diese Urkeimzellen wiederum werden im Verlaufe der Embryogenese (von
der Befruchtung bis zur Organentwicklung, beim Menschen ist die
Embryogenese nach 8 Enwicklungswochen beendet.) von den
Körperzellen
ausgesondert und in einem speziellen Organ, der Keimdrüse
(Keimstock,
Gonade), gelagert, wo sie sich prä- (vorgeburtlich) und
insbesondere
postnatal (nachgeburtlich) zu funktionsfähigen Keimzellen
(Spermien,
Eizellen) weiterentwickeln. Urkeimzellen sind ab etwa der dritten Woche
post conceptionem (nach der Empfängnis) in der Dottersackwand
nachweisbar.
Mein Netdoktor meint: Ausgehend von einer Stammzellen-Teilung während der Embryonalentwicklung werden bis zur Pubertät Vorstufen der Spermien (Spermatogonien) gebildet. Mit Eintritt der Pubertät werden durch Teilung und Differenzierung dieser Vorstufen schließlich die reifen Spermien (Spermatozoen) entwickelt. Die Bildung der Spermien wird das ganze Leben lang fortgesetzt, kann aber im Alter oder nach schweren Krankheiten unterbrochen sein. Auch verschiedene Substanzen/Gifte können die Spermienentwicklung unterdrücken. Und jetzt noch ein wenig fachchinesisch. Es erklärt den Vorgang, wie die Urkeimzellen zwischen der 4. und 6. Woche der Schwangerschaft vom Dottergang zur Genitalleiste (Hoden, Gebärmutter) wandern: Durch die kraniokaudale Krümmung und die laterale Abfaltung des Embryos begünstigt, wandern die Urkeimzellen zwischen der vierten und sechsten Woche wieder zurück in den Embryo. Sie bewegen sich entlang der Dottersackwand zum Dottergang und in die Wand des Enddarms. Nach der Durchquerung des dorsalen Mesenteriums treffen sie in der Genitalleiste ein. Während ihrer Wanderung, aber auch noch in der Genitalleiste, vermehren sich die Urkeimzellen durch mitotische Teilungen. Dieser Vorgang ist auf der Seite über den Ursprung der Keimzelle und über die Genitalleiste auch bildlich dargestellt. Bei der Geburt enthalten die Eierstöcke der Frau etwa 1 bis 2 Millionen weibliche Keimzellen (Eizellen); in der Pubertät sind davon nur noch 400.000-500.000 vorhanden. Nur 400-500 werden bis zum Eisprung heranreifen, eine jeden Monat, bis zur Menopause. Alle anderen degenerieren in verschiedenen Entwicklungsstadien. aus: Keimzellen Ende Der Anmerkung. Der Samen verdorrt bei denen, die ernsthaft Pranayama (Atemübungen) praktizieren und die Samenenergie steigt zum Gehirn hinauf. Es wird als Ojas Shakti oder geistige Energie gespeichert und kommt als Nektar (Amrita) zurück.Für Frauen gilt ähnliches. Hier übernehmen allerdings die Eierstöcke die Aufnahme der Eizellen aus dem Blut. Dann stelle ich mir allerdings die Frage, wie verhält es sich eigentlich mit dem Samenbläschensekret, das ja selber keine Spermien enthält, sondern zur Verflüssigung des Ejakulats, zur Ernährung der Samenzellen und für andere Aufgaben vorgesehen ist, und welches immerhin 75 % des Ejakulats ausmacht. Wird das Samenbläschensekret etwa auch in Ojas-Shakti umgewandelt, obwohl es keine Samenzellen (Spermien) enthält oder wird es doch regelmäßig mittels Pollutionen ausgestoßen? Die gleiche Frage betrifft natürlich das Prostata-Sekret (immerhin 20 % des Ejakulats) und die restlichen Drüsensekrete (Cowperschen Drüse, Samenleiterampulle, Samenbläschen und Littredrüsen) die ebenfalls keine Samenzellen enthalten. Darum stelle ich mir die Frage, ob die
Erzeugung spiritueller Energie nicht eher eine Frage der sexuellen
Energie, also eines elektrischen Potentials ist, nämlich genau
jenes
elektrischen Potentials, welches beim Orgasmus die Muskelreflexe
auslöst und für die biochemischen Reaktionen verantwortlich
ist, die
den sexuellen Rausch (Orgasmus) auslösen, als eine Umwandlung des
Samens. Abschnitt 14.4 ist nicht aus dem Buch Swami Sivanandas, sondern
beruht auf überlegungen des Übersetzers.
Ende Anmerkung Übersetzer. Nachträgliche Anmerkung zur Sublimation: In dem Text The physiological value of continence schreibt Dr. Raymond W. Bernard: Sowohl der Samen als auch das Gehirn bestehen größtenteils aus phosphorisierten Fetten oder Phospholipiden, zu deren Klasse Lecithin zählt. Lecithin ist eine Substanz, von großer Bedeutung für das Nervengewebe. Dass der Samen Substanzen von großem physiologischen Wert enthält, speziell in Bezug auf die Ernährung des Nervensystems, zeigt die chemische Analyse. Sie zeigt, dass der Samen sehr reich an Lecithin, Cholesterin und Phosphor ist, die wichtigsten Bestandteile der Nervenzellen und des Gehirngewebes. Daraus folgt, dass der Entzug dieser Substanzen aus dem Blutkreislauf durch den Samenerguss (freiwillig oder unfreiwillig), einen negativen Effekt auf die Ernährung von Nerven und Gehirn hat und zu Funktionsstörungen führen kann. Solche biochemischen Betrachtungen unterstützen die Ansicht, dass der Verlust der Samenflüssigkeit eine verminderte Versorgung von Nerven und Gehirn zur Folge hat. Geschieht dies übertrieben, so kann es zu nervlichen und psychischen Störungen kommen. Die bemerkenswerte Ähnlichkeit in der chemischen Zusammensetzung zwischen dem Samen und dem zentrale Nervensystem deutet auf eine Beziehung zwischen ihnen hin. Ältere Physiologen sind von dieser Tatsache überzeugt. Diese Überlegungen deuten darauf hin, dass jeder Verlust von Lipoiden durch Samenerguss, entweder durch Koitus, Masturbation oder nächtlichen Samenverlust, auf Kosten des Gehirns geht. Dieser Effekt ist besonders in der Kindheit und in den Reifejahren (in der Jugend) schädlich, wenn sich das Gehirn noch im Wachstumsprozess befindet. Chakraberty schreibt über die negativen Auswirkungen des Samenverlustes auf das Gehirn: "Der Verlust der Konzentration an Lecithin und Phosphaten führt zu einer schweren Belastung des Nervensysstems, denn sie sind die wichtigsten Komponenten in der Struktur des Gehirns." Enthaltsamkeit führt zu einer besseren Versorgung von Lecithin, Cholesterin und Phosphaten im Blut und damit im Gehirn. Brown-Sequard hat gezeigt, dass testikuläre Sekrete (Spermien) die Vitalität von Nerven und Gehirn verbessern. Chakraberty bemerkt, dass das Essen von getrockneten Hoden eine stimulierende Wirkung auf das zentrale Nervensystem hat. Hoden sind reich an Lecithin, Cholesterin und Phosphor. Dies sind auch wichtige Bestandteile des Nervensystems und Gehirns. Allerdings besteht nicht die Notwendigkeit getrocknete Hoden zu essen, weil jeder Mann in der Lage ist, seine kostbaren Sexualsekrete zu bewahren und zu resorbieren. Laut Fischer, können die Keimdrüsen (Hoden) als ein Reservoir an Lipoiden betrachtet werden, die sie über die Freisetzung ins Blut an das Gehirn und das Nervensystem weiterleiten. Umgekehrt können die Lipoide infolge sexueller Aktivität (Samenerguss) dem Blut und damit auch indirekt dem Gehirn entzogen werden. Es kann kein angemessenes Verständnis über die Sexualität aufkommen, ohne das Verständnis der chemischen Zusammensetzung des Samens und der Spermien. Wenn verstanden wird, dass der Samen und die Spermien eine hohe Konzentration von Phospholipiden enthält, die sehr wichtig für die Ernährung und das Funktionieren des Nervensystems sind, dann wird klar, dass der Entzug dieser Substanzen durch den Samenerguss einen negativen Effekt auf die Ernährung von Nerven und Gehirn hat. Dies kann die Ursache für Neurasthenie (Nervenschwäche) und anderen Nerven- und Geistesstörungen sein. Diese Überlegungen bilden die Grundlage für eine neue Neurologie und Psychiatrie. An diesem Beispiel wird deutlich, worum es bei der Kundalini in Wirklichkeit geht. Es geht nämlich um die Aufnahme von Substanzen der Sexualdrüsen (Lecithin, Cholesterin und Phosphor) die dann über den Blutkreislauf dem Gehirn zur Verfügung gestellt werden. Deshalb ist die Annahme, dass es eine göttliche Kundalinienergie im Basisichakra gibt, die zunächst wie eine zusammengerollte Schlange schläft, dann aber durch spirituelle Praktiken geweckt wird und beginnt, über die Wirbelsäule zum Kronenchakra aufzusteigen, eher symbolisch zu verstehen. Dies ist traditionell dadurch bedingt, dass die Menschen, die die Veden schrieben, einerseits sehr religiös waren und diesen Dingen einen göttlichen Ursprung zuschrieben und dass sie andererseits kaum etwas von physiologischen Abläufen wussten. Somit ruhte also die göttliche Kundalini im Basischakra. Und das Kronenchakra, auch Scheitelchakra genannt, war gewissermaßen die direkte Verbindung zu Gott. Viele sehen die Kundalini auch als göttliche Pranaenergie. In Wirklichkeit aber sind es Sexualsekrete, die über den Blutstrom zum Nervensystem und Gehirn tranportiert werden. Das Kronenchakra ist deshalb nichts anderes als eine religiöse Interpretation der seligmachenden Wirkung, die die Sexualsekrete auf das Gehirn bzw. auf den Menschen haben. Ende der Anmerkung. 14.5 Der Vorgang der sexuellen Sublimierung Inhaltsverzeichnis Yogis gehen im allgemeinen davon aus, dass der verwirklichte Yogi keinerlei Pollutionen mehr hat. An diese Stelle möchte ich einmal Swami Sivanandas Vorstellung über die Sublimation wiedergeben. In seinem Text behauptet Swami Sivananda, dass die Samenproduktion eines Urdhvareto Yogi vollkommen zum Stillstand kommt. Ich habe da so meine Zweifel. Vielmehr bin ich davon überzeugt, dass die Vitamine, Mineralien, Proteine, Spurenelemete, Hormone, etc., die sonst beim Orgasmus vergeudet werden, über die Blutbahn den Nerven und dem Gehirn zur Verfügung gestellt werden. Welche Theorie ist die richtige? Sehen wir uns einmal Swami Sivanandas Vorstellungen an: Wenn die Sexualenergie durch reine Gedanken in spirituelle Energie umgeformt wird, heißt das in der westlichen Psychologie sexuelle Sublimierung. So wie eine chemische Substanz sublimiert oder gereinigt wird, wenn sie durch Erhitzen in Dampf umgewandelt wird, der sich wieder verfestigt, so wird auch die Sexualenergie gereinigt und durch spirituelles Sadhana und die Pflege erhabener und erhebender Gedanken an das Selbst oder den Atman in göttliche Energie umgewandelt. Sublimierung ist keine Frage von Unterdrückung oder Verdrängung, sondern es ist ein positiver und dynamischer Umformungsvorgang. Die materielle Energie wird umgewandelt in spirituelle Energie, so wie Hitze in Licht und Elektrizität umgewandelt wird. Wenn die Fortpflanzungsenergie kontrolliert, umgeformt und sublimiert wird, wirst Du ungeheure Gehirnkraft, Ojas, erwerben. Ojas ist spirituelle Energie, die im Gehirn gespeichert wird. Durch erhabene Gedanken, Meditation, Japa, Gottesverehrung und Pranayama kann die Sexualenergie in Ojas Shakti umgewandelt werden. So wie Öl im Docht hochsteigt und mit gleißendem Licht brennt, genauso fließt Virya, die Geschlechtsenergie, durch die Praxis von Yoga Sadhana nach oben und wird in Tejas oder Ojas umgewandelt. Dieses Ojas ist für Dich sehr hilfreich für lange, tiefe Meditation. Es wird im Gehirn gespeichert. Es hilft der Kontemplation. Selbst im fortgeschrittenen Alter ist es von Nutzen. Du wirst ein gutes Gedächtnis haben. Du kannst Bücher schreiben und ungeheure Gehirnarbeit leisten. Ein Urdhvareto Yogi ist ein Mensch, dessen Geschlechtsenergie nach oben zum Gehirn fließt, als Ojas Shakti gespeichert wird und für die Zwecke der Kontemplation in der Praxis von Dhyana Verwendung findet. Er verwandelt die Geschlechtsenergie in Ojas. Das ist ein großes Geheimnis. Allopathen (Schulmediziner) meinen, daß selbst in einem Urdhvareto Yogi die Samenbildung ununterbrochen weitergeht, und daß die Flüssigkeit wieder ins Blut aufgenommen wird. Das ist ein Irrtum. Sie verstehen nicht die inneren yogischen Geheimnisse und Mysterien. Sie sind in der Dunkelheit. Ihre Sicht bezieht sich nur auf die grobstofflichen Dinge des Universums. Der Yogi dringt in die subtile verborgene Natur der Dinge durch yogische Sicht und die innere Sicht der Weisheit ein. Der Yogi erlangt Kontrolle über die Astralnatur der Geschlechtsenergie und verhindert dadurch die Bildung der Flüssigkeit an sich. Der Körper eines Menschen, der wirklich ein Urdhvaretas ist, riecht nach Rosen. Ein Mensch, der kein Brahmachari ist, und in dem sich der grobstoffliche Samen bildet, kann andererseits den Geruch eines Ziegenbocks haben. Der Vorgang der sexuellen Sublimierung ist sehr schwierig, und
doch ist sie überaus notwendig für den Aspiranten am
spirituellen Weg. Sie ist die wichtigste Voraussetzung für den
Sadhaka sowohl am Weg des Karma Yoga, Upasana, Raja Yoga oder Vedanta.
Sie muß um jeden Preis erreicht werden. Der Mensch, in dem der
Sexualgedanke tief verwurzelt ist, kann nie davon träumen, Vedanta
zu verstehen und Brahman zu verwirklichen, nicht einmal in
hunderttausend Geburten. Die Wahrheit kann nicht sein, wo Leidenschaft
ist. Es ist natürlich auch für einen
Mann, der
mitten im Leben steht und damit den verschiedensten Versuchungen und
Zerstreuungen unterliegt, möglich, das Zölibat zu
praktizieren. Früher
haben dies viele Männer praktiziert. Aber auch in der heutigen
Zeit
praktizieren es noch viele Männer. Ein diszipliniertes Leben, eine
gesunde Ernährung, das Studium heiliger Schriften, Satsanga (das
Zusammensein mit Weisen), Japa (Mantrameditation), Dhyana (Meditation),
Pranayama (Atemübungen), tägliche Selbstergründung (Wer
bin ich?),
Selbstanalyse und Selbstkorrektur, Sadachara (spirituelle
Lebensführung), die Praxis von Yama (5 Enthaltungen:
Nichtverletzen,
Ehrlichkeit, Nichtstehlen, Brahmacharya und Unbestechlichkeit) und
Niyama (5 Verhaltensregeln: Reinheit, Genügsamkeit, Disziplin,
Selbsterforschung und Hingabe an Gott) physisches, verbales und
geistiges Tapas (Askese), in übereinstimmung mit dem 17. Kapitel
der
Bhagavad Gita (Verschiedene Arten des Glaubens.), alles dies wird uns
dem Ziel näher bringen.
Die Menschen haben ein
unregelmäßiges,
unredliches, maßloses, unreligiöses und undiszipliniertes
Leben.
Folglich leiden sie und verlieren das Ziels des Lebens aus den Augen.
Gerade so, wie der Elefant, der sich Sand auf seinem eigenen Kopf
wirft, so bereiten sich die Menschen, durch ihre Ignoranz und
Unwissenheit selber Schwierigkeiten und Sorgen in ihren Köpfen.
Die,
die Brahmacharya praktizieren, beklagen sich im Allgemeinen
darüber,
dass sie sich infolge der Enthaltsamkeit geistig ermattet fühlen.
Dies
ist aber nur eine Täuschung des Verstandes. Du bekommst manchmal
einen
Pseudohunger, wenn du an einem reich gedeckten Tisch sitzt, aber
eigentlich keinen wirklichen Appetit hast und vorher auch eigentlich
nichts essen wolltest. So gibt es auch eine falsche geistige Ermattung.
Wenn du Brahmacharya praktizierst, musst du über riesige mentale
Stärke
verfügen. Du wirst nicht immer imstande sein, darüber zu
verfügen. Aber
du wirst diese Stärke entwickeln, sobald du sie benötigst,
genauso wie
ein Ringkämpfer seine körperliche Stärke in der Arena
entwickelt,
obwohl er sich im normalen Leben, wie ein normaler Mann empfindet.
Enthaltsamkeit ist nicht ungesund. Es
bewahrt die Energie. Es gibt unermessliche Stärke und Frieden.
Sexuelle
Hingabe dagegen führt zu moralischen und spirituellem Bankrott, zu
vorzeitigen Tod und zum Verlust der Fähigkeiten, der Talente und
der
Kapazitäten. Die Praxis des Zölibats ist nicht mit
irgendeiner Gefahr
oder irgendeiner Krankheit oder einem anderen unerwünschten
Nebeneffekten verbunden, wie man es gelegentlich von den westlichen
Psychologen zu hören bekommt. Genau das Gegenteil ist der Fall.
Das
Zölibat wird sehr viele Krankheiten heilen. Die westlichen
Mediziner
und Psychologen besitzen kein praktisches Wissen über das
Zölibat. Sie
haben den falschen, unbegründeten Verdacht, die unbefriedigte
sexuelle
Energie, würde sich in den verschiedenen Formen psychischer
Erkrankungen bemerkbar machen. Dabei ist es genau umgekehrt. Erst der
permanente Abfluss von sexueller Energie, vermindert die
Gesamtenergiebilanz des Menschen dramatisch und hat psychische und
somatische Erkrankungen zur Folge. Sexuelle Ausschweifungen haben
Eifersucht, Hass, Zorn, Leid und Depression zur Folge.
Umgekehrt ist ein wenig Selbstbeherrschung
oder ein wenig Enthaltsamkeit ein ideales Stärkungsmittel. Es
schenkt
innere Stärke und inneren Frieden. Es stärkt den Verstand und
die
Nerven. Es hilft, die physische und geistige Energie zu bewahren. Es
vergrößert das Gedächtnis, die Willenskraft und die
Intelligenz. Es
verleiht enorme Kraft und Vitalität. Es stärkt die
körperliche
Verfassung, erfrischt die Zellen und das Gewebe, regt die Verdauung an
und schenkt Energie, um die Schwierigkeiten im täglichen Leben zu
meistern. Die Tugenden von Ausdauer und Tapferkeit entwickeln sich mit
einem Leben in Keuschheit. Ein vollkommener Brahmachary kann die Welt
bewegen, die Wellen des Ozeans stoppen, so wie Jesus es konnte, er kann
Berge fortblasen, und er kann die Natur und die fünf Elemente wie
der
Yogi Jnana Dev beherrschen. Es gibt nichts in den drei Welten
(physikalische, astrale, kausale Welt), was er nicht erreichen
könnte.
Alle übernatürlichen Kräfte liegen ihm zu
Füßen.
Einige ignorante Menschen sagen: "Es ist
nicht recht, die Leidenschaften zu zähmen. Wir sollten nicht gegen
die
Natur angehen. Warum hat Gott junge hübsche Frauen geschaffen?
Seine
Schöpfung muss doch einen Sinn haben. Wir sollten uns daran
erfreuen
und uns fleißig fortpflanzen. Wir sollten Nachkommen zeugen,
damit
unser Stammbaum erhalten bleibt. Wenn alle Leute Sannyasins
(Entsagende) werden und in die Wäldern gehen, was würde dann
aus dieser
Welt werden? Dann würde unsere Rasse irgendwann aussterben. Wenn
wir
die Leidenschaften kontrollieren, werden wir krank. Wir müssen
viele
Kinder zeugen. Es gibt Glück im Haus, wenn wir viele Kinder haben.
Das
Glück einer Ehe kann nicht mit Worten beschrieben werden, so sagen
die
Leute. Kinder sind ihr Ein-und-Alles im Leben. Ich mag kein Vairagya
(Leidenschaftslosigkeit), kein Tyaga (Entsagung), kein Sannyasa
(Gelübde der Entsagung) und kein Nivritti (Weg der Entsagung).“
Dies
ist ihre simple Philosophie. Sie sind direkte Nachkommen von Charvaka,
dem Gründer der materialistischen Schule der Philosophie, und von
Virochana, dem vedantischen Anführer der Dämonen, der die
Philosophie
der Fleischeslust vertritt. Sie sind Anhänger der epikureischen1
Gedankenschule, die die Lust in den Mittelpunkt des Lebens stellte.
Konsum ist das Ziel ihres Lebens. Dieser gedankenlose Konsum hat eine
große Anhängerschaft. Sie sind Freunde Satans. Ihre
Philosophie ist
bedauernswert! Wenn sie ihren Besitz, ihre Frau und ihre Kinder
verlieren, wenn sie an einer unheilbaren Krankheit leiden, sagen sie:
"O Gott, befreie mich von dieser schrecklichen Krankheit. Vergib mir
meine Sünden. Ich bin ein großer Sünder." Aber vorher
verschwenden sie
keinen Gedanken an Gott.
Anmerkung Übersetzer:
1Ich stelle mir gerade die Frage,
ob Swami Sivananda hier nicht den Epikureismus mit dem Hedonismus
verwechselt, denn Epikur ging es nicht um den Konsum von
oberflächlicher sinnlicher Lust, sondern um Genüsse, die
durch
Erkenntnis, Gleichmut und Selbstdisziplin für eine heitere
Seelenruhe
sorgen. Im Hedonismus dagegen steht die Lust für materielle und
sinnliche Genüsse im Vordergrund, die mit einer egoistischen
Lebenseinstellung verbunden sind.
Ende Anmerkung.
Die Leidenschaft sollte um jeden Preis
kontrolliert werden. Nicht eine einzige Krankheit entsteht, wenn die
Leidenschaften kontrolliert werden. Ganz im Gegenteil erhältst du
durch
die Sinneskontrolle, unermessliche Energie, Freude und Frieden. Es gibt
wirkungsvolle Methoden, die Leidenschaften zu kontrollieren. Man sollte
sich dem Atman (Seele) zuwenden, wenn man seine Begierden besiegen
möchte. Genau so wie ein Fisch gegen den Strom schwimmt, so
solltest
auch du gegen die sinnlichen Ströme angehen. Nur dann kannst du
Selbstverwirklichung erreichen. Leidenschaft ist eine sehr unangenehme
Eigenschaft. Sie sollte kontrolliert werden, wenn du das Glück des
Atman genießen möchtest. Sexuelles Vergnügen ist in
Wirklichkeit kein
Vergnügen. Es ist eine geistige Täuschung. Es ist mit
Gefahren,
Schmerzen, Furcht, Anstrengung und Ekel verbunden. Wenn du Yoga oder
die Wissenschaft von Atman kennst, kannst du die entsetzlichen
Krankheiten, die durch die Leidenschaften entstehen, leicht
kontrollieren. Gott wünscht, dass du das Glück von Atman
genießt, das
durch den Verzicht auf weltliche Vergnügen erlangt werden kann.
Die
schönen Frauen und der Reichtum sind die Instrumente der Maya, der
Illusion, um dich zu täuschen und in ihre Netze zu verstricken.
Wenn du
also ein weltlich orientierter Mensch mit niedriger Gesinnung und
niederen Wünschen bleiben möchtest, dann kannst du
natürlich so
handeln. Du hast die Freiheit zu wählen.
Du kannst 350 Frauen heiraten und viele
Kinder zeugen. Niemand wird dich kontrollieren. Aber du wirst bald
feststellen, dass dieses Leben dir keine Zufriedenheit geben kann, weil
alle Dinge in Zeit, Raum und in ihren Ursachen voneinander
abhängen. Es
gibt Tod, Krankheit, Alter, Sorgen, Ärger, Ängste, Furcht,
Verluste,
Enttäuschung, Misserfolge, Hitze, Kälte, Schlangebisse,
Skorpionstiche,
Erdbeben und Unfälle. Du wirst nicht eine ruhige Minute finden.
Wenn
dein Verstand mit Leidenschaften und Unreinheiten besetzt ist, wird
dein Verständnis bewölkt und dein Intellekt verliert an
Leistungskraft.
Dann bist du nicht mehr in der Lage, die illusorische Natur des
Universums und das ewige Glück des Atman zu erkennen. Die
Leidenschaft
kann effektiv geprüft werden. Es gibt wirksame Methoden. Nach dem
Sieg
über deine Leidenschaften genießt du inneres Glück
durch Atman. Nicht
alle Männer können Sannyasins (Mönche) werden. Sie haben
verschiedene
Bindungen und Verpflichtungen. Sie sind in ihren Leidenschaften
gefangen und können daher nicht ihr Heim verlassen. Sie sind an
ihre
Frauen, ihre Kinder und ihr Vermögen gebunden. Hast du jemals in
den
Chroniken der Weltgeschichte gelesen, dass alle Männer Sannyasins
wurden? Das ist unmöglich. Warum glaubst du dann an die absurde
Idee,
die Weltbevölkerung könnte schrumpfen, wenn einige Sannyasins
sich zur
Meditation in die Waldeinsamkeit, in die Klöster oder in die
Höhlen des
Himalaya zurückziehen? Dieses ist ein scharfsinniger Trick deines
Verstandes, um deine unsinnigen Argumente und deine sinnlichen
Begierden zu unterstützen, die die sexuelle Befriedigung als eine
Lebensnotwendigkeit betrachtet.
Dieses zeigt deine Unwissenheit und
verdeutlicht deine leidenschaftliche Natur. Rege dich nicht über
diese
Welt auf. Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten. Gott ist
allmächtig. Und selbst wenn diese Welt vollständig evakuiert
ist,
selbst wenn sich alle Leute in die Wälder zurückziehen, wird
Gott mit
einem bloßen Augenzwinkern Millionen neue Menschen erschaffen, um
wieder ein Gleichgewicht herzustellen. Darüber solltest du dir
keine
Gedanken machen. Finde lieber Methoden um deine Leidenschaften zu
besiegen. Wir stehen heute vor dem Problem der
Überbevölkerung und
nicht vor dem Problem einer abnehmenden Bevölkerungsdichte.
Außerdem
haben die meisten Yogis, die sich in die Einsamkeit einer
Himalayahöhle, in ein Kloster, in die Wüste oder in einen
Wald
zurückziehen, um dort zu sich und zu Gott zu finden, ihre
familiären
Pflichten bereits hinter sich gebracht. Nicht jeder möchte sich
ehelich
binden. Besonders ein Yogaschüler sollte sich von den ehelichen
Fesseln
fern halten. Für den Yogaschüler bedeutet Heirat ein Fluch.
Für einen
Mann mit einer lüsternen Einstellung, ist es extrem schwierig,
seine
sinnliche Leidenschaften abzulegen, weil sie eine Art Gitter der
schützenden Wölbung seiner moralischen
Rücksichtslosigkeit ist. Darum
ist die Heirat für die große Mehrheit der Menschheit
sinnvoller, die
für ein Leben in absoluter Selbstbeherrschung noch nicht bereit
sind.
Von ihnen wird die Ehe als ein Sakrament betrachtet. Aber sie sollte
nicht als eine Lizenz zur Genusssucht betrachtet werden.
Nicht jeder, der geboren wird, möchte
sich
binden. Die Heirat bedeutet, sein Leben in einer gewissen Weise zu
ordnen. Aber heute hat die Ehe in der Gesellschaft einiges von der
moralischen Haltung verloren, die sie einst besaß. Dort, wo es
keine
Leidenschaften im Herzen gibt, wo der Wunsch nach Gott vorhanden ist,
wo es ein spirituelles Streben gibt, ist eine Ehe nicht unbedingt
erforderlich. Ein junger Mann, der sein Leben nach diesen Zielen
ausrichtet, kann das Leben eines Naishthik Brahmacharis führen,
eines
Brahmachari, der das Brahmacharya bereits seit seiner Kindheit
praktiziert. Eltern sollten ihre Kinder nicht zur Heirat zwingen. Sie
sollten das spirituelle Interesse ihrer Kinder nicht unterbinden. Viele
junge Männer, in denen es ein spirituelles Erwachen gibt,
schreiben zu
mir in bemitleidenswerten Wörtern: "Lieber Swamiji, mein Herz
schlägt
für höhere spirituelle Dinge. Ich habe für weltliche
Dinge kein
Interesse. Der materielle Leben interessiert mich nicht. Ich bin
bereits in den Maschen einer Heirat verwickelt. Meine Eltern zwingen
mich, gegen meinen Willen zu heiraten. Eigentlich müsste ich dem
Willen
meiner Eltern folgen. Sie bedrohten mich auf unterschiedlichste Weise.
Nun weine ich. Was soll ich jetzt tun?"
Jungen, die kein Wissen über diese Welt
und
dieses Lebens haben, werden mit 8 oder 10 Jahren verheiratet. Wir sehen
Kinder, die Kinder zeugen. Die Mütter sind Kindermütter. Ein
junger
Mann mit 18 Jahren hat 3 Kinder. Was für ein schrecklicher
Zustand!
Frühe Heiraten führen zu einem frühen Verlust des
Samens. Das führt zu
körperlichem und geistigem Abbau und zum frühen Tod. Sie
leben alle
sehr kurz. Häufiges Gebären zerstört außerdem die
Gesundheit der Frauen
und bringt eine Menge anderer Nachteile mit sich. Wir haben in Indien
verschiedene Gewohnheiten vom Westen, in Bezug auf Kleidung und Mode
übernommen. Dadurch sind wir zu gemeinen Nachahmern verkommen.
Aber im
Westen heiraten die Menschen erst, wenn sie in der Lage sind, eine
Familie ordentlich zu versorgen. Sie haben mehr Selbstbestimmung. Sie
sichern sich zuerst eine annehmbare berufliche Position, verdienen
Geld, sparen etwas und denken dann über eine Heirat nach. Wenn sie
nicht genügend Geld verdienen, bleiben sie mitunter ihr Leben lang
Junggesellen. Sie möchten keine Bettler in die Welt setzen, wie
dies in
Indien geschieht. Wer dieses menschliche Leid verstanden hat,
möchte
kein Kind mehr in die Welt setzen.
Die Liebe zwischen Eheleuten ist vor allem
körperlich, egoistisch und scheinheilig. Sie ist nicht konstant.
Sie
ist von einer kurzlebigen Natur und wird von sinnlichen Leidenschaften
und sexueller Begierde getragen. Sie ist mit niedrigeren Gefühlen
verbunden, mit einer lieblosen Natur. Und sie ist sehr begrenzt. Aber
göttliche Liebe ist endlos, rein, erfüllend und ewig. Hier
gibt es
keine Scheidung. In der Wirklichkeit gibt es vielfach keine innere
Verbindung zwischen Eheleuten. Prinzessin Savitri und Prinz Satyavan
aus der Mahabharata (indisches Epos), sowie der gebildete aber
gelähmte
Weise und Gelehrte Atri und seine Frau Anasuya, aus dem Ramayana, die
sich aufopferungsvoll um ihn kümmerte, sind sehr, sehr selten in
diesen
Tagen. Viele Eheleute sind nur aus egoistischen Gründen
miteinander
vereint. Selbst das Lächeln ist oft nicht echt. Was bleibt, sind
die
praktischen Dinge des Lebens und die körperliche Liebe.
Wenn es keine Vereinigung zweier Herzen
gibt, gibt es immer wieder Reibereien und Trennungen, misstrauische
Blicke und Streitereien. Wenn der Ehemann seine Frau nicht ins Kino
führt, gibt es Streit. Kann man dies Liebe nennen? Es ist vielmehr
ein
kommerzielles Geschäft. Wegen der Sinneslust haben die Männer
ihren
Stolz, ihre Unabhängigkeit und Würde verloren. Sie werden zu
Sklaven
der Frauen. Was für ein bemitleidenswertes Schauspiel! Der
Schlüssel
liegt bei der Frau. Aber für einen bestimmten Geldbetrag zeigt sie
Entgegenkommen. Und dennoch beteuert er, unter Selbsttäuschung und
der
Berauschtheit seiner Sinne, was er für eine süße und
liebevolle Frau
hat: "Sie ist wirklich anbetungswürdig, sie ist eine Göttin!"
In der
käuflichen Liebe kann es kein wirkliches Glück zwischen dem
Liebhaber
und seiner Geliebten geben. Liegt der Ehemann im sterben, nimmt die
Ehefrau das Sparbuch und geht damit ruhig zum Haus ihrer Mutter. Wenn
der Ehemann seinen Job verliert, ist sie böse mit ihm, beschimpft
ihn
und verweigert ihm ihre Liebe. Das ist egoistische Liebe. Es gibt keine
wirkliche Zuneigung. So gibt es immer nur Streit, Kämpfe und
Ruhelosigkeit in der Ehe. Ehemann und Ehefrau sind nicht wirklich
vereint. Sie ziehen sich gegenseitig runter und führen eine
freudlose
und trostlose Existenz.
Leidenschaft ist keine Liebe. Es ist ein
animalischer Instinkt, sinnliche Liebe, körperliche Liebe.
Verliert die
Frau ihre Schönheit, dann lässt der Ehemann sich scheiden und
heiratet
eine zweite Frau. Diese Sachlage charakterisiert die Welt. Ein Ehemann
liebt seine Frau nicht um ihrer Selbst willen, sondern um seines
eigenen Selbst willen. Er ist egoistisch. Er erwartet sinnliches
Vergnügen von ihr. Wenn eine Krankheit ihre Schönheit
zerstört, endet
seine Liebe zu ihr. Wenn die Frau stirbt, ertrinkt der Ehemann in
Sorgen. Aber nicht wegen des Verlustes seiner liebevollen Partnerin,
sondern weil er jetzt kein sexuelles Vergnügen mehr von ihr
bekommt.Wenn deine Frau jung und schön ist, bewunderst du ihr
lockiges
Haar, ihre rosigen Wangen, ihre feine Nase, ihre glänzende Haut
und
ihre strahlenden Zähne. Wenn sie ihre Schönheit aber wegen
irgendeiner
chronisch unheilbaren Krankheit verliert, dann wendest du dich anderen
Frauen zu. Hättest du deine Frau aber mit dem Bewusstsein
geheiratet,
das alles göttlich ist, hättest du verstanden, dass das
Selbst in dir
und in deiner Frau dasselbe ist, dann wäre deine Liebe für
sie rein,
selbstlos, dauerhaft und unzerstörbar. Genau so wie du alten
Kandiszucker oder alten Reis liebst, die erst mit einem gewissen Alter
ihr Aroma entfalten, so würdest du auch deine Frau immer mehr
lieben,
wenn sie älter wird. Das Wissen über Gott verstärkt die
Liebe und
vereint sie für immer.
Körperliche Liebe ist animalisch. Liebe
des
Körpers oder der Haut sind nur eine Leidenschaft. Sie ist nur eine
überspannte sexuelle Leidenschaft. Sie ist grob und sinnlich. Die
Leidenschaft für das Fleisch oder den Körper ist keine reine
oder
wirkliche Liebe. Es ist nur eine sexuelle Verhaftung, eine
Verliebtheit, die von der Unwissenheit getragen wird. Du frönst
deinen
sexuellen Leidenschaften und tötest dabei deine Seele. Sogar
berühmte
Popstars zeigen ihren Fans eine Zeit lang ihre Liebe im überfluss,
ihr
süßes Lächeln und ihre honigsüßen Worte. Sie
tun es so lange, wie sie
damit Geld verdienen können. Kannst du dies Liebe und wirkliches
Glück
nennen? Erkläre es mir aufrichtig. Du wirst Klugheit, Diplomatie,
Gerissenheit, Unehrlichkeit und Scheinheiligkeit finden. Es wirst kein
Element der Aufopferung in dieser Liebe zu finden sein.
Für leidenschaftliche Männer, die
ihre
Sinneslust nicht kontrollieren können, ist es besser, ein Leben
als
Familienvater zu führen. Wird jemand mit entsprechenden
spirituellen
Eigenschaften, mit einer angeborenen Unterscheidungskraft und
Leidenschaftslosigkeit, wie die Yogis Sankara oder Sadasiva Brahman
geboren, so wird er kein Familienvater. Er wird bereits als Kind nach
den Regeln des Brahmacharya leben. Die Srutis (indische Offenbarungen)
unterstützen das. Sie sagen: "Verzichte von dem Tag an auf die
Welt, an
dem du leidenschaftslos wirst“. Bei einigen behindert eine Heirat den
spirituellen Fortschritt; anderen hilft sie. Für den Sanskrit
Dichter
Raja Bhartrihari, der "Hundert Gedichte über die Liebe und
über die
Entsagung" schrieb, war es eine Behinderung. Für den heiligen
Dichter
und reichen Kaufmann Tukaram, der während einer großen
Hungersnot
seinen Besitz an Hungernde verschenkte, dadurch verarmte, seine Familie
verließ und in Tempeln lebte, war es eine Hilfe. Tukaram
erreichte
langfristig das gleiche Ziel. Man sollte allerdings versuchen, den
kürzesten Weg zu finden.
Ein Leben im Zölibat ist hundertmal
besser
als das Leben eines Ehemannes. Ich glaube an das Zölibat, weil es
die
versteckte Energie im Mann entfaltet. Brahmacharya ist die
Schnellstraße zur Gottesverwirklichung; Heirat ist der gewundene
Weg.
Der erste Weg ist dem letzteren auf alle Fälle vorzuziehen. Manch
einer
bevorzugt aber den zweiten Weg, um seine Leidenschaften zu reduzieren.
Natürlich ist es auch dem Verheirateten möglich,
Selbstverwirklichung
zu erlangen, obwohl er die Last einer Familie auf seinen Schultern
trägt. Der Heilige Tukaram war zweimal verheiratet und hatte
Kinder. Er
erreichte sein letztes Ziel, das Reich Gottes, in einem Vimana
(Raumfahrzeug). Wenn du bereit bist, ein einfaches Leben zu
führen,
treu und ehrlich, und wenn dein Partner fromm ist und dich in allen
Angelegenheiten unterstützt, dann ist gegen eine Heirat nichts
einzuwenden. Fühlt sich aber jemand nicht vom Eheleben angezogen,
dann
sollte er nicht heiraten.
Wenn du striktes Zölibat leben
möchtest,
dann solltest du nicht heiraten. Tricks dich nicht selber aus, indem du
sagst: "Ich praktiziere das Zölibat nach der Ehe.“ Am Ende wirst
du
dann womöglich das Zölibat doch nicht beachten. Du solltest
es aber als
deine Lebensaufgabe betrachten, dich selbst in Gott zu verwirklichen.
Hast du nicht schon ausreichend sexuelle Erfahrungen gesammelt?
Sexualität und Schlemmerei gehören zu den animalischen
Trieben des
Menschen. Sollten wir uns nicht davon lösen und spirituelle Ziele
anstreben? Warum verbrennst du den edlen Sandelholzbaum, um daraus
Holzkohle zu machen? Unser Leben ist sehr kostbar. Darum beneiden uns
sogar die Götter. Ist das Leben einmal verloren, dann ist auch die
Chance vertan, seine eigene Göttlichkeit zu verwirklichen.
Sinnliches
Vergnügen ist verlockend. Solange eine Person nicht das Objekt der
Begierde besitzt, solange ist er davon verzaubert. Befindet sich dieses
Objekt aber in seinem Besitz, schon hat er sich darin verheddert. Der
Junggeselle denkt tagein, tagaus, an eine Heirat. Aber erotisches
Vergnügen wird ihm keine Zufriedenheit schenken. Es verschlimmert
und
intensiviert nur seine Wünsche und macht den Geist, durch die
Verstrickung in die Leidenschaft, noch ruheloser und begieriger.
Irgendwie hat er das Gefühl, in Gefangenschaft zu sein. Dies ist
ein
Gaukelspiel der Maya, der Illusion, der Täuschung. Die Welt ist
voller
Versuchungen.
Du kannst durch weltliche Objekte kein
Glück
erlangen. Es ist nur materialistisches Gift. Außerdem ist die
Heirat
eine lebenslängliche Gefangenschaft. Es ist die größte
Knechtschaft auf
der Erde. Der Junggeselle, der einst frei war, liegt im Joch. Seine
Hände und Füße liegen in Ketten. Dies ist die Erfahrung
vieler
verheirateter Leute. überlege dir also sehr genau, was du
möchtest. Ein
Entkommen ist nach der Heirat kaum noch möglich. Erkenne den Glanz
eines spirituellen Pfades und die großen Schwierigkeiten,
Probleme,
Sorgen und Mühen, die eine Heirat mit sich bringt. Darum
intensiviere
deine Leidenschaftslosigkeit. Du hast ein Geburtsrecht auf
göttliches
Bewusstsein. Eine Heirat ist ein scharfer Einschnitt im Leben eines
Menschen. Folglich sei mit dem Frieden vermählt. Die
Leidenschaftslosigkeit sei dein ehrenwerter Sohn, die
Unterscheidungskraft, deine großartige Tochter. Iss die
köstliche
Frucht der göttlichen Weisheit, die dir ein langes und
glückliches
Leben beschert. Wenn du kannst, dann heirate nicht. Ein Entweichen ist
nach der Heirat nicht mehr möglich. Eine Heirat hat sehr angenehme
Seiten, sie bringt aber auch viele Verpflichtungen mit sich. Was aber
taten Buddha, Pattinattu Swami, Bhartrihari und Gopichand? Hatten sie
nicht ein angenehmes und friedliches Leben?
Die Lust ist der größte Feind auf
Erden. Sie
verschlingt einen Mann. Nach dem Geschlechtsakt folgt die Depression.
Dein Intellekt ist dann nicht mehr so leistungsfähig. Wegen des
permanenten Samenverlustes, leidest du schon bald unter Krankheiten,
Depressionen, Schwächegefühl und dem Verlust deiner
Vitalität. Folglich
wirst du einen frühen Tod erleiden. Darum rate ich dir,
praktiziere ein
lebenslanges Zölibat. Befreie dich selbst aus deinem Elend, von
deinen
Sorgen und Beschwerden. Dort, wo Licht ist, kann kein Schatten sein.
Dort, wo sinnliches Vergnügen herrscht, kann nicht das Glück
des Atman
(Seele) sein. Weltliche Menschen wollen beides zugleich, sinnliches
Vergnügen und das Glück des Atman. Das ist aber absolut
unmöglich. Sie
wollen nicht auf das sinnliche Vergnügen verzichten. Sie besitzen
keine
Leidenschaftslosigkeit in ihrem Herzen. Weltliche Männer glauben,
dass
sie glücklich sind, wenn sie einige Ingwerkekse, etwas Geld und
eine
Frau besitzen. Alle weltlichen Vergnügungen sehen am Anfang wie
Nektar
aus, aber werden am Ende zu Gift. Ist man erst einmal verheiratet, dann
kann es sehr schwer sein, sich von den Fesseln der sinnlichen
Verhaftung zu lösen. Sei furchtlos. Löse dich von diesen
Illusionen,
löse dich von deinen sinnlichen Verhaftungen. Kontrolliere deine
Wünsche und deinen Verstand. Dann wirst du allmählich
Wunschlosigkeit
entwickeln und ein perfekter Brahmachari sein.
Ein Akhanda
Brahmachari, ist ein Brahmachari, der 12 Jahre keinen Tropfen Samen
abgegeben hat. Praktizierst du über 12 Jahre ununterbrochen
Brahmacharya, dann erfährst du, ohne weitere spirituelle Praktiken
Erleuchtung. Die Samenenergie ist ein starke Shakti (kosmische Kraft,
Kundalini). Der Samen ist Brahman (Gott) selbst. Ein Brahmachari, der
über zwölf Jahre das Zölibat praktiziert, erreicht
Nirvikalpa
(Erleuchtung) in dem Moment, indem er das Mahavakya (vier wichtige
vedantische Sätze) hört: „Tat Tvam Asi“ (Das bist du), weil
sein
Verstand dann extrem rein, stark und einpünktig ist.
Mahavakya
Vier Sätze der Upanishaden, die die
höchste
vedantische Wahrheit oder die Identität von individueller Seele
(Atman)
und absoluter Seele (Brahman) ausdrücken:
1. Prajnanam Brahma - Bewusstsein ist
Brahman
2. Aham Brahmasmi - Ich bin Brahman 3. Tat Tvam Asi - DAS bist du 4. Ayam Atma Brahma - Dieses Selbst ist Brahman Ein Akhanda Brahmachari, der während
einer
Periode von zwölf Jahren nicht einen Tropfen Samen vergeudet,
erreicht
ohne weitere Bemühungen Samadhi. Prana (Atmung) und Verstand sind
unter
seiner vollkommenen Kontrolle. Akhanda Brahmacharya wird ebenfalls als
Bala Brahmacharya bezeichnet. Ein Akhanda Brahmachari hat eine starke
Konzentrationskraft, Erinnerungskraft und Unterscheidungskraft. Er
braucht keine intellektuelle Reflexion (Nachdenken) und keine tiefe
Meditation zu üben. Selbst wenn er das Mahavakya nur einmal
hört,
erfährt er sofort Selbstverwirklichung. Sein Intellekt ist rein
und
sein Verständnis ist extrem klar. Akhanda Brahmacharins sind sehr,
sehr
selten; aber es gibt einige. Du kannst ebenfalls ein Akhanda
Brahmachari werden, wenn du es ernsthaft versuchst. Du musst sehr
sorgfältig auf Gegenreaktionen achten. Die Sinne werden einige
Monate
oder vielleicht auch ein oder zwei Jahre lang rebellieren, wenn du
nicht aufmerksam und vorsichtig bist. Sie rebellieren und leisten
Widerstand, wenn sich die Gelegenheit bietet. Schließlich wurde
die
Sexualität meist über Jahrzehnte in Richtung sexueller
Befriedigung
konditioniert. Einige Leute, die ein oder zwei Jahre lang Brahmacharya
praktizieren, begehen den Fehler, dass sie unachtsam werden, und
vergeuden am Ende wieder ihre ganze Energie. Verfilzte Haare und das
Auftragen von Asche auf der Stirn und dem Körper, wie es von Yogis
praktiziert wird, kennzeichnen keinen Akhanda Brahmachari. Der
Brahmachari, der den Körper und die Sinnesorgane kontrolliert,
dabei
aber ständig sexuelle Gedanken in seinem Kopf hat, hat das Ziel
noch
nicht erreicht. Er sollte seinen Weg weiter fortsetzen. Dann
verschwinden auch die sinnlichen Gedanken.
Sei nicht mit jedem gleich zu vertraut.
Vertrautheit erzeugt Verachtung. Habe nicht zu viele Freunde. Buhle als
Sannyasin (Mönch) nicht um Freundschaften mit Frauen und halte ein
wenig Distanz, wenn du nicht frei von lüsternen Gedanken bist. Es
könnte sonst dein Untergang sein. Vergiss niemals, aus "Freunde"
werden
mitunter die ärgsten Feinde. Verkehre möglichst nicht mit
Mitgliedern
des anderen Geschlechts. Maya, die Illusion, arbeitet sehr
unterschwellig, so dass dir dein Sturz gar nicht bewusst wird. Die
subtilen sexuelle Begierden können sich mitunter ohne
Vorankündigung
urplötzlich einstellen. Erst begehst du Ehebruch, und danach
bereust du
es. Dann löst sich dein Charakter und dein guter Ruf in Luft auf.
Ein
schlechter Ruf kann schlimme Folgen haben. Ehebruch bedeutet eine tiefe
Verletzung des Partners. Es gibt keine Buße, die dieses Tat
ungeschehen
machen könnte. Pass also auf, sei vorsichtig. Bhagavan Dattatreya,
eine
hinduistische Gottheit, der die drei Aspekte des Brahma
(Schöpfung),
des Vishnu (Erhaltung) und des Shiva (Zerstörung) in sich vereint,
hat
die Frau mit einer brennenden Grube aus Feuer und den Mann mit einem
Topf Büffelbutter verglichen. Wenn die Büffelbutter mit dem
Feuer in
Berührung kommt, verbrennt sie. Folglich ist es besser, solche
Feuerspiele zu vermeiden. übernachtest du in einer
öffentlichen
Wohlfahrtseinrichtung, und in einem benachbarten Raum übernachtet
eine
alleinstehende Frau, dann übernachte woanders. Du weißt
sonst nicht,
was geschehen wird. Es ist ratsam, die Gefahrenzone rechtzeitig zu
verlassen, gleichwohl wie stark du durch die Praxis von Tapas (Askese)
und Meditation sein magst. Setze dich nicht der Versuchung aus.
Prüfe deine spirituelle Stärke und
Reinheit
nicht, wenn du ein Anfänger auf dem spirituellen Weg bist. Begib
dich
nicht in schlechte Gesellschaft, wenn du ein spiritueller Anfänger
bist, um zu zeigen, dass du den Mut hast, der Sünde und Unreinheit
entgegen zu treten. Es ist ein gravierender Fehler. Sonst wirst du in
eine Gefahr laufen. Du wirst einen schnellen Absturz erleben. Ein
kleines Feuer kann sehr leicht gelöscht werden. Sogar Yogis, die
große
Fortschritte im Yoga gemacht haben, sollten sehr achtsam sein. Sie
sollten Frauen möglichst meiden. Sie sollten nicht so töricht
sein, zu
glauben, sie seien bereits große Yogameister. Ein großer
Heiliger
erlebte einmal einen Absturz. Er lebte mit Frauen zusammen und bildete
Schülerinnen aus, denen er erlaubte, seine Beine zu massieren. Da
die
sexuelle Energie nicht vollständig sublimiert war, und die
Sinneslust
immer noch in einer subtilen Form in seinem Verstand lauerte, wurde er
ein Opfer seiner Leidenschaften. Er verlor sein Ansehen. Der sexuelle
Wunsch war immer noch bei ihm vorhanden und als eine passende
Gelegenheit kam, hatte er nicht die Stärke und Willenskraft, der
Versuchung zu widerstehen. Eine andere große Seele, die von
seinen
Schülern als ein Avatar angesehen wurde, wurde ein Yoga Bhrashta,
ein
vom Yoga gefallener. Er vertrieb seine Zeit mit Frauen und verübte
einen Fehltritt. Er wurde ein Opfer seiner Lust. Was für ein
trauriges
Unglück! Yogis klettern unter großen Mühen die Sprossen
des Yoga empor.
Sie können aber sehr schnell wieder abstürzen, wenn sie
leichtsinnig,
unachtsam oder überheblich sind.
Die Anwesenheit einer Frau, oder die
Erinnerung an eine Frau, sorgen normalerweise beim Einsiedler, der
diese Welt zur spirituellen Läuterung verlassen hat, für
sinnliche
Gedanken und berauben ihn um die Früchte seiner Entbehrungen. Es
ist
sehr schwer, das Vorhandensein der subtilen Sinneslust im Verstand von
anderen, besonders bei einem spirituellen Einsiedler zu erkennen, aber
der Blick, die Stimme, die Gesten, der Gang und das Verhalten
können
einen Anhaltspunkt geben. Bedenke, wie Yogi Bhartrihari weinend
während
seiner spirituellen Praxis zu Gott flehte: "O mein Gott! Ich
verließ
meine Frau, mein Heim. Ich lebe von Blättern, Früchten und
Wurzeln. Die
Erde ist mein Sofa. Der blaue Himmel ist mein Baldachin. Die Unterkunft
ist meine Bekleidung. Aber die Leidenschaft hat mich nicht verlassen."
So ist die Energie der Leidenschaft.
Einfügung vom Übersetzer.
Jerome (Hieronymus, bürgerlicher Name: Eusebius Sophronius Hieronymus, franz.: Jerome, Kirchenlehrer, Heiliger) schreibt über die jungfräuliche Heilige Eustochium, über ihren Kampf mit der Enthaltsamkeit und die Energie der Sinneslust: "Wie oft stellte ich mir in der Wüste, in dieser unermesslichen Einsamkeit, die durch die Hitze der Sonne verbrannte, in einem schrecklichen Kloster lebend vor, an den Wonnen Roms teilzuhaben! Aber ich war allein. Meine Glieder wurden durch einen erbärmlichen Sack bedeckt und meine Haut war so schwarz wie die der Äthiopier (Ostafrika). Täglich weinte und stöhnte ich. Und wenn mich wiederwillig der Schlaf überkam, lag mein magerer Körper auf der bloßen Erde. Gar nicht zu sprechen erst von meiner Ernährung und den Getränken in der Wüste. Auch Invaliden haben keine Getränke, aber sie haben kaltes Wasser. Da ich mich aus Furcht vor der Hölle selbst zu diesem Gefängnis, zu deren Gesellschaft Skorpione und wilden Tieren gehören, verurteilt hatte, hatte ich häufig die Phantasie, mitten unter einer Gruppe Mädchen zu sein. Mein Gesicht war blass vom Fasten und in meinem Verstand entflammte das Feuer der Sinneslust, welches bereits tot zu sein schien.“ So ist die Energie der Sinneslust. Ende Einfügung Übersetzer. Der Verstand ist der Same der Welt. Es ist
der Verstand, der diese Welt gestaltet. Die Welt existiert
hauptsächlich innerhalb deines Verstandes. Die Bilder der Objekte
werden von deinem Verstand entworfen. Der Verstand erzeugt Wünsche
und
Phantasien, wenn er diese Objekte nicht erhalten kann und richtet damit
großen Schaden an. Sind deine Gedanken aber vollständig auf
Gott
gerichtet, dann stirbt die Verhaftung an alle sinnlichen Objekte.
Lebten die Yogis meist in den Wäldern, in den Höhlen des
Himalaya oder
in Klöstern, so lebten Jesus und Mohammed zur Kontemplation und um
zu
fasten für längere Zeit in der Wüste. Auch die ersten
moslemischen
Sufis und frühchristlichen Mönche lebten meist in der
Wüste. Die
jüdischen Rabbiner werden niemals müde, die Bedeutung dessen
zu
unterstreichen, dass ihnen die Zehn Gebote und die Tora am Berge Sinai
in der öden Wüste geschenkt wurden.
Gott unterwirft dem spirituellen Aspiranten
einige Versuchungen, um seine spirituelle Stärke zu prüfen.
Er gibt ihm
aber auch die Stärke, diese Versuchungen zu besiegen. Die
stärkste
Versuchung in der Welt ist die Sinneslust. Alle Heiligen haben diesen
Versuchungen widerstanden. Sogar Buddha wurde auf seine geistige
Reinheit geprüft. Er musste Versuchungen jeder Art widerstehen.
Und
zwar nicht nur als er Erleuchtung unter dem Bodhibaum in Gaya fand. Der
Satan versuchte Jesus auf verschiedene Weise. Die Leidenschaft ist sehr
stark. Viele können ihr nicht widerstehen. Man muss sehr acht
geben.
Der Yogaschüler muss einen sehr hohen Standard an geistiger
Reinheit
entwickeln. Dann alleine wird er in der Lage sein, solche
Prüfungen zu
bestehen. Gott versetzt den Yogi in sehr ungünstige Umfelder, um
ihn zu
prüfen. Sie werden z. B. von jungen Mädchen versucht. Ist der
Yogi zu
Ruhm gekommen, dann hat er oft Kontakt mit normalen Menschen. Frauen
fangen an, sie anzubeten. Sie werden zu ihren Schülerinnen. Dann
müssen
die Yogis sehr achtsam sein, um keine Fehler zu begehen. Solche
Abstürze gab es leider schon viele. Yogis sollten unauffällig
leben und
sich den normalen Leuten anpassen.Obwohl sich der Weise Visvamitra in
den Veden strengen Entbehrungen unterzog, wurde er durch seine
unruhigen Sinne davongetragen, als er zufällig auf eine himmlische
Nymphe stieß, die ihm vom Kriegsgott Indra gesandt wurde, um
seine
Askese zu stören.Wenn selbst Visvamitra, der von Blättern,
Luft und
Wasser lebte, Opfer der Sinneslust wurde, wie erst mag dann das Leben
weltlich gesinnter Menschen sein, die über ein reiches
Nahrungsangebot
verfügen? Bevor sie ihre Leidenschaften kontrollieren, schwimmt
das
Vindhyagebirge (Gebirgszug in Nordindien) auf den Ozean und Feuer
brennt abwärts.
Der sexuelle Instinkt ist sehr stark. Der
sexuelle Drang ist beeindruckend. Er kann sich selbst in den hintersten
Regionen des Verstandes verstecken und dich überfallen. Bist du
einmal
nicht aufmerksam, dann greift er dich mit doppelter Kraft an.
Visvamitra wurde ein Opfer der Nymphe Menaka, einer himmlischen
Tänzerin aus dem Palast des Kriegsgottes Indra. Ein anderer
großer
Rishi (Weiser) wurde ein Opfer der Nymphe Rambha. Die Asparas sind
Nymphen aus der hinduistischen Mythologie. Unter allen Nymphen nehmen
Rambha, Urvashi, Menaka und Tilottama eine besondere Stellung ein.
Diese vier Nymphen werden von Indra wiederholt zu den Menschen auf der
Erde gesandt, um Weise, die mit ihrer Enthaltsamkeit und ihrem Streben
nach spiritueller Perfektion eine Gefahr für Indras oder anderer
Götter
Vormachtstellung zu werden drohen, zu verführen, und sie von ihrem
Weg
abzubringen. Der Gelehrte Jaimini (2./3. Jh. n.Chr.), der Verfasser der
Mimansa-Sutren, die sich mit vedischen Opferritualen beschäftigt,
wurde
durch die unaufrichtige Masa versucht. Ein anderer mächtiger
Weiser
wurde durch den Anblick des Paarungsverhaltens von Fischen ermuntert.
Ein Yogaschüler wurde gar von der Frau seines Gurus mitgerissen.
Viele
Yogis sind sich dieser geheimen Bedrängnis, dieses
heimtückischen
Feindes, nicht bewusst. Sie denken, dass sie sicher und rein sind.
Werden sie aber versucht, dann werden sie zu hoffnungslosen Opfern.
Darum bleibe lieber alleine, meditiere und beseitige dieses Verlangen.
Geld und Frauen glänzen heller als Gott
für
einen unwissenden, leidenschaftlichen Mann. Maya, die Illusion ist sehr
stark. Adam verfiel wegen eines unachtsamen Augenblicks der Versuchung.
Die verbotene Frucht sah in den Augen der Menschen immer schon sehr
verführerisch aus. Eine Säule sieht wie eine himmlische
Göttin aus und
veranlasst dich, in Ehrfurcht vor ihr zu verneigen. Die Ketten aus Gold
können zerschnitten werden, aber nicht die seidenen Maschen der
Illusion. Ein einzelner unachtsamer Moment reicht aus, das ganze
Schmuckkästchen der Perlen der guten Vorsätze, in den dunklen
Abgrund
der Leidenschaften und der Sinneslust zu stoßen.Verschiebt man
Moos in
einem Blumenkübel ein wenig, so hat es schon nach einem winzig
kleinen
Moment seine Ausgangsposition wieder eingenommen. So ähnlich
wickelt
die Illusion selbst den Klügsten ein, wenn er auch nur eine Minute
unachtsam ist. Darum ist stete Wachsamkeit auf dem spirituellen Pfad
erforderlich. Ein Sprichwort sagt: "Zwischen Glas und Lippe gibt’s
manche Klippe.“ Bevor du anfängst, die Frucht der Weisheit zu
essen,
hat der Affe der Täuschung (Maya) sie dir schon aus der Hand
geschnappt. Selbst wenn du sie schluckst, kann sie dir im Halse stecken
bleiben. Darum solltest du wachsam und vorsichtig sein, bis du die
höchste Erkenntnis erlangt hast. Du solltest deine spirituelle
Praxis,
nicht unter der falschen Annahme beenden, dass du das Ziel bereits
erreicht hast.
Der, der in Abgeschiedenheit lebt, ist
Versuchungen und Gefahren stärker ausgesetzt. Er muss sehr
vorsichtig
und aufmerksam sein. Der Verstand wird versuchen, ihn zu
verführen, da
es niemanden gibt, der ihn zur Besinnung ermahnt. Alle
unterdrückten
und verdrängten Gedanken warten nur auf eine Gelegenheit, um mit
doppelter Kraft anzugreifen. Er ist wie ein Mann, der sich mit einem
Tiger, einer Schlange und einem Bären in einem Käfig
befindet. Die
Feinde Wut, Sinneslust und Geldgier werden listig versuchen, dich zu
besiegen. Wenn du den spirituellen Weg allein beschreitest, dann werden
sie versuchen, dich zu überfallen, so wie der Dieb den einsamen
Reisenden im dichten Wald überfällt. Darum lebe lieber in der
Gesellschaft von Weisen. So kannst du dich nicht verirren.
Ein Mann, der das Rauchen und das Trinken
aufgegeben hatte, wollte Brahmacharya praktizieren, obwohl er
verheiratet war. Seine Frau hatte nichts dagegen einzuwenden, aber er
selbst hatte einige Mühe damit. Besonders schwer fiel es ihm,
seine
Blicke zu kontrollieren. "Die Straße ist mein Hauptfeind", sagte
er vor
kurzem zu mir. Das heißt, dass der Blick von hübschen Frauen
angezogen
wird. Ein anderer Yogaschüler sagte: "Während ich Pranayama
(Atemübungen), Japa (Mantrameditation) und Meditation übte,
war mein
Verstand rein, selbst wenn ich halbnackte junge Frauen sah. Aber als
ich die Praxis nachließ, war ich nicht in der Lage, mein Schauen
zu
kontrollieren. Dann wurde mein Blick magisch von hübschen Frauen
und
den erotischen Bildern in den Straßen angezogen. Der Strand und
die
Einkaufsstraßen sind meine Feinde.“ Die, die Brahmacharya
üben, sollten
ihre Blicke kontrollieren. Dieser Impuls kann sonst zu einer Gefahr
werden, da er die Neugier und die sexuellen Wünsche anregt. Durch
lüsterne Blicke erwachen subtile Begierden. Das Betrachten einer
hübschen Frau verursacht den Wunsch, mit ihr zu sprechen. Die
Unterhaltung mit einer hübschen Frau verursacht den Wunsch, sie zu
berühren. Vielleicht hast du unreine Gedanken und wirst zum Opfer
deiner Lust. Darum betrachte keine Frau mit lüsternen Blicken.
Sprich
mit ihr nicht über intime Dinge. Sei nicht zu vertraut.
Es hat keinen Nachteil, wenn man einen
schönen Gegenstand betrachtet; aber du musst ein göttliches
Gefühl
entwickeln. Du solltest glauben, dass alles eine Erscheinungsform
Gottes ist. Reinige deine Gedanken und Gefühle. Reinheit ist
Brahman,
Reinheit ist Gott. Sei eine Verkörperung der Reinheit. Wiederhole
geistig das Mantra: "Reinheit, Reinheit. Ich bin Reinheit, ich bin
Reinheit" und versuche diesen unvergleichlichen Zustand der Reinheit zu
erreichen. Du hast keinen lüsternen Blick, wenn du deine Mutter
oder
deine Schwester siehst, obwohl sie hübsch, gut gekleidet und mit
Blumen
geschmückt sind. Du betrachtest sie mit Zuneigung und Liebe. In
deinem
Kopf sind keine lustvollen Gedanken. Du solltest solche reinen Gedanken
auch entwickeln, wenn du andere Frauen betrachtest. Gibt es
Unreinheiten hinter deinen Blicken, dann gleicht dies einem Ehebruch.
Eine Frau mit lüsternem Herzen zu betrachten, gleicht einem
sexuellem
Vergnügen. Es ist eine Art Geschlechtsverkehr. Dies ist der Grund,
warum Jesus sagte: "Wenn du eine Frau mit lüsternem Blick
betrachtest,
hast du bereits Ehebruch in deinem Herzen begangen."
Du wirst keinen Schaden haben, wenn du eine
Frau mit tugendhaftem Blick betrachtest. Wenn du eine junge Dame
betrachtest, dann solltest du denken: "Ich verneige mich vor dir, O
Mutter". Betrachte sie als eine Erscheinung der Göttin Kali. Wer
hat
diesen hübschen Körper geschaffen? Dahinter gibt es einen
allmächtigen,
alles durchdringenden und barmherzigen Schöpfer. Der Körper
aber
besitzt nur eine vorübergehende Schönheit. Gott der
Schöpfer ist ewige
Schönheit. Er ist die Verkörperung der wahren Schönheit.
Er ist die
Urquelle der Schönheit. Erkenne seine Schönheit durch
Meditation. Du
solltest Gefühle der Hingabe, der Bewunderung und der Ehrfurcht
entwickeln, wenn du auf den Schöpfer dieser Schönheiten
schaust. So
kommst du nicht in Versuchung. Studierst du die Vedanta, die wichtigste
Schrift der indischen Philosophie, dann weißt du: "Alles ist das
Selbst
(Gott). Die Namen und Formen der äußeren Dinge sind nur
Illusionen. Sie
haben keine unabhängige Existenz neben dem Selbst." Wie sollten
die
Weisen von einst, den Frauen das Wissen über Atman (Seele)
vermitteln,
wenn sie die Frauen nicht anschauten? Viele Frauen betrachteten es
außerdem als eine Ehre, einem Yogi zu dienen. Die Maxime,
betrachte
kein Bild von einer Frau, gilt für leidenschaftliche Männer,
die keine
Selbstkontrolle besitzen. Der Weise Yajnavalkya lehrte seiner Frau
Maitreyi das Wissen über Atman. Die Tochter von König
Janasruti diente
dem Weisen Raikva. Raikva war ein Naishthik Brahmachari, ein
Brahmachari, der das Brahmacharya bereits seit seiner Kindheit
praktizierte.
Sogar der befreite Weise, richtet seine
Augen aus Gewohnheit auf die Objekte. Er betrachtet das Innere der Frau
als Ausdruck des Atman. Er empfindet kein sinnliches Verlangen. Der
weltliche Mann dagegen betrachtet das äußere der Frau und
entwickelt
lustvolle Gedanken. Er denkt nicht an den Atman, der hinter der
äußeren
Schönheit ist. Der normale Mann fühlt sich von der
Schönheit der Frau
angezogen. Das ist der Unterschied zwischen einem weltlich orientierten
Mann und einem Weisen. Bei einem Weisen gibt es keine
Voreingenommenheit und keine sinnlichen Gedanken, wenn er eine Frau
betrachtet. Der Weise bewundert die Schönheit einer Frau genau so,
wie
die Schönheit einer Rose, die Schönheit des Meeres, der
Sterne oder die
Schönheit einer Landschaft. Denke daran, dass die Schönheit
einer Frau
zur Schönheit der Natur gehört, einer Natur, die Ausdruck
Gottes ist.
Wann immer du eine Frau siehst, stelle dir die Frage: "Wer ist der
Schöpfer dieser hübschen Frau?" Und sofort stellt sich
Bewunderung,
Demut und Hingabe bei dir ein. Wirfst du aber lüsterne Blicke auf
die
Frau, dann beginnt es in dir zu brodeln. Du begehst Ehebruch im Herzen.
Lüsterne Gedanken haben Knechtschaft und Elend zur Folge.
Die Schönheit in den Gesichtern der
Frauen,
ist die Schönheit Gottes. In dieser Weise solltest du sie
bewundern.
Dann wirst du keinen Schaden nehmen. Frauen sind ein Symbol der
Schönheit. Sie sind ein Symbol der Stärke. Sie sprechen zu
dir in der
Sprache des Schweigens: "Ich bin eine Repräsentantin der Adi
Sakti, der
göttlichen Energie. Sieh Gott in mir. Sieh die göttliche
Mutter Kali in
mir. Verwirkliche Gott durch mich. Bete Gott als Verkörperung der
Schönheit an. Verehre ihn als Verkörperung der Energie.
Erkenne seine
Allmacht." Denke immer und immer wieder daran, dass die Schönheit
eines
Gesichtes, die Schönheit Gottes ist. Göttliche Gefühle
sollten in dir
aufsteigen, wenn du in das hübsche Gesicht einer Frau blickst.
Studiere
das zehnte Kapitel der Bhagavad Gita, Vibhuti Yoga (Der erhabene Schatz
des Absoluten), immer und immer wieder.
Unreine Gedanken, die beim Anblick einer
Frau entstehen, verschwinden allmählich, wenn deine Reinheit durch
regelmäßiges Japa und Meditation wächst. Es dauert
einige Zeit, bis die
alten lüsternen Eindrücke im Unterbewusstsein beseitigt sind
und sich
ein neues Bewusstsein gebildet hat. Dann steigen allmählich reine
Gedanken auf. Richte deinen Blick auf Gott. Versuche immer wieder, die
Frauen als Göttinnen zu betrachten, dich von der sexuellen
Vorstellung
zu lösen und nicht im Körperlichen zu verhaften.Wann immer
sich
lüsterne Gedanken einstellen, dann denke daran, dass selbst die
hübscheste Frau nur aus Fleisch, Knochen, Urin, Schweiß und
Fäkalien
besteht. Dieses verursacht Abscheu und Leidenschaftslosigkeit. Dann
wirst du nie wieder einen unkeuschen Blick auf eine Frau richten.
Frauen, die ebenfalls das Brahmacharya praktizieren, sollten in
ähnlicher Weise vorgehen.
Du solltest nicht nur Abscheu entwickeln,
sondern dich auch von der sexuellen Verhaftung befreien. Bist du nicht
extrem erschrocken, wenn eine Kobra direkt auf dich zukommt? Die
gleiche Einstellung solltest du besitzen, wenn lüsterne Gedanken
in
deinen Verstand eindringen. Dann nur wird die sexuelle Anziehung
allmählich nachlassen. Selbst auferlegte Bußen sollen
helfen, sich
lüsternen Gedanken hinzugeben. Verzichte auf das Abendessen, wenn
du
dich lüsternen Gedanken hingegeben hast. Mache zwanzig Japas
(Mantrameditation) mehr auf der Mala (Gebetskette). Trage einen
Lendenschurz oder ein Langoti (eine Art Tanga) um Buße zu tun.
Betrachte eine Frau nicht mit lüsternem Auge. Wenn sie alt ist,
betrachte sie als deine Mutter. Wenn sie jung ist, als deine Schwester.
Und wenn sie sehr jung, als dein Kind. Du kannst das Gefühl
entwickeln,
das alle Frauen deine Mütter und Schwestern sind. Befolge eisern
diese
Praxis. Wenn du auf der Straße gehst, dann schaue nicht wie ein
Affe
hierhin und dorthin. Gehe in dich gekehrt mit würdigen Schritten
durch
die Straße, in der Haltung eines Guru. Dies wird es dir
erleichtern,
nicht gegen die Gebote des Brahmacharya zu verstoßen.
O Kind von unsterblichem Wesen! Du bist
lange Zeit mit lüsternen Augen durch die Welt gegangen. Kultiviere
dein
Urteilsvermögen und lerne die Kunst der Unterscheidung. So
gewinnst du
ein großmütiges Sehvermögen. Dann wird dir die ganze
Welt als eine
Masse kristallisierten Glücks erscheinen. Dann wirst du kein
Übel und
keine Hässlichkeit finden. Es ist nicht zu leugnen, dass die
Sinneslust
die mächtigste Kraft ist, die man überwinden sollte.
Äußerlich kannst
du sagen: "Ich sehe die Frau als meine Mutter, ich betrachte sie als
meine Schwester." Aber selbst wenn du dich bemühst, alle guten
Vorsätze
zu beachten, so spielt dir dein Geist doch immer wieder einen Streich.
Es zieht ihn immer wieder in die falsche Richtung. Immer wieder
schleichen sich sinnliche Wünsche und Gedanken in den Verstand.
Sie
sind fast ebenso schlimm wie die Tat. Solltest du einmal auf die Probe
gestellt werden, dann wirst du vielleicht hoffnungslos versagen, da du
keine Kontrolle über deine Sinne hast.
Es gibt nichts, was der Yogi nicht erreichen
könnte, wenn er seinen Verstand kontrolliert. Je größer
die
Schwierigkeit, desto größer ist der Glanz des Erfolges.
Versuche es
immer wieder. Betrachte die Frau nicht als Sexualobjekt. Wenn du dazu
nicht in der Lage bist, und die Frauen weiterhin mit lüsternem
Blicken
betrachtest, dann stelle dir in deiner Phantasie das Bild einer Leiche,
eines Skeletts oder einer verrunzelten, kranken und alten Frau vor und
behalte es solange in deinem Gedächtnis, bis du mit Ekel
erfüllt bist.
Dieses wird dir ermöglichen, deine Leidenschaften zu
überwinden.
Gleichzeitig nimm Zuflucht zu den Lotosfüßen der Göttin
Devi, die alle
anderen Göttinnen in sich vereint. Bete zu ihr und bitte sie um
die
Stärke, den Versuchungen der Leidenschaft zu widerstehen und sie
zu
besiegen. Durch eine aufmerksame und konstante spirituelle Praxis, wird
es dir gelingen, allmählich Fortschritte zu erzielen.
Anmerkung des Übersetzers: Die Betrachtung der Frau als Leiche oder Skelett, sowie als alte, verrunzelte und kranke Frau, geht vermutlich auf Buddha zurück. Buddha ersann insgesamt 40 Meditationsmethoden, wobei sich zehn Meditationsmethoden auf die Unreinheiten des Körpers bezogen. Detailliert kann man dies im Palikanon unter "Der Weg zur Erlösung" nachlesen. Ende Anmerkung Übersetzer.
Die Ernährung spielt beim Brahmacharya
eine
wichtige Rolle. Eine reine und gesunde Ernährung hat einen reinen
Geist
zur Folge. Verschiedene Arten der Ernährung haben unterschiedliche
Auswirkungen auf dem Verstand. Es gibt bestimmte Arten der Nahrung, die
den Verstand und den Körper sehr stark machen. Darum ist es sehr
wichtig, dass wir reine und natürliche Nahrung zu uns nehmen. Die
Ernährung und das Brahmacharya stehen in sehr enger Verbindung.
Schenkt
man einer gesunden Ernährung die rechte Aufmerksamkeit, so kann
dies
das Zölibat erleichtern. Der Einfluss der Nahrungsmittel auf die
Gehirnzellen, das Gefühl und die Leidenschaften ist bemerkenswert.
Es
gibt unterschiedliche Bereiche im Gehirn. Jede Nahrung erzeugt in jedem
Bereich des Gehirns seine eigene Wirkung und einen Einfluss auf den
gesamten Körper. Eine Praline hat eine aphrodisierende Wirkung.
Sie
stimuliert die Fortpflanzungsorgane. Knoblauch, Zwiebeln, Fleisch,
Fisch, Eier und scharfe Gewürze regen ebenfalls die Leidenschaften
an.
Es ist bezeichnend, wie ruhig und friedlich
Elefanten und Kühe sind, die nur vom Gras leben. Tiger und andere
fleischfressende Tiere sind dagegen sehr wild und unruhig. (Anmerkung
des Übersetzers: Löwen und Tiger schlafen 16 bis 20 Stunden
am Tag.
Ende Anmerkung.) Dein Instinkt und deine innere Stimme werden dir
helfen, die Nahrungsmittel auszuwählen, die für das
Brahmacharya
förderlich sind. Setzt man sich mit der gesunden Ernährung
ein wenig
auseinander, so weiß man nach einiger Zeit, welche Lebensmittel
das
Brahmacharya unterstützen und welche eher die Leidenschaften
entfachen.
Dabei kann man sich auch von erfahrenen Personen beraten lassen.
Cheru (gekochter weißer Reis mit
Büffelbutter, Zucker und Milch), Havis Annam (gekochter
weißer Reis nur
mit Büffelbutter), Milch, Weizen, Gerste, Brot, Büffelbutter,
Butter,
getrockneter Ingwer, grüne Sojabohnen, Kartoffeln, Datteln,
Bananen,
Quark, Mandeln und Früchte sind gesunde Lebensmittel. Diese
Lebensmittel sind für Yogaschüler sehr hilfreich. Milch ist
eine
vollkommene Nahrung. Sie enthält die unterschiedlichsten
nahrhaften
Bestandteile in sehr ausgewogenen Anteilen. Früchte sind sehr gute
Energielieferanten. Bananen, Trauben, Orangen, Äpfel,
Granatäpfel und
Mangos sind gesund und nahrhaft. Trockene Früchte wie Trauben,
Rosinen,
Datteln und Feigen, süße frische Früchte wie Bananen,
Mangos, Breiäpfel
(Sapotilla-Äpfel oder Manilafrucht), Melonen, Zitronen (Limetten),
Ananas, Äpfel, Holzäpfel (Wildäpfel, Stammform des
Kulturapfels), süße
Granatäpfel, Zucker und Süßigkeiten, Honig, Sago,
Pfeilwurz (Mehl),
Milch, Butter und Büffelbutter, zartes Kokosnusswasser, Kokosnuss,
Mandeln, Pistazien, Erbsen, Hirse, Gerste, Mais, Weizen, Reis des roten
Paddys (ungeschälter Reis), dessen Kleie nur teilweise entfernt
wurde,
gut riechender Reis mit süßem Geschmack, alle Zubereitungen
von
irgendwelchen Getreidekörnern (Müsli) und weißer
Kürbis sind reine
Lebensmittel, die dem Aufrechterhalten des Brahmacharya dienen.
Vor allem stark gewürzte Gerichte, wie
heiße
Currygerichte mit Gemüse, Fleisch und Reis, Chutney (eine
würzige
süß-saure Soße, häufig werden Mango, Tomaten oder
Zwiebeln als
Hauptzutaten verwendet), Paprika, Fleisch, Fisch, Eier, Tabak, Alkohol,
saure Lebensmittel (Brathering, Mixed Pickles), Öle jeder Art,
Knoblauch, Zwiebeln, bittere Lebensmittel, saurer Quark, veraltete
Lebensmittel, Säuren (Essig, Zitronensaft), Schleimhäute
zusammenziehende Lebensmittel (saure Früchtetees, Soda mit
Zitronensaft), scharfe oder gebratene Lebensmittel, überreife und
unausgereifte Früchte, schweres Gemüse und Salz sind für
den
Brahmachari nicht zu empfehlen. Zwiebeln und Knoblauch sind schlimmer
als Fleisch. Salz ist der schlimmste Feind. Zu viel Salz regt die
Leidenschaft an. Viele Lebensmittel enthalten Salz. Selbst wenn du
keinen Salz nimmst, holt der Körper sich das notwendige Salz von
anderen Lebensmitteln. Der Verzicht auf Salz hilft dir, deinen Gaumen
zu kontrollieren. Dadurch kannst du auch besser deinen Verstand und
deine Sinne kontrollieren.
Alle Arten Erbsen und Bohnen, frisch und
gekocht, Urdbohne (Linsenbohne), Kichererbse, Pferdebohne (Ackerbohne),
gekeimtes Getreide (Weizen, Dinkel, Karmut), Senf, alle Sorten Paprika,
Asant (Gewürz, wegen seines Geruchs auch Teufelsdreck genannt),
Linsen,
Auberginen, Okra (Gemüse), Gurken, Malabar Spinat (Basellaceae,
weiß
und rot), Bambusspossen, Papaya (Melonen), Moringabaum, alle Arten von
Kürbissen, auch weißer Kürbis und Schlangenkürbis,
Rettich, Lauch,
Pilze aller Arten, in Öl oder in Büffelbutter gebratene
Lebensmittel,
Essiggurken aller Art, gebratener Reis, Sesamsamen, Tee, Kaffee und
Kakao sollten gemieden werden.Weiter sollten alle Arten von
Gemüse,
Blätter, Wurzeln, Früchte und Nahrungsmittel, die
Blähungen oder
Verdauungsbeschwerden, Leid, Schmerz, Verstopfung oder andere
Krankheiten hervorrufen, vermieden werden. Ebenfalls abzuraten ist von
Gebäckzutaten (Füllungen, Zuckergüssen, Desserts), von
Nahrungsmitteln,
die trocken und brennend, bitter, scharf, sauer, salzig, und heiß
sind.
Von Tabak sowie Nahrungsmitteln und Getränken, die Alkohol oder
narkotische Drogen wie Opium oder Haschisch enthalten. Lebensmittel,
die verjährt sind, die übermäßig der Kälte
ausgesetzt waren, sowie
aufgewärmte Speisen, die ihren natürlichen Geschmack und
Geruch, ihre
natürliche Farbe oder Form verloren haben, sollte man nicht essen.
Essensreste, die bereits von anderen Personen, Tieren, Vögeln oder
Insekten gegessen wurden, die staubig sind, die Haare, Stroh oder
anderen Abfall enthalten, sowie die Milch des Büffels, der Ziege
oder
der Schafe sollten vermieden werden. Zitronesaft, Steinsalz, Ingwer und
weißer Pfeffer sollte nur in Maßen benutzt werden.
Der Magen sollte zur Hälfte mit
gesunden
Lebensmitteln gefüllt werden. Ein Viertel sollte mit reinem Wasser
gefüllt werden. Das letzte Viertel sollte frei bleiben.
Brahmacharins
sollten diese Regel streng beachten. Sie sollten besonders abends wenig
Essen und den Magen nicht überlasten. Man bedenke, dass in den
Klöstern
bereits um 10.30 zu Mittag gegessen wird. Nach 12 Uhr mittags sollten
die Mönche den ganzen Tag nichts mehr essen. Gegen 17 Uhr gibt es
eventuell noch einen Saft zu trinken. Ein Vielfraß kann nur davon
träumen, ein Brahmachari zu werden. Die Kontrolle des Gaumens ist
eine
notwendige Voraussetzung, die Sinneslust zu kontrollieren, wenn man das
Gelübde des Brahmacharya beachten möchte. Zuerst muss der
Gaumen
kontrolliert werden. Dann wird es leicht, die Leidenschaft zu
kontrollieren. Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Gaumen und den
Geschlechtsorganen.
Der Gaumen ist das Organ des Wissens. Er wird getragen vom reinen Teil des Urelements Wassers. Das Zeugungsorgan dagegen ist ein Organ der Tätigkeit. Es wird getragen vom belebenden Teil des Urelements Wasser. Sie sind verschwisterte Organe, die derselben Quelle entspringen. Wenn der Gaumen mit anregender Nahrung stimuliert wird, werden auch die Geschlechtsorgane angeregt. Darum sollte bei der Ernährung eine bewusste Auswahl und Begrenzung getroffen werden. Die Nahrung eines Brahmachari sollte einfach, schonend, ungewürzt und nicht anregend sein. Das Maßhalten bei der Ernährung ist sehr wichtig. Den Magen zu überfüllen ist in hohem Grade gesundheitsschädlich. Besonders der Verzehr von Früchten ist sehr vorteilhaft. Man sollte nur Essen, wenn man wirklich Hunger hat. Der Magen neigt mitunter dazu, dich zu überlisten. Dann hast du das Gefühl, du hättest Hunger. Setzt du dich dann aber hin, um etwas zu essen, hast du keinen Appetit mehr. Das Fasten kann ein sehr nützlicher Helfer bei einer gesunden Ernährung und bei der Praktizierung von Brahmacharya sein. Du solltest das Fasten nicht ignorieren und dich einmal damit auseinander setzen. Das Fasten kontrolliert die Leidenschaft. Es
beseitigt die sexuelle Erregung, beruhigt die Emotionen und
kontrolliert die Sinne. Leidenschaftliche junge Männer und Frauen
sollten gelegentlich Zuflucht zum Fasten nehmen. Es erweist sich als
sehr vorteilhaft. Das Fasten ist eine gute Bußübung. Es
reinigt den
Verstand und vernichtet sehr viele Sünden. Die Shastras, die
heiligen
Schriften, schreiben Chandrayana Vrata (Vrata = Gelübde), Krichara
Vrata, Ekadasi Vrata und Pradosha Vrata für die Reinigung des
Verstandes vor. Chandrayana Vrata ist eine Essensregel, die mit
fünfzehn Bissen Nahrung am Tage des Vollmondes beginnt. Von da an
soll
das Essen tagtäglich bis zum Neumond um einen Bissen verringert,
ab dem
Neumond täglich wieder um einen Bissen vermehrt werden, bis die
fünfzehn Bissen zum Vollmond wieder erreicht sind. Unter dem
Ekadasi
Vrata versteht man das Fasten am Ekadasi-Tag: Das ist der 11. Tag nach
Vollmond und der 11. Tag nach Neumond. An diesen Tagen sollten man sich
nur von Obst und Milch ernähren. Das Pradosha Vrata ist die
Anrufung
Shivas mit der Bitte um Erfolg in allen Unternehmungen und die
Erfüllung aller Herzenswünsche, in der Abenddämmerung
des 13. Tages
jeder Mondhälfte. Auch am Pradosha-Tag sollte man fasten.
Das Fasten kontrolliert den Gaumen, den
großen Feind der Enthaltsamkeit. Wenn du fastest, dann erlaube
dem
Verstand nicht, an köstliche Gerichte zu denken, weil du sonst
keinen
Erfolg beim Fasten haben wirst. Das Fasten regeneriert die Atemwege,
den Kreislauf, das Verdauungssystem und die Harnwege. Es scheidet alle
Verunreinigungen, Harnsäuren und Gifte des Körpers aus. So
wie unreines
Gold durch Schmelzen gereinigt wird, so wird der unreine Verstand durch
Fasten gereinigt. Junge und robuste Brahmacharins sollten fasten, wenn
sie von der Leidenschaft bedrängt werden. Du kannst während
des Fastens
sehr gut meditieren, da der Verstand ruhig und gelassen ist. Du
solltest die Fastenperiode für eine konsequente Meditation nutzen,
da
die Sinne sehr ruhig sind. Du solltest alle Sinne zurückziehen und
den
Verstand auf Gott richten. Bete zu Gott und bitte ihn um seine
Führung,
dass er deinen Weg mit seinem Licht erleuchte. Bitte in Andacht: "O
Gott! Mögest du mich erleuchten. Führe mich, schütze
mich. Ich bin
dein, mein Gott!“ Du wirst Reinheit, Licht, Stärke und Wissen
erhalten.
Das Fasten ist eine der 10 religiösen Vorschriften des Yoga.
Vermeide
übertriebenes Fasten. Es erzeugt Schwäche. Benutze deinen
gesunden
Menschenverstand. Die, die nicht in der Lage sind, einen ganzen Tag zu
fasten, sollten neun oder zwölf Stunden lang fasten. Abends oder
Nachts
können sie dann Milch und Früchte zu sich nehmen.
Während des Fastens haben die
Verdauungsorgane wie der Magen, die Leber und die
Bauchspeicheldrüse
Ruhe. Schlemmerer und unermüdliche Esser erlauben diesen Organen
nicht,
wenigstens einmal für ein paar Minuten zu ruhen. Folglich sind
diese
Organe häufiger krank. Diabetes (gestörte Insulinproduktion),
Verdauungsstörungen und Hepatitis (Leberentzündungen) haben
ihre
Ursachen in der Überfettung. Neunzig Prozent aller Menschen essen
mehr,
als der Körper eigentlich braucht. Das Überessen ist zu ihrer
Gewohnheit geworden. Das hat sehr viele Krankheiten zur Folge.
Gelegentliches Fasten ist sehr sinnvoll, um eine gute Gesundheit zu
erhalten, die inneren Organe zu entlasten und Brahmacharya zu
praktizieren. Krankheiten, die von den Medizinern mitunter als
unheilbar eingestuft wurden, wurden oft durch Fasten kuriert. Das
Fasten erzeugt Willensenergie und Ausdauer. Manu, das hinduistische
Gesetzbuch, betrachtet das Fasten als Hilfsmittel, um sich von den
fünf
Todsünden (Gier, Hass, Nichtwissen, Stolz und Neid) zu befreien.
Es ist besser, während des Fastens,
entsprechend der Temperatur und Neigung, eine große Menge kaltes
oder
lauwarmes Wasser zu trinken. Es spült die Nieren, entfernt das
Gift und
alle Verunreinigungen des Körpers. Du kannst dem Wasser auch einen
halben Teelöffel Backpulver (Natron, Soda Bicarbonat)
hinzufügen.
Natron wirkt entgiftend. Die, die zwei oder drei Tage fasten, sollten
ihr Fasten nicht durch eine feste Nahrung unterbrechen. Sie sollten
einen Fruchtsaft nehmen, entweder Orangensaft oder Granatapfelsaft. Sie
sollten den Saft in kleinen Schlücken trinken. Das Reinigen des
Darmes
bringt alle Giftstoffe, die sich seit Jahren im Darm abgelagert haben,
nach außen. Ein reiner Darm nimmt dann die Vitamine und
Mineralien
wesentlich besser auf. Beginne am Anfang an einem Tag zu fasten. Dann
erhöhe langsam die Anzahl der Tage, entsprechend deiner inneren
Stärke.
Es kann sein, dass du am Anfang eine leichte Schwäche fühlst.
Der erste
Tag kann sehr ermüdend sein. Am zweiten oder dritten Tag
fühlst du dich
sehr glücklich. Der Körper fühlt sich sehr leicht an.
Während des Fastens fällt das geistige Arbeiten dir leichter. Die, die häufiger fasten, haben ihre Freude daran. Am ersten Tag möchte der Verstand dich auf vielfältige Art verleiten, etwas zu essen. Bleibe standhaft und trotze der Versuchung. Praktiziere während des Fastens mehr Japa (Mantrameditation) mit dem Gayatri-Mantra oder einem anderen Mantra. Fasten ist eher ein geistiges als ein körperliches Handeln. Du solltest das Fasten für höhere spirituelle Zwecke nutzen. Richte deine Gedanken auf Gott und denke über den Sinn des Lebens nach. Stelle dir die Fragen "Wer bin ich?" und "Was ist Atman (Seele) oder Brahman (Gott)?" Was sind die Mittel und Wege, um Gott zu erreichen? Seid ohne Furcht und Sorgen und ruht in der Reinheit für immer und ewig. Meine lieben Brüder! Haben dich diese Zeilen zum Fasten ermutigt? Dann beginne sofort damit. Friede euch allen! Viele junge Männer sind mit feuchten
Träumen
(nächtliche Orgasmen, Pollutionen) und unfreiwilligem Samenverlust
ohne
Orgasmus (Spermatorrhoe) konfrontiert. Zu Spermatorrhoe kommt es bei
Menschen, die statt natürlicher Nahrung Nüsse, Cerealien
(Müsli,
Frucht- und Müsliriegel, Extrudaten (Snack- oder
Frühstückserzeugnisse
aus Maisgrieß, Maismehl, Reis-, Hafer-, Hirse-, Roggen-,
Weizenmehl und
Kartoffelstärke, z.B. Erdnussflips, Kleieflips), Loops, Crisps und
Cornflakes), Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Salz, Tee, Kaffee und
alkoholische Getränke zu sich nehmen und die rauchen. Die erste
Wirkung
dieser Reizmittel besteht darin, dass der Mann seine Geschlechtskraft
überschätzt, da er aufgeputscht ist. Das führt zu
übertriebenem
Sexualverkehr oder zu Masturbation (Selbstbefriedigung), mit dem
Ergebnis, dass die Organe geschwächt werden. Anfangs treten
Pollutionen
durch wollüstige Träume und Erektionen auf; doch mit der
fortschreitenden Schwächung kommt es auch beim Urinieren und beim
Stuhlgang zur ungewollten Samenabgabe. Infolge der unnatürlichen
Reiznahrung hat sich Spermatorrhoe entwickelt. Aus all dem ist zu
ersehen, wie wichtig eine natürliche Ernährung für das
Geschlechtsleben
des Mannes ist.
Die Spermatorrhoe, diese entsetzliche
Krankheit, hat viele brillante Jugendliche unglücklich gemacht,
die
einst gute Schüler waren und denen sonst eine glänzende
akademische
Laufbahn bevorgestanden hätte. Diese schreckliche Krankheit hat
vielen
Schülern und auch Erwachsenen die Vitalität geraubt, sie
ausgelaugt und
sie körperlich, moralisch und geistig zu Grunde gerichtet. Sie hat
das
Wachstum vieler junger Leute gehemmt und sie zu unwissenden und
lasterhaften Menschen werden lassen. Diese bemitleidenswerte Krankheit
hat die Hoffnungen vieler junger Männer vereitelt und
Verzweiflung,
Trübsinn, eine zerrüttete Gesundheit und eine ruinierte
seelische
Verfassung hinterlassen. Ich erhalte zahlreiche Briefe mit
mitleiderregenden Geschichten von ausschweifenden und verlorenen
Jugendlichen. Die kulturelle Entwicklung besteht in der Zunahme von
billiger pornographischer und erotischer Literatur und von
obszönen
Filmen, die zum seelischen und gesundheitlichen Ruin der fehlgeleiteten
Jugend beitragen. Der Verlust der lebenswichtigen Energie erzeugt
große
Angst. Der Körper wird schwach, das Gedächtnis lässt
nach, das Gesicht
verliert an Ausstrahlung und der junge Mann ist irgendwann nicht mehr
in der Lage, seinen bemitleidenswerten Zustand zu beenden. Aber es gibt
keinen Anlass zum Verzweifeln. Wenn du die Tipps der folgenden Seiten
beachtest, entwickelst du eine vernünftige Haltung zum Leben,
führst
ein diszipliniertes, spirituelles Leben und erreichst schließlich
höchstes Glück.
Spermatorrhoe ist eine ungewollte
Samenabgabe. Der Patient führt den Samen zusammen mit dem Urin
während
der Harnentleerung ab. Wenn es gelegentlich zu einer ungewollten
Samenabgabe kommt, dann brauchst man nicht weiter beunruhigt zu sein.
Die ungewollte Samenabgabe kann auf eine erhöhte
Körperwärme, auf den
Druck der gefüllten Därme oder auf eine gefüllte Blase
zurück zu führen
sein, die auf die Prostata bzw. auf die Samenbläschen drückt.
Dieses
sind keine krankhaften Zustände. Nächtliche Orgasmen,
Pollutionen und
feuchte Träume sind synonyme Bezeichnungen. In einigen Fällen
findet
auch tagsüber ein Samenerguss statt. Ein Orgasmus kann auch in
körperlichen Extremsituationen auftreten, verursacht etwa durch
exzessives Beten oder Hungern, extreme körperliche Betätigung
(Leistungssport), bei körperlichen Schmerzen (auch außerhalb
sexuell
betonter Sado/Maso-Praktiken), in massiven Angst- oder
Bedrohungssituation, oder durch Gewalterlebnisse bei Opfern oder
Tätern. Der Orgasmus könnte hierbei die Funktion haben, eine
Überreizung des Nervensystems vorzubeugen und emotional aus der
überfordernden Situation auszusteigen (Orgasmus).
Es gibt zwei Arten von Pollutionen,
nämlich
normale und krankhafte. Bei der normalen Pollution findet eine
Auffrischung statt. Du solltest über diesen Vorgang nicht weiter
besorgt sein, wenn die Samenentleerung nur gelegentlich geschieht. Dies
ist ein geringfügiger periodischer Abfluss des Samens, um die
Vorratsspeicher, in der das Ejakulat aufbewahrt wird, zu reinigen und
vor dem Überlauf zu schützen. Wegen dieses Vorganges braucht
man kein
schlechtes Gewissen zu haben. Möglicherweise bemerkt man den
nächtlichen Orgasmus, der ja im Schlaf geschieht, nicht einmal.
Bei
krankhaften Pollutionen allerdings, wird der Samenerguss von sexuellen
Gedanken begleitet. Depressionen sind die Folge. Es stellen sich
Reizbarkeit, Trägheit, Faulheit, und die Unfähigkeit zu
arbeiten und
sich zu konzentrieren, ein. Gelegentliche Pollutionen dieser Art sind
ohne Konsequenz. Aber häufige Pollutionen dieser Art verursachen
Depressionen, Erschöpfung, Verdauungsstörungen,
Niedergeschlagenheit,
Vergesslichkeit, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Augenbrennen,
Schläfrigkeit und ein brennenden Empfinden beim Harnlassen und
beim
Samenfluss. Der Samen wird außerdem dünnflüssig.
Feuchte Träume und ungewollter
Samenverlust
können die verschiedensten Ursachen haben: Verstopfung, ein
überfüllter
Magen, Lebensmittel, die zu stark reizen (scharfe Gewürze) oder
Gase
erzeugen, unreine Gedanken und häufige Selbstbefriedigung aus
Unwissenheit und Gewohnheit. Samenverlust, nächtliche Orgasmen,
wollüstige Träume und alle anderen Auswirkungen eines
unsittlichen
Lebenswandels, führen zum Unglücklichsein, wenn sie nicht
durch eine
verantwortungsbewusste Medizin erkannt wird. Aber die Medizin kann dem
Patienten keine dauerhafte Heilung bescheren. Ein Patient kann eine
vorübergehende Erleichterung erfahren, wenn er eine Medizin nimmt.
Selbst westliche Ärzte sagen, dass solch eine Medizin keine
dauerhafte
Heilung bewirken kann. Von dem Moment an, wo die Medizin wieder
abgesetzt wird, treten die alten Leiden wieder auf.
In einigen Fällen wird der Patient durch den Gebrauch von Medikamenten sogar impotent. Die einzig erfolgversprechende und dauerhafte Heilung kann nur durch Yoga erreicht werden. Nasti Yogat Param Balam (Keine Kraft ist größer als Yoga.) Die unterschiedlichen Methoden, die in diesem Buch beschrieben werden, führen zum Erfolg, wenn du sie regelmäßig praktizierst. Lass dich nicht durch die bombastischen Anzeigen beirren, die von den Wunderdoktoren und Scharlatanen veröffentlicht werden. Führe ein einfaches natürliches Leben. Und bald wird es dir wieder gut gehen. Gib dein Geld nicht für sogenannte Wundermedizin oder irgendwelche Besonderheiten aus. Sie sind wertlos. Die Wunderdoktoren versuchen nur die Leichtgläubigen und Unwissenden auszunutzen. Gehe nicht zu solchen Ärzten. Trachte danach, dein eigener Arzt zu sein. Bemühe dich darum, die Naturgesetze, die Grundregeln der Hygiene und Gesundheit zu verstehen. Verstoße nicht gegen die Gesetze der Gesundheit. Vermeide alle Arten von Selbstbefriedigung.
Sie berauben dich deiner lebenswichtigen Energien. Hinterher
fühlst du
dich wie ein toter Mann oder wie ein ausgepresstes Zuckerrohr. Der
Samen ist in der Tat ein unbezahlbarer Schatz. Vergeude ihn nicht
für
eine momentare Erregung und Sinneslust.Beende sofort diese schlechten
Gewohnheiten. Du wirst dich sonst nur selber ruinieren, wenn du diese
Praxis weiter fortsetzt. Öffne deine Augen. Wache auf. Werde
weise.
Meide schlechte Gesellschaft und lerne tugendhaft zu sein. Bis heute
warst du blind und unwissend, in der Dunkelheit gefangen. Du hattest
keine Ahnung von den unheilvollen Auswirkungen der Masturbation
(masturbieren = selbstbefriedigen). Du verlierst dein Sehvermögen.
Deine Sehkraft wird getrübt. Du bekommst zerrüttete Nerven.
Richte
deine Aufmerksamkeit nicht immer wieder auf die Sexualorgane.
Berühre
sie nicht immer wieder mit den Händen. Dieses wird nur immer
wieder
deine Leidenschaften erwecken. Hast du eine Erektion, dann praktiziere Mula
Bandha (Zusammenziehen des Schließmuskels) und Uddiyana
Bandha (Bauchverschluss).
Unter Mula Bandha versteht man das
Zusammenziehen der Anusschließmuskeln. Es zieht das Prana nach
oben und
öffnet den Sushumna, den feinstoffliches Energiekanal in der
Wirbelsäule. Uddiyana Bandha besteht aus einem Einsaugen des
unteren
Bauchs. Dazu atme vollständig aus und presse auch das letzte
bisschen
Luft aus deinen Lungen. Nun stütze deine Hände auf deine
leicht
gebeugten Knie, die Arme sind gerade und ziehe den Unterbauch mehrmals
ein. Uddhiyana Bandha hilft, das Prana in die Sushumna zu bringen und
das Prana in der Sushumna über das Manipura Chakra (Solarplexus,
Sonnengeflecht, Sitz der Emotionen) hinaus nach oben fließen zu
lassen.
Wiederhole mehrmals aufmerksam das Mantra "OM". Denke an die Reinheit.
Mache zwanzig Atemübungen. Und die lüsterne Wolke wird sich
bald
verzogen haben. Sexuelle Ausschweifungen und Zornesausbrüche sind
eng
miteinander verwandt. Beendet man die sexuellen Ausschweifungen, dann
legen sich allmählich auch die Wutausbrüche. Ist der Verstand
ruhig und
ausgeglichen, dann hast du eine wundervolle Gesundheit, Kraft und
Potenz. Durch den Zorn wird die Energie nur unnötig verbraucht und
die
Zellen und das Gewebe mit krankhaften Giftstoffen belastet. Das wird
verschiedene Arten von Unpässlichkeiten zur Folge haben. Das Blut
wird
heiß und dünnflüssig. Das kann nächtliche
Pollutionen zur Folge haben.
Verschiedene Arten von nervösen Krankheiten sind auf den Verlust
der
Samenenergie zurückzuführen. Es ist häufig die Ursache
von Wut und Zorn.
Die meisten Krankheiten haben ihren Ursprung
in der Völlerei. Darum achte auf eine maßvolle
Ernährung. Vermeide vor
allem späte Abendessen. Die Abendmahlzeit sollte leicht verdaulich
sein
und zwischen 18 und 19 Uhr eingenommen werden. Wenn möglich, nimm
Abends nur Milch und Früchte zu dir. Nach dem Sonnenuntergang
sollte
man möglichst keine feste oder flüssige Nahrung mehr zu sich
nehmen.
Wenn du Milch trinkst, mische etwas Ingwer (Gewürz) unter. Oder
koche
etwas frisch zerdrücktes Ingwer mit Milch, bevor du sie trinkst.
Iss
möglichst kein Chutney (eine würzige süß-saure
Soße), kein Knoblauch,
keine Zwiebel und keine scharfen Gewürze. Heißer Curry,
Chili (scharfe
Paprika) und Chutney machen den Samen wässrig und führen
häufig zu
feuchten Träumen. Iss milde, beruhigende, nichtreizende, einfache
Nahrung. Gib das Rauchen und den Alkohol auf. Trink weder schwarzen Tee
noch Kaffee. Iss weder Fleisch noch Fisch. Hast du nachts den Drang zur
Harnentleerung, dann stehe sofort auf, um die Blase zu leeren. Eine
gefüllte Blase kann eine Ursache für feuchte Träume
sein. Darum sollte
man, bevor man zu Bett geht, die Blase entleeren. Bei einer Verstopfung
und gefüllten Därmen, findet ein Druck auf die
Samenbläschen statt, die
sich zwischen der Blase und dem Darm befinden und in denen sich etwa 45
bis 80 % des Ejakulats befindet. Dadurch kann es zu einer Pollution
kommen.
Einer Verstopfung kann mit einer
Darmspülung
am wirkungsvollsten begegnet werden. Der Gebrauch von
Abführmitteln ist
bei einer Verstopfung nicht zu empfehlen, da es Hitze im Körper
erzeugt. Hitze begünstigt ebenfalls Pollutionen. Darum ignoriere
nicht
das Drängen der Natur, wenn der Körper sich entleeren
möchte. Sind
Würmer im Darm, dann entferne sie durch eine Wurmkur, einem
Abführmittel oder durch Rizinusöl. Dies hält die
Därme gesund. Manchmal
geschehen Pollutionen auch durch einen überfluss an Wärme im
Körper.
Dieses kann durch langes Gehen oder Reisen geschehen, durch das Essen
großer Mengen Konfekts oder durch den Genuss von Chili und Salz.
Verzichte auf Tee, Kaffee, Chili und nimm nur wenig Bonbons und Zucker
zu dir. Vermeide leckere Gerichte, Soßen, Käsetörtchen,
kleine Toasts
oder kleine Pastetchen (die besonders in Großbritannien und den
USA als
Vorspeise oder als Ende einer Hauptmahlzeit statt der sonst
üblichen
Käseplatte gereicht werden) und Gebäck. Faste gelegentlich,
sagen wir
einmal wöchentlich. Trinke am Fastentag nicht einmal Wasser. Und
fahre
nicht zu viel Fahrrad. Kaue häufig Stücke der gelben Arura
(Terminalia
chebula, Myrobalanenbaum). Kommt es nachts häufiger zu
Pollutionen,
dann solltest du zwei zerdrückte Campfer (Campherbaum, auch
Campherlorbeer genannt, Cinnamomum camphora, die Früchte sind
erbsengross, oval und schwarz) in einer Schale Milch auflösen und
sie
nachts gelegentlich nehmen. Trink davon die eine Hälfte in der
Nacht
und die andere Hälfte am frühen Morgen.
Nächtliche Pollutionen treten im
Allgemeinen
im vierten Viertel der Nacht auf. Die, die es gewohnt sind, zwischen 3
und 4 Uhr morgens aufzustehen, und die, die ihren Tag mit Japa
(Mantrameditation) und Meditation beginnen, können daher kein
Opfer von
nächtlichen Pollutionen werden. Mache es dir zur Angewohnheit,
jeden
Morgen um 4 Uhr aufzustehen. Schlafe möglichst auf einer rauhen
Unterlage. Benutze am besten rauhe Matten. Schlafe auf der linken
Seite. Erlaube dem Sonnen-Nadi, Pingala, während der Nacht durch
das
rechte Nasenloch zu atmen. In medizinisch bedingten Fällen,
schlafe bis
zur Genesung auf dem Rücken. Es gibt auf jeder Seite der
Wirbelsäule
einen Energiekanal. Der linke wird als Ida bezeichnet und der rechte
als Pingala. Diese sind zwei der drei wichtigsten Energiekanäle
(Nadis), subtile Kanäle, die das Prana (Lebensenergie) leiten. Im
Ida
Nadi bewegt sich die Mondenergie, im Pingala Nadi die Sonnenenergie.
Ida (Mondenergie) ist kühlend, Pingala (Sonnenenergie) ist
erhitzend.
Ida fließt durch das linke Nasenloch und Pingala durch das rechte
Nasenloch. Der Mond (Ida, links) hat die Natur des Tamas (Trägheit
oder
Faulheit) und die Sonne (Pingala, rechts) die Natur von Rajas
(Leidenschaft oder Aktivität). Gift hat Eigenschaften der Sonne
und
Nektar solche des Mondes.
Der Atem fließt 1-2 Stunden lang
überwiegend
durch das rechte Nasenloch. Dann ist Pingala Nadi (Sonne, Leidenschaft)
aktiv. Anschließend fließt der Atem 1-2 Stunden lang
überwiegend durch
das linke Nasenloch. Dann ist Ida Nadi (Mond, Trägheit) aktiv. Man
ist
emsig mit weltlichen Dingen beschäftigt, wenn das Prana durch Ida
und
Pingala fließt. Wenn die Sushumna (Zentralkanal in der
Wirbelsäule)
aktiv wird, ist man wie tot für die Welt und tritt in Samadhi
(Überbewußtsein) ein. Ein Yogi gibt sein Bestes, um das
Prana in der
Sushumna, die auch als das zentrale Brahman Nadi bekannt ist, zum
Fließen zu bringen. Bist du verheiratetet, dann schlafe in einem
getrennten Raum. Du solltest deiner Frau niemals erlauben, nachts deine
Beine zu massieren. Das wäre eine unvorsichtige Praxis. Um den
Samen zu
schützen, ist es unerlässlich, die Geschlechtsteile nachts zu
bekleiden. So vermeidet man nächtliche Samenergüsse und den
Wachstum
der Hoden. Darum trage immer ein Langoti (eine Art Tanga) oder ein
Kaupin (Lendenschurz). So bekommst du keine Blasenentzündung oder
eine
Hodenerkrankung. Dies hilft dir, das Brahmacharya aufrecht zu erhalten.
Lege dich mit einem nassen Lendenschurz ins Bett, wenn die Krankheit
sehr unangenehm ist. Die Feuchtigkeit saugt die Gifte aus dem
Körper.Es
ist für den Brahmachari sinnvoll, hölzerne Sandalen zu
tragen. Dadurch
wird der Samen konserviert, das Sehvermögen gefördert, das
Leben
verlängert und die Heiligkeit und der Glanz werden erhöht.
Sobald du morgens aufgestanden bist,
praktiziere für eine oder zwei Stunden Japa (Mantrameditation) und
Meditation. Mache dies auch, bevor du um 22 Uhr Abends schlafen gehst.
Dies ist eine gute Reinigungsübung. Dieses wird den Verstand und
die
Nerven stärken. Es bewirkt die beste Heilung. Wiederhole das
Mantra:
"Punarmamaitu Indriyam" (Stelle meine verlorene Stärke wieder
her.).
Bete am frühen Morgen vor Sonnenaufgang zur Sonne: "Oh Gott,
Suryanarayana, Auge der Welt, Auge der universellen Seele, gib mir
Gesundheit, Stärke, Kraft und Lebensenergie." Wiederhole diese
Mantras
und Anrufungen der Sonne bei Sonnenaufgang früh am Morgen. Du
wirst
gesund, stark und vital sein und sehr gut sehen.
Gebet zu Gott
Oh anbetungswürdiger, mitleidiger Gott.
Gegrüßt seist Du. Gib’ mir innere Kraft, Versuchungen zu
widerstehen.
Lass dieses Ego, das härter ist als Granit oder Diamanten,
schmelzen
und in Dir aufgehen. Lass mich immer Dein auserwählter
Spielgefährte
sein in Deinem wundervollen Spiel des Universums. Lass mich Dein
geheimnisvolles Spiel verstehen. Mache mich immer zu einem Kanal Deiner
Liebe zu allen Deinen Kindern. Benutze meinen Körper, meine Sinne
und
meinen Geist als Instrumente für Dein ungehindertes Spiel. Oh
heimliche
Liebe! Oh unvergängliche Schönheit! Lass meine Seele
friedvoll in Dir
ruhen in alle Ewigkeit.
Oh Licht der Lichter! Oh Strahlender! Ich
lebe für Dich. Ich sehe Dich im Lächeln der Kinder, in den
Tränen der
Betrübten, in meinen Gedanken und Gefühlen, im Morgentau des
Himalaya
und in den Strahlen der Sonne. Mein Zimmer ist erfüllt von Deiner
süßen
Gegenwart. Ich nehme Deine gütige Gnade mit meiner täglichen
Nahrung zu
mir. Ich koste Deine strahlende Liebe mit meinen täglichen
Getränken.
Du bist ein Ozean voll Liebe und Mitleid. Lass meine Liebe zu Dir eine
stürmische Flamme werden. Nimm jedes Übel von mir.
Erfülle mein Herz
mit Reinheit, Güte, Liebe und höchsten Tugenden. Mache mich
unsterblich.
Oh Gott! Enthülle mir Deine bezaubernde
Form. Lass mich Deine lebendige Gegenwart spüren. Erfülle
mein Herz mit
Liebe. Lass mich in Dir aufgehen. Lass mich auf dem Pfad der
Rechtschaffenheit wandeln. Reinige meinen Geist von allen schlechten
Gedanken. Hilf mir, meinen Geist auf Deine Lotusfüße zu
richten. Umarme
mich und mache mich rein. Lehre mich, in die Stille zu gehen und Deine
Herrlichkeit zu genießen. Erleuchte meinen Geist mit dem Licht
wahrer
Erkenntnis. Bringe mein versteinertes Herz zum Schmelzen und lasse es
Dir zufließen.
Bei schwereren Erkrankungen dauert die
Heilung mindestens einen bis sechs Monate, entsprechend der schwere der
Krankheit. Ist die Krankheit langjährig, kann die Heilung
länger
dauern. Die Natur arbeitet langsam, aber sicher. Wann immer du durch
sinnliche Gedanken verfolgt wirst, solltest du versuchen, sie durch
heilige Gedanken zu ersetzen. Beachte die Krankheit einfach nicht.
Ignoriere sie. Leugne sie. Denke und meditiere über das reine
Selbst.
Suche dir eine Beschäftigung, die dich ausfüllt. Gib dem
Verstand keine
Gelegenheit, sich mit der Krankheit zu beschäftigen. So sollte man
alle
Krankheiten behandeln. Singe Gottes Namen auf verschiedene Art und
Weise oder lies ein wenig in den heiligen Schriften. Hilf selbstlos
anderen Menschen. Jogge in der frischen Luft. Schwimme im See. Schreibe
dein persönliches Mantra eine Stunde lang in dein Notizbuch.
Reinige deinen Verstand, indem du Hingabe zu
Gott kultivierst. Praktiziere Japa und meditiere. Lies religiöse
Bücher. Bete zu Gott und beachte das Brahmacharya. Halte dich
nicht
unnötigerweise mit Frauen auf. Sieh' in allen Frauen die heilige
Mutter. Richte deine Aufmerksamkeit auf das Selbst: "Ich bin Dein, mein
Herr. Alles ist Dein. Dein Wille geschehe." Vermeide Kinos, Romane,
Zeitungen, schlechte Gesellschaft, oberflächliche Gespräche.
Sei nicht
eitel und schaue nicht unentwegt in den Spiegel. Benutze keine
Parfüms
und verzichte auf extravagante Mode. Vermeide Tanz- und
Musikveranstaltungen. Schaue keinen Tieren bei der Paarung zu. Vermeide
Faulheit, Trägheit und Bequemlichkeit. Überwinde die
Denkfaulheit und
beschäftige den Verstand mit nützlicher Arbeit. Halte den
Verstand mit
den großen Geheimnisse des Brahmacharya beschäftigt.
Führe ein
diszipliniertes Leben und denke nicht zu viel über deine Krankheit
nach. Dann wird sie bald verschwinden. Wenn sich schlechte Gedanken
einschleichen, dann wiederhole den Namen Gottes und bete zu ihm.
Schließlich ist die Gnade Gottes, seine helfende Hand, die
sicherste
Heilung von allen Krankheiten. Vertraue auf Gott. Ergebe dich in Liebe
der Reinheit und Frömmigkeit. Pflege erhabene Gedanken und lies in
den
heiligen Schriften. Und nichts wird dir Kummer bereiten.
Bald wird deine Krankheit verschwunden sein.
Sei darum nicht ängstlich, besorgt und deprimiert. Deprimierende
Gedanken sind gefährlich. Die Sorge belastet dich nur noch mehr.
Brüte
nicht zu sehr über Vergangenes. Ändere deinen Blickwinkel.
Meditiere
über die Vorteile des Zölibats. Denke über das Leben der
Akhanda
Brahmacharins, wie Hanuman, Bhishma und anderer nach, die während
einer
Periode von zwölf Jahren nicht einen Tropfen Samen vergeudet
haben.
Denke über die Nachteile eines sinnlichen Lebens nach, an den
Verlust
der Gesundheit, das Schamgefühl, die Krankheiten und den
frühen Tod.
Entwickle Unterscheidungsvermögen. Du bist ein Kind Gottes im
Universum. Das Glück ist in dir. Es gibt in Wahrheit kein
Körnchen
Vergnügen in sinnlichen Objekten. Identifiziere dich nicht mit
deinem
Körper, identifiziere dich mit Gott. Wenn dein Verstand rein und
gesund
ist, wird auch dein Körper rein und gesund sein. Darum vergiss die
Vergangenheit und nimm Zuflucht zu einem neuem Leben der Keuschheit und
der Spiritualität, der Liebe zu Gott und dem Streben nach einem
göttlichen Leben. Lerne Geschmack am göttlichen Leben zu
finden.
Intensiviere deine spirituelle Praxis. Und du wirst zu einem
vollständig geänderten und gesegneten Menschen.
Du wirst beim Brahmacharya keinen Erfolg
haben, wenn du nicht die Rahmenbedingungen beachtest. Du solltest auf
deine Ernährung und die Gesellschaft achten, in der du verkehrst.
Eine
schlechte Gesellschaft verseucht den Verstand mit unreinen Gedanken.
Entferne dich schleunigst von diesen weltlich gesinnten Menschen.
Entferne dich aus der hektischen Stadt, aus der aufgeregten Welt. Die,
die immer nur über weltliche Angelegenheiten reden, werden dich
sonst
verunreinigen. Dein Verstand wird zaudern und zu wandern beginnen. Lies
keine erotischen Geschichten oder Romane. Besuche kein Kino und kein
Theater. Pflege keinen Umgang mit falschen Freunden. Was du
benötigst,
ist eine komplette Veränderung deines Blickwinkels, deiner
Einstellung
gegenüber dem anderen Geschlecht. Erblicke in jeder Frau die
göttliche
Mutter und betrachte jede Frau als deine eigene Mutter.
Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen
der sexuellen Selbstkontrolle und der Kontrolle des Gaumens. Derjenige,
der den Gaumen kontrolliert, hat damit bereits alle anderen Sinne
kontrolliert. Köstliche und belebende Nahrung regt die
Zeugungsorgane
an. Verzichte auf Fleisch, Fisch, Kaffee, schwarzem Tee, Alkohol und
auf das Rauchen. Fleisch kann aus dir einen Wissenschaftler, aber
keinen Philosophen, keinen Weisen, machen. Fleisch regt die
Leidenschaften an. Salz und Tamarinde (auch indische Dattel oder
Sauerdattel genannt, erinnert an Zitronensaft) sollte man
möglichst
meiden. Salz erregt die Leidenschaften, die Sinne und die Emotionen.
Der Verzicht auf Salz beruhigt den Verstand und die Nerven. Dies hilft
bei der Meditation. Zu Beginn wird dir der Verzicht auf Salz vielleicht
noch schwer fallen. Später solltest die vollkommen salzlos leben.
Probiere es einmal sechs Monate lang. So wirst du die wahre Natur des
Seins schnell verwirklichen. Alles, was von dir erwartet wird, ist das
aufrichtige und ernsthafte Bemühen. Möge Sri Krishna dir Mut
und Kraft
geben, den spirituellen Weg zu beschreiten, um das Ziel des Lebens zu
erreichen! Überlaste deinen Magen nachts nicht. Das Abendessen
sollte
sehr leicht sein. Ein halber Liter Milch und einige Früchte sind
ein
gutes Abendessen. Für das Brahmacharya und zur Kontrolle des
Gaumens,
nimm morgens einige Basilikum-Blätter und abends einige
Blätter des
Niembaums. Beginne mit einem Blatt und erhöhe sie bis auf zehn.
Nimm
jeden Tag eins mehr. Nimm einige Monate lang jeden Tag 10 Blätter.
Dann
kannst du es auf zwanzig Blätter am Tag erhöhen. Das ist sehr
gut.
Obszöne Bilder, vulgäre Worte und
erotische
Literatur, regen die Leidenschaften an und erwecken niedrige,
unerwünschte Empfindungen. Dagegen erzeugt der Anblick eines
Bildes von
Krishna, Rama oder Jesus und das Hören eines erhabenen Liedes von
Surdas (indischer Poet und Musiker, 1479 - 1581), Tulasidas (indischer
Heiliger und Dichter, 1532-1623) und Thyagaraja (indischer Musiker,
1767 - 1847) edle Gefühle und aufrichtige Hingabe im Herzen,
göttliche
Wonneschauer, Freudentränen und Gottesliebe und erhebt den Geist
augenblicklich zur Vereinigung mit Gott. Erkennst du den Unterschied?
In welchem Zustand bist du, wenn du an einem Ballspiel oder an einer
Tanzparty teilnimmst oder wenn du einen Kriminalroman liest? In was
für
einen Geisteszustand bist du dagegen, wenn du an einem Treffen mit
Swami Jayendrapuriji Maharaj von Benares teilnimmst, wenn du bei
Rishikesh an den Sandbänken des Ganges an einem abgelegenen Platz
bist,
oder wenn du die, die Seele beflügelnden, klassischen Upanishaden
studierst? Erkenne den Gegensatz in deinem geistigen Zustand.
Erinnere dich daran, mein Freund, dass es
nichts gibt, was die Seele so sehr verdirbt, wie eine schlechte
Gesellschaft. Yogis sollten schlechte Gesellschaft unbedingt meiden.
Sie sollten nicht den Geschichten über die Frauen, über den
luxuriösen
Lebenswandel der Reichen, über scharfe Gerichte, Autos, Politik,
seidene Kleidung, Blumen, Parfüms usw. zuhören, weil der
Verstand sonst
in die falsche Richtung gelenkt wird. Er fängt sonst an, die
Weisen der
reichen Leute nachzuahmen. Wünsche und Erwartungen werden geweckt.
Das
Kino erweckt falsche Hoffnungen. Am liebsten möchtest du jeden Tag
ins
Kino gehen. Deine Augen möchten halbnackte Frauen und viele bunte
Farben sehen, und deine Ohren möchten sich an der Musik
berauschen. In
jungen Mädchen und Jungen wird die Leidenschaft geweckt, wenn die
Schauspieler in den Filmen sich umarmen und küssen. Die, die sich
spirituell entwickeln möchten, sollten das Kino meiden. Sie
sollten
selbst die sogenannten religiösen Filme nicht ansehen. Sie sind
nicht
wirklich religiös. Es ist ein Trick, um den Leuten das Geld aus
der
Tasche zu ziehen. Welches spirituelle Format besitzen die Schauspieler?
Nur spirituelle Menschen können eindrucksvolle Geschichten mit
einer
guten Moral darstellen, die den Geist der Zuschauer inspiriert.
Du solltest nicht mehr zu diesen aufregenden
Filmen gehen, wenn du es dir zur Gewohnheit gemacht hast. Meide diese
ordinären, sinnlichen Szenen, wo immer sie auch zu sehen sind.
Vermeide
es, Bilder von nackten Frauen zu betrachten. Dieses weckt nur die
Leidenschaften und führt zum Verlust des Samens. Das solltest du
unbedingt vermeiden. Das Lesen von erotischen Romanen ist eine andere
schlechte Angewohnheit. Die, die gerne erotische Romane lesen,
verbringen jede freie Minute damit. Sie wollen ihre Nerven mit diesem
sensationell prickelndem Gefühl erfreuen. Das Lesen erotischer
Romane
füllt den Geist mit niedrigen, lüsternen Gedanken und erweckt
die
Leidenschaft. Es ist ein großer Feind des Friedens. Viele Leute
betreiben Wanderbüchereien, um Romane gegen ein kleines Entgeld zu
verleihen. Sie wissen gar nicht, wie viel Schaden sie dem Land
zufügen.
Es wäre besser, sie würden ihren Lebensunterhalt auf andere
Weise
verdienen. Sie verderben die Moral der jungen Leute, durch die
Verteilung dieser wertlosen Romane, die nur die Leidenschaften anregen.
Die ganze Atmosphäre dieser Romane ist verunreinigend. Strenge
Bestrafung erwartet sie im Yama Loka, dem Königreich des Todes,
aus
welchem sie wiedergeboren werden.
Lies keine erotischen Romane. Sie verderben
den Charakter. Erotische Romane sind die Ketten der westlichen
Zivilisation, die ihre ahnungslosen Opfer in den glitzernden Fesseln
der Leidenschaft gefangen hält. Lies nicht jene Zeitschriften, die
die
niederen Instinkte anregen. Auch unmoralische Lieder hinterlassen einen
negativen Eindruck. Begib dich nicht an Orte, an denen solche Lieder
gesungen werden. Bemühe dich, dich von Orten fern zu halten, die
die
sexuellen Wünsche anregen. Lass deine Phantasie nicht durch
erotische
Romane, lüsterne Gespräche oder durch eine schlechte
Gesellschaft
verunreinigen. Verkehre nicht mit denen, die deinen Geist mit
erotischen Irritationen vergiften. Pflege Umgang mit spirituell
fortgeschrittenen Menschen und lies nur Bücher, die deinen
spirituellen
Fortschritt begünstigen. Stellt sich die Sinneslust ein, dann
versuche
nicht, sie nieder zu ringen. Das beste ist, sie einfach zu ignorieren.
Das muss man natürlich erst einmal lernen. Wirst du aber von der
Leidenschaft bedrängt und beherrscht du diese Technik noch nicht,
dann
hole dir bei jemandem Hilfe, der diese Technik beherrscht. Gehst du in
die Einsamkeit, dann wird der Verstand dich quälen und dich mit
sinnlichen Gedanken nieder werfen. Du wirst dein Gleichgewicht
verlieren. Sei vorsichtig. Die sinnlichen Gedanken werden aber mit ein
wenig Wachsamkeit von dir weichen.
Durch schlechte Gedanken werden die Sinne
angeregt. Ist das ein Wunder? Weil dir das sehr oft passiert, ist es
dir schon zur Gewohnheit geworden. Du hast diesen wichtigen Punkt wegen
deiner Unachtsamkeit einfach ignoriert. Der Verstand ist eine
große
elektrische Batterie, er ist ein großer Dynamo, ein
Elektrizitätswerk.
Die Nerven sind die isolierten Leitungen, die den elektrischen Strom
als Nervenimpuls zu den verschiedenen Organen, dem Gewebe, und zu den
Händen, Beinen und Füßen übermitteln. Infolge
einer Schwingung des
psychischen Pranas, der psychischen Lebensenergie, einer Schwingung des
Unterbewusstseins, ergibt sich eine Schwingung in den Gedanken. Diese
Schwingung der Gedanken wird mit Lichtgeschwindigkeit über die
Nerven
an die Organe übermittelt. Die Eindrücke und Wünsche des
Unterbewusstseins, drücken sich im physischen Körper als Lust
und
Verlangen aus. Der Verstand eines undisziplinierten und
leidenschaftlichen Menschen beeinflusst seine Zeugungsorgane. Der
fortgeschrittene Yogi wird nicht mehr von seinem Unterbewusstsein
beherrscht.
Ein aufmerksamer Brahmachari sollte seine
Gedanken immer sehr sorgfältig beobachten. Er sollte in seinem
Geist
nicht einen schlechten Gedanken passieren lassen.Wenn sein Verstand auf
die Meditation konzentriert ist, dann ist dort kein Raum für einen
schlechten Gedanken. Selbst wenn ein schlechter Gedanke die
Falltür des
Verstandes überwunden hat, sollte man ihm nicht erlauben, von
einem
Besitz zu ergreifen. Wird man allerdings zum Opfer dieses Gedankens,
dann reagiert augenblicklich der Körper darauf. Die Sinne und das
Nervensystem entwickeln ein brennendes Verlangen. Der schlechte Gedanke
sollte wie eine Knospe geknickt werden, indem man göttliche
Gedanken
entwickelt. Es sollte ihm nicht erlaubt werden, sich auszubreiten. Wenn
dein Wille stark ist, kannst du den schlechten Gedanken augenblicklich
vertreiben. Pranayama (Atemübungen), intensives Beten,
Unterscheidungskraft, das Nachsinnen über den Atman (Seele),
Meditation
über Gott, und das Beisammensein mit Weisen, können die
schlechten
Gedanken im Keim ersticken.
Die innere Auseinandersetzung wird dir am
Anfang vielleicht noch schwer fallen. Aber wenn du im Laufe der Zeit
immer reiner und reiner wirst, wenn deine Willensenergie sich
allmählich entwickelt, und sich Fortschritte in der Meditation
einstellen, dann wird sich auch die rechte Einstellung zum
körperlichen
und mentalen Brahmacharya entwickeln. Erkenne die Macht der Gedanken
und nutze sie in deinem Sinne. Sei ein wachsamer Beobachter deiner
Gedanken. Bändige sie, bevor sie von dir Besitz ergreifen. Es ist
unser
Verstand, der unser Handeln lenkt. Ein Wunsch entsteht in deinem
Verstand und dann denkst du darüber nach, wie du diesen Wunsch
befriedigen kannst. Du beginnst zu Handeln. Die überlegungen des
Verstandes werden in die Tat umgesetzt. Zuerst entsteht ein Gedanke,
ein Wunsch, eine Vorstellung und dann folgt die Handlung. Darum erlaube
dem sexuellen Gedanken nicht, in deinen Verstand einzudringen. Das, was
vom Verstand gedacht wird, wird durch die Zunge ausgesprochen. Die
Zunge spricht das Verlangen der Zeugungsorgane aus. Der ist der Grund,
warum in den Veden gesagt wird: "Lass meinen Verstand erhabene Dinge
denken." Entwickle erhabene göttliche Gedanken. Dann werden die
alten
sexuellen Gedanken und Gewohnheiten allmählich verschwinden.
Unter Satsanga versteht man das Zusammensein
mit Weisen, Heiligen, Yogis, Sannyasins (der Welt Entsagende) und
Mahatmas (Großen Seelen). Das Zusammensein mit solchen Menschen
ist
unbeschreiblich. Die Glorie und die Energie solcher Zusammenkünfte
wurde verschiedentlich in der Bhagavata (18.000 Verse, auf 12
Bücher
aufgeteilt), im Ramayana (indisches Nationalepos, auf Gott Rama
bezogen) und in anderen Heiligen Schriften beschrieben. Sogar ein
kurzes Beisammensein mit solchen weisen Menschen kann ausreichen, die
alten lasterhaften Eindrücke des Unterbewusstseins der weltlich
gesinnten Menschen zu verändern. Die magnetische Aura, die
spirituellen
Schwingungen und die leistungsfähigen Gedankenströme dieser
entwickelten Menschen bewirken einen enormen Einfluss auf den Verstand
ihrer Zuhörer.
Der persönliche Kontakt mit Mahatmas
sollte
von jedem als ein Segen betrachtet werden. Einem Heiligen zu dienen,
reinigt den Verstand von leidenschaftlichen Männern sehr schnell.
Das
Satsanga erhöht den Verstand zu segensreichen Höhen. So wie
ein
Streichholz große Bündel Baumwolle in Sekunden entflammen
kann, so kann
das Zusammensein mit Heiligen, die Unwissenheit, die negativen
Eindrücke des Unterbewusstseins, die Leidenschaften und die
Sünde
innerhalb kurzer Zeit auslöschen. Dies ist der Grund, warum der
Philosoph Sankara (auch Shankaracharya genannt), der die Philosophie
des Advaita Vedanta systematisierte, und andere, in so hohem Grade in
allen ihren Büchern von Satsanga sprachen.Wenn ein Satsanga an
deinem
Wohnort nicht möglich ist, dann kannst du Pilgerreisen nach
Rishikesh,
Benares, Nasik, Prayag und Haridwar unternehmen. Das Lesen der
Bücher,
die von verwirklichten Personen geschrieben wurden, ist mit einem
Satsanga gleichwertig. Satsanga kann eine erfolgreiche Hilfe sein,
brennende Leidenschaftslosigkeit und den Wunsch nach Befreiung zu
entwickeln.
Man sollte versuchen, Unterscheidungskraft
zwischen dem göttlichem Selbst und dem unreinen Körper zu
entwickeln.
Der Yogi sollte die Nachteile der Sexualität erkennen, speziell
den
Energieverlust, die Schwächung des Nervensystems, die Krankheiten,
das
vorzeitige Altern, die sexuelle Verhaftung und anderes Unheil, das
damit verbunden ist. Er sollte sich immer und immer wieder daran
erinnern, dass der Körper einer Frau aus Fleisch und Blut, aus
Knochen
und Exkrementen, aus Urin, Eiter und Schleim besteht. Diese Idee sollte
er sich in seinen Verstand einhämmern. Der Yogi sollte an den
reinen
unsterblichen Atman denken und den Glanz des spirituellen Lebens, an
das Erreichen der Unsterblichkeit, des ewigen Glücks und des
höchsten
Friedens. Allmählich wird dann die erotische Leidenschaft beim
Betrachten einer Frau verschwinden, egal wie attraktiv sie ist. Der
Verstand hat sich dann abgewöhnt, beim Anblick einer Frau,
erotische
Phantasien zu entwickeln. Weibliche Brahmacharinis sollten die gleiche
Praxis anwenden, um innere Reinheit zu erlangen.
Jemand, der Unterscheidungskraft besitzt,
merkt keinen Unterschied zwischen einem Mann und einer Frau. Die
gleichen Elemente, Leidenschaft, Zorn, Habsucht und Verhaftung, sind
sowohl im Mann als auch in der Frau vorhanden. Nur ein lüsterner
Mann,
der mit brennender Leidenschaft erfüllt ist, meint eingebildete
Unterschiede zu erkennen. Die Unterschiede sind aber nur mentale
Einbildungen. Nichts in dieser Welt kann dich reizen, wenn du
Unterscheidungskraft entwickelt hast, wenn du deine Sinne
überwindest
und wenn du die unwirklichen sinnlichen Genüsse und die
flüchtigen
Vergnügungen dieser Welt als Gift erkennst. Frauen und weltliche
Dinge
haben auf dich keine Anziehung mehr. Die Lust wird nicht imstande sein,
von dir Besitz zu nehmen. Du wirst ewigen Frieden und endloses
Glück
besitzen.
Erinnere dich immer daran: "Durch die Gnade
Gottes, werde ich jeden Tag reiner und reiner. Das Vergnügen
kommt,
aber nicht um zu bleiben. Der sterbliche Körper ist nur aus Lehm.
Alles
wird vergehen. Brahmacharya ist der einzige Weg zu Gott." Yogis sollten
Bhartriharis (indischer Poet) "Vairagya Satakam" und andere Arbeiten
über Vairagya (Leidenschaftslosigkeit) studieren. Dieses
entwickelt
Leidenschaftslosigkeit im Verstand. Die Erinnerung an den Tod und den
Schmerz der Wiedergeburt wird euch dabei helfen. Es sei daran erinnert,
dass genau aus diesem Grunde, einige buddhistische Mönche, einen
Totenschädel bei sich haben. Ein Philosoph hielt den
Totenschädel einer
Frau in den Händen und fing an zu philosophieren: "O Schädel!
Noch vor
einiger Zeit, da begehrte ich dich, mit deiner glänzenden Haut und
deinen rosigen Wangen. Wo ist jetzt dein Charm? Wo sind deine
Honiglippen, deine Lotusaugen geblieben?" Darum entwickelte er
intensive Leidenschaftslosigkeit. Wenn du den menschlichen Körper
analysierst und ein Bild aus Fleisch und Knochen in deinem Bewusstsein
verankerst, dann wird dir der Körper einer Frau nicht mehr
begehrlich
erscheinen. Versuche es einmal mit dieser Methode.
Die Erinnerung an den toten Körper
einer
Frau wird die Leidenschaftslosigkeit in dir erwecken. Der Körper
besteht aus vielen Unreinheiten. Und am Ende wird er wieder zu Asche.
Wenn du dich daran erinnerst, beginnt in dir die Leidenschaftslosigkeit
zu wachsen. Die erotische Anziehung der Frauen auf dich wird
allmählich
nachlassen. Wenn du eine hübsche Frau siehst, dann stelle dir vor,
wie
sie aussieht, wenn sie alt und hässlich ist. Das wird die
Leidenschaftslosigkeit festigen. Erinnere dich an den Schmerz der
Wiedergeburt, an die Unwirklichkeit der Objekte und an die
Knechtschaft, die eine Ehe mit sich bringt. Wähle die Methode, die
dir
am besten gefällt. Setze dich hin und denke ruhig und ehrlich
darüber
nach, welche Schönheit wirklich in einer Frau aus Fleisch und
Blut,
Nerven, Fett, Mark und Knochen zu finden ist. Wo bleibt die
Schönheit
der gleichen Frau, wenn sie alt wird? Betrachte dir den Zustand der
Augen und des Körpers einer Frau, wenn sie sieben Tage lang krank
war!
Was ist aus ihrer Schönheit geworden? So schnell kann die
Schönheit
verfallen. Wo bleibt ihre Schönheit, wenn sie eine Woche lang
nicht
gebadet hat? Der Geruch ist entsetzlich. Schau dir die senile alte Frau
von 85 Jahren an, wie sie mit müden Augen, eingefallenen Wangen
und
faltiger Haut in der Ecke sitzt. Analysiere ihren menschlichen
Körper
und erkenne ihre wahre Natur.
Frauen sind die größte Ursache
für die
Verwirrung des Mannes. Sie sind die Flammen der männlichen Laster.
Sie
sind die lodernden Flammen, die den Mann wie trockenes Stroh
verbrennen. Die reizende junge Frau ist wie eine giftige Droge, die
durch ihre lüsterne Verführung das Leben der Männer
zerstört. Ohne den
Verzicht auf die Frauen, wirst du niemals das ewige Glück des
Brahman
erreichen. Die Körper der attraktiven jungen Frauen, die so viel
von
unwissenden Männern gehätschelt werden, werden zum Friedhof
getragen,
nachdem sie ihre Lebensenergie verloren haben. Maden und Würmer
werden
ihren Körper zerfressen. Ohne Brahmacharya wird es keine
Selbstverwirklichung geben.
Die Frauen sollten keinesfalls beleidigt
sein, wenn sie diese Zeilen lesen. Ich habe nur die Lehren der
Philosophen Sankaracharya und Dattatreya wiedergegeben. Ich habe
großen
Respekt und Bewunderung für die Frauen. Ich möchte beide
Geschlechter
auf die Kraft des Brahmacharya und auf die Nachteile der Lust
hinweisen. Brahmacharya sollte von den Männern und von den Frauen
geübt
werden. Das bloße Verurteilen der Sinneslust ist nicht
ausreichend, um
den Verstand von sexuellen Begierden zu entwöhnen. An diesen Punkt
sollte man sich erinnern. Die Sinneslust ist sehr stark, hinterlistig
und eindrucksvoll. Die Sinneslust ist durch Personen mit schwachem
Willen nicht kontrollierbar. Man sollte die Tricks der Maya, der
Illusion, durchschauen, mit der sie versucht, dich in den Schlingen
ihres Netzes einzufangen. Eine Frau sollte den Charme eines Mannes
berücksichtigen, der sie verführen möchte, und ein Mann
sollte den
Charme einer Frau berücksichtigen, die ihn verführen
möchte. Ein Mann
besitzt sehr viel Charme, um eine Frau zu verführen. Der Mann
versucht
die Frau durch seine Kleidung, seine Schlipse, seine tiefen
Verbeugungen, durch sein Lächeln, seine Zuneigung, seine
flüchtigen
Gesten und Blicke, seine blumigen Worte, durch seine Frisur und auf
andere Weise zu beeindrucken.
Die Sinneslust ist eine starke Kraft. Es ist
sehr schwierig, sich davon zu befreien. Der ist der Grund warum die
Shastras (Bücher des Wissens) und die Heiligen die Frauen tadeln.
Sie
wollen bei den Männern Sachlichkeit und
Unterscheidungsvermögen
entwickeln, um sie von lüsternen Tendenzen und ihrem
draufgängerischen
Verhalten abzuhalten. Sri Sankara, Sri Dattatreya, Sri Rama, Sri
Tulasidas, haben die Frauen nicht aus Hass, aus Voreingenommenheit oder
aus Ablehnung kritisiert, sondern aus Mitgefühl, um die Menschen
aus
dem Sumpf des Rades von Tod und Wiedergeburt zu befreien. Ihre Kritik
an den Frauen, beinhaltete ebenso die Kritik an den Männern. Ihre
Kritik hat das Ziel, den Verstand der weltlich gesinnten Menschen,
durch die Erzeugung von Abscheu, vom sexuell orientierten Verhalten
abzuhalten. Dieses ist von einigen missverstanden worden. Die gleichen
Schriften und Heiligen, die die Frauen kritisierten, lobten sie im
gleichen Maße. Sie sagten: "Frauen sollten verehrt werden. Sie
sind
Ardhanginis, Ehefrauen, die andere Hälfte des Mannes. Sie sind die
Verkörperung der Shakti, der Energie Lord Shivas. Nur die, die
Frauen
ehren, können Wohlstand erlangen." Darum ihr Frauen, versucht das
Herz
der Schriften und die Worte der Heiligen zu verstehen und weise zu
werden.
Der Verstand junger Leute ist häufig
mit
unreinem Eindrücken und sinnlichen Erwartungen durchtränkt,
infolge
falschen Umgangs und den negativen Einflüssen der modernen
Zivilisation. Sogar die Gesellschaft einer Frau oder das Gespräch
über
eine Frau, kann genügen, den Verstand in eine schädliche
Richtung zu
lenken. Darum versuche ich, im Verstand der Brahmacharins ein geistiges
Bild zu platzieren, dass sie vor den erotischen Versuchungen
beschützt.
Wenn ich sage, dass eine Frau nur ein lederner Sack ist, so heißt
das
nicht, dass ich die Frauen verachte. Es geschieht, um
Leidenschaftslosigkeit zu entwickeln. In Wirklichkeit sollte eine Frau
als Mutter Shakti verehrt werden. Sie ist die Mutter, Erzeugerin und
Ernährerin des Universums. Sie sollte verehrt werden. In Indien
wird
die Religion vor allen Dingen durch die aufopferungsvolle Hingabe der
Frauen gepflegt und erhalten. Hingabe ist eine fundamentale Eigenschaft
hinduistischer Frauen. Hasse die Lust, aber nicht die Frauen. Am
Anfang, bis du die Leidenschaftslosigkeit und die Unterscheidungskraft
erworben hast, solltest du die Gesellschaft der Frau wie Gift
behandeln. Wenn du die Unterscheidungskraft und die
Leidenschaftslosigkeit erreichst, dann kann die Sinneslust keinen
Einfluss auf dich nehmen. Du wirst sehen und erkennen: "Sarvam
Khalvidam Brahma. (Alles ist Brahman)." Die sexuelle Verhaftung wird
verschwinden. Und irgendwann wirst du eins mit Gott.
Das Gelübde des Zölibats gibt dir
einen
sicheren Schutz gegen Versuchungen. Es ist eine starke Waffe gegen die
Sinneslust. Praktizierst du nicht das Gelübde des Zölibats,
dann wird
der Verstand dich jederzeit reizen. Du wirst keine Stärke
besitzen, der
Versuchung zu widerstehen und du wirst ein sicheres Opfer der
Versuchung. Der, der schwach und unmännlich ist, hat Angst vor dem
Zölibat. Er flüchtet sich in viele Ausreden und sagt: "Warum
sollte ich
das Gelübde ablegen? Mein Wille ist stark und kraftvoll, ich kann
jeder
Versuchung widerstehen. Ich lebe züchtig und verehre Gott." Er
wird es
langfristig bereuen, weil er langfristig keine Kontrolle über
seine
Sinne hat. In diesem Mann, der vorgibt, auf den subtilen Wunsch nach
Lüsternheit verzichtet zu haben, lauert sie weiterhin in den Ecken
seines Unterbewusstseins. Seine Beteuerungen sind nichts als
unglaubwürdige Ausreden. Du solltest rechtes Verständnis,
Urteilsvermögen und Sachlichkeit entwickeln, denn nur das
Zölibat ist
dauerhaft und beständig. Wenn deine Entsagung nicht das Resultat
deines
Unterscheidungsvermögens und deiner sachlichen überlegungen
ist, dann
wird der Verstand einfach die Gelegenheit abwarten, bis sich die
Gelegenheit ergibt, in die alten lüsternen Gewohnheiten
zurückzufallen.
Fühlst du dich nicht so stark, dann
übe das
Zölibat für einen Monat und versuche es auf drei Monate
auszudehnen. Du
wirst in dieser Zeit an Stärke zunehmen. Dann kannst du versuchen,
das
Zölibat auf sechs Monate auszudehnen. Allmählich wirst du in
der Lage
sein, das Gelübde auf ein, zwei oder drei Jahre auszudehnen.
Schlafe
getrennt, übe fleißig Japa (Mantrameditation), Kirtan (das
Singen
religiöser Lieder) und meditiere täglich. Dann wird die Lust
an der
Sinnlichkeit langsam vergehen. Du wirst Freiheit und unbeschreibliche
Freude erfahren. Solltest du verheiratet sein, dann wäre es
schön, wenn
du diesen Weg gemeinsam mit deinem Lebenspartner beschreitest. O Mohan,
du hast ein unverzeihliches Verbrechen begangen, als du das
Gelübde des
Zölibats gebrochen hast. Wie kann es Religion oder
Spiritualität geben,
wenn es Leidenschaft gibt? Du bist ein alter Mann. Warum wiederholst du
so schamlos dieses alte unwürdige Verhalten mit der Ausrede:
"Gelegenheit macht Liebe." Niemand möchte deine Ausreden
hören. Du
solltest deine Leidenschaften bändigen, wann immer die Sinne sich
regen. Möge Shiva dir die Stärke geben, diesen entsetzlichen
Feind zu
kontrollieren, damit du deine spirituelle Praxis fortsetzen kannst.
Wenn du deinen Geist rein machen kannst,
stark und unwiderstehlich, indem du die Wünsche beseitigst, indem
du
Freude und Leid ausrottest, indem du Geduld und Gleichmut übst,
stirbt
die Leidenschaft. Der Wille ist ein großer Feind der
Leidenschaften.
Die Sinneslust hat ihren Ursprung in der Unwissenheit und den fehlenden
Vorsätzen. Nachsicht und Unachtsamkeit verstärkt sie. Wenn du
dich
entschlossen von der Leidenschaft abwendest, verschwindet sie und
stirbt. Setze dich allein in deinen Meditationsraum und schließe
deine
Augen. Wiederhole langsam immer und immer wieder folgende Formeln. Lass
den Geist mit der Bedeutung der Formeln verschmelzen. Tränke den
Verstand und den Intellekt mit diesen Ideen. Dein vollständiger
Körper,
dein Blut, deine Knochen, deine Nerven und Zellen sollten mit den
folgenden Ideen im Gleichklang schwingen:
Du kannst auch nachts meditieren. Meditiere am Anfang nur 10 Minuten. Dann erhöhe die Zeit langsam auf eine halbe Stunde. Behalte diese Einstellung auch während der Arbeit bei. Schreibe in großer Schrift sechs mal "Om Reinheit" auf einem Blatt Papier und stecke das Papier in deine Hosentasche. Lies dir die Worte so oft am Tage durch, wie du kannst. Hänge solch einen Zettel auch in deinem Haus auf. Vergegenwärtige dir die Worte "Om Reinheit" deutlich in deinem Verstand. Erinnere dich mehrmals täglich an die Heiligen Brahmacharins. Denke über die vielfältigen Vorteile des Lebens im Brahmacharya, und über die vielfältigen Nachteile und Übel eines unreinen Lebens, nach. Hör nicht auf zu praktizieren. Übe regelmäßig. Allmählich wirst du reiner und reiner und schließlich wirst du ein Oordhvareta Yogi, ein Yogi, der die Samenenergie im Gehirn gespeichert hat. Sei geduldig. Dein tägliches Gebet könnte lauten: "Durch die Gnade Gottes, geht es mir jeden Tag besser und besser." Das ist Autosuggestion, eine sehr effektive Methode. Der Mann sollte die Frau als Mutter, Shakti
(weibliche Energie), oder Atman betrachten. Die Frau sollte den Mann
als Vater, als Shiva, oder ebenfalls als Atman betrachten. Es reicht
nicht, wenn der Mann die Frau als Schwester betrachtet. Das könnte
misslingen. Betrachtet der Mann die Frau als Schwester und die Frau,
den Mann, als Bruder, so wird dies nicht ausreichen, die sexuelle
Anziehung und die Unreinheit in den Gedanken vollkommen abzulegen. Die
schwesterlichen Gefühle zu einer Frau haben schon viele
Männer
getäuscht und betrogen. Reine Liebe kann jederzeit in Leidenschaft
entarten, wenn man unvorsichtig und unachtsam ist. Das Gefühl, von
einer Kobra angegriffen zu werden, verlangt vom Yogi höchste
Konzentration. Nach dem Gefühl, von einer Kobra bedroht zu werden,
erfordert das Gefühl, die Frau als Mutter zu betrachten, vom Mann
die
höchste Aufmerksamkeit. Betrachtet man die Frau dagegen als Atman
(Seele), dann ist die Gefahr nicht so groß, dass die
Leidenschaften
erwachen. Mit sich selbst ringende Yogis können dieses besser
verwirklichen, als trockene Philosophen.
Die Kultivierung der Gefühle ist sehr
schwierig. Du kannst das Gefühl, dass alle Frauen deine
Mütter und
Schwestern sind, hundertmal verfehlen. Aber auch wenn du das Ziel
mitunter verfehlst, verfolge deswegen trotzdem weiter hartnäckig
deine
Praxis. Diese Abgrenzung wird dich schließlich zum Erfolg
führen. Du
musst die alten Ansichten zerstören und neue Ansichten
kultivieren.
Dennoch musst du es tun, wenn du Unsterblichkeit und ewiges Glück
erreichen möchtest. Du hast Erfolg, wenn du dein Ziel konsequent
verfolgst und über eine eiserne Entschlossenheit verfügst.
Die
Einstellung wird sich Schritt für Schritt, durch eine konstante
Praxis,
festigen. Bald wird sich diese Einstellung etabliert haben. Dann bist
du in Sicherheit. Der Mann und die Frau sollten Selbstanalyse machen.
Sie sollten das rechte Wissen über die Art und Weise, wie
Sinneslust
funktioniert, und über die Gefühle, die die Leidenschaften
entfachen,
besitzen. Nur die Kontrolle der Lust führt zum Erfolg.
Aber der Verstand wird immer wieder
versuchen, innerlich Unheil anzurichten. Er kann sehr diplomatisch
sein. Es ist sehr schwierig, seine überlegungen und seine geheimen
Untergrundoperationen zu durchschauen. Es verlangt einen subtilen
Intellekt und eine sehr sorgfältige Selbstbeobachtung. Wann immer
ein
erotisches Bild in deinem Kopf entsteht, wiederhole geistig das Mantra:
"Om Durga Devyai Namah" (Om. Ehre der erleuchteten Göttin Durga)
und
mache eine geistige Verbeugung vor der göttlichen Mutter Durga.
Langsam
aber sicher werden die alten Gedanken verschwinden. Wann immer du eine
Frau siehst, übe diese Einstellung und wiederhole geistig das
Mantra.
Dann wird dein Blick rein. Alle Frauen sind Erscheinungsformen der
Weltmutter. Vernichte die Idee, dass eine Frau ein Gegenstand der Lust
ist, und ersetze sie durch die Idee, dass sie ein Gegenstand der
Anbetung und der Verkörperung der göttlichen Mutter Durga
oder Kali ist.
Ändere deine Einstellung, ändere
deine
geistige Haltung. Und du wirst den Himmel auf Erden erleben. Der Wunsch
nach Brahmacharya wird sich in dir weiter festigen. Dieses ist ein
wichtiger Schritt, um ein aufrechter Brahmachari zu werden. Siehe den
Atman (Seele) in allen Frauen. Konzentriere dich nicht auf
äußere Namen
und Formen, sondern auf die göttliche Essenz, die dahinter steht,
auf
das immer währende Sat-Chit-Ananda (Sein, Wissen und
Glückseligkeit).
Alle äußeren Namen und Formen sind unreal. Sie sind so
unwirklich wie
Schatten, wie eine Fata Morgana und das Blau des Himmels. Für den
Wissenschaftler ist die Frau nur eine Ansammlung von Protonen,
Neutronen und Elektronen. Für einen Vaiseshika
(indisches Philosophiesystem) stellt sie sich als eine Ansammlung von
Atomen, als Dualität (Atman - Brahman) und in unterschiedlichen
Substanzen (Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther, Zeit, Raum, Seele
und
psychisches Organ) dar. Der Tiger betrachtet sie als gute Mahlzeit.
Für
einen Ehemann ist sie ein Objekt der sinnlichen Begierde, und für
ein
schreiendes Kind ist sie eine liebevolle Mutter, die Milch, Bonbons und
Liebe schenkt. Für eine eifersüchtige Schwägerin oder
Schwiegermutter
ist sie eine Feindin. Für einen leidenschaftslosen Yogi, ist sie
eine
Kombination aus Fleisch, Knochen, Urin, Fäkalien, Eiter,
Schweiß, Blut
und Schleim. Und für einen vollerblühten Jnani (Yogi des
Wissens) ist
sie das göttlche Sat-Chit-Ananda.
Die Leidenschaften entstehen, wenn du an den
Körper einer Frau denkst. Bist du in der Gesellschaft von Frauen,
dann
denke an das eine unsterbliche reine Selbst des Atman, das im
Körper
der Frau zu finden ist. Das sexuelle Begehren wird langsam verschwinden
und mit ihr die Leidenschaft. Dieses ist die stärkste Methode, die
Leidenschaft und die sexuelle Fixierung auszurotten. Wiederhole geistig
das Mantra: "Sat Chit Ananda". Dieses führt zur Vernichtung der
Sinneslust und zur vedantischen Erkenntnis der Einheit mit Gott. Es
gibt weder Sex noch sexuelle Wünsche in Brahman (Gott). Brahman
ist
ewig rein. Denke konstant an den sexlosen Atman und du erlangst
Festigkeit im Brahmacharya. Dieses ist die erfolgversprechendste
Methode. Dieses ist die beste Art der spirituellen Praxis für die,
die
die Technik der Unterscheidung beherrschen. Aber nur fortgeschrittene
Jnana-Yogis (Jnana = Wissen) sind in der Lage, allein durch Brahma
Vichara (Unterscheidungskraft) die Leidenschaften zu besiegen. Für
die
beträchtliche Mehrheit der spirituellen Menschen, ist eine
kombinierte
Methode angemessen und empfehlenswert. Wenn die Feinde sehr stark sind,
dann wird eine kombinierte Methode aus Schlagstöcken, Pistolen,
Schrotflinten, Maschinengewehren, Unterseebooten, Torpedos, Bomben und
giftigen Gasen die Feinde besiegen. So ist ebenso, bei der Vernichtung
der Leidenschaft, eine kombinierte Methode absolut notwendig.
Die regelmäßige Praxis von Yoga-
und
Atemübungen hilft beträchtlich bei der Bemühung, den
sexuellen Impuls
zu kontrollieren. Der Schulterstand und Kopfstand helfen dir, zu einem
Oordhvaretas, zu einem Yogi, der seine Samenenergie als Ojas Shakti
(spirituelle Energie) im Gehirn gespeichert hat, zu werden. Sie werden
auch als umgekehrte Haltungen bezeichnet. Sie sind von Yogis entwickelt
worden, die uns ermuntern wollten, selber Oordhvaretas zu werden.
Durch
Atemübungen werden die groben Schwingungen des Verstandes immer
mehr
verfeinert. Dadurch wird der Verstand in die Lage versetzt, immer
besser zu differenzieren und neue Einsichten zu gewinnen, die ein
grober Verstand nicht erkennen kann. Dadurch übt er eine bessere
Kontrolle über sexuelle Reize aus. Wenn dich also ein
lüsterner Gedanke
stört, dann praktiziere den Lotussitz (Padmasana, Bild links), den halben Lotussitz (Siddhasana) oder den
Schneidersitz und mache einige Atemübungen.
Und der lüsterne Gedanke wird dich bald wieder verlassen. Der halbe Lotussitz wird von den Yogis für die
Praxis
des Brahmacharya sehr empfohlen. Er hilft dem Yogi, seine
Leidenschaften und seine nächtlichen Orgasmen (Pollutionen) besser
zu
kontrollieren. Der halbe Lotussitz ist besonders für die
Praktizierung
von Japa (Mantrameditation) und Meditation zu empfehlen. Lege die linke
Ferse so nahe wie möglich an den Anus / Beckenboden. Dann lege den
rechten Fuß auf den linken Unterschenkel, so dass sich die
Fußknöchel
gegenseitig berühren. Die rechte Ferse liegt dabei am Schambein
an.
Halte den Körper, den Hals und den Kopf gerade. Du kannst die
linke
Hand auf das linke Knie und die rechte Hand auf das rechte Knie mit den
Handflächen nach oben legen, wobei der Zeigefinger den mittleren
Teil
des Daumens oder die Daumenspitze berührt (Chinmudra).
Schließe die
Augen. Beginne mit einer halbe Stunde und verlängere langsam die
Zeit
bis auf drei Stunden. Gelingt es dir, den halben Lotussitz 3 Stunden
lang zu praktizieren, dann sagt man, du beherrscht ihn vollkommen. Sirshasana, der Kopfstand, ist der König der
Yogaübungen. Die Vorteile, die von dieser Yogaübung
abgeleitet werden,
sind unvorhersehbar und unbeschreibbar. Dieses gilt besonders für
das
Stoppen der nächtlichen Pollutionen. Der Kopfstand hilft, den
Samen in
Richtung zum Gehirn zu leiten, damit er in Ojas Shakti, geistige
Energie, umgewandelt werden kann. Lege eine gefaltete Decke auf die
Erde. Knie dich mit beiden Unterschenkeln auf die Decke und setze dich
auf deine Unterschenkel. Dann verschränke deine beiden Hände,
wie beim
Falten zum Gebet und lege deine gefalteten Hände vor dir auf die
Decke.
Stütze dich dabei auf deine Unterarme und halte die gefalteten
Hände
vertikal. Die Hände sollen beim Kopfstand am Hinterkopf anliegen
und
den Hinterkopf stützen. Dann stelle die Oberseite deines Kopfes
zwischen beide Hände. Nun hebe langsam, aber ohne irgendeinen Ruck
deine Beine an, bis sie vertikal stehen. Übe am Anfang an einer
Wand
oder bitte einen Freund um Hilfe. Nach einiger Übung wird es dir
gelingen, das Gleichgewicht zu halten. Solange du den Kopfstand
übst,
atme nur durch die Nase. Wenn du den Kopfstand beendest, dann senke
langsam wieder die Beine. Unregelmäßiges Atemanhalten,
Ausatmen und
Einatmen führt zu Schwankungen. Übe den Kopfstand
möglichst nicht mit
vollem Magen. Viele chronische, unheilbare Krankheiten des Magens, des
Darms, der Lungen, des Herzens, der Nieren, der Harnwege, der Ohren und
der Augen werden durch die regelmäßige Praxis des
Kopfstandes geheilt.
Fangen die Beine an zu torkeln, dann halte für einen kurzen Moment
die
Luft an. Der Schulterstand ist eine wichtige Yogaübung,
der dir
in der Praxis von Brahmacharya behilflich sein kann. Die Verdauung, der
Kreislauf und das Nervensystem werden in einer geheimnisvollen Weise
durch den Schulterstand beeinflusst. Dieses ist keine übertriebene
Verherrlichung oder eine Lobrede, meine lieben Freunde! Übt den
Schulterstand und spürt den heilsamen Einfluss am eigenen
Körper.
Dieses ist das beste Hilfsmittel gegen feuchte Träume und viele
andere
Krankheiten. Es ergibt ein gesundes Funkeln in den Augen, einen
einzigartigen Glanz, Charme, Schönheit und eine magnetische Aura
in
deinem Gesicht. Breite eine Decke auf dem Fußboden aus. Lege dich
flach
auf den Rücken und hebe langsam den Rumpf, die Hüften und die
Beine an.
Unterstütze dabei auf beiden Seiten den Rücken mit den
Händen. Das
ganze Gewicht des Körpers ruht nun auf den Schultern und den
Ellbogen
(Unterarmen). Halte die Beine gerade. Presse das Kinn fest gegen die
Brust und atme langsam durch die Nase. Beginne mit fünf Minuten
und
versuche den Schulterstand so lange zu üben, wie du kannst.Der Fisch
sollte nach dem Schulterstand geübt werden. Es lindert die
Steifheit
des Nackens und alle Verkrampfungen der Halsregion, die eventuell durch
den Schulterstand verursacht werden. Dies ist eine natürliche
Massage
für die verkrampften Muskeln des Halses und der Schultern. Weiter
garantiert es dem Yogaübenden, dass er den maximalen Erfolg aus
dem
Schulterstand erlangen kann.
Setze
dich im Lotussitz (Bild links) auf
eine Decke, indem Sie den rechten Fuß über dem linken
Oberschenkel und
den linken Fuß über dem rechten Oberschenkel legst. (Manche
üben den
Fisch auch ohne Lutussitz) Dann lege dich flach auf den Rücken.
Hebe
den Rücken an und strecke den Kopf so weit zurück in den
Nacken bis die
Kopfoberseite (Fontanelle) auf der einen, und der Hintern auf der
anderen Seite, auf dem Fußboden ruhen. Der Rumpf bildet dabei
gewissermaßen eine Brücke. Für den Anfänger ist es
sinnvoll, wenn er
die Hände dabei neben den Körper legt und sich auf den
Unterarmen
abstützt. Fortgeschrittene legen die Hände auf die
Oberschenkel oder
ergreifen die Zehen. Du wirst den Rücken dabei gut zurück
biegen. Die
Yogaübung "Fisch" beseitigt viele Krankheiten. Sie ist sehr
nützlich
für die allgemeine Gesundheit.
Die Zehenspitzenstellung sollte nur geübt werden,
wenn
die Kniegelenke gesund sind, und wenn sich die Stellung in den Knien
angenehm anfühlt. Hocke dich dazu hin und stütze dich dabei
mit beiden
Händen auf dem Fußboden ab. Dann richte die linke (rechte)
Ferse
aufwärts, so dass der linke Fuß nur noch auf den Zehen
steht. Nun
platziere die linke Ferse in die Mitte des Perineums, das ist der Raum
zwischen dem Anus (Po) und dem Geschlechtsorgan. Dann verlagere das
vollständige Gewicht des Körpers auf die Zehen des linken
Fußes,
insbesondere auf die linke große Zehe, indem du dich
gewissermaßen auf
die Ferse setzt. Nun lege den rechten Fuß in der Nähe des
linken Knies
auf den linken Oberschenkel.
Dann nimm die Hände vom Fußboden, hebe die Arme an und halte sie weit auseinander, damit du mit den Armen balancieren kannst. Mache erst weiter, wenn Du in dieser Stellung sicher bist. Es kann sein, dass du diese Stellung einige Tage oder Wochen üben musst, bevor du weiter gehen kannst. Wenn es dir schwer fällt, diese Übung freihändig auszuüben, dann halte dich anfangs irgendwo fest oder stütze dich an einer Wand ab. Beherrscht du das Gleichgewicht, dann stütze die Hände in die Hüften. Dies ist eine mögliche Endstellung. Du kannst aber auch die Hände vor der Brust zusammenlegen, Handinnenfläche an Handinnenfläche (wie bei Albrecht Dürers "Betende Hände"), oder die Arme gestreckt über den Kopf halten und die Hände in eben beschriebener Weise aneinander legen.
Der perineale Raum ist etwa vier Zoll (10 cm) breit. Oberhalb des Perineums liegt der Veerya Nadi, der Samenkanal, durch den u.a. der Samen aus dem (Neben-)Hoden transportiert wird. (Wenn man sich die beiden oberen Bilder anschaut, so kann er eigentlich nur den Punkt in der Prostata gemeint haben, in dem die beiden Samenleiter und die Urethra, die Harnröhre, zusammentreffen. Das ist genau derselbe Punkt, den Taoisten, wie Mantak Chia als den "Eine Millionen Dollar Punkt" bezeichnen.) Indem man dieses Nadi mit der Ferse zusammenpresst, kann man den Samenabfluss kontrollieren. Eine unveränderliche Praxis dieser Yogaübung vermeidet feuchte Träume, ungewollten Sperma-Abluss (Spermatorrhoe) und macht dich zu einen Oordhvareta Yogi, dessen Samenenergie vollkommen zum Gehirn fließt. Eine Kombination von Asanas (Yogaübungen) wie Kopfstand, Schulterstand und Siddhasana (halber Lotussitz) ist zum Aufrechterhalten des Brahmacharya sehr förderlich. Jede Übung hat ihre speziellen Wirkungen. Siddhasana wirkt auf die Hoden und die Samenzellen und verhindert die Entwicklung des Samens. Der Kopfstand und der Schulterstand helfen dem Samen, zum Gehirn zu fließen. Die Zehenspitzenstellung wirkt speziell auf den Samenleiter. Körperliche Tätigkeiten entziehen
uns die
Lebensenergie, das Prana. Yogaübungen dagegen bringen es
zurück.
Yogaübungen wirken nicht nur physisch, sondern auch spirituell.
Sie
helfen langfristig, die Sinne, den Verstand und den Körper zu
kontrollieren und den Körper, die Nerven und die Muskeln zu
reinigen.
Übst du Liegestützen und Klimmzüge fünfhundertmal
am Tag, und machst du
das fünf Jahre lang, dann wirst du in keinster Weise irgendeine
spirituelle Erfahrung produzieren. Normale körperliche
Übungen
entwickeln nur die Muskeln des Körpers. Du kannst zwar durch
körperliche Übungen einen athletischen Körper, den
Körper eines
Bodybuilders bekommen. Aber Yogaübungen beeinflussen sowohl die
körperliche als auch die spirituelle Entwicklung. Legt eine Decke
oder
Yogamatte auf den Fußboden und praktiziert dort die
Yogaübungen. Wenn
ihr den Kopfstand macht, dann legt ein dünnes Kissen unter den
Kopf.
Trage ein Langoti (eine Art Tanga) oder ein Kaupin (Lendetuch), wenn du
Asanas (Yogaübungen) praktizierst. Trage während der
Yogaübungen
möglichst keine Brille und nicht zu viel Kleidung. Diejenigen, die
den
Kopfstand längere Zeit praktizieren, sollten nach der Beendigung
der
Übung etwas leichtes Essen oder etwas Milch trinken. Mache
möglichst
täglich deine Yogaübungen. Die, die üben, bleiben gesund
und
profitieren allmählich von den spirituellen Fortschritten.
Regelmäßigkeit in der Praxis ist absolut erforderlich, wenn
man den
maximalen Nutzen der Übungen erzielen möchte. Vielfach
üben die Leute
am Anfang mit großer Begeisterung zwei Monate lang und verlieren
dann
die Lust. Das ist eine falsche Einstellung.
Yogaübungen sollten möglichst mit
leerem
oder leichtem Magen getan werden, also etwa drei Stunden nach einer
Mahlzeit. Es ist vorteilhaft, wenn du sowohl Japa (Mantrameditation)
als auch Pranayama (Atemübungen) praktizierst. Dann genießt
du die
Vorteile beider Übungen. Yogaübungen können an den
Sandbänken der
Flüsse, an luftigen Plätzen und am Strand der offenen See
praktiziert
werden. Selbstverständlich kann man Yoga auch zu Hause üben.
Der Raum
sollte sauber und gut belüftet sein. Am Anfang der Praxis, mache
jede
Yogaübung nur eine oder zwei Minuten lang. Dann erhöhe
langsam die
Zeit, solange du kannst. Vermeide zu viel Anstrengungen, wenn du die
Yogaübungen machst. Du solltest die Yogaübungen mit Freude
und
Heiterkeit praktizieren. Ich habe euch einige Yogaübungen gezeigt,
die
für das Aufrechterhalten von Brahmacharya sehr nützlich sind.
Ausführliche Anweisungen für fast neunzig Yogaübungen,
findest du in
meinem Buch "Yoga Asanas“ (Englisch). Ich empfehle: Kostenlose Onlinebücher von Swami Sivananda
in
Deutsch.
Die Hatha-Yoga-Bücher sagen, dass man
sich
beim Mula Bandha auf den Anus, den Schließmuskel konzentrieren
soll.
Das ist korrekt. Das Zusammenziehen der Enddarmöffnung ist Mula
Bandha,
wie es von den Anfängern beim Hatha Yoga aufgefasst wird. Mula
Bandha
ist ein Zusammenziehen des Damms, dem "Sitz" des Kundalini Muladhara
Chakras (Wurzelchakra). Es ist der Bereich zwischen dem Enddarm und den
Geschlechtsorganen, der zusammengezogen werden soll. Mula Bandha ist
leicht differenziert bei Frauen und Männern. Bei Frauen ist es
mehr die
Damm- bzw. die Scheidenmuskulatur. Bei den Männern ist es jener
PC-Muskel (Pubococcygeus, Schambein-Steißbein-Muskel oder
Beckenbodenmuskel) zwischen Anus und den Genitalien. Diese Muskeln sind
leicht zu spüren, wenn man uriniert, währenddessen den
Urinstrahl
stoppt und anschließend wieder löst. Beim Zusammenziehen der
Anusschließmuskeln wird das Prana nach oben gepresst und man
öffnet den
Sushumna (feinstofflicher Nadi = Haupt-Energiekanal in der
Wirbelsäule). Dies kann beim Atem-Anhalten gemacht werden, bei
vielen
Pranayamas (Atemübungen) und auch beim Einatmen.
Ausführung
Im
aufrechten Sitz, wird die untere (linke Ferse) fest gegen den Damm,
zwischen dem Schließmuskel und den Geschlechtsorganen, dieser
Bereich
wird Perineum genannt, und die obere (rechte) Ferse gegen den
Geschlechtsbereich (im Bereich der Schambehaarung, also oberhalb des
Penis) gedrückt. (Man setzt sich gewissermaßen mit dem
Perineum auf die
linke Ferse und legt dann die rechten Ferse an den Unterleib, oberhalb
des Penis. Früher meditierten die Yogis sehr lange und diese
Yogahaltung sollte gewissermaßen das Brahmacharya symbolisieren,
da die
beiden Fersen symbolisch die Sexualität einsperrten). Lege die
Handflächen auf die Knie. Lenke die Wahrnehmung auf den
Damm/Vaginalbereich (Beckenbodenmuskel). Kontrahiere diesen Bereich,
indem du den Mastdarm nach innen und nach oben ziehst und dann wieder
löst. Bei dieser Kontraktion bewegt sich der Damm mit. Mit
wachsender
Achtsamkeit und Kontrolle jedoch vermindert sich die Kontraktion oder
hört sogar auf. Das Ziel dieser Übung liegt darin, einen
einzigen Punkt
der Bewegung gegen die Fersen zu fühlen. Verharre so lange, wie du
bequem den Atem anhalten kannst.Wirkungen
Mula Bandha hat ernorme körperliche,
mentale
und spirituelle Wirkungen. Die Beckennerven, das Urogenital- und das
Ausscheidungssystem werden angeregt. Die innere Peristaltik
(Muskeltätigkeit von Magen und Darm) wird stimuliert und löst
Verstopfung und Hämorrhoiden. Hilfreich ist die Übung bei
Rissen oder
Geschwüren in der Analgegend. Bei Entzündung der Prostata, in
einigen
Fällen von Hypertrophie (Vergrößerung eines Organs oder
Gewebes durch
Vergrößerung der Zellen) der Prostata und bei chronischer
Beckenentzündung. Die Ausstrahlung der freigesetzten Energie geht
bis
in das Gehirn und in das endokrine System (Gesamtheit aller
hormonbildenden Organe und Zellen) hinein. Daher ist die Übung
auch
hilfreich bei Asthma, Bronchitis und Arthritis (Gelenkerkrankungen).
Depressionen werden gelindert. Das Apana Vaju, die Energie, die
für die
Ausscheidung von Kot und Urin verantwortlich ist, hat die
natürliche
Tendenz abwärts zu fließen. Durch die Praxis von Mula
Bandha, wird das
Apana Vayu gezwungen, sich durch das Zusammenziehen des
Schließmuskels,
aufwärts zu bewegen. Mula Bandha ist eine Yogaübung, die dem
Yogi
hilft, das Apana und die sexuelle Energie aufwärts fließen
zu lassen.
Der Yogi sitzt im Siddhasana (halber Lotussitz) und läßt das
Apana und
die sexuelle Energie durch die Kontraktion des Schließmuskels und
durch
Kumbhaka (Atemanhalten), aufwärts fließen. Bei längerer
Praxis wird der
abwärts fließende Samenfluss kontrolliert und der Samen in
Ojas Shakti
(geistige Energie) umgewandelt. Dieses Bandha verhindert feuchte
Träume
und hilft das Brahmacharya aufrecht zu erhalten.
Kritik an
der modernen Praxis
Solch eine vorteilhafte Yogaübung, die
von
den Weisen und Yogis von einst vorgeschrieben wurde, wird heute
mitunter durch unerfahrene und unwissende Yogis falsch angewendet. Sie
unterrichten diese Yogaübung, aus egoistischen Zwecken, um ein
bequemes
Leben zu haben. Sie betreiben prunkvolle Werbung, dass die Leute die
lebenswichtige Samenflüssigkeit für lange Zeit behalten
können und in
dieser Zeit intensiven sexuellen Genuss haben können (taoistische
Sexualpraktiken). Sie unterrichten das Mula Bandha für reiche
Familienväter. Einige der getäuschten Familienväter
werden durch solche
falschen Aussagen, dieser yogischen Scharlatane, deren Ziel
Geldverdienen für ein bequemes Leben ist, angelockt. Sie verlieren
ihre
Vitalität und ruinieren ihre Gesundheit in kürzester Zeit.
Durch
unüberlegte Praxis dieser Yogaübung, wird das Apana, die
Ausscheidungsenergie, durcheinander gebracht. Daraus resultieren
verschiedene Krankheiten wie Koliken (krampfartige Schmerzen),
Verstopfung und Hämorrhoiden.
Anmerkung des Übersetzers: Der taoistischen Philosophie zufolge, hat die Kontraktion, das Zusammenziehen, des PC-Muskels folgende Wirkung: Wie bekannt ist, umgibt der PC-Muskel die Prostata, die der Samen während des Orgasmus' passieren muss. Es wird behauptet, dass man dann, wenn man während der Kontraktionsphase, also in der Zeit, in der sich während eines Orgasmus', die Prostatata unwillkürlich zusammenzieht, um die Prostataflüssigkeit, dem Ejakulat beizumischen, zusammenpresst (indem man also die PC-Muskeln anspannt), dann könne man es vermeiden, von der Kontraktionsphase in den Samenerguss zu schliddern. Man könne also den berüchtigten "Point of no return" vermeiden. Es wird gesagt, man solle den Orgasmus verhindern und statt dessen die sexuelle Energie, bevor es zur Ejakulation kommt, zum Gehirn hinauf zu leiten, um mehrere Ganzkörperorgasmen (multiple Orgasmen) zu erlangen. Weiter wird behauptet, dass man dann, sollte es zur Ejakulation kommen, die sexuelle Energie dadurch bewahren könne, indem man mit dem Fingerverschluss, bei dem man mittels des Zeige-, Mittel- und Ring-Fingers der stärkeren Hand, kräftig auf den "Millionen-Dollar-Punkt", das ist der Punkt direkt unter der Prostata, dort wo die Harnröhre die Prostata verlässt, drückt. Angeblich soll nun die sexuelle Energie nicht mehr verloren gehen. In Wirklichkeit findet aber ein ganz normaler Orgasmus statt, nur das das Ejakulat (Samen), wegen des Druckes der drei Finger auf den "Punkt der Millionen Goldstücke", bei der der Samenleiter und der Harnleiter, die in der Prostata zusammenlaufen, versperrt werden, nicht, wie bei einem normalen Orgasmus, durch die Harnröhre entweicht, sondern wie bei der Injakulation in die Harnblase gelangt. Es wird also keineswegs die sexuelle Energie erhalten. Kommt es aber nicht zum Orgasmus, indem man die Spasmen, die unwillkürlichen Kontraktionen der Prostata, mittels des Anspannens des PC-Muskels unter Kontrolle bringt, und gleichzeitig die sexuelle Energie, mittels wiederholter Kontraktionen des PC-Muskels, zum Gehirn hinauf leitet, so soll man ein wenig abwarten, bis sich die sexuelle Erregung ein wenig gesenkt hat. Ist das Erregungsniveau ein wenig gesunken, so soll man die Erregung wieder bis an den Punkt des nächsten Höhepunktes steigern, der nun ein höheres Energieniveau als beim ersten Höhepunkt (den man vermeiden sollte) hat. In diesem Sinne solle man weiter verfahren, so dass sich die sexuelle Energie zu immer neueren Gipfelpunkten hinaufschwingt, ohne dass es zum Orgasmus kommt. Beim multiplen Orgasmen verläuft die Erregungskurve, wie eine sich zeitlich steigernde Welle der sexuellen Energie, die einen "Höhepunkt" erreicht und dann, anstatt zu kippen und in sich zusammenzustürzen (in den Orgasmus zu fallen), in eine höhere Welle übergeht, um auf einen noch höheren Gipfelpunkt hinaufgetragen zu werden. Die Idee ist also, dem Punkt, an dem die Ejakulation unvermeidlich wird, so nah wie möglich zu kommen, ohne in die Ejakulation abzurutschen. So soll man den Geschlechtsverkehr schliesslich beenden, ohne es zum Orgasmus kommen zu lassen. Dadurch soll die sexuelle Energie den ganzen Körper durchströmen und mit sexueller Energie bereichern. Im Prinzip entspricht dieses der tantrischen Technik. Die Zwischenhöhepunkte werden gewissermaßen als multiple Orgasmen ohne Ejakulation betrachtet, obwohl ja eigentlich kein Orgasmus stattfindet, sondern ganz bewusst der Orgasmus vermieden wird. Darum halte ich es für falsch, von multiplen Orgasmen zu sprechen. Der springende Punkt sowohl an der taoistischen, als auch an der tantrischen Philosophie ist allerdings, dass eigentlich niemand die Disziplin besitzt, diese Techniken über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten. Möchte man seine sexuellen Energien nämlich für das spirituelles Wachstum nutzen, so müsste man diese Techniken so lange praktizieren, bis die sexuelle Verhaftung von einem abfällt. Das aber kann durchaus einige Jahre dauern. Wollte man also taoistische oder tantrische Sexualpraktiken anwenden, so müsste man schon fast über eine übermenschliche Disziplin verfügen. Die Realität sieht wohl eher so aus, dass man es vielleicht einige Male schafft, den Orgasmus zu vermeiden, aber dass am Ende doch wieder die Sinneslust siegt und die sexuelle Energie vergeudet wird. So tritt man am Ende auf der Stelle und bewegt sich spirituell keinen Millimeter weiter. Darum halte ich sowohl die taoistischen als auch die tantrischen Sexualpraktiken für ungeeignete Methoden, um spirituelle Fortschritte zu erzielen. Die einzig wirksamen Tantratechniken praktizieren für mich die Tantralinien, die wie die Gelugpa-Schule, der auch der Dalai Lama angehört, von vornherein auf jegliche Sexualpraktiken verzichten und das Zölibat praktizieren. Um einmal zu sehen, dass die taoistischen und die tantrischen Techniken im Grunde genommen identisch sind, sollen die Tantratechniken aus Oshos Buch „Tantrische Liebeskunst“ dargestellt werden: Osho beschreibt die Tantrapraxis wie folgt: „Euer (gewöhnlicher) Geschlechtsverkehr unterscheidet sich grundsätzlich von dem der Tantriker. Ihr schlaft mit jemandem, um euch zu erleichtern. Es ist mehr oder minder so, als ob ihr einen Niesreiz spürt und einmal kräftig niest. Dadurch wird die Energie ausgestossen und ihr fühlt euch erleichtert, aber das ist das Gegenteil von Kreativität, es ist ein Akt der Vernichtung. Das hat seine guten Seiten, es ist eine Art Entspannungstherapie. Der Geschlechtsakt der Tantriker ist diesem Verhalten grundsätzlich und absolut entgegengesetzt. Er dient nicht euer Erleichterung, er gibt euch keine Gelegenheit, eure Energie loszuwerden, sondern es geht darum, im Liebesakt zu bleiben, ohne zu ejakulieren, ohne Energie auszustossen. Man soll vollkommen verschmelzen und immer in der Anfangsphase bleiben, nicht zum Höhepunkt kommen. Das gibt dem ganzen eine völlig andere und grundverschiedene Qualität. Versucht, diese beiden Dinge zu verstehen. Es gibt zwei Arten von Orgasmen. Die eine Art kennt ihr: ihr gelangt zu einem Höhepunkt der Erregung, an dem es nicht mehr weitergeht, das ist das Ende. Die Erregung wird auf eine derartige Spitze getrieben, dass der Akt unfreiwillig wird; die Energie fährt in euch hinein und entlädt sich. Dann seid ihr erleichtert, von einer Last befreit; ihr entspannt euch und flüchtet euch in eure Traumwelt zurück. Sex wird als Beruhigungsmittel benutzt. Zu einem Gipfel der Erregung zu kommen ist eine Art, den Orgasmus zu erfahren. Das Schwergewicht der tantrischen Lehre liegt aber auf der anderen Art. Die erste Art von Orgasmus kann man einen Gipfel-Orgasmus nennen und die tantrische Art einen Talorgasmus. Dabei kommt man nicht zu einem Gipfel der Erregung, sondern gleitet ins tiefste Tal der Entspannung. Bei beiden Arten wird die sexuelle Erregung der Anfangsphase benutzt. Deshalb sagte ich, dass beide Arten sich am Anfang genau gleichen, aber das Ende ist völlig verschieden. Die anfängliche Erregung wird auf zwei völlig verschiedene Arten benutzt: entweder erklimmt man damit den Gipfel seiner Leidenschaft oder fällt ins tiefste Tal der Entspannung. Bei der ersten Art muss die Erregung immer mehr gesteigert werden, man muss dazu beitragen, dass sie immer intensiver dem Höhepunkt entgegenstrebt. Bei der zweiten Art ist man nur beim Vorspiel erregt. Sobald der Mann in die Frau eingedrungen ist, entspannen sich beide. Sie bewegen sich überhaupt nicht mehr und gehen völlig in der Umarmung auf. Und nur, wenn einer von beiden spürt, dass die Erektion nachlässt, bewegen sie sich ein wenig, um das Feuer wieder zu entfachen; dann sinken sie wieder in einen Zustand vollkommener Entspannung. Diese Art von tiefer, zärtlicher Vereinigung kann stundenlang dauern, ohne dass es zum Samenerguss kommt. Danach fallen beide in einen tiefen Schlaf. Das nennt man einen Talorgasmus. Nach einem tantrischen Liebesakt seid ihr mit Energie aufgeladen, ihr seid lebendiger und frischer als je zuvor. Und dieser ekstatische Zustand kann stundenlang, ja tagelang anhalten. Das hängt davon ab, wie sehr ihr darin aufgegangen seid. Wenn ihr tief in diese Art Sex hineingehen könnt, wird euch früher oder später klar, dass ein Samenerguss reine Energieverschwendung ist. Man braucht nicht zu ejakulieren, es sei denn, man will ein Kind zeugen. Nach einem tantrischen Sex-Erlebnis seid ihr den ganzen nächsten Tag zutiefst entspannt, selbst viele Tage lang fühlt ihr euch ruhig und gelassen, in euch selbst zentriert. aus: „Tantrische Liebeskunst“ (Seite 208) von Osho. Ende Anmerkung Übersetzer. Diese unwissenden Yogis haben dem Yoga im
Ansehen der öffentlichkeit großen Schaden zugefügt.
Anstatt dass sie
diese nützliche Yogaübung zum Erreichen des Brahmacharya
empfehlen,
haben diese irregeführten Seelen, die Leidenschaften der
Familienväter
entfacht. Sie haben die Wissenschaft des Yoga und die Yogis
verunglimpft. Sie argumentieren: "Wir müssen uns den modernen
Zeiten
anpassen. Die Leute wollen das. Sie lieben solche Übungen. Solche
Übungen werden gefordert. Sie sind glücklicher, wenn sie
diese Übungen
praktizieren dürfen." Eine wundervolle Philosophie, in der Tat!
Dies
ist die Philosophie der Genussmenschen und Charvakas, die in der
Sinneslust den Sinn ihres Lebens sehen. Ihr ignoranten Leute,
öffnet
eure Augen. Erwacht aus eurem Tiefschlaf und aus eurer Unwissenheit.
Vertraut nicht den süßen Worten und den unanständigen
Demonstrationen
dieser yogischen Scharlatane und Pseudo-Gurus. Sie werden euch
ruinieren. Enthaltet euch solcher Praktiken und bewahrt eure
Lebensenergie. Verwandelt sie durch Japa (Mantrameditation), Kirtan
(Singen religiöser Lieder), Pranayama (Atemübungen) und
Vichara
(Selbsterforschung) in spirituelle Energie. Führt ein frommes
Leben.
Das Leben ist für einen höheren Zweck bestimmt. Es ist
bestimmt, um
Selbstverwirklichung zu finden.
Ihr unwissenden Yogis. Führt die
Menschen
nicht auf den falschen Weg. Erweist euch als würdige Nachfolger
der
verehrungswürdigen Weisen der Vergangenheit. Opfert diese edle
Yogaübung nicht den niederen Trieben. Seid vorbildlich. Habt edle
Ziele
und erweist euch eines Yogi als würdig. Sonst werden die
vernünftigen
und kultivierten Leute euch auslachen, wenn ihr solche Ansichten
verbreitet. Zeigt den Leuten, wie man Brahmacharya praktiziert. Sei ein
wahrhafter Yogi. Dann werden die Leute dich und deine selbstlose Arbeit
schätzen. (Wie man also sieht, war Mantak Chia nicht der erste,
der
solche Theorien verbreitete.)
Vorsichtsregeln
und Gegenanzeigen
Schwangere sollten das Halten von Mula
Bandha nicht übertreiben: Sind die Muskeln des Beckenbodens zu
fest und
damit unnachgiebig geworden, wird der Vorgang der Geburt enorm
erschwert, da das Kind nicht losgelassen werden kann. Mula Bandha
sollte nicht während akuter Entzündungen im kleinen Becken
gehalten
werden. (Den oberen Teil der Beckenhöhle bezeichnet man als das
"große
Becken", den unteren Anteil, der von den Scham- und Sitzbeinen gebildet
wird, wird als "kleines Becken" bezeichnet. Im kleinen Becken liegen
der Mastdarm, die Harnblase und alle inneren Geschlechtsorgane.) Da es
bei der Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur zu einem starken Zug der
Bänder auf das Steißbein kommt, sollte es einige Zeit nicht
geübt
werden, nachdem man sich das Steißbein geprellt oder gebrochen
hat. Mula
Bandha
Jalandhara
Bandha ist der Kinnverschluss und somit das energetische
Gegenstück zum
Mula Bandha (Verschließen des Schließmuskels). Während
letztere das
Entweichen der Energie aus der Körperunterhälfte verhindert,
vermag
Jalandhara Bandha dies für die obere Körperhälfte zu
leisten. Atme
zunächst ein und halte dann den Atem an. Dann verschließe
der Hals,
indem du das Kinn fest gegen die Brust drückst. Der Kinnverschluss
wird
ausgeführt, indem man das Kinn zum Brustbein senkt und damit den
Hals
zusammenzieht. Dadurch wird der Nacken stark gedehnt. Achte darauf,
dabei die Wirbelsäule weiterhin gerade zu halten. Der
Kinnverschluss
stimuliert auch die drei Nerven, die von der Halswirbelsäule
ausgehen
und das Zwerchfell beherrschen. Es wird am meisten eingesetzt bei
einigen Umkehrstellungen wie Schulterstand, Kopfstand usw.Zugeordnete
Drüse: Schilddrüse
Die Schilddrüse spielt eine wichtige
Rolle
beim Wachstum des Skeletts und der inneren Organe. Sie sorgt für
den
Ausgleich zwischen dem körperlichen und geistigen Wachstum und
reguliert den Stoffwechsel und damit die Art und Weise sowie die
Geschwindigkeit, in der wir unsere Nahrung in Energie umwandeln und
diese Energie verbrauchen. Darüber hinaus regelt sie den
Jodstoffwechsel sowie den Kalkhaushalt in Blut und Gewebe. Im
Hals-Chakra finden wir das Zentrum der menschlichen
Ausdrucksfähigkeit,
Kommunikation und Inspiration. Es stellt eine wichtige Verbindung
zwischen Denken und Fühlen, zwischen unseren Impulsen und den
Reaktionen darauf. Jalandhara Bandha
Uddiyana-Bandha heißt wörtlich hinauffliegen und bezeichnet das Ein- und Hochziehen des Nabels. Dies bewirkt eine entsprechende Bewegung in den Bauchmuskeln und erzeugt einen Hohlraum unter dem Brustkorb. Die Ausführung geschieht, indem man bei leerer Lunge, nachdem man vollkommen ausgeatmet hat, die Bauchdecke so weit wie möglich in Richtung Wirbelsäule ein und hochzieht. Wenn man mit Visualisierung arbeitet, kann man sich einen Faden vorstellen, der vom Nabel ausgehend, die Wirbelsäule hoch wandert. Dies alles verlangt langes und intensives Arbeiten und benötigt oft Jahre um die Dynamik richtig zu spüren. Uddiyana-Bandha soll den grossen Vogel Prana zwingen, durch Sushumna-Nadi, den Hauptenergiekanal für den Strom der Nervenenergie, empor zu fliegen. Man sagt, dass Uddiyana-Bandha das Beste aller Bandhas sei. Es heißt, dass dieses Bandha der Löwe sei, der den Elefanten namens Tod besiegt. Man sollte es nur während Bahya Kumbhaka (Atemanhalten nach dem Ausatmen) üben. Wird es während Antara Kumbhaka (Atemanhalten nach dem Einatmen) ausgeführt, werden Herz und Zwerchfell zu stark angestrengt und die Augen schwellen an. Im aufrechten Sitz, die Wirbelsäule ist aufrecht und die Knie berühren den Boden. Lege die Handflächen auf die Knie. Atme aus und leere die Lungen so weit wie möglich. Halte den Atem nach dem Ausatmen an. Hebe die Schultern und gib damit der Wirbelsäule eine weitere Dehnung. Drücke die Handflächen kräftig gegen die Knie, strecke die Ellbogen. Nimm spontan Jalandhara-Bandha (Kinnverschluss) ein und presse das Kinn gegen die Brust. Kontrahiere die Bauchmuskeln nach innen und oben. Halte den Bauchverschluss mit angehaltenem Atem so lange wie möglich, ohne dich zu überfordern. Löse den Bauchverschluss, beuge die Ellbogen und senke die Schultern. Hebe den Kopf, atme noch ein wenig mehr aus und erst dann langsam ein.
Im Stehen (vorbereitende) Stehe aufrecht, die Füße etwa
einen halben
Meter auseinander. Atme tief durch die Nase ein. Beuge dich aus der
Taille nach vorn und atme alle Luft durch den Mund aus. Versuche, die
Lungen so weit wie möglich zu leeren. Halte die Wirbelsäule
gerade und
beuge ein wenig die Knie. Lege die Handflächen auf die
Oberschenkel,
direkt über den Knien, so dass die Knie das Gewicht des
Oberkörpers
tragen. Die Finger zeigen nach unten oder zueinander. Stelle sicher,
dass die Arme gestreckt sind. In dieser Haltung wird sich der
Bauchbereich automatisch zusammenziehen. Ziehe den Bauch nach oben und
nach innen zur Wirbelsäule. Leichter ist Uddiyana-Bandha im Stehen
auszuführen. Es sollte aber nur mit leerem Magen und Gedärmen
geübt
werden! Auf der physiologischen Ebene massiert, kräftigt und
reinigt
Uddiyana die Bauchorgane und macht sie stark und gesund. Durch das
Einziehen des Leibes in den Brustkorb stellt es auch die
Elastizität
der Lunge wieder her und massiert das Herz. Das Zwerchfell wird immer
wieder nach oben und nach unten gepresst, wobei auf beiden Seiten Druck
entsteht. Durch diese Spannung in den verschiedenen Verdauungsorganen,
Leber und Magen im unteren und mittleren Bereich, Herz und Lunge im
oberen Bereich, entsteht nach loslassen der Kontraktion eine bessere
Durchblutung der genannten Organe. Es heißt dass Uddiyana Bandha
die
Jugendlichkeit zurück bringt.
Zugeordnete
Drüse: Bauchspeicheldrüse
Sie spielt eine entscheidende Rolle bei der
Verarbeitung und Verdauung der Nahrung. Sie schüttet das Hormon
Insulin
aus, das für das Blutzuckergleichgewicht und den
Kohlehydratstoffwechsel von ausschlaggebender Bedeutung ist. Die von
der Bauchspeicheldrüse abgesonderten Enzyme sind für den
Fett- und
Proteinstoffwechsel wichtig. Das Solar-Plexus-Chakra ist unser
Kraftzentrum. Es ist jener Bereich von dem aus unsere emotionale
Energie nach außen dringt. Unsere zwischenmenschlichen
Beziehungen,
Sympathien und Antipathien sowie die Fähigkeit, dauerhafte
emotionale
Verbindungen einzugehen, werden weitgehend von diesem Zentrum aus
gesteuert. Es ist der Sitz der Persönlichkeit. Es ist der Ort, an
dem
er seine gesellschaftliche Identifikation findet und die durch
persönliche Kraft, Leistungswillen und Machtstreben, oder auch
durch
Anpassung an die gesellschaftlichen Normen zu bestätigen sucht.
Wirkungen
Uddiyana Bandha ist ein Allheilmittel bei
vielen Bauch- und Magenerkrankungen, z.B. Verstopfung,
Verdauungsstörungen, Würmern und Diabetes, vorausgesetzt,
alle diese
Störungen sind nicht chronisch. Das Verdauungsfeuer wird angeregt,
die
Bauchorgane werden massiert und belebt. Die Adrenalindrüsen werden
harmonisiert, wodurch Trägheit und Lethargie verschwinden. Angst
und
Anspannungen lösen sich auf. Der Blutkreislauf im ganzen Rumpf
wird
angeregt und alle inneren Organe werden gekräftigt.
Uddiyana-Bandha ist
eine sehr gute Übung, um das Zwerchfell bewusst wahrzunehmen. In
der
aktiven Phase, in der der Bauch nach innen und oben gezogen wird,
werden die Muskelfasern des Zwerchfells und der oberflächlichen
Bauchmuskulatur (besonders des queren Bauchmuskels) gestärkt.
Vorsichtsregeln
und Gegenanzeigen
Uddiyana-Bandha ist bei allen akuten
entzündlichen Prozessen im Körper, insbesondere jedoch im
Bereich des
Rumpfes (Magen- oder Darmentzündungen oder Geschwüre,
Leberentzündungen
und –schwellungen, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse usw.)
verboten,
ebenso bei schwerem Asthma, schwerer Bronchitis, stark erhöhtem
Blutdruck, in der Schwangerschaft und längere Zeit nach
Operationen
(weil sich die Narben verziehen könnten) und bei Brüchen im
Bauchraum
(Hernien). Vorsicht ist bei leichten Störungen des Kreislaufs und
der
Verdauung geboten, außerdem bei der Tendenz zu einer starken
Regelblutung und beim Tragen älterer, t-förmigen
Verhütungsspiralen.
Menschen mit großen Operationsnarben sollen sehr achtsam auf
Reaktionen
dieser Narben sein, da Schmerzen auftreten können, wenn
Verwachsungen
des Narbengewebes vorliegen.
Nauli ist eines der Kriyas
(Reinigungsübungen) aus
dem Yoga. Die Übung soll den Dünndarm reinigen,
Verdauungsprobleme
beseitigen und basiert auf einer Massage der inneren Bauchorgane durch
die kreisförmige Bewegung der Bauchmuskulatur. Uddiyana
Bandha, die Bauchkontraktion, kann sowohl im Sitzen als auch im
Stehen geübt werden. Nauli aber wird im Allgemeinen im Stehen
geübt.
Stelle die Beine etwa einen Fuß breit auseinander, beuge den
Rücken vor
und lege deine Hände auf die Oberschenkel. Dann praktiziere
Uddiyana
Bandha, die Bauchkontraktion. Nun drücke die Bauchmuskeln als
zentralen
Bauchmuskelwulst nach vorne und schiebe diesen Wulst nach rechts und
nach links.
Zu Beginn der Übung sollten die mittleren Bauchmuskeln entspannt und nur die rechten und linken Bauchmuskeln angespannt sein. Die Muskeln sollten in der Mitte einer vertikalen Linie verlaufen. Praktiziere die Übung so lange, wie du sie bequem ausüben kannst. Übe sie am Anfang ein paar Tage lang, bis du sie vollkommen beherrscht. Nach etwas Praxis solltest du die rechten Bauchmuskeln anspannen und die linke Seite entspannt lassen. Dann verlaufen alle Muskeln auf der linken Seite in einer vertikalen Linie. Dann spanne die linken Bauchmuskeln an und lasse die rechten Bauchmuskeln entspannt. Durch diese stufenweise Praxis, lernst du es, die Muskeln in der Mitte und auf der linken und rechten Seite des Bauches anzuspannen. Jetzt kommt die Krönung von Nauli Kriya. Spanne die Muskeln in der Mitte des Bauches an und lass sie dann langsam zur rechten Seite und dann zur linken Seite wandern. Lass sie sich mehrmals von rechts nach links bewegen und anschließend mehrmals von links nach rechts. Du solltest die Muskeln langsam in einer kreisförmigen Bewegung von rechts nach links oder von links nach rechts rotieren lassen. Du wirst nicht ausreichend von dieser Übung profitieren, wenn du sie nicht langsam und sorgfältig ausübst. Anfänger werden bei den ersten Versuchen einen geringfügigen Schmerz im Bauch verspüren. Sie brauchen keine Angst zu haben. Der Schmerz wird nach zwei oder drei Tagen regelmäßiger Übung verschwinden. Das Sanskrit Wort Maha bedeutet groß.
Das Maha Mudra ist ein großes Mudra im Sinne
seiner
grossen Wirkung! Setze dich beim Maha Mudra auf dem Fußboden mit
dem
Anus (Po) auf deine linke Ferse. Das linke Bein ist dabei nach hinten
gestreckt. Strecke das rechte Bein nach vorne vor deinen Körper.
Nun
beuge dich nach vorne und ergreife mit beiden Händen die Zehen des
rechten Fußes. Atme ein, halte die Luft an und presse das Kinn
fest
gegen die Brust. Richte nun deine ganze Aufmerksamkeit auf das "Dritte
Auge", auf den Punkt zwischen den Augenbrauen, und halte die Stellung
so lange wie du kannst.
Dann wiederhole die Übung, indem du die rechte Ferse unter den Anus setzt und das linke Bein nach vorn ausstreckst. Nun ergreife mit beiden Händen das linke Bein, presse das Kinn wieder fest gegen die Brust, richte die Aufmerksamkeit wieder auf das dritte Auge und halte die Stellung so lange, wie du kannst. Danach setze dich hin, strecke beide Beine nach vorne, beuge dich nach vorne und ergreife mit beiden Händen beide Füße (sitzende Vorwärtsbeuge). Du solltest die Übungen, mit den drei verschiedenen Positionen, insgesamt drei mal wiederholen. Yoga Mudra (auch als Yoga Mudrasana, Yoga
Mudrasan, Yoga Mudra Asana, Yoga Mudra Asan bezeichnet) bedeutet
"Symbol des Yoga" bzw. "Siegel des Yoga". Diese Yogaübung gilt in
besonderem Maße als Symbol für die Vereinigung der
individuelle Seele
mit der Kosmischen Seele und damit für "Yoga" im Sinne von
"Vereinigung". Alle Asanas (Yogaübungen) sind letztlich Hingabe
und
Verehrung an das Kosmische, das auch als Gott, kosmische Intelligenz,
Schöpfer aller Dinge, kosmische Energie, höhere Wirklichkeit
oder
göttliche Mutter bezeichnet wird. Auf der physischen Ebene ist
Yoga
Mudra sehr gut für die Flexibilität von Hüften und
Wirbelsäule und ist
eine gute Übung für die Verdauungsorgane. Längere Zeit
in Yoga Mudra
führt zur Erfahrung tiefen geistigen Friedens. Yoga Mudra kann
immer
vor und/oder nach Meditation und Pranayama geübt werden.
Setze dich in den Lotussitz (Anfänger sollten vielleicht den halben Lotussitz bevorzugen - weitere Meditationshaltungen hier). Lege die Handflächen auf die Fersen. Atme langsam aus und beuge den Oberkörper so weit nach vorne, bis die Stirn den Fußboden berührt. Wenn du die Haltung für längere Zeit beibehältst, kannst du ganz normal ein- und ausatmen. Verweilst du aber nur kurze Zeit in dieser Stellung, dann halte den Atem so lange an, bis du den Kopf wieder anhebst und in deine Ausgangsstellung zurückkommst. Dann atme wieder ein. Anstatt die Hände auf die Fersen zu legen, kannst sie auch hinter den Rücken legen und das linke Handgelenk mit der rechten Hand festhalten. Das Yoga Mudra ist nützlich, um Brahmacharya aufrecht zu erhalten. Es verringert übermäßiges Fett im Bauch und entfernt alle Störungen des Magens und der Därme. Verstopfungen werden beseitigt und das Verdauungsfeuer geschürt. Der Appetit und die Verdauung werden dadurch verbessert. Wenn du die Haltung nicht über eine längere Zeit halten kannst (1 bis 2 Minuten), dann wiederhole die Übung mehrmals. Lege zwischen den Übungen eine kleine Pause ein. Setze dich zur Wechselatmung
mit leerem Magen in deinem Meditationsraum in den Lotussitz oder in den
halben Lotussitz und schließe deine Augen. Verschließe mit
dem rechten
Daumen das rechte Nasenloch und atme 4 Sekunden die Luft durch das
linke Nasenloch ein. Fülle die Lungen etwa zu 3/4. Dann
verschließe mit
dem rechten Ringfinger und dem kleinen Finger der rechten Hand das
linke Nasenloch und halte den Atem etwa 4 Sekunden lang an. Dann nimm
den rechten Daumen vom rechten Nasenloch, die beiden anderen Finger
bleiben aber auf dem linken Nasenloch, und atme langsam 8 Sekunden lang
durch das rechte Nasenloch aus und dann wieder 4 Sekunden lang ein.
Dann lege den rechten Daumen wieder auf das rechte Nasenloch und halte
die Luft wieder 4 Sekunden lang an. Nun nimm die beiden Finger vom
linken Nasenloch und atme 8 Sekunden lang aus und wieder 4 Sekunden
lang ein und verschließe das linke Nasenloch wieder mit den
beiden
Fingern der rechten Hand (kleiner Finger, Ringfinger).
Dieser Prozess stellt einen Atemzyklus dar.
Wiederhole diese Übung 20 mal am Morgen und 20 mal am Abend.
Langsam
und behutsam erhöhe die Zeit, in der du den Atem anhälst und
die Anzahl
der Atemübungen. Wenn du Fortschritte in der Praxis gemacht hast,
kannst du drei oder vier Sitzungen am Tag machen und jedes mal achtzig
Pranayamas üben. übe mindestens 3 bis 8 Runden. Du kannst die
Atemübungen bis auf 20 oder 30 Minuten steigern, wenn Du willst.
Beginne mit dem Verhältnis Einatmen : Anhalten : Ausatmen mit
4:4:8.
Steigere es langsam auf 4:8:8, dann auf 4:12:8, schließlich
4:16:8. Auf
die Frage ob es gefährlich ist Atemübungen ohne die Hilfe
eines Gurus
zu praktizieren antwortet Swami Sivananda: Zögere nicht. Warte
nicht
darauf, einen Guru zu finden, der an Deiner Seite sitzt und nach Dir
schaut. Wenn Du ernsthaft, regelmäßig und systematisch bist
und den
Regeln und Anweisungen dieses Buches sehr sorgfältig folgst, wird es
keinerlei
Schwierigkeiten geben.
In Sanskrit bedeutet Bhastrika
Blasebalg. Das charakteristische Merkmal von Bhastrika ist die rasche
Folge von forcierten Ein- und Ausatmungen. So wie ein Schmied seinen
Blasebalg rasch auf und ab bewegt, so solltest auch du deinen Atem
rasch rein und raus bewegen. Setze dich für den Blasebalg aufrecht
in
den Lotussitz und schließe den Mund. Anfänger wählen
den halben
Lotussitz oder den Schneidersitz. Atme zwanzig Mal schnell wie ein
Blasebalg durch die Nase ein und aus. Spanne dafür rhythmisch
deine
Bauchmuskeln an und entspanne sie wieder. Man sollte mit dem
Ausstoßen
des Atmens beginnen. Dann sollte das Ein- und Ausatmen in schneller
Reihenfolge erfolgen. Hat man die erforderliche Zahl von Ausatmungen
erreicht, sagen wir einmal zwanzig für eine Runde, dann sollte der
letzten Ausatmung eine tiefe Einatmung folgen. Nun halte die Luft so
lange an, wie es dir bequem erscheint, und dann atme sehr, sehr langsam
wieder aus. Dann ist eine Runde Bhastrika beendet. Mach eine kleine
Pause und lass eine zweite Runde folgen. Mache drei Runden am Morgen
und drei Runden am Abend. Dies ist eine sehr nützliche Übung
für
Brahmacharins. Du kannst die Übung auch im Stehen ausüben.
Bade nicht unmittelbar nach
Atemübungen.
Sondern ruhe dich zunächst einmal eine halbe Stunde aus. Mache im
Sommer morgens nur einmal Atemübungen. Atme stets langsam ein und
aus.
Vermeide beim Einatmen jedes Geräusch. Vermeide auch beim
Bhastrika
(Blasebalg) jedes gewaltsame Geräusch. Atme nur durch die Nase.
Ein
Anfänger sollte einige Tage lang nur die Einatmung und die
Ausatmung
üben, ohne den Atem anzuhalten. Du musst das Einatmen, das
Ausatmen und
das Atemanhalten so praktizieren, dass du zu keiner Zeit ein
Gefühl von
Atemnot oder Unannehmlichkeit empfindest. Du solltest die Ausatmung
nicht unnötigerweise verlängern. Wenn du die Zeit der
Ausatmung
verlängerst, dann ist die folgende Einatmung beschleunigt und der
Rhythmus wird unterbrochen. Erhöhe allmählich die Periode des
Atemanhaltens. Halte den Atem in der ersten Woche für 4 Sekunden,
in
der zweiten Woche für 8 Sekunden, in der dritten Woche für 12
Sekunden
an und fahre fort, bis du in der Lage bist, den Atem so lange an
zuhalten, wie du kannst. Wiederhole während der Atemübung
geistig das
Mantra "Om", das Gayatri-Mantra oder irgendein anderes Mantra.
Kultiviere Barmherzigkeit, Frieden, Nachsichtigkeit, Toleranz mit der
Einatmung und verjage Arroganz, Egoismus, Stolz, Zorn und Lust mit der
Ausatmung. Wenn du einatmest, dann stelle dir vor, dass du Energie von
einer göttlichen Quelle einatmest, kosmisches Prana, und dass dein
ganzer Körper vom Kopf bis zu den Zehen mit frischer Energie
gesättigt
wird. Mache keine Atemübungen, wenn du ernsthaft krank bist.
Dies ist eine wichtige Yogaübung im
Hatha
Yoga. Du musst hart arbeiten, um vollen Erfolg in dieser Yogaübung
zu
erhalten. Es gibt nur sehr wenige Leute, die Experten in dieser
Übung
sind. Der Yogaschüler saugt zuerst Wasser durch einen silbernen
Schlauch, ein besonders angefertigter Katheter (Röhrchen), der
etwa 12
Zoll (30 Zentimeter) in die Harnröhre eingeführt wird, durch
den Penis
ein. Nach einiger Übung saugen sie Milch, dann Öl und dann
Honig ein.
Zum Schluss saugen sie Quecksilber (kann Quecksilber nicht zu
Vergiftungserscheinungen führen?) mit ihrem Penis ein. Später
sind sie
in der Lage, diese Flüssigkeiten direkt durch die Harnröhre,
ohne die
Hilfe eines Schlauches, aufzusaugen. Diese Übung ist für das
Aufrechterhalten eines vollkommenem Brahmacharya von enormer Bedeutung.
Am ersten Tag solltest du den Katheter nur etwa einen Zoll (2,5 cm) in
die Harnröhre einführen, am zweite Tag zwei Zoll, am dritten
Tag drei
Zoll, und so weiter. Du solltest so lange üben, bis du in der Lage
bist, zwölf Zoll (30 cm) des Katheters in die Harnröhre zu
schieben.
Raja Bhartrihari, ein indischer Sanskritdichter des 7. Jahrhunderts,
war in dieser Yogaübung sehr geschickt.
Der Yogi, der diese Yogaübung
beherrscht,
kann nicht einen Tropfen Samen verlieren. Selbst wenn er einen Orgasmus
hatte, kann er den Samen durch diese Übung wieder aufsaugen
(Anmerkung
Übersetzer: Irrtum - Er saugt nämlich das Ejakulat, das aus
einer
Mischung von mehreren Drüsenflüssigkeiten besteht, - siehe: Das
männliche Sperma - in die Blase ein und transportiert sie
nicht
zurück in die Drüsen). Der Yogi, der in der Lage ist, seinen
Samen
aufwärts zu ziehen und ihn zu konservieren, besiegt den Tod
(Anmerkung
Übersetzer: Butter bleib bei die Fische - oder wie sagt man?). Ein
guter Geruch entströmt seinem Körper. Der ehemalige Trailinga
Swami von
Benares war ein Experte im Vairoli Mudra, also im Aufsaugen seines
eigenen Ejakulats. Sri Swami Kuvalayanandaji von Lonavala unterrichtete
diese Übung. Die Praxis von Mula Bandha (Zusammenziehen der
Schließmuskeln), von Uddiyana Bandha (Bauchverschluss), von Maha
Mudra
(Großes Siegel), von Asanas (Yogaübungen) und Pranayamas
(Atemübungen)
ermöglichen es einem, Vajroli zu verstehen und Erfolg in seiner
Praxis
zu erhalten. Dieses sollte allerdings unter der Anleitung eines Gurus
geschehen.
Der Sinn der Vajroli Mudra besteht darin,
Perfektion im Brahmacharya zu erlangen. Wenn der Yogaschüler
dieses
Mudra übt, lenkt er seine Aufmerksamkeit unbewusst zum
Sexualzentrum.
Dadurch aber könnte der Erfolg der Übung gefährdet
werden. Darum ist
strenges Brahmacharya für diese Übung absolut erforderlich.
Daher
solltest du bei der Ausführung dieser Übung, weder an eine
Frau, noch
an den Sexualverkehr, denken. Da viele Ehemänner denken, dass
Vajroli
Mudra gut für die Geburtenkontrolle ist, haben sie den
verstärkten
Wunsch, dieses Mudra zu üben. Es ist alles nur eine Torheit und
Täuschung. Sie haben den Sinn dieser wichtigen Yogaübung
nicht richtig
verstanden. Dein Motiv, das Vajroli Mudra zu lernen, sollte rein sein.
Du solltest von der Idee der Selbstverwirklichung und vom absoluten
Brahmacharya geleitet sein. Strebe die sexuelle Sublimation an. Du
solltest die Energie, die du durch diese Yogaübung gewinnst, nicht
missbrauchen. Analysiere und hinterfrage deine Motive sorgfältig.
Es
lauern sehr viele Versuchungen und Gefahren auf dem yogischen Weg.
Vorsicht und göttliche Liebe auf deinem spirituellen Weg!
Anmerkung des Übersetzers: Swami
Sivananda
hält das Vairoli Mudra für solch eine bedeutende
Yogaübung, weil er das
männliche Sperma mit Ojas Shakti gleich setzt. Das Sperma setzt
sich
aber aus insgesamt sechs unterschiedlichen Drüsensekreten
zusammen. So
könnten die Spermien also gar nicht zum Nebenhoden
zurückwandern, wo
sie normalerweise aufbewahrt werden, weil sie sich mittlerweile mit den
anderen Drüsensekreten vermischt haben. Außerdem werden sie
durch die
Vajroli-Praxis in die Harnblase eingesogen. Boris Sacharow, der
über
eine mindestens 42jährige Yogapraxis verfügt, zählt in
seinem Buch
"Kriya Yoga" sowohl das Vairoli Madra, als auch das Khechara Mudra
(Verlängerung der Zunge), das Viparitakarani Mudra (man legt sich
auf
den Rücken, hebt die Beine dabei vertikal an und stützt dabei
das Gesäß
mit den Händen und Ellbogen - und das täglich 3 Stunden lang)
und das
Trataka Mudra (Schauen in die Sonne) zu den falsch verstandenen
Auswüchsen einer falsch verstandenen Yogalehre. Und ich
fürchte, er hat
recht. Einige Yogis benutzen das Vajroli Mudra auch zu Showzwecken.
Zunächst saugen sie Öl mit dem Penis ein und pumpen dann wie
ein
feuerspeiender Drache das Öl wieder durch die Harnröhre
heraus und
zünden es dabei an. Es würde mich gar nicht wundern, wenn es
dabei
schon den einen oder anderen leicht gegrillten Penis gegeben hat
. Einst hielt Sri Vedavyasa inmitten seiner
Schüler seinen Vedanta Unterricht. Im Rahmen eines Vortrags,
erwähnte
er, dass junge Brahmacharins acht geben sollten und nicht mit jungen
Damen verkehren sollten, da sie sonst, trotz ihrer Wachsamkeit und
Umsicht, leicht ein Opfer ihrer Sinneslust werden könnten. Einer
seiner
Schüler, Jaimini, der Autor der Purva-Mimamsa, einer Schrift, die
sich
mit den vedischen Opferritualen beschäftigt, war ein wenig vorlaut
und
sagte: "Guruji Maharaj! Deine Behauptung ist falsch. Keine Frau kann
mich erregen. Ich bin fest im Brahmacharya verankert." Der Lehrer Vyasa
sagte: "Jaimini, du wird es bald wissen. Ich gehe nach Benares und
komme innerhalb von drei Monaten zurück. Sei vorsichtig und lass
dich
nicht vom Stolz beherrschen."
Sri Vyasa, nahm, durch seine yogische Kraft,
die Form eines schönen jungen Mädchens an, mit
durchdringenden Augen,
einem bezauberndem Gesicht und bekleidet mit einem dünnen seidenen
Kleid. Die junge Frau stand im Sonnenuntergang unter einem Baum. Die
Wolken zogen sich zusammen und es begann zu regnen. Durch einen Zufall
stand Jaimini plötzlich neben ihr unter dem Baum. Er sah das
Mädchen,
hatte Mitleid mit ihr und sprach: "Oh, junge Frau, wenn sie
möchten,
können sie mit in meinen Ashram kommen und dort bleiben, bis es
aufgehört hat zu regnen. Ich werde ihnen Schutz geben." Die junge
Frau
fragte: "Leben sie allein oder leben sie mit einer Frau zusammen?"
Jaimini antwortete: "Ich lebe ganz alleine dort. Aber ich bin ein
perfekter Brahmachari. Die Lust kann mir nichts anhaben. Ich betrachte
Männer und Frauen als heilige Wesen. Sie können bei mir
übernachten."
Die junge Frau aber wendete ein: "Es ist nicht recht, für ein
jungfräuliches Mädchen, mit einem Brahmachari allein die
Nacht zu
verbringen." Aber Jaimini sagte: "Junge Frau, haben sie keine Angst.
Ich verspreche ihnen, ein perfekter Brahmachari zu sein." Dann stimmte
sie zu und verbrachte die Nacht in seinem Ashram.
Die junge Frau schlief im Haus und Jaimini
legte sich vor dem Haus nieder. Mitten in der Nacht, fühlte
Jaimini
plötzlich, wie die Sinneslust in seinen Verstand eindrang. Eine
sexuelle Begierde entstand in ihm. Als er die junge Frau am Baum
getroffen hatte, war er noch absolut rein. Nun aber klopfte er an die
Tür und sagte: "Draußen ist es sehr stürmisch. Ich kann
die kalten
Windböen nicht ertragen. Ich möchte gerne im Haus schlafen."
Dann
öffnete sie die Tür und Jaimini schlief im Haus. Aber
diesmal, als er
der jungen Frau so nahe war und den Klang ihrer Armreifen vernahm,
erwachte seine sexuelle Begierde ein wenig intensiver und
leidenschaftlicher. Er näherte sich ihr und umarmte sie. Sofort
nahm
Sri Vyasa seine ursprüngliche Gestalt mit seinem langen Bart an
und
sagte: "Mein lieber Jaimini, wo ist nun die Stärke deines
Brahmacharya?
Hast du das Zölibat wirklich perfekt verinnerlicht? Was hast du
geantwortet, als ich über dieses Thema unterrichtete?" Jaimini
senkte
beschämt seinen Kopf und sagte: "Guruji! Ich redete
unüberlegt. Ich
bitte um Verzeihung." Dieses Beispiel zeigt, dass selbst große
Menschen
durch den Einfluss der aufbegehrenden sinnlichen Lust verleitet werden.
Brahmacharins sollten sehr vorsichtig sein.
Einer der Schüler von Sokrates fragte:
"Mein
ehrwürdiger Meister, wie oft sollte ein verheirateter Mann mit
seiner
Frau schlafen." Sokrates antwortete: "Nur einmal in seinem Leben."
Darauf antwortete der Schüler: "Oh, mein Gott! Das ist für
einen
weltlichen Mann absolut unmöglich. Die Leidenschaften sind
schrecklich
und unangenehm. und die Welt ist voller Versuchungen.
Familienväter
haben nicht die Kraft, diesen Versuchungen zu widerstehen. Dagegen
lehnen sich die Sinne auf. Sie sind sehr stark. Der Verstand ist
erfüllt mit Leidenschaften. Du bist ein Philosoph und Yogi und
verstehst es, diese Leidenschaften zu kontrollieren. Wir bitten dich,
sei so freundlich und beschreibe uns einen einfachen Weg, es dir gleich
zu tun." Darauf antwortete Sokrates: "Ein Familienvater sollte nur
einmal im Jahr mit seiner Frau intim sein.“ Der Schüler antwortet:
„O
ehrwürdiger Sokrates, dies ist auch eine zu harte Prüfung
für sie. Du
solltest ihnen einen leichteren Weg vorschreiben." Sokrates antwortete:
"Gut, mein lieber Schüler, einmal im Monat. Dies ist angemessen.
Es ist
ziemlich einfach. Ich denke, dass du nun zufrieden bist." Der
Schüler
antwortete: "Dies ist auch unmöglich, mein verehrter Meister.
Familienväter sind sehr wankelmütig. Ihr Verstand ist voll
von
sexuellen Wünschen und Begierden. Sie können es nicht einmal
für einen
einzigen Tag ohne sexuellen Verkehr aushalten. Du hast keine
Vorstellung von ihrer Mentalität."
Darauf erwiderte Sokrates: "Gut beobachtet,
mein liebes Kind. Nun tue folgendes. Gehe zu einem Friedhof. Kaufe
einen Sarg und ein Leinentuch für die Leiche und grabe von Hand
ein
Grab. Jetzt kannst du dich so oft selber befriedigen, wie du
möchtest.
Dies ist mein abschließender Rat für dich." Dieser letzte
Rat
durchbohrte das Herz des Schülers. Er fühlte es sehr heftig.
Er dachte
ernsthaft darüber nach und verstand plötzlich den Wert und
den Sinn von
Brahmacharya. Von nun an betrieb er seine spirituelle Praxis mit der
notwendigen Ernsthaftigkeit. Er praktizierte das lebenslange
Gelübde
des Zölibats. Er wurde zum Oordhvareta Yogi, zu einem Yogi, der
seine
Samenenergie vollkommen in spirituelle Energie umwandelt, und hatte
Selbstverwirklichung. Er wurde einer von Sokrates'
Lieblingsschülern.
Es lebte einmal der weise König Yayati.
Er
genoss für volle tausend Jahre alle Vergnügen, die ein
König seiner
Position haben konnte. Als das Alter ihn angriff, er aber immer noch
den Wunsch hatte, seine königlichen Vergnügen für
weitere Jahre zu
genießen, fragte er jeden seiner Söhne, einen nach dem
anderen, ob sie
ihm etwas von seinem Alter abnehmen und ihm dafür etwas von ihrer
Jugend abgeben würden. Er versicherte seinen Söhnen, dass er
ihnen nach
eintausend Jahren ihre Jugend zurück geben und sie wieder gegen
sein
Alter eintauschen werde. Aber nicht einer seiner Söhne war bereit,
das
Angebot anzunehmen, ausgenommen sein jüngster Sohn Puru. Puru
sagte mit
aller Bescheidenheit, dass er bereit sei, den Wunsch seines Vaters zu
erfüllen. Dementsprechend gab er seinem Vater seine Jugend und
bekam im
Gegenzug vom Vater das hohe Alter und infolge dessen auch seine
Gebrechlichkeit. König Yayati war außerordentlich erfreut
über seine
neue Jugend und fing wieder an, sich sinnlichen Vergnügungen
hinzugeben. Er erfüllte sich alle seine Wünsche und
vergeudete dabei
alle seine Energien, ohne dabei allerdings die Gebote der Religion zu
verletzen. Er war dabei sehr glücklich. Nur ein Gedanke besorgte
ihn.
Und das war der Gedanke, dass die tausend Jahre bald zu einem Ende
gehen würden.
Als die tausend Jahre vorüber waren,
ging er
zu seinem Sohn Puru und sprach zu ihm: "Mein Sohn. Ich habe mit deiner
Jugend alle meine Wünsche ohne Begrenzung auf meine Energien
genossen.
Aber die Wünsche sterben niemals. Sie werden niemals durch
Schwäche und
Nachgiebigkeit gesättigt. Durch Nachsicht lodern sie wie ein Feuer
auf,
in welches man Öl gegossen hat. Wenn man allein nach irdischen
Gütern
strebt, nach Reichtum, Sinnlichkeit, Ruhm und Ehre, so hat man immer
das Gefühl, nie genug zu bekommen. Folglich sollte der Wunsch nach
Genuss vermieden werden. Das Verlangen nach Genüssen, das schwer
abzulegen ist, ist eine unverzeihliche Schwäche des Menschen.
Dieses
Verlangen abzulegen, ist wahres Glück. Tausend Jahre lang hatte
ich die
Möglichkeit, alle Vergnügungen kennen zu lernen. Mein
Verlangen aber,
hat dadurch nicht abgenommen, sondern täglich zugenommen. Folglich
sollte ich mich von meinem Verlangen befreien. Ich sollte mich
bemühen,
wunschlos und friedlich zu werden, mich zurückziehen, und mich auf
Brahman (Gott) konzentrieren." Nachdem er das gesagt hatte, gab er Puru
seine Jugend zurück, setzte Puru auf den Thron und zog sich in den
Wald
zurück, um das Leben eines Asketen zu führen.
Der Poet Vemana wurde 1820 in einem kleinen
Dorf im Bezirk von Godavari in Andhra Desa geboren. Er hatte einen
Bruder namens Anu Verna Reddy. Seine Eltern, die der Bauernkaste
angehörten und sehr vermögend waren, zogen fort, als er noch
ein
kleiner Junge war. Vemana wurde zur Grundschule geschickt. Aber er war
nicht in der Lage, weiterhin die Schule zu besuchen. So kam er in
schlechte Gesellschaft und wurde ein Rowdy. Aber er war sehr attraktiv
und aktiv. Trotzdem mochten sein Bruder und dessen Frau Narasamma
Vemana sehr gerne. Im Alter von fünfzehn, wurde Vemana zum
Lüstling. Er
gab viel Geld für Frauen aus. Trotzdem war er sehr beliebt. Sein
Bruder
und dessen Frau wollten Vemana wieder auf den rechten Weg bringen. Sie
gaben ihm kein Geld mehr. Deshalb stahl Vemana eines nachts den Schmuck
seiner Schwägerin und gab ihn einer Prostituierten. Als seine
Schwägerin den Diebstahl bemerkte, fragte sie Vemana: "Wo ist mein
Schmuck?" Vemana antwortete: "Da du mir kein Geld gabst, nahm ich ihn
und gab ihn meiner Geliebten." Seine Schwägerin Narasamma sagte
nicht
ein Wort. Sie informierte auch ihren Ehemann nicht über den
Verlust des
Schmucks. Sie mochte Vemana immer noch sehr gerne. Aber sie verschloss
fortan ihren Schmuck in den Safe.
Die Prostituierte drängte Vemana, noch
mehr
Geld oder Schmuck zu bringen. Mitten in der Nacht wachte Vemana auf und
versuchte, einige der Schmuckstücke vom Hals seiner
Schwägerin zu
stehlen. Sie trug nur das heilige Mangala Sutra, welches sie seit ihrer
Heirat um ihren Hals getragen hatte. Ihren anderen Schmuck hatte sie in
den Safe gelegt. Als er versuchte, den Schmuck zu stehlen, wachte
Narasamma auf, hielt ihn an der Hand fest und fragte ihn, warum er um
Mitternacht zu ihr ins Schlafzimmer käme. Er antwortete in
verwegener
Weise: "Meine Geliebte bat mich, ihr noch mehr Schmuck zu bringen.
Darum kam ich, um ihn zu holen." Narasamma bat ihn, ihr Schlafzimmer
sofort zu verlassen. Dann fing Vemana an zu weinen und fiel zu ihren
Füßen. Narasamma aber betete zu Gott, er möge Vemana
Unterscheidungskraft schenken und aus ihm eine reine, tugendhafte Seele
machen. Dann versprach sie, Vemana ein Schmuckstück zu geben,
sofern er
strikt ihre Anweisungen befolgen würde. Vemana gab ihr sein
Ehrenwort.
Narasamma sagte: "Vemana! Bitte die Frau, sich nackt vor dir zu
stellen. Dann soll sie sich mit dem Rücken zu dir drehen. Dann
bitte
sie, sich nach vorne zu beugen und den Schmuck aus deinen Händen
zu
nehmen, indem sie ihre Hände durch ihre Schenkel führt."
Vemana
versprach ihr dies zu tun und legte einen Eid auf die Göttin Kali
ab.
Vemana fuhr direkt zum Haus der
Prostituierten und bat sie, den Schmuck so entgegen zu nehmen, wie
seine Schwägerin ihn gebeten hatte. Während die Prostituierte
sich
vorbeugte, sah er sehr deutlich die intimen Stellen seiner Geliebten.
Plötzlich erwachte in ihm die Leidenschaftslosigkeit. Er trat den
Rückzug zu seinem Haus an. Den Schmuck hielt er immer noch in
seiner
Hand. Er sagte: "Meine liebe Schwägerin! Danke für deine
freundliche
Hilfe. Nun bin ich ein veränderter Mensch. Es gibt kein wirkliches
Glück auf dieser Welt. Es ist alles nur ein Spiel der Maya, eine
Täuschung, eine Illusion. Ich werde jetzt das wahre Glück
suchen." Er
verließ das Haus, ging zum Kali-Tempel und setzte sich vor das
Bild der
Göttin Kali. So geschah es eines Tages, dass ein Mann namens
Abhiramayya im Tempel zur Göttin Kali um eine göttliche
Vision betete.
Eines Nachts erschien sie in seinem Traum und sagte: "Komme Morgen um
Mitternacht. Dann will ich dir erscheinen." Aber der unglückliche
Kali-Verehrer konnte am nächsten Tag nicht kommen. Als Kali kam,
war
aber Vemana dort. Kali bat Vemana, er möge ihr einen Wunsch
nennen.
Vemana sagte: "O Mutter! Gib mir Brahma-Jnana, das Wissen über
Gott."
Dann weihte Mutter Kali ihn in die Geheimnisse des Brahma-Jnana ein.
Von diesem Tag an, wurde Vemana ein tugendhafter Mann mit großer
Hingabe, yogischer Stärke und Wissen.
Im Folge seiner Wanderungen, kam Vemana nach
Cuddapah im Bundesstaat Andhra Pradesh in Südostindien. Er lebte
in der
Nähe von Cuddapah in einem Wald. Dort pflanzte er verschiedene
früchtetragende Bäume wie Melonen und Gurken. Die Gurken
waren alle mit
Gold gefüllt. Mit diesem Gold errichtete Vemana einen Tempel bei
Sri
Sailam. Noch heute enthält dieser Tempel das berühmte Jyotirlingam von Mallikarjuna. (Jyotirlingams, ein
konisches Symbol Shivas, welches oft als Phallus dargestellt wird, sind
die heiligsten Shiva-Tempel Indiens. Es exisitieren genau 12
Jyotirlingas, die sich über ganz Indien verteilen.) Es ist ein
berühmter Pilgerort.
Eines Tag kamen einige Diebe, um die goldenen Gurken zu rauben. Aber sie wurden, infolge der yogischen Kräfte Vemanas bewusstlos. Einst betrat Vemana um Mitternacht die Hütte eines armen Brahmanen, um auf seinem Bett zu schlafen. Während der Nacht hatte er das Gefühl, auf die Toilette zu müssen. Aber die Natur war schneller. Der Teil des Bettes, der verunreinigt war, wandelte sich in Gold. Vemana starb 1865 in Katarupalli im Bezirk Cuddapah. Er schrieb einige Bücher auf Telugu (indische Sprache) über Yoga. Es gab in den alten Zeiten einen König,
der
Muktachuda genannt wurde. Er regierte das Königreich von Dasarna.
Er
hatte zwei Söhne, Hemachuda und Manichuda. Sie waren beide sehr
ansehnlich und tugendhaft und besaßen ein vorbildliches Benehmen.
Sie
waren auch in den Künsten sehr bewandert. Sie gingen beide mit
Begleitern und Waffen für die Jagd zum Berg Sahya. Sie schossen
viele
Tiger und wilde Tiere. Doch plötzlich tobte ein schrecklicher
Sandsturm
und eine unermessliche Dunkelheit brach herein. Man konnte nicht einmal
seinen Nebenmann erkennen. Hemachuda schaffte es irgendwie, die
Einsiedlerei eines Weisen zu erreichen, in der viele Obstbäume
standen.
Er sah in dem Ashram eine schöne Jungfrau. Er fragte die junge
Frau:
"Wer bist du? Wer ist dein Vater? Warum bist du so alleine hier? Woher
hast du so viel Mut?" Sie antwortete höflich: "Willkommen, O
Prinz!
Nimm Platz und ruhe dich ein bisschen aus. Du siehst etwas müde
aus.
Sei so freundlich und nimm etwas von diesen Früchten und
Nüssen. Ich
werde dir meine Geschichte erzählen." Der Prinz aß von den
Früchten und
Nüssen und ruhte sich eine Weile aus.
Dann fing die junge Frau an zu
erzählen: "O
Prinz! Höre meine Geschichte mit der rechten Aufmerksamkeit. Ich
bin
das Patenkind des Weisen Vyaghrapada, der von allem verehrt wird, der
die Welt durch seine Askese erobert und Selbstverwirklichung erreicht
hat. Mein Name ist Hemalekha. Vidyutprabha, eine himmlische Nymphe von
unvergleichlicher Schönheit, kam eines Tages zum Fluss Veena um zu
baden. Sushena, der König von Vengas, kam ebenfalls. Sushena war
von
der bezaubernden Schönheit Vidyutprabha's sehr fasziniert. Die
himmlische Nymphe war ebenso von der attraktiven Erscheinung König
Sushena's fasziniert. Sushena bekundete seine Liebe zu Vidyutprabha.
Sie erwiderte sie. Der König verbrachte einige Zeit mit ihr.
Danach
kehrte er in seine Hauptstadt zurück. Bald gebar Vidyutprabha ein
Kind.
Sie ging zu ihrem Ehemann Da sie aber Angst vor ihm hatte, nahm sie das
Kind nicht mit. Ich bin dieses Kind. Der Weise Vyaghrapada kam für
seine Waschungen täglich zum Fluss. Er sah mich und hatte Mitleid
mit
mir. Er kümmerte sich um mich, wie eine Mutter. Ich betrachte ihn
als
meinen Vater und begegne ihm mit Ehrerbietung. Durch seine Anmut bin
ich furchtlos geworden. Mein Vater wird bald zurückkehren. Warte
bitte
einen Moment. Erweise ihm deinen Respekt und empfange seinen Segen."
Die intelligente junge Frau verstand das Herz des Prinzen und sagte: "O
Prinz! Sei nicht entmutigt. Deine Wünsche werden mehr als
zufrieden
gestellt. Mein Vater wird dir einen Wunsch erfüllen."
Unmittelbar darauf kam der Weise Vyaghrapada
mit Blumen für den Gottesdienst zurück. Der Prinz stand auf
und warf
sich vor dem Weisen nieder. Der Weise verstand, dass der Prinz in die
junge Frau verliebt war. Er gab Hemalekha zur Heirat mit dem Prinzen
frei. Der Prinz ging mit ihr in seine Stadt zurück. Sein Vater war
sehr
erfreut. Er richtete die Hochzeit mit Prunk und Pracht aus. Der Prinz
liebte Hemalekha sehr und verbrachte viel Zeit mit ihr. Aber er
beobachtete, dass ihr sinnliche Vergnügungen nichts bedeuteten.
Eines
Tages fragte er sie: "O liebe Hemalekha, was ist los mit dir? Ich
fühle
mich sehr zu dir hingezogen. Warum erwiderst du meine Liebe nicht? Du
bist so leidenschaftslos und nichts scheint dich umstimmen zu
können.
Wie kann ich genießen, wenn du solch eine Einstellung hast? Du
sitzt
immer nur mit geschlossenen Augen da, wie einer Statue. Du lachst,
spielst und scherzt nicht mit mir. Sei bitte so nett und erkläre
mir
dein Verhalten. Sei bitte ehrlich." Hemalekha antwortete respektvoll:
"O Prinz! Höre mich. Was ist Liebe? Was ist Abneigung? Auf diese
Fragen
habe ich keine klare Antwort. Ich denke sehr viel darüber nach.
Ich bin
bisher noch zu keiner endgültigen Entscheidung gekommen. Hilf mir
bitte, eine Lösung zu finden." Hemachuda (der Prinz) antwortete
mit
einem Lächeln: "Es ist wahr, dass Frauen einen unschuldigen
Verstand
besitzen. Selbst Tiere verstehen, was Zuneigung und Abneigung ist. Wir
sehen, dass sie angenehme Dinge mögen und unangenehme ablehnen.
Schönheit bereitet uns Vergnügen. Hässlichkeit bereitet
uns Schmerz.
Warum verschwendest du deine Zeit mit solchen Fragen?"
Hemalekha antwortete: "Es ist wahr, dass
Frauen nicht so oft über solche Dinge nachdenken. Ist es also
nicht
deine Aufgabe, meine Zweifel auszuräumen? Würdest du also
dein Licht
auf mich werfen, dann würde ich bestimmt aufhören zu zweifeln
und mich
von dir angezogen fühlen, mein Prinz. Du sagtest, dass Zuneigung
und
Abneigung oder Liebe und Hass aus Vergnügen und Schmerz entstehen.
Das
gleiche Objekt kann uns Vergnügen und Schmerz bereiten, je
nachdem, zu
welcher Zeit, unter welchen Umständen und in welcher Umgebung man
ihn
antrifft. Feuer ist im Winter ein Vergnügen, im Sommer eine Qual.
Dasselbe Feuer bereitet Vergnügen in kalten Ländern und Qual
in warmen
Ländern. Feuer hat also unter unterschiedlichen Umständen
unterschiedliche Qualitäten. Ähnlich verhält es sich mit
Reichtum,
Frau, Mutter, Kind und anderen Dingen. Sie verursachen Freude und
Kummer. Warum ist dein Vater, Muktachuda, trotz seines unermesslichen
Reichtums, trotz seiner Söhne und seiner Frau immer so traurig?
Andere,
die all das nicht besitzen, sind sehr glücklich. Weltliches
Glück ist
mit Elend, Schmerz, Furcht und Angst gemischt. Es kann nicht als
wirkliches Glück betrachtet werden. Das Elend ist persönlich
und
unpersönlich, intern und extern. Das externe Elend wird durch die
äußeren Erkrankungen des Körpers verursacht. Das innere
Elend zeigt
sich im nimmermüden Strom der Wünsche. Die Wünsche
stehen in Verbindung
mit dem Verstand. Aus diesem Grund ist das innere Leid
größer als das
äußere. Es ist der Same für alles Leid.
Die ganze Welt ist in diesem inneren Elend
ertrunken. Der Baum des Elends trägt Wünsche als nie
versagenden Samen.
Sogar Indra und andere Götter wurden durch diese Wunsche
genötigt. Sie
wurden Tag und Nacht von ihnen beeinflusst. Wenn es keine Wünsche
gibt,
dann kann allmählich Frieden einkehren. Im Menschen ist, inmitten
von
Tausenden von unbefriedigten Wünschen, nur sehr wenig
Zufriedenheit
anzutreffen. Dieser Zustand kann nicht als Glück bezeichnet
werden. Und
wenn du sagst, dass du glücklich bist, wenn du meine
körperliche
Schönheit betrachtest, ist dieses Glück genau so illusorisch,
wie das
Umarmen einer hübschen Frau in einem Traum. Hemalekha
erzählte weiter:
"Ein schöner Prinz hatte eine sehr attraktive Frau. Er war sehr
von ihr
angetan. Sie aber, war in den Diener des Prinzen verliebt. Sie betrog
den Prinzen hinterlistig. Der Diener mischte eine berauschende Droge in
den Wein, der dem Prinzen gegeben wurde. Dann schickte er dem Prinzen
ein hässliches Dienstmädchen. Er selbst amüsierte sich
mit der Frau des
Prinzen. Der Prinz dachte in seiner Berauschtheit: "Ich bin sehr
glücklich. Ich habe die hübscheste Frau der Welt." Viele Tage
vergingen
auf diese Weise.
Eines Tages vergaß der Diener, das
Narkotikum in den Wein zu tun. Außerdem trank der Prinz an diesem
Tag
nicht so viel. Er rief die Frau, als er ein Opfer seiner Leidenschaften
wurde. Dann aber bemerkte er, dass die Dienstmagd kam. Er fragte sie,
wo seine geliebte Frau sei? Zuerst schwieg sie. Dann aber bedrohte der
Prinz sie mit dem Schwert. Er sagte, er werde sie töten, wenn sie
nicht
die ganze Wahrheit sage. Sie erklärte ihm alles und zeigte ihm den
Platz, wo seine schöne Frau mit dem Diener war. Der Prinz sagte:
"Was
für ein Narr war ich. Ich habe mich selbst erniedrigt, indem ich
trank.
Wer auch immer eine Frau zu sehr liebt, ist verachtenswert. So wie ein
Vogel nicht auf einen bestimmten Baum fixiert ist, so ist auch eine
Frau nicht auf einen Mann fixiert. Sie hat einen unbeständigen,
unsteten Verstand. Ich habe ein Biest bekommen. Außerdem habe ich
meine
Unterscheidungskraft verloren. Ich hielt meine Frau für
wertvoller, als
mein eigenes Leben. Ein Mann, der einer Frau zugetan und ihr ergeben
ist, ist in der Tat ein wahrhaftiger Esel. Frauen schwinden dahin, wie
der herbstliche Himmel. Bis heute verstehe ich die Natur der Frauen
nicht. Sie verlässt mich, der ich mich immer so zuverlässig
um sie
gekümmert habe und geht zu dem Diener. Sie täuschte mir, wie
eine
dramatische Schauspielerin, Liebe vor. Ich wurde betrogen. Dabei ist
der Diener äußerst unattraktiv. Was mag sie bloß an
ihm finden? Der
Prinz war von allem angeekelt. Er verließ das Königreich und
ging in
den Wald."
Hemalekha fuhr fort: "Schönheit ist nur
eine
geistige Schöpfung. Schönheit ist eine Geistesgeburt. Gerade
so wie du
Schönheit in mir erblickst, finden andere sogar mehr Charme in
hässlichen Frauen. Sieht ein Mann eine Frau, so wird ihr
Spiegelbild im
Geiste eines Mannes abgebildet. Wenn ein Mann ständig an die
Schönheit
einer Frau denkt, dann werden auch die Leidenschaften angeregt. Der
Mann, in dem die Wünsche erwacht sind, erfährt sinnliches
Begehren,
während der, dessen Wünsche nicht angeregt sind, nicht an
hübschen
Frauen interessiert ist. Die Ursache, für das Erwecken der
Leidenschaften, ist das konstante Denken über die Schönheit
der Frauen.
Jungen und Asketen denken nicht daran. Demzufolge haben sie keinen
Wunsch nach sinnlichen Vergnügen. Die, die Vergnügen an der
Gesellschaft einer bestimmten Frau haben, erzeugen in ihrem Verstand
ein Bild von der Schönheit der Frau, egal ob sie schön oder
hässlich
ist. Sie übertragen ihre Vorstellung von Schönheit auf die
Frau. Ein
leidenschaftlicher Mann ist in seiner Verliebtheit blind. Er empfindet
selbst die hässlichste Frau als hübsch. Auch Amor wird oft
mit
verbundenen Augen gemalt. Der leidenschaftliche Mann findet die
Schönheit der himmlischen Nymphe Rambha selbst in der
hässlichsten Frau.
"Die Menschen sind in die Schönheit des
Körpers vernarrt. Sie vergessen dabei, dass er aus Fleisch und
Blut,
Nerven, Haut, Knochen, Haaren, Galle, Schleim, Urin und Exkrementen
besteht! Wie können solche Menschen, die so sehr am
körperlichen
Vergnügen orientiert sind, sich den Würmern überlegen
fühlen? O Prinz,
du findest meinen Körper so attraktiv. Jetzt analysiere einmal
meinen
Körper, Teil für Teil, und denke darüber nach. Alle
Dinge, die wir
essen, werden in Kot umgewandelt. Wo sind also all die Dinge, die so
lieblich, entzückend und lustvoll sind?" Hemachuda hörte den
nektargleichen Äußerungen Hemalekha's mit großer
Aufmerksamkeit und
Interesse zu. Er entwickelte Leidenschaftslosigkeit und
Unterscheidungsvermögen, meditierte über den
alles-durchdringenden,
reinen und unsterblichen Atman und wurde ein Jivanmukta, ein befreiter
Weiser. Manichuda lernte die Wahrheit von seinem Bruder, Muktachuda von
seinem Sohn, und seine Frau von ihrer Schwiegertochter. Die Minister
und Bürger dieser Stadt wurden weise. Sogar die Vögel dieser
Stadt,
zwitscherten weise von den Dächern. Der weise Vamadeva und andere
beobachteten, dass alle in dieser Stadt, einschließlich der Tiere
und
Vögel, lernten und weise wurden. Darum wurde die Stadt Vidyanagar
(heute Hampi)
in Südwestindien, Stadt der Weisheit, genannt.
Hampi liegt mitten in Indien im Staat
Karnataka und war vor ungefähr 800 Jahren die Hauptstadt des
hinduistischen Königreichs Vijayanagar und angeblich von ca. 1
Millionen Menschen bewohnt. Durch einen Einfall muslimischer Soldaten
wurde die Stadt nach mehreren Kriegen dem Erdboden gleich gemacht. Die
Bewohner flüchteten, und der Legende nach soll ein portugiesischer
Reisender an seinen König berichtet haben, "hier leben nur noch
Tiger".
Heute sind der Haupttempel und die zuführende
Hampi-Bazaar-Straße
wieder von Einheimischen und Händlern aus anderen Bundesstaaten
belebt.
In einem Gebiet von 30 km² sind überall kleine Tempel und
hinduistische
Statuen verstreut. Die Kulturdenkmäler sind in eine
außergewöhnliche
Felsenlandschaft eingebettet, die von fruchtbaren Bananenplantagen und
Reisfeldern durchschnitten ist. Die Region lebt vom Fluss (Viannagara
oder Tunghabhadra), der die paradiesisch anmutende Landschaft im
natürlichen Flusslauf begrünt.
Einst, als ein junger Prinz auf der Jagd
war, sah er auf den Sandbank eines Flusses, eine schöne
Prinzessin. Die
Prinzessin hatte Interesse an der Philosophie gefunden. Sie hatte
einige vedantische Bücher studiert und praktizierte tiefe
Meditation
auf Atman. Der Prinz näherte sich ihr und wünschte sie zu
heiraten. Sie
aber lehnte ab. Der Prinz bat sie immer und immer wieder.
Schließlich
erklärte sie ihm: "Besuche mich bitte in 10 Tagen. Dann werde ich
dich
heiraten." Der Prinz war auch ein Vedantaschüler, aber er
besaß keine
Leidenschaftslosigkeit. Er verbrachte schlaflose Nächte und am
Morgen
des zehnten Tages fuhr er sehnsüchtig zum Palast der Prinzessin.
Die
junge Prinzessin aber hatte bereits einen Plan ersonnen, einer Heirat
zu entkommen. Sie hatte 10 Tage lang ein Abführmittel aus
Krotonöl
(Krebsblume) genommen. Den Durchfall dieser 10 Tage hatte sie in 10
separaten Nachttöpfen gesammelt, die sie alle fein säuberlich
in einem
großen Raum aufbewahrte. Die Nachttöpfe bedeckte sie mit
hübschen
seidenen Kleidern. Dann schaute sie auf ihre Haut und ihre Knochen.
Ihre Augen waren eingefallen und sie legte sich auf das Bett.
Der Prinz kam, um sie mit großer
Freude zu
treffen. Die Dienstmagd führte den Prinzen in den Raum, in dem die
Prinzessin lag. Der Prinz aber konnte sie nicht erkennen. Er fragte das
Dienstmädchen: "Wo ist die hübsche junge Frau? Das ist nicht
die Frau,
die ich vor 10 Tagen traf!" Aber die Prinzessin antwortete: "Lieber
Prinz, ich bin dieselbe Frau, die du vor 10 Tagen getroffen hast. Ich
habe sorgfältig meine Schönheit im jenem Raum dort
aufbewahrt. Sei so
freundlich und geh mit mir, um die gesammelte Schönheit zu
bewundern.
Komm mit mir. Ich werde sie dir zeigen." Sie ging zusammen mit dem
Prinzen in den Raum, entfernt die seidenen Kleider, und fragte den
Prinzen, ob er ihre Schönheit bewundern wollte. Sie fügte
hinzu: "Dies
ist die Schönheit meiner Haut und meines Fleisches." Der Prinz war
fassungslos. Er sprach nicht ein Wort zu ihr. Er warf sich zu ihren
Füßen und betrachtete sie als seine Mutter. Er warf seine
fürstlichen
Gewänder fort und zog sich in die Wälder zurück. Nun war
sein Herz mit
intensiver Leidenschaftslosigkeit erfüllt. Er suchte den Schutz
eines
Weisen, der ihm Anweisungen erteilte, praktizierte Meditation und
erreichte schließlich Selbstverwirklichung.
Der Verstand ist wie ein Geist. Er ist immer
rastlos. Einst hatte ein brahmanischer Gelehrter durch Mantrameditation
die Kontrolle über seinen Geist erlangt. Der Geist sagte zum
Gelehrten:
"Ich kann jede Arbeit für dich in einer Minute erledigen, denn ich
besitze übernatürliche Kräfte. Du kannst mir jederzeit
die
verschiedensten Arbeiten auftragen. Wenn du mich aber nur für eine
Sekunde ohne Arbeit lässt, dann verschlinge ich dich sofort." Der
Brahmane stimmte zu. Der Geist grub einen Graben, pflügte die
Felder
und erledigte verschiedene Arbeiten in kurzer Zeit. Für weitere
Arbeiten aber war der Geist nicht mehr erforderlich. Der Geist drohte
ihm: "Es gibt keine Arbeit mehr für mich. Ich werde dich
verschlingen."
Der Brahmane war ein wenig verwirrt. Er wusste nicht, was er tun
sollte. Er ging zu seinem Guru und erklärte ihm seine Situation.
Sein
Lehrer sagte zu ihm: "Benutze deinen gesunden Menschenverstand. Lasse
einen großen, starken, hölzernen Pfosten vor deinem Haus
anbringen,
trage Rizinusöl, Wachs und andere schmierige Substanzen auf dem
Pfahl
und bitte den Geist, den Pfahl den ganzen Tag hinauf und hinab zu
klettern." Der Brahmane tat, was ihm sein Guru sagte und kontrollierte
damit den Geist ohne irgendwelche Schwierigkeiten. Der Geist war ihm
hilflos ausgeliefert. Genau so solltest du den Verstand
beschäftigt
halten, damit er sich nicht permanent mit sinnlichen Gedanken
beschäftigt: Japa, Meditation, Selbsterforschung,
Nächstenliebe, Kirtan
(Mantrasingen), Beten und so weiter. Du musst ihn vollkommen
beschäftigt halten. Nur dann kann er vollkommen kontrolliert
werden.
Nur dann schleichen sich keine schlechten Gedanken ein. Dann bist du
sowohl im psychischen wie auch im physischen Brahmacharya gefestigt.
Hat man erst einmal psychisches und physisches Brahmacharya
verwirklicht, dann kann man etwas lockerer an die Sache herangehen, da
der Verstand nicht mehr das Bedürfnis hat abzuschweifen. Dann
fühlt er
sich nämlich am wohlsten, wenn er Einpünktigkeit praktiziert.
Yajnavalkya (bedeutender klassischer
Yogatext): Brahmacharya heißt enthaltsam leben von allen Arten
des
Geschlechtsverkehrs, sowie von jeglichem sexuellen Genuss, an allen
Plätzen und unter allen Umständen, physikalisch, geistlich
und verbal.
Daksha Smriti (die Smriti sind
spätere Erklärungsversuche der Veden)
: 1. An eine Frau oder ihr Bild zu denken
2. eine Frau oder ihr Bild zu loben 3. etwas mit einer Frau oder ihrem Bild zu unternehmen 4. flüchtig auf eine Frau oder ihr Bild zu blicken 5. geheim mit einer Frau zu reden 6. an sündhaftes Tun mit einer Frau zu denken 7. das Besprechen sinnlichen Tuns und 8. das Ausüben sinnlichen Tuns - mit dem Ergebnis des Samenverlustes - sind
die acht Eigenschaften des Geschlechtsverkehrs. Brahmacharya ist allen
diesen acht Tätigkeiten entgegengesetzt.
Mahabharata (hinduistisches Epos):
Wisse, dass es in dieser Welt nichts gibt, das nicht durch einen Yogi
erreicht werden kann, der von der Geburt bis zum Tod ein vollkommenes
Zölibat praktiziert hat. Der eine, erlangt das Wissen der vier
Veden
und der andere, erlangt das perfekte Zölibat der Veden. Der zweite
ist
dem ersten, der das Zölibat anstrebt, überlegen.
Shankaracharya (Vedante-Philosoph):
Brahmacharya oder fleckenlose Keuschheit ist die beste aller
Bußen. Ein
Brahmachari solch fleckenloser Keuschheit ist kein menschliches Wesen,
sondern in der Tat ein Gott. Für einen Brahmachari, der seinen
Samen
mit großen Bemühungen bewahrt, gibt es in der Welt nichts
unerreichbares. Durch das Vermeiden des Samenverlustes, wird jemand so
wie ich.
Chhandogya Upanishad (philosophische
Schrift): Jenen Yogis, die die Welt Gottes durch Keuschheit finden,
gehört dieses himmlische Land. Ihnen gehört die Welt des
Friedens.
Buddha: Ein kluger Mann sollte die
Heirat meiden, als ob sie eine Grube glühender Kohle wäre.
Vom Kontakt
kommt die Empfindung, von der Empfindung kommt die Lust, von der Lust
kommt das Anhaften. Indem man sich von dieser Verhaftung löst,
wird die
Seele von allem sündhaften Dasein befreit.
Narada (altindischer Weiser): Die
sexuellen Neigungen, obwohl sie anfangs wie kleine Wellen sind,
erlangen die Dimensionen eines Meeres, wenn man in schlechter
Gesellschaft ist.
Krishna: Die Sinneslust zerstört
das
Leben, den Glanz, die Stärke, die Vitalität, das
Gedächtnis, den
Reichtum, den Ruhm, die Heiligkeit und die Hingabe zu Gott.
Siva Samhita (Quellentext des
Hathayoga): Der Tod wird beschleunigt, indem man seinen Samen
verausgabt. Das Leben wird verlängert, indem man ihn bewahrt. Es
gibt
keinen Zweifel, dass Leute vorzeitig sterben, indem sie ihren Samen
verausgaben. Dieses wissend, sollte der Yogi seinen Samen bewahren und
im Zölibat leben.
Atreya (indischer Philosoph):
Vorsicht in der Diät ist vom dreifachen Wert, aber Enthaltsamkeit
vom
sexuellen Verkehr ist vom vierfachen Wert. Der Sanyassin (Mönch)
hatte
und hat die Regel, niemals nach einer Frau zu sehen.
Manu (Gesetzbuch des Hinduismus):
Lass einen Brahmanen keine nackte Frau sehen.
8. Spirituelle Anweisung: Bewahre die
lebenswichtige Kraft, den männlichen Samen, sehr sehr
sorgfältig. Der
Same ist Ausdruck Gottes, göttliche Kraft. Der Same ist Energie,
er ist
die Quelle des Lebens, der Gedanken und der Intelligenz. Brahmacharya
ist die dritte der fünf Verhaltensregeln in den Yogasutras von
Maharshi
Patanjali. Brahmacharya wird in praktisch allen Heiligen Schrift der
Veden, der Bhagavata, des Ramayana und in allen Puranas erwähnt.
Es ist
ebenso in allen Yogas enthalten, im Bhakti Yoga, im Jnana Yoga, im
Hatha Yoga und im Raja Yoga. In der hinduistischen Tradition sind drei
grundlegende Regeln für die Praxis der spirituellen Entwicklung
festgelegt. Sie sind Nichtverletzen, Ehrlichkeit und Keuschheit. "Wenn
du höchste Glückseligkeit wünschst, dann gib den Wunsch
nach sinnlichen
Genüssen auf, und wie Nektar werden die dreifachen Tugenden der
Keuschheit, des Nichtverletzens und der Ehrlichkeit dich mit Seligkeit
erfüllen." Durch die Jahrhunderte bestimmte diese Lehre das
Streben
nach höherer Spiritualität.
Im Rahmen des christlichen Glaubens, der
durch Jesus von Nazareth gelehrt wurde, sind Glaube, Hoffnung und
Nächstenliebe die Kardinaltugenden. Innerhalb des Christentums
sind die
Mönchsorden eine christliche klösterliche Tradition. In
dieser
klösterlichen Tradition sind drei Gelübde unentbehrlich. Dies
sind
Armut, Keuschheit und Gehorsam. Es ist das Gelübde der
Mönche. Es ist
das Gelübde der Mönche und Priester in den Priesterseminaren,
als auch
das Gelübde der Nonnen in den Nonnenklöstern. Es bestand auch
in der
vorchristlichen Zeit, für die mystischen Orakel von Delphi in
Griechenland. Nur keusche Priesterinnen waren qualifiziert, in Trance
den Willen Gottes zu erbitten, der dann von den Oberpriestern
interpretiert wurde. Diese keuschen Priesterinnen hatten ihr Leben Gott
und ihrer Aufgabe gewidmet. Man war davon überzeugt, dass Gott
seinen
heiligen Willen, nur solchen Jungfrauen mit reinem Geist und reinem
Herzen offenbaren würde. Sie wurden die unberührten
Jungfrauen von
Delphi genannt. So begann die Tradition des Brahmacharya, der
Keuschheit, der Selbstkontrolle, der sexuellen Reinheit, nicht erst im
Christentum, es gab sie bereits innerhalb der Tradition des Judentums.
Bereits 500 Jahre vor Jesus hatte Buddha die Lehre der Keuschheit als eine notwendige Vorbereitung für die Suche nach Weisheit und Erleuchtung gelehrt. Buddha lebte als junger Prinz mit seiner Frau und seinem Sohn Rahul in einem Palast. Eines Tages verließ er seine Familie und ging als Mönch für 7 Jahre in den Wald. Die Abkehr von der Welt, eine große Entsagung, wurde wundervoll von Edwin Arnold in seinem Buch "Die Leuchte Asiens", eine poetische Darstellung von Buddhas Leben, beschrieben. Daher ist das Zölibat etwas, dass der Menschheit vor undenklichen Zeit übergeben wurde. Es ist ein Teil des globalen Erbes aus unterschiedlichen Kulturen. Noch weiter zurück, bevor Zarathustra (altiranischer Prophet) und Buddha lebten, verkündeten die Propheten der Upanishaden (hinduistische philosophische Schriften, 700 v. Chr.) die gleichen Lehren. In den Veden (heilige Schriften des Hinduismus - 1200 v. Chr. bis 900 v. Chr.) befragten Indra (Kriegsgott) und Virochana (ein dämonischer Prinz, der sich der Sinneslust verschrieben hatte) einen der drei Hauptgötter Brahma (die anderen Hauptgötter sind Vishnu und Shiva) nach dem Weg zur Erleuchtung. Brahma schickte sie zurück und empfahl ihnen, für einige Jahre Brahmacharya zu praktizieren. Brahma sagte zu ihnen: "Dann kommt
zurück
und fragt mich nach dem weiteren Weg. Ich werde euch mein Wissen
übermitteln." Dann gingen sie, befolgten für einige Jahre das
Zölibat
und kehrten zu Brahma zurück. Brahma offenbarte ihnen einen
weiteren
Teil der Wahrheit. Er sagte: "Kehrt zurück und beachtet für
weitere
Jahre das Zölibat." Es ist notwendig, das Konzept zu erfassen, da
es
über die Reichweite des Verstandes und der Sinne, über Rede
und
Gedanken hinaus geht. Aber Indra und Virochana waren nicht in der Lage,
es zu erfassen. Ein grober Verstand, der sich mit dem Körper, mit
den
Sinnen identifiziert, der dem Lustprinzip verfallen ist, ist
unfähig,
über theoretische Konzepte nachzudenken. Ein Verstand, der sich
wegen
der fortschreitenden Zunahme von unreinen und trägen Gedanken nur
grob
entwickeln konnte, ist nicht in der Lage, dem Ruf nach einem
spirituellen Leben zu folgen. Erst müssen die Unreinheiten
beseitigt
und der Verstand verfeinert werden. Es sollten keine Grobheiten, keine
Wünsche, keine Verhaftungen und keine sinnlichen Begierden mehr
vorhanden sein. Eine bestimmte psychische Feinheit des Geistes ist
dafür unerlässlich. Dadurch kann der Geist sich zu erhabenen
Ideen,
Gedanken und Prozessen aufsteigen, er kann Unterscheidungskraft
entwickeln und Atman (die Seele) erforschen. Dieser Prozess der
Reinigung, das Aufsteigen vom groben zum feinsinnigen, ist das
wesentliche Konzept des Brahmacharya.
Der Weise, Rishya Sringa, war ein erfahrener
Brahmacharya. Als das ganze Königreich durch eine Dürre von
einer
Hungersnot bedroht war, war der König tief beunruhigt und die
Menschen
des Landes waren in großer Furcht und Sorge. Darum rieten einige
Weise,
man solle diesen heiligen Mann, der das Gelübde des Zölibats
abgelegt
hatte, in das Königreich, in die königliche Stadt, holen.
Dann würden
die Himmel sie mit Regen segnen. So baten sie ihn, zu kommen. So wurde
der Hunger und der mögliche Hungertod von vielen Menschen
abgewendet.
Vor langer, langer Zeit hatten die Puranas, die heiligen Schriften der
Hindus, die primär der Anbetung der Gottheiten Brahma, Vishnu und
Shiva
dienen, und das Srimad Bhagavata Mahapurana, ein Text vishnuitischer
Prägung, den höchsten Stellenwert für eine Frau, die ein
Vorbild der
Tugend, der Keuschheit und der Treue zu ihrem Ehemann war. Niemals
dachte sie auch nur in Gedanken an einen anderen Mann, selbst nicht in
ihren Träumen oder in ihrer Phantasie. Sie war so rein, dass die
drei
großen kosmischen Gottheiten, der Schöpfer, der Bewahrer und
der
Zerstörer, Brahma, Vishnu und Shiva ihre Größe
anerkennen mussten.
Aber die drei Götter wollten die Frau
auf
die Probe stellen, um herausfinden, ob sie unter allen Umständen
an
ihrer Keuschheit festhielt. Sie aber bestand die Probe und erlangte
Unsterblichkeit. Sati Anasuya, die Mutter des Trimurti, der
göttlichen
Dreigestalt (Brahma, Vishnu, Shiva), die alle drei göttlichen
Aspekte,
das Erzeugende, das Erhaltende und das Zerstörende in sich
vereinigt
hatte, inkarnierte später als Avatar Sri Dattatreya, eine
hinduistische
Gottheit, eine Verkörperung der Dreigestalt (Trimurti) Brahmas,
Vishnus
und Shivas. Er wird dargestellt als eine dreiköpfige
männliche Gestalt
in safrangelben Asketengewändern. Die große Weltenmutter
Sita Janaki,
die Königin und Frau des Gottes Rama, wurde durch ihre Tugenden
als
treue Ehefrau unsterblich. Ebenso die Paare, Maryada Purushottam und
Bhagavan Sri Ramachandra sowie Jagan Mata und Sita Janaki. Sie werden
von allen, die an den Veden und der vedischen Lebensart interessiert
sind, als Ideale für das zweite Lebensstadium (es gibt insgesamt 4
Lebensstadien: 1. Brahmacharya = Schüler, 2. Grihasta = Eheleben,
3.
Vanaprastha = die Kinder sind erwachsen, 4. Sannyasin = Mönch),
dem
Grihastashrama, betrachtet.
14 Jahre lang beachtete Laxmana, der Bruder
des Gottes Rama, das Gelübde des Zölibats. Das gab ihm
schließlich die
Kraft, den Dämonen Indrajit, den unsichtbaren und unverwundbaren
Sohn
von Ravana, zu besiegen. In der Kulturgeschichte Indiens, erweckt der
Name Bhishma's Ehrfurcht und Bewunderung im Herzen eines jeden, der von
ihn gehört und vom Gelübde, das Bhisma auf sich genommen hat,
um den
Wunsch seines Vaters zu erfüllen. Es ist in die Geschichte als
Bhishma-Gelübde eingegangen. Er beachtete lebenslang das
Brahmacharya
und war einer der unbesiegbarsten Krieger in der Erzählung der
Mahabharata, dem bekanntestes indische Epos. Man nimmt an, dass das
Mahabharata erstmals zwischen 400 v. Chr. bis 400 n. Chr.
niedergeschrieben wurde, aber auf älteren Traditionen beruht. Es
umfasst etwa 100.000 Doppelverse. Ebenso ist die Entschlossenheit
Bhagirath's, ein anderer Nachkomme der königlichen Familie, der
einst
den Ganges vom Himalaya auf die Erde gebracht haben soll, beispiellos
in die Geschichte eingegangen. Man spricht von den Bemühungen
Bhagirathas!
Wir können diese Tatsachen nicht
einfach als
Torheiten oder als bedeutungslos beiseite schieben. Dies waren keine
normalen Menschen. Es waren überdurchschnittliche,
außerordentliche
Persönlichkeiten mit großer Weisheit, großer Intuition
und überragender
Größe, die Selbstverwirklichung erreicht hatten. Heilige wie
Vyasa
(Autor der Mahabharata/Bhagavad Gita) und Valmiki (Autor des Ramayana),
waren keine kindlichen, unvernünftigen Idealisten. Sie waren
Brahma-Jnanis, Weise, die fähig waren, die Wirklichkeit des
Brahman zu
erkennen, und die uns damit unsere Unwissenheit, und unsere
Unfähigkeit, Unterscheidungskraft zu entwickeln, demonstrierten.
So
scheint es wichtig zu sein, dass es nicht nur im Rahmen der vedischen
Philosophie, sondern in allen großen Religionen der Welt, heute
etwas
gibt, das zutiefst wissenschaftlich und sinnvoll erscheint, und deren
Einhaltung als äußerst bedeutend angesehen wird.
Zarathustra, Sokrates,
Jesus und Buddha, propagierten keinen Yogaweg, sondern sie lehrten
einen Weg, um die höchste Seligkeit zu erlangen, indem sie das
höchste
Ziel der menschlichen Liebe, die Vereinigung mit Gott, anstrebten.
Dieses sind Anzeichen für das Konzept
zur
Bewahrung einer bestimmten dynamischen Energie im menschlichen
biologischen Sein und dem Umwandeln dieser Energie während des
Lebens.
Ich bin hier, Chidananda, sitze und unterhalte mich mit euch, durch die
Gnade Swami Sivanandas. Dies ist möglich, weil meine Eltern diesen
Körper zeugten, in dem ich zum Zeitpunkt der vorbestimmten Geburt
geboren wurde. Ebenso wie die Eltern Buddhas, von Raja Shuddhodana und
Mutter Yasodhara ihren Körper auf die Geburt eines göttlichen
Kindes
vorbereiteten, haben wir die inspirierende Aufgabe, die Lehren unseres
großen Meisters, Swami Sivananda, der viele Anhänger hat,
der uns eine
große Religion, eine Philosophie lehrte, und der einen
Yoga-Ashram
aufbaute, weiter zu tragen. Brahmacharya ist das Konzept des Bewahrens
einer dynamischen biologischen Energie innerhalb des menschlichen
Systems um es durch Sublimation in eine höhere und feinere Energie
umzuwandeln. Diese veredelte und erhabene physische Energie wird als
Ojas-Shakti bezeichnet. Ojas-Shakti bedeutet, das was leuchtet, das was
strahlt. Diese intelligente Technik, eine wissenschaftliche Methode des
Umwandelns von grober in feiner, von physischer in spiritueller
Energie, wurde uns von erleuchteten Heiligen übermittelt.
Durch die Fürsorge der kosmischen
Intelligenz, die wir Para-Brahman und der kosmische Energie, die wir
Para-Shakti, Adi-Shakti und Maha-Shakti nennen, ist es möglich
gewesen,
dass sich unterschiedliche Arten von Lebewesen, unterschiedliche
Pflanzen und botanisches Leben, entwickeln konnte. Die
Aufrechterhaltung der Arten ist das Gesetz des Lebens im gesamten
Universum, in jeder Form des Lebens. Sie gilt nicht nur für den
Menschen, sondern auch für die Tiere, für die Insekten, die
Reptilien,
die Fische, aber auch für die botanische Welt. Bei den Blumen gibt
es
die Bestäubung. Sie ist ein kompliziertes und geheimnisvolles
Wunder
und ermöglicht die Fortpflanzung der Blume. Diejenigen, die diese
wundervolle Wissenschaft studieren, sind erstaunt über diese
unbekannte
und geheimnisvolle kosmische Intelligenz, die diesen Prozess
hervorgebracht hat. Sie sind voller Bewunderung, wenn sie tiefer in die
verewigten Prozesse des Lebens eindringen, angefangen beim
rudimentären
Leben einer Einzellzelle, die sich aufteilt und vervielfacht.
Wie wundervoll, dass selbst ein kleiner,
zarter Same fähig ist zu keimen, so dass die Energie sogar die
Kraft
entwickelt, schweren Erdboden zu durchdringen oder gar einen Felsen zu
durchbrechen. Was für ein Wunder! Welch große Kraft! Er
spaltet die
Erde, die zehn mal härter als sein weicher Sprössling ist,
und dringt
an die Oberfläche. Wenn zufällig ein keimender Same auf einer
Betonterasse abgelegt wurde, dann bricht er sogar durch Ziegelsteine
und Zementwände, verdrängt sie, und beginnt zu blühen.
Diese Akt der
Artenerhaltung und der Fortpflanzung ist überall anzutreffen. Es
erfüllt und durchdringt das ganze Universum. Das gesamte Universum
ist
das Resultat eines ursprünglichen Wunsches nach Vermehrung. "Ich
bin
eins, kann ich mich vermehren?" Darum sagen die Veden, dass dort ein
unabwägbares, geheimnisvolles Sein existiert. Was dieses
geheimnisvolle
Sein ist, mag niemand zu sagen. Ein zweites Sein scheint nicht zu
bestehen. Wer dieses Sein erfahren hat erkennt, dass Gott allein
existiert.
Und in diesem geheimnisvolles Sein,
entsprang der Keim einer Idee. Es entstand der Wunsch: "Ich möchte
mich
vermehren. Ich bin allein. Ich hätte gerne Kinder." Das ist der
Versuch, die Schöpfungsgeschichte zu erklären. Das Konzept
der
Fortpflanzung, ist das Herz und der Kern der Existenz. Es wurde aus
Brahman geboren und ist überall anzutreffen. In der Bibel wird sie
auf
verschiedene Weise dargestellt. Gott erschuf den Mann und sagte ihm:
"Gehe hin und vermehre dich." Und wenn du in den Heiligen Schriften
anderer Religionen forscht, dann findest du dort den gleichen
Sachverhalt beschrieben. Die kosmische Intelligenz wird als Gott oder
Paramatman bezeichnet, als oberste Seele oder Universalgeist und
beinhaltet alles, was besteht. Und wenn in einer bestimmten Periode des
Lebens eine Entscheidung getroffen wird, dann entspringt sie der Natur
nach einem heiligen Akt. Der Atman ist kein Kind, der von Eltern
gezeugt wurde. Er ist ein spiritueller Kern, ein Bewusstsein, der das
ganze Universum durchdringt. Die Erschaffung neuen Lebens ist eine Akt,
bei dem die Ehepartner mit dem Schöpfer Brahman kooperieren. Sie
übernehmen einen Teil der Aufgabe Brahmans. Darum ist die Zeugung
ein
heiliger Akt.
Es ist die unschätzbare Kraft des
Brahmacharya, die Erfolg im Hören und Verstehen des Wortes Gottes,
im
Betrachten und in der Konzentration auf Gott, gibt. Sie gibt Erfolg in
der Praxis der neun Methoden des Bhakti Yoga (dem Weg der liebenden
Hingabe an Gott): 1. Sravana (das Hören von Gottes Wort),
2.Kirtana
(das Singen oder Sprechen des Namen Gottes), 3. Smarana (das Erinnern
an Gott), 4. Archana (das Opfern von Reis oder Blumen), 5. Vandana
(Verehrung, Lobpreis), 6. Pada-Sevana (Liebe zu Gott, durch den Dienst
am Nächsten), 7. Dasya (liebevolle Hingabe zu Gott als sein
Diener), 8.
Sakhya (freundschaftliche Liebe) und 9. Atma-Nivedana (Selbsthingabe).
Es ermöglicht die erfolgreiche Praxis vom Raja Yoga, dem Königsweg, der die Herrschaft
über
den Geist anstrebt, und der aus Yama (die 5 Enthaltungen =
Nichtverletzen, Nichtstehlen, Ehrlichkeit, Brahmacharya und
Unbestechlichkeit), Niyama (5 Verhaltensregel = Reinheit,
Zufriedenheit, Disziplin, Selbsterforschung und Hinwendung zu Gott),
Asana (Yogaübungen), Pranayama (Atemübungen), Pratyahara
(Zurückziehung
der Sinne), Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) und Samadhi
(Erleuchtung), besteht.
Die Praxis von Asana (Yogaübungen),
Pranayama (Atemübungen), Mudra (Fingeryoga, symbolische
Handgesten),
Bandha (Energieverschlüsse = Muskelkontraktion die wie eine Sperre
wirkt und dazu dient, den Fluss der Lebensenergien zu lenken), Kriya
(Atemübungen, Zurückziehen der Sinne, Meditation - auf der
Grundlage
von Yama und Niyama) führen zu Samadhi (Erleuchtung). Es ist diese
Kraft, die Ravindranath Tagore (bengalischer Dichter, Philosoph, Maler,
Komponist, Musiker, der 1913 den Nobelpreis für Literatur
erhielt),
Bhagat Singh (indischer Revolutionär), Mahatma Gandhi, Beethoven,
Bach,
Albert Schweitzer, Jeanne d'Arc (die Jungfrau von Orléans,
französische
Nationalheldin) und Mutter Theresa (katholische Nonne albanischer
Herkunft, Gründerin des Ordens "Missionarinnen der
Nächstenliebe" und
Trägerin des Friedensnobelpreises) zu etwas Besonderem machten. Es
ist
diese erstaunliche Kraft, die den Weisen Valmiki und viele andere
überragenden Menschen der Geschichte hervor brachte. Ihr Geheimnis
bestand in der der Bewahrung und Sublimation der sexuellen Energie
für
einen höheren spirituellen Zweck.
Die lasterhaften Menschen, die diese
lebenswichtigen Energien vergeuden, werden zu Nervenbündeln und zu
Opfern verschiedener Krankheiten. Sie sind wie der törichte Sohn
eines
Multimillionärs, der sein Geld für Trinken, Spielen, Autos,
Häuser und
Land in Deutschland, in der Schweiz, in Italien, für Inseln auf
Capri
und Monte Carlo ausgibt, um irgendwann bankrott zu gehen und ein Leben
als Bettler zu führen. Was auch immer ihm gegeben wurde, es wurde
verschwendet. Er erkannte den Wert des Reichtums nicht, und wurde zu
erbärmlicher Armut verurteilt. Was für ein bedauernswerter,
bemitleidenswerter Zustand! Energie und Stärke sind für alle
Prozesse
und alle Tätigkeiten erforderlich. Um so intensiver die
Aktivität ist,
um so größer ist der Energiebedarf. Diesel kann
Dieselmotoren
antreiben. Benzin dagegen treibt Benzinmotoren an. Weder Diesel noch
Benzin können ein Flugzeug zum fliegen bringen. Ein Flugzeug
benötigt
einen Treibstoff mit einer höheren Oktanzahl. Darum ist eine grobe
Energie für körperliche Funktionen ausreichend. Eine feinere
Energie
ist für die intellektuelle Arbeit, für das Studium der
Rechtswissenschaften oder der Kernphysik an der Universität
erforderlich. Eine im hohem Grade veredelte und extrem feine Energie
ist notwendig, um dich von der normalen Ebene in die göttliche
Ebene zu
tragen.
Meditation erfordert die feinste Energie. Es
ist ein Läuterungsprozess, der dich persönlich mit der
göttlichen
Realität vertraut macht. Es ist die Stufe des Yoga, die dich zur
Erleuchtung führt, in dem der Geist das Bewusstsein seiner
vollkommenen
Freiheit, Unabhängigkeit und seiner göttlichen Natur
erfährt.
Vielleicht kannst du dir jetzt vorstellen, wie feinsinnig und veredelt
der Geist für diesen Prozess sein muss. Darum muss das grobe
Bewusstsein zuerst verfeinert werden. Es ist wie bei der Erzgewinnung.
Das Erz enthält Gold, aber es ist noch kein Gold. Es muss erst
verfeinert, gesiebt und geschmolzen werden, bis es zu reinem Gold
veredelt ist. So muss auch die biologische sexuelle Energie in eine
subtile psychische, spirituelle Energie, die Ojas genannt wird,
umgewandelt werden.
Alles Reden über Brahmacharya sollte in
uns
nicht den Eindruck erwecken, dass die Sexualität in der
hinduistischen
Religion keinen Platz hätte, und dass das Zölibat die einzige
Sache
ist, auf der, als die höchste Tugend, beharrt wird. Das wäre
ein
Fehler, ein Missverständnis. Im Varnashrama Dharma, den vier Lebensstadien des Hinduismus (1. Schüler, 2.
Familienvater, 3. Waldasket, 4. Sanyassin), in dem die Richtlinien
für
das Leben nach dem hinduistischen Glauben formuliert sind, wird das
Brahmacharya als vollkommenen sexuelle Enthaltsamkeit, in der
physischen, als auch in der mentalen Form, für drei der vier
Lebensstadien, verlangt. Im Leben eines Familienvaters, wird die
Sexualität als heilig betrachtet. Dafür wurden wohl
durchdachte Regeln
aufgestellt. Ein großes Abkommen an Ratschlägen, Anleitungen
und
Hinweisen sind für die zweite Lebensphase, für die
Familienväter,
erteilt worden, in dem die Sexualität nicht nur ein Recht, sondern
als
eine heilige Aufgabe betrachtet wird.
Es wird als eine wichtige und heilige
Aufgabe betrachtet, Kinder zu zeugen, um für den familiären
Nachwuchs
und den Fortbestand der Generationen, zu sorgen. Dies wird als eine
wichtige Funktion einer lebenslangen Partnerschaft, und als einer der
heiligsten Aspekte des menschlichen Lebens, angesehen. Im Lebensstadium
der Familie wird die Geburt eines Kindes einerseits als Freude,
andererseits aber auch als Opfer betrachtet. Ebenso wie das Essen als
ein Opfer betrachtet werden kann, nicht als eine Opfergabe, die man
einem äußeren Feuer, sondern als eine Opfergabe, die dem
inneren
gastrischem Feuer angeboten wird; so wird auch der Zeugungsakt als ein
heiliges Opfer angesehen, um die Ehepartner in ihren Kindern zu
verewigen. Daraus entwickelte sich eine seriöse,
gesetzmäßige Pflicht.
Wenn die Eltern diese Pflicht nicht erfüllen, werden in den
heiligen
Schriften schreckliche Konsequenzen vorausgesagt. Wenn die Eltern keine
Nachkommen haben und besonders, wenn sie keine männlichen
Nachkommen
haben, dann werden sie zur Hölle fahren. Eine spezielle Hölle
ist für
sie reserviert. Und darum sagen die vedischen Schriften, dass ein
Brahmane sich eine andere Frau nehmen darf, wenn seine Frau kein
männliches Kind bekommt. Er kann sogar vier Frauen heiraten. Da
der
männliche Nachwuchs besonders in einem königlichen Haushalt
von
Bedeutung ist, darf der König mehrere Frauen heiraten. Der
Hinduismus
hat also keineswegs eine sexualfeindliche Einstellung.
Anmerkung des Übersetzers: Zum einen
sollte
betont werden, dass die Sexualität in der Ehe ausschließlich
zur
Zeugung des Nachwuchses vorgesehen ist. Ich meine, dieses geht aus
Swami Sivanandas Beitrag "Was
bedeutet Brahmacharya in der Ehe?" etwas deutlicher hervor.
Außerdem gefällt es mir nicht so sehr, dass Swami Chidananda
nicht
weiter auf die Polygamie (Vielweiberei) und auf die Strafen eingeht,
die einem Ehepaar drohen, falls sie keinen männlichen Nachwuchs
bekommen. Ende Anmerkung.
Unter Brahmacharya versteht man, sein Leben
in der Art und Weise zu führen, dass man langsam aber sicher das
Wissen
über Brahman erlangt. In besonderer Weise, ist darunter die
Enthaltsamkeit im Sexualleben zu verstehen. Aber dies ist ein
unzureichendes Verständnis. Mahatma Gandhi sagte, dass kein
Versuch,
die sexuelle Leidenschaft unter Kontrolle zu bringen, erfolgreich sein
wird, wenn man nicht gleichzeitig versucht, alle anderen Sinne
ebenfalls zu kontrollieren. Vollkommenes Brahmacharya und vollkommene
sexuelle Reinheit sind nur dann möglich, wenn man
Selbstbeherrschung
verinnerlicht hat. Du musst deine Ohren unter Kontrolle haben. Du musst
deine Augen unter Kontrolle haben. Du musst deine Hände und
Füße unter
Kontrolle haben. Und du musst auch deine Zunge bzw. deinen Gaumen unter
Kontrolle haben. Dann besteht die Möglichkeit, die sexuelle
Reinheit zu
verwirklichen. Swami Sivanandas Konzept des Brahmacharya
beschränkt
sich darum nicht nur auf die physische Zurückhaltung, auf die
körperlichen Leidenschaften, sonders es schließt das
geistige
Brahmacharya mit ein. Er sagte: "Du musst sowohl das physische als auch
das geistige Brahmacharya verinnerlicht haben, damit selbst im Traum
kein sinnlicher Gedanke in deinem Verstand entstehen kann."
Wie kommt es, dass in der heutigen modernen,
materialistischen Gesellschaft die Sexualität solch einen
bedeutenden
Stellenwert einnimmt? Die Menschen sind von ihr besessen und werden von
ihr beherrscht. Dies ist eine menschliche Perversion. Die Upanishaden,
die philosophischen Schriften des Hinduismus, sprechen von der Stadt
mit den neun Toren, die der geheimnisvolle Aufenthaltsort des Brahman
ist. Diese Stadt ist unser Körper. Jede medizinisch bewanderte
Person
wird dir erklären, dass die Tätigkeit der Körperprozesse
durch
Anabolismus (Aufbau) und Katabolismus (Abbau) geschieht.
Zusammengenommen werden sie als Stoffwechsel bezeichnet. Der
Anabolismus ist ein Aufbauprozess, der Katabolismus ist ein
Abbauprozess. Der Abbauprozess führt normalerweise zur Ansammlung
von
Rückständen. Angehäufte Rückstände sind
unerwünscht und sie bedrohen,
falls sie nicht entfernt werden, die Gesundheit oder gar das Leben des
Menschen. Sie müssen also entfernt werden. Der Mensch kann diese
Stoffwechselprodukte aufnehmen, indem er isst und trinkt. Weil das
Leben Sauerstoff benötigt, atmet der Mensch durch die Nase.
Möchtest du
dagegen Wissen aufnehmen, dann geschieht das durch sehen, sprechen und
hören.
Der Mensch besitzt zwei
Ausscheidungsausgänge, durch die er seine Rückstände
beseitigt. Die
wichtigste Funktion der Ausscheidungsorgane ist die Beseitigung von Kot
und Urin, die mit der Geburt beginnt und im Augenblick des Todes endet.
Vom ersten Atemzug an, in dem die individuelle Seele in den Körper
eintritt, bis zum letzten Atemzug, in dem die individuelle Seele den
Körper wieder verlässt, bleibt die Ausscheidungsfunktion
erhalten. Auf
die gesamte Lebensdauer bezogen, ist dagegen die Fortpflanzungsfunktion
nur in einer kurzen Periode erforderlich. Wenn wir die Anweisungen der
Veden streng befolgen, beträgt diese Periode etwa ein Zehntel der
Lebensdauer. In der restlichen Zeit, morgens, mittags, abends und
nachts, wird dieser Ausgang nur zur Harnentleerung benutzt. Man kann
sich keinen Architekten vorstellen, der ein Haus oder ein Gebäude
entwirft, ohne Entwässerungskanäle für die Küche
und das Bad
einzuplanen. Andernfalls wird sich der Schmutz im Haus ansammeln, und
man ist irgendwann notgedrungen gezwungen, das Haus zu verlassen.
Werden die Giftstoffe also nicht vom Körper beseitigt, dann
sammeln sie
sich an, es kommt zu einer Blutvergiftung und schon bald wird die
Person sterben.
Vor langer Zeit, als ich noch ein Student
war, erklärte mir jemand, dass die unteren
Körperöffnungen
hauptsächlich für die Ausscheidung vorhanden sind. Aber
anstatt, dass
man den Penis als ein Ausscheidungsorgan betrachtet, der nur für
eine
sehr kurze Zeit als Fortpflanzungsorgan benötigt wird, damit die
menschliche Rasse weiter bestehen kann, verleitet uns unsere Phantasie
dazu, ihn viel stärker als ein sexuelles Lustorgan zu betrachten,
als
es seiner natürlichen Funktion eigentlich zugedacht ist. Das
führt
dazu, dass die Menschen sexbesessen und zu Sklaven ihrer
Sexualität
werden. Warum ist die Sexualität mit so viel Lust verbunden? Es
ist
absolut notwendig. Denn wenn es dieses sexuelle Vergnügen nicht
geben
würde, würde niemand daran denken, Kinder zu zeugen. Ein
großes Problem
der modernen Gesellschaft, ist allerdings das sexuelle Verhalten der
Menschen. Dieses hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vom Schlechtem
zum noch Schlechteren entwickelt. Die, die in Kontakt mit der
westlichen Gesellschaft gekommen sind wissen, welche Veränderungen
dies, besonders im Eheleben, mit sich brachte.
Es kam zu Ehescheidungen ohne Begrenzung,
eine Sache, die in der viktorianischen Zeit mit großer
Empörung
betrachtet wurde. Die Menschen waren empört, wenn ein Mann seine
Frau
verließ, um mit einer anderen Frau zusammen zu leben, oder wenn
eine
Frau ihren Ehemann für einen anderen Mann verließ. Es war
ein
Riesenskandal. Es war eine Schande! Heutzutage ist es die Regel.
Spezielle Gerichte sind sogar nur für Scheidungsfälle
zuständig.
Anmerkung des Übersetzers: Man sollte nicht vergessen, dass das viktorianische Zeitalter, eine Zeit des Umbruchs
war, in der natürlich viele traditionelle Werte an Bedeutung
verloren.
Als Beispiel für die viktorianische Doppelmoral wird oft die
ausufernde
Prostitution genannt, die scheinbar der oftmals gepriesenen
Selbstbeherrschung und ehelichen Treue widersprach. Tatsächlich
tendierten viele Männer des Mittelstands dazu, die Heirat bis zum
Aufbau einer gewissen finanziellen Sicherheit aufzuschieben und
Zuflucht bei Prostituierten – deren tatsächliche Gesamtzahl schwer
zu
ermitteln ist – zu suchen. Umgekehrt erschien die Prostitution vielen
Frauen, hauptsächlich aus der Unterschicht, als Möglichkeit
zur
Aufbesserung des Einkommens. Ende Anmerkung.
Warum verloren die traditionellen Werte so
rapide an Bedeutung? Das Geheimnis liegt darin, mit welchen Augen man
das andere Geschlecht betrachtet. Wie sieht ein Mann eine Frau und wie
sieht eine Frau einen Mann? Swami Vivekananda, ein Schüler
Ramakrishnas, wurde gefragt, was der entscheidende Unterschied zwischen
der indischen Gesellschaft und der westlichem Gesellschaft ist. Er
hatte Indien kreuz und quer zu Fuß durchwandert und das Leben der
indischen Gesellschaft studiert. Er durchwanderte die Dörfer, die
Städte und war bei vielen Familien zu Gast. Darum war ihm die
indische
Gesellschaft sehr vertraut. Er sagte zwei Sachen: "Ein Unterschied
besteht in der Beziehung zwischen einem Guru und seinem Schüler.
Der
zweite Unterschied ist die Stellung der Frau. In der westlichen
Gesellschaft, ist die Frau eine Frau (Dame), sie ist Frau so und so. In
der westlichen Gesellschaft wird die Frau als Frau betrachtet,
während
die Frau in der indischen Gesellschaft hauptsächlich als Mutter
angesehen wird. Darum wird die indische Ehefrau von allen, außer
von
ihrem Ehemann, als Mutter betrachtet.
Die allgemeine Anrede für eine Frau in
ganz
Indien, von Kap Comorin am südlichsten Punkt Indiens, bis zum
Himalaja
im Norden Indiens, ist Mutter. In der Öffentlichkeit wird sie
immer als
Mutter angesehen. Wenn ein Ehemann etwas von seiner Frau möchte,
ruft
er sie nicht mit ihrem Namen, sondern er spricht sie als die Mutter
seines Sohns oder als die Mutter seiner Tochter an. Wenn Besucher im
Haus sind, stellt er seine Frau als die Mutter seiner Kinder vor. In
diesem Punkt unterscheidet sich die indische Gesellschaft also von der
westlichen Gesellschaft. Dieses gibt uns einen Hinweis, wie die normale
und natürliche Beziehung eines Mannes zu einer Frau aussehen
sollte.
Ein Mann, der über eine kultivierte Psyche verfügt, wird
sich, wenn er
eine Frau sieht, sie als ein menschliches Wesen betrachten und dabei
keinerlei sinnliche Gedanken hegen. Folglich ist ein Mann für eine
Frau
entweder ein Bruder, ein Vetter, ein Neffe, ein Onkel, ein Vater oder
ein Ehemann und eine Frau ist für einen Mann entweder eine
Schwester,
eine Cousine, eine Tante, eine Nichte oder eine Mutter.
Wenn aber ein Mann auf eine Frau trifft und
das bei ihm sinnliche Gedanken auslöst, dann ist etwas grundlegend
falsch in der Einstellung des Mannes gegenüber Frauen. Wenn eine
Frau
einen Mann sieht und sagt: "Was für ein Mannsbild.“ und dies die
einzige Idee ist, die hinsichtlich des anderen Geschlechtes
erwähnt
wird, dann deutet auch dieses Verhalten auf ein fehlendes Bewusstsein
hin. Wie kann solch eine falsche Haltung, der Fehler in der
Betrachtung, in der Einstellung, in der Annäherung, im
Gefühl, erklärt
werden? Der Fehler liegt in der Reduzierung des jeweils anderen
Geschlechts auf seine körperlichen Merkmale, auf seine
äußere
Beschaffenheit. Ein Mensch ist aber nicht nur ein körperliches und
biologisches Wesen, er ist ebenfalls ein geistiges, intellektuelles und
psychologisches Wesen. Er ist ein lebendiges Lebewesen, das sowohl
physisch als auch psychisch existiert. Er hat eine pranische Ebene, wo
er Hunger und Durst verspürt und Gefühle von Hitze und
Kälte empfindet.
Er hat eine psychologische Ebene, auf der sich spontan Gedanken,
Erinnerungen, Phantasien, Meinungen, Gefühle, Haltungen und
Stimmungen
einstellen, über die er keine Kontrolle hat. Und es gibt einen
anderen
Teil, das sein inneres göttliches Sein verkörpert.
Die unterschiedliche Wahrnehmung auf der
psychologischen Ebene einerseits und auf der spirituellen Ebene
andererseits, kann durch Selbstbeobachtung, durch bewusste Wahrnehmung
und Unterscheidungskraft verfeinert werden. Es ist ein intellektueller
Prozess, der logisches Denken, Unterscheidungskraft, Wissbegierigkeit
sowie Reflexions- und Wahrnehmungsvermögen erfordert. Dies ist ein
Vorgang höherer Natur, ein Vorgang des Intellekts. Beide zusammen
bilden das innere psychologische Niveau unseres Seins. In einem
verfeinerten Intellekt arbeitet ein Bewusstsein, dass uns vermittelt,
was uns als Menschen erlaubt und was uns nicht erlaubt ist. "Wir haben
alle eine Kultur geerbt. Wir leben nicht als isolierte Wesen, sondern
sind unmittelbar mit unserer Vergangenheit verbunden. Viele unserer
Vorstellungen haben ihre Wurzeln in der Vergangenheit: unsere Ideale,
unsere Meinungen, unsere Verhaltensweisen und unsere Ansichten von
richtig und falsch. Diese ganze bunte Vielfalt arbeitet in uns. Und so
hat jeder ein anderes Bewusstsein davon, was schön oder
hässlich, was
edel oder verwerflich, was angemessen oder unangemessen, was richtig
oder falsch ist, und darüber, was getan werden sollte oder was man
lieber unterlassen sollte. Dieses Gefühl von einem Ideal, was
richtig
und falsch ist, wird als Ethik und Moral bezeichnet. Dies ist ein
Handeln, das auf einer spirituellen Ebene stattfindet, die über
das
intellektuelle Niveau hinausgeht.
Wenn dein Bewusstsein eine bestimmte
Verfeinerung erlangt hat, und diese Verfeinerung dein Bewusstsein mit
deinem ethischen Niveau, mit deiner ethischen Individualität, in
Verbindung bringt, dann findet dein Leben auf einer anderen Ebene
statt. Herrscht allerdings noch eine gewisse Grobheit in deinem
Bewusstsein und tendiert es gewohnheitsmäßig dazu, sich mit
den
gröberen Aspekten der menschlichen Persönlichkeit, mit dem
physischen
Körper, zu identifizieren, dann ist auch die gesamte menschliche
Aufmerksamkeit auf den physischen und biologischen Aspekt gerichtet. In
erster Linie ist es die biologische Ebene, die diese falschen
Vorstellungen in uns weckt. Sie betrachtet das andere Geschlecht
hauptsächlich unter einem physischen, sinnlichen Aspekt. Wenn du
in dem
Bewusstsein verwurzelt bist: "Ich bin dieser physische Körper",
dann
betrachtet dein Bewusstsein ebenso alle anderen Menschen mit dem
gleichen Bewusstsein. Lebst du in diesem Bewusstsein, und begegnest
einer Frau, dann betrachtest du sie in erster Linie unter einem
körperlichen Aspekt und reagierst aus einem animalischen,
biologischen
Empfinden heraus. Das weckt auf physischer Ebene Begehrlichkeiten und
macht dich zum Sklave deiner Sinnlichkeit.
Es benötigt darum eine Verfeinerung des
Bewusstseins. Du musst dich selbst erziehen. So wie man einen alten,
losen Pantoffel abschüttelt und ihn durch einen neuen ersetzt, so
solltest du deine alten Gewohnheiten abschütteln und sie durch
neue
ersetzen. Vor einigen Tausenden von Jahren, als es noch keine
intellektuelle Entwicklung, noch keine Evolution gab, lebte eine
menschlichen Rasse, die kaum durch eine spirituelle Entwicklung
geprägt
war. Diese Menschen lebten in einem Zustand von hundertprozentigem
Körperbewusstsein, gerade so wie die meisten Tiere. Das
Bewusstsein der
Tiere ist total auf den Körper reduziert. Und wenn das Bewusstsein
des
Menschen sich überwiegend auf dem Niveau eines animalischen
Bewusstseins befindet, dann ist es weit entfernt vom spirituellen
Bewusstsein, und alles Reden über Yoga, über spirituelle
Praktiken,
über Ekstase und Erleuchtung ist vergebens. Wenn du die Kunst der
Rede
beherrscht und über gute Ideen verfügst, wird es dir
vielleicht
gelingen, die Menschen zum Nachdenken zu bewegen. Triffst du aber auf
Menschen, die in einem Netz aus einem groben körperlichen
Bewusstseins
gefangen sind, dann wird es sehr schwer, sie zu überzeugen.
Die Hauptfunktion der unteren
Extremitäten
ist die Entwässerung, die Reinigung und die Beseitigung der
Ausscheidungen. Das ist ihre eigentliche Funktion. Wenn aber diese
Funktion, aus Gründen der sinnlichen Lust, beiseite geschoben
wird, und
die Sexualität in den Vordergrund rückt, weil der Verstand
süchtig nach
der sexuellen Befriedigung ist, dann verursacht das Probleme. Die
kosmische Intelligenz und ihr offenkundiges Gegenstück, die Natur,
hat
innerhalb aller lebenden Geschöpfe einen biologischen Mechanismus
errichtet, der einen Zeitpunkt vorgibt, an dem die Sexualität
erwacht.
Vorher zeigt sie nur sehr selten ihr Gesicht. In einem Kleinkind und in
einem Kind erwacht sie nur äußerst selten. In ihrer Freude
am Leben
sind sie vollkommen nach außen gewandt. Kinder haben weniger
Körperbewusstsein als Erwachsene. In dieser Beziehung haben die
Erwachsenen ein gröberes Bewusstsein als Kinder. Folglich gibt es
eine
ausgeprägte Periode, in der dieses innere Element, dies innere
sexuelle
Prinzip, nicht empfunden wird. Es ist abwesend. Aber dann, von einem
bestimmten Alter an, entwickelt sich allmählich die
Sexualität. Zuerst
äußert sie sich rein physisch. Verschiedene Symptome stellen
sich ein.
Kleine Oberlippenbärte fangen an zu
sprießen, die Stimme beginnt sich zu verändern und innerhalb
des
Körpers entwickelt sich ein erotisches Empfinden, das vorher in
dieser
Form nicht vorhanden war. Das sind vorpubertäre
Veränderungen. Es ist
eine Periode, in der der Mensch allmählich in die Pubertät
kommt und
erwachsen wird. Es ist die empfindlichste Zeit im Leben des Menschen
und sie erfordert eine weise Führung, eine gute Atmosphäre,
gute Ideen
und ein gutes soziales Umfeld. Leider ist vieles in der modernen Welt,
sozialschädlich, gefährlich und nicht wünschenswert.
Dadurch wirken
sehr viele negative Einflüsse auf die Jugendlichen ein. Im alten
Indien
entzogen sich die Menschen diesen negativen Einflüssen. Sie lebten
in
einer Gesellschaft, die das individuelle Wachstum, in allen Belangen
förderte. Für dieses Lebensstadium entwickelten sie ein
Erziehungsmodell, das den Namen Brahmacharya Ashrama trug. In diesem
ersten Lebensviertel, lebten sie nicht mehr in der Stadt bei ihren
Familien. Dadurch waren sie den negativen Einflüssen, sowie den
vielfältigen Versuchungen und Verlockungen der Städte
entzogen. Statt
dessen lebten sie als Schüler in einer für sie
förderlichen, erhebenden
und natürlichen Umgebung.
Die Schüler standen mit dem ersten
Sonnenstrahl auf, wenn der Wind sanft wehte und die Vögel zu
zwitschern
begannen. Sie atmeten unverschmutzte Luft, tranken sauberes Wasser und
waren von einer herrlich blühenden Pflanzenwelt umgeben. Sie
lebten im
Haus eines Gurus, bei einem Weisen und seiner Frau, die in den heiligen
Schriften bewandert waren. Der Guru und seine Frau führten ein
Leben
der Mäßigung, der Selbstkontrolle, hatten einen edlen
Charakter und
innere Reinheit verwirklicht. Die Schüler lebten in einer Familie
mit
einem vorbildlichen Tagesablauf. Dies war eine sinnvolle Basis, die ein
Leben lang Früchte trug. In dieser wundervollen Atmosphäre,
gediehen
die Schüler hervorragend und sie entwickelten sich zu
vorbildlichen
Menschen. Sie glänzten durch ihre innere Reinheit, hatten starke,
robuste Glieder und einen wohlgeformten Körper. Sie waren
Frühaufsteher, machten ihre täglichen Yogaübungen und
badeten in den
Waldbächen. Im Laufe des Tages erledigten sie allerlei Arbeiten.
Sie
sammelten Brennholz für den Guru und für die Küche
seiner Frau, sie
schnitten Gras und sammelten Blätter für den Kuhstall des
Gurus und
arbeiteten auf dem Feld. Gleichzeitig studierten sie morgens und
nachmittags zwei oder drei Stunden und wurden in den Abendstunden vom
Guru unterrichtet. So wuchsen sie auf und waren von allen
erniedrigenden Einflüssen geschützt.
Dieses Erziehungsmodell ist vollkommen
anders, als das heutige Erziehungssystem, in der ein Schüler,
eventuell
sogar schon vom ersten Schuljahr an, mit ungünstigen
Einflüssen zu
kämpfen hat. Alles um sie herum, die Leute, der Anblick, der
Lärm, der
Schmutz, das Umfeld und die schlechten Einflüsse, alles ist
negativ.
Darum ist es notwendig, seine Stimme zu erheben und die Botschaft des
Brahmacharya, der Selbstkontrolle und der Mäßigung, von den
Hausdächern
zu schreien, damit Reinheit in Gedanken, Worten und Werken wieder in
die Seelen der Menschen einziehen kann. Die Menschen sollten alles
menschenunwürdige vermeiden und lieber reine und aufbauende
Literatur
lesen, statt der entwürdigenden Schundromane. Sie sollten
Pornofilme
und Filme mit gewaltverherrlichenden Darstellungen meiden. Alle diese
negativen Einflüsse haben eine negative innere Entwicklung zur
Folge.
Schließlich ist der menschliche Verstand eine erstaunliche
Kamera. Was
auch immer er sieht, prägt sich ihm ein. Er ist wie ein
Supercomputer.
Man brauchst keine Daten einzugeben, er nimmt sie von selber auf. Die
ganze Welt ist seine Quelle und dieser menschliche Computer wird, durch
die gesellschaftliche Atmosphäre, wie ein Abfalleimer, mit Schmutz
gefüttert. Darum ist es notwendig, den Menschen die rechten
Anweisungen
zu erteilen, ihnen die Augen zu öffnen. Die Lektion sollte
beinhalten,
wie man inmitten dieser vergifteten gesellschaftlichen Atmosphäre,
von
all dem Schmutz unberührt bleibt.
Dafür aber ist eine Neuorientierung des
eigenen Bewusstseins erforderlich. Es reicht nicht, die Missstände
lediglich aufzuzeigen. Will man die Menschen zu einer
Verhaltensänderung motivieren, dann sollte man mit gutem Beispiel
voran
gehen. Du bist eine Person, die in diesem Universum lebt. Du solltest
nicht versuchen, dich aus Verzweiflung in dein inneres Schneckenhaus
zurückzuziehen. Es sollte ein Austausch mit anderen Menschen statt
finden, andernfalls wirst du innerlich krank. Du wirst neurotisch und
egozentrisch. Das ist keine gesunde Sache und sollte vermieden werden.
Es sollte einen normalen menschlichen Umgang auf einer freundlichen
Basis geben. Solch eine unerschütterliche, gesunde Grundlage kann
nur
auf einem hohen Niveau des eigenen Bewusstseins Früchte tragen.
Wenn
das Niveau deines Bewusstseins grob ist, unwissend,
körperorientiert,
dann bekommst du natürlich Schwierigkeiten, weil du dann auch nur
diese
Schwingungen bei anderen Menschen wahrnimmst. Du siehst andere,
verstehst andere und stellst Beziehungen zu anderen her, die durch dein
grobes körperorientiertes Bewusstsein bestimmt sind. Wenn du das
ändern
möchtest, dann musst du das Niveau deines Bewusstseins auf eine
höhere
Stufe bringen. Du musst dir darüber klar werden, dass du nicht nur
der
physische Körper bist, mit geistigen und intellektuellen
Fähigkeiten,
sondern dass du ebenfalls ein spirituelles Sein besitzt.
Dieser Wechsel in deinem Bewusstsein, sollte
entwickelt und gefestigt werden. Dies ist der Schlüssel zum Erfolg
im
Brahmacharya, die Grundlage aller Errungenschaften. Wenn du dich selbst
als einen groben biologischen und physischen Körper empfindest,
dann
wird deine ganze Beziehung zur äußeren physikalischen Welt
nach
demselben Muster abgewickelt, und du kannst dir vorstellen, wie das
Resultat für dich aussehen wird. Jedes menschliche Wesen wird
für dich
nur ein grober physischer Körper sein. Diese Vorstellung wird dich
Tag
und Nacht begleiten. Du wirst besessen sein von einem körperlichen
Bewusstsein. Und solange du dich nicht selbst von diesem groben
körperlichen Bewusstsein befreit hast, wird dir kein Lesen, kein
Weiser, kein Glaube, in irgendeiner Hinsicht weiterhelfen. Du musst den
Schlüssel um drehen und plötzlich verändert sich das
Niveau. Sobald
dieses Niveau überschritten ist, bekommt das Thema Brahmacharya
eine
ganz neue Bedeutung für dich.
Die Ursache aller Sünden ist das
Körperbewusstsein. Wenn du dich vom Körperbewusstsein
befreien
möchtest, dann beginne auf körperlicher Ebene. Sei fest im
Brahmacharya
verwurzelt. Brahmacharya führt zur Beherrschung aller anderen
Sinne.
Selbstbeherrschung, eine gesunde Ernährung, eine gute
Gesellschaft,
aufbauende Literatur und edle Gedanken fördern dieses Vorhaben.
Kommt
irgendein negativer Gedanke auf, dann sollte er sofort hinaus geworfen
werden. Es sollte ihm nicht erlaubt werden, auch nur für einen
kleinen
Moment, nicht für den Bruchteil einer Sekunde, zu verbleiben.
Diese Art
der Selbstbeherrschung, sollte kultiviert, in deinem inneren Sein
entwickelt werden. Wenn eine Person versucht, einen exklusiven Club zu
betreten, dann muss sie zunächst am Türsteher vorbei. Ist die
Person in
dem Club unerwünscht, dann wird ihr der Zugang verweigert.
Notfalls
packt der Türsteher sie am Kragen und wirft sie zur Tür
hinaus. Sie
erhält keinen Zutritt. Genau so solltest du in deinem Kopf deinen
eigenen psychologischen und ethischen Türsteher haben, der allen
falschen Gedanken den Zutritt verwehrt. In gleicher Weise gibt es in
hoch entwickelten Nahrungsmittel-Fabriken Maschinen, in denen
Früchte
und Nüsse für den Export ausgewählt werden. Sie laufen
über ein
Förderband und werden nach unterschiedlichen Größen
sortiert. Die Nüsse
und Früchte von schlechter Qualität werden aussortiert. Nur
die gute
Qualität wird weiter verarbeitet.
In der gleichen Weise sollte in deinem
Verstand eine Auswahl getroffen werden, die die Ausschussware, die
deinem spirituellen und ethischen Idealen widerspricht, automatisch
beseitigt, sie hinaus wirft. Brahmacharya bedeutet vollkommene
Reinheit, eine differenzierte Betrachtung von Dingen, Menschen und
Erfahrungen, eine differenzierte und schonungslose Selbstanalyse. Das
führt dazu, dass du dein Bild von dir selber, vielleicht
korrigieren
musst. Die erste Veränderung sollte also in dir selber
stattfinden. In
einem sehr wichtigen Teil seiner Lehren über Brahmacharya sagte
Swami
Sivananda: "Ändere deinen Blickwinkel." Das ist eine
psychologische
Einstellung. Er hat an einigen Beispielen aufgezeigt, wie eine
Änderung
des Blickwinkels, zur vollkommenen Veränderung der Sichtweise und
des
Verhaltens führen kann. Ändert sich die Einstellung, dann
verändert
sich auch das Verhalten. Wir sollten Gott und uns selbst das
Versprechen geben, über ein neues Leben mit einem neuen
Bewusstsein
nachzudenken. Dies sollte ein inneres Erwachen sein, das ein neues
Licht und ein spirituelles Bewusstsein in uns entzündet. Wir sind
die
Erben einer großen ethischen Tradition, einer großen
ethischen Kultur.
Wir sollten die lebende Verkörperung dieser großartigen
Kultur sein.
Wir sollten versuchen, diese ethische Lebensanschauung, diese
Lebensart, zu verwirklichen. Gott segne dich, um die Klugheit zu
gebrauchen, dieses Erbe anzutreten, das wir aus der Vergangenheit
empfangen haben. Meine Gebete sind mit euch. Möget ihr diese edle
und
erhabene Aufgabe der Selbstkultivierung bis zur Vervollkommnung
anstreben.
Brahmacharya ist ein magisches Wort, ein
Schlüssel zum Erfolg in allen Bereichen des Lebens. Es ist ein
Glanz,
der durch jeden Gedanken, jede Rede und durch alle Aktivitäten
hindurchscheint. Es ist Tejas (inneres Feuer) und Ojas (spirituelle
Energie). Es ist Para Shakti, die höchste Energie und Bhagavati,
die
Verkörperung der göttlichen Mutter. Es ist dynamische
Göttlichkeit,
Gott in der Bewegung. Es ist göttliche Kraft. Gott ist in diesem
Kosmos, in diesem phänomenalen Prozess, als Brahma, Vishnu und
Shiva
vorhanden. Er ist in der menschlichen Gesellschaft in Form ihrer
jeweiliges Energie vorhanden, als Parvati, Lakshmi und Saraswati, die
wir jedes Jahr während der neun Nächte von Navaratri
verehren. Im
Herbst wird Navaratri gefeiert. Dies ist das Neuntagefest für drei
Göttinnen. Die erste Göttin ist Lakshmi, die Spenderin des
materiellen
Wohlergehens. Die zweite ist Parvati. Sie ist Shivas Frau und wird auch
Amma oder Mutter genannt. Als dritte und letzte wird Sarasvati verehrt.
Diese Göttin ist für die Weisheit, den Intellekt, die Musik,
die
Sprache und Poesie und für die Schrift zuständig. Das gleiche
kosmische
Sein, das sich als Brahma, Vishnu und Shiva offenbart, das ebenso in
diesem phänomenalen Universum als die Göttinnen Sarasvati,
Lakshmi und
Parvati agiert, wohnt in uns als die große Kundalini Shakti. Der
wichtigste Aspekte der Kundalini Shakti ist seine Energie, eine
kreative Kraft, eine kreative Energie. Man sagt, diese kreative Energie
ist Gott in der Bewegung, göttliche Kraft.
Es ist eine Erscheinungsform von Para
Shakti, der kosmischen Energie. Die Kontrolle der Sinne verwandelt die
grobe physische Kraft in eine feine geistige und spirituelle Kraft. Es
entwickelt sich eine intensive spirituelle Sehnsucht, die als
Konzentrationskraft für positive Gedanken und zur Meditation
genutzt
werden kann. Sie kann uns zur Selbstverwirklichung führen. Dies
alles
und noch mehr kann die Kraft der Enthaltsamkeit für den Menschen
tun.
Die meisten den großen intellektuellen Genies waren Personen von
großen
Charakter, großer Selbstkontrolle und Konzentration: Vivekananda,
Dayananda Saraswati, Mahatma Gandhi. "Samyam!" (Selbstkontrolle) sagen
die Upanishaden (philosophische Schriften). Der, der seine Sinne nicht
beherrschen kann, wird kaum die feineren Energien und spirituelles
Wissen erlangen. Die Selbstkontrolle ist nichts für Schwache.
Darum
betonte Swami Vivekananda die Geistesstärke, die
Charakterstärke, die
Stärke der Selbstkontrolle, sowie die Stärke des Körpers
und des
Verstandes.
Die Basis einer durchdringenden Reinheit im
Leben, die Reinheit der Gedanken, der Phantasie, der Handlungen und von
Brahmacharya ist der Charakter. Hat jemand einen erhabenen Charakter,
dann ermöglicht die Stärke seines Charakters es ihm, ein
erhabenes
Leben zu führen. Die Basis des Charakters ist die Selbstkontrolle.
Die
Basis der Selbstkontrolle ist ein kluges Leben, das alles vermeidet,
was sich negativ auf die Selbstkontrolle auswirkt.
Unterscheidungskraft, Selbsterforschung, das Vermeiden von
ungünstigen
Umgebungen und sinnlichen Versuchungen, helfen dabei. Man sagt:
"Diskretion ist besser als Heldenmut." Folglich sollte man wissen, wann
man tapfer und stark sein sollte und wann man es vermeiden sollte,
tollkühn zu sein, und wann man lieber diskret sein sollte. Es gibt
ein
Sprichwort: "Narren eilen, wo Engel sich fürchten, zu schreiten."
Darum
ist Diskretion besser als Heldenmut. Diese Diskretion, diese
Selbstkontrolle, diese einsichtige Lebensweise kann nur aus
Wachsamkeit, einer aufmerksamen Wachsamkeit, einer inneren Wachsamkeit,
entstehen. Sie bedenkt, wohin man geht, und was geschieht, wenn man
diesen Weg beschreitet. Sie bewahrt sich auch die Möglichkeit
einer
Umkehr, wenn sie erkennt, dass man in die falsche Richtung gegangen ist
und geht dann in die richtige Richtung.
Die Basis solch einer Selbstkontrolle sind
Grundregeln für das Leben, die nach vielerlei Betrachtung
angenommen
werden. Die Basis solcher Richtlinien ist das Erstreben eines erhabenen
Ideals: "Ich möchte gerne dieses und jenes Ziel erreichen." Dieser
erhabenen Idealismus kann es ermöglichen, jeden möglichen
Sieg zu
erringen. Die Grundlage dieses Idealismus ist eine heftige Sehnsucht.
Zuerst einmal muss diese Sehnsucht in einem erwachen. Die Grundlage
einer erfolgreichen akademischen Laufbahn an der Universität ist
die
Fähigkeit zu hoher Unterscheidungskraft bei seiner
wissenschaftlichen
Arbeit. Die Basis einer hohen Unterscheidungskraft ist studieren,
studieren und noch einmal studieren. Das Licht zu
mitternächtlicher
Stunde, sowie das Vermeiden aller kostspieligen und zeitraubenden
Aktivitäten, das Vermeiden einer frivolen und hedonistischen
Gesellschaft, sind Kennzeichen eines erfolgreichen Studiums.
Stattdessen sollte man den Umgang mit positiv gesinnten Menschen
pflegen und begeisterte Aufmerksamkeit im Hörsaal zeigen, wenn der
Professor seine Vorlesungen hält und fleißig seine
Hausaufgaben
erledigen. Das bedeutet Unterscheidung.
Die Grundlage eines Studiums, einer
wissenschaftlichen Ausbildung gegenüber einer schulischen
Ausbildung
ist Ernsthaftigkeit. Es muss der Wunsch nach Erfolg vorhanden sein:
"Ich möchte die besten Zensuren haben. Ich möchte zu den
Besten
gehören." So wird dieses Drängen, dieser begeisterte Anspruch
zu etwas
instinktivem. Er ist gesund und richtig. Eifer, Begeisterung,
Wissbegierigkeit und Streben sind in hohem Grade lobenswert. Dieses ist
ein positives, kreatives und konstruktives Drängen. Dies sollte
angestrebt werden. Solch ein Streben kommt vom Verstehen. Man strebt
nach etwas, das wertvoll ist. Wenn es lediglich eine äußere
Erscheinung
ist, der ich nachlaufe, dann mache ich mich zum Narren. Jedes Glitzern,
jedes äußere Funkeln, eine flüchtige, angenehme
Empfindung, ein kurzer
Nervenkitzel, sollte einen beschämen. Jede Nachgiebigkeit ist eine
Bankrotterklärung der Weisheit, der Verstandesschärfe und des
Mangels
an tiefem Nachdenken. Dieses begeisterte Streben entsteht, wenn wir
wissen, dass allein das Göttliche die Erfüllung aller
Wünsche und
Begierden in unserer Suche nach Glück ist. Das ist Ananda, das
Glück.
Es ist süßer als die Nektarine oder sonst etwas auf der
Welt. Es ist
die Schönheit der Schönheiten, unvergleichbar! Du entwickelst
einen
tiefen Glauben in diese Wahrheit, in diese zentrale Erkenntnis, dass
allein das Göttliche Erfüllung, das Erreichen des
höchsten Glücks,
bringen kann.
Wenn du wüsstest, dass der Kontakt mit
sinnlichen Sensationen und Vergnügungen nur der Schoß des
Schmerzes
ist, würdest du ihnen nicht erliegen. Dieses Wissen entsteht durch
den
Kontakt mit weisen Menschen, durch die Worte eines Gurus oder durch das
Studium der heiligen Schriften. Erfolgreiches Svadhyaya, das
tägliche
Studium der heiligen Schriften, entsteht dort, wo es einen tiefen
Glauben gibt. Es kann niemals falsch sein, wenn du tiefes Guru Bhakti
praktizierst, wenn du tiefe Liebe für deinen Guru empfindest,
absolutes
Vertrauen zu den Worten deines Gurus hast. Es ist die rechte
Annäherung
zum Leben. Darum wird in der Gita gesagt, eine Person ist, was ihr
Glaube ist. "Erzähl mir, was er glaubt, und ich werde dir sagen,
was er
ist. Zeige mir, was er für Freunde hat, und ich werde dir
erzählen, was
er für eine Person ist." Darum entwickle festen Glauben an die
Lehren
des Gurus und an die heiligen Schriften. Immer wieder wird dein Guru
dir sagen, sei überzeugt von der Leere der flüchtigen Namen
und Formen.
Flüchtige Dinge, die dich anziehen, erscheinen dir real, sie sind
es
aber nicht. Und sei überzeugt, du wirst weise und aufgeweckt, du
wirst
entflammt mit Idealismus. Ein großes Verlangen wird sich bei dir
einstellen: "Ich möchte das höchste Wesen, die höchste
Erfahrung kennen
lernen. Ich wünsche Gotterkenntnis, Selbstverwirklichung."
Wenn dieses Verlangen mit diesem Idealismus
von dir Besitz ergreift, kannst du kein planloses, zufälliges und
charakterloses Leben führen. Idealismus kann sich nur dort bilden,
wo
edle und erhabene Leitsätze beachtet werden. Ein moralisches Leben
ist
die Grundlage für Selbstbeherrschung. Selbstbeherrschung ist die
Basis
für einen edlen Charakter. Ein edler Charakter ist die Basis von
Brahmacharya. Brahmacharya ist die Basis göttlicher Vollkommenheit
und
der Befreiung vom Leid. Brahmacharya ist die Grundlage eines
göttlichen
Lebens mit großer Begeisterung und Leidenschaft. Solch ein
göttliches
Leben ist das Herz von Swami Sivanandas Evangelium, seiner Lehre,
seiner Botschaft an die Menschheit. Gott segnen dich, wenn er diese
grundlegenden Wahrheiten über dich selbst, über dein Leben,
deinen
Charakter, dein Verhalten, über die Ideale, die du aus der
Vergangenheit geerbt hast und über den erhabenen Weg, den du
zukünftig
beschreiten wirst. So wird dein kluger und praktischer Weg, den du
heute beschreitest, durch das Erbe aus der Vergangenheit gestützt
und
veredelt. Wenn die Gegenwart klug genutzt wird, kann deine Zukunft eine
Sache der Schönheit, der Freude für dich und für andere
sein und eine
Genugtuung für deine Bemühungen. Mögest du ein
glückliches Leben
führen. Die Weisen sagten, genieße nicht für eine kurze
Zeit, um danach
dauerhaft als Nervenbündel ins Krankenhaus eingeliefert zu werden.
Aber
sie sagten genieße und lebe 100 Jahre. Du kannst das Leben 100
Jahre
lang genießen, wenn du klug und gemäßigt lebst.
Swami Sivananda hat ein Buch über
Brahmacharya geschrieben. Ein anderer heiliger Mann der spirituelle
Lebensart verbreitete, Charakterbildung, Ethik, Moral,
Körperkultur,
Gesundheitskultur und der den gleichen Namen wie Swami Sivananda
trägt,
ist Swami Sivananda aus Amaravati, nahe Nagpur im Maharashtra. Er hat
ebenfalls ein Buch über Brahmacharya mit dem Titel "Brahmacharya
Hechi
Jeevan" (Brahmacharya alone is Real life) geschrieben. Es wurde in
Marathi (indoiranisch) geschrieben und wurde in viele Sprachen, in
Kanarese (Südindien), Hindi (Nord und Zentralindien) und in
Englisch
übersetzt. (Hat jemand dieses Buch?) Swami Jagadishananda von der
Sri
Ramakrishna Mission hat auch ein Buch über Brahmacharya mit dem
Titel
"The Creative Power of Continence" geschrieben. Ein anderer Lehrer, der
später sehr bekannt wurde und die skandinavischen Länder
regelmäßig
besuchte, war Sri Swami Narayanananda Saraswati, der seinen Ashram auf
der Dehradun Road in Rishikesh hatte, hat ein Buch über
Brahmacharya
geschrieben: Brahmacharya für Jungen und Mädchen.
von Swami Chidananda
Vier große Werte sind von unseren
Vorfahren
als Ziele gesetzt worden, die zu erreichen, sich jeder Mensch
bemühen
sollte. Diese vier großen Ziele werden Purushartha Chathushtaya
genannt. (Purushartha Chathushtaya = die vier Ziele des Menschen:
1. Dharma (richtiges Handeln)
2. Artha (Wohlstand) 3. Karma (Wunsch-/Sinneserfüllung) 4. Moksha (Befreiung) Purushartha bedeutet rechte Anstrengung oder
Bemühung. Was sind nun diese vier großen Ziele? Man gab
ihnen eine
führende Bedeutung, einen wichtigen Platz, in der Ethik und Moral.
Das
erste Ziel wird Dharma, richtiges Handeln, genannt. Was immer du auch
tust, sollte korrekt getan werden. Es sollte das sein, das richtig, das
rein, das moralisch und ethisch korrekt ist. Du solltest nichts tun,
das dem Gesetz von Ethik und Moral widerspricht. Warum? Weil im
ethischen Verhalten dein höchstes Gut liegt. Im ethischen
Verhalten
liegt dein höchstes Wohlergehen. Wenn deine Gedanken, dein Reden
und
dein Handeln moralisch und rechtschaffen ist, dann erfolgt daraus
Glück. Andernfalls erntest du Bitterkeit. Dies ist ein Gesetzes,
das
dieses ganze Universum durchdringt. Es ist das Gesetz von Ursache und
Wirkung. Dieses Gesetz besagt: "Woran ein Mensch denkt, das bekommt
er." Dieses Gesetz kann auch in einer anderen Weise verstanden werden,
nämlich: "Wie du säest, so wirst du ernten". Dieses Gesetz
von Ursache
und Wirkung wird auch als das Gesetz des Karmas oder als Karmaphala
(karmische Reaktionen) bezeichnet. Wenn du dich in einer gerechten
Sache engagierst, wirst du mit Glück und Seligkeit belohnt. Das
Resultat ist dein Wohlergehen, deine Zufriedenheit. Wenn du dieses
Gesetz ignorierst oder vernachlässigst und deine Handlungen sind
nicht
richtig, was geschieht dann?
Du erntest eine Reaktion, die bitter ist,
eine Reaktion, die nicht gut für dich, für dein Wohlergehen
ist.
Anstatt dass du dich um deine göttliche Vervollkommnung
bemühst, sitzt
du da und verursachst Hindernisse. Du bremst deinen Fortschritt in
Richtung auf dieses große Ziel. Du erzeugst dein eigenes Elend.
Um das
höchste Wohlbefinden im Leben zu erfahren, setzten unsere
Vorfahren die
Ethik an die erste Stelle. Die Ethik sichert mehr als alles andere, den
größten Gewinn für die individuelle Seele. Darum
befolge die
moralischen und ethischen Werte im Leben. Weiche nie vom ethischen
Standard ab. Dann wirst du glücklich sein. Du kannst
Schwierigkeiten
haben. Die Leute können dir einige Schwierigkeiten bereiten;
dennoch
wirst du glücklich sein. In deinem Innern wirst du Glück und
Frieden
finden. Ich sage "innerlich", weil körperliche Mühen und
geistige
Schwierigkeiten und Qualen durchaus vorhanden sein können. Die,
die du
entsprechend deinem Karma erleiden musst. Aber wenn du dich für
das
rechte Leben engagierst, wird es dir unermessliche Stärke geben.
Nimm
dir an den Pandavas (eine Fürstenfamilie aus der Mahabharata) ein
Beispiel. Was für Schwierigkeiten, Versuchungen,
Widerwärtigkeiten und
Leiden sie durchmachten mussten!
Dennoch fanden sie innere Zufriedenheit,
weil sie nicht vom rechten Weg abwichen. Das gab ihnen innere
Stärke.
Sie gaben ihren inneren Kampf niemals auf. Sie brachen niemals
zusammen. Nichts konnte sie erschüttern. Sie befolgten immer die
Tugenden. Darum besiegten die fünf Pandavas, die die Tugenden
stets
befolgten, die hundert Kauravas, denen es an innerer Stärke
mangelte.
Darum unterstützt das Dharma, die Lehre der Tugend, die, die das
Dharma
unterstützen. Und diejenigen, die das Dharma nicht
unterstützen,
fallen. Darum ist es unsere wichtigste Aufgabe, unser Leben nach
ethischen und moralischen Werten auszurichten. Dies sind die ethischen
und moralischen Verpflichtungen des Dharma. Nun kommen wir zum zweiten
Wert, zu Artha, dem Wohlstand. Du hast den Körper. Du empfindest
Hunger
und Durst, Hitze und Kälte. Du wünschst dir Nahrung und
Kleidung und
Schutz vor dem Wetter. Und du wünscht dir andere lebensnotwendige
Güter. Für alles dieses, brauchst du Geld. Folglich musst du
einen Job
haben, einem Geschäft nachgehen oder einen Beruf ausüben.
Diesen Aspekt
des Lebens ignorierten die Menschen des Altertums keinesfalls. Sie
sagten: "Jawohl, dies ist ein unumgänglicher Wert, der aus der
Tatsache
heraus entsteht, dass du in dieser Welt lebst." Sie nannten diesen Wert
Artha, den Wohlstand.
Artha ist Geld, der ökonomische Wert.
Geld
ist unvermeidlich, es ist notwendig. Darum musst du dich bemühen.
Aber
du solltest dich auf der Grundlage von Dharma, auf der Grundlage der
Rechtschaffenheit, darum bemühen. Deine Bemühungen, deinen
Lebensunterhalt zu erwerben, sollte nicht unmoralisch, unethisch oder
unrecht sein. Das Dharma, das richtige Handeln, sollte die Grundlage
deiner Berufstätigkeiten oder deiner
Geschäftstätigkeiten sein. Alles,
was du im Leben tust, sollte auf Dharma basieren. Dharma sollte die
Basis sein. Und nun zum dritten Wert, dem Karma, der Wunsch- und
Sinneserfüllung. Jedes Tier, sei es ein Hund, ein Esel, eine Kuh
oder
ein Büffel, ist zufrieden, wenn es Nahrung, Trinken und einen
Platz zum
Ausruhen hat. Aber der Mensch ist anders. Er hat viele Sehnsüchte,
viele Wünsche und Ansprüche. Der Mensch ist ein
psychologisches
Lebewesen. Er hat Sehnsüchte, Wünsche, Ehrgeiz und
große Pläne. Darum
hat das Karma einen Platz unter den vier Lebenszielen bekommen. Der
dritte Platz der lebenswichtigen Ziele, gilt den Wünschen des
Menschen.
Die Tiere haben kaum andere Wünsche. Sie haben nur ihren Instinkt,
nach
dem sie leben. Sie wünschen sich Nahrung, Trinken und einen Platz
zum
Ausruhen. Und darum sind sie zufrieden, wenn sie dies gefunden haben.
Aber der Mensch ist nicht zufrieden. Er sind die unerfüllte
Wünsche,
die ihm die Zufriedenheit rauben. Man nennt dies Karma.
Unter Karma versteht man Wünsche jeder
Art.
Besonders sind damit Wünsche gemeint, die im Gegensatz zu Ethik
und
Moral stehen und eigentlich vermieden werden sollten. Diese
Wünsche
sollten nicht weiter beachtet werden und keinen Platz in deinem Leben
haben, weil sie deinen Entwicklungsprozess stoppen, deinen Fortschritt,
der dich zum Gottesbewusstsein führt. Es sollten nur jene
Wünsche in
deinem Verstand beherbergt werden, die mit den Regeln der
Rechtschaffenheit, mit den Regeln des Dharma, übereinstimmen.
Darum ist
das Dharma das allumfassende und dauerhafte Fundament für alles
menschliche Streben. Auch deine beruflichen und sozialen
Tätigkeiten,
sollten mit dem Dharma übereinstimmen. Das Dharma sollte deine
Gedanken, dein Reden und Handeln leiten. Darum sollte dein
ökonomisches
und privates Streben, dein äußeres weltliches Leben, vom
Dharma beseelt
sein. Dann wird es dich zur Zufriedenheit führen. Wird das Dharma
missachtet, dann führt das zu Leid. Das ist die einfache Wahrheit.
Ein anderer wichtiger Grund, warum alle
Bestrebungen nach weltlichen Dingen vom Dharma getragen sein sollten,
ist die Tatsache, dass nur dann dein Leben höchstes Glück
erfahren
kann. Was ist dieses höchste Glück? Es ist Gottrealisierung,
Befreiung,
göttliche Vervollkommnung, höchstes spirituelles Bewusstsein,
Erleuchtung. Nur dafür sind wir geboren. Das allein macht das
Leben
lebenswert. Egal wie hoffnungslos das Leben sein mag, wenn du nur
dieses eine Ziel hast, göttliches Bewusstsein zu erreichen, dann
erhälst du die Stärke, alle Wechselfälle des Lebens zu
ertragen und sie
zu überwinden. "Ich bin göttlich. Vorübergehend hatte
ich es vergessen.
Und bis ich göttliches Bewusstsein erreicht habe, ist mein Leben
nicht
zufriedenstellend." Wenn dieses dein Ziel ist, egal was dir geschieht,
wird alles andere zweitrangig und weniger wichtig. Wenn dein oberstes
Ziel, die Verwirklichung deiner göttlichen Natur ist, dann wird es
dein
Leben beherrschen, und dich über alles Unglück hinwegtragen.
Es gibt
dir Stärke und bestimmt die Richtung in der sich dein Leben
bewegt. Von
diesem Moment an, bewegt sich dein Leben in der von dir bestimmten
Richtung. Dieses Leben kann durch kein Unglück berührt
werden. Hat man
einmal Kraft und Energie gewonnen, dann reitet man triumphierend
über
alle Höhen und Tiefen des Lebens zum göttlichen Selbst.
Das höchste spirituelle Ziel sollte
also
darin bestehen, das Leben so lebenswert zu machen, das es eine tiefen
Sinn erfüllt. Worin besteht der Sinn des Lebens? Besteht der Sinn
des
Lebens darin, zu Essen, zu Trinken, zu Schlafen und eines Tages zu
Sterben? Sollte das Leben daraus bestehen, ein paar unbedeutende und
verrückte Sachen zu machen und dann zu sterben? Am Ende wartet der
Tod
auf uns. Was ist es, das das Leben sinnvoll macht? Durch dieses Leben,
das von Geburt, Kindheit, Alter, Krankheit und Tod gekennzeichnet ist,
solltest du ein göttliches, ein spirituelles Element hineintragen.
Du
bist hier, um göttliches Bewusstsein zu erlangen. Du solltest
beschließen: "Ich werde unsterblich. Ich verwirkliche meine
unsterbliche Natur. Ich sollte einsehen, dass ich eine unsterbliche,
göttliche Seele besitze“. Und du musst dich bis zum
äußersten
anstrengen, um dieses Ziel zu erreichen. Dieser höchste Wert ist
der
wichtigste Wert, der dem Leben Tiefe, wahrhafte Bedeutung und
Zielstrebigkeit gibt. Er macht das Leben bedeutend, wichtig, heilig und
sinnvoll. Darum ist die unsterbliche Seele der wichtigste Wert im
Leben. Wenn das göttliche Bewusstsein vorhanden ist, erhältst
du die
Stärke, alle Schwierigkeiten, alle Spannungen und Belastungen des
Lebens zu überwinden.
Das Dharma, die ethischen, moralischen und
religiösen Verpflichtungen, ist aus zwei Gründen wichtig.
Erstens, wenn
du es in deinem weltlichen Leben aus Wohlstand und Karma, in deinem
ökonomischen und spirituellen Handeln, praktizierst, führt es
zu Glück.
Ist es dort nicht vorhanden, dann führt es zu Sorge und Elend.
Darum
solltest du Dharma praktizieren. Dies ist der Sinn des Dharma. Wenn das
Dharma dein Leben ausfüllt, dann führt es dein Leben zur
Befreiung, zur
Erreichung der höchsten geistigen Werte im Leben. Es befreit dich
ein
für allemal vom Rad des Lebens und des Todes. Dann gibt es keine
Wünsche, keine Sorgen, keine Tränen, kein Wehklagen, keine
Schwierigkeiten und keine Probleme mehr. Dann überschreitest du
alles
Leiden. Du erreichst einen Zustand absoluten Friedens, absoluter
Seligkeit, absoluter Freude. Du erreichst höchste Zufriedenheit,
wirst
furchtlos und frei. Diese höchste Erfahrung, dieses höchste
Bestreben,
das Parama Purushartha (die vier Bestrebungen des Menschen: Karma,
Wohlstand, Dharma, Erleuchtung), verwirklicht göttliches
Bewusstsein.
So hat Dharma eine direkte Verbindung zur Erleuchtung. Darum mache das
Dharma zur Grundlage deines gesamten Lebens. Im Rahmen eines
dharmischen Lebens, trägt die spirituelle Praxis schnell
Früchte. Wann
immer du Japa (Mantrameditation), Gebet, spirituelle Studien oder
Meditation praktizierst, wird es sich wie beim Reiben eines trockenen
Streichholzes an einer Streichholzschachtel, schnell wie ein
spirituelles Feuer ausbreiten.
Dort, wo das Dharma dein Leben belebt und
durchdringt, wird die spirituelle Praxis schnell fruchtbar und erzielt
Fortschritte. Dieses ist das große Ideal Indiens. Es ist
unvermeidlich,
sich um die ökonomischen Werte zu bemühen, um die irdischen
Belange
zufrieden zu stellen. Aber es ist der spirituelle Wert, der das Leben
erfolgreich und glücklich macht, der dich von Sorge und
Knechtschaft
befreit. Und es ist der ethische Wert, der von allen der wichtigste
ist, weil er dir ein Leben in Glück und Zufriedenheit garantiert.
Um die vier Ziele des Menschen (Dharma,
Wohlstand, Karma, Befreiung) zu erreichen, benötigen wir
Stärke. Wir
benötigen Energie. Jede Bemühung, jede Anstrengung, erfordert
Stärke
und Energie. Die Energie kann nur transformiert werden, wenn sie
bewahrt wird. Aber wenn sie vergeudet wird, ist sie für immer
verloren.
Gerade so, als wenn man ein Haus bauen oder ein Geschäft beginnen
möchtest, beginnt man zu sparen. Man spart und legt das Geld z.B.
auf
einem Festgeldkonto einer Bank an. Und nach 5 oder 10 Jahren, wenn man
genug gespart hat, beginnt man mit dem Geschäft oder mit dem Bau
des
Hauses. Aber wenn du jeden Monat mehr ausgibst, als du verdienst, wenn
jeden Monat deine Ausgaben höher als dein Einkommen ist, wie
kannst du
dann von einem Haus oder einem eigenen Geschäft träumen?
Für dieses
Verhalten, trägst du allein die Schuld. Du wirst dich hoch
verschulden.
Deine Situation wird im Laufe der Zeit immer miserabler werden. Genau
so sparsam, wie man mit dem Geld umgehen sollte, sollte man mit seinen
Energien umgehen. Die Erhaltung der sexuellen Energie, um sie für
höhere spirituelle Zwecke zu nutzen, ist das zentrale Prinzip von
Brahmacharya.
Was Brahmacharya genannt wird, ist eine
kluge Empfehlung unserer Vorfahren, die individuellen spirituellen
Bemühungen erfolgreich abzuschließen. Sie kamen zu der
Erkenntnis: "Du
solltest deine Energie bewahren." Denn, wenn du ausreichend Energie
bewahrt hast, kannst du alles erreichen, was du erreichen
möchtest.
Aber wenn du deine Energie verschwenderisch verausgabst, wird es sehr
schwierig, höhere spirituelle Ziele zu erreichen. Es wird ein
langwieriger, schwerer und fast aussichtsloser Kampf. Darum ist die
Bewahrung von Energie das Wesentliche von Brahmacharya. Energie wird in
einem Dutzend unterschiedlicher Richtungen vergeudet. Zu viel
Unterhaltung, zu viel Sorgen, zu viel Wünsche, bringen Wut, Zorn,
Kampf, Streitlust und Esszwang mit sich. Alle diese Dinge rauben uns
unsere Energie. Alle Ausschweifungen, alle extremen Gewohnheiten, die
Verschwendung der nervösen und emotionalen Energie durch Gedanken
des
Hasses, des Neids und der Eifersucht und alle
gesundheitsschädlichen
Gewohnheiten, wie das Rauchen und Trinken, rauben uns unsere Energie.
Darum ist die Sinneskontrolle ein unvermeidlicher Teil von Brahmacharya.
Das Arbeiten der Sinne verbraucht ebenfalls
Energie. Das sollte klug beachtet werden. Und eine, der am
stärksten
verfeinerten, am stärksten konzentrierten Energien, ist die
sexuelle
Energie. Die sexuelle Energie, können wir als die Quintessenz der
Energien bezeichnen. Es ist das Energiepotential in einer
hochkarätigen
Form. Es ist die Quintessenz all dessen, was wir essen, was wir zu uns
nehmen. Genauso wie Honig die Quintessenz der Blumen und Butter die
Quintessenz von Milch ist. Tausende von Bienen sammeln Nektar von
Millionen von Blumen und bringen ihn in einem großen Bienenstock.
Und
wie durch ein biochemisches Wunder entsteht daraus Honig. Aus vielen
Litern Milch entsteht Butter. In der gleichen Weise ist die sexuelle
Energie die reinste Form der menschlichen Energie. Wenn die sexuelle
Energie klug konserviert wird, dann kann sie in viele andere Formen
umgewandelt werden. Wenn du z.B. fleißig studierst und ein
brillanter
Studierender mit einem wundervollen Gedächtnis werden
möchtest, dann
kann die sexuelle Energie dir dabei eine große Hilfe sein. Wenn
du ein
brillanter Chirurg oder ein hervorragender Musiker werden
möchtest,
kommt die sexuelle Energie dir dabei ebenfalls zur Hilfe. Dieses ist
möglich, weil sexuelle Energie, wenn sie bewahrt wird,
allmählich in
subtilere Energie umgewandelt wird. Selbstverständlich gibt es
Yogaprozesse, wie Asanas (Yogaübungen), Pranayama
(Atemübungen),
Surya-Namaskar (der Sonnengruß - eine Abfolge von 12
Yogahaltungen),
hohe Gefühle, erhabene Gefühle und spirituelle Gefühle,
die bei der
Arbeit der Umwandlung helfen. So geht die Arbeit der Umwandlung weiter
und weiter und die verfeinerte Energie wird für höhere
intellektuelle
Arbeiten, für Forschungen, Erfindungen und Meditationen genutzt.
Und
darum hat eine kluge Bewahrung dieser lebenswichtigen Energie, immer
einen wichtigen Platz in allen Religionen dieser Welt gehabt.
Was ist sexuelle Energie? Sexuelle Energie
ist ein Ausdruck Gottes. Es ist der dynamische Ausdruck Brahmans. Es
ist Shakti, die weibliche Energie des göttlichen Universums. Wir
alle
wissen, dass dieses phänomenale Universum Ausdruck der
grenzenlosen und
unbeschreiblichen kosmischen Energie ist. Wir benennen diese kosmische
Energie Para Shakti (Höchste Energie), Maha Shakti
(Größte Energie),
Maha Maya oder Prakriti (Natur). Milliarden von Universen entstehen und
vergehen durch die Aktivität dieser großen kosmischen
Energie. Es ist
diese kosmische Energie, die die Sonne und die Planeten mit einer
unglaublichen Geschwindigkeit auf ihrer Umlaufbahn dahinwirbelt. Es ist
die kosmische Energie, die als Schwerkraft, als die Energie der
Sonnenstrahlen, als Energie aller großen Planeten und
Himmelskörper und
als Windenergie in Erscheinung tritt. Manchmal, wenn der Wind besonders
wütet, trägt er sogar Hausdächer davon. Es ist die
kosmische Energie,
die sich manchmal als die Energie des Feuers, der Vulkane, der
Wasserfluten, der Erdbeben, der Berge, Flüsse und Meere
ausdrückt.
Darum sind Erde, Luft, Wasser und Äther, alles Ausdrucksweisen
dieser
Energie. Es ist die gleiche Energie innerhalb des Samens, die den Samen
wachsen lässt und ihn in einen großen Baum verwandelt.
Es ist die Kraft hinter Blitz und Donner.
Jede Energie, die du in diesem Universum siehst, ist die Energie dieser
kosmischen Kraft. Es ist die gleiche Energie, die alle Lebewesen,
Bäume, Pflanzen, Insekten, Vögel, Bienen, Reptilien, Fische
und Tiere
belebt. Es ist die Energie des Löwen, des Elefanten und es ist die
Energie des leuchtenden Intellekts eines Genies wie Michael Faraday
(englischer Physiker und Chemiker, 1791), Venkata Raman (indischer
Physiker und Nobelpreisträger von 1930) oder Albert Einsteins.
Dieselbe
Energie weilt in uns und belebt unseren Körper. Es ist die
Energie, die
unsere Nahrung verdaut, die unser Herz dazu bringt, Blut durch die
Adern zu pumpen, die unsere Lungen atmen lässt, unsere Muskeln und
Gelenke arbeiten lässt, die unsere Zunge sprechen und unser Ohr
hören
lässt. Es ist die Energie, die auch in unserer sexuellen Energie
vorhanden ist. Darum ist die sexuelle Energie Teil der unteilbaren
kosmischen Energie, die im Menschen vorhanden ist. In ihrem groben
biologischen Aspekt wird sie als sexuelle Energie bezeichnet. In einem
feinerem Aspekt ist sie die Unterscheidungskraft, die Energie des
Intellekts, der analysiert, forscht und nachdenkt. In einem noch
feinerem Aspekt, in einem psychischen Aspekt, ist sie die Energie der
Kundalini. Und in ihrem höchstem Aspekt, ist sie nichts anderes
als
Atma Shakti, göttliche Energie.
Brahman (Gott) und Shakti sind nicht zwei.
Sie sind der statische und der dynamische Aspekt desselben Prinzips.
Darum ist die sexuelle Energie nichts anderes als die Anwesenheit der
göttlichen Mutter in allen Menschen. Es ist etwas Göttliches,
etwas
Heiliges, das der Schöpfung entspringt, und das ganze Universum
durchdringt. Es ist ein Fortpflanzungsprozess, der in der ganzen Natur
vorhanden ist, in jeder Form des Lebens. Ohne diese Fortpflanzung,
würden alle Arten bald aussterben. Darum ist die Verausgabung der
sexuellen Energie zur Zeugung ein heiliger Prozess in Zusammenarbeit
mit Brahman, dem Schöpfer. Jede andere Verausgabung der sexuellen
Energie, ist ein zweitrangiger, weniger bedeutender Aspekt. Und wenn
diese Energie in einer zurückhaltenden Weise verwendet wird, kann
sie
für die höhere spirituelle Zwecke genutzt werden. Wenn diese
grobe
biologische Energie durch die Yogapraxis in eine subtilere Form
umgewandelt wird, steht sie für tiefe Kontemplationen,
Betrachtungen
und Meditationen zur Verfügung. Kontemplation, Meditation und
Erleuchtung wird erst durch die Bewahrung dieser Energie
ermöglicht.
Dies alles geschieht durch Brahmacharya.
Darum bewahren alle Yogapraktiken die
sexuelle Energie und wandeln sie erfolgreich in spirituelle Energie um.
Darum ist Brahmacharya nicht nur eine Zurückhaltung der sexuellen
Energie, sondern eine andere Lebensart. Es ist eine Lebensweise, die
uns göttliches Wissen, göttliche Erfahrungen, näher
bringt. Und darum
empfiehlt Yoga Mäßigung in allen unseren Tätigkeiten
und eine kluge
Begrenzung aller sinnlichen Begierden. In der indischen Kultur wurde
das Brahmacharya in drei Lebensstadien, nämlich als Schüler
(die ersten
25 Lebensjahre), als Vanaprashta (Ruheständler, etwa ab dem 50.
Lebensjahr) und als Sannyasin (Waldasket, etwa ab dem 75. Lebensjahr),
empfohlen. Nur in der Ehe (etwa zwischen dem 25. und 50. Lebensjahr)
galt die Sexualität als legitim. In der Ehe bedeutete das
Brahmacharya
sexuelle Mäßigung, ein kluger und zurückhaltender
Gebrauch der
sexuellen Energie für die Zeugung. Mäßigung, Keuschheit
und Treue zum
verheirateten Partner, wurden in der Ehe empfohlen. Es wurde dem
verheirateten Mann vorgeschrieben, keiner anderen Frau mit unreinen
Blicken nachzuschauen. Durch dieses erhabene Konzept des Brahmacharya,
entstanden zwei große Ideale, das Pativrata Dharma (Grundgesetze
der
Ehe) und die Monogamie.
Der Mann durfte nur noch eine Frau heiraten.
Sie war dann seine gesetzlich angetraute Ehefrau. Er sollte keine
lüsternen, leidenschaftlichen und sinnlichen Blicke auf andere
Frauen
werfen. Die tugendhafte Frau konnte nur einen Mann heiraten und dieser
Mann war ihr Ehemann, dem sie mit Achtung und Verehrung begegnen
sollte. Allen anderen Männern gegenüber sollte sie sich wie
eine Mutter
verhalten. Es gab nur einen Mann, dem sie das Gefühl geben sollte:
"Ich
bin eine Frau", und dieser eine Mann war ihr gesetzlich angetrauter
Ehemann. Dies ist ein Ideal, das aus dem Brahmacharya heraus entstanden
ist. Insofern war die klassische Haltung gegenüber der sexuellen
Energie, durch die Zustimmung des Brahmacharya gekennzeichnet. Die
alten Meister betrachteten die sexuelle Energie nicht als
hässlich,
schlecht, sündhaft oder unmoralisch. Solche falschen Vorstellungen
über
die sexuelle Energie, sind das Resultat eines Missverständnisses
in der
Erhabenheit dieser besonderen Energie. Es ist ein weitverbreiteter
Aberglaube und ein Mangel im Verständnis der Menschen, denen es am
rechten Wissen mangelt. Solche Menschen fangen plötzlich an, die
sexuelle Energie als etwas Schlechtes zu betrachten. Ein Grund für
die
Entwicklung einer solchen Haltung, ist die allgemeine menschliche
Schwäche für die Sexualität. Dadurch sind einige
moralische Tabus in
Bezug auf die Sexualität entstanden. Andererseits geht der Mensch
häufig den Weg des geringsten Widerstandes. Darum sagten einige:
"Nein,
Nein. Dieses sollte nicht getan werden. Es sollte nicht in dieser und
jener Weise getan werden, weil die heiligen Schriften es so sagen." Sie
entwickelten ihre eigenen Vorstellungen.
Ein Punkt sollte hier betont werden. Der
Körper ist wie eine Villa. Egal wie wundervoll die Villa ist, so
möchte
jedoch niemand in dieser Villa leben, wenn sie keine Küche, kein
Badezimmer und keine Toilette hat. Was immer du dieser Villa, dem
menschlichen Körper, an Energie zuführst, davon wird ein Teil
benötigt,
um den Verstand zu bilden, ein anderer Teil wird benötigt, um den
Körper zu bilden, und die restliche Energie muss als Abfall wieder
beseitigt werden. Abfall ist immer übelriechend. Die
Verunreinigungen
des Körpers riechen ebenfalls sehr unangenehm. In einer realen
Villa
braucht man eine Toilette und eine Küche. Ist dort keine
Küche, dann
möchte dort niemand leben. Du kannst irgendeinen Palast
konstruieren,
aber wenn es dort keine Nahrung, kein Mittagessen, kein
Frühstück und
kein Abendessen gibt, dann wird dort niemand einziehen. Und wenn eine
Küche da ist, sollte auch eine Entwässerung vorhanden sein.
Eine Küche
bedeutet Abfall, übriggebliebene Essensreste,
Gemüseabfälle,
Kartoffelschalen und all das. Wenn diese Abfälle aufbewahrt
werden,
beginnen sie zu verfaulen. Und darum musst du dich um die
Abfallbeseitigung kümmern. Du musst eine Entwässerung und
Kanalisation
haben. Ohne Entwässerung und Kanalisation, ist ein Leben in einer
Villa
nicht möglich.
Ebenso im menschlichen Körper, in
dieser
Villa mit neun Toren, gibt es einen Eingangsweg und Fenster für
Licht,
Luft und Wissen. Für die Entwässerung und Abfallbeseitigung
hat Gott
zwei Öffnungen vorgesehen. Ihre Aufgabe gilt der
Abfallbeseitigung. Es
sind zwei Abflüsse. Kein Zweifel, die Funktion der Fortpflanzung
ist
ebenso vorhanden. Aber sie übertrieben zu nutzen, dazu neigt nur
der
Unkluge. Es verrät einen Mangel an Wissen. Von der Geburt bis zum
Tod,
Tag für Tag, an einunddreißig Tagen im Monat und an 365
Tagen im Jahr,
ist die konstante Funktion, die dieses Ausgangstor erfüllen muss,
die
Harnentleerung. Und die gelegentliche Funktion, die sie als
Zeugungsorgan erfüllen soll, ist eine Zusammenarbeit mit der
göttlichen
Natur. Aber dieses ist eine äußerst seltene Gelegenheit, die
nur
während der Ehe praktiziert werden sollte. Im ersten
Lebensabschnitt
als Schüler, hat es keinen Platz; im dritten Lebensabschnitt als
Waldeinsiedler (Vanaprashta), hat es keinen Platz; und im vierten
Lebensabschnitt als Mönch (Sannyasin), hat es ebenfalls keinen
Platz.
Es gibt im Leben des Menschen eigentlich nur einen Lebensabschnitt, in
dem die Fortpflanzungsfunktion genutzt werden sollte, nämlich in
der
Ehe. In der restlichen Zeit des Lebens, ist die Hauptfunktion des
männlichen Gliedes, die Harnentleerung.
Änderst du deinen Blickwinkel und
betrachtest du deinen Körper und deine Sexualität aus der
rechten
Perspektive, dann hast du das Problem gelöst. Betrachtest du deine
Sexualität dagegen aus der falschen Perspektive, dann ergeben sich
daraus allerlei Schwierigkeiten. Zweitens betrachte die Sexualität
einmal aus einem vedantischem Gesichtspunkt. Das Vedanta sagt, dass du
in Wirklichkeit nicht dieser Körper bist, sondern die
göttliche Seele.
Und wenn du dich nicht mit deinem Körper identifizierst, dann ist
deine
Aufmerksamkeit auf Gott gerichtet und nicht auf deine Sexualität.
Und
wenn dein Glaube in Vedanta fest ist, dann hast du die Lösung
bereits
in deiner Hand.
Es gibt eine andere wichtige
Betrachtungsweise beim Brahmacharya. Und das betrifft dein Ziel und
dein Streben im Leben. Was möchtest du in deinem Leben erreichen?
Welcher große Wunsch beherrscht dein Leben? Gibt es einen
Konsumhunger
in dir? Möchtest du gerne das größte musikalische Genie
oder der
schnellste olympische Läufer dieser Welt werden? Egal, wie dein
Ehrgeiz
aussieht, wenn dein hauptsächliches Ziel der Konsumhunger ist,
dann
treten alle anderen Probleme in den Hintergrund. Sie stellen kein
größeres Problem mehr dar. Wenn du kein ehrgeiziges Ziel
hast, dann
wird alles zum Problem, besonders die Sexualität. Darum ist die
rechte
Weise, das sexuelle Problem zu lösen, indem man über die
Sexualität
hinauswächst. Damit verliert sie ihre Bedeutung. Du musst
über die
Sexualität hinauswachsen, nicht mit ihr ringen, sondern sie
besiegen.
Wenn du kein umfassend konzentriertes Vorwärtsstreben und keinen
Ehrgeiz in deinem Leben hast, dann bekommt das stürmische
Verlangen
nach sinnlichen Genüssen eine übergroße Bedeutung in
deinem Leben. Dein
ganzes Leben wird zum sinnlichen Begehren, zu einer Sucht nach Sex.
Aber wenn du in deinem Leben deinen spirituellen Idealen folgst, dann
erreicht der sinnliche Lärm nicht mehr deine Aufmerksamkeit. Dann
ist
nämlich deine ganze Aufmerksamkeit auf dein spirituelles Ziel, auf
Gott, ausgerichtet.
Darum ist die rechte Weise, sich von der
sexuellen Bedrängnis zu befreien, sich über sie hinaus zu
entwickeln.
Dieses geschieht durch das Entwickeln einer großen Liebe zu Gott
und zu
spirituellen Idealen und durch das Entwickeln eines reinen, moralischen
und ethischen Lebens, um Befreiung zu erlangen. Wenn der intensive
Wunsch nach Befreiung und Erkenntnis vorhanden ist, dann treten alle
anderen Dinge in den Hintergrund. Wenn du den Sieg über dem
Lärm der
Sinne erringen möchtest, dann musst du in dir ein loderndes Feuer
nach
höheren Zielen entzünden. Was geschieht dann? Um das zu
erreichen,
wonach dein Herz begehrt, verfolge das von dir angestrebte Ziel so
intensiv, dass keine Zeit mehr für unnötige Dinge bleibt.
Verschwende
deine Zeit nicht mit nutzlosen Angelegenheiten. Große
Wissenschaftler
haben dieses Problem nicht. Sie werden die ganze Zeit von ihrer
wissenschaftlichen Arbeit aufgesogen. Ihre ganze Konzentration gilt
ihrer Arbeit. Da bleibt nicht mehr viel Zeit, um sich über die
Kleidung, die Sinnlichkeit oder andere weltliche Dinge Gedanken zu
machen. Warum ist das so? Weil sie von ihrer Arbeit vollkommen
aufgesogen und mitgerissen werden. Die ist die rechte Weise,
erfolgreich Brahmacharya zu praktizieren.
Es gibt in der westlichen Welt die
Vorstellung, dass die Sexualität ein natürlicher Trieb ist,
dem man
freien Ausdruck verleihen sollte. Es wird gesagt, wenn man diesem
sexuellen Trieb keinen freien Ausdruck verleiht, dann kommt das einer
sexuellen Unterdrückung gleich. Und wenn die Sexualität
unterdrückt
wird, dann verursacht sie alle möglichen Abnormalitäten und
Neurosen.
Dieses entspricht sogar teilweise der Wahrheit. Es entspricht insofern
der Wahrheit, dass dann, wenn die sexuelle Unterdrückung auf
äußere
Umstände zurückzuführen ist, die sich deiner Kontrolle
entziehen, es
wirklich zu psychischen Problemen kommen könnte. Lebt man z.B. in
einem
sozialen Umfeld, das durch Tabus, eingefleischte Vorurteile,
Zwänge und
Verbote gekennzeichnet ist, dann kann das die persönliche
Entwicklung
sehr behindern. Dieser Zwang kann auf den Einfluss des Vaters, auf die
Dominanz der Mutter oder der Familie ganz allgemein,
zurückzuführen
sein. Dieser Zwang ist auch teilweise in religiösen und
spirituellen
Gemeinschaften anzutreffen. Das kann unerwünschte innere Konflikte
verursachen. Dabei sollte man allerdings bedenken, dass es in
Klöstern
das Noviziat gibt, eine zwei bis sechsjährige Probezeit, in der
der
Novize sich für oder gegen das Zölibat entscheiden kann.
Niemand wird
gezwungen, Mönch, Nonne oder Priester zu werden.
Wenn du ein höheres Ziel anstrebst,
dann
bist du gerne bereit, freiwillig die spirituelle Übung der
Selbstkontrolle auf dich zu nehmen, um dieses Ziel zu erreichen. Du
bist gerne bereit, das Zölibat freiwillig auf dich zu nehmen. Dann
ist
das Zölibat keine Frage der Unterdrückung. Wenn du mit
bereitem Herzen
diese Selbstdisziplin, diese Enthaltsamkeit auf dich nimmst, dann hat
es nichts mit Unterdrückung zu tun. Niemand bat dich, es zu tun.
Es
geschieht vollkommen freiwillig, auf eigenem Wunsch. Geschieht es aus
Bereitwilligkeit und erfolgt es mit großer Begeisterung, dann
geschieht
es aus freiem Entschluss. Dann entstehen auch keine psychologischen
Probleme. Ganz das Gegenteil ist der Fall. Jedes mal, wenn du das
Gefühl hast, die Triebe besiegt zu haben, erfährst du ein
inneres
Hochgefühl, innere Zufriedenheit über deine Erfolge. Du
findest etwas,
dass dir innere Genugtuung und ein Gefühl des Triumphes bereitet.
Dieses ist ein sehr kreativer und positiver Prozess und keineswegs ein
negativer Prozess, der etwas mit Unterdrückung zu tun hätte.
Wenn du
das Zölibat also mit diesen Augen betrachtest, wenn du dich in
dieser
Form dem Brahmacharya näherst, dann ist es einfach. Es ist eine
Frage
des Bewahrens von sexuellen Energien, damit sie für höhere
spirituelle
Zwecke verwendet werden können, die man gerne erreichen
möchte.
Diese Energie in dir, ist Teil der
kosmischen Energie. Kosmische Energie, die sich im menschlichen
Individuum auf unterschiedliche Weise ausdrücken kann. Ein sehr
wichtiger Ausdruck der kosmischen Energie ist der
körperlich-biologische Aspekt. Das ist die sexuelle Energie. Ein
höherer Ausdruck ist der geistige, kulturelle und okkulte Aspekt.
Geistige, kulturelle und okkulte Energie, wird als Medhas, als geistige
und intellektuelle Leistungsfähigkeit, bezeichnet. Dann gibt es
noch
einen individuellen psychischen Aspekt der kosmischen Energie. Dieses
ist die Kundalini-Shakti. Und über allem, glänzt die
kosmische Energie
in ihrem höchsten Aspekt, als das Strahlen des Atman, der Seele.
Denke
darüber nach. Dies ist der Same, der dein zukünftiges Handeln
bestimmen
sollte.
25.
Brahmacharya - Ausdruck des Bewusstseins (Swami
Krisnananda)
Brahmacharya ist einer der 5 Begriffe der
Yamas, der Selbstkontrolle, der Yogaphilosophie. Brahmacharya bedeutet,
die "Führung zum Absoluten". "Brahman" ist das höchste Wesen,
Gott.
"Charya" ist Führung oder Leitung. Sich wie Gott benehmen. Das
kann
schließlich als Brahmacharya bezeichnet werden. Es ist für
uns sehr
schwer zu verstehen, da wir nicht wissen, wie Gott sich benimmt und wie
das Absolute leitet. Das Verhalten Gottes gegenüber dem Universum
und
allem Sein ist Brahmacharya. Und da wir ein Teil dieses Universums
sind, kann es gesagt werden, dass wir Teil dieser göttlichen Regel
sind. Unsere Mitwirkung an dieser göttlichen Weisheit, kann winzig
klein sein, aber sie sollte zumindest dieselbe Tendenz wie die
göttliche Weisheit besitzen. Darum ist Brahmacharya ein Ausdruck
des
Bewusstseins, eine individuelle Einstellung und Interpretation. Dieses
sind die wesentlichen Grundprinzipien des Brahmacharya. Und ohne diese
Grundregeln, bekommt die Bezeichnung Brahmacharya nur eine chaotische
Bedeutung, die uns nicht weiter hilft.
Im der Anu-Gita (Kommentar zur Bhagavat
Gita) des Mahabharata, wird Arjuna, nach der Instruktion durch Sri
Krishna, eine ausgedehnte und majestätische Interpretation
über
Brahmacharya erteilt. Die Idee hinter dieser bedeutenden Bezeichnung
Brahmacharya, übersetzt als Führung des Absoluten, ist, dass
es eine
allmähliche Veränderung der Energien der menschlichen
Persönlichkeit in
Richtung einer unpersönlichen Gottheit ist, weil das Absolute oder
der
Brahman das höchste denkbare und existente Unpersönliche ist.
Es gibt
keine äußeren Zeichen des Absoluten und darum kann es
äußerlich nicht
erfahren werden. Es steht in keiner erkennbaren Beziehung zur Welt,
obwohl es mit allem in der Welt zusammenhängt. Es kann nicht
gesagt
werden, dass Gott nicht mit der Welt in Verbindung steht. Er steht
sogar bis ins kleinste Detail mit der Welt in Verbindung. Selbst jedes
Sandkörnchen ist ein Ausdruck Gottes. Die Idee ist, dass der
höchste
Geist eine universelle Beziehung zu allen Dingen hat, frei von
persönlichen oder wertenden Interessen.
Wann immer es ein Interesse auf ein Objekt
oder eine Gruppe lebendiger oder lebloser Objekte gibt, wandert unser
Bewusstsein in diese Richtung. Dabei ist es gleichgültig, ob unser
Interesse in diese Richtung geht, denn unser Bewusstsein bewegt sich
dorthin. Wechselt die Aufmerksamkeit ihre Richtung, dann bewegt sich
auch das Prana, die Lebensenergie, in eine andere Richtung. Wenn sich
das Prana bewegt, bewegt sich ebenfalls die Energie. So folgt eins dem
anderen. Unser mentales Interesse an einer bestimmten Richtung zieht
die Energie des Prana in dieselbe Richtung. Unsere Neugierde zieht die
Macht des Pranas in dieselbe Richtung, und dadurch wird sie, wie eine
elektrische Entladung vergeudet. Jedes psychologische Interesse in eine
bestimmte Richtung, leitet die Energie genau in diesen Kanal der
Aufmerksamkeit. Das psychologische oder emotionale Interesse zeichnet
sich dadurch aus, dass ein Teil der Energie, wenn nicht vielleicht
sogar die gesamte Energie, in das Zentrum der Aufmerksamkeit gelenkt
wird, auf das sich die Aufmerksamkeit konzentriert. Darum hören
wir
auf, wir selbst zu sein, wenn wir etwas bewundern, etwas lieben oder
von irgend etwas angezogen werden. Manchmal, wenn wir uns
beispielsweise bei der Betrachtung eines Gemäldes oder beim Lesen
eines
Buches vollkommen versenken, verlieren wir uns gänzlich. Dieses
kann
geschehen, wenn wir ein Bild betrachten, eine schöne Landschaft
genießen oder eine erhabene Literatur lesen.
Es macht keinen Unterschied, ob der
Gegenstand ideell, sichtbar oder hörbar ist. Die Energie wird
immer in
Richtung unserer Aufmerksamkeit gelenkt. Wenn wir einem
entzückenden
Lied lauschen, wird unser Sein vollkommen durch die Stimme oder die
Melodie aufgesogen. Wenn wir ein schönes Kunstwerk, eine
Landschaft,
ein Gemälde, oder ein anderes Objekt betrachten, richtet sich
unser
ganzes Bewusstsein darauf. Das gleiche geschieht, wenn wir ein
fesselndes Buch lesen. In allen diesen Prozessen der sinnlichen oder
intellektuellen Absorption, findet eine Kanalisierung der Energie
statt. Solange wir nicht unser Selbst in diese äußeren
Objekte
verlieren, bleiben wir uns selber treu. Andernfalls hören wir von
einem
bestimmten Prozentsatz auf, wir selbst zu sein und zu jemand anderem zu
werden. Wenn man nicht mehr seiner selbst ist und zu jemand anderem
wird, dann gibt man sein Selbst auf. So identifiziert sich der Mensch
mit dem Gegenstand seiner Aufmerksamkeit. Das Subjekt wird zum Objekt
und übernimmt als solches, dessen geistige Interessen. Dieses
sollte
nicht geschehen, hält Patanjali, der Autor der Raja Yoga Sutras,
für
wesentlich. Wenn dieses geschieht, dann wird die Energie, die für
die
Meditation benötigt wird, vergeudet. Im selben Umfang, verlieren
wir an
innerer Stärke.
Der launische, unruhige Geist und die
sprunghaften Gefühle, über die wir häufig klagen, sind
dem
Energieverlust zuzuschreiben. Es ist genauso, als würde "Mutter
Ganges"
in ihrer Wellenbewegung mächtig tosend aufschäumen, und nicht
wie ein
ruhiges klares Gewässer dahingleiten. Wenn unsere Energien in
Aufruhr
sind, fühlen wir dieses im Geist. Unser ganzes System ist in
Unruhe,
und wir möchten uns wieder davon befreien. Genauso wie Milch durch
Schütteln langsam zu Quark wird, so verwandelt sich das Subjekt
(der
Mensch, sein Verstand) zum Objekt. Und jede Art von Liebe ist nichts
weiter als die graduierte Umwandlung des Subjekts in ein Objekt, egal
ob dieses Objekt wahrnehmbar oder bloß eine Idee ist. Allein der
Gedanke an das Objekt stört den Geist. Dieses wird auch in einem
berühmten Abschnitt von Bhishma im Shanti Parva des Mahabharata
erwähnt. Wie wir bereits früher bemerkt haben, geschieht das
Denken an
einen Gegenstand, auf zweierlei Arten, die als Klishta Vritti (Vritti =
Gedanken) und Aklishta Vritti von Patanjali benannt werden. Klishta
nennt man das, was Schmerzen bereitet; Aklishta nennt man das, was
keine Schmerzen bereitet. Die Bedeutung des Wortes Klishta ist Schmerz,
Leid, Sorge. Unter Klishta Vrittis versteht man Bewegungen, die einem
jeden Tag unaufhörlich Sorgen bereiten, und Aklishta Vrittis
hingegen
sind Bewegungen des Geistes, die nicht unmittelbar einen Schmerz
verursachen, sondern vielmehr wie eine chronische Krankheit wirken.
Es besteht ein eindeutiger Unterschied
zwischen einer akuten und einer chronischen Erkrankung. Eine akute
Erkrankung befällt jemanden urplötzlich und verursacht
heftige
Schmerzen bzw. hohes Fieber, wohingegen eine chronische Erkrankung,
sich wie ein Ekzem verhält, das den Menschen andauernd
ärgert. Doch der
Mensch beachtet es nicht, denn er hat sich daran gewöhnt. Unter
Verstopfung, Ekzemen und anderen Erkrankungen leiden viele Menschen.
Und doch sind es die akuten Erkrankungen, wie Fieber oder
plötzlich
auftretende Kopfschmerzen, die sofortiger Behandlung bedürfen,
weil sie
hochgradig qualvoll sind. Genauso verhält es sich bei akuten und
chronischen psychologischen Problemen, den Klishta Vrittis
beziehungsweise den Aklishta Vrittis. Wir können an ein Objekt
durch
Aklishta Vrittis (schmerzfrei) oder durch Klishta Vrittis (von akuten
Schmerzen begleitet) denken. Wenn ihr euch im Wald einen Baum anschaut,
wird der Baum in eurem Geist geformt. Es entsteht im Verstand ein
Aklishta Vritti, ein schmerzfreies Abbild des Baumes. Man empfindet
durch die Betrachtung des Baumes keine innere Erregung. Es findet eine
Veränderung im Verstand statt, weil der Verstand selbst die Form
des
Baums annimmt, den wir erblicken. Aber die Betrachtung des Baumes,
berührt unser Gefühl nicht unangenehm. Er nimmt unsere
Aufmerksamkeit
nicht allzu sehr in Anspruch. Wir werden uns nur dieses Baumes bewusst.
Unser Geist wird nur insoweit transformiert,
wie wir uns des äußeren Objektes bewusst werden; der Geist
hat für den
Augenblick der Wahrnehmung, aufgehört er selbst zu sein, obgleich
dieser Zustand keinerlei Sorgen bereitet. Der Baum hat uns weder
angezogen noch abgestoßen. Aber wenn wir eine Kobra mit ihrem
gespreizten Nackenschild sehen, dann ist die Veränderung des
Verstandes
in diesem Moment nicht nur Aklishta, es ist kein beschauliches
Betrachten eines Objektes ohne emotionale Beteiligung. Unsere
Gefühle
reagieren beim Anblick einer Schlange heftig. Aber sie reagieren nicht
in gleicher Weise, wenn wir einen Baum oder einen Berg betrachten.
Genau so, wie es beim Anblick einer Kobra zu einer ganz bestimmten
emotionalen Reaktion kommt, kommt es zu einer ähnlich intensiven
emotionalen Reaktion, wenn wir Dinge betrachten, die unserer Meinung
nach, in hohem Grade wertvoll sind. Das kann eine Schatzkiste sein oder
etwas anderes, das wir als wertvoll empfinden. So wird alles, was wir
mögen oder nicht mögen, durch die Eindrücke, die diese
Dinge im
Verstand hervorrufen, bestimmt. Eine Sache, die uns nicht besonders
interessiert, hinterlässt Aklishta Vritti (keine Schmerzen) im
Verstand. Das Ziel des Yoga sollte sein, beide Vrittis (Gedanken),
Klishta und Aklishta, zu überwinden.
Die Objekte sprechen eine Sprache, die wir
nur auf unsere individuelle Weise verstehen. Wenn die Objekte in
unseren Geist kommen, erhalten sie eine bestimmte Bedeutung; und jeder
Einzelne von uns hat seine individuelle Lesart. Jedes Objekt singt sein
Lied, und wir lauschen der Musik; doch die Auslegung der Bedeutung ist
von Mensch zu Mensch verschieden. Derselbe Begriff führt bei den
Menschen aufgrund der individuellen Assoziationen zu unterschiedlichen
Interpretationen. Alle Objekte in der Welt sprechen zu uns in einer
psychologischen Sprache oder mit einer philosophischen Bedeutsamkeit.
Doch die Assoziation ruft bei allen Menschen unterschiedliche
Reaktionen hervor. Diese individuelle Interpretation, als Antwort auf
den allgemeinen Aufruf der Objekte, sind seine Liebe oder sein Hass.
Die Objekte haben jedoch keinerlei Absicht, geliebt oder gehasst zu
werden, sondern sie existieren ebenso wie wir. Äußeren
Dingen
gegenüber entwickeln wir Liebe und Hass. Wir können diese
Logik
ebenfalls auf andere Menschen ausdehnen. Wenn wir also die Dinge
unparteiisch beurteilen, bleiben Liebe und Hass außen vor. Sie
sind
nicht Teil der Natur, denn sie kommen dort nicht vor. Doch wir selbst
haben nur Lieben und Hassen im Kopf! Wir sind in dieses tumulthafte
Chaos oder dieses Protestgeschrei der Sinne bezüglich Mögen
und
Ablehnen verwickelt.
Allgemein versteht man unter Brahmacharya,
im Zölibat zu leben. Doch dieses ist eine armselige
übersetzung des
Wortes und ebenso falsch verstanden. Unter Zölibat versteht man,
dass
man nicht heiraten darf und wir assoziieren damit, dass Yoga
Brahmacharya oder Enthaltsamkeit erfordert. Doch nichts dergleichen ist
Brahmacharya. Es ist weder Ehelosigkeit noch ist es Zölibat in
seiner
heutigen Bedeutung. Jemand, der nicht verheiratet ist, muss nicht
zwangsläufig ein Brahmacharin sein und umgekehrt. Wir müssen
sehr
sorgfältig die Absicht hinter dieser Anweisung und nicht
bloß den
gesellschaftlichen Sprachgebrauch beachten. Die Absicht liegt in der
Konservierung von Energie und darin, die eigene Persönlichkeit
vollkommen in Richtung auf das große Ziel - das universale
Bewusstsein
- auszurichten. Die Energie des menschlichen Systems ist für jede
Art
von Konzentration erforderlich, und nicht nur zur Gottverwirklichung.
Wir brauchen beispielsweise Energie, um ein mathematisches Problem zu
lösen, eine Brücke zu bauen oder die Bausteine der Natur im
Labor zu
untersuchen.
Selbst ein Drahtseilakt erfordert
Konzentration. Immer dort, wo es gilt den Atem anzuhalten und sich zu
konzentrieren, ist viel Energie erforderlich. Eine zwei Fuß
breite
Brücke ohne Geländer über einen Abgrund lässt uns
den Atem anhalten und
ausschließlich an diese Gefahrenstelle denken. Sicherlich denken
wir in
einer solchen Situation an nichts anderes. Genauso erfordert das
große
ideelle Yoga unsere ganze Aufmerksamkeit, Konzentration und vollkommene
Hingabe mit unserem ganzen Wesen. Dieses, so heißt es im Yoga,
kann
nicht geschehen, wenn andere Interessen vorherrschen. Wenn Brahmacharya
nicht ausgeübt wird, bedeutet dies, dass andere Interessen als
Yoga
vorliegen. Es kann sich bei den ablenkenden Objekten um alles
mögliche
handeln. Wenn irgend etwas anderes unsere Aufmerksamkeit ablenkt,
verschwenden wir unsere Energie. Jede Art von Energieschwächung,
die
durch irgendein Objekt oder Ereignis hervorgerufen wurde, bedeutet ein
Bruch im Brahmacharya. Ein Wutausbruch ist ein Bruch im Brahmacharya,
obwohl niemand daran denkt. Niemand verdammt einen Menschen, weil er
wütend ist.
Wir mögen glauben, dass jemand aufgrund
seines Wutausbruches ein wundervoller Mensch sei, doch in Wahrheit hat
er im Brahmacharya vollkommen versagt. Er ist völlig
zusammengebrochen.
Da die meisten Menschen traditionsbewusst sind, folgen sie den
gesellschaftlichen Traditionen und Gewohnheiten, und glauben, dass
Religionen nichts weiter sind, als etwas, was die Gesellschaft erlaubt.
Doch dies ist nicht richtig. Religion ist nicht bloß etwas, was
eine
hinduistische oder christliche Organisation fordert. Es hat damit
überhaupt nichts zu tun. Das, was das Universum als Respekt von
uns
erwartet, ist die große Religion der Menschheit, die Religion
Gottes
oder die Religion des Universums. Niemand wird uns retten, bloß
weil
wir in den Augen der Menschen religiös sind. In diesem Fall
können wir
mit all unseren Religionen getrost vor die Hunde gehen. Was hilft uns,
was führt uns, was wird uns an die Hand nehmen und auf dem Pfad
des
großen Gesetzes führen, dem wir in der Art und Weise
gehorchen, wie es
von uns unter den Bedingungen unserer Beziehungen zu allem im Universum
erwartet wird? Darum müssen wir jegliche Möglichkeit nutzen,
unsere
Energie - ohne jede Ablenkung - zu konservieren.
Die Philosophen, die Mystiker, die Heiligen
und Weisen haben eine sorgfältige Analyse der Energien des
menschlichen
Geistes, dem psycho-physikalischen Organismus als Ganzes,
durchgeführt.
Es scheint so, dass wir Zentren des Drucks oder Stresses sind. Jedes
Individuum stellt ein solches Zentrum des Drucks oder Stresses dar, dem
jeder, mit den Umständen entsprechenden geeigneten Mitteln, zu
entkommen sucht. Doch das Verständnis darüber, wie dieser
Stress
überwunden werden könnte, hängt von der
persönlichen Entwicklungsstufe
ab. Jeder weiß, dass Stress und Spannung nicht gut sind, doch
nicht
alle wissen, wie man sich davon befreien kann, weil die kausalen
Zusammenhänge nicht richtig verstanden oder analysiert werden. Wir
wissen vielleicht, dass wir krank sind, doch wir wissen nicht, warum
wir krank sind. Und solange wir die Krankheit nicht kennen, die hinter
dem psychologischen Stress, der Spannung, der Störung, dem
Mögen oder
der Ablehnung stecken, können wir nicht wissen, wie wir damit
richtig
umgehen sollen. Die sogenannten Wünsche sind der äußere
Ausdruck der
Persönlichkeit, um sich von Stress und Spannung zu befreien. Wir
sind
von Kindheit an, bis hin zum Jüngsten Gericht, andauernd in einem
Zustand des mentalen Stresses und nervöser Spannung, und das ganze
Leben lang versuchen wir einen Ausweg zu finden und uns, mit unserer
gedanklich von uns selbst entwickelten Methode, davon zu befreien.
Dieser Weg der persönlichen Befreiung, wird als "Ausdruck der
Wünsche"
bezeichnet. Wünschen ist die Methode, mit der wir uns von
Spannungen
und Nervosität befreien wollen. Auf diese Weise versucht jeder,
sich
mit seiner eigenen Methode von seinen Spannungen, - entsprechend seines
Verständnisses - zu befreien. Doch meistens führen diese Wege
in die
falsche Richtung. Aufgrund von Unwissenheit erhöhen sich die
Spannungen, weil der Grund nicht erkannt wird.
Stress und Spannungen stellen sich aufgrund
der Trennung des Einzelnen von der Natur ein. Die Welt hat uns ins Exil
geschickt. Wir wurden aus dem Reich der Natur, wie unerwünschte
Kinder,
entfernt. Unser innerer Wunsch ist letztendlich, uns selbst mit der
Natur, die unsere Mutter ist, zu vereinen. Die Zuflucht, nach der wir
als Erleichterung von Stress und Spannungen suchen, ist letztendlich
nichts weiter, als der Wunsch wieder mit unseren Eltern vereinigt zu
werden, von denen wir getrennt oder isoliert wurden. Unser Wunsch ist
es, alles zu besitzen. Und diesen Wunsch nennt man Liebe. Mit Liebe ist
in dieser Welt der Wunsch nach Besitz verbunden, und dieses Besitzen
wird als Instrument betrachtet, was Stress und Spannungen
überwinden
soll. Ob wir die Situation richtig interpretieren, steht auf einem
anderen Blatt. Doch geringfügiges Kratzen an einem Ekzem gibt dem
Leidenden ein wenig Entlastung, wobei er die Spannungen und den Stress
für kurze Zeit in dem Glauben vergisst, als hätte er sich von
dem
Leiden befreit. Wenn uns ein größerer Schlag trifft, werden
die
kleineren Übel einfach vergessen. Angenommen, wir haben ein paar
Probleme, und wir denken über sie nach. Dann strömen
größere Problem
auf uns ein, und wir vergessen darüber die kleineren Übel.
All unsere
Schmerzen, Sorgen und Nöte sind in dem Augenblick vergessen, wo
wir
plötzlich in einem Fluss zu ertrinken drohen. Dann vergessen wir
alles
Klagen. Alles scheint in Ordnung zu sein, wenn wir doch bloß vor
dem
Ertrinken bewahrt werden. Dieses Problem hat eine weit höhere
Priorität
als alle anderen Probleme des Lebens. So verhält es sich mit dem
Erfüllen unserer Wünsche, wenn wir mit den Dingen in
Berührung kommen.
In einer der Sutras von Patanjali
heißt es,
dass es durch Berührung der Dinge mit den Sinnen nicht
möglich ist,
Spannungen, die durch Wünsche verursacht wurden, aufzulösen,
denn
Wünsche können durch keinerlei Berührung der Sinne
beseitigt werden.
Das ist die ganze Wahrheit, obwohl es so scheint, dass die Sinne uns
Glauben machen wollen, dass unsere Spannungen durch die Berührung
mit
verschiedenen Dingen in dieser Welt gelöst würden. Wir bitten
nicht um
die Dinge. Niemand möchte letztendlich irgend etwas in dieser
Welt,
obwohl es so aussieht. Die Situation wird durch unsere Sinne falsch
interpretiert, indem wir unser Sehnen nach Vereinigung mit allen Dingen
als etwas äußerliches ansehen. Alle Liebe, alles
Wünschen, sind das
Verlangen nach Vereinigung mit den Dingen. Während es unser
innigster
Wunsch ist, mit allen Dingen in Einklang zu kommen, mit der ganzen
Natur EINS zu sein, wird dieser Impuls durch die Macht der Sinne nach
außen in Richtung auf "Raum und Zeit" gerichtet. Worin liegt das
Ergebnis? Das Verlangen in eine bestimmte Richtung nimmt aufgrund der
Reflexion der Sinne eine andere Gestalt an.
Obwohl unser Gesicht mit dem Körper
verbunden ist, sieht es spiegelbildlich so aus, als wäre es
außerhalb
von uns. Doch erscheint es nur im Spiegelbild so. Der Fehler wird durch
den Spiegel verursacht. Wenn unsere Liebe, Vorlieben, Gefühle und
Wünsche in den Schlamm der Sinne geworfen werden, findet eine
ähnliche
Katastrophe statt. Die Sinne haben nämlich nur eine Aufgabe, alles
nach
außen zu tragen. Auf diese Weise werden unsere Wünsche nach
außen
befördert, obwohl dieses Wünschen etwas völlig anderes
betrifft. Das
ist die Ursache, warum wir nicht zufrieden sind, und egal welches
Objekt vor uns erscheint, wir sind letztendlich immer unzufrieden.
Welchen Besitz wir unser Eigen nennen, er befriedigt uns nicht, denn
unsere Fragestellung betrifft etwas ganz Bestimmtes. Doch wir erhalten
durch die Umtriebe unserer Sinne etwas völlig anderes. Sehr
fremdartig
ist das Phänomen, wenn der Geist sich selbst ausdehnt, sich bei
dieser
eigenen vorübergehenden Aktivität mit den Aktivitäten
der Sinne
verbindet, und seine eigenen Wünsche, die er verloren hat,
anscheinend
für jene Wünsche nach äußeren Dingen hält.
Dieses ist eine sehr
bedeutsame Situation, in der sich jeder befindet, - etwas, was sich
immer der eigenen Aufmerksamkeit entzieht, ein sehr gefährlicher
Zustand, über den man nicht viele Worte verlieren muss. Und man
braucht
auch nicht immer wieder zu erwähnen, dass der Weg unserer
Wunscherfüllung nicht richtig ist.
Zum einen ist da der grundlegende Fehler im
Verhalten unseres Geistes in der Erfüllung äußerlicher
Wunschvorstellungen. Zum anderen liegt der Fehler in seiner nach
außen
gerichteten Bewegung, wobei er seine Energie verliert, was ihn
schwächt. Wenn das Selbst zum Nicht-Selbst wird, dann wird es
körperlich und führt zum Tode. Auf diese Weise wird der
Mensch zum
Schwächling und verliert alle Kräfte. Er hat weder
körperliche noch
mentale Kräfte. Je mehr unerfüllte Wünsche er hat, desto
schwächer wird
sein Körper und Geist. Er kann sich nicht einmal mehr bewegen,
nichts
essen, nicht denken und verliert sein Gedächtnis. Dies geschieht,
wenn
man zu viele unerfüllte Wünsche hat. Doch, was sollte man
unter solchen
Umständen tun?
Da wir als Yogaschüler an dem
aufrichtigen
Wohlergehen unserer Seelen interessiert sind, müssen wir in der
Lage
sein zu erkennen, was wirklich mit uns geschehen ist. Wir sollten uns
nicht wie die Wollsammler bei einer Schafherde oder im Namen von
Religion oder Spiritualität wie in einem Narrenhaus
aufführen. Keine
zur Schau getragene rituelle Handlung, auch nicht im Namen einer
Religion, ist letztendlich in der Lage, uns zu retten, weil dieses
Übel
des Wünschens, ein metaphysisches Übel und kein
gesellschaftliches oder
körperliches Übel ist. Es ist ein metaphysisches Übel,
wie die
Philosophen es bezeichnen. Es ist eine kosmische Katastrophe, und darum
erfordert es all unsere analytischen Fähigkeiten, um
herauszufinden,
was mit uns geschah, und zu erkennen, wie wir uns schrittweise von
diesem Impuls befreien können, der uns in Richtung der
Sinnesobjekte
treibt und dabei aus uns selbst herauszieht. Dieses Entwöhnen von
den
Objekten geht nur sehr langsam vonstatten. Doch das Erfüllen von
Wünschen wird besonders in der indischen Religion nicht verdammt,
obwohl es klar ist, dass das Wünschen früher oder später
vollkommen
ausgemerzt werden muss; weil diese Wünsche Bindungen darstellen,
die
die Seele an den Körper und dessen physische Assoziationen bindet.
Das große lebendige Sozialsystem und
die
persönliche Lebendigkeit, wie es in Indien eingepflanzt ist, und
auch
von Philosophen anderer Länder akzeptiert wird, ist als das
Varnashrama-System (das Konzept der 4 Lebensstadien) (die vier
Lebensstadien: 1. Schüler - 2. Ehepaar - 3. Waldeinsiedler - 4.
Sanyasin (Mönch)) bekannt, eine hoch wissenschaftliche Analyse des
menschlichen Daseins, sowie dessen Wünsche und Erfordernisse zu
unterschiedlichen Zeiten. Wir haben verschiedene Bedürfnisse,
obwohl
man alle Bedürfnisse als Wünsche bezeichnen und letztendlich
als nicht
wünschenswerte Dinge ansehen kann. Doch, wenn sie für die
Sinne und den
Geist als etwas Wirkliches existieren, und nicht weniger real als
unsere Körper sind, müssen wir sie mit größter
Vorsicht angreifen. Wir
müssen sie als genauso realistisch betrachten wie uns selbst. Die
Objekte sind ebenso wirklich wie unwirklich, so wie wir selbst sind.
Insoweit wie wir real sind, sind die Dinge, die mit uns verbunden sind,
ebenso real und umgekehrt. Subjekt und Objekt entwickeln sich
gleichermaßen. Die Entwicklung ist nicht ausschließlich
individuell und
subjektiv. Auf diese Weise ist das Varnashrama-System eine
systematische Prozedur uns selbst den Umständen entsprechend,
gesellschaftlich (horizontal) und in unserer eigenen
Persönlichkeit
(vertikal) anzuordnen und anzunehmen. Die horizontale Anordnung ist
Varna (4 Kasten):
Die vertikale Anordnung Ashrama (4 Lebensstadien)
Wir müssen die Gesellschaft durch unsere Beziehung zu den Menschen vervollkommnen, und wir müssen in uns selbst, durch eine annehmbare harmonische Ausrichtung der verschiedenen Ebenen unserer Persönlichkeit, vervollkommnen. Solch eine Ausrichtung wird durch folgende große Grundlagen des Varna (4 Kasten) und des Ashrama (4 Lebensstadien) erreicht. 25.7 Befreiung aus der Umklammerung der Natur Inhaltsverzeichnis Die Menschen glauben im allgemeinen, daß Varna soviel wie Kaste bedeutet, doch das ist nicht richtig. Im eigentlichen Sinne wird die Klassifizierung der Gesellschaft als Varna-Dharma bezeichnet. Varna ist der falsche Name und die falsche Interpretation für den Begriff "Kaste". Niemand ist vollkommen, und darum ist niemand, der nicht mit anderen kooperiert, mit sich selbst zufrieden. Der Mensch befindet sich inmitten von anderen Dingen, wie Intellekt, Willen, Gefühlen und Energien. Einige Menschen verfügen über enorme physische Reserven, doch sind es armselige Intelligenzen. Andere Menschen sind wiederum intellektuelle Genies, doch körperlich schwach. Die anderen beiden Aspekte, d.h. Gefühl und Willen, sind unter den Menschen ebenfalls ungleichmäßig verteilt. Insoweit, wie die Absicht im Wohlergehen der Menschheit liegt, gibt es eine allgemeine Solidarität, denn es ist notwendig, unsere Annehmlichkeiten untereinander zu teilen. Diese Annehmlichkeiten müssen nicht unbedingt gegenständlicher, sondern können auch von psychischer Natur sein. Wenn jemand intelligent ist und spirituellen Scharfsinn hat, was für das Wohlergehen der Bevölkerung notwendig ist, doch keine anderen Fähigkeiten hat, wird er sein Wissen, seine Weisheit und richtungsweisende Intelligenz mit anderen, die diese Fähigkeiten nicht haben, teilen. Diese gegenseitige Zusammenarbeit in der Gesellschaft bezüglich Spiritualität, Administration, Wirtschaft und Handwerk bildet das Wesen des Varnasystems, des Kastensystems. Die Klassifizierung in Brahmanen (Priester und Gelehrte), Kshatriyas (König, Prinz, Krieger, höherer Beamter), Vaisyas (Landwirt, Kaufmann, Händler) und Sudras (Knecht, Dienstleistender) ist keine Einordnung der Menschen in Nieder- und Höherwertige, wie Bosse und Untergebene, sondern es ist eine Klassifizierung in die Funktionsfähigkeit des Einzelnen entsprechend seinem Wissen und seiner Fähigkeiten, mit der ehrenwerten Absicht und zum Zweck einer vollkommenen, zusammenarbeitenden Organisation der Menschheit. Dieses ist ein Weg, auf der Welt glücklich zu werden, sonst werden wir uns immer in einem elenden Zustand befinden. Unsere Wünsche werden auf diese Weise klassifiziert, und sie geben so, durch eine beiderseitige horizontale Kooperation, Gelegenheit zu einer entsprechenden Zufriedenheit. Es gibt noch die andere, vertikale Seite, was als Subjekt - Ashrama-Dharma - oder die Pflichten bekannt ist, die mit den verschiedenen Ashramas oder den Stufen des Lebens verbunden sind. Wir haben nicht nur das Kastensystem, sondern auch die Bedeutung der 4 Lebensstadien missverstanden. So, wie wir die Klassifizierung des Varna als Kastenstufen verdammt haben, so haben wir auch die Klassifizierung der eigenen Lebensstufen, den Weg des Ashrama, durch eine Art von leblosen religiösen Routinen ersetzt. Weder Varna noch Ashrama sind Routinen. Varnashrama ist so wohl eine Einteilung in innere, als auch äußere Lebensabschnitte. äußerliche Lebensabschnitte werden als Varna und innerliche als Ashrama bezeichnet. Die Idee dahinter ist, den Erfordernissen des Menschen, auf eine bestimmte Art zu dem Zweck gerecht zu werden, alle Begrenzungen mit dem Ziel der Befreiung des Geistes zu überschreiten. Was für eine ehrenwerte psychologische Organisation dieses Varnashrama ist! Kein einziger Punkt in dieser Klassifikation ist unwichtig, denn die Natur packt uns mit einem derartig festen Griff am Hals, dass wir uns selbst nicht ohne die Hilfe von Varnashrama-Dharma aus dieser Umklammerung befreien können. Wir sind förmlich durch die Natur, gesellschaftlich, körperlich, psychologisch, rational und sogar spirituell gefangen. Darum müssen wir uns selbst durch schrittweises Zurückziehen von der Natur aus dieser Umklammerung befreien, so als würden wir alle Knoten nacheinander lösen. Wenn wir einen Strick dutzendweise verknoten, und wir wollen diesen Knoten anschließend wieder auflösen, fangen wir nicht mit dem innersten, sondern mit den äußersten Knoten an. Der äußerste Knoten muss zuerst, dann der vorhergehende usw. gelöst werden, bis der erste erreicht ist. ähnlich verhält es sich im spirituellen Leben, wo das erste Problem zuletzt behandelt werden muss, denn dieses Problem ist feiner und den Dingen viel näher als das letzte Problem, was in der Entwicklung von der Ursache viel weiter entfernt ist. Die Auswirkungen müssen zuerst betrachtet werden, und die Ursachen wesentlich später. Darum bereiten diese Organisationssysteme des Varna und Ashrama jedem Menschen innerlich und äußerlich viel Freude, wenn aufgrund der individuellen, gesellschaftlichen, körperlichen, lebensnotwendigen, emotionalen und intellektuellen Bedürfnisse usw., die verschiedenen Knoten der Verwicklungen im Leben aufgelöst werden. Ein solch weites Feld ist mit dieser kleinen Angelegenheit Brahmacharya verbunden, durch dessen Praxis wir nicht nur unsere Lebensführung und unsere Einbindung in die Gesellschaft beeinflussen, sondern uns in einen Zustand der Stärke versetzen, wobei wir auf die Dinge so eingestellt sind, dass wir unsere Energie nicht in alle Richtungen verschwenden, sondern auf eine gewisse Weise unterstützt werden, so dass es keinen Grund gibt, unsere Energien an äußerlichem zur Erfüllung von Wünschen zu vergeuden. Wünsche müssen sowohl erfüllt wie auch nicht erfüllt werden. Beide Aussagen sind richtig. Doch die Aussagen müssen in ihrer wahren Bedeutung verstanden werden. Hunger muss beispielsweise gestillt werden, obwohl Hunger eine Krankheit des Körpers ist, obwohl es das Tier im lebenswichtigen Körper des Menschen ist, das jeden zwingt, sich seines Körpers immer wieder zu erinnern. Kann es irgend etwas Schlimmeres geben, als das Gefühl, ein Gefangener seines Körpers zu sein? Man mag im Gefängnis eingesperrt sein, doch warum muss man tagtäglich daran erinnert werden? Doch genau dies ist es, was der Hunger tut. Andauernd erinnert Hunger an das Körperbewusstsein. Solch eine üble Angelegenheit ist das Hungergefühl, doch wie kann man sich davon befreien? Indem man den Bedürfnissen des
Körpers
nachkommt, während man gleichzeitig größte Vorsicht
walten lässt. Darum
ziehen wir uns warm an, wenn es kalt ist; wir gehen schlafen, wenn wir
müde sind; wir essen, wenn wir hungrig sind. Wir gehen spazieren
und
machen viele andere Dinge. All diese Dinge sind so weit vom Ziel des
Lebens entfernt, und doch sind sie notwendig. Wir können sie als
notwendiges Übel bezeichnen. Es sind ohne Zweifel Übel, doch
sind sie
notwendig. Darum müssen sie zufriedengestellt werden, selbst wenn
wir
uns zu diesem Zweck vom Absoluten trennen. Die Absicht hinter der
grundlegenden und schrittweisen Praxis von Varna und Ashrama ist nicht
die Wunscherfüllung als schlechte Angewohnheit, doch ihre
schrittweise,
wissenschaftliche, systematische und vorsichtige Erfüllung in
einem
Maße, wie sie den Umständen entsprechend zulässig ist,
um sich
letztendlich selbst davon zu befreien. Darum essen wir nicht, weil wir
essen wollen, sondern weil es notwendig ist, um eine Stufe zu
erreichen, wo Essen nicht mehr notwendig ist. Dafür ist ein
Hintergrundwissen über die Psychologie der Grundlagen von Yamas
notwendig, und ein klares Verständnis dieses Hintergrundes wird
uns
helfen, diese Grundlagen besser zu praktizieren. Anmerkung des Übersetzers: Mir ist die
Einstellung, die Swami Krishnananda zu den Kasten hat, etwas zu
unkritisch. Darum möchte ich auf das Buch Die Bhagavad
Gita und Yoga hinweisen, das sich etwas kritischer mit dem
Kastenwesen auseinander setzt.. Ende Anmerkung Übersetzer. 26. Geburtenkontrolle (Swami Sivananda) Inhaltsverzeichnis 26.1 Anweisungen für Familienväter Inhaltsverzeichnis Eine strenge Regelung des sexuellen Lebens und
absolute Gewaltlosigkeit sind notwendig, wenn du Fortschritte auf dem
spirituellen Weg machen möchtest. Wenn du
empfängnisverhütende Mittel
benutzt, lernst du niemals Selbstbeherrschung zu üben. Wer
empfängnisverhütende Mittel benutzt, ist ein unmoralischer
Mensch.
Lerne die Tugend der Selbstbeherrschung. Der Gebrauch von
Verhütungsmitteln kann deine Energie schwächen. Es
schwächt alle
Zurückhaltungen. Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen dem
sexuellen Verlangen und der Kontrolle des Gaumens. Der, der den Gaumen
kontrolliert, kontrolliert auch alle anderen Organe. Reine (sattvische)
Nahrung, macht die Praxis des Brahmacharya einfach. Keuschheit ist
nicht schädlich. Andererseits bewahrt es die Nervenstärke. Es
gibt
große Geistesstärke und Frieden des Verstandes. Sexuelle
Nachgiebigkeit
führt zu moralischem und spirituellem Bankrott, zu vorzeitigem
Tod,
nervöser Schwäche und Verlust der Fähigkeiten, der
Talente und des
Leistungsvermögens. Das indische Gesetzbuch der Manu, das als ein
von
den Weisen gehörter Text gilt, sagt: "Das erstgeborene Kind wird
vom
Dharma, die anderen Kinder vom Karma, von der Sinneslust, gezeugt. Der
sexuelle Akt allein zum Vergnügen ist nicht vertretbar." Sinnliche
Leidenschaft ist keine wirkliche Liebe. Es ist nur eine Verblendung,
die von der Unwissenheit getragen wird. Du tust gottlose Handlungen und
tötest deine Seele wegen deiner Leidenschaften. Anmerkung des Übersetzers: Swami
Sivananda
schrieb dieses Buch 1934. Für die damalige Zeit mögen diese
Aussagen
vielleicht ihre Richtigkeit gehabt haben. Es wäre natürlich
schön, wenn
jeder so viel Disziplin hätte, das Brahmacharya zu beachten. Aber
die
Realität sieht leider anders aus. Sieht man sich besonders die
Sexualpraktiken in den ärmeren Ländern der Welt an, so ist es
häufig
der ärmere Teil der Bevölkerung, darunter besonders viele
junge Mütter,
die gerade eben der Pubertät entwachsen sind, die Kinder
gebären. So
werden immer wieder neue Kinder in die Armut hineingeboren. Von diesen
jungen Müttern zu erwarten, sie würden das Brahmacharya
praktizieren,
wäre unrealistisch. Vielfach wird die sexuelle Handlung aus einer
finanziellen Not heraus geboren. Diese jungen Frauen, eigentlich noch
Kinder, verkaufen ihren Körper, damit die Familie überleben
kann. Für
Verhütungsmittel ist weder das Geld, noch das Bewusstsein
vorhanden.
Außerdem gab es 1934 noch keine Anzeichen der Krankheit Aids. Sie
ist
ein weiterer Grund, nicht auf Verhütungsmittel zu verzichten, da
alle
Menschen davon bedroht werden können. Wenn jemand bewusst
Brahmacharya
praktiziert, dann ist er natürlich nicht diesen Gefahren
ausgesetzt.
Aber wir sollten erkennen, dass das Bewusstsein des Brahmacharya
vielfach nicht vorhanden ist und erst geweckt werden muss. Ende der
Anmerkung. 26.2 Die Bevölkerungsentwicklung sollte kontrolliert werden Inhaltsverzeichnis Wer in der Welt ernährt alle die Millionen von Menschen? Trotz der modernen landwirtschaftlichen Methoden und einer teilweisen Übererzeugung von landwirtschaftlichen Produkten, war es bisher nicht unmöglich, eine Balance zwischen der Nahrungsmittelproduktion und der Bevölkerungszunahme zu halten. Darum muss das Bevölkerungswachstum beschränkt werden, wenn der Lebensstandart der Menschen nicht gesenkt werden soll. Wird dieses nicht getan, dann kommt es zu Hungersnöten und zum Zerfall der Moral. Spezielle Agenturen der "Vereinten Nationen" sind damit beschäftigt, langfristige Lösungen dafür zu entwickeln. Die Kommission für Bevölkerung und Entwicklung der Vereinten Nationen hat sich an die Arbeit gemacht. Sie wird dabei vom Wirtschaftsrat für Asien und dem Fernen Osten unterstützt. Kein Zweifel, prinzipiell ist es sinnvoll, das Bevölkerungswachstum zu beschränken. Aber wie? Durch die fortschrittlichen Methoden der Familienplanung. Was aber bedeutet dies? Rajkumari Amrit Kaur, die indische Gesundheitsministerin, antwortete darauf: "Ich brauche kaum zu betonen, dass heutzutage hauptsächlich die gebildete Oberschicht an eine Familienplanung denkt. Es gibt aber auch unter den ärmeren Leuten viele Menschen, die durch die Sozialarbeiter der Städte erreicht werden, in denen die sozialen Organisationen arbeiten. Aber auch sie denken unveränderlich an eine Geburtenkontrolle durch künstliche Methoden der Empfängnisverhütung, die sich in der westlichen Welt durchgesetzt hat. Ich bin wirklich nicht imstande, mich mit dieser Ansicht zu versöhnen." In der Tat ist die einstimmige Antwort hinsichtlich der Familienplanung, der Gebrauch empfängnisverhütender Mittel gewesen. Es ist schade, dass die meisten unseren gelehrten Führer, mit sehr wenigen Ausnahmen, wie die indische Gesundheitsministerin Amrit Kaur, sich dazu herabließen, den Westen nachzuäffen, und das eigene kulturelle Erbe komplett zu ignorieren. Die vedischen Schriften schrieben den Menschen die Praxis des Zölibats vor. Heirateten die Menschen, dann wurden sie nicht um des körperlichen Vergnügens intim, sondern um der Nachkommen willen. Selbstbeherrschung gab ihnen moralische Stärke und ermöglichte spirituellen Fortschritt. Durch Selbstbeherrschung erzielten sie ethische Vervollkommnung und verbesserten ihren Intellekt. Anmerkung Übersetzer: Das indische Schulsystem wurde dadurch bestimmt, dass die Schüler bei einem Guru unterrichtet wurden. Jungen und Mädchen der drei oberen Kasten praktizierten bereits im Kindesalter Brahmacharya und wuchsen mit dem Bewusstsein der 4 Lebensstadien auf. (1. Schüler (Brahmacharya), 2. Verheirateter (Sexualität nur zur Kinderzeugung), 3. Waldasket (Vorbereitung auf das Sannyasin, lebte meist noch mit seiner Frau zusammen), 4. Sannyasin (Mönch, lebt allein im Wald)). Es wurden etwa 30 Prozent aller Kinder von einem Guru im spirituellen Sinne erzogen. Dadurch dass diese Entwicklung über viele Jahrhunderte praktiziert wurde, wurde das Brahmacharya in der ganzen Bevölkerung praktiziert oder zumindest in sehr großen Teilen der Bevölkerung. Das Brahmacharya wurde zudem in den vedischen Schriften beschrieben und von den Brahmanen (Priestern) gelehrt. Ende Anmerkung Übersetzer. Es gibt keine sicherere und bessere Lösung für die Bevölkerungskontrolle als die Praxis der Selbstbeherrschung. Keine Geburtskliniken und keine Anwendung der künstlichen Verhütungsmethoden können die Bevölkerungsentwicklung so effektiv regeln, wie das durch seinen traditionellen Hintergrund in Spiritualität getränkte Brahmacharya. Keine andere Methode der Empfängnisverhütung kann moralisch und spirituell so erfolgreich sein, wie die Selbstbeherrschung. Weder in Indien noch anderswo in der Welt. In Indien war es Mahatma Gandhi, der zum ersten Mal eine unbeugsame Opposition gegen den Gebrauch der empfängnisverhütenden Mittel für die Familienplanung organisierte, als künstliche Verhütungsmethoden für Verheiratete frei gegeben wurden, und Unverheiratete ermutigt wurden, den Weg der Selbstbeherrschung zu verlassen, um ihren vulgären Leidenschaften zu frönen. Gandhi sagte: "Wenn die ländliche Bevölkerung Brahmacharya praktiziert, dann kann sie dadurch die Größe ihrer Familie besser kontrollieren, als durch den Gebrauch empfängnisverhütender Mittel. Künstliche Verhütung ist wie das Aussetzen einer Prämie auf das Laster der Wollust." Als Gandhi dieses sagte, antworteten viele hervorragende Führer, Doktoren, Rechtsanwälte und Erzieher, sogar einige seiner Schüler: "Die Begrenzung des natürlichen Antriebs in den Männern und in den Frauen würde zu ernsten Konsequenzen führen. Es wird Massenneurosen geben. Ihre Lust am Leben und ihre geistigen Fähigkeiten würden verebben, ihr Leben würde düster und glanzlos werden." Und so weiter und so weiter. Alle diese Behauptungen waren unbegründet und ein Eingeständnis der Geilheit von Seiten der Kreuzfahrer gegen die Selbstbeherrschung. Dieses ist ausreichend durch bemerkenswerte Wissenschaftler und Doktoren und durch zahlreiche Heilige Schriften nachgewiesen worden. Einige solcher bemerkenswerten Aussprüche, die von einigen westlichen Sprechern getan wurden, vor denen sich unsere gebildete Intelligenz genau so verneigte, wie vor unseren Heiligen Schriften, sollen einmal zitiert werden. Sir Lionel Beale, Professor der königlichen Hochschule in London: "Sexuelle Enthaltsamkeit hat bislang noch keinem Mann Schaden zugefügt. Keuschheit ist nicht so schwer zu beachten, wenn man über den entsprechenden Geisteszustand verfügt." Professor Cesterbu stimmt mit Beale überein, indem er sagt: "Der sexuelle Instinkt ist nicht so allmächtig, dass er nicht durch moralische Stärke kontrolliert und bezwungen werden kann. Wir sollten wissen, dass eine robuste Gesundheit und eine stets erneuerte Vitalität die Belohnung der freiwilligen Enthaltsamkeit sind." Sir Andrew Clark stimmt darin überein, dass "Enthaltsamkeit nicht schädigt. Es behindert keinesfalls die Entwicklung und erhöht die geistige Wahrnehmung und die Energie." Dass die Praxis der Enthaltsamkeit ein geeignetes Mittel zur Geburtenkontrolle ist, ist vom Amerikaner Joseph H. J. Spenglar hervorgehoben worden. Er sagte: "Moralische Selbstbeherrschung bietet eine sinnvolle Lösung zum Problem der Überbevölkerung." Mahatma Gandhi beantwortete die Fragen seiner Kritiker durch das Beispiel seines persönlichen Lebens. In seiner Autobiographie schrieb er: "Ich nahm 1906 das Gelübde des Brahmacharya auf mich. Mit der unterstützenden Kraft Gottes, vertiefte ich meinen Glauben. Die praktische Erfahrung der Selbstkontrolle hat sich seit dem noch weiter vertieft." Gandhi war ein Mann mit Erfahrungen. Und was auch immer er sprach, entsprang seiner persönlichen Erfahrung. Er war kein Polstersessel-Philosoph. Er hob hervor, dass die Enthaltsamkeit die Hauptqualifikation für alle Erfolge im Leben ist. "Ich halte daran fest, dass ein Leben der vollkommenen Enthaltsamkeit im Gedanken, Worten und Werken, notwendig ist, um spirituelle Perfektion zu erreichen. Brahmacharya bedeutet, die vollkommene Kontrolle aller Sinnesorgane. Für einen aufrechten Brahmachari ist nichts unmöglich." Es ist ersichtlich, dass strenges Zölibat, wie es von Bhishma, Lakshmana und Hanuman geübt wurde, nicht für die Massen möglich ist. Aber es ist für ihr körperliches, moralisches und geistiges Wachstum notwendig. Sie sollte eine zurückhaltende und heilige eheliche Beziehung anstreben. George Bernard Shaw (1856), ein irischer Dramatiker, Satiriker und Literaturnobelpreisträger von 1925, eine in hohem Grade intellektuelle und tiefgründige geistige Persönlichkeit, aber ein Atheist, der von seinen Lesern bewundert wurde, äußerte die allgemeingültig geltende Wahrheit, dass wir uns selbst zerstören, wenn wie unsere sinnlichen Wünsche nicht zurück halten. 26.3 Gefahren der künstlichen Verhütung Inhaltsverzeichnis In der Zeitung "Harijan" sagte die indische
Gesundheitsministerin Rajkumari Amrit Kaur: "Meiner Meinung nach,
sollte unser Land, nur die Wege und Mittel zur Geburtenkontrolle
zulassen, die der Tradition unserer Zivilisation entspringen.
Möglicherweise ist in keinem anderen Land der Welt die Praxis der
Enthaltsamkeit mit solch einer Gewichtung wie in Indien von den
Heiligen und Weisen befürwortet worden. Künstliche
Verhütungsmethoden
scheinen dem normalen Mann leichter zu erreichen zu sein. Folglich
werden sie von jedermann befürwortet. Ich betrachte diese
Entwicklung
als ein gefährliches Signal, weil nur der gerade und enge Weg der
Enthaltsamkeit, uns zur Rettung führt." Darum repräsentierte
die
indische Gesundheitsministerin, das wahre Gefühl der Mehrheit
unseres
Landes. Die Frauen Indiens spielen eine große Rolle, wenn es
darum
geht, die Angriffe des Materialismus zu vereiteln. Durch die Zeitalter
waren es die Frauen, die den spirituellen Charakter unserer
Gesellschaft bewahrt haben, ihre natürlichen Instinkte blieben
religiös. Es ist unehrenhaft, dass sie die Philosophie der
modernen
Abtrünnigen unterzeichnen sollten. Gandhi schrieb über das
vergangene
Jahrzehnt: "Meiner Meinung nach ist es eine Beleidigung für den
partnerschaftlichen Sex, die Geburtenkontrolle durch künstliche
Verhütungsmethoden zu ersetzen. Ich habe keinen Zweifel daran,
dass die
große Mehrheit der Frauen, sie als unvereinbar mit ihrer
Würde
ablehnen." Es ist höchste Zeit, nun, wo den
Führern
unseres Landes die schändlichen Konsequenzen der Geburtenkontrolle
durch künstliche Verhütungsmittel bewusst werden. Sie sollten
eine
landesweite Kampagne starten, besonders in den Dörfern. Sie
sollten
Selbstbeherrschung, die Aufhebung der Kinderehe und ein sauberes und
gesundes Leben einfordern. Indien sollte glücklich sein, dass es
eine
Gesundheitsministerin wie Amrit Kaur hat. Obwohl die Befürworter
der
Enthaltsamkeit, den Befürwortern empfängnisverhütender
Mittel, weit
unterlegen waren, betonte sie noch einmal: "Künstliche
Verhütungsmethoden sind wegen der Unwissenheit der Menschen, wegen
des
Mangels an wissenschaftlicher und medizinischer Hilfe und wegen ihrer
hohen Kosten, in unserem Land gänzlich ungeeignet. Ich bestreite,
dass
die Praxis der Geburtenkontrolle durch den Gebrauch
empfängnisverhütender Mittel, weder körperlich, noch
geistig oder
moralisch, für die Leute des Westens, die sie über eine
Anzahl von
Jahren angewendet haben, einen Erfolg nachweisen konnten." "Einerseits
hat es enorm zur Senkung des Sittlichkeitsgefühls und zu einer
Missachtung der Verantwortlichkeit für die menschlichen Art der
Zeugung
beigetragen. Die Geburtenkontrolle ist für Indien unentbehrlich,
um das
Bevölkerungswachstum zu beschränken. Je länger ich der
Gesundheit diene
und um so enger der Kontakt mit kranken und leidenden Menschen ist, in
der Stadt und auf dem Dorf, bin ich davon überzeugt, dass es ein
verhängnisvoller Schritt für unser Land war, auf
künstliche
Verhütungsmittel zurück zu greifen." Gandhi schrieb im "Harijan", einer seiner Zeitungen, die in mehreren Sprachen erschien: "Es gibt gegenwärtig nichts in unserer Gesellschaft, das so förderlich wie die Selbstbeherrschung ist. Unsere Erziehung spricht sich leider dagegen aus. Das primäre Interesse der Eltern ist es, ihre Kinder irgendwie zu verheiraten, damit sie sich wie die Kaninchen fortpflanzen können. Sind sie Mädchen, dann werden sie zweckdienlich im frühesten Alter verheiratet, ungeachtet ihres moralischen Wohlergehens. Die Hochzeits-Zeremonie ist eine langgezogene Qual aus Feier und Frivolität. Das Leben der Ehemänner ändert sich durch die Hochzeit nicht sehr. Es ist eine Verlängerung der Zügellosigkeit. Erholungsurlaube und Feiertage sind so angeordnet, dass sie den größten Spielraum für ein sinnliches Leben erlauben. Die Literatur, die am meisten gelesen wird, begünstigt die animalischen Leidenschaften. Die moderne Literatur lehrt oft, dass sinnliche Nachgiebigkeit eine Pflicht und Enthaltsamkeit eine Sünde ist." Ist es ein Wunder, dass die Kontrolle des sexuellen Appetits sehr schwierig geworden ist, wenn nicht sogar unmöglich? Wenn die Praxis der Geburtenkontrolle durch Enthaltsamkeit die wünschenswerteste, vernünftigste, erfolgreichste und ungefährlichste Methode ist, sollten wir dann das gesellschaftliche und soziale Klima nicht unverzüglich ändern? Die einzige Weise, die gewünschten Resultate zu erzielen, besteht darin, dass diejenigen, die an die Methode der Enthaltsamkeit glauben, den Anfang machen und ihre Mitmenschen von der Methode überzeugen. Ein angemessenes Verständnis hierfür zu entwickeln, bedeutet eine geistige Revolution. Es geht nicht nur darum, einige wenige Individuen zu überzeugen. Es sollte als ein natürliches Gesetz der menschlichen Geburtenkontrolle dargeboten werden. Die Verletzung dieser Regel hätte eine Vielzahl unerwünschter Kinder und womöglich vielfältige Krankheiten zur Folge. Für die Einhaltung der Moral sind die Eheleute selber verantwortlich. Geburtenkontrolle durch den Gebrauch empfängnisverhütender Mittel, reguliert ohne Zweifel die Zahl der Neugeburten auf ein gewisses Maß und ermöglicht einer Person mit gemäßigten finanziellen Mitteln, die Armut zu vertreiben. Aber der moralische Schaden für die Einzelperson und die Gesellschaft ist unermesslich. Für den, der seinen sexuellen Appetit fortwährend befriedigt, verändert sich das Leben vollkommen. Die Ehe hört auf, ein Sakrament für ihn zu sein. Dieses bedeutet eine Neubewertung der sozialen Ideale, die bisher als ein kostbarer Schatz angepriesen wurden. Kein Zweifel dieses Argument findet wenig Anklang bei denen, die die alten Ideale der Ehe als einen Aberglauben betrachten. Mein Argument wird wohl nur bei denen Gehör finden, die die Ehe noch als ein Sakrament und eine Frau nicht als Instrument der sexuellen Befriedigung, sondern als die Lebenspartnerin des Mannes und als treusorgende Mutter betrachten. Meine persönlichen Erfahrungen mit der Keuschheit und der Informationsaustausch mit medizinische Kollegen (Swami Sivananda war selber Mediziner), bestätigten mich in der Ansicht, die ich hier dargestellt habe. Es nimmt eine überwältigende Kraft an und wirft ein klares Licht auf die alten Konzepte der Geburtenregelung. Für mich bekommt das Brahmacharya in der Ehe jetzt seine natürliche Position und wird so einfach wie die Tatsache der Ehe selbst. Jede andere Methode der Geburtenkontrolle erscheint daher überflüssig. Wenn sich die Idee durchgesetzt hat, dass das Sexualorgan ausschließlich der Zeugung dient, besitzen Männer und Frauen das Wissen, dass jede andere sexuelle Handlung eine Vergeudung lebenswichtiger Energien darstellt. Es ist jetzt einfach, zu verstehen, warum die Wissenschaftler von einst diese Werte vermittelten und großen Wert auf die Keuschheit legten. Die lebenswichtige sexuelle Energie sollte in höhere spirituelle Energie umgewandelt werden, die der ganzen Gesellschaft zugute kommt. Sie verkündeten mutig, dass derjenige, der perfekte Kontrolle über die sexuelle Energie erlangt, eine enorme Vitalität erlangt, körperlich, geistig und spirituell. Er erlangt Energien, die durch andere Möglichkeiten nicht erreichbar sind. Der Leser sollte sich nicht durch die Abwesenheit einst berühmter Brahmacharis beunruhigen lassen. Die Brahmacharis, das wir heute haben, sind nicht immer vollkommene Exemplare. Bestenfalls sind sie Yogis, die die Kontrolle über den Körper, aber nicht über den Verstand erworben haben. Sie mussten ihre Enthaltsamkeit noch keiner Prüfung unterstellen. Dieses ist keineswegs so, weil Brahmacharya schwer zu erreichen wäre. Es ist so, weil das soziale Umfeld gegen das Brahmacharya ist, und die Mehrheit derer, die sich ehrlich bemühen, unwissentlich die Kontrolle der sexuellen Leidenschaften von allen anderen Leidenschaften abzusondern versuchen. Erfolgreich kann aber nur derjenige sein, der sich bemüht, die Kontrolle über alle Leidenschaften zu erlangen. Vollendetes Brahmacharya ist sowohl für den normalen Mann als auch für die normale Frau erreichbar. Es erfordert allerdings die gleichen Bemühungen, die ein Student benötigt, um einen wissenschaftlichen Titel zu erreichen. 27. Wird sexuelle Energie in Ojas Shakti umgewandelt? Inhaltsverzeichnis Dieses Kapitel gehört nicht mehr zu Swami Sivanandas Buch. Hier möchte ich (der Übersetzer) ein paar Gedanken zur Sublimation entwickeln. Mir geht es in erster Linie um die Frage, wie die Sublimation eigentlich abläuft. Was geschieht da auf physiologischer, biochemischer bzw. bioenergetischer Ebene? Da ich weder Mediziner, Biologe, Chemiker noch Physiologe bin, habe ich natürlich einige Schwierigkeiten, zu verstehen, was bei der Sublimation eigentlich abläuft. Deswegen bitte ich alle, die zu dem einen oder anderen Punkt etwas beitragen können, mir eine Email zu schicken. So könnte man vielleicht ein wenig mehr Licht in die Vorgänge der Sublimation bringen. Swami Sivananda stellt immer wieder die Behauptung auf, dass der Same in spirituelle Energie, in Ojas Skakti, umgewandelt wird und dass der verwirklichte Yogi darum keinen Samenerguss, sprich, keine nächtlichen Pollutionen, mehr hat. Er setzt außerdem den männlichen Samen mit der spirituellen Energie gleich. Ich stimme mit dieser Meinung nicht überein. Ich meine, dass man weder den männlichen Samen mit der spirituellen Energie gleich setzen kann und dass es auch nicht möglich ist, den Samen in spirituelle Energie umzuwandeln. Mit anderen Worten, ich glaube nicht an die Theorie, dass der verwirklichte Yogi keinen Samenerguss mehr hat. Vielmehr bin ich davon überzeugt, dass die Theorie der Nichtejakulation auf falschen Informationen beruht, auf Unkenntnis. Ich möchte dieses auch begründen. Zunächst einmal zu der Theorie, dass der männliche Same in Ojas Shakti (spirituelle Energie) umgewandelt wird. Es sei einmal angemerkt, dass die Idee des Ojas Shakti natürlich aus dem Yoga stammt und eine vereinfachte Darstellung der physiologischen Vorgänge ist, die ja in Wirklichkeit stattfinden. Ich glaube, dass die Umwandlung des männlichen Samens in Ojas Shakti so nicht stattfindet. Diese angebliche Umwandlung des Samens soll ja die Ursache für die angebliche Samenlosigkeit der Yogis und der angeblich nicht vorhandenen Pollutionen sein. Ich gehe vielmehr davon aus, dass die Erzeugung von Ojas Shakti ein rein energetisches Phänomen ist, also ein Vorgang auf bioenergetischer Ebene, bei dem elektrische Potentiale und biochemische Prozesse stattfinden. Der Same bleibt davon völlig unberührt. Ich möchte das zuvor gesagte, einmal am Beispiel des Orgasmus verdeutlichen, damit etwas klarer wird, was gemeint ist. Was geschieht beim Orgasmus? Im Gehirn findet eine chemische Reaktion statt, die den sexuellen Rausch des Orgasmus darstellt. Gleichzeitig läuft ein elektrisches Potential einerseits über das Rückenmark zur männlichen Prostata und sorgt für die 5 bis 10 Kontraktionen der Prostata, die ja die eigentliche sexuelle Lust des Mannes darstellen. Aber die Lust selber findet nicht in der Prostata selber statt, sondern die Prostatakontraktionen werden wieder zurück an das Gehirn gemeldet und die eigentliche sexuelle Lust findet im Gehirn statt. Dieses geschieht vermutlich durch chemische Reaktionen, die im Gehirn stattfinden. Weiter findet durch ein elektrische Potential, welches vom Gehirn über das Rückenmark geleitet wird, eine Kontraktionen im Beckenbereich statt. Es sind möglicherweise auch Kontraktionen in anderen Körperbereichen denkbar. Der Orgasmus ist also ein Vorgang, bei dem einerseits bioenergetische Potentiale und andererseits biochemische Prozesse stattfinden. Der eigentliche Energieverlust beim Orgasmus findet einerseits durch eine bioelektrische Entladung statt, die die Muskelkontraktionen auslöst und andererseits durch die Verausgabung von chemischen Elementen, Hormonen, Eiweißstoffen und was sonst eben noch alles durch die Ejakulation ausgeschieden wird und die langfristig wieder vom Körper produziert werden müssen. Die Energie die der Körper zum Neuaufbau dieser chemischen Elemente, Hormone, Eiweißstoffe usw. benötigt, geht ihm natürlich bei der normalen Lebensqualität verloren, da er sie für den Neuaufbau dieser chemischen Elemente, Hormone, Eiweißstoffe usw. benötigt Allein für den Aufbau neuer Spermien benötigt er 72 Tage. Das EjakulatNun zum zweiten Teil meiner Überlegungen
betreffs der Pollutionen. Es dreht sich in erster Linie um das
männliche Ejakulat. Das männliche Ejakulat setzt sich wie
folgt
zusammen: ![]() Hoden und Nebenhoden (Testis): Der Hoden ist die männliche Keimdrüse. Er besteht aus etwa 250 Läppchen, die durch Bindegewebe voneinander getrennt sind. Jedes Läppchen besteht aus einigen stark geschlängelten Hodenkanälchen. Im Hodenkanälchen erfolgt die Entwicklung der Spermien. Bis zur vollständigen Reife der Spermien (Spermatozoen) verbringen sie ungefähr 72 Tage im Hodenkanälchen, wo sie über verschiedene Vorstufen im Keimepithel (Keim- und Stützzellen) der Hodenkanälchen gebildet werden. Die reifen Spermien gelangen anschließend in den Nebenhoden, ihrem Speicherplatz. Der Samenleiter hat eine Länge von etwa 50 - 60 cm und führt vom Nebenhoden, ausgehend im Samenstrang, durch den Leistenkanal und mündet gemeinsam mit dem Ausführungsgang der Samenbläschen innerhalb der Prostata in die Harnröhre. Im Hoden und Nebenhoden, die nur 3–5 % des gesamten Volumens eines Samenergusses beisteuern, wird neben den Spermien unter anderem auch Testosteron, das regulierend auf die Produktion der Samenzellen wirkt, und eine Flüssigkeit, die zum Reifen und Ruhigstellen der Samenzellen beiträgt, produziert. Samenleiterampullen: In die Wand des Endabschnitts des Samenleiters (im Hoden) sind Drüsenpakete eingelagert. Beim Menschen führen diese Drüseneinlagerungen auch zu einer äußerlich sichtbaren Auftreibung des Samenleiters, die als Samenleiterampulle bezeichnet wird. Die Samenleiterampulle bildet einen Teil der Samenflüssigkeit. Wer weiß welches Drüsensekret in den Samenleiterampullen produziert wird und welche Funktion das Drüsensekret der Samenleiterampullen hat? Ich habe darüber leider nichts im Internet gefunden. Samenbläschen: Die Samenbläschen sind paarig angelegte Drüsen, die aus einer verschlungenen Röhre besteht. Die Innenwand dieser Röhre besteht aus sekretorischem Drüsengewebe. Das Sekret der Samenbläschen steuert das meiste Volumen, ca. 50–80 %, des Ejakulats bei. Sie dient der Verflüssigung des Ejakulats und enthält Fruktose (Fruchtzucker) und andere Stoffe die der Ernährung der Samenzellen dient, außerdem große Mengen an Prostaglandinen (Hormone mit hoher Wirkungsvielfalt: schmerzbekämpfend, gerinnungshemmend, entzündungshemmend, fiebersenkend) und Fibrinogen (gerinnungshemmendes Protein). Die Prostaglandine tragen zur Befruchtung bei, in dem sie die Gebärmutterschleimhaut empfänglicher für die befruchtete Eizelle machen, und möglicherweise in dem sie die glatte Muskulatur in der Gebärmutterwand zu peristaltischen (wellenförmige Einschnürungen von Ringmuskeln) Bewegungen anregen, die die Spermien in Richtung Eierstöcke bringen. Außerdem verhindern sie Infektionen im männlichen Geschlechtstrakt. Vorsteherdrüse (Prostata): Die Prostata ist ein etwa kastaniengroßes Organ, das den Anfangsteil der Harnröhre unter der Harnblase umgibt. Beim Orgasmus steuert die Prostata (Vorsteherdrüse) noch 10–33 % in Form einer dünnflüssigen, milchigen Flüssigkeit bei. Die Kapsel der Prostata zieht sich ebenso wie das Samenbläschen während der Ejakulation zusammen, so das die Flüssigkeit der beiden Organe mit den übrigen Drüsenflüssigkeiten (Spermien und Samenleiterampulle) vermischt und ausgestoßen wird. Das Sekret der Prostata enthält Ionen (Natrium, Kalium, Zink und Magnesium, Kalzium, Citrationen (Zitronensäure), Phosphationen), ein Gerinnungsenzym und Profibrinolysin (Blutgerinnung). Die Funktion der Prostata wird über das Hormon Testosteron reguliert. Das Sekret der Prostata ist dünnflüssig und trübe und gibt dem Sperma den charakteristischen Geruch. Das Sekret enthält zahlreiche Enzyme, die die Spermien für die Befruchtung benötigen. Der pH-Wert der Prostataflüssigkeit ist leicht sauer (pH 6,4). Dies ist besonders bedeutsam, da Spermien erst bei einem pH-Wert von 6.0 bis 6.5 optimal beweglich werden. Weiterhin ist PSA (Prostataspezifisches Antigen) enthalten, um die Spermien beweglich zu machen. Die Prostata entlässt außerdem weiße Blutkörperchen, verschiedene Granulozyten (Leukozyten werden im Knochenmark gebildet und ins Blut abgegeben und vom Gewebe aufgenommen, dienen zur Abwehr von Bakterien, Parasiten und Pilzen) ins Samenplasma. Sperma kann auch Krankheitserreger wie das HIV-Virus (HIV, englisch: Human immunodeficiency virus, deutsch: Menschliches Immunschwäche-Virus) oder das Hepatitis-B-Virus enthalten; die betreffenden Krankheiten sind also sexuell übertragbar. Cowpersche Drüse (Bulbourethraldrüse): Vorab, ausgelöst durch die Erregung, innerviert (mit Nervenimpulsen versorgen) der Parasympathikus (vegetatives Nervensystem) die Cowperschen Drüsen (beim Menschen etwa 5 cm lang, der Ausführungsgang mündet in der Harnröhre) und regt sie zur Sekretion eines verhältnismäßig kleinen Anteils von 2–5 % klaren Schleims, auch Lusttropfen (auch Lusttröpfchen, Vorlusttropfen, Sehnsuchtstropfen, Glückstropfen, liquor of love, medizinisch: Präejakulat (Vor-Ejakulat), können in der späten Plateauphase, kurz vor dem Orgasmus, aus dem männlichen Glied schon vor der Ejakulation austreten.) genannt, an. Die Lusttropfen bestehen aus einem klaren Schleim aus verschiedenartigen Drüsenzellen und können schon mit Sperma vermischt sein. Deshalb können Frauen auch durch den darin enthaltenen Samen schwanger werden. Das Sekret der Bulbourethraldrüse wird meist vor der eigentlichen Ejakulation abgegeben (Vorsekret des Spermas). Das schleimige Sekret dient vermutlich vor allem der Neutralisierung von Harnresten, eventuell auch des sauren Scheidenmilieus. Littre-Drüsen: Über die
Littre-Drüsen habe ich keine Informationen gefunden. Ich gehe davon aus, dass es im Interesse der Natur ist, dass der Mann jederzeit zeugungsfähig ist und dass deshalb auch permanent Spermien und andere Drüsensekrete produziert werden. Wenn behauptet wird, dass der Same in spirituelle Energie umgewandelt wird, so können damit ja eigentlich nur die Spermien selber gemeint sein. Jetzt einmal abgesehen davon, dass diese Umwandlung in dieser Form wohl nicht stattfindet, stelle ich mir außerdem die Frage, was geschieht mit dem Sekret aus den Samenbläschen, das u.a. der Verflüssigung des Ejakulats und der Ernährung der Samenzellen dient? Das Drüsensekret der Samenbläschen steuert immerhin 50 bis 70 Prozent des Ejakulats bei. Was geschieht mit der Flüssigkeit aus der Vorsteherdrüse (Prostata), die etwa 10 bis 30 Prozent des Ejakulats ausmacht? Was geschieht mit dem Drüsensekreten aus den beiden Samenleiterampullen? Und was geschieht mit dem schleimigen Sekret aus der Cowperschen Drüse, die vermutlich dazu da ist, die Harnröhre und eventuell auch das saure Scheidenmilieu zu neutralisieren? Das alles sind Drüsensekrete, die, wie die Spermien selbst, ja nicht direkt an der Zeugung beteiligt sind, sondern gewissermaßen nur das lebensnotwendige Umfeld für die Spermien erzeugen, damit die Spermien ihr Ziel, nämlich die weibliche Eizelle, erreichen können. Der Mensch kann den spirituellen Prozess meiner Meinung nach nur aufrecht erhalten, wenn er permanent sexuelle Energie in spirituelle Energie umwandelt. Sonst wäre seine spirituelle Energie nämlich irgendwann verbraucht. Und deshalb bin ich davon überzeugt, dass permanent ein Energiestrom aus dem Sakralchakra (Sexualchakra) in höhere Chakren stattfindet. Ich gehe davon aus, dass hauptsächlich die sexuelle Energie für den spirituellen Fortschritt verantwortlich ist. Die klassische Kundalini-Theorie geht allerdings davon aus, dass die Kundalini, gewissermaßen eine göttliche Energie, die im Basischakra beheimatet ist, durch spirituelle Praktiken vom Basischakra über das Rückenmark zum Scheitelchakra geleitet wird. Mich 27.1 Das Sexualleben der Löwen und Tiger Inhaltsverzeichnis Swami Sivananda behauptet im Kapitel 1.1, dass Löwen nur einmal im Jahr kopulieren. Um zu überprüfen, ob dieses stimmt, fragte ich jemanden, der sich sehr gut mit freilebenden Löwen auskennt. Von ihm bekam ich folgende Antwort:"Da Tiger keine feste Paarungszeit haben und die Weibchen ohne Nachwuchs alle 15 bis 20 Tage paarungsbereit sind, scheiden Tiger also aus dem Schema der einmal jährlichen Paarung aus. Wie sieht es beim Löwen aus? Das Löwenweibchen hat nur einmal im Jahr Sex. Dafür dann allerdings um so häufiger. Löwenweibchen sind nur an 5 Tagen im Jahr fruchtbar. Darum paaren sich Löwen Tag und Nacht in sehr kurzen Kopulationsintervallen von 5 - 20 min. in der gesamten Hochbrunst des Weibchens (In dieser Zeit haben beide nur Sex im Kopf - ans Fressen wird dann nicht gedacht!). Der einzelne Paarungsakt beläuft sich dabei auf 15 - 30 Sekunden. So kann es bei den meisten Raubkatzen zu 50 Paarungen am Tag kommen. Ja, wann ist für den männlichen Löwen Paarungszeit? Eigentlich immer dann, wenn eine weibliche Katze da ist, die lecker ausschaut und noch weit leckerer duftet. Demnach kann man nicht pauschal die kopulationsfreie Zeit eines Löwen auf ein Jahr festlegen. Zwar kann man saisonale Häufungen der Rolligkeiten feststellen, aber letztlich ist die Paarung nicht an eine bestimmte Zeit gebunden. Laut Büchern und Dokumentationen sind
Löwinnen
menschengleich, ca. alle vier Wochen rollig und wollen begattet werden,
während erst jede dritte oder vierte Rolligkeit zur
Trächtigkeit führt.
Verteilt man das auf alle weiblichen Rudelkatzen, so hat das
Männchen
allein aus dieser Sicht genug Beschäftigung. Hinzu kommt, dass ein
Männchen hin und wieder zwei Rudel leitet und wenn schon kein
zweites
Rudel die Aufmerksamkeit fordert, dann ist es immer noch denkbar, dass
sich der Löwenmann mal ein paar Tage von seiner Familie
verabschiedet
und auf Liebespfaden wandelt, wann immer sich Gelegenheit bietet. An
sexueller Auslastung mangelt es also nicht. Des weiteren habe ich Videoaufnahmen von
schlafenden Löwen gesehen, die während dessen eine Erektion
hatten und
transparente Flüssigkeiten absonderten. Daraus folgere ich
für mich,
dass Löwen nicht zwangsweise enthaltsam sind und sich auf
irgendeine
Art und Weise Erleichterung verschaffen, wann immer es sein muss.
Ferner ließen die Bilder des schlafenden Löwen
Rückschlüsse auf
Pollution zu und wenn nicht Pollution in engerem Sinne dann doch auf
reizvolle Träume mit dem Ergebnis unbewusster Ejakulation. Neurotheologen suchen im Gehirn nach Gott Abschnitt 27 ist eine Überlegung des Übersetzers. 28. Nachträge 28.1 Der Bestsellerautor Napoleon Hill zur Enthaltsamkeit Inhaltsverzeichnis Reif sein ist alles Im Folgenden zitiere ich einen Absatz aus dem Kapitel "Transformation der Sexualkraft" aus dem Bestseller "Denke nach und werde reich" von Napoleon Hill: "Im Verlauf meiner Analyse der Lebensgeschichte von mehr als 25.000 Menschen fand ich heraus, dass hervorragende geistige Leistungen nur in seltenen Ausnahmefällen vor dem vierzigsten Lebensjahr erzielt werden. Die meisten Männer sind, wenn sie den Gipfel ihres Erfolgs erreichen, sogar bereits fünfzig Jahre alt. Ich fand diesen Umstand so verblüffend, dass ich seinen Gründen mit besonderer Sorgfalt nachspürte. Ich gelangte zu dem Ergebnis, dass die meisten Männer aussergewöhnliche geistige Leistungen vor allem deswegen erst im vorgerückten Alter vollbringen, weil sie vorher einen Grossteil ihrer sexuellen Energie zu ihrem körperlichen Vergnügen verbrauchen. Die meisten Männer lernen nie, dass es für sexuelle Energie wesentlich nützlichere (wohlgemerkt, ich sage nicht: bessere, edlere oder sinnvollere!) Verwendungsmöglichkeiten gibt, als es der rein physische Gebrauch ist. Und die meisten von denen, die irgendwann doch zu dieser Erkenntnis gelangen, schafffen dies erst, nachdem sie sich - wie man so schön sagt- die Hörner abgestossen haben. Mit abgestossenen Hörnern lässt sich allerdings auch im geistigen Bereich weit weniger effektiv arbeiten (im Vergleich zu einem jüngeren Mann der enthaltsam lebt). Daher kann ich jedem, der schon in jungen Jahren ein klares Lebensziel hat und vom ausgeprägten Verlangen getrieben wird, es auch tatsächlich zu erreichen, nur dringend enpfehlen, seine Sexualenergie nicht planlos zu vergeuden. Ich wiederhole: "Es geht hierbei nicht darum, sich jeden sexuellen Genuss zu versagen, sondern darum, seine geschlechtliche Energie klug und verantwortungsbewusst zu verwalten und nach Möglichkeiten alle Überschüse unter denen die Konzentrationsfähigkeit gerade junger Männer oft genug erheblich leidet, zu sublimieren und für ein höheres Ziel einzusetzen. Und wer dies schafft, der ist, wie jung er an Jahren auch sein mag, wahrhaftig reif." "Die Sexualenergie ist die Muse - die treibende und inspirierende Kraft - aller wirklich schöpferischen Menschen. Der menschliche Geist braucht Anregungen, Stimulierung - und der stärkste und wirkungsvollste aller Reize geht bei uns nunmal vom Sexualtrieb aus. In die richtigen Bahnen gelenkt, trägt diese Energie den Menschen in jene höhere Sphäre den Denkens empor, in der die geistig-seelischen Vermögen nicht mehr von alltäglichen Problemen und Sorgen beeinträchtigt werden, sondern sich ungeteilt in den Dienst des eigentlichen Schöpfungsprozesses stellen. Zur Auffrischung des Gedächtnisses seien hier die Namen einiger bedeutender Männer genannt, deren aussergewöhnliche Leistungen und Erfolge ihrem überdurchschnittlichen sexuellen Potential entsprachen. Ihre geniale Veranlagung gelangte aber erst als Folge der Transformation ihrer Sexualenergie zu vollen Entfaltung: Sokrates, Julius Cäsar, Augustinus, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Buonarotti, William Shakepeare, Wolfgang Goethe, Napoleon, Ralph Waldo Emerson und damit auch unser Jahrhundert nicht leer ausgeht, Charlie Chaplin, Berthold Brecht, Pablo Picasso." Natürlich darf die obige Feststellung nicht in dem Sinne missverstanden werden, dass jeder, der einen überdurchschnittlich starken Geschlechtstrieb sein eigen nennt, ein (und wenn auch nur potentielles) Genie wäre: Eine starke Sexualität ist eine, keineswegs aber auch hinreichende, Bedingung! Zum Genie wird nur der Mensch, der seinen Geist so anzuregen weiss, dass dieser mit allen verfügbaren Kräften seiner schöpferischen Phantasie die Imagination, die Eingebung, herbeizuführen vermag. Dabei dient die Sexualität als besonders wirksame und ergiebige Kraftquelle, deren blosser Besitz jedoch noch längst kein Genie macht. Die Sexualkraft, ich wiederhole, ist die rohe Energie, das elementare Potential; wahrhaft schöpferisch ist aber erst der Mensch der den Willen und die Kraft besitzt, sie in eine andere, "ureigentliche" Form des Verlangens zu transmutieren, die den Geist zu aussergewöhnlichen Leistungen befähigt und motiviert. (Napoleon Hill: Denke nach und werde Reich, S.183 ff.) Es gibt das Buch Think and grow rich in der Originalversion von 1937 von Napoleon Hill im Internet in Englisch zu lesen. 28.2 Der kulturelle Einfluss auf die Sexualität Inhaltsverzeichnis Von allen Mitgliedern der Familie der Säugetiere, ist der zivilisierte Mensch das einzige Opfer einer übertriebenen und krankhaften Sexualität. Diese Einstellung, hat er bis zu einem gewissen Grad auch den Tieren auferlegt, die er domestiziert hat und die seine Nahrung angenommen haben, insbesondere der Hund. Wilde Tiere, die in der Natur leben, kopulieren nur zu bestimmten Jahreszeiten zum Zwecke der Fortpflanzung. Der zivilisierte Mensch praktiziert diesen Akt zu allen Zeiten. In den meisten Fällen ohne die Absicht, Nachwuchs zu zeugen. Auf der anderen Seite, führen die sogenannten Wilden und primitiven Menschen ein natürlicheres Leben und verfolgen in ihrem sexuellen Verhalten in einem weit größeren Umfang ein keusches Leben, wie von Havelock Ellis bemerkt wird. Solche Überlegungen führen zu dem Schluss, dass die Sexualität der zivilisierten Menschen unnatürlich ist und dass sich die exessive Sexualität, die der modene Mensch praktiziert, durch verschiedene aphrodisische Reize entwickelt hat. Zu diesen aphrodisischen Reizen gehört die proteinreiche Ernährung durch Fleisch (begleitet von körperlicher Inaktivität), der Genuss von Tabak, Kaffee und Alkohol, sexuelle Stimulierung durch Literatur, Film und Konversation (Unterhaltung), usw.. Aus diesen Gründen hat der zivilisierte Mensch sich von den Naturgesetzen entfernt, die von den Tieren und den sogenannten primitiven Menschen, eingehalten werden, und die es zum Schutz für Mutter und Kind erfordern, dass in der Zeit der Schwangerschaft und Stillzeit keine Sexualität praktiziert wird. Die Verletzung dieser Regeln. kann zu einer großen Zahl von physischen und psychischen Erkrankungen der Nachkommen führen, die von den zivilisierten Menschen erzeugt werden. Unter den Andamanen, sagt Portman, ist der sexuelle Wunsch unter den Männern nur sehr gering vorhanden. (Die Andamanischen Inseln befinden sich östlich von Indien zwischen dem Golf von Bengalen und dem Andamanischen Meer.) Normalerweise erwacht die Sexualität erst mit 18 Jahren und sie wird erst nach der Heirat befriedigt, wenn der Mann etwa 26 Jahre alt ist. Laut Haydes und Deniker, sind bei den Fuegians, sowohl Männer als auch Frauen äußerst zurückhaltend in ihren sexuellen Ausschweifungen. (Die Fuegians sind die indigenen Bewohner (Ureinwohner) der Tierra del Fuego (Feuerland), einer Inselgruppe an der Südspitze Südamerikas.) Im Falle des Eskimo, stellt Cook fest, dass während der langen dunklen Winterzeit keine Sexualität praktiziert wird und die Menstruation nicht stattfindet. Die Mehrheit der Kinder wird neun Monate nach dem Erscheinen der Sonne geboren. Auf der Grundlage solcher Beobachtungen, zieht Havalook Ellis den Schluss, dass der sexuelle Instinkt primitiver Völker, weniger intensiv und seltener vorhanden ist, als bei zivilisierten Menschen. Ausserdem findet er seinen Ausdruck darin, dass die Paarung nur zu ganz bestimmten Jahreszeiten und nur zur Fortpflanzung, stattfindet. Tiere, wie Menschen, werden zu Opfern eines übertriebenen sexuellen Verlangens, wenn sie sich falsch ernähren und in Gefangenschaft sind. Daher werden Affen, wenn sie in einem Käfig eingesperrt sind und mit Fleisch und anderer sexuell anregender Nahrung gefüttert werden, extrem zügellos und und bösartig, während sie zuvor, als sie noch mit Früchten gefüttert wurden, sanft und zahm waren. Dann masturbieren sie exesssiv und haben täglich Geschlechtsverkehr und die Weibchen menstruieren so häufig wie menschliche Frauen. Andere weibliche Säugetiere, die ein natürliches Leben führen, menstruieren nicht. Nur durch Domestizierung und übermässige Fütterung geschieht dies bei Kühen und anderen Arten. (Domestizierung ist ein innerartlicher Veränderungsprozess von Wildtieren oder -pflanzen, bei dem diese durch den Menschen über Generationen hinweg genetisch isoliert von der Wildform gehalten werden.) Holder stellte fest, dass die Indianer Amerikas ursprünglich weit weniger wollüstig als die weißen oder afrikanischen Rassen waren, die später auf diesen Kontinent kamen. Dr. Beard stellte fest, dass die indischen Jungen nicht masturbierten und dass die jungen Männer bis zur Heirat in Keuschheit lebten. Das sind Bedingungen, die wir nicht unter den sogenannten zivilisierten Rassen finden. Spencer, der die Indianer Kaliforniens studierte, bemerkt, dass es nach der Menstruation, einem Mädchen bis zur Ehe nicht erlaubt war, in der Gesellschaft des anderen Geschlechts zu verweilen. Während der Schwangerschaft und Stillzeit herrschte strenge Keuschheit. Der Koitus war auch nicht gestattet, wenn man Feste beging, bei denen Fleisch gegessen wurde und die Menschen sich in sexueller Erregung befanden. Normalerweise schliefen die Jungen und Männer gemeinsam in einem separaten Schlafsaal. Spencer bemerkte, dass ein intelligenter Indianer seinem Freund auf seinem Totenbett eine Sünde gestand, die schmerzlich sein Gewissen belastete. Er hatte mit seiner Frau, nach einem großen Abendessen mit frischem Rindfleisch, geschlafen und spürte nun, wie die Schuld seine Seele belastete. Keuschheit vor der Ehe ist in vielen Teilen Afrikas die Regel. In einigen Teilen Westafrikas wird ein Mädchen, das unkeusch ist, streng bestraft. Unter den Ba Henda in Nord-Transversal, einer Provinz der südafrikanischen Union, ist Geschlechtsverkehr vor der Ehe nicht erlaubt und wenn beobachtet wird, dass die Schamlippen eines Mädchens auseinander sind, wenn sie sich auf einen Stein setzt, dann wird sie als schuldig angesehen und bestraft, weil sie sexuellen Verkehr hatte. Bei den Syntengs, lebt der Ehemann mit seiner Frau nicht im selben Haus. Er besucht sie nur gelegentlich im Hause seiner Mutter, wo sie ebenfalls wohnt. Smyth bemerkt, dass promiskuitiver Sexualverkehr, also sexuelle Kontakte mit verschiedenen Partnern, von den in Australien lebenden Ureinwohnern, den Aborigines, nicht praktiziert wird. Ihre Gesetze sind in dieser Beziehung ziemlich streng. Gespräche zwischen einzelnen Männern und jungen Frauen oder verheirateten Frauen sind nicht erlaubt. Verstöße gegen diese Gesetze, wurden manchmal mit dem Tod bestraft. Unter den Seri, werden junge Männer angeleitet, ein Jahr vor der Ehe eine Probezeit zu absolvieren, in der sie enthaltsam leben, um ihre Fähigkeit der sexuellen Selbstkontrolle zu testen. Unter den Pueblos, wird die Moral der Jugendlichen von einer geheimen Polizei überwacht, die über alle Unregelmäßigkeiten berichtet. Verstoßen die Jugendlichen dagegen, dann werden sie gezwungen, zu heiraten. In Uganda wird nach der Geburt eines Kindes, eine Enthaltsamkeit von zwei Jahren praktiziert. Unter den Fidschis (Fidschi ist ein Inselstaat im Südpazifik nördlich von Neuseeland und östlich von Australien.) leben Ehemann und Ehefrau drei bis vier Jahre getrennt, so dass kein weiteres Baby geboren werden kann und die Mutter die notwendige Zeit zum Stillen des Kindes hat. Bezogen auf die malayische Halbinsel schreibt Stevens: "Der sexuelle Impuls unter den Belendas ist nur schwach entwickelt. Sie sind nicht sexuell. Es gibt wenig oder keine Liebesspiele in den sexuellen Beziehungen." Unter den Malayen herrscht in Zeiten des Krieges strikte Keuschheit. Laut Havelock Ellis sind die Afrikaner weit weniger wollüstig als die weißen Männer. Er schreibt: "Unter den Kambodschanern scheint strenge Keuschheit zu herrschen und wenn wir den Himalaya nach Norden überschreiten, so finden wir dort wild lebende Völker, denen sexuelles Begehren unbekannt ist. So wird das frisch verheiratete Paar bei den Turcomians einige Tage nach der Hochzeit für ein Jahr getrennt." Bei Westmarck heißt es, um so weiter die Zivilisation voranschreitet, desto größer ist die Zahl der unehelichen Geburten und die Verbreitung der Prostitution. Diese Probleme treten eher in Städten als auf dem Lande auf. Er behauptet, dass Promiskuität, der Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern, kein ursprünglicher und natürlicher Zustand des Menschen ist, sondern ein Produkt der Zivilisation, oder besser gesagt, der Pseudo-Zivilisation. Die "primitiven" Rassen der Menschheit, lebten vergleichsweise keusch. Westermarck schreibt: "Bei einer großen Zahl "primitiver" Menschen, erforderte die Monogamie (die Ehe mit einem Partner) von einem Mann längere Zeiträume der Enthaltsamkeit. Er hatte sich nicht nur zu bestimmten Zeiten eines jeden Monats seiner Frau zu enthalten, sondern auch während der Schwangerschaft oder zumindest während der letzten Zeit der Schwangerschaft, da schwangere Frauen als unrein galten. Dies galt auch für die Zeit nach der Geburt des Kindes, bis das Kind gestillt war. Die Enthaltsamkeit galt auch für die Säuglingszeit, die zwei oder drei Jahre, manchmal aber auch fünf oder sechs Jahre, andauern konnte." Zur Erreichung der Keuschheit, die er als wesentlich für die Erhaltung der Vitalität der spartanischen Rasse hielt, verbot Lykurk, der Gesetzgeber der Spartaner, den Konsum von Fleisch und anderen stimulierenden Nahrungsmitteln und setzte eine vegetarische Kost durch. Alkohol war ebenso verboten. Er verbot das Essen zu Hause und und ernährte die Spartaner an einer öffentlichen Tafel.. Durch die Kontrolle ihrer Nahrung, konnte er ihre Moral kontrollieren. Er verbat Schlachter und Köche oder wie unersättliche Tiere übermäßig zu essen. So konnte er nicht nur Einfluss auf das Benehmen und den Körper nehmen, sondern alle Arten von Sinnlichkeit und Ausschweifung verhindern. Gleichzeitig sorgte er für ausreichend Schlaf. In Sparta, einem Matriarchat, in dem Frauen große Macht hatten, wurden die Jungen zur Keuschheit erzogen. Der athenische Politiker, Feldherr und Schriftsteller Xenophon (426 - 355 v.Chr.) sagt uns, dass es wahrscheinlicher ist, dass eine Statue aus Stein oder Marmor ihre Augen bewegt, als ein spartanischer Junge. Die Jungen seien schamhafter als die Mädchen, sagte er. Die Frau eines anderen Landes sagte zu einer spartanischen Frau: "Ihr aus Sparta seid die einzigen Frauen der Welt, die die Männer bereuen." Sie antwortete: "Wir sind die einzigen Frauen, die Männer hervorbringen."Der Mut und die körperliche Perfektion der spartanischen Rasse machte sie durch alle Zeitalter berühmt. Anmerkung Übersetzer: Es geht bei diesen Schilderungen nicht darum, ob man aus heutiger Sicht alle Einstellungen gut heißen kann. Vielmehr sollte es darum gehen, zu erkennen, dass die Sexualität der Menschen weltweit in früheren Zeiten in erster Linie der Fortpflanzung diente und dass die Menschen in früheren Zeiten nicht so sexbesessen waren, wie die heutigen sogenannten zivilisierten Menschen. Die Sexbesessenheit der heutigen Zeit entstand dadurch, dass der Mensch sich immer weiter von der Natur entfernte und dadurch, dass der moderne Menschen im Rahmen des technischen Fortschrittes seine Ernährungsgewohnheiten umstellte. Er ernährte er sich immer stärker von Fleisch, Fisch und Geflügel, die ebenfalls die Libido beflügelte. Durch die Medien bekamen die Menschen außerdem immer leichter Zugang zu erotischen Schriften, Bildern und Filmen, was der Moral nicht unbedingt zuträglich war. Diese Tendenz wird sich wahrscheinlich in der Zukunft noch weiter verstärken und es ist nicht davon auszugehen, dass die Menschen dadurch glücklicher werden. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sie diese Entwicklung mit sehr viel Leid bezahlen müssen. Ende Anmerkung. Quelle: The physiological value of continence Ich möchte in diesem Zusammenhang noch einmal an die enthaltsam lebenden Dani in Neuguinea hinweisen. Wie es scheint, lebte der Mensch einst wie alle anderen Rassen, die es auf der Erde gibt, mit der Natur in Einklang und praktizierte ebenso wie alle Rassen Sexualität nur zu bestimmten Jahreszeiten und nur zur Fortpflanzung. Die kulturelle Entwicklung brachte es allerdings mit sich, dass der Mensch sich von seinen natürlichen Wurzeln entfernte. Aber erst die moderne Entwicklung führte durch die verstärkte Ernährung mit proteinreicher Nahrung (Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier), durch den verstärkten Konsum von Genussmittel wie Tabak, Kaffee, Alkohol und anderen Genussmitteln und durch die Beschäftigung mit erotischen Inhalten dazu, dass die Sexualität immer mehr an Bedeutung gewann. Heute sind die Menschen geradezu besessen von der Sexualität und viele sehen dies Verhalten als völlig normal an. Zehn bis fünfzehn Milliarden Dollar gibt Amerika jedes Jahr für Pornografie aus. Mehr, als für Kinokarten, Schallplatten oder Videospiele. Mehr als für die Nationalsportarten Football, Baseball und Basketball zusammen. Und bei durchschnittlichen Produktionskosten von 50.000 Dollar pro Film, fallen bei 250.000 Dollar Umsatz Gewinnspannen an, für die man in Hollywood in die Chefetage befördert würde. Die weiterhin rasante Entwicklung der neuen Medien verspricht eine goldene Pornozukunft. Branchenkenner rechnen nach den Einführungen von Breitbandkabel, Internet II und Video-On-Demand mit bis zu zehnfachen Profitsteigerungen. Das wäre dann ein Branchenumsatz mit zwölf Nullen. Durchaus realisitisch, denn für die neue Medienlandschaft ist die Pornoindustrie der ideale Content Provider. 28.3 Führt Enthaltsamkeit zur Impotenz? Inhaltsverzeichnis Es wird allgemein von den Yogis behauptet, dass vollendete Yogis keine Ejakulationen mehr haben, weder am Tage noch in der Nacht (Pollutionen). Lange Zeit ging ich davon aus, dass die Samen- bzw. Spermienproduktion damit zum Stillstand kommt. Wird vom Körper bzw. vom Hoden kein Samen mehr produziert, dann ist der Mann natürlich nicht in der Lage, Kinder zu zeugen. Deswegen fürchten einige, die Enthaltsamkeit könnte zur Zeugungsunfähigkeit (Unfruchtbarkeit) und zur Impotenz des Mannes führen. Ich glaube aber mittlerweile, dass die biologischen Abläufe etwas anders sind, als wie soeben beschrieben. Ich glaube nämlich nicht, dass die Samen- bzw. Spermienproduktion jemals zum Stillstand kommt. Dasselbe gilt für alle Sexualsekrete, die an der Produktion des Ejakulats beteiligt sind. Dies gilt also u.a. für folgende Sexualdrüsen: Samenleiterampullen, Samenbläschen, Prostata, Bulbourethraldrüsen (Cowpersche Drüsen) und für die Littre-Drüsen. Alle diese Drüsen sind an der Produktion des männlichen Ejakulats beteiligt. Dabei haben die Spermien selber sogar den geringsten Anteil, da die Spermien gerade einmal etwa 5 % des Ejakulats (des männlchen Samens) ausmachen. 50 bis 80 Prozent des Ejakulats kommt aus den beiden Samenbläschen, die Prostata steuert etwa 10 bis 30 Prozent bei und der Rest kommt aus den übrigen Drüsen. Jedes Sexualsekret erfüllt ganz bestimmte Funktionen, auf die an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden soll. Das Sekret der Prostata enthält z.B. Natrium, Kalium, Zink und Magnesium, Calcium, Citrationen, Phosphationen, ein Gerinnungsenzym und Profibrinolysin. Die Prostata entlässt außerdem weiße Blutkörperchen, verschiedene Granulozyten ins Samenplasma. In einer Studie wurde festgestellt, dass verschiedene Bestandteile des männlichen Samens, unter anderem Hormone wie Testosteron, Östrogen und das follikelstimulierende Hormon, Prolactin und verschiedene andere Prostaglandine (Sekrete der Prostata-Drüse) eine anti-depressive, also stimmungsaufhellende Wirkung auf die Frau haben könnten. Das Samenplasma enthält also sehr wichtige Spurenelelemente, Mineralien, Vitamine, Eiweißstoffe und Hormone, die für die Zeugung des Nachwuchses sehr wichtig sind. Aber sie sind nicht nur für den Nachwuchs wichtig, sondern ebenso für den Mann selber, weil der Körper diese Stoffe unbedingt braucht, damit der Mann sich wohl fühlt. Vergeudet er dagegen seinen Samen permanent, so beraubt er sich seiner eigenen Seligkeit. Was geschieht also, wenn der Mann enthaltsam lebt? Kommt die Samenproduktion bzw. die Produktion der Sexualsekrete dann zum Stillstand? Nein, ich denke dieses ist nicht der Fall. Der Samen wird ebenso weiterproduziert wie vorher. Er wird aber nicht mehr durch sexuelle Aktivität dem Körper entzogen und ist damit für immer verloren, sondern er wird nun dem Körper, speziell den Nerven und dem Gehirn, zur Verfügung gestellt. Er wandert von den jeweiligen Sexualdrüsen über die Blutbahn in die Nervenzentren und ins Gehirn. Dieses hat mittelfristig eine sehr vielfältige Wirkung auf den Menschen. Einerseits haben die Sexualsekrete eine sehr starke euphorisierende Wirkung, andererseits eine sehr beruhigende. Langfristig werden dadurch körpereigene Drogen aktiviert, was dazu führt, dass der Mensch sich in einem permanenten Zustand der Seligkeit befindet. Es gibt also zwei Möglichkeiten, wie man mit den Sexualsekreten verfahren kann. Einerseits kann man sie durch sexuelle Aktivität vergeuden, andererseits kann man sie mittels der Enthaltsamkeit dem Körper zur Genesung bzw. für den spirituellen Fortschritt zur Verfügung stellen. Ich bezeichne diesen Vorgang jetzt einmal als spirituellen Vorgang, obwohl es ja eigentlich ein physiologischer Vorgang ist, der dort abläuft. Vielleicht kann man ihn aber deshalb als spirituellen Vorgang betrachten, da die Meditation und andere spirituelle bzw. kontemplative Praktiken, wie etwa das Beten, Atemübungen, Yoga und der Zen die heilende Wirkung der Enthaltsamkeit beschleunigen. Hört nun jemand, der längere Zeit enthaltsam gelebt hat, mit der Enthaltsamkeit auf, dann wird das Samenplasma wieder den Nerven und dem Gehirn entzogen und es wird der Sexualität, dem Zeugungsvorgang, zur Verfügung gestellt. Aus diesem Grunde besteht also überhaupt keine Gefahr, dass jemand der längere Zeit enthaltsam gelebt hat, zeugungsunfähig werden könnte. Abschnitt 28 ist eine Einfügung des Übersetzers. 28.4 Der Sufismus und das Zölibat Inhaltsverzeichnis Im Islam gibt es die Bewegung der Sufis, den Sufismus, wobei betont wird, dass die Sufis eigentlich unabhängig von einer Religionszugehörigkeit sind und diese Bewegung schon weitaus älter ist als der geschichtliche Islam. Die Sufis selber betonen jedoch, dass sich der Sufismus zu seiner vollen Blüte erst ab dem Auftreten des Propheten Mohammed entwickelt hat (Die früheren Sufis hätten dies bestimmt anders gesehen.). Die ersten Sufis sollen aus dem Jemen kommen, wo sie in der Wüste gelebt haben sollen. Die meisten Sufis bewegen sich aber innerhalb des orthodoxen Islams von Sunna und Schia und sind somit entweder Sunniten oder Schiiten. Die Anhänger des Sufismus sehen ihre Lehre nicht als ein spirituelles Produkt der islamischen Religion, sondern er offenbart lediglich die mystische Wahrheit des Islam. Die sufische Lehre als solche zieht sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte. Aus der Sicht vieler Sufis, ist der Sufismus zu jeder Zeit und in jeder Kultur in verschiedenen Aspekten allgegenwärtig. Anhand dessen, was über Lebensweise, Doktrin und Ritus der Bewegung bekannt ist, lässt sich eine bemerkenswerte Ähnlichkeit des Sufismus mit älteren nichtislamischen asketischen, mystischen Bewegungen, wie z. B. dem Nestorianismus, Gnostizismus, Neoplatonismus, Manichäismus und dem Buddhismus, feststellen. Diese Traditionen existierten bereits lange bevor die ersten sufistischen Gruppen in den islamisch geprägten Gebieten erschienen. Der Überlieferung zufolge standen die traditionellen Muslime dem Auftauchen der Sufis zunächst feindlich gegenüber. Ihre Anerkennung, die erst im 11. und 12. Jahrhundert erfolgte, verdankten sie den Bemühungen und Schriften bedeutender Mitglieder der sunnitischen Gelehrtenschicht, wie z. B. Al Ghazali. Der Sufismus ist also kein Produkt des Islam, sondern er hat seine Wurzeln in älteren asketischen Traditionen spiritueller (mystischer) Gruppen. Dann aber wurde der Sufismus gewissermaßen vom Islam aufgesogen. Damit verlor der Sufismus langsam aber sicher seine zölibatäre Ausrichtung. Der Sufismus folgt vier Stufen, die auf die Prägung aus dem indischen Raum verweisen. Bis heute ist jedoch offen, wie und in welche Richtung diese Beeinflussung historisch verlief: 1. Auslöschen der sinnlichen Wahrnehmung.Das oberste Ziel der Sufis ist, Gott so nahe zu kommen wie möglich und dabei die eigenen Wünsche zurückzulassen, wobei der Suchende danach strebt, die Wahrheit schon in diesem Leben zu erfahren und nicht erst auf das Jenseits zu warten. Dies spiegelt sich klar in dem Prinzip "zu sterben bevor man stirbt" wieder. (Wiedergeburt im jetzigen Leben.) Hierzu versuchen die Sufis, die Triebe der niederen Seele bzw. des tyrannischen Ego so zu bekämpfen, dass sie in positive Eigenschaften umgeformt werden. Auf diese Weise kann man einzelne Stationen durchlaufen, deren höchste die reine Seele ist. Diese letzte Stufe bleibt jedoch ausschließlich den Propheten und den vollkommensten Heiligen vorbehalten. Die Sufis suchen durch tägliche regelmäßige Meditation Gott nahe zu kommen oder mit Gott bereits im irdischen Leben eins zu werden. Kommen Sufis einem solchen Zustand nahe, geraten sie oft in Trance. Ein bekanntes Beispiel für Trancezustände bei Sufis sind die so genannten drehenden Derwische aus Konya in der heutigen Türkei, die sich um ihre eigene Achse drehen und dadurch in Trance geraten. Während ihrer Meditation (Anrufung Gottes) rezitieren die Sufis immerwährend, wie bei der Mantrameditation, bestimmte Stellen aus dem Koran und eine bestimmte Anzahl der göttlichen Attribute (im Islam: 99). Wie bereits angedeutet wurde, war die Askese eines der zentralen Mittel, von dem sich die Sufis einen Einblick in das Wesen Gottes erhofften, da diese Lebensweise sie automatisch von allen weltlichen Belangen und Problemen loslöste und sie sich somit ganzzeitlich dem Gottesgedenken widmen konnten. Eine der Askese ganz ähnliche Funktion hat auch das Zölibat in der sufistischen Lehre: Obwohl der Prophet Mohammed ursprünglich seine Anhänger immer dazu angehalten hatte, "Familien zu gründen", herrschte unter den frühen Asketen eine Vorliebe für das zölibate Leben: Ebenso wie im weltlichen Wissen und im irdischen Luxus erblickten die Sufis im Familienleben eine Gefahr, die sie von Gott entfremden könne, da einem verheirateten Menschen immer ein guter Teil seiner Zeit, nämlich der, den er mit der Versorgung seiner Familie zubringen muß, an der totalen Gottergebenheit fehlt und er sich somit nicht absolut der Gläubigkeit hingeben kann. Außerdem stand das Heiraten und Gründen von Familien immer in dem Ruf, eine Art "legalisierte Sünde" zu sein; das Familienleben war so eines der "größten Hindernisse auf dem mystischen Pfad". Zölibates Leben ist ein Ausdruck der Gläubigkeit, den sowohl männliche als auch weibliche Sufisten praktizieren konnten; anders sah es jedoch mit der im Islam, und damit auch im Sufismus, weit verbreiteten Abscheu gegen alles Weibliche aus, eine Tatsache, die sicher nicht in direktem Zusammenhang mit der tiefen Religiosität zu sehen ist sondern wahrscheinlich einen mehr sozial-ideologischen Hintergrund hatte und noch immer hat: Beispielsweise berichten viele Überlieferungen, wie schrecklich das Eheleben, oft bedingt durch die reine Anwesenheit der Frau, doch sei und wie "frech, unerzogen, redselig" und damit unnütz die Frau sei. Noch extremere Sichtweisen finden sich in den Darstellungen, wo Heilige es vermeiden, mit Dingen in Berührung zu kommen, die bereits von einer Frau berührt wurden oder wo alle weltliche Verdorbenheit und Sündhaftigkeit umfassend mit dem Begriff "Frau" identifiziert wird. Ausnahmen von dieser Regel der Verdammung alles Weiblichen finden sich im Islam und auch im Sufismus nur sehr wenige, zwei der bekanntesten und verehrtesten Frauen innerhalb der islamischen Welt sind die in sexueller Hinsicht unberührte Maryam (die Maria der Christen) und die Heilige Rabi'a al-Adawiyya. Dass der Sufismus innnerhalb des Islams größte Schwierigkeiten hatte, und heute noch hat, liegt zum einen darin, dass die lebensfrohen Tänze den orthodoxen Islamisten immer schon ein Dorn im Auge waren. Ausserdem fand die asketische Lebensweise der Sufisten nicht die Zustimmung der Islamisten. So ist z.B. von Mohammed bekannt, dass er einen Harem von neun Frauen und drei Konkubinen. (Beischläferinnen, Prostituierte) hinterließ. Der Islam ist dem Zölibat gegenüber abweisend eingestellt. Er betont die gottgegebene Güte der Zeugung. Der Sufismus hat aber, vor allen Dingen in seinen Anfängen, die starke Kontrolle von Körper und Geist durch asketische Praktiken, einschließlich des Zölibats, betont. Die frühen Sufiführer betrachteten die Lust als eines der sieben Tore zur Hölle und sie gingen so weit zu sagen, dass der Sufismus auf dem Zölibat errichtet wurde. In der Frühzeit des Islam war ein extremes Asketentum an der Tagesordnung, und die damaligen Fakire oder heiligen Männer imitierten die christlichen Mönche. Sie trugen schlichte wollene Gewänder zum Zeichen ihrer Abkehr von der Welt. So entstand der Begriff, unter dem sie bekannt wurden, Sufis*. Und wenn es auch heißt, dass die frühen der Welt entsagenden Mönche des Islam mit den christlichen Brüdern in ihrer asketischen Frömmigkeit, Selbstverleugnung und Abscheu vor den Dingen der Welt wetteiferten, dauerte es nicht lange, bis ihre Begeisterung für die Askese schwand. Sie wurde in den ersten Jahrhunderten des Islam durch das Aufkommen der mystischen Liebe und Hingabe an Gott überwunden, für die der Sufismus heute bekannt ist, und durch den tiefen Respekt für Arbeit und Familienleben, der stets ein Merkmal des islamischen Glaubens war. Letztlich verurteilte Mohammed das Zölibat, empfahl nachdrücklich die Ehe und hatte selbst vier (manche sagen neun) Frauen. Dennoch stellten wir fest, dass, in der weltbejahenden Sicht der Sufis immer ein Zug der Mäßigung, des Zögerns, der Vorsicht vorhanden war, ein Erkennen der potenziellen Gefahren und Fallstricke der Welt. Und sie bewahrten sich die unerschütterliche Überzeugung, dass Gott oder Allah immer über die Interessen der Welt gestellt werden muss. Obwohl die frühe Bekanntschaft mit dem Christentum den Sufismus stark beeinflusste, wie auch später die Bekanntschaft mit dem Buddhismus in den persischen Städten, vermochte es keine monastische Tradition, die leidenschaftlichen heiligen Männer des Islam zu fesseln. Sie waren entschlossen, einen Weg zu Gott in der Welt zu finden, und ihren eigenen Weg, „nicht von ihr” zu sein. Der Sufismus, der in einer großen Anzahl verschiedenartiger Kulturen floriert, zeigt daher in seinen vielen Zweigen eine beträchtliche Variationsbreite, und in einigen davon erkennt man noch die Spuren seiner anfänglichen Sympathie mit einer Weltanschauung der Entsagung. Doch im achten Jahrhundert hatte sich der Sufismus bereits als der weitherzige spirituelle Weg etabliert, den wir heute kennen, und er hat sich seitdem wenig verändert. Obwohl die Sufi-Mystiker gelegentlich auch vor den Schwierigkeiten des Familienlebens warnen, waren sie doch fast alle verheiratet (manche mit mehreren Frauen). Zwar sprechen sie über die Gefahren der Beziehungen zu weltlichen Menschen, doch nur sehr wenige wählten die radikale Einsamkeit von Eremiten oder Mönchen. Und wenn sie auch fasten oder sich weltliche Vergnügungen versagen, geschieht dies in der Regel nur vorübergehend und wird durch Zeiten fröhlicher Festgelage und Feiern ausgeglichen. *Der Begriff Sufismus ist der Name einer alten Lehre, die sich in der heutigen Zeit hauptsächlich durch den Islam manifestiert. Das Wort Sufismus kam in einer Zeit auf, in der diese Lehre mit dieser Weltreligion verbunden war, die essentielle Lehre des Sufismus kann aber durch alle Religionen und Weltanschauungen über viele Jahrtausende zurückverfolgt werden. Etymologisch (sprachwissenschaftlich) ist unklar, ob das Wort Sufi von arabisch "suf" (Schurwolle), das auf die wollenen Gewänder der Sufis hinweist, oder von arabisch "safa" (rein) stammt. „Rein“ meint in diesem Zusammenhang gereinigt von Unkenntnis bzw. Unwissenheit, Aberglaube, Dogmatismus, Egoismus und Fanatismus sowie frei von Beschränkungen durch die soziale Schicht, politische Überzeugung, Rasse oder Nation. Historisch wahrscheinlicher ist jedoch erstere Auslegung, da die Herleitung von „rein“ auch eine gewollte Interpretation darstellen könnte. Eine andere Erklärung bietet auch der Begriff "ahl as-suffa", was „Leute der Veranda“ bedeutet. Dies bezieht sich auf die Gruppe von Personen, die sich zu Lebzeiten Mohammeds um den Propheten scharten und wahrscheinlich in Armut lebten. Es wird außerdem behauptet, dass das Wort Sufismus auf die Leute der ersten (Gebets-)Reihe (saff-i awwal) hindeuten kann. Andere, vor allem westliche Vertreter eines „universellen Sufismus“, bringen es wiederum mit dem griechischen Wort "sophia" (Weisheit) in Verbindung. Eine Ableitung ist jedoch eher unwahrscheinlich. Ergänzend zur Wortherkunft sei erwähnt, dass der
Begriff Sufismus nicht von Anhängern dieser Lehre eingeführt
wurde. Vielmehr wurde er von Personen außerhalb dieser mystischen
Strömung geprägt. Ein Sufi bezeichnete sich selbst in der
Regel nicht als solcher, vielmehr verwendet er Bezeichnungen wie
„Suchender“, „Schüler“, „Reisender“, etc. Sufismus 1 Sufismus 2 Sufismus 3 Eure Meinung: Ich würde mich über eure Meinung freuen. Am meisten würde ich mich natürlich über die Meinung derjenigen freuen, die über das entsprechende medizinische Wissen verfügen und derjenigen, die bereits längere Erfahrungen mit dem Brahmacharya bzw. mit dem Zölibat haben. Vor allen Dingen würde ich mich natürlich über Erfahrungsberichte freuen. Ich würde sie gerne als Anhang mit auf diese Seite nehmen. Sie können auch anonym sein. Diese Datei hat eine Größe von etwa
850 kb. Autobiographie Swami Sivanandas (kostenloses
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